1. Überblick

Zahlreiche deutsche Organisationen bieten Programme für die Kooperation mit Brasilien an. Für den Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern bieten vor allem Alexander von Humboldt-Stiftung und der Deutsche Akademische Austauschdienst spezielle Programme an.

Nach einer dreijährigen Aufbauphase wurde 2012 in São Paulo das Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) eröffnet. Es bündelt den Auftritt der deutschen Wissenschaftsorganisationen und dient als Forum für Veranstaltungen. Ziel ist es, den wissenschaftlichen Austausch, Forschungskooperationen und Innovationsprojekte zwischen deutschen und brasilianischen Wissenschaftlern und Partnern zu fördern und dauerhaft als wissenschaftliche Brücke zwischen Brasilien und Deutschland dienen. Neben DAAD, Deutsche Forschungsgemeinschaft - DFG und Alexander von Humboldt Stiftung - AvH ist einer Reihe deutscher Hochschulen am gemeinsamen Standort vertreten.

Viele deutsche Universitäten haben eigenständige Kooperationsabkommen mit brasilianischen Universitäten unterzeichnet. Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz verzeichnet über 350 Hochschulkooperationen zwischen Deutschland und Brasilien

Deutsch als Fremdsprache erfreut sich in Brasilien nicht nur in den traditionellen Gebieten deutscher Einwanderung im Süden des Landes großer Beliebtheit mit wachsenden Schülerzahlen. Dabei wird Deutsch heute zunehmend als wichtige Berufsqualifikation betrachtet. Insgesamt lernen über 90.000  Schüler in Brasilien Deutsch. Das Goetehe-Insitut bietet an sechs Standorten in Brasilien Deutschkurse und darüber hinaus ein breites Kulturangebot an.

Von drei deutschen Begegnungsschulen die zum deutschen Abitur führen, befinden sich zwei in São Paulo (CH und CVPS) und eine in Rio de Janeiro (EAC). Die Porto-Seguro-Schule in São Paulo (CVPS) ist mit etwa 11.000 Schülern die größte deutsche Auslandsschule weltweit. In mehreren brasilianischen Bundesstaaten gibt es außerdem öffentliche und private Institutionen, die Deutschkurse anbieten. Zu den wichtigsten gehören das CEMPD in Porto Alegre, das CBC in São Paulo und das CC in Rio de Janeiro.  

Auch der künstlerische Austausch zwischen Brasilien und Deutschland hat sich in den letzten Jahren intensiviert. So präsentierte Brasilien im Rahmen der Fußball WM 2006 mit der „Copa da Cultura: Brasilien in Deutschland“ ein eigenes Kunst und Kulturprogramm in Deutschland. Als größte Kunstausstellung deutscher Kuratoren, hat die Ausstellung „Die Tropen“ in Brasilien 2008 eine halben Million Besucher begeistert. Nach 1994 wird Brasilien im Jahr 2013 bereits zum zweiten Mal Ehrengast bei der Frankfurter Buchmesse sein. 

Im Rahmen des Deutschlandjahres "Deutschland und Brasilien 2013 - 2014, Wo Ideen sich verbinden", das von Mai 2013 bis Mai 2014 in Brasilien stattfindet, werden zahlreiche deutsche Kulturveranstaltungen stattfinden.

Quelle: Internationales Büro des BMBF

2. Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung legt gemeinsam mit dem brasilianischen Außenministerium MRE und Forschungsministerium federführend den Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit fest. In der wissenschaftlichen Zusammenarbeit Deutschlands mit Brasilien stehen folgende Bereiche im Vordergrund:

  • Umwelt- Klima- und Nachhaltigkeit
  • Luft- und Raumfahrt
  • Liefe Science und Biotechnologie
  • Zusammenarbeit in der Hochschul- und beruflichen Bildung

Eine Intensivierung der Kooperation wurde auf folgenden Gebieten vereinbart:

  • Produktionstechnologie
  • Neue Materialien und Nanotechnologie
  • Informations- und Kommunikationstechnologien

Von April 2010 bis April 2011 fand das "Deutsch-Brasilianische Jahr der Wissenschaft, Technologie und Innovation 2010/2011" statt. Unter dem Motto "nachhaltig:innovativ" trafen sich Wissenschaftler, Experten und Studierende aus beiden Ländern zu zahlreichen Aktivitäten, wodurch die bilateralen Beziehungen intensiviert und eine neue Qualität der Zusammenarbeit im wissenschaftlich-technologischen Bereich erreicht werden soll.

Gegenwärtig arbeiten Wissenschaftler beider Länder u.a. in folgenden großen Kooperationsprojekten zusammen, die vom BMBF gefördert werden:

  • AGUA-DF: Deutsche Umweltforscher und Wasserversorgungsunternehmen erstellen ein integriertes Managementkonzept für Wasserversorgung und Abwasserbehandlung in der brasilianischen Hauptstadt Brasilia.
  • ATTO: Bau eines 300m hohen Klimamessturms in Amazonien (ATTO - Amazonian Tall Tower Observatory), welcher der Beobachtung der Wechselwirkungen zwischen Klima, Atmosphärenchemie und den Ökosystemen Amazoniens dient.
  • CARBIOCIAL: Das Projekt untersucht die Zusammenhänge von Landnutzung, Biodiversität und Kohlenstoffbindung in Amazonien und Mato Grosso.
  • INNOVATE: In diesem Projekt werden die Interdependenzen in den Kohlen- und Stickstoffkreisläufen von Wasserkraftwerken und bei der Landnutzung erforscht.

Im Rahmen der Strategie der Bundesregierung „Bioökonomie 2030“ bereitet das zuständige Referat 617 im BMBF einen neuen Kooperationsschwerpunkt mit dem Partner Brasilien vor. Brasilien verfügt über langfristige Erfahrung in der Herstellung und Nutzung von Biotreibstoffen. Das Land bietet außerdem großes Potenzial für die nachhaltige Erzeugung von Biorohstoffen.

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3. Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH)

Die Alexander von Humboldt-Stiftung hat 2012 gemeinsam mit der brasilianischen Wissenschaftsfördereinrichtung CAPES (Coordenação de Aperfeiçoamento de Pessoal de Nível Superior) ein gemeinsames Stipendienprogramm ins Leben gerufen: Bis Ende 2014 sollen jährlich bis zu 15 Forschungsstipendien an hochqualifizierte brasilianische Wissenschaftler vergeben werden, um ihnen einen Forschungsaufenthalt in Deutschland zu ermöglichen.

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4. Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB)

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5. Deutscher Akademischer Austauschdienst e.V. (DAAD)

Wachsende Bedeutung gewinnt die Hochschulzusammenarbeit mit Brasilien, das wichtigstes Partnerland des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in Lateinamerika ist. Der DAAD verfügt über eine Außenstelle in Rio de Janeiro, zehn Lektoren des DAAD sind nach Brasilien entsandt, die neben der Lehre auch Studierende beraten sowie Werbung für den Forschungs- und Hochschulstandort Deutschland übernehmen.  

Wichtigster Kooperationspartner des DAAD in Brasilien ist die Förderagentur zur Hochschulbildung (CAPES). Die beiden wichtigsten Förderprogramme sind PROBRAL, das die Zusammenarbeit von Forschergruppen unterstützt, und UNIBRAL, das den Austausch von Studierenden fördert. Seit 2009 werden Doppelabschlüsse (UNIBRAL II) und Doppelpromotionen (PROBRAL II) besonders gefördert. Insgesamt unterstützt der DAAD jedes Jahr mehr als 1.800 Deutsche und Brasilianer. Kernprogramm bildet das Jahresstipendiatenprogramm, in dem jährlich ca. 80 brasilianische Doktoranden bei der Promotion in Deutschland gefördert werden.  

Der DAAD ist deutscher Partner im Brasilianischen Stipendienprogramm "Wissenschaft ohne Grenzen". Im Rahmen des Programms sollen bis 2015 bis zu 10.000 brasilianische Wissenschaftler und Studierende nach Deutschland kommen.

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6. Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

2008 startete der deutsch-brasilianische Forschungsverbund BRAGECRIM (Brazilian German Collaborative Research Initiative in Manufacturing Technology). An BRAGECRIM sind als Fördergeber die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und ihre brasilianischen Partnerorga­nisationen CAPES, CNPq und FINEP (den brasilianischen Bildungs- und Forschungsministerien MEC und MCTI nachgeordnet) beteiligt.

Im Rahmen des Forschungsverbunds werden seit 2009 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus beiden Ländern im Feld der Produktionstechnik gefördert und können intensiver zusammenarbeiten. In einer ersten zweijährige Phase wurden insgesamt 16 Teilprojekte gefördert. In der zweiten Projektphase (2012-2014) forschen über 300 Wissenschaftler von 13 deutschen und elf brasilianischen Universitäten sowie weitere Forschungseinrichtungen in BRAGECRIM. 

Im 2011 begonnenen, ersten deutsch-brasilianischen Graduiertenkolleg arbeiten Physiker, Mathematiker, Biologen, Klimatologen und Geografen aus beiden Ländern an der Erforschung von Netzwerken mit komplexer Topologie, mit denen sich in vielen Wissenschaftsbereichen komplexe Systeme besser verstehen lassen. Anders als in den meisten Studien geht es in diesem Graduiertenkolleg jedoch nicht um feste, unabänderliche Topologien, sondern – so auch der Obertitel – um „Dynamische Phänomene in komplexen Netzwerken“.

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7. Fraunhofer-Gesellschaft (FhG)

Die Fraunhofer Gesellschaft (FhG) intensiviert seine Kooperationsaktivitäten mit Brasilien durch verstärkte gemeinsame Projekte aber auch durch Präsenzstrukturen. Die FhG berät die brasilianische Regierung beim Aufbau des Innovationsprogramms EMBRAPII, mit dem Brasilien eigene Strukturen für einen koordinierten Innovationsprozess schaffen will. Seit August 2012 ist die FhG auch durch einen Senior Advisor in Brasilien vertreten, dessen Verbindungsbüro sich in der Außenhandelskammer in direkter Nachbarschaft des DWIH befindet. Ein Project-Center zu Software und Systems Engineering begann seine Arbeit im März 2012, ein Project-Center zur FuE von Lebensmitteln und Bioressourcen wurde im Oktober 2012 in Campinas eröffnet.

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8. Weitere

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Redaktion: 14.12.12, von: Dr. Matthias Frattini, IB Internationales Büro des BMBF beim DLR e. V.
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