150 Jahre Beck Fischer

Urururgrossvater's erstes Brot am Uschtermärt 1848

Der Gründer dieses Familienbetriebes hiess Heinrich Fischer und wurde 1825 als viertes von fünf Kindern in der "Gupfe" in Hegnau als Spross eines alteingesessenen Geschlechtes geboren. Als der Knabe 12-jährig war, verloren er und seine Geschwister kurz nacheinander ihre Eltern durch den Typhus.

In jenen Jahren baute der Kanton Zürich in Richtung Oberland grosszügig die Strassen aus, wodurch unser "Guggudorf" die Bedeutung eines Knotenpunktes erhielt. Der junge Mann entschloss sich für das Bäckerhandwerk und erlernte dieses in der Enge bei Zürich. 1848 erstellte der erst 23-jährige im Dorfzentrum an der neuen Landstrasse (heute Zürichstrasse 4) eine Bäckerei mit Wohnhaus.


Nach Überlieferung schoss er am traditionellen "Uschtermärt" jenes Jahres erstmals Brot in den neuen Backofen ein. Heinrichs sieben Jahre ältere Ehefrau Regula Pfister stammte aus dem Tüftal in der Gemeinde Egg. Damals klapperte dort noch das Wasserrad der Mühle und im Sommer wurde für die umliegenden Bauern gebacken. Diese Umstände dürften den Start des Unternehmens in Hegnau erleichtert haben. Zudem war die Frau gross und kräftig und man erzählt voller Respekt, sie habe wiederholt unter jedem Arm einen Mehlsack zu 50 Kilogramm in die Backstube getragen!

Einer der ersten Lehrlinge, die der junge Meister ausbildete, war sein jüngster Bruder Jakob, mit dem er sich gut verstand. Dieser eröffnete später eine eigene Bäckerei in Dübendorf, die bis zu seinen Enkeln bestand. Die Kundschaft dieser Landbäckereien setzte sich zu dieser Zeit noch vorwiegend aus Bauern zusammen, die ihr eigenes Mehl brachten um später 5-Pfünder gegen einen Backlohn abzuholen. So war man auf einen Zusatzverdienst angewiesen. Anfänglich fand Heinrich diesen im Verkauf von Spezereien wie Kaffee, Tee, Reis und Zucker. Dazu verkaufte er aber auch Futtermittel, denn damals bestand noch kein VOLG-Laden im Dorf.

Brot und Wein das ist doch fein!

Ab 1851 betrieben die Fischers in ihrer Stube während 27 Jahren auch eine Weinschenke. Sie hiess "zum Oetenbühl" und an den Südhängen jenes Hügels gegen das "Gfenn" besassen sie denn auch ihre Reben. in diesem Wirtelokal fanden mehrmals Ganten statt. Bevor 1876 die Verbindungsstrasse Gfenn - Wangen gebaut wurde, liess der Gemeinderat Volketswil in "Bäcker Fischer's Weinschenke" diese Arbeiten öffentlich verakkordieren, d.h. zu einem möglichst niedrigen Pauschalpreis vergeben.

Lieferservice mit Ross und Karren

1885 übernahm der einzige Sohn, Alfred Fischer-Bosshard, geb. 1858, das Geschäft. Schon sein Vater hatte mit einem Karren Brot und Weggen nach Schwerzenbach und Wangen ins Haus gebracht. Alfred erweiterte den Geschäftsrayon mit Zimikon und Gfenn und modernisierte diesen Kundendienst durch den Einsatz eines Pferdes. Das war zu jener Zeit in unserer Gemeinde eine Seltenheit. So war er an fünf Wochentagen abends bei jedem Wind und Wetter unterwegs.

Als im April und Mai 1893 kein Regen fiel, liess er auf der Strassenseite ein Untergeschoss ausheben und dort eine geräumige Backstube mit grösserem Ofen sowie einen Vorraum einrichten. Nach einem Unterbruch vor der Jahrhundertwende nahm er den Handel mit Futtermais, Hafer und Grüsch wieder auf. Eine längere Krankheit hatte ihn gezwungen, die Hauptarbeit einem Gesellen zu überlassen. Dieser Jakob Gubler hielt seinem Meister während 37 Jahren bis zu seinem Tode die Treue.

Bäcker und Bauer und erste Spezialitäten

Der 1890 geborene Sohn von Alfred Fischer hiess ebenfalls Alfred. Er heiratete eine Reutlinger und widmete sich hauptsächlich dem inzwischen angegliederten Landwirtschaftsbetrieb. 1938 übernahm er auch die Bäckerei und führte diese persönlich weiter als es mit fremden Arbeitskräften haperte. Noch immer überstieg der Bedarf an Brennholz die Bezugsmöglichkeiten aus dem eigenen Wald. So kaufte denn die Bäckerei Fischer von den hiesigen Bauern wiederholt meterlange Spälten und Reisigwellen. Als Gegenleistung dörrte sie ihnen im Herbst Bohnen, Birnen und Apfelschnitze als Vorrat für den Winter, Besonders gefragt war dies während den Kriegsjahren mit ihren Einschränkungen in der Lebensmittelversorgung.

Bis 1921 wurde im Betrieb Sauerteig verarbeitet, seither Hefeteig. Die Hauptbrotsorte ist immer noch das alte "Züribrot". Eine traditionelle Spezialität waren "Ankeweggen" und Zöpfe, für die ausschliesslich reine Butter Verwendung findet. Eine der ersten und zugleich beliebtesten Spezialitäten waren die "Birewegge", die sich schon im letzten Jahrhundert besonders auf Weihnachten und Neujahr grösster Beliebtheit erfreuten. Auch nachdem ab 1915 eine Teigknetmaschine die Arbeit erleichterte, blieb doch der grösste Anteil Handarbeit.

Start in die Neuzeit mit Elektro-Backofen

Vor der Übernahme im Jahre 1955 durch Fritz Fischer-Kern, geb. 1921, erfolgte ein Gesamtumbau von Laden und Backstube. Dabei wurde der gute alte Holzofen durch einen viel Zeit sparenden elektrischen Ofen ersetzt.

Das Brot wurde bis 1959 mit Ross und Wagen in die umliegenden Dörfer ausgetragen. Durch die zunehmende Motorisierung wurde diese alte Tradition von einem Auto abgelöst.

Infolge der starken baulichen Entwicklung der Gemeinde Volketswil wurde 1967 auch die Landwirtschaft aufgegeben.

Die fünfte Generation

Im Jahre 1969 kam Fritz Fischer junior als gelernter Bäcker-Konditor in den Betrieb. Um Platz für das stark erweiterte Sortiment zu schaffen wurde der Keller neben der Backstube zu einer Konditorei ausgebaut.

1974 absolvierte Fritz Fischer junior die Meisterprüfung. Durch die stetig erfreulich steigende Kundennachfrage wurden die bestehenden Räumlichkeiten bald zu eng.

Auf eigenem Boden konnte dann 1975/76 das neue Wohn- und Geschäftshaus realisiert werden.


Die gesamte Grundfläche des Gebäudes wurde für die helle, ebenerdig angelegte Backstube, den vollklimatisierten Konditorraum und den Verkaufsraum eingesetzt. Das Mehl als Grundprodukt für alle Backwaren gelangt über eine Druckleitung von den Mehlsilos im Untergeschoss direkt in die Mischkessel. Mit den modernen Einrichtungen und viel Liebe zum Handwerk werden jährlich über 100 Tonnen Mehl und 6 Tonnen frische Butter verarbeitet!

Als 1993 das Zentrum Volketswil umgebaut wurde, entschloss sich Fritz Fischer, dort eine erste Filiale zu eröffnen. Nach zehn Jahren Betrieb hatte diese Filiale am 31. Dezember 2002 zum letzten mal Ihre Tore geöffnet.

Anfangs Januar 1996 expandierte Fritz Fischer erstmals ausserhalb von Volketswil nach Ebmatingen. Die BewohnerInnen kannten die Fischer-Spezialitäten bereits, denn vorher hatte er den K3000 beliefert. Die freundlich eingerichtete Filiale befindet sich im alten Postlokal von Ebmatingen.

Im Februar 2003 wurde der Laden in Hegnau renoviert. Dieser ist nun hell und kundenfreundlich gestaltet. Die Öffnungszeiten sowie das Angebot wurden erweitert. Nun sind neben den bekannten Backwaren, Snacks und Pâtisseries auch Kaffee und Milchprodukte erhältlich.

Ende 2007 konnte in Hegnau der Anbau an das bestehende Geschäftshaus in Betrieb genommen werden. Die neuen Räumlichkeiten umfassen modernste Kälteanlagen, einen Warenlift, neue Garderoben und Büroräumlichkeiten.

Im Februar und März 2012 wurde der Laden in Ebmatingen einem Totalumbau unterzogen. Er präsentiert sich nun grösser und in frischen Farben. Ausserdem wurde eine kleine Cafeteria eingerichtet.





BECK FISCHER
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