Ich zimmere mir eine Zeichen-Karriere

Eigentlich wollte ich nur meine ersten Testdrucke für Tassen & Co. zeigen und kurz erzählen, was ich so vorhabe mit der Zeichnerei. Dann ist mir aufgefallen, dass das genau zu meiner eben auf schreibnudel.de gestarteten Künstler-Blogparade: Von der Kunst leben etc. passt.

Also mach ich einfach bei meiner eigenen Blogparade mit. :-)

 

Das Zeichnen „ist es“

Dass ich beim Zeichnen in meinem Element bin, war für mich eine regelrechte Erleuchtung. Bisher habe ich immer gedacht, das Schreiben ist es.

Ich habe immer schon geschrieben, mir schon als Kind dauernd Geschichten ausgedacht – und aufgeschrieben. In meiner Angestelltenzeit habe ich sehr viele Marketingtexte und Briefe geschrieben + Kollegen trainiert. Als ich dann 1999 mit dem Artikelschreiben angefangen und seit 2000 ständig Ratgeber veröffentlicht habe, dachte ich, ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht.

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Dann hat mir vor zwei Jahren ein netter Mensch einfach so aus dem Blauen heraus ein digitales Zeichenbrett geschenkt.

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Ich habe mehr und mehr gezeichnet und plötzlich gemerkt:

Heureka! Es ist nicht (mehr/nur) das Schreiben, sondern das Zeichnen ist es.

Das Wort, dass mein Gefühl dafür am besten trifft, ist das englische „excited“, denn das ist eine facettenreiche Mischung von aufgeregt/angeregt/begeistert zu sein. Genau so geht es mir.

Ich habe noch nie in meinem Leben bei etwas gespürt, dass ich da so richtig in meinem Element bin. Klar, ich weiß, was ich super kann, was mir leicht fällt und Freude macht. Aber dieses spezifische Gefühl in puncto Zeichnen hat eine ganz andere Qualität. Übrigens ist das kein Widerspruch zum Schreiben, denn es gibt irre viele Parallelen. Und ich kann sehr sehr viele Aspekte hüben wie drüben nutzen.

Vom „zeichnen ist ganz witzig“ bin ich zum „Ich werde Cartoonistin!“ gekommen. Es ist jetzt mein Zukunftsziel, in einigen Jahren vom Zeichnen zu leben. Sowohl von witzigen Illustrationen, als auch als Endziel zu richtigen Cartoons mit eigenen Figuren.

Das hier sind übrigens meine ersten Testdrucke. Ich wollte mal sehen, wie die Qualität der Zeichnungen auf verschiedenen Materialien ist:

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Zwischenschritte

Nun bin ich aber – wie die meisten Erwachsenen – in einer aktuellen, festen Situation. Ich habe mein eigenes Business, mit dem ich nicht nur meinen Lebensunterhalt verdiene, sondern das ich auch sehr gerne habe. Darum lasse ich natürlich nicht von heute auf morgen alles bleiben, sondern ich plane (übrigens entgegen meiner sonstigen Natur) die Zeichenkarriere, indem ich Weichen stelle und Zwischenschritte einfüge.

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Manche dieser Weichen sind für aufmerksame MitleserInnen und Kunden nach außen sichtbar. So habe ich letztes Jahr einige Sachen auslaufen lassen. Zum Beispiel texte ich nicht mehr für Kunden, sondern mache nur noch meine Schreib-/Buchcoachings und Online-Schreibworkshops. Die Anzahl meiner Coachings habe ich auch verringert, weil ich bei den Online-Workshops meine Zeiten besser planen kann – und mir zwischendurch auch mehr Zeit schaffe, um das Zeichnen zu forcieren. Auch habe ich das Zeichnen massiv in alle meine Blogs eingebaut, integriere es in meine künftigen Bücher und eBooklets und beginne mit dem Verkauf von Illustrationen.

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Viele der Weichen sind noch nicht nach außen sichtbar. Zum Beispiel habe ich beschlossen, keine klassischen Ratgeber mehr zu schreiben und plane gerade im Hintergrund an einem neuen Buch-Format, der ein sinnvoller Zwischenschritt vom bisherigen Ratgeber hin zum Zeichen-Buch zu sein. Auch experimentiere ich damit, meine Zeichnen auf Produkte zu drucken.

Nun ist mir natürlich klar, dass ich noch viel zu lernen habe mit der Zeichnerei (ich bin ja kein Profizeichner), aber ich kann meine Arbeit sehr gut einschätzen. Auch wenn ich Zeichnungen veröffentliche, die nicht perfekt oder etwas dilettantischer sind, so lerne ich gleichzeitig für das nächste Mal daraus und ziehe eine Vielzahl von Schlüssen aus jeder meiner Zeichnung.

 

Wann ist Kunst „gut“?

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Für mich sind meine Ideen (+ Texte oder Zeichnungen) dann gut, wenn ich selbst sie für gut befinde und darüber lachen kann.

Eine gute Freundin hat mir letztens gesagt „die Zeichnungen haben das gewisse Etwas“, und das trifft es genau! – Manche Zeichnungen sind ganz normal oder Skizzen, aber viele der Männchen haben tatsächlich das gewisse Etwas. Das merke ich beim Zeichnen auch. Und der Grundstil mit dem gewissen Etwas, der will natürlich verfeinert und entwickelt werden. Wie in jeder Sparte wird man durch Erfahrung und Übung und Sich-ausprobieren besser.

Der eigene Stil bildet sich eh mit der Zeit heraus. Man gucke sich nur die ersten Versionen von Disney, Simpsons, Dilbert & Co. an!

 

Die Zeichen-Karriere zimmern

zimmernthumbDurch die Weichen leite ich nach außen schon eine Veränderung meines Unternehmens ein.

Der Übergang zum Vom-Zeichnen-leben hat bereits begonnen.

Ich habe tausend Ideen, doch die wollen kanalisiert werden.

Denn innerhalb dieser Ideen muss sich ein roter Faden zeigen, wo ich konkret hin will. Nur, wenn man das Ziel genau kennt, kann man auch gezielt darauf hinarbeiten! Das sehe ich übrigens schon als wichtigen Grundstein auf dem Weg zum “von der Kunst leben”. Es geht eben nicht nur darum, dass man Spaß an der Kunst hat, sondern es ist schon auch wichtig, die Kunst als Produkt zu begreifen. Das ist ja nicht negativ! Im Gegenteil.

Am Wichtigsten ist für mich aber, dass ich meinem Zeichnen auch innerlich einen wertvollen Stellenwert gegeben habe. Auch, dass ich es mit dieser Website so richtig nach außen zementiere, dass das jetzt nicht mehr nur „rumzeichnen“, sondern Business ist, macht einen riesigen Unterschied aus – es fühlt sich ganz anders an. Es wird dadurch auch für mich viel (ge)wichtiger.

Ich glaube übrigens nicht an „brotlose Kunst“. Jede Art der Selbstständigkeit ist immer eine Frage der Richtung und Vermarktung.

Noch vor einigen Jahren habe ich gedacht, mein Ziel ist es, irgendwann in meinem Wintergarten zu sitzen (den ich noch nicht habe) und ein neues Buch zu schreiben. Jetzt sitze ich immer noch im Wintergarten, aber mit einem Zeichenblock auf dem Schoß.

Über Gitte Härter

Ich habe zwei Dutzend Ratgeber veröffentlicht und erfinde mich gerade neu. Meine beiden anderen Websites: schreibnudel.de und unternehmenskick.de.

09. Mai 2013
Kategorien: .Neuigkeiten | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , | 6 Kommentare

Kommentare (6)

  1. Liebe Gitte,
    hast du dir deine Grafik schützen lassen? ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich die Publikationen des Patentamtes durchschaue, was alles geschützt ist.
    Ich kenne einen Fall, da hat jemand eine Grafik erstellt und verwendet, danach hat sie ein anderer sich schützen lassen und anschließend den Urheber verklagt. Der Urheber war chancenlos.

    • Hallo Susanne,

      vielen Dank für die Erinnerung. Noch bin ich noch nicht in diesem Stadium (das Männchen oben auf den Testdrucken ist nicht das, was ich großartig verwenden werde) – aber ich habe durchaus schon bestimmte Figuren im Sinn, mit denen ich Größeres vorhabe, und da ist es auf jeden Fall wichtig, sich das mit dem Schützen näher anzuschauen.

      Es ist wirklich verrückt, was alles geschützt werden kann. Letztes Jahr hat mich mal ein (sehr netter) Mann angerufen, weil er einen Begriff hat schützen lassen und bei der Google-Suche auf Platz 1 ich mit einem Formular, das genauso hieß, kam. Da war ich auch erstaunt, was das Patentamt schützen lässt – es war eine ganz naheliegende Hauptwort-Kombination.

      Ja: Urheberrecht und Gericht, das ist nach wie vor oft so eine Sache …

      Einen schönen Tag!
      Gitte

  2. Meine beiden Ausbildungen (die erste zur Schauwerbegestalterin, die zweite zur Mediengestalterin) brachten mir neue Erkenntnisse, welche sich hervorragend auf das Zeichnen und Malen übertragen ließen. So flossen die Themen meiner Ausbildungen auch in meine Webseite ein, weshalb es nicht nur beim Zeichnen geblieben ist, sondern sich nun auch diverse Informationen rund ums Gestalten finden.


    von Gitte: Hallo Dominique, danke für Ihren Kommentar. Da ich für Websites hafte und außer Englisch keine Fremdsprache spreche, um die Seite genau zu prüfen, musste ich leider den link entfernen.

  3. Gitte, ich warte auf eine Tasse von dir mit einem zornigen Mädchen drauf – und drunter steht: “Los jetzt! Das Leben ist kurz!”

    Oder eines in einer Hängematte: “am siebten Tag darfst du ruh´n”.

    LG Inita

    • Lustige Ideen, Inita! (Ja, die zornigen Gesichter find ich auch immer ziemlich lustig) – Ich hab schon Lust, irgendwann mal ein paar Tassen zu machen, aber mein erster Tassendruck war nicht sooo toll, sowohl von der Qualität her als auch vom Druck. Da werde ich mir mal noch einen anderen Anbieter vorknöpfen. Silke hat nebenan ja auch schonmal Spreadshirt erwähnt, die teste ich als nächstes. Hat auch den Vorteil, dass die die gesamte Abwicklung übernehmen.

      Wird aber noch etwas dauern, erst stehen paar andere Sachen an, wie das immer so ist.

      Viele Grüße
      Gitte

  4. Pingback: Blogparade: Von der Kunst leben « Kleckerlabor

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