Zürich

Bis 30 Prozent weniger Umsatz wegen Rauchverbot

Aktualisiert am 08.11.2010

Seit einem halben Jahr gilt das Rauchverbot in Gastrobetrieben. Die meisten der befragten Wirte in der Region beklagen finanzielle Einbussen. Und die kalte Jahreszeit hat gerade erst begonnen.

Von Thomas Bacher

Oberland – Das Rauchverbot hat die schlimmsten Befürchtungen von Urs Iselin übertroffen. Im Vorfeld hatte der Wirt der Ustermer Quartierbeiz Feldegg mit einer Einbusse von 20 bis 25 Prozent gerechnet – im schlechtesten Fall. «Tatsächlich ging unser Umsatz um 30 Prozent zurück», stellt er heute fest. Früher seien die Handwerker zwei Stunden lang zum Feierabendbier geblieben, nennt Iselin ein Beispiel. Heute seien sie nach einer halben Stunde wieder weg – und konsumierten entsprechend weniger. Ein Fumoir würde auch keine Besserung bringen. Dafür sei der Grundriss des Lokals nicht geeignet. Und eine solche Einrichtung wäre auch zu teuer. Noch hat Iselin kein Personal entlassen. Wenn sich die Situation nicht wieder bessere, komme er aber nicht darum herum – «sonst gehe ich unter», hält er fest.

Gemütlichkeit ist weg

In Anni’s Sternenbar in Dübendorf arbeitet das Personal schon heute weniger. «Weil der Umsatz um rund 20 Prozent zurückging, musste ich die Einsätze der Aushilfen reduzieren», bedauert Barbetreiberin Anni Reichle. «Und auch so wird es knapp.» Im Sommer sei es noch kein Problem gewesen, da hätten die Gäste draussen geraucht. Jetzt aber blieben viele einfach weg. Auch wenn das Fumoir gut genutzt werde. «Und es sind seit dem Verbot auch keine neuen Gäste dazugekommen, wie das die Lungenliga prognostiziert hatte.» Zudem komme seit dem Rauchverbot keine richtige Gemütlichkeit mehr auf. Weil andauernd Leute nach draussen gingen oder den Raucherraum aufsuchten, seien Diskussionen selten geworden. «So ist es einfach nicht mehr schön», sagt Reichle.

Gedränge im Fumoir

Auch Reto Kuhn beklagt das ständige Rein und Raus. «Das ist für die Stimmung nicht gut», findet der Betreiber der QN World in Effretikon. Immerhin: Das Rauchverbot hat den Umsatz seines Gastro-Unternehmens nicht tangiert. So ging die Gästezahl in der Bar zwar zurück, dafür stieg sie in der Lounge, die heute als Raucherraum dient. Im Restaurant sei der Umsatz konstant. Damit er in der Bar nicht noch weitere Gäste verliere, habe er draussen eine Jurte aufgestellt, die nun als Fumoir dient. «Das ist eine zusätzliche Investition», sagt Kuhn. Denn die Lounge sei oftmals dermassen voll mit Rauchern, dass sie nicht noch als Fumoir für die anderen Gäste dienen könne. Der Gastronom hat sich inzwischen zwar mit dem Rauchverbot abgefunden, erachtet es aber nach wie vor als sinnlos. Es entspreche nicht dem Bedürfnis der Gäste. Auch den Mitarbeiterschutz lässt er als Argument nicht gelten. So arbeiteten seine Angestellten am liebsten in der Lounge. Dort dürften sie selber rauchen und verdienten besser, weil mehr los sei als in der Bar.

Im Dante Pub in Pfäffikon hat das Rauchverbot kaum Auswirkungen, wie Geschäftsführerin Andrea Pecorelli bestätigt. Sowohl der Umsatz als auch die Zusammensetzung der Gäste habe sich nicht verändert. Wer rauchen will, tut das im Zelt im Garten, und das führe halt zu gewissen Bewegungen im Lokal. Anders als in den übrigen angefragten Betrieben erhält Pecorelli positive Rückmeldungen der Gäste, weil die Kleidung nicht mehr nach Rauch stinke. Und auch die Mitglieder eines Fussballvereins kämen seit dem Rauchverbot häufiger.

Jassrunden fehlen

Weniger positiv tönt es aus dem Hirschen in Hinwil. Feierabendbier und Jassabende gebe es kaum mehr, stellt die stellvertretende Geschäftsführerin Nicole Baumgartner fest. Der Schaden halte sich insofern in Grenzen, als Bankette und Essen den meisten Umsatz generierten. Ohnehin sei es vor dem Winter für eine Bilanz zu früh. Auch Baumgartner kritisiert das Rauchverbot. Die Raucher in ihrem Lokal seien schon früher sehr rücksichtsvoll gewesen. Und während es einst in den Beizen nach Rauch gerochen habe, rieche es jetzt nach Schweiss und Parfüm. «Da war mir der blaue Dunst lieber», sagt die Nichtraucherin. Dabei hätte der Hirschen eigentlich die besseren Karten gehabt als die Konkurrenz. Denn weil zum Betrieb auch ein grosser Saal und ein Wintergarten gehören, hätte im Restaurant und dem angrenzenden Stübli weiterhin geraucht werden dürfen, da diese beiden Räume weniger als ein Drittel der Gesamtfläche ausmachen. Doch dann seien Reklamationen eingegangen, sagt Baumgartner, und deshalb habe man mit der Gemeinde als Besitzerin der Liegenschaft nach einer Lösung gesucht – die nun als komplettes Rauchverbot daherkommt. Baumgartner ist zuversichtlich, dass man den Rauchern auf der Terrasse dereinst einen Unterstand oder Ähnliches anbieten könne. Entsprechende Gespräche seien im Gang.

«Verbot ist eine Frechheit»

Das Rauchverbot hat auch dem Pirates in Hinwil zugesetzt. Zwar habe man einen «fantastischen» Sommer gehabt, sagt Mitinhaber Andi Gröbli. Doch mit den kühlen Temperaturen sei der Umsatz um 15 bis 20 Prozent gesunken – deutlich mehr, als er erwartet hatte. Gegenüber früher verzeichne man nicht weniger Gäste, doch die hätten sich mehr nach draussen aufs Piratenschiff verlagert. Auch wenn es dort ebenfalls eine Bar gebe, seien die Leute halt trotzdem weiter weg von den Getränken und konsumierten deshalb weniger. Dazu kämen die Kosten für den Betrieb der Heizstrahler und ein gestiegener Reinigungsaufwand rund ums Pirates. Ebenso gebe es mehr Reklamationen wegen Lärms. Zwar glaubt Gröbli nicht, dass das Verbot die Gäste allzu sehr störe. «Ob drinnen oder draussen, sie sind im Pirates und haben ihren Spass.» Besänftigen mag dies den Nichtraucher wenig: «Das Verbot stellt eine Bevormundung dar. Dass Schreibtischtäter uns reinreden, ist eine absolute Frechheit.»

Erstellt: 08.11.2010, 19:35 Uhr

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