Voll in die Fresse…

Wenn zwei mit den Fäusten auf einander losgehen und auf einander eindreschen, bis der eine nicht mehr aufsteht – dann ist das nicht eine Schulhofsszene in der Berliner Rütli-Schule, dann ist das vielmehr “ein Kampfsport, bei dem sich zwei Personen derselben Gewichtsklasse unter festgelegten Regeln nur mit den Fäusten bekämpfen” (so die Lexikondefinition für Boxen) – ein “Sport”, den wir alle auch noch mit unseren Steuergeldern finanzieren. Denn nach einer Auskunft des Bundesministerium des Innern, Referat O 3 -Buergerservice- vom 10. 8. 2007 gestaltet sich die staatliche Unterstützung für diese Form der Aggressivität recht vielfältig:

„Allgemein werden alle Olympiastützpunkte finanziell unterstützt.

In folgenden Olympiastützpunkten trainieren Boxer:
OSP Cottbus,
OSP Köln, Bonn, Leverkusen
OSP Magdeburg
OSP Niedersachsen
OSP Rhein-Neckar.

Auch das Bundesleistungszentrum für Boxen und Ringen wird finanziell durch das Bundesinnenministerium gefördert.

Desweiteren fördert das BMI den Deutschen Boxsport-Verband (DBV) im Rahmen seiner Verbandsförderung wie folgt:

A) Jahresplanung

Es werden bezuschusst die Aufwendungen der Athleten für Sportwettkämpfe, Trainings- und Lehrgangsmaßnahmen, Stützpunkttraining, Sichtungsveranstaltungen. Ferner noch die Aufwendungen für Mitwirkung in internationalen Sportfachverbänden.

B) EM/WM

Es werden die Kosten für die Teilnahme an EM/WM bezuschusst.

C) Olympia 2008 in Peking

Im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2008 in Peking werden noch gesondert Projektmaßnahmen und Olympiasondermaßnahmen für die Top-Athleten des Verbandes gefördert.

D) Leistungssportpersonal

Ferner wird dem Verband noch ein jährlicher Bundeszuschuss für sein Leistungssportpersonal (z.B. Sportdirektor, Bundestrainer) gewährt.

Die Festsetzung der o.g. Maßnahmen erfolgt nach einem sportfachlichen Votum durch den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).“

Wie gesagt, eine Auskunft, Stand 2007. Inwieweit sie noch gilt und um welche Summen es geht, hoffe ich noch in Erfahrung bringen zu können.

Lange mag man den Boxsport für eine Domäne des Zuhältermileus gehalten haben – heute ist er längst salonfähig geworden. Selbst die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender meinen uns zeigen zu müssen, wie das eine Ebenbild Gottes dem anderen die Fresse poliert. Und wir wundern uns, daß diese salonfähige Form sozialer Interaktion vorbildhaft wirkt – zum Beispiel auf unseren Schulhöfen.

Als sich das nationale Selbstbewußtsein der Weimarer Republik an Max Schmeling festmachte, dichtete Erich Mühsam:

„Max Schmeling gehört zu Deutschlands Rettern,
Denn er kann ein Nasenbein zerschmettern.“

Wir Heutigen sind haben es herrlich weit gebracht: Bloßes Einprügeln auf den lieben Nächsten ist verboten und wird bestraft. Eingedroschen werden darf nur nach Regeln und mit bereitstehendem Arzt, der sich blutender Wunden unverzüglich annimmt. Womit wir unsere zivilisatorische Überlegenheit gegenüber dem Neandertaler beweisen, der in seiner Primitivität noch regellos die Keule schwang und seinem lieben Nächsten den Schädel einschlug.

Noch ein Fan des Boxsports

“Boxen ist populärer denn je – und kein anderer Sport hat seit jeher Künstler und Schriftsteller so fasziniert und inspiriert. Was reizt Kopfarbeiter so am Faustkampf?” fragte die Kultursendung “aspekte” (ZDF) in ihrer Sendung vom 18.11.2011 und führt eine Reihe von Autoren an: Hemingway beispielsweise, der bekanntlich auch den Stierkampf so liebte.

“Die Reihe der boxbegeisterten Bleistift-Athleten ist lang: Sie reicht von Lord Byron und Jack London über Arthur Conan Doyle und Bert Brecht zu George Bernard Shaw und Norman Mailer.”

Leider hat die Autorin des Film wohl einen der prominentesten Fans des Boxsports vergessen, einen gewissen Adolf Hitler:

“Es dürfte kein Tag vergehen, an dem der junge Mensch nicht mindestens vormittags und abends je eine Stunde lang körperlich geschult wird, und zwar in jeder Art von Sport und Turnen. Hierbei darf besonders ein Sport nicht vergessen werden, der in den Augen von gerade sehr vielen ‘Völkischen’ als roh und unwürdig gilt: das Boxen. Es ist unglaublich, was für falsche Meinungen darüber in den ‘Gebildeten’-kreisen verbreitet sind. Daß der junge Mensch fechten lernt und sich dann herumpaukt, gilt als selbstverständlich und ehrenwert, daß er aber boxt, das soll roh sein! Warum. Es gibt keinen Sport, der wie dieser den Angriffsgeist in gleichem Maße fördert, blitzschnelle Entschlußkraft verlangt, den Körper zu stählerner Geschmeidigkeit erzieht. Es ist nicht roher, wenn zwei junge Menschen eine Meinungsverschiedenheit mit den Fäusten ausfechten als mit einem geschliffenen Stück Eisen. Es ist auch nicht unedler, wenn ein Angegriffener sich seines Angreifers mit der Faust erwehrt, statt davonzulaufen und nach einem Schutzmann zu schreien. Vor allem aber, der junge, gesunde Knabe soll auch Schläge ertragen lernen. Das mag in den Augen unserer heutigen Geisteskämpfer natürlich als wild erscheinen. Doch hat der völkische Staat eben nicht die Aufgabe, eine Kolonie friedsamer Ästheten und körperlicher Degeneraten aufzuzüchten. Nicht im ehrbaren Spießbürger oder der tugendsamen alten Jungfer sieht er sein Menschheitsideal, sondern in der trotzigen Verkörperung männlicher Kraft und in Weibern, die wieder Männer zur Welt zu bringen vermögen.

Enorme Nehmerqualitäten – toll!

»Am Sonntag lag Shannon Briggs noch auf der Intensivstation. Immerhin war er ansprechbar. Nach einer Kernspin-Untersuchung konnte die befürchtete Gehirnblutung zwar ausgeschlossen werden, der Amerikaner erlitt bei seiner klaren Punkt-Niederlage im Kampf um die WBC-WM im Schwergewicht gegen Witali Klitschko in Hamburg allerdings eine Gehirnerschütterung und je eine Fraktur unter dem rechten und über dem linken Auge. Außerdem zog er sich einen Sehnen- und Muskelriss im rechten Arm zu.«

Mehr siehe Badische Zeitung, 18. 10. 2010

Spielverderber

Da setzt nur einer seine berufliche Tätigkeit außerhalb des Boxrings fort und wird dafür sofort in Untersuchungshaft genommen! »Gefährliche Körperverletzung«! Daß ich nicht lache!

Siehe “focus”

Wen der Papa liebt, den züchtigt er

Als überaus liebender Vater erwies sich Hector Camacho, früherer Champion im Superleichtgewicht, Leichtgewicht und Juniorweltergewicht, dessen väterliche Sorge ihm eine Anzeige wegen Körperverletzung eingetragen hat. Aber glücklicherweise ist er ja gegen Zahlung einer Kaution wieder auf freien Fuß gekommen.

Fast faire Leberhaken

»Gemein ist der Leberhaken eigentlich auch nicht, geht’s in einem Boxkampf doch darum, den Gegner auszuknocken. Und mit einem Leberhaken ist das sehr gut möglich.«

Weiblicher Charme mit Klitschko-Handschuhen

»Vier Millionen TV-Zuschauer und 4000 Fans in Magdeburg staunten über die zerschlagenen Gesichter von Federgewichts-Weltmeisterin Ina Menzer (29, Mönchengladbach) und Ramona Kühne (29, Berlin). Menzer, die durch technischen K.o. in der 6. Runde siegte, mit dickem Veilchen unterm Auge. Kühne mit Vier-Zentimeter-Cut über der Augenbraue, der zum Kampf-Abbruch führte. Dazu noch eine gebrochene Nase.«

Jogis »Feens«

Nach dem EM-Aus der deutschen Mannschaft haben einige Fußball-Fans dafür gesorgt, daß unsere Polizisten endlich mal wieder arbeiten durften für ihr Geld. Ein paar Beispiele:
Wuppertal: 13 Verletzte, 27 Festnahmen,
Wolfsburg: Deutsche Fans versuchten, einen Autokorso von etwa 700 Italienern zu stoppen. Von einer »teilweise chaotischen Situation« sprach die Polizei,
Berlin, Fan-Meile: 17 Festnahmen, 99 Strafanzeigen, davon 29 wegen Körperverletzung,
usw. usw.
Alles in allem also friedlich, wie es sicher wieder in den offiziellen Pressemeldungen heißt.
Ach, wie schön ist doch Fußball.
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44 Millionen Dollar

»Es war ein Wirtschaftsprozess, doch Gerhard Gribkowsky wird verurteilt wie ein Schwerverbrecher. Weil er Schmiergeld von Formel-1-Boss Ecclestone annahm, muss der Ex-Vorstand der BayernLB achteinhalb Jahre hinter Gitter. Seine Verteidiger meinen: Jetzt muss auch Ecclestone angeklagt werden.«
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Lesetip

»In dem Buch ›Fifa-Mafia‹ hat der Münchner Journalist Thomas Kistner die korrupten Machenschaften des Fußballweltverbands zusammengefasst.«
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