Arsch hoch? Zähne auseinander? Nicht für Juden!

Stellen wir uns mal vor, auf der Kölner Domplatte versammelten sich fast täglich Menschen zu einer Demonstration, auf der Muslime ausschließlich als Terroristen und Mörder dargestellt werden. Stellen wir uns weiter vor, diese Demonstration wäre mit Karikaturen versehen, auf der Muslime zu sehen sind, die kleine Kinder essen und sich an ihrem Blut laben. Stellen wir uns weiterhin vor, in Köln wäre ein Anti-Islam-Kongress geplant. Was wäre dann wohl in der Domstadt los. Das Schöne und vor allem Beruhigende ist, wir müssen es uns gar nicht vorstellen, denn wir wissen es ganz genau. Die Bürger Kölns würden sich versammeln und dieser Feindlichkeit die rote Karte zeigen, alles unter dem wunderbaren Kölner Motto “Arsch huh, Zäng ussenander!”

Am 20. September 2008 gab es unter dem Motto “Köln stellt sich quer” eine Neuauflage der Aktion “Arsch huh, Zäng ussenander!” auf der Domplatte in Köln. Anlass war der Versuch der Wählergruppe Pro Köln, in Köln ein als „Anti-Islamisierungs-Kongress“ bezeichnetes europaweites Treffen von Rechten zu inszenieren. Zehntausende Menschen vesammelten sich in der Kölner Innenstadt, um dagegen ein Zeichen zu setzen. Das Treffen von Pro Köln wurde so erfolgreich verhindert.

Jene Zehntausende, die sich 2008 versammelten, um gegen eine einseitige Verurteilung des Islams und seiner Länder zu demonstrieren, die an einem Tag in Köln geplant war, jene Zehntausende schweigen überlaut zu der Tatsache, dass auf der Kölner Domplatte seit nunmehr sechs Jahren fast täglich gegen das Judentum und seinem Land agitiert wird.

Seit 2004 widmet sich die sogenannte “Klagemauer” unter Verantwortung von Walter Herrmann inhaltlich einer verzerrenden und einseitigen Darstellung des palästinensisch-israelischen Konflikts. Da allein die Bezeichnung “Klagemauer” für diese Dauerinstallation eine Beleidigung für all jene ist, denen die wahre Klagemauer in Israel etwas bedeutet, wird sie hier von nun an die Antiwand genannt. Durch eine einseitige Darstellung des Leides der Palästinenser und der Darstellung israelischer Politiker als Kriegsverbrecher verzerrt die Antiwand die Realität des Nahostkonflikts und schürt so antisemitische Ressentiments. Israel wird durchgehend als Aggressor dargestellt, während von den Terroranschlägen durch palästinensische Organisationen geschwiegen wird oder diese als verzweifelte Taten von Hoffnungslosen dargestellt werden. Von den Zielen der palästinensischen Hamas und der libanesischen Hisbollah, die beide für die für die physische Vernichtung aller Juden kämpfen, erfährt man an der Antiwand nichts. Vertreter der Synagogen-Gemeinde Köln forderten daher folgerichtig ab 2005 nachdrücklich ein Verbot der Antiwand.

Nun solle man meinen, die Kölner würden für das Recht und die Sicherheit von Juden ebenfalls ihre Ärsche heben und die Zähne auseinander nehmen und sich zusammen mit der Synagogen-Gemeinde “quer stellen” – aber weit gefehlt. Obwohl die Kölner Antiwand am Kölner Dom für Juden und Israelis so ziemlich genau das darstellt, was der Anti-Islam-Kongress in Köln für Muslime und Araber war, allerdings täglich und nicht nur einmalig, herrscht gegenüber der Kölner Antiwand eisiges Schweigen im Kölner Wald. Während Köln auf der einen Seite deutlich macht, dass Muslime zu Köln gehören und es nicht akzeptiert werden kann, wenn gegen Muslime einseitig Stimmung gemacht wird, zeigt eben dieses Köln auf der anderen Seite eine eiskalte Ignoranz gegenüber Juden, eine Ignoranz, die nur eins bedeutet: Juden gehören nicht zu uns! Was die Stadt Köln seinen muslimischen Nachbarn nicht mal einen einzigen Tag zumuten möchte, mutet die selbe Stadt Juden täglich zu. Noch deutlicher kann es Köln gar nicht sagen:

Arsch hoch? Zähne auseinander? Nicht für Juden!

Das Schweigen der Kölner ist ohrenbetäubend und das, obwohl die Kölner Antiwand mittlerweile ekelhafte Züge angenommen hat. An der Kölner Antiwand ist seit einiger Zeit eine Karikatur zu sehen, auf der ein Jude mit Messer und Gabel ein kleines palästinensisches Kind zerstückelt, um sich an seinem Fleisch und Blut zu laben. Bei dieser Karikatur ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass der dort abgebildete Kannibale nicht als Israeli gekennzeichnet ist, was schon widerlich genug wäre, aber mittlerweile bei vielen als “Israelkritik” durchgeht, sondern als Jude. Auf seinem “Schlabberlatz” ist nicht die Israelfahne mit den blauen Tallitstreifen abgebildet, sondern nur der מגן דוד. Hier beleidigt die Karikatur nicht Israel, sondern alle Juden.

Eine solche Karikatur hat es vor dem Kölner Dom seit dem “Dritten Reich” nicht mehr gegeben; dennoch findet sich in Köln niemand, um sich gegen diese Beleidigung quer zu stellen, im Gegenteil: Die menschenverachtende Karikatur wird benutzt, um Kritik am Staat Israel zu formulieren. Das muss man sich mal vorstellen, eine Karikatur, die in der Tradition des mörderischen Antisemitismus steht, eine Karikatur, die sich einer Bildsprache und Ideologie bedient, mit der ein millionenfacher Mord an jüdischen Frauen, Männern und Kindern verübt wurde, einzig und allein in der Absicht, alle Juden der Welt zu vernichten, eine solche Karikatur wird nun zum Anlass genommen, um über mögliche Vergehen einer israelischen Regierung zu debattieren. Eigentlich müssten die Nazis Israel dankbar sein, dass sie jetzt wieder ihre Hetze öffentlich zeigen dürfen.

Während Köln zehntausendfach dafür auf die Strasse gegangen ist, Muslime davor zu bewahren, mit einem Kongress rechter Europapolitiker belästigt zu werden, mutet Köln seinen jüdischen Bürgern eine fast tägliche Erinnerung am millionenfachen Judenmord zu und nutzt die Ideologie der Nazis sogar, um Kritik an Israel zu üben.

Arsch hoch? Zähne auseinander? Nicht für Juden!

Israel kann, darf, soll kritisiert werden, aber die Kritik findet dort ihre Grenzen, wo sie sich der Symbole der Nazis und Antisemiten bedient. Die Karikatur auf der Kölner Domplatte, das Bild vom kinderfressenden Juden, ist nun aber genau das Bild, das Nazis im Stürmer und Antisemiten in ihren Büchern nutzen und genutzt haben, um den Völkermord an Juden zu ermöglichen.

Um den Punkt noch deutlicher zu machen, sei hier an die Mohammed Karikatur von Kurt Westergaard erinnert. Obwohl die Mohammed-Karikatur eine erschreckend harmlose Karikatur ist, die schlimmstenfalls als Spott bezeichnet werden kann, wurde weltweit darüber diskutiert, ob diese Karikatur nicht geschmacklos, ja beleidigend sei. Dabei steht diese Mohammed-Karikatur nicht in einer Tradition des Völkermords an Muslime auch nutzt diese Karikatur nicht eine über Jahrhunderte entwickelte Hassbildersprache wie es die Juden-Karikatur macht.

Als eine Fatwah über Kurt Westergaard, dem Zeichner der Karikatur ausgerufen wurde, wurde immer noch beharrlich über das Beleidigungspotential der Karikatur gesprochen, statt klar für das Recht auf Meinung und Kunst Stellung zu nehmen. Selbst als im Januar 2010 ein Mann mit einer Axt bewaffnet die Wohnung von Kurt Westergaard stürmte, um ihn zu ermorden, ein Mordanschlag, dem der Zeichner nur knapp entgehen konnte, gab es Jounalisten, die nicht etwa den Mörder kritisierten, sondern das Opfer zum Mittäter machten. Am 7. Januar 2010 schreibt Eugen Röttinger in der Südwestpresse sogar, der Zeichner Westergaard sei mindestens so verblendet wie sein Attentäter. Eugen Röttinger benahm sich mit seiner Analyse dabei keinen Deut besser als jene Sexisten, die eine vergewaltigte Frau mit dem Hinweis auf ihre leichte Bekleidung eine Mitschuld an der Tat geben.

Wenn man nun die beiden Karikaturen miteinander vergleicht, werden Gemeinsamkeiten zu Tage treten, weil alles mit allem Gemeinsamkeiten hat, aber viel wichtiger sind die Unterschiede, die deutlich werden, da sie in diesem Falle kaum größer sein könnten.

Auf der einen Seite ist die Mohammed-Karikatur, die Mohammed mit einer Bombe im Turban zeigt. Sie sorgte weltweit für gewalttätige Proteste aufgestachelter Muslime, denen über hundert Menschen zum Opfer fielen. Außerdem brachte sie eine Fatwah und einen Mordversuch über den Zeichner Kurt Westergaard.

Auf der anderen Seite ist die Juden-Karikatur, die einen Juden beim Kinderessen zeigt. Sie löste weder gewalttätige Proteste aus, noch musste der Zeichner dieser Karikatur jemals um seine Gesundheit bangen. Sollte jedoch der Zeichner dieses Bildes jemals mit dem Tode bedroht werden oder um seine körperliche Unversehrtheit bangen müssen, weil er dieses Bild gemalt ich, ich würde nicht einen Moment zögern, laut gegen ein solches Unrecht meine Stimme zu erheben. Die Juden-Karikatur stellt aber für den Zeichner keine Gefahr dar. Stattdessen sind es die durch diese Karikatur verhöhnten Menschen, die um ihr Leben bangen müssen, da diese Karikatur uralte Klischees der judenmordenden Banden zitiert, um todbringenden Hass in die Köpfe der Antisemiten zu pflanzen. Die Mohammed-Karikatur sind somit schlimmstenfalls geschmacklos, die Juden-Karikatur aber ohne Zweifel gefährlich.

Dennoch ist es nicht die Juden-Karikatur, die vom Kölner Dom verschwindet, sondern die Mohammed-Karikatur die von den Seiten der Jyllands Posten, die die Mohammed-Karikatur einst in Auftrag gegeben hatte, verschwindet. Weltweite Proteste und die Warnungen hiesiger Dialog-Anmahner haben schließlich dafür gesorgt, dass die Jyllands Posten die Mohammed-Karikatur nicht mehr veröffentlicht. Dank für diese Entwicklung gilt auch der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die sich mit vielen Artikeln für einen respektvolleren Umgang mit Muslimen stark gemacht und die Mohammed-Karikatur arg kritisiert haben.

Bei soviel Einsatz der SZ und der FAZ ist es jedoch verwunderlich, dass die täglich auf der Kölner Domplatte, eines der am meisten frequentiertesten Orte Deutschlands, öffentlich ausgestellte antisemitische Karikatur nicht dafür sorgt, dass sich die SZ oder die FAZ für einen respektvolleren Umgang mit Juden stark macht. Für die SZ und FAZ gilt wohl das gleiche, wie für Köln:

Arsch hoch? Zähne auseinander? Nicht für Juden!

Was würde wohl geschehen, wenn die Mohammed-Karikatur jeden Tag am Kölner Dom zu sehen wäre? Man muss nicht viel Phantasie haben, um sich dies ausmalen zu können. Es gäbe Proteste und Ausschreitungen, die schon in kürzester Zeit dafür sorgen würden, dass die Mohammed-Karikatur vom Kölner Dom verschwinden würde. Vermutlich würde sich auch eine nicht geringe Anzahl Kölner ohne muslimischen Glaubens gegen die Verunglimpfung des Islams vor dem Kölner Dom zusammen finden und brav der Arsch hoch und die Zähne auseinander nehmen.

Das ist das eigentlich perfide an der ganzen Angelegenheit. Während im Islam eine Minderheit von gewaltbereiten Terroristen und in Deutschland eine Mehrheit von aufgeklärten Bürgerinnen und Bürger gemeinsam dafür sorgen, dass die Mohammed-Karikatur aus der Jyllands Posten verschwindet, wird die Jüdische Synagogengemeinde von der Mehrheit derselben augeklärten Bürgerinnen und Bürger bei dem Versuch, auf dem zivilisierten Weg der Gerichtsbarkeit für mehr Respekt zu sorgen, allein gelassen. Was die ganze Angelegenheit noch viel schlimmer macht, ist die Tatsache, dass in Deutschland Juden nicht nur allein gelassen werden, sondern sie auch noch bewußt gedemütigt und um ihren Stolz und ihre Würde beraubt werden.

Während auf der Kölner Domplatte ein Symbol des Hasses auf Juden hängen bleiben darf, wurde in Duisburg ein Symbol des jüdischen Stolzes entfernt.
Im Januar 2009 hatten Einsatzkräfte in Duisburg eine private Wohnung in Abwesenheit der Mieter gestürmt, um eine Israel-Flagge aus dem Fenster zu entfernen, da eine aufgepuschte Meute von israelfeindlichen Judenhassern auf der Strasse den Anblick des blauen Davidsterns nicht ertragen konnten und in guter alter Tradition deutscher Pogrome damit began, das den Davidstern mit Steinen zu bewerfen. Nun hätte die Polizei natürlich dafür sorgen können, dass die Meute mit ihrer Gewalt aufhört, aber stattdessen stürmte die Polizei lieber die Wohnung und machte somit die Mieter der Wohnung nicht nur zu Opfern der Judenhasser auf der Strasse, sondern auch gleich zu Opfern des Deutschen Staates. Wieder einmal kapitulierte der Deutsche Staat vor dem Terror der Sturmtruppen auf der Strasse. Es sollte keine drei Monate dauern, bis die Entscheidung der Duisburger Polizei, nicht die Täter zur Rechenschaft zu ziehen, sondern die Opfer zu strafen, per Gutachten als rechtmäßig bezeichnet wurde. Auch für manche deutsche Polizisten gilt somit:

Arsch hoch? Zähne auseinander? Nicht für Juden.

Während Judenhass den Schutz der freien Meinung genießt, muss jüdischer Stolz, wenn es dem Frieden und der inneren Sicherheit in Deutschland dient, einfach mal verschwinden. Dies hat auch unlängst erst ein deutsches Gericht bestätigt, indem es urteilte, dass wer unter Umständen eine Israel-Flagge zeigt und sie nicht verbrennt, von einem deutschen Gericht zu € 300,- Strafe verurteilt werden kann!

Ja, am 17. Januar 2009 fand in Bochum eine Demonstration von über 1500 Personen gegen den Staat Israel statt, zu der vier Moscheegemeinden aufgerufen hatten. Im Zuge dieser Demonstration wurden Parolen wie “Kindermörder Israel“, „Stoppt den Holocaust in Gaza“ und „Terrorist Israel“ laut. Alles schien darauf hinaus zu laufen, dass gleich jemand eine Israel-Flagge verbrennt. Als jedoch eine Studentin die Israel-Flagge herausholte, da verbrannte sie sie nicht, sondern schwenkte sie stolz als Zeichen der Solidarität mit Israel durch die Lüfte Bochums! Daraufhin leitete die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren gegen die Studentin ein, das mit einer Geldstrafe von € 300,- gegen die Studentin endete. Hätte sie die Flagge verbrannt und die Vergasung der Juden gefordert, wäre sie straffrei geblieben, denn das geschieht oft in deutschen Landen.

Jüdische Würde wird somit in Deutschland bestraft, während der Hass auf Juden unter dem Hinweis auf die Freiheit geschützt wird. Was ist das nur für eine Freiheit, die den Hass auf Juden fördert, aber die Würde der Juden unterdrückt? Müssen denn Juden in Deutschland erst millitant und gewalttätig werden, wie eben jene Horde auf den Strassen Duisburg oder während der gewalttätigen Proteste um die Mohammed-Karikatur, damit ihre Gefühle zur Kenntnis genommen werden?

Wenn es in Deutschland so weiter geht, dann könnte es auch bald wieder geschehen, dass Synagogen in Deutschland eine Gefährdung der inneren Sicherheit darstellen. Die ersten Schritte dahin sind bereits getan. So wie einst für Nazis eine Synagoge eine Provokation darstellte, so argumentiert heute die Bochumer Staatsanwältin, die Gruppe um die Studentin hätte die antiisraelische Demonstration mit der Israel-Fahne „provoziert“. Mit anderen Worten: Wenn sich Judenhasser in Deutschland durch einen Davidstern provoziert fühlen und bereit sind, ihre Agression in Gewalt umschlagen zu lassen, sind nicht etwa diese Gewalttäter Verbrecher, sondern jene Menschen, gegen die sich der Hass richtet und die nichts anderes tun, als ihrer Grundrechte zu nutzen.

Die Richterin hielt den Angeklagten sogar vor: „Das war keine ungefährliche Situation, die Sie geschaffen haben.“ Ach so, so wie es von den Juden vor dem 9. November 1938 auch eine nicht ungefährliche Situation gewesen war, sich überhaupt auf deutschem Boden nieder zu lassen. Kein Wunder also, dass die Juden und Jüdinnen damals für die Kosten der Zerstörungen der Pogromnacht selbst aufkommen mussten, nicht wahr verehrte Richterin? Für sie gilt wohl auch:

Arsch hoch? Zähne auseinander? Nicht für Juden!

Bleibt zum Schluss die Frage, wenn es in Deutschland kaum jemanden gibt, der für Juden seinen Arsch hoch und seine Zähne auseinander nimmt, warum bloß folgender Satz so oft zu hören ist: “Man wird doch wohl noch mal Israel kritisieren dürfen.” Ich verstehe das nicht? Ich sehe keinen Haufen deutscher Ärsche und keine weiße Reihe deutscher Zähne, die sich für Israel, geschweigedenn für Juden stark machen. Nichts ist in Deutschland somit einfacher als Israel zu kritisieren und Juden als Kinderfresser darzustellen. All dies ist ganz einfach in diesem unserem Deutschland, in dem ein einfaches Motto herrscht:

Arsch hoch? Zähne auseinander? Nicht für Juden!

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8 Antworten zu Arsch hoch? Zähne auseinander? Nicht für Juden!

  1. Dante schreibt:

    Man kann gar nicht so viel essen, wie man kotzen möchte.

    Max Liebermann

    Wie recht der Mann hatte! Das aber war 1933, als Antisemitismus Staatsräson wurde und er Malverbot erhielt.
    Staatsräson ist er heute nicht, der Antisemitismus. Ein Politiker, der eine offen antisemitische Äußerung abgäbe, beginge damit (zu recht bzw. hoffentlich noch immer) politischen Selbstmord.
    Holokaustleugnern steht noch immer juristisches Ungemach ins Haus, was von Rechts-Extremisten bitterlich beklagt und mit der Verleumdung der Bundesrepublik als “Meinungsdiktatur” beantwortet wird.

    Es ist aber offenbar sehr leicht geworden, die Ächtung des Antisemitismus nationalsozialistischer Prägung (also in der radikalsten, nämlich mörderischen Form) zu umgehen, indem man sich einfach auf die Palästinenser beruft. Auf einmal öffnen sich die Tore der so genannten Meinungsfreiheit oder besser Hetzfreiheit, geschützt durch die deutsche Islamophobienphobie. Das ist schon übel genug.
    Dass aber die Zurschaustellung einer freundlichen Haltung gegenüber dem jüdischen Staat und seinen Bürgern (die keinesfalls zugleich eine feindliche Haltung gegenüber den Paläsintinensern oder den israelischen Arabern ist) negative juristische Konsequenzen bis hin zu einer Geldstrafe haben kann, ist einfach nur ungeheuerlich, und bringt mich zu der Überzeugung, meinen Benutzernamen gut gewählt zu haben.

  2. Dr. weed schreibt:

    der klagemauer/antiwand geht’s doch nicht darum gg. JUDEN stimmung zu machen, sondern die politik ISRAELS … das sind doch 2 paar schuhe. nur weil israelis juden sind hat doch das gegen deren politik zusein absolut nix mit antisemitismus zu tun.
    gibt doch mittlerweeile auch diese nazi-juden annäherung um gg. islam front zu machen. und was soll das, dass mit dem aasch huh aus den 90igern in einen topf zu werfen? wär’s dir lieber gewesen, kein kölner hätte was zu rostock & mölln gesagt ?
    naja wozu auch, in hro waren’s ja überwiegend asiaten, garantiert keine juden u./od. israelis und in mölln warn’s moslems …

    • Dante schreibt:

      Wenn die Kölner “Klagemauer” “nur” ein Statement gegen die Politik Israels sein soll, warum wird dann dort Karikaturen gezeigt, in denen “der Israeli” als Kinderfresser verteufelt wird? Sieht so sachliche Kritik aus? Oder ist das nicht vielmehr auf einem ähnlichen Niveau wie antideutsche Propagandafilme aus dem Ersten Weltkrieg, die den Deutschen schlechthin als Vergewaltiger und Kindermörder darstellen?
      Die Frage ist übrigens rhetorisch.

      Was den Vergleich mit Lichterketten aus den 1990ern anbelangt:
      1. Ich habe dazu überhaupt nichts im Artikel gefunden.
      2. Natürlich ist nichts dagegen einzuwenden, sich mit beschimpften und/oder bedrohten Asiaten und Muslimen zu solidarisieren, im Gegenteil! Sehr wohl hingegen ist etwas dagegen einzuwenden, sich mit beschimpften und/oder bedrohten Juden nicht zu solidarisieren, und genau das wird im Artikel kritisiert.
      3. Sie kritisieren, die Solidarität des Autors sei sehr selektiv, nämlich auf Juden beschränkt. Umgekehrt ist festzustellen, dass sich die Solidarität vieler Deutscher, eben auch Herrmanns, auf Leute beschränkt, deren Unterdrücker “zufällig” Juden sind. Das hat ein “Geschmäckle”.

      • Dante schreibt:

        P.S.: Dass ich die unter 3. dargestellte Auffassung nicht für bar jeder Grundlage halte, der Autor solidarisiere sich einseitig nur mit Juden, soll nicht unerwähnt bleiben.

  3. tapferimnirgendwo schreibt:

    Zunächst einmal muss geklärt werden, wieviel Geld an den Iran gezahlt wurde!

  4. Marcus Cyron schreibt:

    Hm. In weiten Teilen stimme ich ja zu. Aber drei Punkte:

    * zwischen 2005 und 2009 lebte ich 5 Jahre in Köln und wußte von dieser Schandwand nichts. Ich schaute mir dieses Zeug nicht an, sowas ignoriere ich meist. Vom anderen Mist bekam ich was mit.
    * ein Unrecht mit einem anderen aufwiegen zu wollen ist absurd
    * der Kardinalfehler, den auch in weiten Teilen dieser Beitrag wieder macht: “[...] dass auf der Kölner Domplatte seit nunmehr sechs Jahren fast täglich gegen das Judentum und seinem Land agitiert wird.” – ja was ist denn das Land des Judentums? Israel hat etwas mehr als 7,5 Mio Einwohner. Menschen jüdischen Glaubens gibt es weltweit etwa doppelt so viele. Wenn man bedenkt, daß nur knapp mehr als 75% davon Juden sind, bedeutet daß, das in Israel etwas mehr als 1/3 der Juden der Welt leben. Auch wenn Israel immer wieder meint für alle Juden sprechen zu dürfen, repräsentiert der Staat nur etwas mehr als 1/3! Und was ist denn mit den israelischen Arabern? Immerhin 18% der Landesbevölkerung! und das betrifft nicht die Palästinenser! Dazu kommen Christen, Karäer, Samaritaner, messianische Juden und Bahai-Anhänger. Wieso spricht der Staat nicht für all seine Bürger, sondern nur für 75%? Mich ärgert diese Schieflage immer wieder. Weder repräsentiert Israel das Judentum, noch ist das Judentum Israel.

    Ich bin im übrigen ein Freund des jüdischen Staates – was nicht heißt, ich kann unkritisch sein. Allerdings würde sich meine Kritik jederzeit auch auf die Verfasser dieser Wand beziehen.

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