Dortmunder und Kölner Gosse gegen die Juden, immerdar

von Robert Cohn

Ich war am Mittwoch zu einer Gerichtsverhandlung nach Dortmund geladen: Es ging um eine Beleidigungsklage gegen den Hasser von dortselbst, einen Rentner Namens Herr Arendt, der seit Jahren die Israelis als die neuen Nazis bezeichnet, und der nie aufhört, seine völlig unlesbaren, unförmigen, gedankenfreien und von Hass triefenden Satz-Kaskaden gegen Juden, Israelis und den Zionismus zu schreiben.

Wieso macht dieser Mensch das?
Was ficht diesen Menschen an, permanent den einzigen jüdischen, winzigen Staat weltweit zu dämonisieren und als Terrornest zu brandmarken?

Vor Gericht wurde diesem Hasser die Gelegenheit gegeben, ein paar Worte in eigener Sache zu sprechen. Selbstgerechtigkeit, Selbstüberschätzung und Wichtigsein ergossen sich ein paar Minuten lang.
Man musste sich das anhören. Schrott für die Ohren. Schade um die Zeit.
Wieso macht dieser Mensch das?

Er sagte, dass ihm achthundert israelische Wissenschaftler geschrieben hätten, dass seine Sache die richtige sei. Er sagte, dass Felicia Langer (die er Länger aussprach) eine der fünfzig wichtigsten Frauen in Israel sei, die ihm Texte zur Veröffentlichung schicke. Dieser Mensch betrachtet sich als die Speerspitze der Wahrheit über die Juden – und kann doch keinen einzigen Satz fehlerfrei oder bloß einigermaßen lesbar oder durchdacht formulieren.

- Übrigens lässt gerade diese Frau Langer keine Gelegenheit aus, um den Israelis die Schuld am Nahostkonflikt, am Elend der Palästinenser, an der Manipulation der Presse und an den “Massakern der Besatzung” zu geben, und sie benutzt permanent die Leidensgeschichte ihrer eigenen Familie, um die Israelis als Verbrecher zu bezeichnen: Antisemitismus nicht vor oder nach, sondern ganz primitiv und besessen Trotz Auschwitz. Frau Langer ist eine Marginalie, eine fürchterlich verrannte Person und ein sehr kleines Licht, die kein anderes Thema kennt.

Der Hasser aus Dortmund sonnt sich im Glanz dieser Frau und verwechselt ihn mit der Realität. Er hält sich für einen “Freund Israels”, so sagte er!, indem er permanent die Israelis als die neuen, wahren und eigentlichen Nazis darstellt.

Warum macht dieser Mensch das?

- Am Abend vor der Gerichtsverhandlung kam ich in Köln an, denn was soll man ausgerechnet in Dortmund so machen?, da bin ich doch lieber ein bisschen in Köln.

Als ich aus dem Bahnhof kam und um die Ecke des Doms ging, war das Erste, das ich sah, just der Herr Franke. Er stand neben der elend aufgebauten, elend aussehenden und elendes Zeug verbreitenden HaSSpappen-Inszenierung, die sich ‘Kölner Klagemauer’ nennt. Da stand er wie bestellt und nicht abgeholt, ein pissgelbes, großes Schild an einer Stange hochhaltend, auf dem mit schwarzem Filzstift die notorische Losung dieser Leute prangte:

Hässliches ISRAEL:
Landraub
Massaker
Vertreibung

Kein Wort über die Massenmorde in Syrien, wo Präsident Asssad bis jetzt weit über siebzigtausend Menschen massakriert hat. Siebzigtausend. Von den Vertriebenen gar nicht zu reden. Dieses fehlgeschlagene Syrien liegt gleich neben Israel. Solche Nachbarn haben die Juden.

In Ägypten, dem anderen Nachbarland Israels, hat Präsident Mursi, der erst seit Kurzem regiert, schon mehr Einwohner umbringen lassen als der vorige Pharaonenpräsident Mubarak in seiner lang-lang-langen Amtszeit. Noch lieber würden sie die Juden umbringen. Aber die lassen sie nicht. Die müssen sich nur offiziellarabisch anhassen und mit Raketen beschießen lassen, von der Hisbollah, von der Hamas, von irgendwem.

Jedoch: Kein Wort über solche Gräuel in der Kölner Hasspappen-Inszenierung oder nur auf dem pissgelben Schild des Herrn Franke, der wie eine Statue auf den Platz gepflanzt stand und es hochhielt wie eine heilige Monstranz.

Das Thema dieser Leute ist ausschließlich und immer Israel-Israel-Israel, die Verbrechen der Juden, der Terror des Zionismus. Einmal schrieben sie mit grünem Filzstift auf kackbraune Pappe:

“Wie viele Jahrhunderte noch wird das israelische Volk unsere Eine Welt erpressen?”

Und einmal stellten sie einen Juden mit Davidstern dar, der das Blut eines arabischen Kindes säuft.

- Kann das sein? Man kann das doch alles nicht glauben!, dass das mitten in Deutschland, mitten in der Stadt Köln, mitten vor dem Dom stattfindet, fast ununterbrochen seit bald zehn Jahren. Aber die nehmen das Ernst, tödlich Ernst.

Es könnte eine Satire sein!, die ernsteste Satire, seitdem in der Gotik einer die Judensau drinnen ins Kölner Domgestühl schnitzte. Schon die war eine Lüge, von Satire keine Spur.
Damals drinnen – heute draußen.

In der Gotik glaubte man inbrünstig an diese Lüge über die Juden. Und jetzt, im einundzwanzigsten Jahrhundert, glauben manche um so gieriger daran.

So sieht die Welt dieser Leute aus.
In welcher Welt leben die?
Warum machen die das?

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54 Antworten zu Dortmunder und Kölner Gosse gegen die Juden, immerdar

  1. Röm! Pöm! schreibt:

    Lieber Aristobulus, lieber Gerd,
    in der Hoffnung, daß dieser (gekürzte) Doppelpost nicht als Spam betrachtet wird, setze ich aufgrund von Aristobulus’ freundlichem Hinweis den Kern meiner Antwort an Eitan Einochs Post von gestern noch einmal *hierhin*, wohin er hoffentlich ebensogut paßt:

    Selbstzitat aus dem Kommentarbereich von Gerds gestrigem Artikel:

    (…) “Was diese Leute tun, ist nichts Anderes, als ihre eigenen Ängste und Unzulänglichkeiten aus sich selbst auszulagern und auf andere Personen, Personengruppen (echte und vermeintliche) zu projezieren. Sie hassen sich selbst. Sie fürchten die eigene innere Leere, die Schwärze ihrer eigenen, unergründlichen Seelentiefe. Sie wollen sich über sich selbst schämen, ohne das allerdings mit der dem Menschen ursprünglich in die Wiege gelegten Würde tun zu können. Sie hassen die eigene, unverstandene Geschichte, und sie suchen den Sündenbock in einer großen, unverständlichen Welt um sich herum. Sie suchen den Sündenbock, als den sie sich letztlich stellvertreterhaft empfinden, denn sie denken, sie hätten “naturgemäß” ein weitaus besseres Leben verdient, ein Leben, welches ihnen aber fortwährend durch “die Bösen geraubt” würde.

    Wir haben es mit verängstigten Kindern in den Körpern älterer Personen zu tun, die nach geistiger Nahrung, validen Wurzeln und persönlicher Heilung suchen, diese aber aus irgendeinem Grund nicht von denen, die durch Zufall zu deren Projektionsflächen werden, annehmen können.”

    (Selbstzitat Ende)

    Besides… guter, einsichtsvoller und sehr nachdenklich machender Artikel von dir, Aristobulus.
    Ist denn nicht genau das die Kernfrage allen menschlichen Handelns… “warum tut sie/er das”, “wieso tust du das”, “wieso hast du das getan”, und, vielleicht mit etwas mehr Reife und Tendenz zur Selbsteinsicht: “wieso tue ich dies oder das gerade? WAS tue ich gerade, wo liegen die Gründe?”

    Es mag sich hier zudem die Frage anschließen, inwieweit auf der ganzen Welt überhaupt auch nur ein einziger Mensch existieren kann, der nicht auch gelegentlich in bestimmen Hinsichten ein Bißchen “Täter” wird, denn alle Menschen haben mit allen Menschen zu tun, und das ständig, ob sie das nun wollen oder nicht. Nichts Positives oder Negatives in dieser Welt geschieht, ohne daß irgendeiner dafür den eigenen Willen anspannt, oder eigene Entscheidungen fällt, mal über das eigene Leben, aber ebenso oft auch über das Leben anderer Personen. Jeder auf dieser Welt lebt *auch* vom Leben und Arbeiten anderer Personen und Wesen, und hier gibt es keinen Ausweg. Oder muß es den vielleicht gar nicht geben, sobald man seine persönliche Haltung genau hier ändert? Wie kommt man vom derzeit üblichen Gegeneinander zur Kooperation und Koexistenz, vor allem im eigenen Denken? Verschwinden denn nicht überhaupt erst dadurch sämtliche, traditionellen Feindbilder, nämlich indem man sich selbst bewußt gegen diese eigenen Feindbilder entscheidet? Gibt es überhaupt irgend ein echtes getrennt-Sein von einander, auf diesem zwar nicht ganz kleinen, aber letztlich doch eher begrenzten Planeten?

    Jene nun, die sich ständig auf “Israel tut dies, Israel tut das” kaprizieren, wollen und können einfach nicht verstehen, daß ISRAEL ein fortwährendes Versprechen an sich selbst, an die eigene Kultur und auch an alle anderen Länder auf der Welt ist, ausschließlich sich selbst sein zu wollen und das auch ungefragt sein zu *dürfen*, und zwar, ohne sich selbst dabei vor allen Anderen verschließen zu müssen, oder irgend jemand Anderen dafür sinnlos und in pathologischer Zwanghaftigkeit ständig überrennen zu wollen. Israel nun aber genau solches ständig vorzuwerfen, ist so dermaßen perfide, daß mir die Worte für derartiges Vorgehen fehlen. Israel macht es doch im Grunde schon seit seinem Bestehen vor: sich selbst sein, in wirklich anerkenneswerter, kultureller Offenheit, zumeist modern, manchmal etwas altmodisch, vielleicht auch nicht ganz “perfekt”, nicht immer ohne innere Widersprüche, aber immer sich-selbst. Man mag zur historischen Identität eines jeden heutigen Landes dieser Welt nun stehen, wie man will: was ist denn nun das eigentliche Problem all dieser auf einer langen Tradition des europäischen Judenhasses gründenden Israel- und Judenhasser unserer Tage, zu denen auch, allerdings sehr stark unterrepräsentiert, auch der eine oder andere israelische, europäische oder amerikanische Jude zählen mag, der dann von irgendwelchen, im Kern rechtsradikalen Spinnern vielleicht auch noch als “Alibi” für deren krankhafte Thesen benutzt wird, oder sich benutzen läßt? Ich denke, das eigentliche Problem ist hier die Angst viel zu vieler Menschen vor dem unbezwingbar frei gefaßten Selbstbewußtsein anderer, die Angst vor jenen, die sich *entschlossen* haben, sich selbst zu sein, und niemand anderes, und dann dafür alles tun zu wollen, um das auch zu beiben. All die HAsser, sie tun sich selbst weh, denn sie ahnen bislang nur, daß sie sich – für sich selbst – Wurzeln und unbestrittene Identität wünschen. Aber die werden sie nicht von Anderen verliehen bekommen, indem sie diese Anderen an einen hölzernen “Weltpranger” stellen.

    Euch allen eine gute Zeit.

    • Aristobulus schreibt:

      Hi RömPöm. Doch, es gibt “ein echtes getrennt-Sein von einander”. Etwa die Verwandten der Armenier, die 1915 ermordet wurden, sind noch immer getrennt von den Nachkommen der türkischen Mörder, nur wegen der Haltung dieser Nachkommen.
      Getrenntsein… also ich bin gern von manchen ganz getrennt, von manchen dann noch gerner. Von schwarzbärtigen Fundamentalisten etwa. Einmal bin ich dann extra in ein Buchgeschäft von denen gegangen, nur so aus Dawke, und habe nach einem Buch über Moses gefragt. Beturbantes Kopfschütteln. Dann frug ich nach Musa, man ist ja polyglott, aber die rollten mit den glühenden Augen und hatten nix über den. Oder taten so.
      Wer weiß warum! Oder warum nicht.
      Getrennt bin ich auch sehr gerne von diesen alldeutschen Besserwissern, die einem z.B. sagen, wenn man was in Berlin kritisiert: Ja aber in Tel-Aviv. Und noch viel lieber getrennt bin ich von einem gewissen HaSS-Rentner aus Dortmund, den ich vor drei Tagen habe lügen hören, er sei “ein wahrer Freund Israels”. Er liebt nur tote Juden.

      Aber noch weit, weit unendlich viel lieber und vor Allem programmatisch getrennt lebt ja die andere Seite!, die wollen weit, weit, weitest jenseits aller Demokraten, Westler, Juden usf. leben. Leute wie Tariq Ramadan. Dieser Mensch, ein französischer Professor jedoch aus der saudischen Wüste des siebten Jahrhunderts, spricht Mörder immer dann von jeder Schuld frei, wenn sie nur Moslems sind. Je schlimmere Mörder, um so frömmere Moslems und um so öpferige Opfer, so monsieur Ramadan. Oder der Groß-Ober-Übermufti in Ägypten, Scheich al-Qaradawi, der regelmäßig zur Ermordung aller Juden und zur Eroberung der teuflischen, ungläubigen, westlichen Demokratien aufruft, lebt wahnsinnig gerne getrennt von jeder vorstellbaren Zivilisation.

  2. Monika Winter schreibt:

    Warum machen die das? Es gibt wohl keine Erklärung, außer dass sie unter dem Zwang stehen, Juden als Täter darzustellen, so wie es immer schon war. Und warum lassen alle anderen das zu? Die Antwort ist ja bekannt.

    • Danny Wilde schreibt:

      Verdammt! Wozu ich einen halben Roman schreibe, bringen Sie in zwei Sätzen. Deswegen waren Sie auch schneller…

      Ja, so banal ist das alles, ich sehe das genau so.

      • Aristobulus schreibt:

        Yep. Es ist banal und furchtbar althergebracht. Deswegen verstehe ich es nicht, es ist zu banal und zu traditionell.
        Warum sind manche nichts weiter als bloß das Echo der Schreier aus dem vierzehnten Jahrhundert, die schrieen, dass die Juden Brunnen vergiften und Kinderblut schlürfen?
        – Aber Ihr habt ja Recht!, es gibt Erklärungen. Sie stehen schon hier.
        Okay, es gibt auch Erklärungen, dass der Raum gekrümmt ist, oder dass in einem Flugzeug die Zeit um eine tausendstel Sekunde langsamer vergeht. Tja…

  3. Eitan Einoch schreibt:

    “Wie viele Jahrhunderte noch wird das israelische Volk unsere Eine Welt erpressen?” – Allein mit dieser Aussage outen sich diese Schmierfinke als lupenreine Nationalsozialisten, die lediglich zu spät geboren worden sind, um mit ihrer Gesinnung Karriere zu machen.
    Wie ist eigentlich der Prozess ausgegangen?

    • Aristobulus schreibt:

      Ach der Prozess, Eitan… na wie soll er ausgegangen sein?, kafkaesk.
      Du hast mich freilich erwischt, denn dazu hatte ich noch nichts geschrieben.

      Die Richterin folgte etwa der Staatsanwältin, indem sie die Sache als wechselseitige Beleidigung sah. Weil ich mal “das Tier aus Dortmund” geschrieben hatte. Der Anwalt des Hassers führte dann aus, es sei “legitim” von ihm gewesen, mich (und Gerd Buurmann) dann als Judensäue darzustellen, wobei das selstverfreilich keine Judensäue gewesen seien. Sondern freie Meinungsäußerung und vielleicht Israelkritik. So er.

      Die Richterin wertete die Aren*dtsche Judensau, die ja keine war, als Antwort auf meine Tier-Äußerung: Wechseitige Beleidigungen.
      Tja, dass der Hasser zuvor über Jahre die Israelis als Nazis dargestellt hat und zum Rausschmiss der Leute des Zentralrats der Juden aufrief usw. usf., war juristisch nicht relevant. Ich hab’s zuvor deutlich gesagt. Das wurde aber dort nicht verhandelt.

      • Aristobulus schreibt:

        P.S.
        Also Freispruch. Wir leben in einem Staat, der sehr, nein äußerst liberal und rührend verständnisvoll ist, wenn es gegen Juden geht.

        Er ward freigesprochen, muss aber die Gerichtskosten zahlen. Immerhin ‘ne Stange Geld. Plus Anwaltskosten, Falls er nicht rechtschutzversichert ist.
        Und die Richterin sagte, dass es zwar um einen Freispruch handele, dass die Sache aber “in den Akten” steht. Was wohl bedeuten soll, dass der HaSS-Rentner bei der zweiten Judensau z.B. zu eben den dreißig Tagessätzen à zehn Euro verurteilt wird (das hatte die Staatsanwältin am Anfang gefordert), sollte er sich zu einer zweiten hinreißen lassen.

  4. Danny Wilde schreibt:

    Lieber Aristobulus,

    ich glaube, sie machen das aus zwei Gründen. Der erste ist leider furchtbar, ganz furchtbar.

    Denn es scheint doch so etwas zu geben wie “Das Böse”.

    “Das Böse” ist, zu sagen, ey, ihr Juden, habt ihr denn gar nichts aus dem Holocaust gelernt?

    Die das sagen, meinen aber vordergründig was anderes. Sie meinen, “ey, ihr Juden, seht ihr denn nicht, was WIR glauben aus dem Holocaust gelernt zu haben? Dass wir immer in Sack und Asche gehen müssen, dass uns die damaligen Opfer bzw. deren Verbände auf der Nase rumtanzen? Und jetzt unterdrückt ihr selber Andere? Ihr seid heute GENAU SO wie WIR damals waren. Wir sind dieselben Geschwister in ‘Unsere Eine Welt’ und deshalb könnt ihr uns ruhig mal glauben, Schuld ist scheiße. Also lasst den Scheiß.”.

    Solches Meinen macht’s den Oberlehrern vielleicht leichter, so böse zu sein, wie sie sind. Vielleicht ist das auch eine Last, immer das Böse zu denken, immer das Böse zu tun oder das Gute zu unterlassen. Weswegen man eine leichtere Meinung braucht, die man sich selber glauben will.

    Aber in Wirklichkeit – und unter Anwendung der Regeln der deutschen Sprache (welche ja zwar spät, wie du im bereits zitierten Artikel schriebst, aber dann u.a. mit Heine, Tucholsky und: Kästner zu unverhofft schöner Blüte fand) – sprechen diese Leute in ihren Worten und mit diesem ganzen Bösen die wahre Bedeutung klar und deutlich aus: “ey, ihr Juden, habt ihr denn gar nichts aus diesem Holocaust gelernt? Wer nicht ganz schnell Land gewinnt, sich klein und unsichtbar macht, wer nicht ruckzug freiwillig vom Antlitz von ‘Unsere Eine Welt’ verschwindet, wird eben auf andere Weise beseitigt! Ihr habt schon unter Adolf genervt, und jetzt nervt ihr noch mehr!, damals habt ihr nur das ‘Finanzkapital und die Weltmedien kontrolliert’, und heute, nachdem sich an diesem Zustand immer noch nichts gebessert hat, besetzt und unterdrückt ihr auch noch arme und wehrlose Völker und mordet Kinder! Ist doch wahr! Habt ihr denn gar nicht gelernt, dass das nicht geht und am Ende dieses Raffens und Schaffens jemand kommt und euch bestrafen wird? Ja, die Gaskammern waren schrecklich, aber nicht nur ‘die Nazis’ (die ja böse waren im Gegensatz zu uns) haben es ja auf euch Juden abgesehen, das waren noch ganz andere und zu allen Zeiten – die können sich doch nicht alle irren! Habt ihr immer noch nichts gelernt? Damit es nicht wieder zu Gaskammern kommt, die keiner will, wir doch auch nicht, denn wir lieben euch ja eigentlich, sind zumindest wohlmeinende Freunde?”

    Ich bin davon zutiefst überzeugt, dass diese fatale und zutiefst böse Kausalitätenkette der eine furchtbare von zwei Gründen ist.

    Der andere ist so banal wie die Frage, warum sich der Hund selbst einen bläst:

    Weil er’s kann.

    Die können das, und weil sie es können, tun sie das auch, und kein düsterer vom Mossad abgerichteter Dom-Turmfalke stößt mit lautem iiiiiieeeekkk herab und hackt ihnen die Pappen zu Konfetti und keine vom Mossad abgerichtete Elster hüpft heran und klaut ihnen das “Spenden”-Glas – denn wenn die so kämen, der Falke und die Elster, dann könnten die (die 2/3 der Sprachkünstler) es nicht mehr tun, das, was sie ungestraft machen.

    Mein liberales Herz sagt natürlich, und zurecht!, lass’ sie doch!!

    Aber mein liberales Herz (ich erwähnte dies schon einmal vor längerer Zeit hier) wünschte sich dann auch, mit einem schwereren Fahrzeug unter dem Applaus umstehender Polizisten, Passanten, Touristen und ganz im Gauck’schen Sinne – mehr Zivilcourage! – diesen Papphaufen plattzufahren. Ohne dafür jahrelang in den Kerker zu gehen.

    Wet dreams. Vielleicht. Wie du ja weißt, Aristobulus, versuche ich diesen Scheiß, wenn in Köln, zu ignorieren. Ich kann mich darüber nicht sinnvoll aufregen. Setze ich mich diesem kranken Hass zu sehr aus, dann könnte etwas sehr ungutes geschehen.

    Das sind diese wandelnden Scheiß- und Papphaufen nicht wert. Die Biologie ist auf unserer Seite, so sehe ich das.

    Der eigentliche Skandal ist doch, dass solche Hasspappen nicht sportlich-liberal gesehen werden. Sondern sie werden von Verwaltungsseite, und, ja: ganz sicher auch von der politischen Seite, da mag der Nomen-est-Nomen-OB-formally-known-as-Polizeichef noch so brav “Is ja alles Hass, ne?”-Schriftstücke unterzeichnen, zumindest geduldet, wenn nicht geschützt. Denn wie wir wissen: bereits nur eine Gegen-Installation ginge nicht, wird sofort abgeräumt.

    Mit zwei knappen Worten: Zum Kotzen.

    Andererseits, und um auf den bösen ersten Grund zurückzukommen, warum diese 3 alten Männer (übrigens stellvertretend für all’ die, die nicht die Verbissenheit und den Fanatismus besitzen, ihr Leben in den Dienst dieses Irrsinns zu stellen) das machen, ja, warum machen die das?

    Weil es einen dritten Grund gibt, den sie nicht ertragen können, der sie dahin treibt, wo sie stehen, und wo sie ihr klägliches Restleben vergeuden und verschwenden, und der dritte Grund ist, dass “die Juden” in Wirklichkeit tatsächlich aus dem Holocaust “gelernt” haben.

    Sie haben gelernt, dass ihnen im Zweifel niemand hilft, und dass die einzige Gruppe, der sie glauben können, wenn es heißt “nie wieder!”, sie selber sind. Und das sagen sie: “nie wieder!”.

    Und sie haben endlich einen eigenen Staat. Ja: Israel, das ist tatsächlich das unübersehbare in der Welt vorhandene Statement: NIE WIEDER !!!!!

    Gepaart mit dem Statement: JA !! WIR LEBEN !!! UND ZWAR GUT !!! UND GLÜCKLICH !!!

    Absolut, absolut unerträglich für die drei Rentner.

    Für die ach so unterdrückte Hamas hingegen spielen solche Aspekte keine Rolle. Die wollen jeden Juden tot sehen, Holcaust?, kennemernit!, glücklicher Jud’?, trauriger Jud’?, egal, muss tot, muss weg!

    Solch unbeschwerter Hass mag dann den drei Rentnern wieder ein Trost sein, weshalb sie dann auch das Lied der Hamas zusätzlich singen, mit krakeliger Schrift, mit entsetzlichen Propagandabildchen.

    Und hier muss ich unvollendeter Dinge stoppen. Sonst reg ich mich zu sehr auf.

    • Eitan Einoch schreibt:

      “(…) die können sich doch nicht alle irren!” – Das in etwa meinte auch meine türkische Kollegin, als wir mal zufällig auf das Thema Antisemitismus gekommen waren. Zack! Erstaunlich wie Menschen so hinter ihrer Fassade so ticken.

      Wie ernst die Welt das vielbeschworene “Nie wieder!” nimmt, hat man in Ruanda erlebt. Wer sich auf andere verlässt, ist verlassen und verloren.

    • ceterum censeo schreibt:

      Hab mir auch schon hundertmal vorgestellt das Ding anzuzünden. Beim Gedanken an die ollen Dreckspappen und die perversen Rentnerviecher vorm Dom, gegen die die Drecksstadt nichts unternimmt, platzen mir wirklich bald die Stirnadern! Sollte mal jemand dagegen demonstrieren wollen, bin ich sofort dabei.

      • Aristobulus schreibt:

        Gut, da schließe ich mich ‘gern’ an. Das Ding möge zerstört werden.
        Bei der Gerichtsverhandlung lamentierte der HaSS-Rentner, dass in dem Bürgerhaus, das noch immer seine Hasspappen beherbergt, neulich “die Scheiben eingeschlagen” worden seien. Das muss man nicht machen, das trifft die Falschen.
        Aber sonst: Immer willkommen an der Front… :(

        • Aristobulus schreibt:

          Seine Hasspappen?, nein, es sind die des anderen Herrn Hassmann. Den der andere Rentner, also jener aus Dortmund, als “lieber Mensch” bezeichnete. Es hatte ihn ja keiner gefragt.
          So ist er, ein fragloser, lieber Antisemit, ein wahrer Freund Israels, der nur die Juden kritisiert

      • kleines Südlicht schreibt:

        Die-Mauer-muß-weg-die-Mauer-muß-weg-die-Mauer-muß-weg-die-Mauer-muß-weg-die-Mauer-muß-weg-die-Mauer-muß-weg-die-Mauer-muß-weg-die-Mauer-muß-weg-die-Mauer-muß-weg-die-Mauer-muß-weg-die-Mauer-muß-weg-die-Mauer-muß-weg-die-Mauer-muß-weg……..

  5. Eitan Einoch schreibt:

    “Warum machen die das?” – Wahrscheinlich muss man weit, weit zurückgehen und tief, tief graben, um eine befriedigende Antwort auf die Frage aller Fragen zu finden: Warum Antisemitismus? Warum ausgerechnet die Juden, immer und immer wieder die Juden? Ich schätze, es hat etwas mit dem Schlagwort “auferwähltes Volk” zu tun. Hinzu kommt eine ganze Menge Neid – insbesondere “Opferneid” nach 1945. Man darf auch nicht vergessen, dass Israel der gesamten arabischen Welt vorführt, was man in nur wenigen Jahrzehnten aus einem winzigen Fleckchen Land alles machen kann.

    • SchallundRauch schreibt:

      Was meinen Sie mit dem “Schlagwort ‘auserwähltes Volk?”

      • Eitan Einoch schreibt:

        Ich meine das, was Jostein Gaarder in seinem antisemitischen Pamphlet beispielhaft verzapft hat: “Wir glauben nicht an die Idee eines von Gott auserwählten Volkes. Wir lachen über die Hirngespinste dieses Volkes und weinen über seine Untaten. Als Gottes auserwähltes Volk zu handeln ist nicht nur dumm und arrogant, sondern ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Wir nennen es Rassismus.” (Quelle: http://mensch-sein.de/israel.html)

        Ich schätze, dieses Motiv ist eine, wenn nicht sogar DIE Urquelle des Antisemitismus.

        • SchallundRauch schreibt:

          Da hätte der Herr Philosoph wohl mal sein Gottesbild klären sollen. Arme Sophie…

          Allerdings weiß ich nicht, weshalb man auf die “Auserwähltheit” Israels neidisch sein sollte, Eitan Einoch.

          • Eitan Einoch schreibt:

            Nun, Israel hat innerhalb von nur wenigen Jahrzehnten aus einem winzigen, malariaverseuchten Sumpf- und Wüstenlandschaft einen blühenden, modernen Industriestaat gemacht, das allein mehr Patente anmeldet als die gesamte arabische Welt zusammen. Die muslimische Welt meint von sich, dass Allah auf ihrer Seite steht, doch dieses kleine jüdische Volk, das den Hochmut besaß, nicht nur das christliche, sondern auch (viel schlimmer!) das islamische Bekehrungsabgebot abzulehnen, stellt sie, die Auserwählten, weit in den Schatten. Zusätzlich behaupten diese ebenfalls, von Gott auserwählt zu sein. Was für eine Blasphemie! Das darf einfach nicht.sein und ruft ohne Frage Hass und Neider auf den Plan. Israels Existenz ist mit dem Islam nicht vereinbar!

          • Aristobulus schreibt:

            :)
            Eitan, die Juden sind laut Torah einzig und allein auserwählt, um die Mitzwojss zu tun, also um die 613 Gebote und Verbote zu beachten.
            Indem sie sie beachten, sind sie aber nicht besser als Andere, als Nichtjuden, die sich ihrerseits ‘nur’ an die sieben noachidischen Gebote halten müssen, um als gut Handelnde zu gelten.
            Vulgo: Alle, ob Eskimos, Köln-Nippeser oder Uruguayanos, sollen gefälligst anständige Menschen sein, dann gelten sie als Gerechte für G”tt. So sagt es die Torah.
            Für Juden ist das nicht so einfach. Unsereins muss die Mitzwojss tun, dafür hat uns einer ausgewählt. Die sind zwar schön. Aber manche sind schwer ;)

            P.S.
            Man beachte den Unterschied im Klang von “auserwählt” und “ausgewählt”.
            Auserwählt ist archaisierend, rhetorisch, laut, ja schreiend!, ein Propagandaausdruck in der Tradition Luthers, der gegen’s auserwählte Volk giftete.
            Ausgewählt ist hingegen neutral. Klar, dass daraufhin Gaarder und andere Wixxer das blecherne “auserwählt” lieben.

          • Eitan Einoch schreibt:

            Das weiß ICH, das weist du – aber für Nichtwissende klingt “auserwählt” oder “ausgewählte” eher so, wie es Jostein Gaarder geschrieben hat.
            In diesem (falsch verstandenen) Sinne sehen sich aber eher die Christen und Moslems. Immerhin behaupten sie, die einzig wahre Religion zu sein, die zu Gott führt, und wer sie nicht annimmt, ist für alle Zeiten verdammt. Solches habe ich im Judentum nie vernommen. Wer hält sich also für “auserwählt” im Gaarder’schen Sinne?

          • kleines Südlicht schreibt:

            …. mindestens ja wohl mal der Herr Philosoph als derjenige, der festlegen soll, was ‘auserwählt’ denn zu sein und zu bedeuten hat….

            Aber – ja, ich weiß, es ist off-topic ;) – als alte Rollenspielerin denke ich beim Wort “chosen” (auserwählt, mit “C” / ausgewählt mit “c” ) vor allem an:

            http://basicinstructions.squarespace.com/storage/2010-04-28-prophesy.gif?__SQUARESPACE_CACHEVERSION=1272488080968

            (quelle: http://basicinstructions.net/basic-instructions/2010/4/28/how-to-fulfill-the-prophecy.html )

            SchallundRauch hat auch irgendwo ein Argument: auf die Art von Auswahl, die Morddrohungen (und viel zu oft mehr als die bloße Drohung) der Nachbarn beinhaltet neidisch zu sein setzt wohl eine größere Portion an suizidalen Tendenzen voraus. Schließlich suchen sich die Neider freiwillig aus, daß sie das auch haben wollen.

          • Aristobulus schreibt:

            Eitan immer schnörkellos und brutalreal Kante-auf-Kante, ah, das tut gut. :)

            Und Südlicht, yep, SchallundRauch hat’s erfasst. Der Neid auf’s auserwählte Volk im traditionellen Sinne ist ja ein Klumpen aus Todeswunsch & verhehltem Respekt, aus Identifikation und Feindschaft gleichzeitig. Die große Mehrheit aus Christen (mit ganz großem C ;) ) hielt sich über lange Zeiten für einzig alleinseligmachend (der Hybris-Spruch “niemand kommt zum Vater denn durch Mich” illustriert es), hielt sich für das unübertreffbar Allerbeste über Allem und Jedem, warf aber den paar wenigen, heimatlosen Juden mit Ingrimm und brennendem Neid vor, sie hielten sich für auserwählt, also für was Besseres.
            Identifkation spielte eine große Rolle, so die versteckte, verschämte Variante, die in Zerstörungswut umschlug. So wie ein Ast, der sich auf einen alten Baumstamm gepfropft hat, der es dem Baumstamm dann unendlich übel nimmt, dass er a bissele älter ist, und dass er für beide den Saft aus der Erde gesaugt hat, bis der Ast groß genug war.
            Dieses Objekt von Identifikation und ambivalentem Neid und Feindschaft soll dann umgebracht werden. Vatermord? Spiegelfechterei? Ritzungen in die eigene Halsschlagader? Irgendwie so was…

            Und wie verhält es sich eigentlich mit der moslemischen absoluten Auserwähltheit, und mit dem Koran, der das letzte Wort ever&ever im Universum haben soll? In der archaisch-nagelneuen koranischen Absolutfeindschaft gegenüber den Juden schwingt so was Unklares, Gespenstisches und nicht zu Klärendes mit. Es bestehen Ressentiments ohne Ende, aber die religiöse Verbindung zu den Texten und Propheten des Judentums ist nur zu ahnen, nur als usurpierte Anspielung, nicht deutlich als direkter Bezug zu sehen wie beim Christentum.

            Wen wollen die Moslems umbringen, indem ‘sie’ die Juden umbringen wollen? Nicht so ganz den Vater wie ‘die’ Christen. Die kleine behütete Nachbarsfamilie, die mehr weiß, mehr gelesen hat, liberaler ist, und die ihre Töchter liebt? Den letzten plattfüßigen Widerspruch zu ihrem alleinseligmachenden Koran? Die letzten vorsichtigen, krummnasigen Mohikaner gegen das Herrenmenschentum der weltumfassenden Suprematie Allahs?

        • DerSerebrjanik schreibt:

          Dem letzten Absatz stimme ich komplett zu

      • Eitan Einoch schreibt:

        Wie auf Zuruf entdecke ich heute einen Kommentar bei Welt-Online:

        “Warum stoßen die Israeliten seit vielen Jahrhunderten in aller Welt auf Ablehnung? Wenn man sich selbst als “auserwählt” bezeichnet und arrogant auf andere niederblickt, wird man keine Liebe oder Verständnis ernten.”

        Noch Fragen?!

        • Aristobulus schreibt:

          Keine weiteren Fragen, Euer Ehren. Der Feststeller der allgemeinen jüdischen Missernte, die allgemeine Gegenliebe betreffend, wird zu zehn Tagen verschärfter Beobachtungsarbeit bei einem der ständigen israelischen Hilfsteams verurteilt, die in Krisengebieten Hilfe für Erbeben- und Überschwemmungsopfer und für andere Elende und Bedürftige leisten.

        • kleines Südlicht schreibt:

          [Noch Fragen?!]
          keine.

  6. kleines Südlicht schreibt:

    Starker Artikel, starke Kommentare.
    Kompliment!

  7. Schum schreibt:

    Warum Antisemitismus? fragt Eitan Einoch. Darauf weiß der allerbeste Hans Habe (Wie einst David. Entscheidung in Israel – Ein Erlebnisbericht. Walter-Verlag, Olten 1971) vielleicht eine Antwort:

    „Antisemitismus ist die Rechtfertigung jahrhundertelang begangener Verbrechen. Es geschieht, daß man ohne Haß mordet, aber man haßt immer den, den man gemordet hat. Der, an dessen Hand Blut klebt, oder der auch nur glaubt, daß an den Händen seiner Ahnen Blut klebt, wird immer das Blut des Ermordeten verfluchen und verachten oder wird zu erklären trachten, warum es vergossen wurde. … Weil aber die Israelis Juden sind, wird man sie hassen, und weil man ihnen Unrecht tat, tut man ihnen Unrecht, und weil man ihnen Unrecht tut, wird man ihnen Unrecht tun. Es gibt für das Gewissen keine Rettung, als seinem emigrierten Problem nachzureisen.“ (S. 102-103)

    Auf die Auserwähltheit des „auserwählten Volkes“ neidisch kann nur der sein, der an sie glaubt, nicht wahr? Und da wird’s interessant.

    Zweitausend Jahre lang haben die Christen von ihren Theologen, Priestern und Pfarrern gehört, daß sie die legitime Erben des angeblich abtrünnig gewordenen Volkes seien und als solche den Titel „neues Volk Gottes“ für sich reklamieren dürften (Ersetzungstheologie).

    „In der Verkündigung setzte sich die Auffassung durch, die Kirche sei das neue und wahre Israel, während das jüdische Volk seine heilsgeschichtliche Bedeutung verloren und an die Kirche abgetreten habe. Gott habe den Bund mit dem Volk Israel aufgekündigt. … Diese Enterbungstheologie läßt sich an vielen Beispielen durch die Jahrhunderte bis in die Gegenwart belegen.“ (Deutsch-Katholischer Arbeitskreis [Hg.]: Antisemitismus, Schoa und Kirche – Studie eines theologischen Arbeitskreises vom 30. Juni 1995)

    Und was geschieht realiter? Bei dem Ausdruck „auserwähltes Volk“ denken die Christen immer noch nicht an sich, sondern an die Juden; nach 2013 Jahren Selbstsuggestion glauben sie immer noch nicht daran, daß sie die Juden in die Gunst des himmlischen Vaters verdrängt hätten. Kein Wunder, daß sie Gottes „chouchou“ hassen. („Les chouchous du malheur“ – die Lieblinge des Unglücks – nannte Alain Finkielkraut einmal die Juden, aber das ist eine andere Geschichte).

    Ja, Aristobulus, wie ist die Verhandlung ausgegangen? Hat nur Herr Arendt paar jüdische Freunde? Du nicht?

    • Aristobulus schreibt:

      Hi liebe Schum,
      Hans Habe, ach danke für die Erwähnung seines Namens. Ich weiß noch gut, mit welchem Unterton man ihn im Studentenmilieu Anfang der Achtziger als Rechten bezeichnete, also als per se Indiskutablen. Als ‘es’ anfing, dass Juden, nur weil sie als Zionisten die Sache auf den Punkt brachten, als Rechte, als Imperialisten und als Rassisten diffamiert wurden. Die Studenten von damals sitzen nun in Chefetagen von Behörden und in der UNO. Ganze Generationen sind damit aufgewachsen.

      So kam es zum UNO-Beschluss von 1975 und zur UNO-Konferenz von Durban 2001, als der Zionismus offiziell als Rassismus definiert worden ist. Wie, so?! Ja, so.
      Der Spruch wurde längst zurückgenommen, aber in den Köpfen spukt er weiter als Tatsache, die die Realität ersetzt. Analog zum Goldstein-Report von 2009, der mit Realität nicht das Mindeste zu tun hatte, indem er die Isralis als Kriegsverbrecher bezichtigt hat. Auch dieser Report wurde erst in der Luft zerrissen, dann von Richter Goldstein zurückgenommen. Aber wenn man irgend jemanden fragt, gefährden definitionsgemäß die Israelis den ohnehin brüchigen Weltfrieden (so spukt es längst nicht nur im Schädel des Dichters GraSS).

      Und danke für Deine Erwähnung von Alain Finkielkraut, den ich ohnehin sehr schätze. Habe mal über Nächte in Eisenbahnen sein Buch “La sagesse de l’Amour” gelesen, ah, da ging die Sonne auf.
      In der Zeit, als Präsident Sarkozy die moslemischen Jugendlichen, die in Pariser Problemvierteln die Autos ihrer eigenenen Leute anzündeten und die Geschäfte ihrer Verwandten plünderten, wahrheitsgemäß als “Raccaille” bezeichnete, als miesen Mob, saß Finkielkraut in einer Fernsehdebatte so da und lauschte den Tiraden einer Verschleierten, die so schrie, dass das Opfer des Establishments seien, besonders sie selbst. Er sah hoch (wie der immer so hochsieht!) und sagte ganz gelassen, “mais vous êtes abominable, madame”, Sie sind entsetzlich, meine Dame. Aus :D

      Wie die Verhandlung ausging, habe ich weiter oben schon geschrieben. Und nein, ich wollte keine Freunde mitnehmen. Hielt es für möglich, dass mir draußen jemand auflauert. Alles schon dagewesen. In Gefahr soll keiner kommen. Wie ich selber als Einzelner entkomme (oh, schon mal vorgekommen, mehrfach), weiß ich leider gut.

      • Schum schreibt:

        Erst heute in der S-Bahn ist mir die volle Bedeutung der Antisemitismus-Definition aufgegangen, die ich aus Hans Habes Buch „Wie einst David“ liebevoll abgeschrieben habe.

        Noch einmal: „Antisemitismus ist die Rechtfertigung jahrhundertelang begangener Verbrechen. (…) …weil man ihnen [den Juden] Unrecht tat, tut man ihnen Unrecht, und weil man ihnen Unrecht tut, wird man ihnen Unrecht tun.“

        Habe erweitert nicht nur Zwi Rex’ Aussage, wonach die Deutschen den Juden Auschwitz nicht verzeihen werden, er verallgemeinert sie: Weil es auf dem Weg zum 1. Kreuzzug im Mai 1096 ein Pogrom in Speyer gegeben hatte, folgten Tage später Pogrome in Worms und Mainz und so weiter bis Auschwitz.

        Das heißt aber, daß wir seit 1945 alles falsch gemacht haben. Statt den Deutschen zu helfen, die Vergangenheit zu vertuschen, stellen wir sie vor ihre Verantwortung, holen Dokumente hervor, zeigen Bilder, belästigen die Schulkinder mit unseren Erinnerungen, begleiten sie auch noch in die ehemaliger Lager. Ja, was haben wir denn erwartet? Daß sie uns vor Dankbarkeit um den Hals fallen, uns vor lauter Reue eine neue Heimat gönnen? Es wird Auschwitz geben, weil es Auschwitz gegeben hat: Das sagt uns Hans Habe.

        Was ist die Stuß-Idee, die man Aufklärung nennt? Die Idee, daß ein Menschentier nicht morden wird, weil andere vor ihm gemordet haben. Bravo! Ja, hätte Hitler nur gewußt, was den Armeniern geschehen war, hätte er nie und nimmer… Ach, er hat es gewußt?
        Eine Abwandlung der griechischen Katharsis-Vorstellung: Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet. Weil mich Don Juans Ende erschreckt hat, werd ich fortan den Müll trennen und keinen Dirndl mehr angucken; seit ich Othello gesehen habe, laß ich die Fäuste von meiner Mona. Weil wir die Juden so schrecklich haben leiden sehen, werden wir sie nie wieder töten. Nie wieder! Versprochen.
        Wirklich? Also, Qaradawi und Co. turnen die Bilder eher an.

        Finkielkraut, ja. Mit seinem „Juif imaginaire“ bleiben wir beim Thema. Der Titel ist etwas unglücklich in Anlehnung an Molières „eingebildetem Kranken“ mit „Der eingebildete Jude“ übersetzt worden. Der Jude, von dem die Rede ist, ist nicht etwa ein Kostümjude heutiger Prägung. Er ist ein reinrassiger Jude der 50er und 60er Jahre. Westeuropäisch, wohlgelitten, mit allen Privilegien ausgestattet, die sich aus der jüngsten Ermordung seiner Angehörigen ergeben. So sicher hat seit Awraham Awinu kein Jude nirgends gelebt. Manchmal spielt er mit dem Gedanken, wie’s ihm ergangen wäre, wenn er 10 oder 20 Jahre früher zur Welt gekommen wäre. Ist er aber nicht. Ihn bedroht nichts, wird nie wieder was bedrohen. Er ist ein Jude, der keinen Preis dafür zahlen muß. Jude ist er nur noch in seiner Einbildung.

        Was soll man sagen? Irgendwer hat das Ende der Pause gepfiffen. Ein geistig gesunder Jude trägt kein Käppchen auf der Straße – oder er weiß, was er tut –, er schlägt nicht „Ma’ariv“ in der U-Bahn auf, spricht nicht Ywrit in sein Handy hinein. Glücklich, wer nicht Cohn oder Levy heißt.
        Bei der Gelegenheit wollte ich Dich fragen: Heißt Du wirklich Cohn? Wenn ja, mein Beileid! Das kennt man ja: Man flüstert seinen Namen dem Beamten hinter dem Glasfenster zu – unwillkürlich, die Stimme senkt sich von allein –, der hört ihn nicht, bittet, ihn zu wiederholen, er ist ganz Ohr, der Hintermann auch, oder du bildest es dir nur ein. In Paris meidet die 80jährige Liliane Lurçat den Weg zum Postamt und geht nicht mehr zu den Wahlen. Nicht wegen ihres Namens. Wegen ihres Geburtsortes: Jerusalem. Typische Szene: „Eh, Fatima, sieh mal, wo die Frau geboren ist!“
        Bist mehrfach „entkommen“, schreibst Du. „Entkommen“ tut weh zu lesen.

        Auch „krimineller Israel-Lobbyist“ klingt nicht gut, lieber Gerd Buurmann. Es klingt nach Gefahr. So ein Rentner wie Walter Herrmann kann auf junge Kräfte zählen. Was macht man da?

        • Aristobulus schreibt:

          Dein Beitrag ist erste Sahne, könnte hier als Artikel willkommen sein! Gerd?

          – –

          …diese Kette von Pogromen, Vernichtungen, Beschüssen und Polemiken, die Habe da so einfach wie komplex auf den Punkt trifft, ist gedanklich schon in der Begehung des Feiertags Tischa be’Aw (des Neunten Aw) vorbereitet, nicht? Wenn man an die Getöteten, Verstümmelten und Verletzten denkt, die just und seltsamerweise immer an diesem Tag über Zeiten leiden mussten, bei der Zerstörung des Tempels durch die Römer und der Ausmordung des gesamten Landes im Jahr 70, bei der Vertreibung aus Spanien 1492, und so weiter.
          Eisenfäden ziehen sich zur Reichspogromnacht 1938.
          Ein Kettenglied am nächsten, und alle Kettenglieder sind miteinander verdrahtet. Wehe, wenn da mal was durchreißt – schon erinnert sich Amalek, da war doch was?!, und fängt wieder an.

          – Dein vierter Absatz ist nicht ohne, so hab ich das noch nie gesehen, “Es wird Auschwitz geben, weil es Auschwitz gegeben hat: Das sagt uns Hans Habe”. Und die Aufklärung ist die Hoffnung, dass morgen diese Kette bricht und dass man einfach aufhört, Armenier oder Juden zu ermorden und anzuhassen, und dass man endlich die Ziganischen in Ruhe lässt, und dass die Araber, Schiiten, Sunniten endlich mal die Mitaraber, Mitschiiten, Mitsunniten am Leben lassen.
          Wobei die Aufgeklärten, die wirklich daran glauben, dass aufgeklärt worden sei, dann ein schlechtes Gewissen kriegen, weil sie mal im Iran unter dem Schah mal mit Minirock rumgelaufen sind, tatsächlich, und nein, das war doch ein Vergehen gegen deren kulturelle Eigenart, Aufklärung hin, Scham komm her.

          – Verstrickung. Die ganze Torah ist ein Aufruf, dass man sich nicht in Bosheit und Kleinlichkeit und Unterdrückung verstricken soll, nicht? Falls wir nach 1945 den Deutschen gesagt hätten, ach war doch nicht schlimmer als sonst, ach war nichtmal ‘ne Million, ach es gab vorher paar scheele Blicke von Alfred Kerr auf’s deutsche Theater… irgendwann kommt die Wahrheit aus der Erde. In Auschwitz stehen ja noch die Mauern. Viele Mehrheitsdeutsche halten das nicht aus, und anstatt sich als Kettenglieder dann gleich wie geschmiert wieder über die Juden zu empören, machen sie’s nicht!, machen nicht wieder mit, sondern versuchen einen Neuanfang.
          Damit wird es wieder aufgerührt.
          Und es finden sich gleich-gleich-gleich die Herrn Hassmänner, Fr*ankes und dann siebenundachtzig Etagen weiter drüber die al-Qaradawis und Hotte Mahlers und Nasrallahs usf., die lieber wieder Kettenkarussell spielen, denn wo Rauch ist!, ach wo es so qualmt und stinkt!, wo der Qualm einfach nicht abzieht, dass man dauernd huuusten muss!, da muss ja irgendwo Feuer sein.

          – Und ich heiße gern Cohn. Sollen die doch denken, was sie wollen. Kommt ein schräger Blick, fällt mir schon ein kratziger Satz ein, damit ich zumindest in meiner Einbildung Oberwasser hab.
          Oder es geht so wie jüngst unterwegs, als ich über Stunden neben einem Aserbaidschaner saß, der nett war, bis ich erwähnte, Jude zu sein (ehrlichkeitshalber, weil er sagte, er sei Moslem). Da zuckte er. Aber nur kurz. Eine Minute später war wieder alles in Butter ohne Fleisch, und er war mit mir erstaunlich einig, dass es etwa im Iran einfach furchtbar abläuft.

          – Entkommen. Ich halte das für ein positives Wort. Einer, der entkommt, ist kein Opfer, nicht?
          Und um Gerd Buurmann mache ich mir immer Sorgen. Obwohl er ganz schön kräftig ist

          • Schum schreibt:

            Entkommen ist immer gut, betach. Nur daß es zuvor eine Gefahr gegeben haben muß. An diese Gefahr hatte ich gedacht. So viel Phantasie muß sein.
            Leila tow, Aristobulus.

    • Eitan Einoch schreibt:

      Exakt so sehe ich es auch. Letztlich glaube ich, dass Neid die Triebfeder des Antisemitismus ist: Neid auf die sogenannte “Auserwähltheit” und auf die jüdische Kultur, die in zweitausend Jahren Diaspora allen Assimilations- und Vernichtungsversuchen getrotzt und überlebt hat, Neid auf jüdische Leistungen und jüdischen Erfolg in Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst – Neid wohin das Auge blickt. Der Neider kann sich das nicht erklären und spinnt Verschwörungstheorien – da kann es nicht mit rechten Dingen zugehen, es muss eine jüdische Weltverschwörung dahinter stecken!

  8. nussknacker56 schreibt:

    Interessantes Thema, für das es m.E. keine einfachen Antworten gibt. Eigentlich sind die Herren ein Fall für die Psychiatrie. Doch wo anfangen und wo aufhören? Zudem widerstrebt es mir, diesen rot-braunen Vertretern des Antisemitismus einen „Idioten“-Freibrief auszustellen.

    Ich meine, es ist ein ganzes Gemisch von verschiedenen Wahnvorstellungen, aus denen sich die einzelnen „Betroffenen“ ihre ganz persönlichen „Gründe“ heraus destillieren. Eine der Ursachen sehe ich persönlich in der Verdrängung von Schuld, die aus der Shoah herrührt. Diese wird ja nicht bestritten aber in der – im wahrsten Sinn des Wortes – irren Konstruktion und Behauptung eines „vergleichbaren“ Verbrechens gegen die Palästinenser haben sie endlich ein langersehntes Ventil gefunden. Nun können sie sich dieser unbequemen Last entledigen mit dem Hinweis auf die heutige „Schuld“ der ehemaligen Opfer bzw. deren Nachkommen. Mit dem Zusammentragen von zurechtgeflickten Argumenten und vorgetragen mit bebendem Brustton der (Selbst-)Überzeugung können sie sich für die erlittene „Schmach“ der Schuld gleichzeitig auch ein bisschen rächen.

    Diese Berührungspunkte bilden für mich eine Grundlage, die sich über obige Sumpfgewächse hinaus besonders häufig bei den sich nach eigenem Selbstverständnis als „kritisch“ definierenden Kreisen wiederfindet. Eine politische Analyse und eine kritische Reflektion des eigenen Verhaltens unterbleibt. Die scheinbaren theoretischen Ansprüche scheitern schlicht an der persönlichen Wirklichkeit.

    Eines bleibt festzuhalten: Der israelischen Gesellschaft ist weiterhin dringend zu raten, sich nicht auf andere zu verlassen. Gleichzeitig ist es notwendig flexibel zu bleiben und vor allem die eigenen Ideale nicht im Kampf gegen den Terror aus den Augen zu verlieren. Dann haben die Todfeinde jedes humanen und vernunftorientierten Zusammenlebens gewonnen. Aber dieses Problem haben (wenn auch meist in abgeschwächter Form) alle demokratischen Gesellschaften.

    • Aristobulus schreibt:

      Nussknacker, ja, diese tief Rotbraunen sind zwar Idioten und völlig Gestörte, faktisch, ontisch und überhaupt, aber sie sind es gern.

      RömPöm schrieb, dass sie wegen ihrer inneren Leere immer den alten Sündenbock suchen. Das müssen sie aber nicht. Niemand muss.
      Eugen Sorg, ein Journalist, den ich sehr schätze, schrieb in “Die Lust am Bösen: Warum Gewalt nicht heilbar ist”, wie überaus GERN jene, die Böses tun, das tun und planen!, und wie innig sie daran hängen, es zu tun und es sich vorzustellen.
      Er schreibt auf jeder Seite, die er schreibt, gegen die weit verbreitete Ansicht, man könnte das Böse als inneren Mangel wegerklären, bedauern und wegtherapieren.
      Mag sein, dass ein Böser an sich selbst leidet. Aber keiner muss sich entscheiden, böse zu sein oder zu leiden – oder beides.

      Jeder muss wissen, was er tut, und jeder ist dafür voll verantwortlich. Die Hasser von der Kölner Domplatte und der Hasser aus Dortmund wissen genau, was sie tun.
      Täter stilisieren sich nicht als Opfer, weil sie so arm dran wären, nicht? Sie tun es GERN. Es macht manch einem Spaß, jüdischen Kindern in den Kopf zu schießen, wie ein Mohammed Mera es in Toulouse tat. Sein Name sei ausgetilgt.

      Auch Grass, der Dichter mit den leider hässlichen Tabakspfeifen und dem hässlichen Schnauzbart, hat GERN sein miserables Gedicht mit dem widerlichen Inhalt geschrieben. So gern wie ein Jakob Augstein, das Antisemitchen, das sich GERN irgendwo im Fernsehen in eine schwarzrotgoldenen Wimpel schneuzte, die Flagge der Republik und des Rechtsstaats. Er zieht daraus emotionalen Nutzen. All diese ‘israelkritischen’ Kreise tun das – und zwar GERN.
      Dazu sind sie gern die Opfer der Walserschen Antisemitismuskeule, die sie erfunden haben und die bekanntlich tödlich zuschlägt, so bald jemand es wagt, irgend Juden zu kritisieren ;), und deswegen dürfe man das nicht.
      Schpass, wuss a zoress.

      • nussknacker56 schreibt:

        Hallo Aristobulus,

        ich stimme dir zu, sie tun es gerne. Vor allem tun sie es gerne und ausgiebig, nachdem sie sich einen „moralischen“ Unterbau zurechtgebastelt haben. Der kann noch so wacklig sein, er erfüllt seinen Zweck: Damit lassen sich viel unbelasteter und stimmiger die eigenen Entlastungssehnsüchte übertünchen und keimende Vernichtungs-phantasien mit „moralischen“ Kriterien rechtfertigen. Mein Beitrag war speziell auf diejenigen gemünzt, die sich aus sogenannten „kritischen“ Motiven mit der palästinensischen Sache identifizieren und im Gegenzug die israelische Seite dämonisieren. Genau dieses Schlupfloch will ich nach Möglichkeit verstopfen und diese Zwecklüge als eine solche benennen. In diese „Empört-Euch“-Suppe möchte ich das Salz der Erkenntnis schütten, damit diese üble Matsche nicht als Delikatesse an den nächsten Naiven weitergereicht werden kann, der dann (nach erfolgreicher Selbst-Indoktrination) ebenfalls das Loblied für die Suppenköche singt und deren Hassbotschaften weiter trägt.

        Mit zunehmendem Alter ist jeder für sein Verhalten selbst verantwortlich. Wie im Beitrag vorher erwähnt, ich stelle keine Freibriefe aus. Doch die Beschäftigung mit tiefer liegenden Mechanismen lassen die vorgebrachten Rationalisierungen dieser verhältnismäßig großen Gruppe deutlich besser erkennbar werden. Dies heißt keineswegs, sich Illusionen über deren inneren Zustand noch über eventuelle Möglichkeiten der Gesundbeterei zu machen.

        Eugen Sorg kenne ich nicht, werde ich mir mal anschauen.

        P.S.: was heißt denn „… wuss a zoress“?

        • Aristobulus schreibt:

          Genau genau, Nussknacker, der Unterbau derer, die Israel dämonisieren, delegitimieren und in der Beurteilung immer doppelte Standards anlegen (Nathan Sharanskys triple-D), der als moralisierender Überbau daherkommt.

          Zumal es denen nicht auf die Palästinenser ankommt. Denen gehen die Palästinenser völlig am Gesäß vorbei. Sie behandeln sie wie Kinder, die nicht für sich selbst verantwortlich sein dürfen, und sagen kein Wort gegen oder nur über die Terroristen und die Korrupten, von denen sie gegängelt, getötet, ermordet und im Schmutz gehalten werden. Die Palästinenser haben sich irgendwann mal diese Leute an die Macht gewählt und halten sie seitdem aus. In Israel geht es den palästinensischen Israelis recht gut, sie haben alle Recht, können Richter oder Lehrer oder Künstler oder was auch immer werden, haben Parteien in der Knesset usf. Hingegen die Palästinenser in arabischen Ländern werden meist unter Apartheid gehalten, als reine Verfügungsmasse, um die Israelis weiter unter Druck zu setzen.
          Die sog. Israelkritiker verlieren darüber nie ein Wort. Weil es ja den politischen Romantizismus stört. Die Palästinenser sollen edle Wilde und die Juden der Juden bleiben.

          Und sie relativieren und verniedlichen etwa deren unausgesetztes Steinewerfen als Kinderei, als Hilflosigkeit – wobei dieses Steinewerfen nichts Anderes als Steinigung bedeutet! Dort werden Juden und besonders Jüdinnen halt gesteinigt, denn schon Amin al-Husseini sagte 1920 vor den Pogromen: “Die Juden sind unsere Hunde”.
          An manchen Straßen in Israel (längst nicht nur in der Westbank) stehen permanent diese Steinewerfer, die versuchen, die Autos in die Windschutzscheibe zu treffen, damit der Fahrer (möglichst die FahrerIN) einen tödlichen Unfall baut. Tausend Brocken mögen danebengehen. Analog zu den Raketen der Hamas. Aber der tausendunderste trifft einen Juden hier und eine Jüdin da.

          Die Europäer mit dem allwissend moralisierenden Überbau sagen dann sofortestens: Ja aber das völkerrechtswidrige Unrecht der Besatzung!, ja aber die schmarotzenden Siedler!, ja aber das Leiden des palästinensischen Volkes! Oder sie schreiben wie der SPIEGEL: “Panzer gegen Steinewerfer”. Mit Bild, schön gephotoshopped.

          – Ach so, ähm, “Schpass, wuss a zoress” lässt sich kaum übersetzen ;). Heißt so viel wie:
          Ach ach, welche Sorge.
          Lustig, dieser Balagaaan.
          Na welch spaßige Not.
          Wie entsetzlich, dieser Jux.

  9. Eitan Einoch schreibt:

    @Aristobulus
    Schön formuliert! Ehrlich, mir (als Nichtjuden) ist das “auserwählte” Judentum, welches mir lediglich die Noachidischen Gebote “aufbürdet”, mich aber ansonsten so sein lässt, wie ich bin, unendlich mal sympathischer und lieber als das viel “bescheidenere” Christentum oder der Islam, welche zwar Frieden, Barmherzigkeit und Nächstenliebe predigen, mir aber mit ewiger Höllenqual und Verdammnis drohen, wenn ich deren großzügiges Erlösungsangebot ausschlage und weder Jesus, noch Mohammed als Götzen anzubeten bereit bin.

  10. Aristobulus schreibt:

    [ frech was druntergeschrieben ]
    Gerd, oh völlig zu Recht und willkommen Geworbener und Gepriesener :), was schrub jedoch dieser Mensch in seinem Wahne? Das interessiert mich jetzt doch :mrgreen:, zwar nicht aus reiner Menschlichkeit, eher aus quasi wissenschaftlichen Gründen von Lexikalität, Lupe & Sezierung und Wandbrett, auf das das Dingens dann gespießt wird.

  11. Roger schreibt:

    Ich stelle mir das Statement des Rentners in etwa so vor:

    “Hohes Gericht, ich bin ein Gutmensch, und möchte dies “Pippi-Kacka-Kaltenbrunner” auch im Folgenden darlegen. Ich bin ein recht…”Nakba-Apartheit-Holocaust”…schaffender Mensch, dies können auch 666 Juden “Quisling-Hofjuden-Himmler-Endsieg” bezeugen!”

    Aber, darüber sollte man nicht spotten, das Antisemiten-Tourette ist eine ernstzunehmende Krankheit!

    • Aristobulus schreibt:

      Hahaaa! :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:
      Hi lieber Roger, genauso war’s. Wobei er bloß Himmlern nicht erwähnt hat, er hüstelte und spotzte statt dessen.
      Man hat’s wohl nicht leicht als einer, der nur jemand ist, weil er versucht zu sein, wie er nicht ist, und der’s einfach nicht schafft, obgleich er schafft, schafft & schafft :D

  12. Roger schreibt:

    Sehr witzig ist ja auch dies hier, was ich im Impressum von EA gefunden haben:
    Wir möchten ausdrücklich betonen, dass wir keinerlei Einfluss auf die Gestaltung und die Inhalte der verwiesenen Seiten haben. Deshalb distanzieren wir uns hiermit ausdrücklich und zwar nicht pauschal, sondern konkret und ausdrücklich von den Inhalten aller verwiesenen Seiten auf diesen Seiten und machen uns deren Inhalte nicht zu Eigen. Diese Erklärung gilt für alle auf unseren Seiten angebrachten Verweise!
    Abgesehen davon, dass nichts mehr übrig bleiben würde, wenn man sich von EAs Linkportal die Links wegdenkt, erkennt der Jurist hier einen Vorsatz…
    Mal schauen, was ich noch so finde, ich denke es gibt da schon einige Ansatzpunkte, um das Leben des Rentners etwas abwechslungsreicher zu gestalten :mrgreen:

    • Aristobulus schreibt:

      Verweise ist so wie Weltnetz oder Systempresse.

      und zwar nicht pauschal, sondern konkret und ausdrücklich, also das soll hiermit heißen, dass es hiermit nichts heißt, wobei das Nichts weder zutrifft, noch nicht zutrifft, ob distanzierend oder nur in distanzierend verwiesener Absicht, also hiermit pauschal die Gestaltung nicht oder nicht die Inhalte, die ohnehin nicht, weil doch!, jedoch auch die hiermit verwiesenen, nicht verwiesenen und überhaupt wiesenhaltigen Seiten, soferne wir sie uns nicht zu eigen oder uneigentlich machen, jedoch angebrachte Verweise behalten wir uns hiermit vor, damit hier, ob nun im Pluralis Majestatis oder ganz mit ohne. :mrgreen:

    • Aristobulus schreibt:

      Wir haben noch das Wort Schaschlik vergessen. Es sei nunmehr in aller Form und erwiesenermaßen nachgeholt.

  13. Aristobulus schreibt:

    Das Verstehen des zuvorr Unverständlichen unterscheidet andere Menschen verständlicherweise von einem gewissen Flaus Kranke, für den selbst Verständliches, ja VerständlichSTes selbstverständlich perfekt unverständlich bleibt, ob zuvor, ob danach, oder überhaupt.

    ***
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