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Prof. Dr. Ferdinand Rohrhirsch: Besinnung schenkt Ermutigung

Buchpräsentation 09. Januar 2014, WKV Württembergischer Kunstverein
Visionen + Aktionen für Kopfbahnhof und Stadt
ArchitektInnen für K21

Besinnung schenkt Ermutigung

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich danke den Verantwortlichen herzlich für die Einladung vor Ihnen sprechen zu dürfen. Der Anlass ist ein freudiger, ein Buch hat seinen Entstehungsprozess hinter sich. Es ist gedruckt und liegt nun öffentlich vor.

Eine Buchpräsentation, vor allem die eines Sammelbandes, ist ein Zeichen dafür, dass etwas abgeschlossen ist. Das stimmt auch für diesen Band.
Auch in ihm werden Ergebnisse präsentiert, Standpunkte ausgebreitet, Zusammenfassungen vorgestellt.
Doch darüber hinaus ist er Zeugnis und Rechenschaft eines Denkweges, den die „Architek- tInnen-für-K21“ im Oktober 2010 eröffnet haben und seither bewandern.

Der Band versammelt und präsentiert Stationen eines Nachdenkens zu einem Thema, das uns, wenngleich individuell verschieden, intensiv beschäftigt, umtreibt, angeht, fertigt macht oder gemacht hat, schlaflos zurück lies und sicherlich Einige hart an den Rand der Resignation führte und gelegentlich ein wenig darüber hinaus.

Der Band ist das Resultat eines Unterwegshaltes, der zu einer Reise gehört, die noch nicht beendet ist, und bei der es überdies auch offen ist, wo sie und wie sie für uns, für die Stadt Stuttgart und für die Bahn AG enden wird.

Das Buch ist Resultat einer verweilenden Besinnung.

Verweilen. Verweilen bedeutet in keinerlei Hinsicht aufzuhören. Ein Wanderer, der verweilt, indem er rastet, ist keiner, der sich von seinem Ziel abkehrt oder es gar aufgibt.
Die Rast ist integraler Bestandteil seiner Wanderung. Im Verweilen geschieht und vollzieht sich ein sich besinnendes, reflektierendes Kraftschöpfen für den weiteren Gang.
Im Verweilen passiert äußerlich nahezu nichts und geschieht doch wesentliches.

Das, was bisher geleistet wurde – der bisher absolvierte Weg – ist ebenso im Fokus, wie die bevorstehende Strecke. Der Blick zum Himmel gehört dazu, wie der in die Karte. Die Über- prüfung der Ausrüstung, wie die Beobachtung der unmittelbaren Umgebung – als das ge- schieht im Verweilen.
Und – wie gesagt – von all dem sieht man wenig bis nichts. Der Wanderer ruht und ist doch voller Dynamik. Nur durch sein Verweilen hat er überhaupt die Chance sein Ziel zu erreichen. Das ist ja das Fatale in so vielen Unternehmen: Dynamik wird erwünscht und statt ihrer wird Hektik produziert. Hektik, die häufig zu Resignation und Aufgabe führt.

Besinnung. Wie Verweilen nichts mit Aufgeben oder Kapitulieren zu tun hat, so wenig hat

Besinnung mit Besinnlichkeit tun.

„Besinnung ist der Mut, die Wahrheit der eigenen Voraussetzungen und den Raum der eigenen Ziele zum Fragwürdigsten zu machen.“ (Heidegger, GA 5, Die Zeit des Weltbildes, S. 75).

Orte, die zu einer verweilenden Besinnung taugen, bieten die Möglichkeit das eigenartige We- sen des Menschen offenkundig machen, das darin besteht, dass er, mitten in seiner alltägli- chen Gegenwart, von Vergangenheit und Zukunft durchdrungen ist. Mitten im Jetzt ist er über dieses hinaus und kommt doch nicht von ihm los.
An solchen – ausgezeichneten – Orten, an denen sich die Zeiten versammeln, ist es möglich zu erfahren, wie es um den Menschen steht. Der Stuttgarter Kopfbahnhof mit seinem Turm ist so ein Ort.

Der Stuttgarter Kopfbahnhof mit seinem Turm war und ist Repräsentant der Vision einer Ge- sellschaft, in der Menschen aller Schichten, Stände und Klassen, – die sich dem Flügelrad unterstellen –, Unterstützung erfahren in ihrem Bestreben hinauszuwandern, auf- und auszu- brechen aus Verhältnissen, die ihrem Wesen unwürdig sind und sie in ihrer Entwicklung be- hindern.
Für den Wirtschaftstheoretiker Friedrich List (1789-1846), der maßgeblich den Aufbau der Eisenbahn in Deutschland beeinflusste, waren die Eisenbahnen, die „eigentliche[n] Volks- wohlfahrts- und Bildungsmaschinen“. (Sonnenberger, 29). „Durch die neuen Transportmittel wird der Mensch ein unendlich glücklicheres, vermögenderes, vollkommeneres Wesen.“ (Ebd.)

Insofern ist der Kopfbahnhof mit seinem Turm ein Wahrzeichen dessen, was Menschen von sich gehalten haben. Dieser Idee nach hieß Eisenbahn und bedeutete Eisenbahner zu sein: im Dienst einer Sache zu stehen, die Menschen zu dienen hat; die aber größer ist, als dass sie der Willkür Einzelner oder Interessensgruppen und ihrer Vorstellungen von Fortschritt, Mobilität und Wohlstand unterworfen werden dürfen.

Mit der Ausstellung zu S21 ist der Turm des Kopfbahnhofes erneut zum Repräsentanten eines Bildes bzw. einer Vision vom Wesen des Menschen geworden. Den entscheidenden Unter- schied zum früheren Bild von Eisenbahn und Mensch sehe ich darin, dass das Bild des Men- schen nun gar nicht anders gefüllt oder gerahmt ist. Sondern, dass die Frage nach dem (endli- chen) Wesen des Menschen überhaupt keine Rolle mehr spielt.
Friedrich List wollte die Eisenbahn nutzen zur Vervollkommnung des Menschen. Nun wird die Eisenbahn optimiert zur Vervollkommnung des Marktes.
Die Frage nach dem Menschen ist verschwunden, diffundiert in den Funktionen und Relatio- nen, die eine reibungsfreie, marktkonforme Gesellschaft von ihren Subsystemen erwarten.

Was das heißt, will ich verdeutlichen, indem ich es zur Frage umformuliere: Was bedeutet es, wenn sich Sterbliche als Unsterbliche wähnen?

Der Schriftsteller Jorge Louis Borges hat in seiner Erzählung „Der Unsterbliche“ eine Stadt geschildert, die es einem jungen Mann, der nach Unsterblichkeit sucht, unmissverständlich klar macht, dass er die Stadt der Unsterblichen erreicht hat, die einstmals, wie er, Sterbliche waren.

Er suchte lange und nun stand er vor ihr. Sie war unbewohnt. Er drang in die Stadt ein. Je weiter er ging, desto seltsamer wurden die Gebäude. Häuser hatten Fenster, die in solch absurder Höhe angebracht waren, dass es völlig unmöglich war, sie zu öffnen. Riesige Gänge hörten einfach auf oder wurden immer kleiner, bis kein Durchkommen mehr möglich war. Türen führten in treppenlose Räume, in denen an der Zimmerdecke weitere Türen eingelassen waren. Gigantische Wendeltreppen, deren Geländer an der Unterseite angebracht waren, endeten schon nach wenigen Umdrehungen oder schraubten sich in unvorstellbare Höhen und hörten dann doch unvermittelt auf.

Bei der Erkundung eines Palastes war er am Anfang noch der Meinung: „Dieser Palast ist ein Bauwerk der Götter“. (S. 13). Ein wenig später präzisierte er sein Urteil: „Ich achtete auf seine Eigenheiten und sagte: Die Götter, die ihn gebaut haben, waren wahnsinnig.“ (Ebd.).

Für Unsterbliche (wie für sich unsterblich Wähnende) geht der Sinn ihrer Handlungen, wie der von ihnen gebauten Dinge verloren. Unsterblichkeit gebiert Leere. Unsterblichkeit ent- sinnt  – die Dinge, wie die Menschen. Zurück bleiben glänzende Oberflächen, Betörendes, Blendendes.
Der Sinn von Eisenbahn, ihre physischen Fundamente und ihre Regeln werden gedehnt, über- schritten und schließlich missachtet – mit ihnen auch diejenigen, die Eisenbahn nutzen.
Die, die auf die Dinge angewiesen sind, die erahnen schnell und erkennen früh, dass der Maß- stab der Güte von Dingen, ihre Tauglichkeit ist.
Vollendet oder gut sind Dinge nicht, wenn sie neu sind, teuer oder vermeintlich modern, son- dern dann, wenn ihre Wirklichkeit ihrer Realität entspricht, wenn ihre Konkretion, die ihr zugrundeliegende Idee zum Ausdruck bringt.
Wenn die Dinge tauglich sind, dann sind sie gut.

Natürlich ist das alt.

Es stammt aus dem anfänglichen Philosophieren des Menschen über das Seiende im Ganzen.

Im und am Bahnhofsturm zeigt sich einem sich Besinnenden ein Mehrfaches: Er kann ihn als

Denkmal begeifern, das in der dort untergebrachten Ausstellung zum bloßen Requisit eines:

„es war einmal“ gebraucht wird, besser: missbraucht und vergewaltigt wird. Denn mit der Ausstellung zu S21 ist der Turm faktisch penetriert, von den Animationen und Versprechun- gen eines Fortschritts,
für die er gerade nicht steht – und vielleicht auch selbst demnächst nicht mehr geradestehen will.
Eigentlich stört er. Denn er erinnert an gelingende, d. h. menschlich verantwortbare Visionen von technischem Fortschritt.
Einem sich Besinnenden, der nach den eigenen Voraussetzungen und Zielen fragt, ist es mög- lich, den Turm als echtes Denkmal zu begreifen, das immer auch ein Element der Mahnung enthält, – den Dingen und sich selber ihre Voraussetzungen und ihre Ziele mithin ihren Sinn
in Erinnerung zu rufen.

Geschieht dies, dann kann sich Herkunft als Zukunft zeigen und die Gegenwart den Raum freigeben, auch Bahnhöfe zu entwerfen, die modern sind, weil sie ihrem Ursprung und ihrem Sinn treu bleiben.

Wie der Kopfbahnhof im wesentlichen Sinne ein Denkmal ist. So sehe ich in der heute prä- sentierten Veröffentlichung, im besten Sinne des Wortes, eine Denkschrift. Sie ist das Resultat einer Besinnung auf einer Wanderschaft, dessen Wegführung offen ist.
Wer sich verantwortlich um die weitere Wegführung kümmert, kommt um die intensive Be- schäftigung mit diesem Sammelband nicht herum.

Anders und abschließend formuliert: Ihr ArchitektInnen-für-K21, ich weiß nicht wie ich Er- mutigung geben könnte, noch weniger weiß ich, warum ich das eigentlich soll. Durch die Lektüre eures Buch, im Nachdenken des dort Geschriebenen, habe ich mehr und mehr selbst Ermutigung erfahren.
Lest euer Buch und denkt über die in ihm formulierten Überlegungen, Argumente und Ein- sichten nach. Sie alle haben direkt und indirekt die Frage nach dem Menschen in ihrem Mit- telpunkt.
Und die Frage nach dem Menschen ist die Frage, auf die nicht verzichtet werden kann, wenn wir die Frage beantworten sollen, welche Eisenbahn wir wollen.

Diese Frage wird an uns herangetragen werden. Das ist nur eine Frage der Zeit. Literatur:
Borges, Jorge, Luis, Gesammelte Werke. Band 3/II Erzählun-gen 1949-1970, München und

Wien 1981 (darin: Der Unsterbliche, S. 7-24).Borges,

Heidegger, Martin, Die Zeit des Weltbildes, in: Holzwege, (Gesamtausgabe, Bd. 5), Frankfurt am Main: Klostermann 1977, S. 75-113.
Rohrhirsch, Ferdinand, Philosophie, Eisenbahn und Stuttgart 21. Erklärungsversuch meiner Zuneigung zu einem gegenwärtig umstrittenen Kopfbahnhof, Siedentop: Heidenheim 3. erw. Auflage 2011.
Sonnenberger, Franz, Mensch und Maschine. Technikfurcht und Techniklob am Beispiel Ei- senbahn, in: Zug der Zeit – Zeit der Züge. dt. Eisenbahnen 1835 – 1985, Berlin: Siedler, S.
24-37.


Prof. Dr. Ferdinand Rohrhirsch – Esslingen am Neckar ferdinand-rohrhirsch.de / office@ferdinand-rohrhirsch.de

VISIONEN UND AKTIONEN für Kopfbahnhof und Stadt

guten tag,
 
kurz vor jahresende wird es fertig, ein neues buch im grohmann-verlag:

VISIONEN UND AKTIONEN für Kopfbahnhof und Stadt

es zeigt auf knapp 3oo Seiten viele farbige Abbildungen, Entwürfe,
dokumentiert Gespräche, Konflikte, Hoffnungen, Alternativen und Visionen
und den Einsatz kritischer Architektinnen und Architekten für eine großartige Idee:
K 21 - der Kopfbahnhof der Vernunft

ca. 28o Seiten Paperback, zahlreiche farbige Abbildungen, 148 x 21o mm,
ISBN 978-3-944137-56-8
Preis: 24,8o €

im Buchhandel, an der Mahnwache K21 oder in der DenkMacherei, Werastr. 1o
oder bitte formlos auf Rechnung bestellen bei:
Peter-Grohmann-Verlag
Kremmlerstraße 51a
7o597 Stuttgart
peter-grohmann (at) die-anstifter.de 

oder ab dem 23.12.13 an unserem Bücherstand auf der Montags-Demo!

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WIR LADEN HERZLICH EIN

ALLE, DIE UNS ÜBER DIE LETZTEN JAHRE HINWEG BEGLEITET UND UNTERSTÜTZT HABEN, ZUM

BUCHPRÄSENTATIONS – FEST der ‚Visionen und Aktionen‘

 

am Donnerstag, 9. Januar 2014 um 19:00 Uhr

im Württembergischen Kunstverein (WKV) Stuttgart, Schlossplatz 2

mit Beiträgen von PETER CONRADI und PROF. FERDINAND ROHRHIRSCH

mit Musik von  DER LENKUNGSKREIS JAZZ

zu Gesprächen und zum feiern ...


ArchitektInnen für K21 und Peter-Grohmann-Verlag

 

OBEN BLEIBEN!

kurt kühfuß

arbeitskreis architektInnen für k21
www.architektinnen-fuer-k21.de

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Brief von Peter Dübbers betr. Gefährdung des Bahnhofsturms durch S 21

4.8.2013

per E-Mail an alle Stuttgarter Gemeinderatsfraktionen

Sehr geehrte Damen und Herren Gemeinderäte der Landeshauptstadt Stuttgart!

Gestatten Sie mir als Erbe des Urheberrechts meines Großvaters Paul Bonatz am Bau- und Kulturdenkmal Hauptbahnhof Stuttgart, Sie wieder einmal auf ein Thema im Zusammenhang mit dem „Jahrhundert-Projekt Stuttgart 21“ hinzuweisen, das in letzter Zeit zu sehr in den Hintergrund getreten ist:

Die Gefährdung des verbliebenen Bahnhoftorsos  -  insbesondere des Bahnhofturms  -  durch die vorgesehenen vorbereitenden Baumaßnahmen Grundwasserabsenkung und Aushub für den Tiefbahnhof-Trog.

In meinem persönlichen Einspruch gegen den 7. Planänderungsantrag zum PFA 1.1, 1.5 und 1.6a von Stuttgart 21 an das RP vom 22.10.2012 habe ich zu diesem Thema geschrieben:

        Die beantragte Erhöhung der Grundwasser-Entnahme über die Bauzeit hinweg von 3,2 Mio. m³ um das 2 ½-fache auf 8,005 Mio. m³ bedeutet eine noch größere Absenkung des Grundwassers als bisher geplant.

         Daraus entstehen neue und größere Risiken für die unmittelbar an das Trogbauwerk des Tiefbahnhofs angrenzende Bauten, in erster Linie für den noch bestehenden, denkmalgeschützten Teil des Kopfbahnhofs mit Turm und Kopfbahnsteighalle. Diese Bauteile haben eine Pfahlgründung. Die Deutsche Bahn AG hat keinen eindeutigen Nachweis erbracht, dass es sich nicht doch um Eichenholz-Pfähle handelt ( - wie ich selbst noch von meinem Großvater erfahren habe!), die bekanntlich auf Sauerstoffzutritt durch Grundwasser-Absenkung empfindlich reagieren, d.h. verfaulen.

         Wäre sich die DB AG so sicher, dass es sich um Eisenbetonpfähle handelt, hätte sie längst durch einfache Sondierungsbohrungen unter neutraler Beobachtung den zweifelsfreien Nachweis des Pfahlmaterials erbringen können.

Nach meiner Erfahrung mit der Erörterungsverhandlung zur Planfeststellung PFA 1.1 im Jahr 2003 im Kursaal Bad Cannstatt und nach dem kläglich gescheiterten ersten Anlauf der Erörterung neulich im Apollotheater habe ich allerdings keine große Hoffnung auf eine wirklich gründliche Aufarbeitung dieses Themas.

Ich bitte Sie deshalb - unabhängig von Ihrer grundsätzlichen Haltung zu S 21 - in Ihrer aller Verantwortung für den Erhalt des stadtbildprägenden Wahrzeichens Bahnhofsturm, die Verwaltung in einem Antrag aufzufordern, von der DB AG den Nachweis zur absoluten Standsicherheit des Turms und mittels der besagten Sondierungsbohrungen zum Material seiner Pfahlgründung zu verlangen.

Nach allen Erfahrungen, die wir Stuttgarter in den letzten Jahren schon mit der DB AG gemacht haben, werden Sie vielleicht verstehen, dass ich der Aussage meines Großvaters mehr vertraue als den angeblichen Beweisen der Deutschen Bahn, und dass ich meine Bedenken auch der Presse und den Freunden und Freundinnen des Kopfbahnhofs mitteile.

Mit erwartungsvollen Grüßen

Dipl. Ing. Peter Dübbers
Freier Architekt BDA

StZ: Jubiläumsheft nennt Eichenpfähle

Ausgerechnet eine Bahn-Broschüre gibt einen Hinweis, worauf der Turm wirklich stehen könnte.

"Ich wünsche dem Buch eine weite Verbreitung." Mit diesen Worten beendet Ulf Häusler, damals Präsident der Bundesbahndirektion Stuttgart, sein Vorwort für die Broschüre, die 1987 zum 65-Jahr-Jubiläum des Hauptbahnhofs erschien. Sein Wunsch ist offenbar nicht bis zu den heutigen S-21-Planern und -verantwortlichen durchgedrungen: Sie gehen nach wie vor davon aus, dass der Bahnhofsturm auf Eisenbetonpfählen steht. In dem Jubiläumsheft haben S-21-Kritiker aber nun auf Seite 32 eine interessante Bildunterschrift gefunden, die da lautet: "Der Turm ruht auf 290 Eichenpfählen, die zusammen eine Länge von mehr als drei Kilometer aufweisen." Aber auch in einem weiteren Vorwort ist von Eichenholzpfählen die Rede.

Damit erhält der Streit über die Gründung des Bahnhofsturms neue Nahrung. Zuletzt hatte Peter Dübbers, der Enkel des Bahnhofsarchitekten Paul Bonatz, an die Mitglieder des Gemeinderats appelliert, bei der Bahn auf Sondierungsbohrungen zu dringen, um Auskunft über die Beschaffenheit zu bekommen. Der S-21-Sprecher Wolfgang Dietrich lehnte solche Bohrungen bereits ab. [...]

[StZ vom 19.08., S. 17]

Anmerkung zur Bahnhofsturmstatik der Baufirma Wayss u. Freytag vom 19.11.1914:

Die Eisenbetonpfähle (von denen in der Statik namentlich die Rede ist) waren im Kriegsjahr 1914 wahrscheinlich deutlich teurer als Eichenpfähle, die in entsprechender Größe im königlich-württembergischen Staatsforst für das staatlich Bauvorhaben zur Verfügung standen und nur gefällt, antransportiert und zugeschnitten werden mussten.

Es ist durchaus wahrscheinlich, dass deshalb aus Kostengründen im Zuge von Sparmaßnahmen zu Beginn des 1. Weltkriegs noch in der Bauvorbereitung die Eisenbetonpfähle gegen jahrhundertelang bewährte Eichenpfähle ausgetauscht wurden.

Wir fordern die Stadt Stuttgart auf, von der DB AG Probebohrungen unter neutraler Beobachtung und Dokumentation zu verlangen, um den eindeutigen Nachweis des Pfahlmaterials zu erbringen!

Auf was steht der Bahnhofsturm wirklich? - Antrag der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen im Stuttgarter Gemeinderat

Brandschutzkonzept für den geplanten Hauptbahnhof Stuttgart S21: Gutachten des Ing.Büros Gruner, Basel, Sept. 2012

>>zum Download als PDF auf das Faksimile klicken!
Die ganze Story von Arno Luik lesen Sie im Stern Nr. 44/2012

Man kann sich über Regeln der Vernunft und Verantwortlichkeit hinwegsetzen, etwa dass Baumaßnahmen durchgezogen werden (Südflügel und Schlosspark), die vom Baufortschritt noch gar nicht nötig sind, und deren vorgelagerte Bauschritte (Grundwassermanagement) noch gar nicht planfestgestellt sind, in einem Projekt, dessen Planrechtfertigung (verkehrliche und betriebliche Vorteile) entfallen ist.

Unmöglich aber ist es, sich über die Gesetze der Mathematik hinwegzusetzen. Auch im Bahnwesen gibt es „Gesetze der Schwerkraft“, die die Leistungsfähigkeit von Bahnhöfen limitieren, und es unmöglich machen, dass Stuttgart 21 40-80 Prozent leistungsfähiger wird als vergleichbare Großbahnhöfe, die an der Kapazitätsgrenze operieren. Über Recht und Vernunft kann man sich hinwegsetzen, aber die Naturwissenschaft holt Stuttgart ein.

Stuttgart 21 würde bei Eröffnung weniger leisten als der heutige Bahnhof. Die Korrektur der Fehler im Stresstest führt auf lediglich rund 32 Züge in der Spitzenstunde, bei Überlastung rund 38 Züge. Nur das Papier und die mit zu optimistischen Parametern gefütterten Computersimulationen sind geduldig, die Realität nicht.

Den ganzen Wortlaut des Briefes von Dr. Christoph Engelhardt vom 2. Februar 2012 an Herrn Ministerpräsident Winfried Kretschmann lesen Sie »hier!

Kundgebung des Aktionsbündnisses "Wider den Sünden-Fall der Parkbäume und des Südflügels"

07.01.2012 - Kundgebung mit anschließendem Schweigemarsch (ArchitektInnen für K21) zum Südflügel des Hauptbahnhofs unter dem Motto: "Niemand wird je sagen können: Das habe ich nicht gewusst!".

mehr dazu siehe hier: www.kopfbahnhof-21.de/index.php

 
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