substance.io100 % Open-Source, strukturiert, inhaltsorientiert, webbasiert (auch im Intranet) und mit der Textsatzprogrammiersprache LATEX sowie der Couch-DB (dies ist keine Wohnzimmercouch, sondern ein Datenbanksystem) im Hintergrund – das Autorenprogramm Substance.

Freie Texte für die Gemeinschaft produzieren und veröffentlichen, die auch noch ansprechend aussehen – das ist der Geist von Substance. Ähnlich einem Wiki- oder Blogsystem können Themengebiete wie „Physik“, „Politik“ oder „Programmiersprachen“ in einer Art öffentlichem Forum präsentiert werden. Die Benutzer erstellen ihr eigenes Autorenprofil und sind so für alle anderen Benutzer in der Textgemeinschaft sichtbar. Bildungseinrichtungen, Autoren, Wissenschaftler – jeder soll an den Artikeln der anderen partizipieren können. Es geht um Erfahrungsaustausch, Wissenstransfer oder einfach nur um das Teilen von Texten. Substance gibt mir als Anwenderin nur vier Textformatierungswerkzeugen an die Hand. Der Inhalt in einer strukturierten Form zählt – und das sieht wirklich schon sehr ansprechend aus – egal ob als PDF, RTF, ODT; HTML oder als Latex-Datei.

Michael Aufreiter ist einer der klugen Köpfe dieses Projektes. Offen sagt er, dass er in letzter Zeit nicht so viel Zeit hatte, den Quellcode und das Projekt weiter auszubauen. Aber Aufreiter suggeriert deutlich, dass er weiterhin für das Prinzip der offenen Artikelgestaltung und -verbreitung einsteht und an einer aktualisierten Version von Substance arbeitet (http://substance.io/michael/the-future-of-substance.html)

Diese Form der browserbasierten Texterstellung ist in meinen Augen ganz anders wie zum Beispiel bei Google Docs. Google Docs Dokumente sehen aus wie Word Dokumente. Aber manchmal möchte ich dies gar nicht – und schon gar nicht, wenn ich interessante Inhalte frei zugänglich und in einem schönen Design präsentieren möchte. Das Besondere an Substance ist, dass die erstellten Dokumente semantisch strukturiert sind. Dies bedeutet, dass der Aufbau eines Dokumentes klaren Strukturregeln unterliegt und die Dokumente in nahezu jedes beliebige Format konvertiert werden können, weil der Inhalt nach klaren semantischen Regeln zusammengesetzt ist. Überschriften bleiben so Überschriften und Codeschnipsel werden auch im PDF oder im HTML-Format immer noch aussehen wie Codeelemente – meist im Schriftgrad Courier New.

Mir gefällt die Umsetzung und die Idee zu einer kollaborativen Dokumentenplattform so gut, dass ich mir wünsche, dass dieses Projekt schneller voran kommt und größer wird. Denn bei meinen Tests funktionierte die Inhaltserstellung wunderbar einfach. Und es sah auch noch fantastisch aus, weil sich das System dahinter um das Design kümmert. Man kann die bereits publizierten Inhalte lesen oder gar in verschiedenen Dateiformate wie PDF, RTF, HTML, ODT, Latex, ePub, Shower Slideshow, MediaWiki etc. konvertieren und herunterladen. Dies klappte zunächst nicht, aber nach einer kurzen Infomail an die Entwickler funktionierte der Dateiexport wieder – das System musste nur neugestartet werden – hilft bekanntlich immer, wenn es irgendwo in Computersystemen klemmt.

Substance as a blog

Bild: substance.io. Gemeinschaftsdokument des Substance-Teams zum Thema "Substance a a Blog engine" (HTML-Version unter http://substance.io/substance/substance-as-a-blog-engine.html)

Die Softwareentwickler unter euch, die zum Beispiel ein anderes Blogsystem als WordPress implementieren möchten, finden das gesamte Paket im Repository (Quellcodeverzeichnis) von github.com zum Download unter https://github.com/substance/substance/. Die Anleitung dazu findet ihr im Dokumentenbereich von substance.io unter dem Stichwort „Substance as a Blog Engine“. Inwieweit das System für den produktiven Einsatz tatsächlich brauchbar ist, kann ich nicht sagen. Das System macht jedenfalls einen sehr ausgereiften Zustand – meistens.

Die Benutzersteuerung, zum Beispiel eine Passwortrücksetzung, ging leider schief. Aber solange man sich an sein Passwort erinnert oder dem Entwickler eine Email schickt, sollte auch dieses kein allzu großes Problem darstellen. Daher empfehle ich (momentan) Substance nur erfahrenen Anwendern und denjenigen, die es auf ihren eigenen Servern kompilieren, erweitern und installieren können. Diejenigen unter euch, die das Projekt spannend und ausbaufähig finden, sollten einfach an der Entwicklung mitarbeiten. Dann klappt das auch mit dem Passwortsystem und den Dateiformaten besser.

Erklärung: Ich finde, dass gute und gemeinschaftliche Ideen durchaus eine Berechtigung haben, dass man über sie spricht :-)