[image] [image] [image]

Auf Utopia scheint es ruhig um den "Antrieb der Zukunft" geworden zu sein. Es gibt kaum noch etwas Neues vom Elektroauto. Auch der unermüdliche Elektroauto-Vorkämpfer Urwalder ist nunmehr "inaktiver User 38734". Hat sich der Hype etwa gelegt? Das wäre sehr zu begrüßen, denn realistisch betrachtet löst das Elektroauto nicht viele Probleme und wird die Benzin- und Dieselautos so bald nicht ablösen können - wenn überhaupt.

Anderswo wird immer noch mehr oder weniger überschwängliche Begeisterung für Elektroautos verbreitet, daher habe ich nun auf 25 Seiten die wichtigsten Fakten über Elektroautos gesammelt. Die wichtigsten Erkenntnisse sind:

* Elektroautos reduzieren kein Kohlendioxid sondern verlagern es nur zu den Kraftwerken. Die Begeisterer sagen immer: "Wir laden mit reinem Ökostrom!", aber dieser Ökostrom fehlt dann für andere Verbraucher. Letztlich kommt jeder Mehrverbrauch überwiegend aus alten Kohlekraftwerken. Ich habe einige seriöse Quellen gefunden, die das genauso sehen. Pessimisten bezeichnen Elektroautos als "Nachtspeicherheizung auf Rädern", weil sie (unter anderem) zur besseren Auslastung bestehender Kohlekraftwerke beitragen.

* Von der gerne behaupteten Energieeffizienz von Elektroautos bleibt unter Einrechnung der Verluste in alten Kraftwerken nichts übrig.

* Nicht zu vergessen sind Folgeeffekte, die eintreten können, wenn die Elektroautofahrer (fälschlicherweise) glauben, sie brauchen nicht mehr auf den Bus warten, weil sie ohnehin umweltneutral mit Ökostrom fahren. Das würde den Energieverbrauch erst recht steigen lassen und die Energiewende noch weiter verzögern.

* Allerdings ist es auch nicht sinnvoll, mit einem Elektroauto nur wenig zu fahren, da die Herstellung der Akkus sehr energieaufwändig ist. Inzwischen liegen entsprechende Studien vor, deren Ergebnisse ich zusammengefasst habe.

* 2010 habe ich in diesem Blog über den extrem hohen Verbrauch des Think City berichtet, der durch seinen ständig beheizten Zebra-Akku verursacht wurde. Es ist eine Schnapsidee, so einen Akku in ein Auto, das durchschnittlich 1 Stunde pro Tag fährt, einzubauen. Die modernen Elektroautos haben Lithium-Akkus, bei denen dieser hohe Standby-Verbrauch entfällt, dafür leiden sie im Winter unter drastisch höherem Verbrauch und kürzerer Reichweite. Der Mitsubishi I-Miev kommt unter ungünstigsten Umständen (Minusgrade, Heizung, Autobahnfahrt) statt der vom Hersteller versprochenen 150 km nur 38 km weit! Hier sieht man am deutlichsten, dass die Elektroautos noch nicht reif für den Masseneinsatz sind. Bemerkenswert ist, dass Elektroautos der 1990er Jahre eine Benzinheizung hatten, während die neuen Modelle mit wertvollem Akkustrom heizen - vielleicht um die schöne Vorstellung von der emissionsfreien Mobilität nicht zu stören? Aber diese Vorstellung täuscht sowieso ...

* Auch das Aufladen ist nicht ganz so unproblematisch, wie häufig behauptet wird: Stromfirmen und der österreichische Autofahrerclub ÖAMTC warnen, dass Stromleitungen nicht unbedingt für die hohe Dauerbelastung, wie sie beim Laden von Elektroautos auftritt, ausgelegt sind. Im schlimmsten Fall könnte es zu einem Brand kommen.

* Ein Elektroauto kostet ca. dreimal so viel wie ein vergleichbares konventionelles Fahrzeug. Erst nach etwa 300 000 Kilometern hätte man den höheren Kaufpreis durch die günstigeren Betriebskosten herinnen - aber so lange halten die Akkus nicht. Die Akkus sind das Teuerste am Elektroauto und ein drastischer Preisverfall ist nicht zu erwarten, denn ein Drittel der Kosten von Akkus machen Material und Standardteile aus.

* Elektroautos leiden auch unter geringer Akzeptanz bei den Käufern und Fahrern, weil sie sich an die technischen Beschränkungen dieser Technologie (kurze Reichweiten, lange Ladezeiten) anpassen müssten. Umfragen zeigen, dass schier unüberwindliche Abgründe zwischen ihren Wünschen und den tatsächlich erzielbaren Leistungen liegen. Damit sind Elektroautos auf den Einsatz als Zweitwagen beschränkt.

* Neben dem allgemeinen Hype um Elektroautos mit vollkommen übertriebenen Erwartungen gibt es auch einen Hype um eine mögliche Rückspeisung von Elektroautos ins Stromnetz. Weder zur Verbreitung von Elektroautos noch für die Energiewende bei der Stromerzeugung ist diese Rückspeisung nötig. Mit heutigen Akkus und heutigen Strompreisen ist diese Rückspeisung ein Verlustgeschäft. Ob mehr als ein paar Utopisten bei dieser Idee mitmachen und an ihren teuren Akkus herumladen lassen werden, erscheint nicht nur mir zweifelhaft.

* Bemerkenswert ist, dass das Elektroauto in Österreich viel positiver als in Deutschland gesehen wird. Dafür gibt es aber keinen Grund, denn beide Länder haben einen gemeinsamen Strommarkt. Die Wasserkraft, die die Österreicher nicht verbrauchen, wird u. a. nach Deutschland exportiert und ersetzt dort Gas- und Kohlekraftwerke. Auch die Einschätzungen zur Zukunft von Elektroautos gehen erstaunlich weit auseinander.

Ich hoffe, dass meine Zusammenstellung zu einer sachlichen Diskussion und einer realistischen Einschätzung von Elektroautos beitragen kann.

Übrigens: Wenn ihr sehen wollt, wie begeistert manche Utopisten vor 2 1/2 Jahren von Elektroautos waren, schaut euch die Kommentare zu diesem Utopia-Artikel an. Ein Blick zurück lohnt sich, wenn man realistisch bleiben will!