Social Media and Fired

"Social Media and Fired" - Künstler und Bildrechte: Daniela Knoll

Die Sozialen Netzwerke haben uns bereichert – in allen Lebenslagen – eine digitale Schatztruhe der schönen Erinnerungen mit den gesammelten Heiligtümern und Geheimnissen unseres aufregenden Lebens. Mit jedem weiteren Jahr wird die Schatztruhe größer und größer. Unsere Schatztruhe kann jedoch auch Gefährliches oder Peinliches beinhalten. Bilder von der letzten Party, die womöglich unser Leben in allen Bereichen nachhaltig verändert haben. Eine Schatztruhe in Form eines Schuhkartons aus Pappe mit den vielen Geheimnissen und Erinnerungen können wir aufräumen, Dinge unwiederbringlich vernichten oder komplett entsorgen. Die Erinnerung in unseren Köpfen bleibt – ebenso wie die hinterlegten Inhalte in Sozialen Netzwerken.

Aber die Sozialen Netzwerke kann man nicht aufräumen…

Ein Verfallsdatum für die Informationen muss her!

Wie Lebensmittel, können auch Informationen in Sozialen Netzwerken nach einiger Zeit „ungenießbar“ werden. Lebensmittel kann man, wie unseren Schuhkarton aus Pappe, wegwerfen – aber wohin mit unseren „abgelaufenen“ Daten und Unterhaltungen im Netz? Informationen in Text- oder Bildform können ihr Verfallsdatum erhalten, wenn man sie mit einem Verschlüsselungsalgorithmus bestückt. Beispiele sind „Vanish“ der Universität Washington (http://vanish.cs.washington.edu/index.html), wo Texte verschlüsselt werden und sich “selber zerstören” können. Oder zum Verschlüsseln von Bildern die von der Universität des Saarlandes entwickelte Browsererweiterung „X-pire!“ (http://www.infsec.cs.uni-saarland.de/projects/forgetful-internet). In meinen Augen sind beide Verfahren wenig benutzerfreundlich, da zusätzliche Erweiterungen notwendig sind. Das kann aber jeder selber nachlesen und für sich entscheiden.

Schick’ mir ‘mal den „mink“ zum Foto…

… dachte sich ein pfiffiger Physik-Student, Sebastian Sterz, der ein „nicht persistentes Nachrichtensystem“ unter dem Titel melting-link.com für den Landes-Ideenwettbewerb „Vergessen im Internet“ (www.vergessen-im-internet.de) entwickelt hat und in seiner Kategorie „Technik des Vergessens, Erwachsene“ damit den Hauptpreis holte. Im Vordergrund steht dabei, dass melting-link.com bewusst ein Hilfsmittel für den Internetnutzer sein soll, private Information und Kommunikation zielgerichtet und „autark“ dem Internet nach einer festgelegten Laufzeit zu entziehen. Das funktioniert selbstverständlich nie so ganz – können wir uns vor dem Speichern von Daten in Suchmaschinen oder dem Kopieren unserer Inhalte nicht schützen. melting-link.com kann einen Beitrag leisten, die Verantwortung für unsere Daten stärker bei uns selber zu sehen und auch wahrzunehmen.

melting-link.com arbeitet mit „minks“. Ein “mink” ist nichts weiter als ein „schmelzender Link“ – und zwar in verschlüsselter Form und mit begrenzter Haltbarkeit. Hierbei wird kein weiterer Server außerhalb von melting-link.com mit den Verschlüsselungsinformationen kontaktiert. Auch benötigt man kein zusätzliches Programm, um die via „mink“ bereitgestellten Informationen vor Ablauf des „Verfallsdatums“ betrachten zu können. Man stellt seine Textinformationen selber bei melting-link.com ein, verlinkt Inhalte wie Videos und Fotos via „minks“ oder nutzt den Link-Shortener-Service – praktisch für Microblogging-Dienste. Es wurde sogar an die Interaktion mit Social Media Plattformen gedacht als auch an das “2 Klicks für mehr Datenschutz“-Verfahren von heise online. Darüber hinaus können QR-Codes für den „mink“ erstellt werden und vieles mehr. Hierzu gibt es auch eine Anleitung auf der Homepage von melting-link.com.

Da das Projekt zwar im Betastadium, aber durchaus schon nutzbar ist, empfehle ich jedem, es einfach in den Sozialen Netzwerken auszuprobieren. Noch verbesserungswürdig ist jedoch, dass jeder, der den Link zu den „mink“-Verwaltungseinstellungen kennt, die Sicherheitsoptionen und den „mink“ nachträglich verändern kann – unter Umständen ohne dass wir davon etwas mitbekommen. Möchte man die “minks” erst anzeigen lassen, nachdem man ein Passwort eingegeben hat, sollte derzeit noch darauf geachtet werden, das dass Passwort nicht zu lang ist. Bei meinen Tests wurden die festgelegten Passwörter unbemerkt hinten abgeschnitten. Aber die erweiterten Einstellungen eines „minks“ sind optiona, weshalb man diese daher getrost weglassen kann. Grundsätzlich empfiehlt sich immer, den „mink“ vor Weitergabe auf anderen Plattformen auf seine Funktionalität hin zu testen. Wichtig: Groß- und Kleinschreibung spielt nicht nur beim Passwort, sondern auch beim „mink“-Namen eine Rolle.

Kurz …  wie erstelle ich einen „mink“?

  1. Text / URL eingeben.
  2. Gültigkeit des “minks” festlegen.
  3. Weitere Einstellungen definieren, zum Beispiel ein Passwort für die Anzeige des „minks“.
  4. Ergebnis betrachten.
  5. „mink“ veröffentlichen oder versenden.

„minks“ in Aktion

Zum Ausprobieren der „minks“ habe ich drei Mal ein YouTube-Video aus dem Landes-Ideenwettbewerb in der Kategorie „Bewusstsein schärfen, Erwachsene“ über melting-link.com bereitgestellt. Die Idee zu diesem Video stammt von Andreas Ebert und Steffen Horstmannshoff und erhielt ebenfalls einen Hauptpreis in seiner Kategorie. Die nachfolgend ver“minkten“ Videos haben jeweils ein anderes „Verfallsdatum“. Sie werden also mit fortschreitendem Datum ins Leere führen – nur der „mink“-Name wird uns in Erinnerung bleiben.

  1. „Verfallsdatum“ 29.05.12, 00:00 Uhr: http://mlnk.de/Vergessen1 (Wichtig: „l“ anstatt „i“).
  2. „Verfallsdatum“ 30.06.12, 00:00 Uhr: http://mlnk.de/Vergessen2.
  3. „Verfallsdatum“ 31.12.12, 23:59 Uhr: http://mlnk.de/Vergessen3.

Der via melting-link.com eingebundene Originallink zum YouTube-Video mit dem Titel „Gefahren sozialer Netzwerke einfach erklärt“ vom YouTube-User explainity unterliegt den Lizenzbedingungen von CreativeCommons.org für die Wiederverwendung bei gleichzeitiger Nennung des Usernamens und lautet www.youtube.com/watch?v=8VVIqRlo7ig.

Mit diesem Ansatz zum Thema “Vergessen im Internet” erhält man ein gut überdachtes Konzept an die Hand bzw. an die Maus – für einige Marketingkampagnen im Internet mit Sicherheit ein kleiner Störfaktor.

Hinweis:

Wer gut aufgepasst hat und den “mink”-Link abgetippt haben sollte, aber eben mit einem kleinen “v” in “Vergessen”, der wird festgestellt haben, dass die “minks” mit kleinem und großem “V” im Namen identisch zu funktionieren scheinen. Sie sind jedoch nicht identisch. Ein Vergleich der “minks” mit den Namen “Vergessen2″ und “vergessen2″ über die Suchfunktion auf der Homepage von melting-link.com macht es deutlich – ein Mal erfolgt die Weiterleitung auf YouTube mit und ein anderes Mal ohne eine Videovorschau. Das liegt daran, dass ich zunächst vergaß, meine Emailadresse für die Verwaltung anzugeben und drei zusätzliche “minks” generiert habe – mit großem “V” in “Vergessen”.