Beim Anblick eines HTTP Status Codes im Internetbrowserfenster wundere ich mich manchmal. Denn konnte ich nicht letzte Woche noch die persönlichen Kommentare von – nenne ich ihn mal Hans – zum Thema Cyberkriminalität lesen? Hans berichtete immer sehr kritisch aber differenziert über die politische Situation in seinem Land und er hatte bereits eine große Anzahl interessierter Leser um sich herum geschart. Ich bin irritiert und versuche herauszufinden, ob seine Internetseite tatsächlich nicht mehr im Netz ist oder ob sie einfach bei mir nicht mehr angezeigt wird.

Verstößt beispielsweise eine Internetseite gegen Gesetze und sie wird regional mit einem HTTP-Status-Code versehen, um den wahren Inhalt zu verschleiern, dann ist unter Umständen eine Ausnahmeregelung im Bundesgesetz schuld daran. Dieser Statuscode mit einem kleinen Hinweistext erscheint im Browser – zum Beispiel eben 404 Not Found.

Tim Bray hat der Internet Engineering Task Force (IETF) aus persönlicher Motivation heraus einen Entwurf für einen neuen HTTP-Status-Code vorgeschlagen:

HTTP/1.1 451 Unavailable For Legal Reasons

In seinem privaten Blog erzählt Tim, dass es widersinnig sei, beim Besuch einer Homepage den HTTP-Status-Code 403 Forbidden oder ähnliches angezeigt zu bekommen, wenn ein Gesetz dies untersagt hat. Wir erfahren nicht, ob an dieser Stelle vielleicht die Rechte eines Landes oder eines Unternehmens verletzt wurden? Wurden tatsächlich Urheberrechte missachtet oder ist der deaktivierte Inhalt womöglich pornografisch oder politisch motiviert? Wir wissen es nicht. Inwieweit die Nummer 451 auf den Roman Fahrenheit 451 von Ray Bradbury anspielt, läßt sich nur erahnen (vgl. Wiki: http://de.wikipedia.org/wiki/Fahrenheit_451http://de.wikipedia.org/wiki/Fahrenheit_451, Stand 26.06.2012).

Wer regelt die “Netzsperren” eigentlich?

Die Umsetzung dieser global sehr unterschiedlich gestalteten Sperrzonen im Web wird von unseren ISPs (Internetserviceanbietern) im Zuge der Gesetzgebung umgesetzt. Während wir unsere Kinder früher mit Hilfe von besonders konfigurierten Firewalls oder Benutzerkonten davor bewahrt haben, gefährliche oder obszöne Sachen im Internet zu entdecken, erledigt dies heute unser Internetanbieter – praktisch ist es ja. Die Idee, das Internet mit Hilfe der ISPs mit Hilfe diverser Ausnahmeregelungen zu filtern, liegt bereits einige Jahre zurück und stammt unter anderem von Andy Burnham, seinerzeit Minister im amerikanischen Kabinett (The Telegraph, 2008).

Neben den zahlreichen standardisierten HTTP-Codes der Internet Engineering Task Force, die es für jeden erdenklichen Zweck gibt, werden auch individualisierte Statuscodes im Netz verwendet. So hat beispielsweise Microsoft den HTTP-Statuscode 450 Blocked by Windows Parental Controls für sich entdeckt, um den wachsenden Anforderungen im Jugendschutz gerecht zu werden.

Auf Videoportalen begegnen uns noch andere Spielereien. Wem ist auf den Online-Videokanälen nicht schon einmal ein Schriftzug der GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) oder der großer Musikproduzenten ins Auge gesprungen wie zum Beispiel:

„Dieses Video ist in Ihrem Land nicht verfügbar“

Über Sinn und Unsinn dieser Urheberrechtsdebatten wird wie immer heftig debatiert und die öffentlichen Meinungen gehen bekanntermaßen auseinander. Während die einen sich ein Internet ohne Beschränkungen und Kontrollen wünschen, fordern andere, dass alles im Netz gründlich untersucht wird, bevor die Seiten auf unserem Computermonitor erscheinen. Pfiffige Internetnutzer kennen die Tricks, wie man alle Arten von Internetsperren elegant umgehen kann – Beispiele sind Proxies oder VPN-Netzwerke. Für solche Szenarien schlägt Bray vor, dass uns der Grund im HTTP-Code genannt werden sollte. Lesen wir also in Zukunft vielleicht so etwas wie

„Dieses Video ist in Ihrem Land nicht verfügbar, da die GEMA eine Verbreitung dieses Inhaltes untersagt hat.“ **

Oder wie wäre es generell mit:

HTTP 305 – Use Proxy
Visit: https://www.*******.com

HTTP Status Cats by flickr user GirlieMac

 

Danke/Thanks an die flickr-Userin GirlieMac, die mir erlaubte, eine ihrer HTTP Status Katzen für meinen Blogbeitrag zu verwenden! Fotoquelle: http://www.flickr.com/photos/girliemac/6540365403/in/set-72157628409467125/

Links:
Privater Blog von Tim Bray: http://www.tbray.org/ongoing/. Seinen Internet-Entwurf zu HTTP 451 findet ihr auf den Seiten der IETF: http://tools.ietf.org/html/draft-tbray-http-legally-restricted-status-00 (Hinweis: Sein Entwurf verfällt am 13. Dezember 2012).

 

** Diese Aussage ist ein Beispiel, um die Idee von Tim Bray zu verdeutlichen und entspricht nicht unbedingt der Realität.