In vielen Regionen Deutschlands hinkt der Ausbau eines schnellen Internets der modernen Technologie weit hinterher. Das liegt vermutlich an den erheblichen Kosten, die beim Verlegen kilometerlanger Glasfaserkabel durch die Landschaft auf die Internetanbieter zukommen würden. So mancher Dorfbewohner kann die Kosten für den Ausbau von Glasfasernetzen in sein Haus womöglich aus der Portokasse zahlen. Die meisten Menschen aber sind jedoch auf den Einsatzwillen ihres Internetdienstanbieters angewiesen, um endlich auch Zugang zum schnellen Internet zu erhalten.

Eine mögliche Lösung aus dem Dilemma könnte sein, dass sich die Bürger eines Dorfes einen Internet- oder WLAN-Zugang teilen. Die Bandbreiten in den Netzen sind inzwischen hoch genug – sofern sie bereits verlegt wurden – so dass für jeden Internetsurfer genug davon übrig bliebe. Doch wenn es darum geht, die eigene WLAN-Leitung für die Nachbarn bereitzustellen, kommt das Thema „Störerhaftung“ auf. Wie der Begriff schon verdeutlicht, haftet der Betreiber des ungesicherten WLAN-Netzes für den „Störer“ des Netzes – also für die Leute, die das WLAN eines anderen mitbenutzen – logisch, oder? Der WLAN-Inhaber wird also für die Surfgewohnheiten der anderen verantwortlich gemacht oder gar zur Rechenschaft gezogen. Um jedoch für die Internetstraftaten der Mitsurfer ernsthaft mitverantwortlich zu sein, gehört schon etwas mehr als ein WLAN-Router, wie einige Kenner und Juristen der Netz-Szene in ihren Blogs ausführlich erklären [1].

Wege aus der Störerhaftung

Legale Lösungswege, um nicht für die Störer zu haften, bietet der Verein Freie Netzwerke e.V. mit ihren „Freifunk-Freedom-Fighter-Boxen“ (FFF-Boxen). Der Datenverkehr wird mit Hilfe von speziell konfigurierten WLAN-Routern über eine gesicherte VPN-Verbindung über das europäische Ausland anonym umgeleitet (getunnelt). Besonders Kneipen, Cafés oder auch soziale Einrichtungen wie Schulen oder Jugendtreffpunkte sollen von dieser Netzwerktechnik profitieren, indem sie ganz legal offene WLANs anbieten können. Diese FFF-Boxen sind so ausgestattet, dass ein Teil der eigenen Internetbandbreite als offenes und anonymes WLAN für andere Menschen zur Verfügung gestellt wird. Die eigenen Datenverbindungen sind von den Datenverbindungen, die über einen gesicherten VPN-Tunnel anonym ins Internet geroutet werden, sicher getrennt. Ein gegenseitiges „sniffing“ (ausschnüffeln) der versendeten und empfangenen Datenpakete soll somit ausgeschlossen sein.

Offenes WLAN europaweit verbreitet

In Frankreich beispielsweise bieten Internetprovider wie SFR schon lange freie WLAN-Zugangspunkte für ihre Kunden an. Die Landkarte mit den verfügbaren Access-Points zeigt, wie dicht das offene WLAN-Netz in Frankreich ist. Selbst in infrastrukturschwachen Regionen sind ausreichend offene WLAN-Netze vorhanden. Wie funktioniert das Ganze? Jeder WLAN-Router eines jeden SFR-Kunden stellt zwei voneinander getrennte IP-Adressen und somit Internetzugänge zur Verfügung – einen privaten und einen öffentlichen Netzzugang. Somit kann sich jeder SFR-Kunde in Frankreich fast flächendeckend in jeden beliebigen öffentlichen Access Point / Router einbuchen. Das “Hotspot”-Prinzip von SFR ist keinesfalls mit dem der Deutschen Telekom zu vergleichen, die ihre Hotspots fast ausschließlich an strategisch ausgewählten Orten wie in der Nähe von Flughäfen oder Bahnhöfen bereit stellen – gegen Gebühr versteht sich.

Eine Alternative für ein offenes WLAN wäre auch die Teilnahme an Community-WLAN-Netzen wie zum Beispiel FON. Jeder, der mitmachen möchte, kauft von FON einen speziell konfigurierten Router und stellt über diesen Router anderen FON-Nutzern einen Teil der eigenen Internet-Bandbreite bereit. Dadurch würden allen Nutzern mehr Datentransfervolumen bereit stehen, als die meist winzig kleinen Datenpakete von bis zu 500 MB Transfervolumen pro Monat, die mit jedem Handytarif mitgeliefert werden. Mehr, als mal kurz die Nachrichten in Facebook zu lesen oder ein kurzes Video anzuschauen, schafft man mit diesen kleinen Datenvolumina leider nicht. Leider ist die Verbreitung von Fon in Deutschland noch mehr als schlecht, was eventuell an der unsicheren Gesetzeslage zu diesem Thema liegen könnte.

Mobile Accesspoints

Persönlich empfehle ich zum Beispiel gerne einen privaten mobilen UMTS- oder WLAN-Router wie von 4G Systems, D-Link oder Huawei, um nur einige wenige Hersteller zu nennen. Die PC-Welt hat im Juni einen Ratgeber zu mobilen UMTS- und WLAN-Router veröffentlicht, der eine gute Übersicht zu diesen und weiteren Geräten liefert. Mit einer Prepaid-SIM-Karte ausgestattet, die bis zu 5 GB Datenvolumen im Monat erlaubt, kommt der kleine Minirouter, der in jede Hosentasche passt, fast überall mit hin. Interessant ist auch, dass der niedrige Preis und das große Datenvolumen, die einige Prepaid-Anbieter haben, für mehrere Mitsurfer locker ausreicht. Inwieweit der Netzbetreiber hier etwas dagegen haben könnte, dass gleich mehrere Leute parallel den Prepaidtarif zum surfen nutzen, müsst ihr selber herausfinden.

Was sagt ihr dazu?

Habt ihr bereits Erfahrungen mit den mobilen WLAN- und UMTS-Routern gemacht? Vielleicht kennt ihr auch eine Internetseite, über die man Bars oder Cafés finden kann, die kostenlose WLAN-Access-Points für ihre Kunden bereitstellen? Dann schreibt doch einen Kommentar unter diesen Beitrag.

Links:
[1] Hintergrundinformationen zum Thema Störerhaftung:

Sonstige Links:

Mein Kontakt:
http://daniela-knoll.de/