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Das miese Geschäft mit verlorenen Dateien

Fotos, Videos und Dateien versehentlich gelöscht? Festplatte kaputt? Letzte Rettung sind oft nur Spezialisten. Doch die nutzen die Notlage ihrer Kunden vielfach schamlos aus, wie ein Test gezeigt hat.

  Versehentlich gelöschte Fotos wieder herstellen - das können nicht nur Fachleute.

Versehentlich gelöschte Fotos wieder herstellen - das können nicht nur Fachleute.

Jerome Daly ist in einer schwierigen Lage, in der viele von schon unfreiwillig waren: Seine Festplatte fiel auf den Boden und war kaputt. Daly ist Video- und Fotokünstler und verdient sein Geld mit den Dateien, die nun futsch sind: "Ich habe die Festplatte an den Computer angeschlossen und konnte nicht mehr auf die Daten zugreifen." Jerome Daly suchte im Internet nach Firmen, die sich auf Datenrettung spezialisiert haben - und wurde schnell fündig. Er stieß unter anderem auf einen Anbieter, der eine kostenlose Analyse versprach. Er schickte die Festplatte ein. "Ich hatte einen seriösen Eindruck. Aber als ich wenige Tage später den Kostenvoranschlag erhielt, war ich geschockt", erzählt er. Die Wiederherstellung der Dateien sollte bis zu 3600 Euro kosten. "Das ist ganz schön viel Geld für eine Datenrettung."

Ist das ein realistischer Preis oder pure Abzocke? Das müssen sich Laien in vergleichbaren Situationen fragen. IT-Experte Tobias Schrödel warnt vor schwarzen Schafen unter Datenrettern: "Mit der Angst der Leute, die vielleicht tausende Fotos verloren haben, ist natürlich schnell Geld gemacht. Das Angebot lautet dann 'Erstmal kostenlos' und wenn die Festplatte dann erst einmal dort ist, verlangt man hohe Preise dafür."

Im Internet finden sich tatsächlich dutzende Firmen, viele Anbieter locken mit kostenlosen Analysen. stern TV hat den Test gemacht und acht präparierte, baugleiche Festplatten an unterschiedliche Datenrettungsdienste geschickt. Fotos, die Tobias Schrödel zuvor auf den Festplatten gespeichert hatte, löschte er anschließend absichtlich wieder und leerte auch den Papierkorb. "Damit sind die Fotos erstmal weg, sie können aber mit Spezialprogrammen wiederhergestellt werden", so der IT-Experte. "In diesem Fall sollten die Firmen deutlich unter 100 Euro dafür verlangen."

Nach einer Woche lagen die Kalkulationen der Anbieter vor: Die veranschlagten Kosten lagen zwischen 59,50 Euro und weit über 3000 Euro. Bei der Hälfte der getesteten Unternehmen sei laut Schrödel der Preis noch fair: Anbieter "Pro-Datenrettung" wollte sie für 226 Euro wiederherstellen, "Aabboo.de" nahm für die gleiche Arbeit 189 Euro, "Bits-Recovery.de" nur 113 Euro. Sieger des stern TV Tests war "DrData.de" mit 59,50 Euro. Die übrigen Firmen gaben sich mit solchem Kleingeld gar nicht ab: Etwa "Datenambulanz.de" mit Kosten von 499 Euro oder "Datenphoenix.de" mit sogar 720 Euro für den gleichen Dienst. Schlusslicht und am teuersten war "Datenrettung Deutschland – der Dienst, von dem auch Jerome Daly seinene unglaublichen Kostenvoranschlag bekam. Für die Wiederherstellung der Urlaubsfotos auf unserer präparierten Festplatte sollten 3688 Euro fällig werden – pro Bild 46 Euro. Auf Nachfrage brauche das Unternehmen für die Wiederherstellung der Fotos drei Techniker – einen ganzen Arbeitstag. Das mache bis zu 3.688 Euro. Für die gleiche Summe hätte Testsieger "DrData.de" 60 unserer Festplatten repariert. Und es geht manchmal noch preiswerter – mit eigens dafür entwickelten, zum Teil kostenfreien Programmen. Wenige Klicks, schon sind die Bilder wieder da.

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