szmmctag

  • Ruhr In Love 2015 - Kerstin Eden

    Letzte Woche: Nach 6 Stunden im Auto bis Bochum, wollte meine Freundin nicht noch ne Stunde dranhängen um auf "Ruhr in Love" zu fahren... Dabei wäre dort so chilliger und angenehmer Sound gewesen. So richtig zum ab-entspannen ;)

    "Das elektronische Familienfest" :)
    Schöne Bilder

    Na ja, Ruhr klingt für mich eh immer erst nach Krankheit und dann nach Fluß ;D

  • Camping auf dem Festival-Gelände

    Dosenbier. Campingstuhl. Sonnencreme. So sitzen sie Alle da. Auf dem Campingplatz Nord. Der entfernteste Camping-Platz von der Hauptbühne. Dabei waren sie gar nicht zu spät dran. Sie waren sogar 2 Tage vor Festival-Beginn angereist; es half nichts. Irgendwelche Studenten oder Hartz-4-Kinder sind immer früher da. Da kannst du als arbeitender Mensch gar nicht früh genug freinehmen. Hase und Igel.

    Ein Festival ist genau das, worauf die Kids sich das ganze Jahr freuen. Nun. Wenigstens früher. 2015 ist an JEDEM Wochenende irgendwo ein Festival und wer etwas auf sich hält hat den ganzen Arm voller dreckiger Armbänder, die zeigen, „wo-man-überall-war“. Das ist wie mit dem Markieren auf Facebook, im echten Leben.
    Auf Festivals fühlen sich Jugendliche (und solche die sich irrtümlicherweise dafür halten) absolut frei. Hier können sie genau das machen, was sie daheim nicht dürfen. Moral-Polizei gibt es hier eher weniger, obwohl, vielleicht doch im umgekehrten Sinn, denn wer hier zu moralisch ist, der wird ausgelacht. Das ist hier wie auf dem Pausenhof: Die größten Proleten halten sich für die Coolsten – Fehler. Das denkt er sich, der Außenseiter, wie er, ebenfalls mit Dosenbier, Campingstuhl und Sonnencreme am Körper dem ganzen Treiben so zusieht. Frage:
    „Was machst du wenn du dem Elterlichen Joch entkommst und alle Freiheiten hast, die dir Papa und Mama verbieten?“ Die Antwort ist ebenso langweilig wie konservativ: Man stellt wie Papa einen Grill auf, steht mit seinen Loser-Freunden darum herum und trinkt Dosenbier. Zwar fühlt man sich total anarchisch dabei, in Wahrheit jedoch lebt man nur, genau das Vorbild nach, welches man sein Leben bis aufs Blut verneint hat.

    Er fühlt sich dort, wie er seinen „Freunden“ dabei zu sieht, wie sie sich wie die größten Spasten benehmen, wie ein Tier am Straßenrand, diese Viecher, Katzen, Vögel, kluge Hunde, die seelenruhig neben der Fahrbahn liegen und keine Angst haben vor den Autos. Denn obwohl sie nur dumme Tiere sind, habe sie doch begriffen, dass ein Auto in 99,9 Prozent aller Fälle auf dem Asphalt bleibt. Die Tiere berechnen uns also. Sie sitzen uns einfach aus. Und genau das macht er auch. Er beobachtet gelangweilt und sieht dabei zu, wie jeder seiner „Freunde“ die Bahnen zieht, die sein Charakter ihm zulässt. Klar, auch er will seine Bands hören, mit seinen Kumpels Spaß haben und ja verdammt: Es wäre schon toll hier eine Mädel aufzureißen, sogar der Geruch wäre ihm egal. Aber muss es dann immer so blöd und selbstdarstellerisch sein?

    Jugendliche in einer Gruppe bewegen sich nach dem Hollywood-Prinzip. Dieses Prinzip hat unser Bierdosentrinker sich gerade ausgedacht. Das Hollywood-Prinzip besagt, dass wenn ich dieses oder jenes in einem Film mache, kann ich diese und jene Reaktion vom Publikum erwarten, z.B. so wird jemand erschreckt, so bringe ich jemanden zum Lachen. Es ist ganz einfach. Simple Psychologie. Der zahlende Kunde lässt sich aber gerne darauf ein, weil er genau dass bekommen will, wofür er bezahlt hat. Überraschungen verkaufen sich selten gut, auch wenn das kaum jemand zugeben will. Deswegen ist ein großer Film auch kein einzelner Film mehr, sondern ein Franchise-Projekt. Das ist alles geplant. Unterbewusst verhalten sich die Menschen genauso: Schütte ich dem Bier über die Birne oder ziehe ich ihm den Stuhl weg – Lachen meine Freunde und zollen somit Applaus. Sage ich zu der Tussi dieses oder jenes, habe ich keine 100 Prozentige Chance bei ihr zu landen, okay, aber wenn ich genug Tussis frage, wird es sicherlich mal klappen. Und dieses Prozedere führen seine Freunde wie eine Theatergruppe jetzt auf. Ganz nett, nicht mehr. Dennoch sind alle mordsdabei ihre Rolle zu spielen. Es macht sie ja glücklich. Sie fühlen sich deswegen lebendig.
    Sein Problem ist nur, dass er all das weiß, daraus aber keine Vorteile ziehen kann. Denn. Unser Mitläufer ist schüchtern. Dass bedeutet er durchschaut die Anderen, wäre aber auf eine gewisse Form lieber wie sie, da er sich so mehr von Frauen erhofft. Ein Paradox. Ein Dilemma. Ein Opfer.

    Seine „Freunde“ fühlen sich so anders wie ihre Brüder, Väter, bei manchen kann man schon von den Großväter sprechen. Jede Jugendgeneration glauben den Spaß neu für sich erfunden zu haben – und machen genau den gleichen Quatsch wie ihre Vorgänger. Alle saufen, Jeder kifft; leider nehmen nur noch die wirklich coolen Jugendlichen chemische Drogen. Nicht nur die Jugendlichen auf den verschiedenen Festivals benehmen sich fast haargenau gleich, auch die Festivals sind total von einer langweiligen Routine unterwandert: Überall das gleiche Prinzip. Und dieses Prinzip besagt NICHT: Yeah, wir wollen das unsere Besucher ne tolle Zeit haben, sondern es bedeutet: Unsere Besucher sollen genau so ne tolle Zeit haben, wie wir uns das gedacht haben, was weiterhin bedeutet: Es geht nur ums Geld. Natürlich geht es nur ums Geld. Selbstverständlich. Immer. Nur. Der Besucher aber will das nicht sehen. Ebenso nicht, wie er nicht erkennen will, dass er im Prinzip das Gleiche macht wie Papa im Schrebergarten. Sie singen sogar die Lieder ihrer Väter. Spielen ihre Spiele. Hören oft die gleichen Bands. Trinken das gleiche Bier. Schlafen im gleichen alten Zelt. Usw. Usf.

    Unser Held weiß: Jedes Wochenende Exzess – das geht nicht. Auch nicht wenn jedes Wochenende Festival ist. Deswegen werden die Festivals immer langweiliger und betrunkener. Und trotzdem ist er dabei. Weil er weiß, dass es hier besser ist als zuhause. Das ist nun einmal die Jugendkultur in der er lebt. Er mag sie ja auch irgendwo. Und doch hat er verstanden, dass er auch gar keine andere Wahl hat. Außer Streber sein. Und nichts zu erleben.
    Da schüttet ihm einer seiner „Freunde“ Bier über den Kopf. Und Alle Lachen. Er auch. Natürlich. Was sollte er auch sonst machen?

  • Gerade das Gute vergisst man

    Seit 3 Jahren beglückt meine Monatliche Zahlung bei World Vision ein Kind, eine Familie in Afrika, in Simbabwe. Die Wahrheit ist, dass ich schon 6 Jahre lang ein Kind bei World Vision unterstütze, die aber vor 3 Jahren das Kind einfach ausgetauscht haben. Vielleicht wurde ich benachrichtigt. Wahrscheinlich. Und ich habe es einfach übersehen. Habe den Schrieb mit der Erklärung weggeworfen.
    Vielleicht ist das erste Kind tot. Ich weiß es nicht. Es hat mich auch nie interessiert. Ändern kann ich ja eh nichts. Nun. Zumindest habe ich es versucht, durch das Geld. Trotzdem habe ich keine Ahnung was aus dem Kind wurde… Vielleicht wurde es zu alt für das Programm. Keine Ahnung. Damals waren „Unruhen“ in Simbabwe. Möglich, dass der Kleine wirklich nicht mehr lebt.

    Heutzutage läuft ja eh Alles über das Internet ab und deswegen bekam ich heute die elektronische Nachricht, dass ich mein zweites Patenkind von World Vision jetzt also diese 3 Jahre unterstütze. Und ich verklicke mich gerade in meinem Emailfach, komme auf den Link, und irgendwann mal muss ich mich wohl wirklich da mal angemeldet haben, also das Fenster geht auf und ich klicke dann aus Laune heraus auf „anmelden“ - deswegen sah ich gerade das kleine traurig guckende Kind aus Afrika vor mir, dass ich seit jetzt doch schon langer Zeit unterstütze…
    Ich will mich jetzt nicht als Heilsbringer darstellen. Es ist nur. Ich merke die 30 Euro gar nicht, die ich für dieses fremde Ding ausgebe. Oder sind es 20? Keine Ahnung. In Wahrheit hatte ich es schon total vergessen. Ich glaube, 30 Euro sind da unten mehr wert als hier. Und im Prinzip bin ich dadurch vielleicht ein klein wenig ein bessere Mensch, als ohne Patenschaft. Aber die volle Wahrheit ist, dass ich das Kind einfach vergessen habe. Einfach so. Vor lauter Stress und meinem ganzen Reichtum hier, den ich gar nicht wahrnehme. Und dann guckt einen so ein fremdes Kind an. Und ich helfe dem. Und ohne mich, wäre es schlechter dran. Da musste ich jetzt schon schlucken. Zwei sich vollkommen Fremde. In fremden Welten. Verdammt noch mal… Ich denke nur an den Kleinen, wenn ich meine Steuererklärung mache… Immerhin wäre das doch einmal etwas, worauf man stolz sein könnte…

  • Was für ein Tag, erst mal Chillen

  • Die furchtbaren Berliner

    Als Christian Kracht damals (jetzt wirklich schon sehr, sehr lange her) bei Harald Schmidt sagte: "Berlin ist die schrecklichste Stadt der Welt", entsetzlich, widerwärtig, ekelerregend (wie Schmidt zusetzte) , musste ich schon schmunzeln, hier das Video, so ab Minute 6 -aber es lohnt sich das ganze Interview

    Gerade lese ich das Kracht-Buch "Imperium", in dem es um einen deutschen Aussteiger vor dem ersten Weltkrieg in einer ebenfalls deutschen Kolonie geht. Dort gibt es auf Seite 92 eine kurze Passage darüber, wie der Held Engelhardt von der deutschen Zivilisation abgestoßen wird, die mich laut auflachen ließ (und lautes Lachen gibt es bei mir beim Lesen nun nicht wirklich), gerade auch im Hintergedanken an das Schmidt-Video
    Sie lautet:

    "Ein paar Haltestellen weiter, am Alexanderplatz, lehnt ein durchnäßter Berliner an einer Hauswand und ißt, mesmerisiert kauend, eine jener labberigen Bratwürste. Das gesamte Elend seines Volkes steht ihm ins Gesicht geschrieben. Die überfette, gleichgültige Trostlosigkeit, das graue Lamentat seiner borstig geschnittenen Haare, die öligen Wurstsprenkel zwischen seinen groben Fingern - eines Tages wird man ihn so malen, den Deutschen. Engelhardt, ebenso hypnotisiert, fixiert ihn, während der Omnibus durch die Wasserwand vorbeirattert. Für eine Sekunde ist es, als ob ein glühend heller Strahl die beiden verbindet, Erleuchteter und Untertan."

    Vielleicht erschließt sich einem der Humor nur im Zusammenhang mit dem wirklich geistreichen aber doch sehr komisch lustigen Buch; einen Zusammenhang mit dem Schmidt-Video gibt es aber auch.

    Ach. Einfach herrlich. Ich freue mich schon darauf das Buch weiterzulesen.

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