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1841 in Horn eröffnet Tierpark „Zum letzten Heller“: Das war Hamburgs allererster Zoo

Abbildungen vom Tierpark „Zum letzten Heller“ in Horn gibt es nicht. Aber etwa so könnte es dort ausgesehen haben: Diese Zeichnung zeigt die Tierschau, die Carl Hagenbeck am Neuen Pferdemarkt unterhielt, bevor er seinen Tierpark in Stellingen eröffnete.

Abbildungen vom Tierpark „Zum letzten Heller“ in Horn gibt es nicht. Aber etwa so könnte es dort ausgesehen haben: Diese Zeichnung zeigt die Tierschau, die Carl Hagenbeck am Neuen Pferdemarkt unterhielt, bevor er seinen Tierpark in Stellingen eröffnete.

Foto:

HFR Lizenz

Nichts erinnert mehr an die parkähnliche Landschaft, die es hier einmal gegeben hat. Stattdessen gibt es Wohnhäuser und einen Supermarkt. Und das einst zwei Hektar große Areal wird zudem von der Bundesstraße 5 geteilt, die nach Bergedorf führt. Kaum zu glauben, aber: Genau hier, an der Horner Landstraße, Ecke Horner Brückenstraße befand sich einst ein Tierpark – nach Überzeugung der Geschichtswerkstatt Horn Hamburgs erster!

In der Reihe „Der Tag, an dem...“ hat die MOPO Ende Februar über den Zoologischen Garten Hamburg berichtet, der 1863 an der Stelle eröffnet wurde, an der sich heute die Parkanlage Planten un Blomen befindet. Kaum war der Artikel erschienen, legte die Geschichtswerkstatt Horn Protest ein: Der ehemalige Zoo am Dammtor sei keineswegs der älteste! Mehr als 20 Jahre zuvor habe ein gewisser Schadel Heinrich Berg, angeblich ein Russe, einen Tierpark in Horn betrieben. Eine ziemlich kuriose Geschichte.

Berg, der Gründer, war ursprünglich ein sogenannter Menagerist, wie es sie damals zahlreich gab: Als Schausteller zog er übers Land, blieb mal hier ein paar Tage, mal dort und kassierte Geld dafür, dass sich die Bürger die wilden Tiere ansahen, die er in mobilen Käfigen mit sich führte.

Vermutet wird, dass Berg auf seiner Wanderschaft auch durch Wien kam, wo es bereits seit dem 18. Jahrhundert einen Zoologischen Garten gab. Möglicherweise träumte er seither davon, etwas Ähnliches zu schaffen.
1841 kam er nach Hamburg, ließ sich in Horn nieder, damals ein Dorf am Stadtrand, in dem sich reiche Hamburger Kaufleute Landhäuser mit ausgedehnten Gartenanlagen bauen ließen. Ein beliebtes Ausflugslokal lockte die Menschen von nah und fern an: Es hieß „Zum letzten Heller“.

Berg übernahm dieses Lokal und verwirklichte in dem großen Garten hinter dem Haus seinen Traum vom Tierpark: Am Pfingstsonntag 1841, dem Eröffnungstag, strömten die Menschen in Kutschen und per Pferdeomnibus in Scharen herbei, um Panther, Hyänen, Wölfe, Bären, Affen, Lamas, Kängurus, Kasuare und Murmeltiere zu sehen. Insgesamt 65 Tierarten gab es. Die Besucher zahlten acht Schilling Eintritt. Dafür bekamen sie einen 16-seitigen gedruckten Führer in die Hand, der ihnen half, sich zurechtzufinden.

Lange existierte Bergs Tiergarten nicht. 1842 kam es in Hamburg zum „Großen Brand“, der weite Teile der Stadt vernichtete. Immer weniger Bürger hatten jetzt noch Lust, einen Tierpark zu besuchen. Und manchem wird auch das Geld gefehlt haben. So ging Bergs Unternehmung pleite. 1845 musste er den Tierpark schließen. Noch ein paar Jahre betrieb er die Gaststätte weiter, bevor er enttäuscht in seine russische Heimat zurückkehrte.

Und so endet die Geschichte des Tierparks „Zum letzten Heller“. Ob das, was Schadel Heinrich Berg da geschaffen hat, wirklich schon die Bezeichnung Zoo verdient, darüber lässt sich streiten. Aber ein Pionier in der Geschichte des Zoos war dieser Russe auf jeden Fall. Der erste deutsche Zoologische Garten wurde nämlich erst 1844 in Berlin eröffnet. Da existierte der Tierpark in Horn schon drei Jahre. Und dem Tierpark Hagenbeck in Stellingen war Berg sogar um sechs Jahrzehnte voraus!