Köln an die Leine!

Wenn Sie mit zwei, drei Leuten täglich vor dem Kölner Dom Werbung für Ihr Unternehmen machen wollen, ohne dafür auch nur einen Cent zu bezahlen, so hat der Kölner Rat nun eine Möglichkeit geschaffen, wie Sie den Domvorplatz als kostenlose Fläche für Ihr Unternehmen nutzen können. Sie müssen nur eine Leine spannen!

Seit Jahren betreibt Walter Herrmann vor dem Kölner Dom eine Installation, die er Kölner Klagemauer nennt. Es ist eine Ausstellung, auf der er Bilder und Plakate ausstellt. Die Installation ist nichts weiter als eine mobile Galerie, betrieben von einem Mann. Unverständlicherweise wird diese Ausstellung als Demonstration gewertet, obwohl es offenkunding eine reine Kunstaustellung ist.

Es ist so, als würde ich jeden Tag vor dem Kölner Dom meine Kunst ausstellen, mit der Begründung, es wäre ein Einschnitt in meine Bürgerrechte, wenn ich den Domvorplatz nicht täglich kostenlos für meine Performance nutzen kann.

Der SPD kam die Nutzung von Walter Herrmann auch merkwürdig vor und stellte daher eine Anfrage, wie die Verwaltung die sogenannte „Kölner Klagemauer“ bewertet. Die Anfrage wurde nun schriftlich beantwortet. Das Ergenbis dürfte jeden Künstler interessieren:

Aufgrund der erneuten Anfrage der SPD-Fraktion vom 09.11.2014 wurde die „Klagemauer“ von Polizei und Stadtverwaltung im November 2014 in Augenschein genommen. Dabei wurde festgestellt, dass es sich nunmehr um einen reinen Informationsstand handelte, auf dem allein vom Initiator stammende Plakate und Fotos ausgestellt waren. Die von der Rechtsprechung als für eine Versammlung prägende Konzeption der Einbeziehung Außenstehender zum Zwecke der kollektiven Teilhabe an der öffentlichen Meinungsbildung in Form der Möglichkeit zur Beschriftung von Kartontafeln fehlte. Vor diesem Hintergrund war die „Klagemauer“ in ihrer Ausgestaltung im November 2014 als reiner Informationsstand zu bewerten und stellte eine erlaubnispflichtige Sondernutzung dar.

Wir sind uns also einig, dass ein Galerist nicht das Recht hat, vor dem Kölner Dom kostenlos seine Kulisse aufzubauen. Allerdings geht die Antwort weiter:

Der Initiator hat indessen auf die Initiative der Verwaltung reagiert und seine Installation verändert. Er hat inzwischen eine Leine gespannt, an denen Passanten Karten mit Beiträgen aufhängen können und so den von der Rechtsprechung als prägend für eine Demonstration angesehenen Zustand der kommunikativen Einbeziehung Außenstehender wiederhergestellt.

Vor diesem Hintergrund kann nunmehr erneut nicht mehr von einer erlaubnispflichtigen Sondernutzung in Form eines reinen Informationsstandes ausgegangen werden. Vielmehr ist wieder auf die in der Stellungnahme vom 03.11.2014 geäußerte Einschätzung zu verweisen, dass die von der Rechtsprechung aufgestellten Grundsätze und die Einstufung als Versammlung auch für die Aktion in ihrer jetzigen Ausprägung noch zutreffen.

Damit ist alles geklärt! Der Kölner Dom ist kostenlose Kulisse für alle künstlerischen Ausdrucksformen! Ich rufe hiermit alle Galeristen und Künstler auf, ihre Kunstwerke und Kulissen vor dem Kölner Dom aufzubauen. Kunst ist immer auch politisch! Ihr müsst nur eine Leine spannen, ein paar Blätter und einen Stift dazu legen, mit anderen Worten, ein Gästebuch bereit stellen, und der Kölner Domplatz ist Eure Bühne!

Der Kölner Rat hat beschlossen: Wer eine Leine spannt, darf vor dem Dom seine Kulisse errichten. Na, dann munter zur Tat: Legen wir Köln an die Leine!

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20 Antworten zu Köln an die Leine!

  1. Spiessbratenbrötchen schreibt:

    Der Kölner Dom ist auch politisch, aber nur dann, wenn gegen rechte Demos das Licht ausgeschaltet wird. Das macht anscheinend genug gutes Gewissen, um jahrelang die restliche Hasspropaganda vor der eigenen Haustür zu übersehen.

    • Aristobulus schreibt:

      Der Kölner Dom hängt auch sehr schlecht ausm Lateinischen übersetzte, große Spruchtransparente über Jesum hin, während am Dome oben eine gotische Judensau prangt, eine äußerst gotische naturgemäß, also ein pures gotisches Denkmal, das.
      Während drinnen im Dome am gotischen Chorgestühl seit 1310 eine hölzerne Judensau verdämmert, unkommentiert seit siebenhundertfünf Jahren. während draußen vorm Dome eine äußerst nachgotische Hass-Installation aus purem Judenhass in allem prangenden Elend und Stolz rumsteht, rumsteht und rumsteht. Die nennnen das Ding Informationsstand, neutral-gotisch-kalt bis ans Herz hinan.

      Drinnen im Dome ist es kalt, draußen vorm Dome ist es um so kältererer.
      Derweil überm einen kleinen gotischen Domportal gar ein steingemetztes Hakenkreuzl denkmalgeschützt prangt.

      Soll mal einer behaupten, man verhalte sich im, am und vorm Kölner Dome nicht äußerst konsequent seit mindestens siebenhundertfünf Jahrzichten.

  2. Sempronius Densus Bielski schreibt:

    Köln duldet eine judenfeindliche Dauerausstellung am Dom. Köln ist deshalb die Hauptstadt des Hasses gegen Juden. Schämt euch!

  3. Adolf Breitmeier schreibt:

    Ist am Dom noch ein Platz frei? Dann aber nix wie hin.

  4. Marcus Prebridge schreibt:

    Ein Gallerist ist jemand, der seine Galle an die Leine hängt. Ein Galerist ist hingegen etwas völlig anderes.

  5. Clas Lehmann schreibt:

    Vielleicht mal mit diesen Strickkünstlerinnen reden? Wobei mir eine allgemeine Tötzeltechnik im Rahmen einer die anderen Demonstrationen einspinnenden-einbindenden Performance effektiver scheint. Sowas total fesselndes, schon als Event auf der Location Ach! Dass Köln so weit ist!

    • Aristobulus schreibt:

      Vorgeschlagener Titel:

      Häkeln für Nahost

      • Clas Lehmann schreibt:

        Der Titel hat was. Aber ich dachte mehr an verstricken, verwickeln, vertüddeln und vertötzeln, so dass das Gesamtkunstwerk den im Kern unauffindbar Bestrickten nicht so bald wieder freisetzt, sondern statt dessen in Fäden gewickelt irgenwo an steinernen Zacken des Domes befestigt

        • Aristobulus schreibt:

          dann etwa dieser Titel?:
          ulh (weia!, man kann hier nicht in griechischer Schrift, also diese komischen Buchschtahm nu gedacht als Schrifftype Symbol mit einem ganz kleinen, hochgestellten C davor, heißt dann Hylè, grich. äußere Form, Schatten&Schalen, Müll, Rottsubstanz)

          Also Titel: Hè Hylè Hülle, Haft und Saftung, vulgo: Nahostbuden, Saujuden und der Rest vom Duden.
          Oder:
          Tötzel, Brizzel, Schmockistan: Die Verarbererisierung des heiligteutschen Abendlandes.

  6. anti3anti schreibt:

    Dann lass uns gemeinsam hingehen und UNSERE Karten aufhängen!

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