Klagen über Köln

Heute erhielt ich einen Anruf, der sich auf meinen Artikel Pornos der Gewalt vor dem Kölner Dom bezog. Was mir die Frau am Telefon erzählte, erfüllte mich mit Scham für meine Stadt:

Ich bin vor einigen Jahren von Israel nach Köln gezogen. Ich wollte nicht, dass meine Tochter in einem Land groß wird, das sich im Krieg befindet und sie den grenzenlosen Hass der Leute von der Hamas zu spüren bekommt, die meine Tochter vernichten wollen, weil sie Jüdin ist. Ich saß letztens in einem Café vor dem Kölner Dom. Meine neunjährige Tochter lief auf dem Platz herum. Auf einmal kam sie zu mir gerannt. Ihre Augen waren tränenüberströmt. Völlig aufgelöst erzählte sie mir, vor dem Dom wäre ein Mann, der behauptet, wir würden Kinder töten. Es hat mir das Herz zerissen. Ich war nach Deutschland gezogen, um dem Hass der Hamas zu entgehen, aber am Kölner Dom holte er mich wieder ein. Was jedoch am Schlimmsten ist, in Israel bekomme ich auch Zuspruch, hier in Köln jedoch nur Kritik, am Dom sogar nur Hass. So eine Einseitigkeit, so einen Hass, so einen Unwillen, die israelische Seite zu verstehen, aber so ein Verständnis für den Judenhass der Hamas, der am Kölner Dom sogar als legitimer Widerstand verharmlost wird, habe ich noch nie erlebt. Was soll ich bloß meiner Tochter sagen?

Nach dem Gespräch habe ich mich richtig geschämt, Kölner zu sein. Ich verstehe nicht, warum sich nur so wenige Kölnerinnen und Kölner lautstark gegen diese Hetze vor dem Dom positionieren. Wenn Pro Köln oder Kögida alle paar Jahre mal zum Dom kommen, um gegen Muslime und ihre Länder zu hetzen, dann sind tausende Kölnerinnen und Kölner auf der Platte und stellen sich quer. Gegen die Truppe um Walter Herrmann jedoch, die nahezu täglich kommt, um gegen Juden und ihr Land zu hetzen, macht sich niemand auf? Was ist los?

Tapfer im Nirgendwo bittet alle Menschen, die ein Problem mit der Hassinstallation vor dem Kölner Dom haben, ihre Gedanken aufzuschreiben, und mir zu schicken, maximal 1200 Zeichen. Ich veröffentliche die Klagen. Vielleicht bemerkt der Kölner dann, wie beschämend die ganze Sache vor dem Dom für unsere Stadt ist. Die Gedanken senden Sie bitte mit Namen und Wohnort an gerdbuurmann@hotmail.de.

Vielen Dank.

***

Die Zusendungen:

Ich weiß nicht, wie oft andere Kölner sich neben die Kölner Klagemauer gestellt und zugehört haben, worüber Menschen reden, die sich das durchlesen. Ich habe dies oft getan, jedes Mal wenn ich daran vorbei gehe. Und nachdem, was ich dort jedes Mal höre und sehe, bin ich der Überzeugung, dass Herrmann bis heute viele Menschen beeinflusst. Und Aussagen, die ich gehört habe, sowohl über Israel, als auch über Juden, als auch an mich persönlich, nachdem ich sagte, dass ich jüdisch bin, zeigen mir sowohl, dass er nicht ignoriert wird, als auch, dass Deutschland doch nicht so ist für wie ich es die meiste Zeit gehalten habe. (Mascha Brosius, Kölnerin)

Wie auch zuletzt ein Urteil des Münchner Landesgericht zeigt, ist man in Deutschland erst ein Antisemit, wenn man eine entsprechende Armbinde, Frisur und Bärtchen hat. In einem Land mit einer so dunklen jüngeren Geschichte ist das ein Skandal. Zudem scheinen wir Kölner uns an den offenen Hass auf unserem zentralsten Platz gewöhnt zu haben. Antisemitismus ist jedoch nichts, an das wir uns gewöhnen dürfen! (Robert Wande, Kölner)

Mich hat es interessiert, warum Walter Herrmann da sitzt. Seine Beweggründe. Als ich ihn ansprach, fing er mir an zu erzählen, wie schlimm Israel doch sei. Daraufhin sagte ich ihm, dass die Hamas Kinder in den Krieg schickt und als Schutzschilder benutzt. Er ließ mich nicht aussprechen, lachte mich aus und fing an sich aufzuregen mit den Worten ich „verbreite bloß Lügengeschichten.“ Wenn man davon ausgeht, dass in Deutschland Meinungsfreiheit erlaubt ist, so sehe ich die Art und Weise von Walter Herrmann eher als einen Aufruf zur Vernichtung der Juden und Israels. Demzufolge finde ich, wer so etwas in seiner Stadt bzw. Land toleriert, somit ganz bewusst Walter Herrmann unterstützt. (Nina Chernobelska, Kölnerin)

  

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29 Antworten zu Klagen über Köln

  1. winnie schreibt:

    Buurmann! Auch ich schäme mich zutiefst über diese judenhassende, kleine Person auf der Domplatte und deren jahrelange Tolerierung durch Politiker in meiner Geburtsstadt.

    • yoyojon schreibt:

      Ist doch interessant:jahrelange Tolerierung. Muss man sich doch mal fragen, wieso so etwas jahrelang toleriert wird. Die Antwort darauf könnte schlimmer ausfallen als das antisemitische Männlein selbst.

      • abusheitan schreibt:

        Laut Aussagen der Behörden genießt Herrmann Narrenfreiheit.
        Narren durften schon immer drastisch eine Sicht der Dinge verkünden, die politisch inkorrekt war. Solidarität mit Israel ist immer noch Staatsraison, obwohl eine stetig wachsende Minderheit ( oder schon Mehrheit?) von ganz links unten bis ganz rechts unten deutlich anderer Meinung ist.
        Herrmann spricht nur aus , was viele denken.
        Er ist das subventionierte Sprachrohr der heimlichen Judenhasser.

      • abusheitan schreibt:

        ”jahrelange Tolerierung” könnte man auch wie Nikolaus Fest törichte Toleranz nennen.
        Die steigert sich dann zur tödlichen Toleranz.

  2. schum74 schreibt:

    „Wenn Pro Köln oder Kögida alle paar Jahre mal zum Dom kommen, um gegen Muslime und ihre Länder zu hetzen…“

    Wie stellt man das an, gegen Muslime und ihre Länder zu hetzen? Wie geht das?

    Indem man erzählt, dass in Ägypten, Gaza, Pakistan und Afghanistan über 80% für das Steinigen von Ehebrecherinnen sind?
    http://tapferimnirgendwo.com/2015/02/21/jurgen-todenhofer-schreit/

    Indem man erzählt, dass die Shebabs aus Somalia einen Hobby daraus machen, Christen zu selektieren und umzubringen?
    http://www.welt.de/politik/ausland/article134612198/Wer-nicht-aus-dem-Koran-las-wurde-erschossen.html

    http://02elf.net/headlines/world-headlines/christen-an-kenianische-univerisitaet-gezielt-massakriert-948093

    Indem man erzählt, dass in Pakistan Christen kein Recht auf ein eigenes Grab haben?

    „Dieser unmoralische Westen rollt für den wahabitischen Islam den roten Teppich aus, während in Pakistan, der Wiege des verbrecherischen Islamismus, die christlichen Bürger kein Recht mehr auf eigene Gräber haben. Ihre Toten werden in Massengräbern beerdigt.
    Schlimmer noch: Sie haben kein Recht, Wasser aus Brunnen zu schöpfen, die Muslimen gehören.“
    http://ripostelaique.com/lislam-est-il-reellement-ce-que-vendent-les-musulmans.html

    Indem man erzählt, womit die tapferen Jungs vom IS ihre Zeit totschlagen?

    Indem man vom Alltag in den 57 OIC-Ländern erzählt? Oder einfach, indem man aus dem Koran oder dem Hadith vorliest?

    Wie bringen Pro Köln oder Kögida es bloß fertig, gegen Muslime und ihre Länder zu hetzen?

  3. mike hammer schreibt:

    Die meisten Kinder auf den bildern vom herrn mann sind gestellt,
    oft werden verstorbene babys, die eines natürlichen todes gestorben
    sind tiefgefroren, für den nächsten konflikt, die familie bekommt die SCHAHID
    HL-Krieger statuten für das kind (monatliches geld) und große ehre.
    weitere bilder der PALINESEN die herr mann wohl auch
    gebraucht sind aus anderen konflikten und
    werden einfach zum dreckschleudern
    benützt.

    Hier!
    So feiern die
    PLASTELINESSER tote israelische kinder und zivilisten,
    in der universität nablus steht ein richtiges terror heldengedenkmal
    in dem tote judenmord gefeiert wird, leute gehen hin und
    zahlen eintritt, professoren dieser uni sind
    gerngesehene redner an EU und
    US universitäten, wo sie
    lügen verbreiten.

  4. Stephan Happ schreibt:

    Lol, die Nationalisten unter sich, ich lach mich scheckig.
    Nochmal: Bitte den Unterschied zwischen der Religion des Judentums und der des Volkes erklären.. Alles wird gut

    S.H.

  5. abusheitan schreibt:

    Wenn Pro Köln oder Kögida alle paar Jahre mal zum Dom kommen, um gegen Muslime und ihre Länder zu hetzen dann wäre dies Volksverhetzung und strafbar.
    Allerdings habe ich kein Urteil gegen Kögida wegen Volksverhetzung finden können.
    Gibt es dafür Belege oder ist es nur Hetze gegen Kögida?
    Islamkritik ist keine Hetze und Kritik an der Masseneinwanderung von Asylforderern auch nicht.

    • sonya schreibt:

      Sehe ich genauso. Auch wenn mir nicht alles und jeder, der bei Pegida mitläuft, gefällt, ist das Thesenpapier von Pegida richtig. Die Hetze kommt von den Gegendemonstranten, den Medien und unseren Politikern, die Pegida- Sympathisanten als Nazis, Ausländerfeinde, Mischpoke und indirekt als Ratten bezeichnen (Rattenfänger). Und das hat bisher prima funktioniert, ist doch Pegida leider immer noch keine Massenbewegung geworden.

  6. yoyojon schreibt:

    “…dass Deutschland doch nicht so ist für wie ich es die meiste Zeit gehalten habe.” Wenn ich Derlei lese frage ich mich immer, in welchem D die Leute gelebt haben. Dass es so ist, wie es ist, habe ich niemals angezweifelt. Neu ist allenfalls, dass die Ratten heute etwas mutiger aus den Löchern kommen als bisher. Daraus zu schließen, dass sie nicht immer schon präsent waren, ist eine völlige Fehleinschätzung. Das gilt übrigens nicht nur für D

  7. caruso schreibt:

    dass Deutschland doch nicht so ist für wie ich es die meiste Zeit gehalten habe.” Das D tatsächlich nicht so ist, mußte ich leider in den letzen Jahrzehnten auch erkennen. Ich glaubte an das wiedergutgewordene D, aber schon seit langem glaube ich nicht mehr. Dabei weiß ich, daß es in diesem Lande eine ganze Menge hoch anständige Leute gibt. Warum sind diese nicht lauter, damit sie diesen Schmutz, der (nicht nur) in Köln an die Oberfläche kommt, übertönen?
    Gibt es in D keine Macht, der gegenüber die Kölner Staatsanwaltschaft und die Polizei Untertan sind? Denn was in Köln seit vielen Jahren vor sich geht ist m.E. viel mehr als ein Skandal. Ich finde nur nicht den entstsprechenden Ausdruck dafür.
    lg
    caruso

  8. Alexei Pavlovic schreibt:

    Die Kölner Klagemuer ist mir scheißegal. Ich will in einer Welt leben, in der auch dem übelsten Nazi Redefreiheit gewährt wird. Seit der letzten Militäroffensive im Sommer 2014 nutze ich jeden Auftritt, um die Situation in Israel zu thematisieren und meine Sicht der Dinge dem Publikum nahezubringen. Ich habe durchwegs positive Erfahrungen damit gemacht. Der Dialog ist mein Weg, nicht das Verbot.

    Alexei Pavlovic
    (Kölschstämmiger Künstler aus Hamburg)

  9. Hein schreibt:

    Keine Gewalt? Die Gewalt fängt doch mit Worten an. Was Walter Herrmann dort seit Jahren abzieht ist die Vorbereitung für Gewalt gegen Juden und Israelis. Antisemiten, deutsche, christliche, muslimische fühlen sich ermutigt dadurch, dass die Justiz und die Stadtverwaltung Herrmanns Treiben schützt.
    Wer auf die Wortverbrechen Herrmanns, die Tatverbrechen muslimischer Staaten und Individuen aufmerksam macht, sie anprangert, vor ihnen warnt, der hetzt nicht, sondern klärt auf.

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