Etwas sehr, sehr Interessantes ist in Neurussland passiert

Übersetzung von Something very, very interesting has happened in Novorussia (Autor: Der Saker)


Etwas fastastisch interessantes ist in Neurussland passiert: Zwei hohe neurussische Kommandeure, Igor Besler und Alexej Mosgowoi, haben versucht, mit den Ukrainern zu sprechen, die auf der anderen Seite sind.

Obwohl ich nicht sicher bin über die exakten Daten der Ereignisse (alles was ich habe sind die Daten der youtube-Postings), hat dies scheinbar begonnen als Igor Besler sich einverstanden erklärte, von drei TV-Teams gleichzeitig interviewed zu werden: einem russischen, einem neurussischen, und einem ukrainischen. Die große Neuigkeit war, natürlich, dass ein ukrainischer Journalist Zugang zu Gorlowka, welches augenblicklich von ukrainischen Kräften belagert wird, bekam, und sie mit den Leuten dort sprechen konnte, einschließlich Kämpfern, und dass sie danach Zugang zu Besler selbst bekam. Weil sich alle Journalisten mehr oder weniger offen des “Filterns der Wahrheit” beschuldigten, haben sich alle Seiten geeinigt, dass der volle Mitschnitt, ohne Editierung, auf youtube zugreifbar gemacht wird.

Und nun vergesse man nicht, dass in Banderastan russische Journalisten auf schwarzen Listen sind, russische Fernsehstationen verboten, und die Leute in der Junta-kontrollierten Ukraine gesagt bekommen, auf der anderen Seite wären Terroristen und russische Soldaten. Und die ukrainischen Medien sind das ekligste, verkäuflichste, untertänigste, propagandistischste Zeug was man sich vorstellen kann. Und dann, plötzlich, ist zumindest ein ukrainisches TV-Team bereit, das Gesicht eines der meistgefürchtetsten Kommandeure zu zeigen und ihn reden zu lassen was er denkt.

Das nächste Ereignis war sogar noch fantastischer. Alexei Mosgowoi war einverstanden mit einer Videokonferenz nicht nur mit ukrainischen Journalisten, sondern aktuellen Feldkommandeuren des ukrainischen Militärs. Mosgowoi und die Ukrainer direkt miteinander reden zu sehen was absolut erstaunlich. Und hier muss ich mich entschuldigen. Ich werde unsere Übersetzer nicht darum bitten, das Ganze zu übersetzen und zu untertiteln. Einmal, es war nicht nur eine sondern zwei solche Videokonferenzen. Dann geht es um drei lange Videos, sehen Sie selbst:

Interview mit Besler: 21. Okt. 2014
http://youtu.be/uVN2wkuL88w (Länge: 2 Stunden 17 min)

Erste Videokonferenz von Mosgovoi: 22. Okt. 2014
http://youtu.be/WYy5Y9MQozA (Länge: 1 Stunde 20 min)

Zweite Videokonferenz von Mosgovoi: 28. Okt. 2014Second videoconference of http://youtu.be/tC7YGe0SmqQ (Länge: 1 Stunde 51 min)

Ich hoffe, dass irgendwann irgendwer all das übersetzt, aber das ist eine viel zu große Belastung um unsere Freiwilligen darum zu bitten.

Außerdem sind es sehr komplexe Videos. Es gibt Diskussionen, es gibt kurze Momente mit Schreien und Unterbrechungen, es gibt Durcheinandergerede, und es gibt sogar zwei Songs. Das ist komplexes, sehr emotionales Material, sehr schwer in einer Übersetzung richtig wiederzugeben. Außerdem, wer hat die Zeit für das alles?

Was ich vorschlage, ist, Euch die Elemente mitzuteilen, die mich so beeindruckt haben.

Aber erstmal muss ich einen wichtigen Punkt klären: Während die Originalidee scheinbar war, Kämpfer mit Kämpfern reden zu lassen, waren auf ukrainischer Seite nur ein paar Kommandeure und ein paar Aktivisten. Die neurussische Seite bestand aus wirklichen Kämpfern. Scheinbar fühlte sich die ukrainische Seite nicht wohl dabei, ihre Fußsoldaten ins Rampenlicht zu setzen.

Zuallererst war es erstaunlich, zu sehen, in wie vielen Fragen beide Seiten völlig miteinander einverstanden waren. Beide Seiten stimmten zu, dass der Krieg sinnlos ist und nur den Feinden der Ukraine nutzt. Beide Seiten drückten Verachtung, Abscheu und sogar Hass für die Politiker an der Macht und die Oligarchen, die heute über Banderastan herrschen, aus. Beide Seiten sind auch einig darüber, dass Janukowitsch ein Mistkerl ist und die Maidan-Proteste absolut legitim waren, aber die anfänglichen Proteste von Feinden der Ukraine gekapert worden sind. Beide Seiten sind auch einverstanden, dass der Krieg beendet werden muss.

Nun darf man nicht vergessen, dass die ukrainischen Nazis natürlich nicht eingeladen waren. Es waren im wesentlichen ukrainische Militärs die mit neurussischen Militärs sprachen, und ukrainische Aktivisten zu Mosgowoi. Und es gab auch einige reale Differenzen.

Die ukrainische Position war die folgende (Paraphrase – kein echtes Zitat): “der Maidan war legitim und korrekt, aber ihr – die Neurussen – habt die Waffen erhoben und damit eine Krise erzeugt, die die illegitime Junta genutzt hat, und die uns daran gehindert hat, unsere politischen Ziele zu verteidigen. Wir wollen unser Land nicht weiter auseinanderbrechen lassen, aber das ist das was ihr tut. Wir wissen auch, dass die russischen “höflichen Leute in grün” an Eurer Seite kämpfen und viele von Euch nicht wirkliche ukrainische Interessen, sondern russische Interessen verteidigen. Beendet den Kampf und macht mit im politischen Prozess, um unser Land von den Verrückten zu befreien.”

Worauf Mosgowoi antwortet (Paraphrase, – kein echtes Zitat): “Wir haben uns nicht ausgesucht zu kämpfen, Ihr seid in unser Land gekommen und habt unsere Leute getötet. Wenn Ihr wirklich Kiew vom Naziabschaum säubern wollt, dann stellt Euch nicht zwischen uns und Kiew und lasst uns durch – wir werden uns darum kümmern, kein Problem. Ihr gehorcht den Befehlen der Nazis und Oligarchen und macht nichts, um sie daran zu hindern, unsere Leute umzubringen. Wenn wir unsere Waffen niederlegen, werden wir alle massakriert.”

Ein interessanter Punkt war, dass, als die Ukrainer die Neurussen beschuldigten, Russlands Anweisungen zu folgen, Mosgowoi antwortete, dass die Ukrainer Bauern der CIA seien, und, bemerkenswert, die Ukrainer stimmten mehr oder weniger zu, dass der CIA die Strippen zieht. Was Mosgowoi betrifft, so bestritt der nicht, dass Russland hilft.

Beide Seiten waren frustriert darüber, dass sie nicht ihre Kräfte vereinigen und zusammen die Oligarchen und die Nazis verjagen können.

Während des Besler-Interviews gab es einen bemerkenswerten Moment, als das ukrainische Team Besler fragte, ob er ukrainisch spreche, worauf er mit “ja” antwortete. Nicht überzeugt, fragte ihn das ukrainische Team, ob er denn ein Gedicht des berühmten Dichters Taras Schewtschenko zitieren könne. Und daraufhin, zu jedermanns Überraschung, zitierte Besler das Poem “An die Polen”, in dem Schewtschenko beschreibt, wie glücklich die Kosacken waren,

bevor im Namen von Christus,
die Ksendsen kamen und brandschatzten
unser ruhiges Paradies. Und vergossen
einen großen See von Tränen und Blut
und töteten und kreuzigten Waisen
Im Namen von Christus

[im engl. Original war ein längerer Abschnitt übersetzt, aber Doppelübersetzung eines Gedichts – besser nicht. d.Ü.]

During the Bezler interview, there was one amazing moment was when the Ukrainian crew asked Bezler if he spoke Ukrainian, to which he replied that ‘yes’. Unconvinced, the Ukrainian crew asked him if he could recite a poem by the famous poet Taras Shevchenko. Then, to everybody’s surprise, Bezler recited the poem “to the Poles” in which Sevchenko describes how happy the Cossaks were,

Until in the name of Christ
The ксьондзи (Latin Priests) came and set afire
To our quiet paradise. And spilled
A huge sea of tears and blood,
And killed and crucified orphans
In the Name of Christ
The heads of Cossacks then dropped
Like trampled grass,
The Ukraine cried, and moaned!
And the head after head
Fell to the ground. As if enraged,
A priest furious tongue
Screamed: «Te Deum! Hallelujah! .. ”
And this is how my Polish friend and brother!
Evil priests and rich men
Separated us from each other
When we could have lived together happy

[nb: this is my own translation, I could not find this poem in English anywhere; as any Russian, I mostly understand Ukrainian, but I can easily misunderstand a word or expression so, caveat emptor, and don’t take this translation to the bank! The Saker]

Es war sehr beeindruckend zu sehen wie gut Besler ukrainische sprach und wie der diese Möglichkeit nutzte, seine ukrainischen Gegenüber daran zu erinnern, wie sie schon in der Vergangenheit von Russland- und Orthodoxie-Hassern aus dem Westen benutzt und manipuliert worden sind, und das machte er mit Versen ihres eigenen Nationalhelden!

In einem anderen surrealen Moment nahm ein neurussischer Soldat eine Gitarre und sang einen Song über den Krieg. Die Ukrainer waren offenbar bewegt, obwohl sie sich daran störten, dass der Song sagte, dass “Russen mit Russen kämpfen”. Der Punkt kam in der weiteren Konversation öfter hoch. Vom neurussischen Standpunkt waren die Ukrainer auch Teil der “russischen Kultur” (im Gegensatz zum Staat oder Nationalität), wenn auch mit anderem Akzent und anderer Geschichte. Die Ukrainer bestanden darauf, eine andere Nation zu sein, wenn auch eine mit starken Bindungen an die “russische kulturelle Sphäre”.

Sowohl während des Besler als auch des Mosgowoi Interviews wurde die Frage der Gefangenen behandelt. Beide Seiten berichteten, dass ihre Leute misshandelt und sogar gefoltert wurden während sie in Gefangenschaft waren. Interessanterweise waren während des Besler-Interviews zwei ukrainische Offizielle dabei, ein Menschenrechtsaktivist und einer, der das ukrainische Verteidigungsministerium in der Frage der Kriegsgefangenen vertrat. Beide gaben bereitwillig zu, dass Besler die ukrainischen Gefangenen überhaupt nicht als Gefangene behandelte, sondern wie Gäste: sie konnten frei umherlaufen, aßen und schliefen zusammen mit Beslers Leuten, wurden freundlich und gütig behandelt. In einem Fall bekam er sogar roten Kaviar! Aber derselbe Besler hat offen zugegeben dass “wir keine Gefangenen von den Nazi-Todesschwadronen nehmen”, und gab zu was ich oft gesagt habe: Die russische Freundlichkeit und Großzügigkeit gegenüber ukrainischen Kriegsgefangenen betrifft nur reguläre Armeeeinheiten – Mitglieder der Todesschwadronen werden sofort exekutiert.

Es gibt hunderte kleiner Momente und Wortwechsel von denen ich wünsche ich könnte sie weitergeben, aber das nimmt zu viel Raum und Zeit ein. Was ich sagen will, ist, dass es beeindruckend war, Feinde miteinander reden zu sehen, und das in einer sehr freundlichen Art. Ich was auch beeindruckt zu sehen, wie bereitwillig die Ukrainer zustimmten, dass die Ukraine sich von Nazis und Oligarchen befreien muss. An mehreren Stellen sagten Leute auf beiden Seiten “machen wir das doch zusammen”. Andere waren unsicherer. Offen gesagt bin ich extrem beeindruckt vom Mut und Anstand vieler der Ukrainer in diesen Interviews, die, während sie die territoriale Integrität der Ukraine verteidigten, ziemlich offen sagten, wie sehr sie die Nazis und die Oligarchen hassen. Ich hoffe Gott beschützt diese Männer für ihren Mut.

Sowohl Besler als auch Mosgowoi sahen sehr sehr gut aus. Letztere hat mich besonders verwundert, indem er explizit sagte, dass sein Ziel Regimewechsel in Kiew sein und nicht einfach nur die Abspaltung Neurusslands, was er eindeutig nur als zeitweilige Lösung und notwendige Selbstverteidigungsmaßnahme ansieht. Sowohl Besler wie Mosgowoi sind vor allem Anti-Nazis, und beide sehen keine “neurussische Lösung”. Mosgowoi sagte ganz explizit, dass er denkt, dass beide Seiten zusammen leben könnten, wenn die Ukrainer ihre Nazis und Oligarchen vertreiben.

Während ich immer gesagt habe, dass die einzige mögliche stabile Lösung der Krise eine Entnazifizierung der Ukraine und eine Konvertierung des aktuellen Banderastan in eine “geistig gesunde” Ukraine, bin ich nicht naiv und sehe auch, dass dies eine Dekade oder mehr braucht. Trotzdem, wie Mosgowoi und seine ukrainischen Gegenüber darüber übereinstimmen, dass die Ukraine entnazifiziert und entoligarchisiert (ist das deutsch?) werden muss, zeigt mir dass es Hoffnung gibt, weil die Grundlage des Ganzen folgendes ist: Beide Seiten haben sehr viel mehr gemeinsam als was sie trennt!

Nochmal, dies waren reguläre Ukrainer, keine Verrückten aus den Nazi-Todesschwadronen, das ist klar. Und beide Seiten unterscheiden ist in fundamentalen Fragen. Das sehe ich auch. Aber ich sehe auch, dass es eine Basis gibt, ein gemeinsames Minimum, um zu verhandeln. Dies muss kein Vernichtungskrieg werden.

Die Ukraine wie wir sie kennen ist tot. Nun haben wir die Krim und Neurussland, die für immer gegangen sind, und eine Rumpfukraine, die ich “Banderastan” nenne, die von der CIA, die Ukie-Nazis und Oligarchen okkupiert ist. Meine Hoffnung ist, dass, so wie der ukrainische Bürgerkrieg zu einem Krieg für die Selbstbestimmung und Befreiung von Neurussland geworden ist, der Kampf für die Selbstbestimmung und Befreiung von Neurussland zu einem Kampf für die Befreiung von Banderastan von seinen US/Nazi/Oligarch-Okkupanten wird. Wenn das passiert, und eine neue Ukraine entsteht, dann habe ich keine Zweifel, dass das Volk der Ukraine damit einverstanden sein wird, dass jede Region das Recht auf Selbstbestimmung hat, welches von kulturellen Rechten bis zur vollen Abspaltung reicht. Erst dann wird man wirklich herausfinden, welche Gebiete bleiben wollen und welche für immer gehen wollen.

In der Zwischenzeit bin ich positiv beeindruckt von den neurussischen Feldkommandeuren. Besler und Mosgowoi natürlich, aber auch Givi, Motorola, Sachartschenko, Kononow und die anderen sind alle starke Figuren, fähig zu kämpfen wie auch zu reden. Strelkow ist immer noch in einem politischen Niemandsland, und ich bin sehr besorgt über seine Nähe zum Blogger el-Murid, der eindeutig ein Sprachrohr der Hurrapatrioten und Putinhasser ist, die vom Imperium benutzt werden um Putin zu diskreditieren. Die inneren politischen Kämpfe zwischen den neurussischen Führern laufen weiter, und es gibt weiterhin keinen eindeutigen Führer. Es ist zu hoffen, dass die kommenden Wahlen helfen werden, diese Fragen zu lösen.

Der Saker