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Wetter-"Dienst"

Wilfried Bohner misst jeden Millimeter Regen

19.03.2009 | 22:00 Uhr

Hesselbach. „Heute Nacht hatten wir minus sechs Grad. Vom zweiten Weihnachtstag bis Anfang März hat es keine einzige frostfreie Nacht gegeben”, weiß Wilfried Bohner zu berichten.

Auf diese Auskunft kann man sich hundertprozentig verlassen, denn über Niederschlagsmengen und nächtliche Tiefsttemperaturen führt der 67-Jährige seit 25 Jahren ganz genau Buch - im Auftrag des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Die Niederschlagsstation im Garten der Bohners in der Kleinen Aue in Hesselbach sieht unspektakulär aus: eine Art große Blechdose, in der Regenwasser oder Schnee aufgefangen werden und knapp über dem Boden ein großes Thermometer, mit einer Blechabdeckung vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt. Am Zaun lehnt ein Schneebrett aus Holz. Das wird im Winter benutzt, um die Schneehöhe von einer geraden Unterlage aus korrekt messen zu können. Für Wilfried Bohner gab es da in diesem Winter viel zu messen. Höchster Wert noch im Februar: 32 Zentimeter.

Was jetzt noch weiß ist in Hesselbach ist nur der Kunstschnee auf dem Skihang, klärt der Wetterbeobachter seinen Besucher auf, der am Donnerstag aus Essen ins Wittgensteiner Land gereist war. Uwe Milenk, stellv. Leiter der Regionalen Messnetzgruppe des DWD, hatte eine Plakette und eine Urkunde im Gepäck, mit der Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee Wilfried Bohners langjährigen Einsatz würdigt. Das eigentliche „Dienstjubiläum” liegt schon einige Monate zurück. Im August 2008 hatte der Hesselbacher die 25 Jahre als Wetterbeobachter voll gemacht.

„Das ist ein Ehrenamt”, stellt Uwe Milenk klar. „Wir haben manchmal Interessenten, die als erstes fragen, was sie dabei verdienen. Dann wissen wir schon: Das sind nicht die Richtigen.” Gefragt sind vielmehr Interesse am Wettergeschehen, Liebe zur Natur und vor allem außerordentliche Zuverlässigkeit. Denn die tägliche Messung ist das A und O bei der Wetterbeobachtung. Jeden Morgen um zehn vor sieben im Winter bzw. um zehn vor acht bei Sommerzeit geht Wilfried Bohner in den Garten und schaut nach, wieviel Niederschlagswasser sich in dem Auffangbehälter gesammelt hat. Ca. 160 Badewannen voll waren das im letzten Vierteljahrhundert, hat Uwe Minlenk zusammengerechnet.

„Als ich noch jeden Tag zur Arbeit musste, hat das auch oft meine Frau gemacht”, erzählt der Rentner. Aber dass bei den Bohners niemand zu Hause war, ist in all den Jahren fast nie vorgekommen. „Wir hatten ja früher auch Landwirtschaft.”

Bis ins Jahr 1891 geht die Geschichte der systematischen Wetterbeobachtung in Laasphe zurück. Und bis auf einige Monate im Kriegsjahr 1945 wurden die Daten lückenlos aufgezeichnet. Als Wilfried Bohner sein Ehrenamt 1983 übernahm, wurde die Niederschlagsstation von der Kernstadt nach Hesselbach verlegt.

In ganz Deutschland betreibt der Deutsche Wetterdienst ein flächendeckendes Mess- und Beobachtungsnetz mit knapp 2600 Wetter- und Niederschlagsstationen, die technisch unterschiedlich ausgestattet sind. Etwa 2500 davon werden von engagierten Bürgerinnen und Bürgern betreut.

Die Daten, die Wilfried Bohner aufzeichnet, schickt er einmal im Monat nach Essen. Dort werden sie von Klimatologen ausgewertet, die u.a. Gutachten für Behörden, Baufirmen oder Versicherungen erstellen. Außerdem erfolgt ein Abgleich mit Daten, die mit anderen Methoden gemessen wurden, beispielsweise mit dem Regenradar. Für aktuelle Wettervorhersagen werden die Messwerte aus Hesselbach nicht herangezogen. Aber eine Vorhersage ist dennoch möglich: Morgen früh um zehn vor sieben wird Wilfried Bohner wieder nachschauen, ob's geregnet hat und wie kalt die Nacht war.

Von Karin Masannek

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Wilfried Bohner misst jeden Millimeter Regen
Wilfried Bohner misst jeden Millimeter Regen
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2009-03-19 22:00
Nachrichten aus Bad Berleburg, Bad Laasphe und Erndtebrück