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Schwangerschaftsdiabetes: Blutzuckermessungen jeden zweiten Tag sind wahrscheinlich ausreichend

Verfasser: Johann Steurer,

Frage:

Auswirkung auf das Geburtsgewicht von vier Blutzuckermessungen jeden oder jeden zweiten Tag bei Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes?

Hintergrund:

Die Prävalenz des Schwangerschaftsdiabetes – Diabetes, der während der Schwangerschaft auftritt oder erkannt wird – nimmt zu und liegt in verschiedenen Regionen der Welt über 10%. Wegen der negativen Konsequenzen für das Kind und die Mutter wird eine strenge Überwachung und Therapie der Blutzuckerwerte empfohlen. Unklar ist, nach Angabe der Experten, wie oft der Blutzucker gemessen werden soll. Empfohlen werden derzeit 4 Messungen pro Tag; einmal nüchtern und dann jeweils 2 Stunden nach dem Frühstück, dem Mittag- und Abendessen. Diese Messungen werden nicht nur bei Frauen, die mit Insulin behandelt werden, empfohlen, sondern bei allen. Da die Einhaltung dieser Empfehlungen mit so viel Messungen aufwendig ist, stellt sich die Frage, ob Messungen jeden zweiten Tag auch ausreichen würden, d.h. zu den gleichen Ergebnissen (Geburtsgewicht der Kinder) führen wie die täglichen Messungen.

Einschlusskriterien:

  • Frauen mit Einlingsschwangerschaft; Diagnose eines Gestationsdiabetes zwischen der 20 und 32. Schwangerschaftswoche (nach den Kriterien des American College of Obstetricians and Gynecologists)
  • Mindestens 20% der empfohlenen täglichen 4 Messungen in der Woche vor dem definitiven Einschluss in die Studie durchgeführt.
  • Patienten, die aufgrund der Ergebnisse der Blutzuckermessungen in der Woche vor dem definitiven Einschluss in die Studie keine medikamentöse Therapie (Glyburide, Insulin) benötigten (nach den Kriterien des Colleges)

Ausschlusskriterien:

  • Diabetes schon vor der Schwangerschaft bekannt
  • Fetale Anomalien
  • Steroidtherapie

Studiendesign und Methode:

Randomisierte Studie, Non-Inferioritätsstudie

Studienort:

5 Universitäre Spitäler in USA

Interventionen:

  • Gruppe 1: Täglich 4 Blutzuckermessungen (nüchtern und jeweils 2 Stunden nach den Hauptmahlzeiten)
  • Gruppe 2: Jeden zweiten Tag 4 Blutzuckermessungen (nüchtern und jeweils 2 Stunden nach den Hauptmahlzeiten)

Outcome:

Primärer Outcome

  • Unterschied im Geburtsgewicht

Sekundäre Outcomes

  • Prävalenz von Makrosomie
  • Anzahl an Blutzuckermessungen (Compliance)
  • Geburtstraumen

Resultat:

  • 293 Frauen wurden in die Studie eingeschlossen und randomisiert.
  • Das mittlere Alter lag bei 30 Jahren, 70% der Frauen in beiden Gruppen hatten einen BMI grösser als 30, 10% waren Raucherinnen.
  • Die Rate an Frauen, die im Verlauf eine medikamentöse Therapie benötigte, war in beiden Gruppen ähnlich (27% in der Gruppe mit den Messungen jeden zweiten Tag und 19% in der anderen Gruppe; Unterschied ist statistisch nicht signifikant).
  • Die Compliance – Anzahl der Blutzuckermessungen – war in beiden Gruppe sehr hoch (etwa 90%); in der Gruppe mit Messungen jeden zweiten Tag ein bisschen besser als in der anderen Gruppe.
  • Das Geburtsgewicht war in beiden Gruppen praktisch identisch; in der Gruppe mit täglichen Messungen war das mittlere Geburtsgewicht 41 g tiefer als in der Gruppe mit Messungen jeden zweiten Tag (Unterschied ist statistisch nicht signifikant).
  • Die Rate an Kindern mit Makrosomie war in beiden Gruppen ähnlich.

Kommentar:

  • Nach den Empfehlungen der Fachgesellschaft ist eine strikte Überwachung der Blutzuckerwerte bei Frauen mit einem Gestationsdiabetes angezeigt. Nach den Ergebnissen dieser Studie kann bei einem ausgewählten Kollektiv von Frauen von täglichen Messungen (4 pro Tag) auf einen zweitäglichen Rhythmus mit vier Messungen pro Tag umgestellt werden. Dadurch entstehen keine Nachteile für das Kind und die Mutter.

Literatur:

Mendez-Figueroa H et al. Gestational Diabetes Mellitus and Frequency of Blood Glucoe Monitoring. A Randomized Controlled Trial. Obstet Gynecol 2017; 130: 163-170