Aber sein Gründer verlor den letzten Heller

Der erste Tierpark entstand in Hörn

Die Quizfrage 2 des "Hagenbeck- Würfelspiels" in der Weihnachtsausgabe des Hamburger Abendblatts hat in vielen Familien und Schulklassen Debatten ausgelöst. Die Frage: Wo lag Hamburgs erster Zoo? Viele tippten auf den 1863 bis 1930 am Dammtor gelegenen Zoo, andere auf Carl Hagenbecks Tierpark, der, 1874 am Neuen Pferdemarkt 13 gegründet, seit 1907 in Stellingen liegt. Doch der erste Zoo eröffnete bereits 1841 seine Pforten in Hörn.

Mit den Bassonschen Pferdeomnibussen und Gespannen, beritten und zu

Fuß, strömten die Hamburger am Pfingstsonntag des Jahres 1841 hinaus nach Hörn. Beim Gartenlokal "Zum letzten Heller" hatte der ehemalige Menagerist Schädel Heinrich Berg aus Rußland nach dem Muster von Wien und Paris einen "Thiergarten" errichtet.

Das über zwei Hektar große Gelände erstreckte sich entlang des Weges zur Blauen Brücke bis zur Bille. Es gab unter anderem Panther, Jaguare, Baren, Hyänen und Wölfe zu sehen.

Bei J.J.S. Wörmer am Pferdemarkt 7 hatte Direktor Berg sich einen 16seitigen "Führer durch den Zoologischen oder Thiergarten" drucken lassen, der den 60 Arten umfassenden Tierbestand erläuterte. Ein kolorierter Plan zeigte die Anordnung der Gehege. Der Eintrittspreis betrug acht Schillinge. Der Besuch war anfangs vielversprechend. Aber dann erwies sich "Der letzte Heller" als böses Omen: Ein Jahr nach der Eröffnung wütete in Hamburg der große Branä. Eine Teuerung war die Folge, immer weniger Hamburger fanden den Weg zu Bergs Thiergarten. 1845 mußte er ihn schließen. Einige Jahre betrieb Berg noch die am Eingang gelegene Gaststätte, dann hatte er auch sein letztes Geld verloren und zog enttäuscht in seine Heimat Rußland zurück.

Dem Gastwirt E.C. Stockmeyer gelang es später, die Hamburger wieder in die Gegend zu locken, als er in seinem Etablissement "Horner Park" Volksbelustigungen wie Veloziped-Rennen und die damals sensationellen Ballonaufstiege veranstaltete.

Heute erinnert nur noch die Straße "Letzter Heller" an diese Vergangenheit. Die Heimatforscher streiten sich, ob damit der letzte der Heller (Fischteiche) gemeint ist, die zwischen der Horner Landstraße und der Bille lagen, oder der letzte Heller an die Geldstücke erinnert, die die Reisenden hier am Schlagbaum zwischen Preußen und Hamburg im Grenzkrug zu verjubeln pflegten.

Die alte Gaststätte "Zum letzten Heller" an der Horner Landstraße 344 führt ihre Tradition auf den Grenzkrug zurück. Eine zweite Gaststätte gleichen Namens an der Walddörferstraße in Wandsbek hat nichts damit zu tun. Der Wirt heißt lediglich ? Heller. GUNTER NIEMEYER

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