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Scherzgedicht vom sauersüßen Ehestand
Die Bienlein Honig han, damit sie uns ergötzen,
ein Stachel sie auch han, damit sie uns verletzen;
darum das Bienlein ist ein sauersüßes Tier,
wer sich vorm Stachel fürcht, kein Honig find er hier.
Ein solches Bienlein ist der heilig Stand der Ehe,
da find sich Honigfreud, da find sich Sorg und Wehe:
Dies Bienlein sauersüß von Freud und Sorg gemacht,
Herr Bräutigam und Braut, dies sag ich euch, habt acht!
aus dem Jahr 1646
Hochzeitslied
Lachen jetzt der Sonne Wangen
durch die Luft uns freundlich zu,
liegt des Westwinds Sturm gefangen,
ist die stolze See in Ruh,
zeigen sich die Felder gütig,
stehn die Saaten übermütig,
denket, ob es lang auch hin,
daß die Zier der Luft und Erden
soll nur Leid und Trauer werden
durch des Herbstes Eigensinn.
Warum soll man nun versäumen,
was die liebe Zeit uns gönnt?
Trollt euch, die ihr nichts als träumen,
nichts als sauer sehen könnt.
Laß uns wo in einem Garten
unsers frischen Leibes warten,
oder um der Bäche Rand
in ein weiches Gras uns strecken,
wo die Rosen uns bedecken
vor der heißen Sonne Brand.
Jungen, gebt das Flaschenfutter!
Ei, nicht dieses, dort den Wein!
Sagts beileibe nicht der Mutter,
daß wir jetzt und fröhlich sein.
Weht, ihr Winde, weht und kühlet,
ihr, scherzhaften Quellen, spielet,
gluckert hin auf euren Zweck,
keine Rückfahrt könnt ihr halten,
wenn auch wir einmal erkalten,
sind und bleiben wir schon weg.
Komm, du meiner Seele Leben,
du, mein Trost, den Gott mir schenkt!
Komm, du kannst vollauf mir geben
alles, was mein Herz gedenkt.
Weil wir ja dann mit den Jahren
hin zum Tode müssen fahren,
laß es einfach dann geschehen,
wenn wir uns und unsern Namen
in gewünschtem Heiratsrahmen
nur zuvor erstattet sehn.
von Simon Dach,
1638
Brautlied
E r.
Kommt hervor aus euren Kemenaten,
Brüder, ratet mir! Ich möchte gerne freien."
Fragst du viel, so bist du schlecht beraten;
schau nur selbst herum und da und dort hinein!
Findest du sie still zu Haus
und tätig und verständig,
richte nur den Hochzeitsschmaus:
Der Tanz ist gleich lebendig.
S i e.
Kommt herein, ihr lieben Nachbarinnen,
Schwestern, ratet mir! man wirbt um meine Hand!"
Fragst du viel, du wirst nicht viel gewinnen;
um dich selbst verschlingt sich ja das Band.
Ob er dir gefallen kann?
Die Augen mußt du fragen.
Obs ein braver, guter Mann?
Das muß das Herz dir sagen.
B e i d e.
Einig sind die Zwei, die sich gefunden!
Lebt nun wohl! Ins Leben geht es fort."
Fließen doch für euch nun andre Stunden;
euch gehört von nun an jeder Ort.
Hand in Hand, wie dieses Paar,
wollen wir das Fest genießen;
fröhlich jauchze die ganze Schar
und stampfe mit den Füßen!
von Johann Wolfgang
von Goethe, 1749 - 1832
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