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An ihrem Wiegenfeste
Komm, schöner Tag! Mit hohen, heilgen Worten
begrüß ich jetzt dein süßes Rosenlicht.
Erhebe aus des Morgens goldnen Pforten
mit stiller Lust dein glühend Angesicht!
Dir rauscht mein Lied in heiligen Akkorden,
und nennts, was tief in meiner Seele spricht:
Umstrahle dich ein volles üppges Leben!
Du hast die Süße, Holde mir gegeben,
die mit der Liebe sanften Harmonien,
mit zarter Luft mein kühnes Herz gefüllt,
der alle meine schönsten Wünsche blühen,
die in der Seele jeden Sturm gestillt! -
Ach, alle Strahlen, die die Brust durchziehen,
vereinen sich zu einem süßen Bild;
mit leisem Hauch, wie Aeolsharfentöne,
formt es sich glühend zur lebendgen Schöne.
Und jetzt zu ihres Werdens Feierstunde,
jetzt glüht in mir des höchsten Lebens Strahl!
Wohl flüstert mirs mit leisem Geistermunde:
Sieh, das ist deiner Träume Ideal! -
Da wogt die Brust, berauscht im heilgen Bunde,
die Liebe läßt dem Herzen keine Wahl,
in seine tiefsten Tiefen muß sie dringen,
und reißt es fort auf stolzen Adlerschwingen.
In meiner Seele Nacht beginnts zu tagen,
den Gott fühl ich, der in der Brust sich regt.
Es tobt in mir, ich muß das Ziel erjagen,
das glühend mich in ihre Arme trägt.
Das Höchste kann ich kühn und mutig wagen;
ich fühls, daß mir ihr Herz entgegen schlägt!
Nur wo zwei Herzen liebend sich verbündet,
da wird der Himmel auf der Welt begründet.
von Theodor
Körner, 1791 - 1813
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