|
|
|
Hochzeitsverse ( Gedicht zur Hochzeit ): Die auf dieser Seite
aufbereiteten Hochzeitsgedichte entstammen den letzten 400 Jahren. Die Verse
wurden antiquarischen Büchern entnommen. Die Sammlung wird fortlaufend
ergänzt.
[ Navigation: Hochzeit / Leseansicht - Seite 2 - hochzeitsverse.htm ]
|
| |
Zur Hochzeit
Was das für ein Gezwitscher ist!
Durchs Blau die Schwalben zucken
und schrein: Sie haben sich geküßt!",
vom Baum Rotkehlchen gucken.
Der Storch stolziert von Bein zu Bein;
Da muß ich fischen gehen -
der Abend wie im Traum darein
schaut von den stillen Höhen.
Und wie im Traume von den Höhen
seh ich Nachts meiner Liebsten Haus,
die Wolken darüber gehen
und löschen die Sterne aus.
von Joseph Freiherr
von Eichendorff, 1788 - 1857
Brautgesang
Das Haus benedei ich und preis es laut,
das empfangen hat eine liebliche Braut;
zum Garten muß es erblühen.
Aus dem Brautgemach tritt eine herrliche Sonn;
wie Nachtigalln lockt die Flöte,
die Tische wuchern wie Beete,
und es springet des Weines goldener Bronn.
Die Frauen erglühen
zu Lilien und Rosen;
wie die Lüfte, die losen
die durch Blumen ziehen,
rauschet das Küssen und Kosen.
von Ludwig Uhland,
1787 - 1862
Brautnacht
Im Schlafgemach, entfernt vom Feste,
sitzt Amor dir getreu und bebt,
daß nicht die List mutwillger Gäste
des Brautbetts Frieden untergräbt.
Es blinkt mit mystisch heilgem Schimmer
vor ihm der Flammen blasses Gold;
ein Weihrauchswirbel füllt das Zimmer,
damit ihr recht genießen sollt.
Wie schlägt dein Herz beim Schlag der Stunde,
der deiner Gäste Lärm verjagt;
wie glühst du nach dem schönen Munde,
der bald verstummt und nichts versagt!
Du eilst, um alles zu vollenden,
mit ihr ins Heiligtum hinein;
das Feuer in des Wächters Händen
wird, wie ein Nachtlicht, still und klein.
Wie bebt vor deiner Küsse Menge
ihr Busen und ihr voll Gesicht!
Zum Zittern wird nun ihre Strenge,
denn deine Kühnheit wird zur Pflicht.
Schnell hilft dir Amor sie entkleiden,
und ist nicht halb so schnell, als du;
dann hält er schalkhaft und bescheiden
sich fest die beiden Augen zu.
von Johann Wolfgang
von Goethe, 1749 - 1832
|
|
|