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Andenken
Dein Bildnis wunderselig
hab ich im Herzensgrund,
das sieht so frisch und fröhlich
mich an zu jeder Stund.
Mein Herz still in sich singet
ein altes, schönes Lied,
das in die Luft sich schwinget
und zu dir eilig zieht.
von Joseph Freiherr
von Eichendorff, 1788 - 1857
Der Blumenstrauß
Wenn Sträußchen, Blumen manche Deutung eigen,
wenn in den Rosen Liebe sich entzündet,
Vergißmeinnicht im Namen schon sich kündet,
Lorbeere Ruhm, Zypressen Trauer zeigen;
wenn, wo die andern Zeichen alle schweigen,
man doch in Farben zarten Sinn ergründet,
wenn Stolz und Neid dem Gelben sich verbündet,
wenn Hoffnung flattert in den grünen Zweigen:
So brach ich wohl mit Grund in meinem Garten
die Blumen aller Farben, aller Arten
und bring sie dir, zu wildem Strauß gereihet.
Dir ist ja meine Lust, mein Hoffen, Leiden,
mein Lieben, meine Treu, mein Ruhm, mein Neiden,
dir ist mein Leben, dir mein Tod geweihet.
von Ludwig Uhland,
1787 - 1862
Blumengruß
Der Strauß, den ich gepflücket,
grüße dich viel tausendmal!
Ich hab mich oft gebücket,
ach, wohl ein tausendmal;
und ihn ans Herz gedrücket;
wie hunderttausendmal!
von Johann Wolfgang
von Goethe, 1749 - 1832
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