Gedanken zum Muttertag
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Sie ist
ich und ich bin sie...
Wenn ich morgens unausgeschlafen in den
Spiegel schaue, erschrecke ich. Ob ich es akzeptiere oder nicht - ich
sehe meiner Mutter immer ähnlicher. Das wäre
für die Öffentlichkeit nicht weiter schlimm. Denn so
hässlich sind oder waren wir beide nicht.
Nur ich wollte das nie.
Heute denke ich, sie hatte den gleichen Gedanken, als sie mir bei einem
gemeinsamen Ostsee-Urlaub ständig in den Ohren lag, ich solle
mich schminken. Sie kannte seit Jahrzehnten nur mein
Ausgeh-Besuchs-Gesicht. Damals wunderte ich mich - weil sie sich selbst
nie schminkte - und ging aus Protest ungeschminkt mit ihr einkaufen.
Um sie mir heute aus dem Gesicht zu schminken, müsste ich
schon tief in den Farbtopf greifen.
Manche Menschen behaupteten schon vor Jahren, wir sähen uns
sehr ähnlich. Was ich damals nicht sah oder sehen wollte.
Aber damals kannte ich mich noch nicht...
© Karin Rohner, 23. April 2006
Muttertagsgedichte, eigene und
von Freunden
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Der Schmuck der Mutter
Gasel
von Friedrich Rückert
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Mensch, es ist der Schöpfung Pracht
nicht für dich allein gemacht.
Einen Teil hat sich zur Lust
die Natur hervorgebracht.
Darum singt die Nachtigall,
wo du schlummerst in der Nacht.
Und die schönste Blume blüht,
eh des Tages Aug erwacht.
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Und der schönste Schmetterling
fliegt, wo niemand sein hat Acht.
Perle ruht im Meeresschoß,
und der Edelstein im Schacht.
Kind, da reichlich Aug und Ohr
dir mit Fülle ist bedacht,
gönn der Mutter etwas auch,
das sie zum Geschmeid sich macht.
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