| |
Vom Christkind
Denkt euch - ich habe das Christkind gesehn!
Es kam aus dem Walde, das Mützchen voll Schnee,
mit gefrorenem Näschen.
Die kleinen Hände taten ihm weh;
denn es trug einen Sack, der war gar schwer,
schleppte und polterte hinter ihm her -
Was drin war, möchtet ihr wissen?
Ihr Naseweise, ihr Schelmenpack -
meint ihr, er wäre offen, der Sack?
Zugebunden bis obenhin!
Doch war gewiß was Schönes drin;
es roch so nach Äpfeln und Nüssen!
von Anna Ritter
Rauhreif vor Weihnachten
Das Christkind ist durch den Wald gegangen,
sein Schleier blieb an den Zweigen hangen,
das fror er fest in der Winterluft
und glänzt heut morgen wie lauter Duft.
Ich gehe still durch des Christkinds Garten,
im Herzen regt sich ein süß Erwarten:
Ist schon die Erde so reich bedacht,
was hat es mir da erst mitgebracht!
von Anna Ritter
Weihnachtslegende
Christkind kam in den Winterwald,
der Schnee war weiß, der Schnee war kalt.
Doch als das heilge Kind erschien,
fings an, im Winterwald zu blühn.
Christkindlein trat zum Apfelbaum,
erweckt ihn aus dem Wintertraum -
Schenk Äpfel süß, schenk Äpfel zart,
schenk Äpfel mir von aller Art!"
Der Apfelbaum, er rüttelt sich,
der Apfelbaum, er schüttelt sich.
Da regnets Äpfel ringsumher;
Christkindleins Taschen wurden schwer.
Die süßen Früchte alle nahms,
und also zu den Menschen kams.
Nun, holde Mäulchen, kommt verzehrt,
was euch Christkindlein hat beschert!
von Ernst von
Wildenbruch
|