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Seite: Weihnachtsgeschichten

Weihnachtsgeschichten (1)

  



Als ich Christtagsfreude holen ging

In meinem zwölften Lebensjahr wird es auch gewesen sein, als am Frühmorgen des heiligen Christabends mein Vater mich an der Schulter rüttelte: ich solle aufwachen und zu Besinnung kommen, er habe mir was zu sagen. Die Augen waren bald offen, aber die Besinnung! Als ich unter Mithilfe der Mutter angezogen war und bei der Frühsuppe saß, verlor sich die Schlaftrunkenheit allmählich, und nun sprach mein Vater: „Peter, jetzt höre, was ich dir sage. Da nimm meinen Stecken, denn es ist viel Schnee, und da nimm eine Laterne, denn der Pfad ist schlecht und die Stege vereist. Du mußt hinabgehen nach Langenwang.

( gesamte Weihnachtsgeschichte "Als ich Christtagsfreude holen ging" anzeigen)

von Peter Rosegger




Das vertauschte Weihnachtskind

Klein-Elsbeth war fünf Jahre alt und hatte es recht gut auf der Welt, denn erstens brauchte sie noch nicht in die Schule gehen, zweitens hatte sie in der schönen, großen Wohnung der Eltern ein eigenes Zimmerchen für sich, das voll niedlicher Möbel war, darunter ein Schrank ganz voll Spielsachen, und drittens hatte sie immer Unterhaltung, nämlich ein Fräulein, das immer bei ihr war und sich mit ihr beschäftigte, weil Papa meistens im Geschäft war und Mama viel schlafen und Besuche machen mußte. Wenn aber recht schönes Wetter war, durfte der Kutscher aufspannen, und dann fuhr sie mit Fräulein spazieren.

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von Victor Blüthgen




Chamäleon

Ein Weihnachtsmärchen.

An einem stürmischen, regnerischen Dezemberabend saß ein junger hübscher Mann in seiner kleinen Stube, und war eben damit fertig geworden, den Christbaum für seine zwei jüngeren, noch unmündigen Geschwister auszuschmücken.
Sinnend weilte sein Blick auf dem mit Streifen, Schlingen, Ketten und Körbchen aus farbigen Papier gezierten Bäumchen, an das er mit Bindfaden die bunten kleinen Sächelchen geheftet hatte, die er heimlich, wie er das ganze Werk betrieb, schon seit einer Woche eingekauft hatte.

( gesamtes Weihnachtsmärchen anzeigen)

von Moritz Barach, Ps. Dr. Märzroth




Jugenderinnerungen

Weil man in kleinen Städten bestrebt ist, alle inner’n häuslichen Verhältnisse zu erspähen, um sie unter der Bitte um Verschwiegenheit zum Gemeingut zu machen und zu besprechen, so wurde einerseits alles vermieden oder heimlich getan, was der Ehre des Hauses zu nahe treten und die Voraussetzung erzeugen konnte, daß der so anspruchslose arme Hausstand nur mit Entbehrungen, wie sie selbst seiner Anspruchslosigkeit nicht angemessen seien, durchgeführt werden könne, wie andererseits auch jede kleine Ausgabe verheimlicht wurde, die nicht unbedingt notwendig war, sei es die eines Groschen zu Obst oder Brezeln, oder früh zu einer Semmel zum Kaffee.

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von Ernst Rietschel










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