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Abendlied
von
Matthias Claudius
Der
Mond ist aufgegangen,
die
goldnen Sternlein prangen
am
Himmel hell und klar;
der
Wald steht schwarz und schweiget,
und
aus den Wiesen steiget
der
weiße Nebel wunderbar.
Wie
ist die Welt so stille
und
in der Dämmrung Hülle
so
traulich und so holt
als
eine stille Kammer,
wo
ihr des Tages Jammer
verschlafen
und vergessen sollt.
Seht
ihr den Mond dort stehen?
Er
ist nur halb zu sehen
und
ist doch rund und schön.
So
sind wohl manche Sachen,
die
wir getrost belachen,
weil
unsre Augen sie nicht sehn.
Wir
stolze Menschenkinder
sind
eitel arme Sünder
und
wissen gar nicht viel;
wir
spinnen Luftgespinste
und
suchen viele Künste
und
kommen weiter von dem Ziel.
Gott,
laß dein Heil uns schauen,
auf
nichts Vergänglichs bauen,
nicht
Eitelkeit uns freun!
Laß
uns einfältig werden
und
vor dir hier auf Erden
wie
Kinder fromm und fröhlich sein.
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Wollst
endlich sonder Grämen
aus
dieser Welt uns nehmen
durch
einen sanften Tod;
und
wenn du uns genommen,
laß
uns in Himmel kommen,
du
unser Herr und unser Gott.
So
legt euch denn, ihr Brüder,
in
Gottes Namen nieder;
kalt
ist der Abendhauch.
Verschon
uns, Gott, mit Strafen
und
laß uns ruhig schlafen
und
unsern kranken Nachbarn auch.
Christian
Morgenstern
Joachim
Ringelnatz
Wilhelm Busch
Oscar
Wilde
Kurt Tucholsky
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