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Herbstsonett
Auf den Fenstersimsen duften Rosen,
denen es an Dornen nicht gebricht.
Herbst wirft erste Schatten, letztes Licht
weilt, die müden Wangen zu liebkosen.
Ehe es hinabsinkt, dein Gesicht -
das in Wirklichkeit Erinnerung
an die Zeit, da unsre Tage jung
und so unbeschwert wie ein Gedicht -
möcht ich halten dich mit meinen Händen.
Doch den Weg zu dir verweht die Zeit.
Manchmal denke ich, die Träume enden
erst, wenn wir zum Abschied sind bereit.
Deine Liebesworte, einst Legenden,
atmen unerbittlich Endlichkeit.
©
Karin Rohner 2003
Lichtjahre
Auf meiner Seele tiefstem Grund
sind alle Farben dunkel.
Was nützt mir Sternenfunkel?
Singt auch nach außen froh mein Mund,
bleibt mir die Welt ein schwarzer Schlund,
den ich, zwar oft beklommen,
mutwillig hab durchschwommen.
Nicht ahnend, dass, was ich als bunt
und bildschirmmäßig aufbereitet,
für Menschenaugen ausgebreitet,
von Meisterhand dahingegossen,
dort oben hoch am Himmel fand,
nichts war als lauter blanker Tand -
Millionen Lichtjahr schon zerflossen.
©
Karin Rohner 2003
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vorbei
herbstgeflüster gleich
schweben sie empor
deine träume
segeln durch den raum
berühren meine lippen
streifen meinen scheitel
doch mein herz
erreichen sie nicht
träum du nur weiter
mein freund
auf meinem fenstersims
ist noch viel platz
© Karin Rohner 2001
Aus den XENIEN November/
Dezember 2001
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