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Augen-Blicke
Advents-Kulisse, der Tee noch zu
heiß, der Salat zäh wie Plastik.
Da kommt er, um die Vierzig,
dunkel, unsere Augen treffen
sich.
Zwei Tische weiter nimmt er
Platz, in Blickrichtung, der gleiche
Salat, dieser Zufall, wir lachen
uns an, über Köpfe hinweg,
zwischen zwei Bissen.
Lärm von der Straße. Kinder,
Transparente, Schwarz auf
Weiß, Sprechchöre.
Er denkt laut. Die sollte man alle
ins Arbeitslager stecken - und die
Eltern gleich mit - die wissen gar
nicht, wie gut sie es haben.
Es wird eng. Meine Tasche, der
Mantel, Schlängeln durch die
Reihen, die Blicke des Mannes,
meine Versuche, durch ihn hindurch
zu blicken. Und wir atmen die
selbe Luft. Auf der Straße. Autos, Menschen,
Regen. Demonstration vorüber.
Heute habe ich unter meiner Würde
geflirtet.
© Karin Rohner 2005
Veröffentlicht in "der literat"
Dezember 12/1991
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