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Oh Tannenbaum...
Oh Tannenbaum im dunklen Wald,
bald wirst du abgestutzt.
Doch freue dich, dann wirst du auch
gar herrlich aufgeputzt...
Das Lied mochte ich schon als Kind nicht.
Jedenfalls nicht diese Strophe.
Warum sollte sich eine Tanne freuen,
dass sie gefällt wird?
Keiner hat sie jemals gefragt.
Wird ihr einfach untergeschoben.
Als Gipfel der Anmaßung erschien mir
jedoch Rilkes Adventsgedicht.
Beginnt ganz friedlich. Mit Hirten,
getriebener Flockenherde.
Und dann kommt die Axt.
Wieder mal soll sie frohlocken, die Tanne.
Diesmal, dass sie fromm und lichterheilig wird.
Sie streckt den weißen Wegen die Zweige hin - bereit.
Komm, her, hack mich ab!
Bin dann zwar tot, aber heilig.
Ja, ja, ich habe auch einen Weihnachtsbaum.
Find seinen Anblick auch wunderschön.
Aber ich werde den Verdacht nicht los,
er wäre viel lieber drauß im Walde geblieben...
© Karin Rohner 2002
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