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I. Altgriechische Formen



Der Hexameter

(A. W. Schlegel)


           Gleichwie sich dem, der die See durchschifft, auf offener Meerhöh
    rings Horizont ausdehnt, und der Ausblick nirgend umschränkt ist,
    daß der umwölbende Himmel die Schar zahlloser Gestirne,
    bei hell atmender Luft, abspiegelt in bläulicher Tiefe:
    so auch trägt das Gemüt der Hexameter; ruhig umfassend
    nimmt er des Epos Olymp, das gewaltige Bild, in den Schoß auf
    kreißender Flut, urväterlich so den Geschlechtern der Rhythmen,
    wie vom Okeanus quellend, dem weit hinströmenden Herrscher,
    alle Gewässer auf Erden entrieselen oder entbrausen. -
    Wie oft Seefahrt kaum vorrückt, mühvolleres Rudern
    fortarbeitet das Schiff, dann plötzlich der Wog Abgründe
    Sturm aufwühlt, und den Kiel in den Wallungen schaukelnd dahinreißt:
    so kann ernst bald ruhn, bald flüchtiger wieder enteilen,
    bald, o wie kühn in dem Schwung! der Hexameter; immer sich selbst gleich,
    ob er zum Kampf des heroischen Lieds unermüdlich sich gürtet,
    oder der Weisheit voll Lehrsprüche den Hörenden einprägt,
    oder geselliger Hirten Idyllien lieblich umflüstert. -
           Heil dir, Pfleger Homers! Ehrwürdiger Mund der Orakel!
    Dein will ferner gedenken ich noch, und andern Gesanges.
 

(Wackernagel, Gedichte, 1845)


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