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Totenfrühling
Dem Andenken meiner Mutter
( Karl Henckell )
Gesponnen mit feuchten,
Segnenden Fingern
Hat nächtlich die Flurfee
Schimmernder Schleier
Lichtgrünes Gespinst.
Nun zittern die Zweige
Von zartem Gewebe,
Und über die schwarzen,
Saftschweren Äste
Fließt hauchzarter Flor . . .
Der Mord und Gemetzel
Lässt triefen auf Erden,
Der Krankheit und Kummer
Den Menschen verhängt -
Der Kronen zersplittert
Und Keime verschleudert,
Der ewige Weber
Webt bräutliche Zier.
Tod ist gekommen,
Teures genommen,
Liebende Herzen
Geschieden in Qual:
Nimmer sich freuen
Am sprießenden Neuen
Können die Toten,
Nimmer sich wärmen am sonnigen Strahl.
Allesdurchdringer,
Sprengst du den Zwinger,
Tauchst die verloschenen Augen in Licht?
Wandelst Begrabene,
Schwebend Erhabene -
Wir nur weinen und finden sie nicht? . . .
1864 - 1929
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