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Gedichte
zur Goldenen Hochzeit
Sammlung klassischer Gedichte zur Goldenen Hochzeit. Die Goldhochzeitsgedichte
entstammen antiquarischen Büchern. Seite 1 von 1
[goldhochzeit.htm]
Zur goldenen Hochzeit der Eltern
Des Lebens Pfad ist nicht ein Pfad der Wonne,
Wo Rosen uns die sanfte Freude streut,
Wo willig uns bei stillem Strahl der Sonne
Der junge West die kühlen Schwingen leiht,
Wo nur das Lied verjüngter Nachtigallen
Beblümte Hügel lieblich widerhallen.
Nein, selten sprießt auf diesen dürren Auen,
Wo leicht das unbeständ'ge Glück entflieht,
Wo Tränen nur auf öden Fluren tauen,
Ein Blümchen auf, das uns der Lenz erzieht,
Und tausend Mal, eh' wird dies Blümchen pflücken,
Wird es des rauen Sturmes Hand zerknicken.
Wer misst sie all' des Lebens Bitterkeiten,
Wer wiegt sein Leid mit reinen Freuden auf,
Wer hemmt den Strom beglückter Jugendzeiten,
Und wer beschwingt der Trauertage Lauf? -
Und wer vermag's, wenn Ungewitter dräuen,
Die schwarzen Wolkenheere zu zerstreuen?
Ein edles Herz, vereint mit meinem Herzen,
Dem seinen gleich, das keine Zukunft scheut,
Trägt still kein Los, trägt lächelnd keine Schmerzen,
Beglückt im Trost, den ihm die Liebe beut;
Denn wo die Zauber dieser Göttin walten,
Muss Winter selbst zum Frühling sich gestalten.
Wenn alles welkt, wird ihre Myrthe blühen.
Kein Sturm ertötet ihre Herrlichkeit,
Wenn alles flieht, so wird doch sie nicht fliehen,
Sie stirbt mit uns und eilt zur Ewigkeit.
Die Dankbarkeit wird noch nach fünfzig Lenzen
Ihr strahlend Bild mit frischen Blumen kränzen.
Ihr lehret uns durch Taten, teure Beide,
Ihr prägtet tief in uns're Herzen ein:
Es könne nur die tugendhafte Freude
Das schöne Los von edlen Seelen sein;
Ihr lehrtet uns gelassen ohne Klagen
Durch Zärtlichkeit die Schmerzen leichter tragen!
Ihr führtet uns zum fernen Jugendtempel,
Ihr sporntet stets auf uns'rer steilen Bahn,
Nicht bloß durch Lob, Ihr sporntet durch Exempel
Mit neuem Mut den lauen Eifer an. -
O habet Dank - habt Dank durch diese Zähren
Für Eure Lieb' und Eure guten Lehren!
Universal-Gratulant, 1845
Von einer Enkelin bei der goldenen Hochzeit ihre Großeltern
Der Geist der Zeit verlacht der Vorwelt Sitten,
Und höhnt die Schwestern oft in Ernst und Scherz.
Wohl ist er ihr in Künsten vorgeschritten,
Doch, was der Kopf gewann, verlor das Herz.
Die Selbstsucht hat sich an den Platz gedrungen,
Wo Biedersinn vor grauen Jahren stand.
Die Falsche spricht mit glatten Doppelzungen,
Und kein Vertrag ist ihr ein heilig Band.
Ruhm sei der Zeit, die Euch, ehrwürd'ge Gatten,
Zum Altar sah in Jugendschritten geh'n!
Was damals Hand und Mund gelobet hatten,
Das hielt das Herz so fest, wie Berge steh'n.
Es treten heut' ein halbes hundert Jahre
Als Zeugen auf und künden Euer Lob;
Sie sah'n, wie Euch zu einem Musterpaare
Ein selt'ner Bund von Tugenden erhob.
Ihr liebet Euch nicht in den Blütentagen
Der Jugend nur und auf des Glückes Bahn, -
Ihr schlosset stets in kummervollen Tagen
Noch inniger Euch an einander an.
Ihr lebtet ganz für Eure Söhn' und Töchter
Nicht kleinen Kreis, der um Euch her entstand.
Ihr waret uns'rer Wohlfahrt treue Wächter,
Und führtet uns zum Glück mit sanfter Hand.
Euch g'nügte streng im eigenen Entsagen
Ein mäßiges an Freuden armes Los,
Doch war für uns ein hoher Wurf zu wagen,
So schien fürwahr! kein Opfer Euch zu groß.
Ihr hättet selbst bei eines Notfalls Dringen,
Durch Heldentod das Leben und gewährt;
Dem Vogel gleich, der, wie die Dichter singen,
Mit Strömen seines Blut's die Jungen nährt.
Hoch steht Ihr nun auf Eures Alters Warte
Und blickt hinab in's tiefe Lebenstal:
Da liegt vor euch wie eine Länderkarte
All' Eurer Werke ruhmbekränzte Zahl.
O möchtet Ihr noch lang' hinunter schauen,
Von Enkelkindern jubelvoll umtanzt,
Hinunter in die hellen grünen Auen,
Wo die Erinnerung Euch Rosen pflanzt!
Wer so, wie Ihr, auf des Gewissens Waage
Stets wog und tat, was gut und rechtlich war
Dem bietet jeder Geist verlebter Tage
Der Seelenruh' balsam'sche Blumen dar.
Und Engel winden sie dereinst zu Kränzen,
Die kühlend sich um seine Schläfe zieh'n
Und oben, wo die ew'gen Sterne glänzen,
Um sein verjüngtes Haupt unsterblich blüh'n.
Universal-Gratulant, 1845
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