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Malu Dreyer : Kandidatin der Herzen

Malu Dreyer Ende September bei einer Rede im Mainzer Landtag. Bild: dpa

Böse Worte fallen in der SPD selten über „Malu“ Dreyer, die designierte Nachfolgerin Kurt Becks. Die 51 Jahre alte Politikerin will sich als Ministerpräsidentin vor allem einem Thema widmen: der sozialen Gerechtigkeit in einer schrumpfenden und alternden Gesellschaft.

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          Ihren offiziellen Namen Marie-Luise Dreyer sage man im Landtag nur alle fünf Jahre, frotzelte Kurt Beck liebevoll bei ihrer abermaligen Ernennung zur Ministerin im April 2011. In der SPD und ganz Rheinland-Pfalz ist die 51 Jahre alte Politikerin nur als Malu Dreyer bekannt. Die sanft klingende Koseform ihres Vornamens lässt  erahnen, dass sie in der Partei schon lange vor ihrer offiziellen Nominierung als Nachfolgerin Becks die „Kandidatin der Herzen“ ist. Auch in den anderen Parteien sind böse Worte oder Lästereien über die Juristin nicht bekannt.

          Thomas Holl

          Redakteur in der Politik.

          Die wie Beck in der Pfalz – nämlich in Neustadt an der Weinstraße – geborene Malu Dreyer zog es erst mit 34 Jahren in die Politik. Ursprünglich wollte sie Richterin am Bundesarbeitsgericht werden. Als sich diese Berufspläne zerschlugen, unternahm die Tochter eines Schuldirektors und einer Erzieherin 1992 erste Schritte in die Politik und wurde Mitarbeiterin des Wissenschaftlichen Dienstes des Landtags.

          Die gläubige Katholikin leidet seit 18 Jahren an multipler Sklerose. Immer mal wieder sieht man sie deshalb bei öffentlichen Auftritten im Rollstuhl.
          Die gläubige Katholikin leidet seit 18 Jahren an multipler Sklerose. Immer mal wieder sieht man sie deshalb bei öffentlichen Auftritten im Rollstuhl. : Bild: dapd

          Drei Jahre später folgte der Eintritt in die SPD. Wenige Monate zuvor war sie, im Mai 1995, als Parteilose zur hauptamtlichen Bürgermeisterin von Bad Kreuznach gewählt worden. 2002 entdeckte sie Kurt Beck als Nachfolgerin für seinen ehrgeizigen Sozialminister Florian Gerster, der als Chef in die Bundesagentur für Arbeit wechselte.

          Für Beck erwies sich die zupackende, warmherzige und leidenschaftlich für soziale Belange eintretende Malu Dreyer als Glücksfall. Bald galt sie als seine Lieblingsministerin und Wunschnachfolgerin. Nach dem Sieg der SPD bei der Landtagswahl im März 2006, bei der sich die gläubige Katholikin als Direktkandidatin in Trier deutlich gegen den damaligen CDU-Spitzenkandidaten Christoph Böhr durchsetzte, machte Malu Dreyer ihre Erkrankung öffentlich, um Spekulationen über ihren Gesundheitszustand zu verhindern.

          Seit 18 Jahren leidet sie an multipler Sklerose, einer chronisch entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystems. Durch ihre Erkrankung, die sie beim Gehen behindert, lässt sie sich in ihrer Arbeit als dienstälteste deutsche Gesundheitsministerin nicht einschränken. Auf einer Reise an der Spitze einer Delegation ins afrikanische Partnerland Ruanda sei sie überrascht gewesen, wie erstaunt die mitreisenden Journalisten auf ihre Leistungsfähigkeit reagiert hätten, sagt sie und lacht nach solchen Sätzen fröhlich.

          Wegen der Liebe zog sie 2004 von Mainz nach Trier. Dort ist ihr Mann Klaus Jensen seit 2006 Oberbürgermeister. Mit ihm und seinen drei Kindern aus erster Ehe lebt Malu Dreyer in einem „intergenerativen“ Wohnprojekt zusammen mit Bewohnern aller sozialer Schichten und Generationen, mit behinderten und nicht behinderten Menschen. „Es ist so schön, dass ich da leben kann.“

          Bei einer Trauerfeier sitzt Malu Dreyer (zweite von rechts) neben ihrem Mann Klaus Jensen (dritter von rechts). Ihr Mann ist Oberbürgermeister von Trier.
          Bei einer Trauerfeier sitzt Malu Dreyer (zweite von rechts) neben ihrem Mann Klaus Jensen (dritter von rechts). Ihr Mann ist Oberbürgermeister von Trier. : Bild: dapd

          Dreyer will diese Wohnform angesichts des in Rheinland-Pfalz besonders deutlichen demografischen Wandels flächendeckend fördern. So soll von 2013 an ihr Hauptthema als Ministerpräsidentin sein, wie die Politik sozial gerecht auf die Herausforderung einer schrumpfenden und älter werdenden Gesellschaft reagiert.

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