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Universität - Präsidialverwaltung

Jahresbericht des Präsidenten 1997

Dem Universitätskonzil erstattet am 6. Mai 1998

von

Jürgen Lüthje

Universität Hamburg

1997


MITTEILUNGEN DER UNIVERSITÄT HAMBURG NR. 44

Umfangreiche statistische Anhänge zu diesem Jahresbericht bilden die gesonderten Publikationen "Statistischer Bericht 1995" (erschienen Oktober 1997) und "Statistischer Bericht 1996/97" (erscheint Ende 1998)

(c) 1998 Selbstverlag der Universität Hamburg
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Telefax: +49-40-42838-2449

ISSN 0438-4717
ISSN 0172-6366


INHALTSVERZEICHNIS

0. EINLEITUNG

  1. HANDLUNGSSCHWERPUNKTE VON BESONDEREM GEWICHT

  2. EREIGNISSE UND STRUKTURELLE ÄNDERUNGEN VON BESONDERER BEDEUTUNG

  3. LEHRE, STUDIUM, WEITERBILDUNG

  4. FORSCHUNG UND FÖRDERUNG DES WISSENSCHAFTLICHEN NACHWUCHSES

  5. INTERNATIONALE HOCHSCHULBEZIEHUNGEN

  6. ENTWICKLUNGEN IM BAU- UND INVESTITIONSEREICH

  7. FINANZ-,ORGANISATIONS- UND IUK-ANGELEGENHEITEN

  8. PERSONALENTWICKLUNG

  9. ARBEITSSICHERHEIT, UMWELTSCHUTZ, BETRIEBSÄRZTLICHE BETREUUNG

  10. BERICHT DES UNIVERSITÄTSKRANKENHAUSES


EINLEITUNG

Polarisierung der Hochschulpolitik auf Bundesebene

Das Berichtsjahr 1997 wurde in der Hochschulpolitik auf Bundesebene durch die Diskussion über die Novellierung des Hochschulrahmengesetzes und über die Reform der Ausbildungsförderung bestimmt. An beiden Punkten sah es im Sommer 1997 so aus, als könnte über Differenzen zwischen den Parteien hinweg tatsächlich ein erster größerer Schritt notwendiger Hochschulreform getan werden. Daß es nicht gelungen ist, eine den Aktionsraum von Hochschulen öffnende und erweiternde Reform des Hochschulrahmengesetzes im Einvernehmen zu regeln, nimmt dieser Reform einen Teil ihrer Wirkung. Für die Ausbildungsförderung hat das Scheitern einer grundlegenden Reform die gravierende Konsequenz, daß der Anteil der Geförderten unter den Studierenden weiter abgesunken ist, in Hamburg inzwischen unter 15 % liegt, so daß nur noch jeder sechste Student oder jede sechste Studentin überhaupt Ausbildungsförderung bekommt. Und der Teil der Studentinnen und Studenten, die die volle Förderungssumme erhalten, einen Förderungshöchstbetrag, der nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt während eines Studiums zu finanzieren, ist inzwischen unter 10 % abgerutscht. Diese Zahlen belegen, daß eine grundlegende Reform der Ausbildungsförderung überfällig ist. Daß sie - auch aus wahltaktischen Gründen mit Blick auf die Bundestagswahl - nicht möglich war, ist ein Armutszeugnis der Hochschulpolitik und belegt die Tatsache, daß die Immobilität im deutschen Hochschulsystem weniger dem Mangel an Reformbereitschaft in den Hochschulen, sondern wesentlich stärker der Immobilität staatlicher Politik zu verdanken und von ihr zu verantworten ist. Daß die ursprünglich mögliche Verständigung zwischen Bund und Ländern dann in der Auseinandersetzung zwischen den Parteien blockiert wurde, ist schädlich für die Entwicklung des Hochschulsystems. Die Hochschulen können daraus nur die Konsequenz ziehen, die notwendigen Reformen in eigener Initiative und Zuständigkeit voranzutreiben.

Studentische Protestbewegung

Ein drittes wesentliches Element der hochschulpolitischen Gesamtsituation im Berichtsjahr sind die studentischen Proteste gegen die Verschlechterung der Studien- und Bildungsbedingungen und der sozialen Lebensverhältnisse. Diese Studentenproteste sind in eine Gummiwand politischer Sympatieerklärungen gelaufen. Die Erfahrung dieser Proteste ist wahrscheinlich das Erlebnis der Wirkungslosigkeit. Trotz dieser zunächst einmal wahrzunehmenden Wirkungslosigkeit haben die Proteste dazu gezwungen, sich mit politischen Entwicklungen, die den Hochschulbereich betreffen, intensiver und stärker auseinanderzusetzen. Sie haben aber zugleich eine politische Polarisierung bewirkt, die notwendige Reformen im Hochschulbereich nicht gefördert hat. Die Wirksamkeit dieser studentischen Proteste hat in dem Maße abgenommen, in dem sie den Gegenstand des Protestes erweitert haben, zumal sie nicht gleichzeitig geschafft haben, auch die Personengruppen mitzuaktivieren, für die diese studentischen Proteste eintraten. So entstand eine Situation, in der die zu Recht angesprochenen Probleme das Potential von Protest und Aktivität überfordert haben. Aus diesem Grund ist letztlich dieser studentische Protest ohne nachhaltige Wirkung ausgelaufen.

Fortsetzung der Sparpolitik

In Hamburg wie auch bundesweit hat das Berichtsjahr eine Fortsetzung einer Sparpolitik im Hochschulbereich gebracht, die nicht hochschulpolitisch oder bildungspolitisch, sondern ausschließlich finanzpolitisch begründet wurde und werden kann. Es besteht kein Zweifel darüber, daß in der Bundesrepublik das Hochschulsystem im internationalen Vergleich unterfinanziert ist und eine deutliche Verschiebung politischer Prioritäten zugunsten von Bildung und Wissenschaft erforderlich wäre. Wenn diese Prioritätenverschiebung dennoch nicht zustande kommt, dann deswegen, weil sich unterschiedliche Vorstellungen darüber, wie sie überhaupt zu erreichen und zu Lasten welcher anderen Aufgaben sie möglich wäre, blockiert haben. Diese Selbstblockade in der Prioritätenbildung ist das eigentliche Kernproblem der Bildungs- und Gesellschaftspolitik in der Bundesrepublik. In Hamburg hat sich diese Sparpolitik auch in den Koalitionsverhandlungen nach der Neuwahl der Bürgerschaft niedergeschlagen. Sie findet sich dort wieder in einer eindeutig finanzpolitisch begründeten Aussage, das Konsolidierungsprogramm im Haushaltsbereich fortführen zu müssen. Konkretisiert wird diese Vereinbarung durch den Beschluß des Senats zum Konsolidierungsprogramm II, der zusätzliche Einsparungen festlegt, allerdings zum ersten Mal in der Quotierung der Einsparungen den Hochschulbereich als Prioritätsbereich behandelt und im Personalsektor unterproportional beteiligt.

Verbesserungen trotz schwieriger Rahmenbedingungen

Die Koalitionsvereinbarungen enthalten im übrigen begrenzte Verbesserungen gegenüber der bisherigen Hamburger Hochschulpolitik, vor allem einen Berufungsfonds, der die Berufungsfähigkeit der Universität stärken und zugleich der Förderung der Berufung von Frauen und der Nachwuchsförderung dienen soll. Die Absicherung der geplanten Baumaßnahmen für die Universität durch die Koalititionsvereinbarung und damit die Tatsache, daß diese Baumaßnahmen zu den vereinbarten Zielen dieser Koalition erklärt worden sind, ist politisch höchst bedeutsam. Es ist wichtig, die Koalition an diese Bindung immer wieder zu erinnern. Mit einem Programm zur Verbesserung der Bibliotheksausstattungen und der Ausstattung mit Mitteln für Tutorien werden einzelne Bereiche der Universität positive Entwicklungsimpulse bekommen.

Besonders wichtig für die weitere Entwicklung der Universität Hamburg und der anderen Hamburger Hochschulen ist das Bemühen der Wissenschaftssenatorin, auf der Grundlage der Koalitionsvereinbarung im Einvernehmen mit der Finanzbehörde die Leistungsvereinbarungen mit den Hochschulen mit dem Versuch zu verbinden, den Hochschulen über drei Jahre hinweg eine mittelfristige Verläßlichkeit ihrer finanziellen Entwicklung zu garantieren. Der Akademische Senat hatte in seinem Beschluß zu den Empfehlungen der Externen Beratungsgruppe gerade die mittelfristige Verläßlichkeit der finanzpolitischen Vorgaben gefordert, weil nur auf dieser Grundlage überhaupt eine verläßliche Entwicklungsplanung der Universität möglich wäre.

Umsetzung der Empfehlungen der Externen Beratungskommission

Ein wesentlicher Strang der Entwicklung im Berichtsjahr waren die Versuche der Universität Hamburg, ihre eigene Entwicklung und strukturelle Neuordnung durch eine Vielfalt von Anstrengungen voranzubringen, die den Rahmen von Routine und Normalität verlassen und innovative Impulse in die Universität eingebracht haben. Daß die Universität nach Abschluß des externen Beratungsverfahrens die Empfehlungen der Externen Beratungskommission nicht nur zustimmend zur Kenntnis genommen hat, sondern sehr zügig und mit dem Willen zur Konsequenz umgesetzt hat, verdient Beachtung. Zwei Fachbereiche haben inzwischen die Einführung von Studienabschlußmöglichkeiten nach kürzerer Studienzeit beschlossen: die Informatik und der Fachbereich Sprachwissenschaft. Dies ist eine Erweiterung studentischer Entscheidungsmöglichkeiten und hat nichts mit zusätzlicher Reglementierung zu tun. Im Gegensatz zu manchen in der Bundesrepublik diskutierten Modellen für Kurzstudiengänge schränkt der Weg, den der Fachbereich Informatik gegangen ist, und der Weg, den der Fachbereich Sprachwissenschaft gehen will, die Möglichkeit des Weiterstudiums zum Diplom oder Magister und zur Promotion in keiner Weise ein. Die Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten der Studierenden werden um die Möglichkeit erweitert, sich für einen früheren Studienabschluß zu entscheiden, wenn ein früherer Eintritt in das Berufsleben der eigenen Lebensplanung mehr entspricht. Diese Entwicklung ist richtig, und es ist zu begrüßen, daß auch andere Fachbereiche die Empfehlung der Externen Beratungskommission umsetzen wollen. Die Empfehlung, der Forschung in der künftigen Entwicklung der Universität mehr Gewicht beizumessen, als dies in den zurückliegenden 20 Jahren der Fall war, hat die Universität in beeindruckender und zügiger Weise aufgenommen. Mit der Neubewilligung von vier Sonderforschungsbereichen innerhalb eines Jahres ist die Universität Hamburg im Berichtsjahr die erfolgreichste deutsche Universität in der Forschungsförderung gewesen. Auch in den nächsten Jahren wird sich die Universität Hamburg in der Bewilligung von Verbundforschungsvorhaben in der Spitzengruppe der deutschen Universitäten bewegen. Diese Bilanz muß von der Universität mit begründetem Selbstbewußtsein an die Öffentlichkeit getragen werden.

Der Ausschuß für Forschungsförderung und wissenschaftlichen Nachwuchs hat intensiv an einem Vorschlag zur Einrichtung eines Forschungsförderungsfonds gearbeitet. Eine besonders erfreuliche Bilanz ergibt sich im Bereich der Graduiertenkollegs mit der Neubewilligung von vier Graduiertenkollegs in der letzten Vergaberunde. Bei einer bundesweiten Bewilligungsquote von einer Bewilligung auf vier Anträge hat die Universität von allen deutschen Universitäten am besten abgeschnitten und inzwischen mit einer Gesamtzahl von gegenwärtig 13 Graduiertenkollegs und der Aussicht auf die Bewilligung eines weiteren einen Spitzenplatzes besetzt, der von keiner anderen Universität so erreicht wird. In diesem Sektor spiegelt sich auch die Leistungsfähigkeit der geistes-, sozial- und kulturwissenschaftlichen Fachbereiche. Die Zusammenführung der rechtswissenschaftlichen Fachbereiche ist in erfreulichem Konsens gelungen. Der neue rechtswissenschaftliche Fachbereich befindet sich bei der Neuordnung seiner künftigen Arbeit und Struktur auf einem guten Weg. Mit der Einholung fachbezogener Gutachten für die Biologie und den Sport wurde der externe Beratungsprozeß fortgesetzt. Beide Gutachten geben wichtige und hilfreiche Impulse für die Entwicklung dieser Fachbereiche. Daß diese Fachbereiche bereit sind, sich auf eine zukunftsweisende neue Struktur zu verständigen, ist einerseits sicherlich den Impulsen der externen Beratung zu verdanken, aber andererseits auch ein Zeichen der Handlungsfähigkeit auf dieser Grundlage und der Fähigkeit, sich über Meinungsverschiedenheiten hinweg zu verständigen. Wichtig ist auch, daß der Akademische Senat den Planungen des Fachbereichs Biologie zugestimmt hat. Mit der Empfehlung für den Fachbereich Sport, einen Schwerpunkt im Bereich der großstädtischen Bewegungskultur zu bilden, wurde ein Profil empfohlen, das an die bisherige Tradition und die Stärken der Sportwissenschaft anknüpft und zugleich die Chance bietet, diese Entwicklung sehr viel stärker mit der allgemeinen sportwissenschaftlichen Entwicklung in der Bundesrepublik und international zu verbinden. Auch das Fach Sportwissenschaft hat durch dieses Gutachten wertvolle Impulse erhalten. Das gleiche gilt für die Journalistik. Ein externes Gutachten hat eine gute Grundlage für die Ergänzung des Nebenfachstudiums durch Einrichtung eines Hauptfaches, das mit einem weiteren Hauptfach kombiniert werden kann, geschaffen. Die Universität hat sich sehr intensiv mit der Frage beschäftigt, wie sie ihre künftige Mittelverteilung stärker an aufgaben-, belastungs- und leistungsorientierten Kriterien orientieren kann. Dies ist eine schwierige Diskussion, die fast unvermeidlich mit einem anderen Ziel verbunden wird, nämlich der möglichst gerechten Umverteilung von Finanzmitteln. In der Diskussion verbinden sich diese beiden Ziele fast untrennbar, und an dieser Verbindung hat bisher die Stringenz der Diskussion, aber auch der gefundenen Lösungen gelitten. Die Empfehlung der externen Beratungsgruppe, die Internationalisierung der Arbeit der Universität in Zukunft weiter zu verstärken und damit eine gute Tradition der Universität Hamburg weiterzuentwickeln, hat sowohl mit der Einführung des European Credit Transfer System als auch mit den Planungen für ein International Center for Graduate Studies an der Universität Hamburg sehr eigenständige Akzente erhalten. Auf diesem Wege wird die Universität die Vielfalt internationaler wissenschaftlicher Kontakte und Austauschformen einschließlich der Internationalität der Studienangebote und Studienmöglichkeiten gut weiterentwickeln können. Im Bereich des Studiums wird sich die Universität in Zukunft sehr viel stärker als bisher gerade auch der Stärkung des Postgraduiertenstudiums von ausländischen Studierenden widmen und Voraussetzungen schaffen müssen, daß dieser Bereich international noch konkurrenzfähiger und attraktiver wird. Mit der Verlagerung des Instituts für Schiffbau an die Technische Universität Harburg hat die Universität ein schmerzhaftes Opfer gebracht, das aber durch die strukturellen Vorteile dieser Verlagerung im Gesamtsystem des Hamburger Hochschulbereichs gerechtfertigt ist. Mit dieser Entscheidung hat die Universität Hamburg gezeigt, daß sie Hochschulentwicklung nicht als Kirchturmpolitik betreibt, sondern in der Lage ist, die bestmöglichen Entwicklungen im Gesamtsystem des Hamburger Hochschulbereiches anzustreben.

Eine besonders wichtige hochschulpolitische Weichenstellung war die Entscheidung des Senats, die Nachwuchsstellen künftig aus der Stellenstreichverpflichtung auszunehmen, allerdings gegen Erhöhung der Zwischenfinanzierung. An dieser Stelle ist noch nicht genug getan, aber ein erstes Zeichen gesetzt worden, daß der Mangel an Nachwuchsstellen als Strukturproblem der Universität erkannt wurde. An dieser Stelle sind weitere Schritte und politische Entscheidungen nötig, aber dieser erste Schritt ist ein gutes Ergebnis des externen Beratungsverfahrens.

Fortführung des Projektes Universitätsentwicklung

Ein zweiter wichtiger Strang der internen Entwicklung der Universität im Berichtsjahr war die Fortführung des "Projektes Universitätsentwicklung" mit Förderung der Volkswagenstiftung. Hier ist es gelungen, vor allem den Prozeß der Zielfindung und Profilbildung der Universität durch Formulierung von Entwicklungszielen und darauf aufbauend eines Leitbildes der Universität, das in der letzten Sitzung des Akademischen Senates auch beschlossen wurde, abzuschließen. Dieser Versuch, sich auf gemeinsam getragene Entwicklungsziele und Profilelemente der Universität zu verständigen, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Es war ein anstrengender Prozeß, der trotz einer Vielzahl hochschulpolitischer Dissense zum Konsens geführt hat. Einleitend formuliert dieses Leitbild: "Mit der Vielfalt und Tradition ihrer Fächer und Bildungsangebote versteht sich die Universität Hamburg als Tor zur Welt der Wissenschaft." Anschließend folgen die Grundsätze weltoffene Internationalität, freie Forschung, wissenschaftliche Lehre, Bildung mündiger Menschen, Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, wissenschaftliche Freiheit in gesellschaftlicher Verantwortung, Vermittlung zwischen Wissenschaft und Praxis, Zentrum wissenschaftlicher Kompetenz, Wissenschaft im Dienste der Menschen, fächerübergreifende Kooperation und als konkrete Entwicklungsziele der Universitätsentwicklung: Internationalisierung von Bildung und Wissenschaft für eine friedliche und menschenwürdige Welt, Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen im Verhältnis des Menschen zu Umwelt und Natur, Zusammenarbeit in der Entwicklung von Stadt und Region, fächerübergreifende Kooperation zur Entfaltung der wissenschaftlichen Potentiale, höchstmögliche Qualität der Aufgabenerfüllung, individuelle und korporative Verantwortlichkeit und Offenheit des Zugangs zu Bildung und Wissenschaft. Mit diesen Ansätzen, die in dem Leitbild weiter konkretisiert sind, ist eine Arbeitsgrundlage für die nächsten Jahre geschaffen.
Das Projekt "Stärkung der Fachbereiche" hat sich im Rahmen des Projektes Universitätsentwicklung schwerpunktmäßig mit drei Komplexen befaßt. Zunächst mit der Reorganisation der Leitungsstruktur in den Fachbereichen. Mehrere Fachbereiche erproben Vorstandsmodelle. Der bisherige Eindruck läuft darauf hinaus, daß diese Erprobung erfolgreich ist und zu einer deutlichen Effektivierung der Leitung der Fachbereiche auch im Sinne der Eigeninitiative und Strukturentwicklung führt. Es ist zudem gelungen, die Ausstattung und die Struktur der Fachbereichsverwaltung zu analysieren und Ausstattungsdefizite bereits jetzt weitgehend zu beseitigen. Wo das noch nicht gelungen ist, wird es innerhalb des nächsten Jahres geschehen. In der Ausstattung der Fachbereichsverwaltungen mit Informations- und Kommunikationstechnik sind noch Programmprobleme zu klären. Die Universität wird die Hardware-Ausstattung im nächsten Jahr deutlich verbessern und auf einen Stand bringen können, der eine flächendeckende IuK-gestützte Fachbereichsverwaltung ermöglichen wird. Mit der Erprobung von Studierenden- und Doktorandenzentren wird in zwei Fachbereichen der sehr interessante Versuch gemacht, ein serviceorientiertes Angebot in den Fachbereichen aufzubauen. In den nächsten Tagen beginnt das Projekt "Reorganisation der Zentralverwaltung". Es soll ein stärker dienstleistungsorientiertes Selbstverständnis für die Zentralverwaltung entwickeln und die Konsequenzen aus der Dezentralisierung von Verwaltungsaufgaben und Verwaltungsstrukturen in der Universität ziehen. Öffentliche und finanzielle Unterstützung

Hochschulpolitisch besonders wichtig sind auch die Unterstützungsaktionen, die der Universität im Berichtsjahr zugute gekommen sind. An erster Stelle steht die Aktion "Ein "Platz im Audimax", die vom Hamburger Abendblatt initiiert und durchgeführt wurde. Diese Aktion hat inzwischen etwa 800 Stühle für das Auditorium maximum finanziert. Sie ist damit noch nicht am Ziel, hat aber doch schon für weit mehr als die Hälfte der erforderlichen Stühle Spenden einwerben können. Die Bedeutung dieser Aktion geht über den finanziellen Ertrag weit hinaus. Jede dieser Spenden ist eine individuelle Entscheidung für die Unterstützung der Universität und damit ein Zeichen der Verbundenheit mit der Universität. Ein solches Zeichen der Identifikation von Firmen und Privatleuten mit der Entwicklung der Universität hat einen hohen immateriellen Wert und sollte von der Universität besonders hoch eingeschätzt werden. Mit einem sehr erfreulichen Ergebnis konnte auch die Aktion "Uni in Not" der Tageszeitung DIE WELT und des Norddeutschen Rundfunks abgeschlossen werden. Beide Aktionen zusammen werden einen Gesamtbetrag von weit über eine Million DM aufbringen. Das ist für die Universität eine bedeutsame und nicht nur finanzielle Unterstützung.

Zu dieser positiven Entwicklung gehört auch die Tatsache, daß sich die Universitäts-Gesellschaft Hamburg in Zukunft als Fördergesellschaft für die Universität Hamburg verstehen will und nicht nur als Forum der Begegnung zwischen Universität und Gesellschaft. Damit macht die Universitäts-Gesellschaft einen Schritt, der an anderen Universitätsorten mit sehr großem Erfolg und mit sehr beachtlichen, auch finanziellen Ergebnissen getan wurde. Die Universität wird diese Entwicklung weiter fördern.

Entwicklung korporativen Gemeinsinns

Auch im Berichtsjahr hat die Universität ihre Bemühungen forgesetzt, sich der Auseinandersetzung mit ihrer Geschichte zu stellen und über ihren Beitrag zur Zukunft dieser Stadt nachzudenken. Die erstmalige Verleihung der Bruno-Snell-Plakette und das Symposium zum Andenken an Siegfried Landshut waren wichtige Veranstaltungen, denen auch in den nächsten Jahren vergleichbare Anstrengungen folgen sollen. Der Stellenwert solcher Veranstaltungen liegt nicht nur im Rückblick, sondern in dem Versuch, aus diesem Rückblick Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln. Wenn die Universität Hamburg es schafft, in diesem Sinne einen korporativen Gemeinsinn zu entwickeln, der unabhängig von hochschulpolitischen Positionen einen Entwicklungskonsens und ein Selbstverständnis hervorbringt und von einer großen Zahl und der großen Mehrheit der Universitätsmitglieder getragen wird, dann wird die Universität sich auch in den nächsten Jahren gut entwickeln und ihren Beitrag zur Entwicklung der Stadt Hamburg leisten können. Dies ist der beste Weg, um auf längere Sicht auch die politischen Prioritäten in der Stadt und in der gesamten Bundesrepublik wieder stärker zugunsten des Hochschulbereiches zu verschieben. Die Zeit, in der die Politik vor allem durch die Warnung vor Katastrophen oder durch das Aufzeigen von Problemen Impulse erhielt, diese Zeit ist vorbei. Unter gegenwärtigen Bedingungen wird die Politik am wirksamsten durch positive Entwicklungsimpulse und durch den Versuch beeinflußt, mit eigenen Leistungen zu überzeugen. Die Universität Hamburg wird darum an dem Ziel weiterarbeiten,durch nachhaltige Entwicklung der Qualität ihrer Arbeit in Forschung und Lehre deren Bedeutung für die Entwicklung der Freien und Hansestadt Hamburg bewußt zu machen.

1.HANDLUNGSSCHWERPUNKTE VON BESONDEREM GEWICHT

1.1 Empfehlungen der Externen Beratungskommission zur Struktur- und Entwicklungsplanung - Beginn der Umsetzung der Empfehlungen

Der von der Externen Beratungskommission im Frühjahr 1997 vorgelegte Bericht bietet der Universität eine Grundlage für die Erarbeitung eigener Profil- und Entwicklungsvorstellungen. Der Akademische Senat befaßte sich mit dem Kommissionsbericht auf einer Sondersitzung am 10. Juli 1997. Er faßte dort einen Grundsatzbeschluß, in dem er sowohl den an die Freie und Hansestadt Hamburg gerichteten Teil der Empfehlungen, speziell den Abschluß "langfristig planungssicherer Vereinbarungen über den Finanzierungsrahmen" begrüßte, als auch die Bereitschaft der Universität erklärte, den von der Kommission in der Universität gesehenen notwendigen Strukturwandel einzuleiten und zu verwirklichen, wobei insbesondere der durch das altersbedingte Freiwerden vieler Stellen entstehende Gestaltungsraum kreativ zu nutzen sei.

Der Akademische Senat nahm im weiteren Stellung zu den fächer- bzw. fachbereichsübergreifenden Empfehlungen der Kommission. Auf der Grundlage dieser Stellungnahme begann an der Universität die Arbeit an der Umsetzung des Kommissionsberichtes. Die Auseinandersetzung mit insgesamt 33 Empfehlungen kann im Rahmen des Jahresberichts nicht erschöpfend dargestellt werden. Soweit sich diese Empfehlungen an die Universität richten (zu einem großen Teil ist der Ansprechpartner die Freie und Hansestadt Hamburg bzw. die Behörde für Wissenschaft und Forschung), kann beispielhaft an wesentlichen Punkten der erreichte Stand dargestellt werden:

Neue Abschlüsse nach kürzerer Studienzeit
In einer größeren Zahl von Fachbereichen an der Universität wird gegenwärtig die Einführung neuer Abschlußmöglichkeiten nach kürzerer Studienzeit (Bachelor) geprüft. Es ist damit zu rechnen, daß eine Reihe solcher Abschlüsse eingeführt wird. Die Fachbereiche Informatik und Sprachwissenschaften haben bereits positive Beschlüsse gefaßt. (Vgl. 3.2)

Förderung neuer Sonderforschungsbereiche
Die Universität hat ihre Aktivitäten zur Errichtung neuer Sonderforschungsbereiche erheblich und mit Erfolg intensiviert. (Vgl. 4.1)

Aufbau eines Forschungsförderungspools
Die Universität arbeitet am Aufbau eines derartigen Pools. Vorgesehen ist einerseits, bestehende Förderungsmechanismen einzubeziehen, und andererseits, einen begrenzten Anteil des Personalhaushalts der Universität in diesem Pool zusammenzufassen. Derzeit werden der Aufbau des Pools sowie die Vergabemodalitäten in den akademischen Gremien der Universität beraten.

Bereits umgesetzt wurden folgende Empfehlungen der Beratungskommission:

Verlagerung des Instituts für Schiffbau an die Technische Universität Hamburg-Harburg, (vgl. 1.2),

Zusammenführung der beiden juristischen Fachbereiche der Universität, (vgl. 1.8),

Einholung von fachspezifischen Anschlußgutachten zu den Fachbereichen Biologie und Sportwissenschaft sowie zur Journalistik, die jeweils tiefgreifende Strukturänderungen für die untersuchten Bereiche vorsehen. Die Gutachten zu den Fachbereichen Biologie und Sportwissenschaft werden derzeit von den beiden Fachbereichen beraten. Es kann damit gerechnet werden, daß mit der Umsetzung der dort vorgeschlagenen Maßnahmen im Sommersemester 1998 begonnen werden kann.

Zum Inhalt der beiden fachbezogenen Gutachten:

Die Externe Beratungskommission hatte dem Fachbereich Biologie insbesondere zu einer "konsequenten Umorganisation" unter Hinzuziehung von externen Beratern geraten. Infolge dieser Empfehlung berief der Universitätspräsident im Juli 1997 eine fachbezogene Beratungskommission zur Struktur- und Entwicklungsplanung des Fachbereichs Biologie. Vier besonders ausgewiesene Professoren - Prof. Dr. W. Barthlott (Bonn), Prof. Dr. G. Feix (Freiburg), Prof. Dr. M. Melkonian (Köln) und Prof. Dr. G. Neuweiler (München) - wurden gebeten, ein langfristig tragfähiges Profil und Entwicklungskonzept des Fachbereichs Biologie unter Beachtung der Hamburger Stärken und Besonderheiten, aber auch der finanziellen Grenzen aufzuzeigen. Die Kommission wählte Prof. Dr. Melkonian zum Vorsitzenden. Die Fachbezogene Beratungskommission unterstützt weitgehend die Empfehlungen der Externen Beratungskommission entwickelt sie durch Konkretisierung weiter. Zu den wichtigsten Empfehlungen gehören u. a.: Zusammenlegung des Instituts für Allgemeine Botanik und Botanischer Garten mit dem Institut für Angewandte Botanik, Fokussierung auf die Bereiche Ökosystemforschung und Biodiversität sowie Molekulare Grundlagen der Biologie, Verbesserung der Personalstruktur, Einrichtung von Nachwuchsforschergruppen, Integration der wissenschaftlichen Sammlungen in Forschung und Lehre, Reduktion der Auftragstätigkeiten.
Die für den Fachbereich Sportwissenschaft berufene Kommission unter Vorsitz von Prof. Dr. Dieckert (Oldenburg), im weiteren Frau Prof. Dr. Alfermann (Leipzig), Prof. Dr. Hollmann (Köln) und Prof. D. Zieschang (Bayreuth), kommt zu dem Ergebnis, daß der Fachbereich bis zu einer Neustrukturierung mehrerer Fachbereiche der Universität im Rahmen eines "Kulturwissenschaftlichen Zentrums" erhalten bleiben, sich in seinem Profil auf "Sport und Bewegungskultur in der großstädtischen Lebenswelt" ausrichten und intern sich in vier gleichgewichtige Arbeitsbereiche mit angemessener Personalstruktur (vier Stellen C4) und der Ausstattung mit Stellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs (vier Stellen C1 oder gemäß § 24 Abs. 3 HmbHG) gliedern soll.

Zur Umsetzung des fachspezifischen Teils der Empfehlungen der Externen Beratungskommission fanden im Oktober und November 1997 mit allen Fachbereichen (Ausnahme: die o. g. Fachbereiche Biologie und Sportwissenschaft, für die ein eigenes Gutachten erstellt wurde, sowie die beiden juristischen Fachbereiche, deren Zusammensetzung inzwischen beschlossen wurde, sowie der Fachbereich Medizin) und sonstigen Einrichtungen der Universität Gespräche beim Universitätspräsidenten statt. In den Fachbereichen werden die Ergebnis dieser Gespräche derzeit beraten und erste Schritte zur Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen eingeleitet.

Zu zwei fächer- bzw. fachbereichsübergreifenden Empfehlungen hat der Akademische Senat eigene Ausschüsse eingesetzt. Es handelt sich um den Ausschuß zur verbesserten Abstimmung im Lehrangebot zwischen den Fachwissenschaften und den Fachdidaktiken sowie um den Ausschuß zur Überprüfung der Fachbereichsstruktur, der u. a. im Kontext baulicher Veränderungen und Erweiterungen (z. B. Flügelgebäude) Vorschläge zur Neustrukturierung und Verringerung der Zahl von Fachbereichen erarbeiten soll.

1.2 Verlagerung des Instituts für Schiffbau an die
Technische Universität Hamburg-Harburg

Zum 1. Januar 1998 wurde das Institut für Schiffbau der Universität Hamburg an die Technische Universität Hamburg-Harburg verlagert. Damit fand eine über Jahre geführte Diskussion zur Frage nach der institutionellen Anbindung des Instituts, ihren Abschluß. Anlaß für die Verlagerung war eine Empfehlung der Externen Beratungskommission, derzufolge daß ".....eine Verlagerung des IfS von der Universität an die TU Hamburg-Harburg (...) deutliche Vorteile sowohl in der Lehre als auch in der Forschung ..." bietet, ".....so daß sowohl die zuständigen Behörden der Freien und Hansestadt Hamburg gemeinsam mit der Universität, der TU HH und der FH HH umgehend eine entsprechende Strukturplanung vornehmen und diese zügig umsetzen sollten." (Bericht der Externen Beratungskommission zur Struktur- und Entwicklungsplanung der Universität Hamburg, S. 182.) Darauf teilte der Präses den Präsidenten der beteiligten Hochschulen mit Schreiben vom 07.04.1997 seine Absicht mit, dem Senat der Freien und Hansestadt Hamburg eine Verlagerung zum 01.01.1998 vorzuschlagen, wobei auch zukünftig gewährleistet sein solle, daß

Am 02.07.1997 beschloß der Akademische Senat im Rahmen seines Anhörungsrechts, daß er eine Verlagerung erst dann befürworten könne, wenn unter Hinzuziehung entsprechender Experten ".....ein übergreifendes Forschungs- und Lehrkonzept entwickelt wird..." Dem Votum für eine zeitliche Verschiebung der Verlagerungsentscheidung bis zum Abschluß solcher Gespräche schloß sich der Präses nicht an.

Seit September 1997 haben deshalb unter Leitung der BWF Abstimmungsgespräche zwischen den beteiligten Hochschulen zur Umsetzung der Verlagerungsentscheidung stattgefunden. Sie konnten fristgerecht zum 01.01.1998 weitgehend abgeschlossen werden.

1.3 Projekt Universitätsentwicklung

Der Bewilligung des Projektantrages der Universität Hamburg zur "Systemischen Organisationsentwicklung zur Stärkung der Eigenverantwortung durch Dezentralisierung und Optimierung der Aufgabenwahrnehmung" durch die Volkswagen-Stiftung in einem Förderungsumfang von 5 Millionen DM bei einer Laufzeit von fünf Jahren folgte bei einer Auftaktveranstaltung der zentralen akademischen Gremien im September 1996 die Verabschiedung von Leitlinien zur Projektdurchführung. Auf dieser Basis konnte im Wintersemester 1996/97 mit dem Aufbau der Projektorganisation und der Konkretisierung der Arbeitsplanung begonnen werden.

1.3.1 Organisationsstruktur

Die Gesamtleitung des kurz "Projekt Universitätsentwicklung (Pro Uni)" genannten Vorhabens liegt beim Präsidenten der Universität Hamburg, der zugleich der Steuerungsgruppe als dem zentralen Entscheidungsgremium des Projektes vorsitzt. In einer ersten Zusammenkunft am 29.11.1996 konnte die Steuerungsgruppe ihre zukünftige Zusammensetzung festlegen: Neben dem Präsidenten konstituiert sich die Steuerungsgruppe aus dem Vizepräsidenten, dem Leitenden Verwaltungsbeamten, dem Leiter des Planungsstabes, der Wissenschaftlichen Leitung und Geschäftsführung des Projektes Universitätsentwicklung, den Vorsitzenden von Planungs- und Haushaltsausschuß des Akademischen Senats, drei Professoren der Universität Hamburg als Experten in den Bereichen Psychologie und Betriebswirtschaftslehre für die Betreuung der Teilprojekte sowie dem Staatsrat der Behörde für Wissenschaft und Forschung bzw. dem Leiter des Hochschulamtes und einer VertreterIn des Allgemeinen Studentenausschusses als Gästen ohne Stimmrecht. Aufgabe der monatlich tagenden Steuerungsgruppe ist die Entscheidung über Arbeitsplanung und strategische Ausrichtung des Projektes Universitätsentwicklung sowie die Genehmigung aller das Finanzvolumen von DM 5000,- überschreitenden Förderungsmaßnahmen und Anträge an das Projekt.

Das sich im Laufe des Jahres 1997 herausbildende Projekt-Team besteht aus MitarbeiterInnen verschiedener Universitätseinheiten, die für die Projektarbeit von ihen Dienstaufgaben ganz oder teilweise freigestellt worden sind, und speziell aus Projektmitteln finanzierten und für befristete Zeit neu eingestellten MitarbeiterInnen. Die wissenschaftliche Projektleitung und Geschäftsführung lag von November 1996 bis Oktober 1997 bei Frau PD Dr. Anke Hanft, danach wurde diese Funktion stellvertretend von Herrn Dr. Frank Nullmeier wahrgenommen. Das Arbeitsteam wird von WissenschaftlerInnen der Universität Hamburg, die sich zu einer konzeptionellen Begleitung der Projektarbeit bereit erklärt haben, unterstützt. Seit April 1997 konnten in der Schlüterstraße 18 Räumlichkeiten bezogen werden, die einer Arbeitsstelle des Projektes Universitätsentwicklung ebenso Platz bieten wie die Durchführung von kleinen Tagungen, Workshops und Arbeitstreffen erlauben.

Der Diskussion der Projektentwicklung in einer breiteren universitären Öffentlichkeit dient der Projektbeirat, der sich aus Mitgliedern des Akademischen Senats, des Haushalts- und des Planungsausschusses, FachbereichssprecherInnen, VertreterInnen der Personalräte, der Frauenbeauftragten sowie VertreterInnen des AStA zusammensetzt. In den ersten beiden Sitzungen des Beirates am 30. Juni und 10. Dezember 1997 wurden die Gesamtprojektstruktur, die Entwicklungsziele sowie die ersten Umsetzungsschritte insbesondere im Bereich "Stärkung der Fachbereiche" vorgestellt und diskutiert.

Dem Austausch mit den anderen von der Volkswagen-Stiftung im Programm "Leistungsfähigkeit durch Eigenverantwortung" geförderten Projekten dient ein dreivierteljährlich stattfindender Workshop unter Beteiligung der Wissenschaftlichen Gutachter und Berater. Das erste Treffen der Projekte der Volkswagen-Stiftung fand am 8. und 9. Juli 1997 in Hamburg statt. Die wechselseitige Präsentation der Projektkonzeptionen und intensive Diskussionen über Schwerpunkte und Vorgehensweisen kennzeichneten diesen allgemein als sehr anregend gewerteten Workshop.

1.3.2 Entwicklung der Teilprojekte

Nach Konstitution des Steuergremiums und der Bildung einer Gruppe von ProjektmitarbeiterInnen konnte Anfang 1997 die Arbeit an zweien der insgesamt vier Teilprojekte, den Teilprojekten 2 ("Stärkung der Fachbereiche") und 4 ("Entwicklung eines universitären Berichts- und Controllingsystems"), aufgenommen werden.
Der Start des Teilprojektes 1 ("Entwicklung und Erprobung inneruniversitärer Zielvereinbarungen") konnte erst nach Erarbeitung eines Leitbildes der Universität Hamburg und gesamtuniversitärer Entwicklungsziele erfolgen. Die Entwicklung eines Leitbildes und zentraler Ziel- sowie Aufgabenbereiche sowohl im Ausschuß des Akademischen Senats für Zielfindung und Profilbildung als auch auf dem Dies academicus im Sommersemester 1997 standen daher im Vordergrund. Nach Aufarbeitung der Ergebnisse dieses universitären Diskussionsprozesses konnte im November 1997 die Entwicklung des Instrumentariums sowie möglicher Anwendungsfelder von Zielvereinbarungen in Teilprojekt 1 begonnen werden. Als Projektbeginn des Teilprojektes 3 "Reorganisation der Zentralverwaltung" ist nach der Projektarbeitsplanung das Sommersemester 1998 bestimmt, um die Rückwirkungen der Dezentralisierung auf die Zentralebene der Universität in die Organisationsentwicklung einbeziehen zu können.

Zielfindung und Profilbildung

Die Entwicklung eines Leitbildes der Universität Hamburg und eines Kataloges universitärer Entwicklungsziele bildete im Jahre 1997 die zentrale Aufgabe des bereits im November 1995 vom Akademischen Senat eingesetzten "Ausschusses für Zielfindung und Profilbildung". In einem intensiven Prüfungsprozeß der in einzelnen Gruppen und Bereichen entwickelten Materialien zur Zieldiskussion gelang die Integration zu einem Ziel- und Aufgabenkatalog. Der breiten öffentlichen Diskussion der Ziele und des Aufgabenprofils der Universität Hamburg diente der Dies academicus am 18. Juni 1997. Unter dem Titel "Wohin steuert die Universität?" wurden in einer Vielzahl von Veranstaltungen, vormittags in den Fachbereichen und Instituten, nachmittags in zentralen fachbereichsübergreifenden Diskussions- und Präsentationsforen, sowie einer abschließenden Podiumsdiskussion zum Thema "Universität Hamburg im nächsten Jahrhundert - Aufgaben und Ziele" universitäre Entwicklungsziele für die Aufgabenfelder Forschung, Lehre und Studium, Weiterbildung und Wissenstransfer, Nachwuchsförderung, Entscheidungsstrukturen und Selbstverwaltung erörtert. Der rege Besuch der Veranstaltungen wie das in einer Dokumentation gesammelte umfangreiche Material aus den Fachbereichsveranstaltungen belegen die Breite und Intensität der Zieldiskussion. Die Ergebnisse des Dies academicus, die Stellungnahme des Akademischen Senats zu Empfehlungen der Externen Beratungskommission sowie der Entwurf eines Umweltleitbildes wurden zusammengeführt und zur Grundlage der im Wintersemester 1997/98 vorgelegten Formulierungsvorschläge für ein Leitbild. Am 27. Januar 1998 konnte im Ausschuß für Zielfindung und Profilbildung nach ausführlicher Diskussion im Konsens aller Gruppen ein Leitbildentwurf verabschiedet werden, der nach externer sprachlicher Überarbeitung dem Akademischen Senat im Sommersemester 1998 zur Verabschiedung vorgelegt wird. Nach der Beschlußfassung über einen universitären Zielkatalog und ein Leitbild in den zentralen universitären Gremien sollen die Ziele kontinuierlich in strategische und operative Entscheidungen der Universität einfließen. Die weitere Operationalisierung und Implementierung der Zielbereiche aus der Leitbilddiskussion erfolgt in Projekt- oder Zielgruppen (zunächst zu den Themen "Internationalisierung" und Qualität der Aufgabenwahrnehmung"), die als Querschnittsbereiche zu den Teilprojekten von Pro Uni dauerhaft auf die Umsetzung der Ziele einwirken.

Teilprojekt 2: Stärkung der Fachbereiche

Ziel dieses Teilprojektes ist die Stärkung der Fachbereiche in ihrer Leitungs- und (Selbst-) Verwaltungsfähigkeit. Erhöhte Eigenverantwortung soll mit einer Reorganisation der Fachbereichsstrukturen zur Schaffung von höherer Effizienz und Effektivität einhergehen. Nach ersten ausführlichen Gesprächen mit den Fachbereichen konnte bereits im Februar 1997 ein Katalog der zu fördernden Initiativen aus den Fachbereichen vorgelegt werden. Schwerpunkt der Arbeit in Teilprojekt 2 sind danach die Einrichtung von Fachbereichsvorständen mit Ressortverantwortung, die Reorganisation und Unterstützung der Fachbereichsverwaltungen durch Informationstechnologie, die Förderung von perspektivischen Fachbereichsentwicklungen in den Bereichen Lehre und Studium, Forschung, Weiterbildung und Öffentlichkeitsarbeit. In den ebenfalls im Februar 1997 verabschiedeten Leitlinien für die Vergabe von Projektmitteln an die Fachbereiche wurden als Fördermaßnahmen Fachbereichs-Workshops, Klausurtagungen und Expertenanhörungen genannt, die Finanzierung von Software-Entwicklungen und die Entlastung verantwortlicher Personen zur Realisierung konkreter Fachbereichsprojekte durch Lehrauftragsmittel, Hilfskraftmittel oder Werkverträge. Die Unterstützung ist an den Abschluß einer Zielvereinbarung gebunden, in der Zielsetzung, Erfolgskritierien, Organisation, Ablauf und Evaluation des zu fördernden Projektes festgehalten werden. Förderungswürdig sind dabei exemplarische Projekte zur Verwirklichung universitärer Zielbereiche. Alle Formen der Unterstützung wurden von den Fachbereichen im Jahre 1997 intensiv genutzt.

Einrichtung von Fachbereichsvorständen mit Ressortbildung

Der stärkeren Gewichtung strategischer Aufgaben der Fachbereichsentwicklung dient die Bildung eines aus DekanIn und zwei ProdekanInnen bestehenden Fachbereichsvorstandes bei arbeitsteiliger und eigenverantwortlicher Aufgabenwahrnehmung in den Ressorts "Haushalt und Planung", "Lehre und Studium" sowie "Forschung, Nachwuchsförderung und Wissenstransfer". Die im novellierten Hamburger Hochschulgesetz eingefügte Experimentierklausel läßt die Einrichtung derartiger Fachbereichsvorstände zu. In zwei Pilotfachberichen (Erziehungswissenschaften, Sprachwissenschaften) wird die Einführung von Fachbereichsvorständen von Pro Uni unterstützt. Bei einer Bewährung des Vorstandsmodells wird angestrebt, ressortgegliederte Leitungsstrukturen in anderen Fachbereichen und auf der zentralen Ebene der Universität zu etablieren.

Studierendenzentrum und Kolleg der Promovierenden

In den Fachbereichen Orientalistik und Sprachwissenschaften soll die Ressortorientierung mit der Einrichtung eines speziell auf Lehre und Studium ausgerichteten Zentrums, eines Studienbüros oder Studierendenzentrums, unterstützt werden. Die Aufgabe einer derartigen, Beratungs- und Verwaltungsfunktion integrierenden Einrichtung besteht darin, daß Studierenden, Studienbewerbern und Absolventen in allen Studien- und Prüfungsangelegenheiten eine zentrale Anlauf- und Beratungsstelle im Fachbereich zur Verfügung steht. Durch Bündelung der fachbereichsspezifischen Studieninformationen, der grundlegenden fachlichen Beratung, einer studienbegleitenden Orientierungshilfe und Aufgaben der Prüfungsverwaltung kann den Studierenden ein "umfassender Service aus einer Hand" geboten werden. Die organisatorischen Voraussetzungen zur Gründung der ersten beiden Studierendenzentren werden im Laufe des ersten Halbjahres 1998 geklärt. Die Verbesserung des Promotionsstudiums ist das Ziel eines bundesweit einzigartigen Modellprojektes am Fachbereich Sprachwissenschaften. Konzeptionell den Empfehlungen der Hochschulrektorenkonferenz folgend, wurde die Einrichtung eines "Kollegs der Promovierenden" vom Projekt Universitätsentwicklung ermöglicht. Ohne die in Graduiertenkollegs gesicherte Stipendienfinanzierung soll in dieser Einrichtung Gelegenheit zum intensiven Austausch zwischen Doktoranden und Doktorandinnen geschaffen werden. Neben allgemeinen Informationsveranstaltungen, einem Kolleg-Büro als Beratungs-, Informations- und Arbeitsraum für DoktorandInnengruppen bilden interdisziplinäre Arbeitsgruppen das Kernangebot des am 21.01.1998 offizielle gegründeten "Kollegs der Promovierenden".

Prüfungsorganisation

Auf der Grundlage eines Gutachtens zur zukünftigen Organisation der Prüfungsverwaltung an der Universität Hamburg wurde bei einer Klausurtagung am 28.02.1997 zur Reorganisation des Prüfungsamtes I, das Studiengänge der Fachbereiche 05 bis 10 betreut, der Vorschlag einer Dezentralisierung, d. h. der Integration der Prüfungsverwaltung in die jeweiligen Fachbereichsverwaltungen, favorisiert. Im weiteren Verlauf des Jahres 1997 konnten die Voraussetzungen für die Auflösung des Prüfungsamtes I zum 1. April 1998 geschaffen werden. Dieser Dezentralisierungsprozeß wird als Pilotprojekt für die Reorganisation der Prüfungsämter II und III gewertet und entsprechend evaluiert. Zusätzlich ist die Verbesserung der DV-Ausstattung der Prüfungsverwaltungen unter Untersuchung und Einbeziehung möglicher Ablaufvereinfachungen geplant.

DV-Unterstützung der Fachbereiche

Angesichts einer Mehrzahl konkurrierender Anträge zur Entwicklung eines Programms zur Lehrveranstaltungsplanung konnte erst nach einer längeren Phase der Prüfung der einzelnen Modelle eine Kooperation der bisherigen Programmentwicklungen (Erziehungswissenschaften, Informatik) auf der Basis des in den Fachbereichen Mathematik und Chemie entwickelten Systems zur Planung und Verwaltung von Lehrveranstaltungen (PVL) herbeigeführt werden. Alle anderen Fachbereiche wurden gebeten, ihre Anforderungen an ein Programm zur Lehrveranstaltungsplanung zu benennen, um eine Anwendung des entwickelten Programms auch in weiteren Fachbereichen zu ermöglichen. Ein zweites DV-Projekt dient der Entwicklung eines speziellen Informations- und Planungsinstrumentes zur Erleichterung der Haushaltsführung für die Geschäftsführenden DirektorInnen der Institute. Qualifizierung der Gremienarbeit

Die erweiterten Aufgaben auf Fachbereichsebene verlangen einen verbesserten Kenntnisstand, erhöhte Management- und politische Koordinationsfähigkeiten bei DekanInnen, Geschäftsführenden DirektorInne sowie den Mitgliedern der akademischen Selbstverwaltungsgremien. Im Dezember 1997 wurde das Projekt "Qualifizierung der Gremienarbeit" eingeleitet, das sich der Erarbeitung einer zeit- und aufgabengemäßen Verbesserung der Tätigkeit in der akademischen Selbstverwaltung widmet. Den Auftakt bildete die Erhebung der Qualifizierungsbedarfe im Rahmen eines Workshops im Januar 1998 unter dem Titel "Freud und Leid der Gremienarbeit". Die Ergebnisse gehen in die Entwicklung eines Qualifizierungskonzeptes und den Aufbau eines auf die Bedürfnisse der akademischen Selbstverwaltung ausgerichteten Informationssystems ein.

Reorganisation des Bibliothekswesens

Erste Konzepte zur Reorganisation des Bibliothekswesens bei Stärkung der Fachbereichsebene wurden in einem zweiteiligen Workshop unter Moderation und Begleitung von Pro Uni am 13./14. November 1997 und im Januar 1998 mit den MitarbeiterInnen der Fachbereichs-, Instituts- und Bereichsbibliotheken entwickelt.

Innovations- und Forschungsförderungspreis

Eine Aktivierung aller Hochschulmitglieder zum intensivierten Nachdenken über Verbesserungen und Entwicklungsmöglichkeiten der Universität Hamburg dient die Vergabe von zwei Pro Uni-Preisen, die zum ersten Mal im Sommersemester 1998 ausgeschrieben werden: Mit dem "Innovationspreis", der in enger Verbindung mit der Reform des betrieblichen Vorschlagswesens steht, werden Vorschläge und Ideen aus dem Kreis der Beschäftigten der Universität ausgezeichnet, die der Modernisierung der Verwaltung und der universitären Arbeitsprozesse dienen. Der "Forschungsförderungspreis Universitätsentwicklung" wird für studentische Abschlußarbeiten vergeben, die sich der Forschung über Hochschulentwicklung generell oder speziell über die Universität Hamburg widmen. Beide Preise sind mit jeweils insgesamt DM 3.000,00 dotiert.

Teilprojekt 4: Entwicklung eines universitären
Berichts- und Controllingsystems

Ziel dieses Teilprojektes ist die Entwicklung und Implementierung eines universitären Berichts-, Informations- und Controllingsystems, das aus den Modulen

  • aufgaben- und leistungsbezogene Kennzahlen und Indikatoren
  • DV-gestütztes Berichtssystems und
  • DV-gestützte Kosten- und Leistungsrechnung

    besteht.

    Ein wissenschaftlicher Projektbeirat aus Professoren der Wirtschaftswissenschaften und Informatik sowie Vertretern des Planungsstabes, der Zentralverwaltung und des Projektes Universitätsentwicklung unter Vorsitz von Prof. Dr. Streitferdt begleitet die Arbeit des Teilprojektes. Seit dem ersten Treffen am 4. Juli 1997 werden in monatlichen Sitzungen Zielsetzung und Arbeitsplanung des Teilprojektes 4 besprochen und fortgeschrieben.

    Im ersten Halbjahr 1997 standen kennzahlengestützte Modelle zur leistungsbezogenen Mittelverteilung im Vordergrund der Projektarbeit. Auf einer Klausurtagung "Kennzahlen und Indikatoren" am 29. und 30. Mai 1997 in Haus Rissen, zu der Mitglieder des Haushalts- und Planungsausschusses, FachbereichssprecherInnen und -planerInnen, der Planungsstab, das Präsidium und VertreterInnen der Präsidialverwaltung geladen waren, wurden die Grundzüge einer kennzahlengesteuerten Mittelverteilung debattiert. Die seit Januar 1997 erfolgende Verteilung von Sachmitteln nach Lehrkennzahlen wird 1998 erweitert um eine Verteilung nach forschungsbezogenen Kennzahlen. Gestaltung und (Verteilungs-) Wirkungen von Forschungskennzahlen führten im Laufe des zweiten Halbjahres 1997 zu intensiven und kontroversen Diskussionen in den beteiligten Gremien.

    In einer ausführlichen Erhebung innerhalb der Zentralverwaltung der Universität wurden im Wintersemester 1997/98 die Informationsbedarfe für ein leistungsfähiges gesamtuniversitäres Berichts- und Controllingsystem ermittelt und in einem Bericht vom März 1998 zusammengefaßt. Eine analoge Erhebung findet im Sommersemester 1998 für die Fachbereichsebene in vier ausgewählten Fachbereichen statt. Die Ergebnisse ermöglichen die genaue Benennung der Anforderungen an ein DV-gestütztes Berichtssystem. Die Erarbeitung eines Hochschulcontrolling für die Universität Hamburg erfolgt zudem auf der Grundlage einer kritischen Sichtung von ähnlich gelagerten Bemühungen an anderen Hochschulen und öffentlichen Einrichtungen. Der Vertiefung der Kenntnis von Controlling-Ansätzen und Reformvorhaben diente die Ringvorlesung "Controlling - ein leistungsfähiges Instrument zur Steuerung von Hochschulen?" im Wintersemester 1997/98. In einer Mischung aus Praxisberichten und konzeptionellen Vorträgen konnte ein umfassender Überblick über die derzeitigen Anstrengungen und Möglichkeiten eines Hochschul-Controlling geschaffen werden.

    Einführung und Gestaltung einer Kosten- und Leistungsrechnung als eines Kernelements des universitären Berichts- und Controllingsystems wurde im Rahmen des Wissenschaftlichen Projektbeirates intensiv erörtert. Nach Erkundung der Erfahrungen des UKE und anderer Hochschulen mit der Einführung einer Kosten- und Leistungsrechnung standen vor allem Fragen nach einer integrierten Informationstechnologie im Vordergrund. Der Projektbeirat bewertete die bisherige Situation einer weitgehend in Einzellösungen zersplitterten Software-Landschaft in einer universitären Verwaltung als wenig entwicklungsfähig und sprach sich für die Einführung einer um die Kosten- und Leistungsabrechnung zentrierten integrierten Software-Lösung für die zentralen administrativen Aufgaben aus.

    Mitarbeiterzirkel

    In Ergänzung der Teilprojektstruktur fördert das Projekt Universitätsentwicklung die Arbeit von Mitarbeiterzirkeln. Diese sind ein Weg zur Beteiligung der MitarbeiterInnen an der Planung und Durchführung von Veränderungsprozessen innerhalb der Universität. Sie wurden in enger Verbindung mit dem Projekt Universitätsentwicklung eingeführt, um Themenstellungen der jeweiligen Teilprojekte von Pro Uni aus der Perspektive sowie mit dem Sachverstand und den Erfahrungen der MitarbeiterInnen zu bearbeiten. In einer Rahmenvereinbarung zwischen dem Präsidenten der Universität Hamburg und dem Personalrat des Technischen und Verwaltungspersonals vom 27.08.1997 sind die Bedingungen für die Arbeit der Mitarbeiterzirkel als dauerhafte Arbeitsgruppen fixiert. Bisher haben sich vier Mitarbeiterzirkel konstituiert:

  • Zielfindung
  • Stärkung
  • Mitarbeiterbesprechung
  • Innovation durch Prozeßoptimierung

    1.4 Stand der Stellenstreichverpflichtung und Umfang der bislang vollzogenen Stellenstreichungen

    Die Universität ist am Konsolidierungsprogramm I der Freien und Hansestadt Hamburg für die Haushaltsjahre 1995 bis 1997 mit gut 10 % ihres Personalkostenvolumens, in absoluten Zahlen ausgedrückt, mit einem Betrag von DM 28,5 Mio. beteiligt. Hinzuzurechnen sind ca. DM 1 Mio. aus den weiterlaufenden Stellen des Hochschulsonderprogramms I. Diese Stellen werden zwischenfinanziert und müssen im Rahmen der Zweitstellenregelung ausgelöst werden. Insoweit wirkt dieser Betrag als Zusatz zum Sparprogramm. Technisch wird diese Summe dadurch erbracht, daß jede zweite freiwerdende Stelle mit Ausnahme der Stellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs nach C1 (Wiss. Assistent) und gemäß § 24 Abs. 3 HmbHG (Wiss. Mitarbeiter mit Gelegenheit zur Promotion) gestrichen wird. Für die zuletzt genannten Stellenkategorien bestand bis einschließlich des Haushaltsjahres 1997 eine Sonderregelung, nach der in diesen Bereichen nur so viele Stellen einzusparen waren, daß die vor dem Sparprogramm bestehende Personalstruktur erhalten blieb. Erstmalig für das Haushaltsjahr 1998 wurde diese Regelung in einem für die Universität positiven Sinne verändert. Stellen nach C1 und gemäß § 24 Abs. 3 HmbHG sind jetzt von den Sparverpflichtungen ausgenommen. Der Gesamtumfang der Sparverpflichtung (siehe oben) verändert sich dadurch allerdings nicht. Dies bedeutet, daß der rechnerisch entstehende Fehlbeitrag langfristig durch andere Stellen zu erbringen ist und kurzfristig (d. h., bezogen auf jeweils ein Haushaltsjahr) zwischenfinanziert werden muß.

    Zwangsläufig ergeben sich aus einem derartigen Sparprogramm einschneidende kapazitäre und strukturelle Rückwirkungen. Kapazitär wird unter Beachtung des Umstandes, daß die Universität über eine relativ ungünstige Ausstattung mit Stellen für den technischen und wissenschaftlichen Service verfügt, ein Studienplatzverlust eintreten, der oberhalb von 10 % liegt. Dies wird noch dadurch verstärkt, daß die Universität zur gleichen Zeit Stellen aus auslaufenden Sonderprogrammen verliert. Strukturell ist hinsichtlich der personalstrukturellen und fachstrukturellen Aspekte zu unterscheiden. Personalstrukturell wurde bis einschließlich des Haushaltsjahres 1997 die angestrebte Verbesserung der Personalstruktur (Erhöhung des Anteils der Stellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs und des wissenschaftlichen Service) durch die vorgegebenen Regularien unmöglich gemacht. Fachstrukturell wird auf einen Teil der bisherigen Differenzierungen und Spezialisierungen in den Fachbereichen und wissenschaftlichen Einrichtungen verzichtet werden müssen; auch die Aufgabe von Fächern bzw. Studiengängen kann nicht ausgeschlossen werden. Zugleich wird das zur Verfügung stehende "Entwicklungspotential" für innovative Vorhaben stark eingeschränkt. Die Universität bemüht sich, das Sparprogramm so durchzuführen, daß die unvermeidlichen strukturellen Schäden begrenzt bleiben und der kapazitäre Studienplatzabbau die studentische Nachfrage berücksichtigt. Die Behörde für Wissenschaft und Forschung hat für die Universität eine Zielzahl von 6.600 Studienanfängerplätzen festgelegt. Diese Grenzzahl ist noch nicht erreicht.

    Es wurden bislang folgende Stellenstreichungen vollzogen:

                      Volumen       Stellen für
    Prof. Wiss.
    Nachwuchs
    Sonst.
    WP
    TVP Insges.
    01.01.1995 7.087.500 DM 33 11,5 6,0 2,0 52,5
    01.01.1996 4.463.400 DM 14 22,5 19,0 15,5 71,0
    01.01.1997 4.200.700 DM 13 8,0 28,5 31,0 80,5
    01.01.1998 3.510.500DM 12 keine 13,0 26,0 51,0
    gesamt: 19.262.100 DM 72 42,0 66,5 74,5 255,0

    1.5 International Center for Advanced Studies

    Im August 1997 hat der Präsident dem Akademischen Senat erstmals über Pläne zur Errichtung eines International Center for Graduate Studies berichtet. Am 18.12.1997 hat der Akademische Senat in erster Lesung die weitere Planung des Center befürwortet und den Präsidenten beauftragt, die Planung weiterzuführen.

    Ziel der Studien am International Center for Graduate Studies ist der Erwerb eines dem "Master" entsprechenden, international anerkannten Abschlusses im Rahmen eines inhaltlich und zeitlich klar strukturierten Studiums, oder ein Studium mit dem Ziel oder nach der Promotion berechtigt. Adressaten sind Absolventen ausländischer Hochschulen, die bereits einen "Bachelor" oder einen entsprechenden Abschluß erworben haben. Das International Center for Graduate Studies stellt ein Studienangebot für die Fortgeschrittenenphase nach dem Bachelor bzw. vergleichbaren Abschlüssen primär für Studierende aus anderen Ländern bereit, steht aber prinzipiell auch deutschen Studierenden offen.

    Angesichts der in den letzten Jahren abnehmenden Attraktivität deutscher Hochschulen für fortgeschrittene und qualifizierte ausländische Studierende, die wesentlich auf aufenthalts-, arbeits- und zulassungsrechtliche Hemmnisse zurückzuführen ist, zielt das Angebot des International Center for Graduate Studies auf die Verstärkung internationaler Zusammenarbeit insbesondere auch in der Lehre. Das Konzept strebt an, die internationale Attraktivität einer der großen staatlichen Universitäten in Deutschland unter Nutzung der besonderen Angebote der Stadt Hamburg zu verbessern.

    An der Konzeption des International Center for Graduate Studies haben sich engagierte und fachlich besonders ausgewiesene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hamburg beteiligt. Das Studienangebot zeichnet sich durch ein besonders hohes Maß an Gestaltungsflexibilität aus, um gerade für ausländische Studierende eine auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmte Attraktivität des interdisziplinären Fachangebots sicherzustellen. Ein wesentlicher Teil der Lehrveranstaltungen wird fremdsprachlich angeboten werden.

    Beteiligt sind alle 18 Fachbereiche der Universität Hamburg sowie außeruniversitäre wissenschaftliche Institutionen und Großforschungseinrichtungen (z. B. Deutsches Elektronen-Synchrotron DESY, GKSS Forschungszentrum Geesthacht, Heinrich-Pette-Institut für Experimentelle Virologie und Immunologie an der Universität Hamburg, Max-Planck-Institut für Meteorologie, Missionsakademie, Europa-Kolleg), deren vielfältige Fachangebote nach Maßgabe der für das Center projektierten, ausgewählten Studienschwerpunkte genutzt werden.

    Die modularisierten Studienangebote konzentrieren sich auf acht fachübergreifende Schwerpunktprogramme:

    Durch individuelle Studienvereinbarungen wird sichergestellt, daß die angestrebten Abschlüsse innerhalb eines Studienschwerpunktes erreicht werden. Dies setzt Beratung sowie unterstützende Maßnahmen in der Lehre (Tutorien) und Sprachkurse voraus.

    Dem gemeinsamen Wohnen und Arbeiten in einem Kolleggebäude mit entsprechenden Synergieeffekten wird große Bedeutung beigemessen, wobei bis zu einem gewissen Anteil deutsche Studierende integriert werden sollen, um einer Ghettoisierung vorzubeugen.

    Während die Teilnahme am Studienangebot des Hauptstudiums wie für alle anderen Studierenden der Universität gebührenfrei sein soll, ist das besondere Sprach-, Betreuungs-, Wohn- und Veranstaltungsprogramm des Centers durch kostendeckende Beiträge der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu finanzieren. Die Universität bemüht sich, bei Firmen, Stiftungen und bei Persönlichkeiten, die in der Wissenschaftsförderung und der Förderung der internationalen Beziehungen engagiert sind, Stipendien für die Studierenden einzuwerben.

    Das Center soll als fachbereichsübergreifende Einrichtung der Universität errichtet und von einem Vorstand geleitet werden. Ein Beirat mit Vertretern aus Wissenschaft, Politik, Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft berät das Center. Ein zu gründender Förderverein kann ideelle und finanzielle Unterstützung bieten.

    Das reguläre Studium am Center soll im Wintersemester 1999/2000 beginnen, die Erprobung des Studienangebotes bereits im Wintersemester 1998/99.

    1.6 Spendenaktionen von "Hamburger Abendblatt" und "Die Welt"/Norddeutscher Rundfunk

    Auf Anregung zweier Absolventen der Universität rief Mitte Oktober 1997 das "HamburgerAbendblatt" seine Leserinnen und Leser auf, für eine neue Bestuhlung des Auditorium Maximum zu spenden. Prominente Absolventen der Universität wurden vorgestellt, die als erste diesem Aufruf gefolgt waren und eine Patenschaft für einen Stuhl in diesem größten Vorlesungsraum übernommen hatten. Die Aktion "Ein Platz im Audimax", die der Universität ermöglichen sollte, die über 40 Jahre alte Einrichtung des Auditoriums zu ersetzen, wurde von der Chefredaktion dieser Tageszeitung mit großem Engagement betrieben und fand große Resonanz: Ende des Jahres hatten schon über 400 neue Stühle ihre Patin oder ihren Paten gefunden. Die Namen dieser Spender werden dauerhaft sichtbar verzeichnet werden. Die organisatorische Abwicklung der Spendenaktion wurde von einer Agentur übernommen, die von zwei jungen Absolventen der Universität gegründet wurde. Sie waren es auch, die die Idee der Aktion "Ein Platz im Audimax" entwickelt hatten.

    Während der studentischen "Streikbewegung" trat Anfang Dezember die Hamburg-Ausgabe der Tageszeitung "Die Welt", gemeinsam mit dem Norddeutschen Rundfunk, mit der Spendenaktion "Uni in Not" an die Öffentlichkeit. Die Aktion wurde von einer intensiven Berichterstattung über die Mängel an materieller Ausstattung in vielen Einrichtungen der Universität begleitet. "Uni in Not" erbrachte zahlreiche Sachspenden, besonders in Form von Büchern, und finanzielle Mittel in Höhe von rund DM 170.000,00. "Die Welt" bildete ein Kuratorium mit Vertretern vor allem der Hamburger Wirtschaft, das über die Verteilung der Spendengelder entscheiden sollte. Über die Leitung der Universität wurden die Fachbereiche gebeten, kurzfristig dringende Ausstattungsbedarfe, besonders im Geräte- und Bibliotheksbereich, zu benennen. Eine umfangreiche "Bedarfsliste" der Universität wurde der Redaktion übermittelt. Auf dieser Grundlage werden die Spenden auf die Fächer und Einrichtungen verteilt.

    1.7 Zusammenführung der beiden juristischen Fachbereiche

    Im Jahre 1997 hat die Gemeinsame Kommission zur Zusammenführung der beiden juristischen Fachbereiche unter Leitung des Universitätspräsidenten ihre zweijährige intensive Arbeit erfolgreich beendet. Rückblickend ist festzustellen, daß die sorgfältigen, detaillierten und künftige Herausforderungen berücksichtigenden Planungen für den sich am 01.04.1998 konstituierenden neuen Fachbereich zu einem früher kaum zu erwartenden Konsens geführt haben.

    Nachdem der Fachbereichsrat des Fachbereiches Rechtswissenschaft II am 09.07.1997 und der Fachbereichsrat des Fachbereiches Rechtswissenschaft I am 02.09.1997 dem von der Gemeinsamen Kommission erarbeiteten Einigungskonzept zugestimmt hatten, beschloß der Akademische Senat am 30.10.1997 die Zusammenlegung beider Fachbereiche. Angesichts politisch vorgegebener Einsparungen seien künftig allein hierdurch optimale Arbeit in Lehre und Forschung sowie die Konkurrenzfähigkeit der Hamburger Rechtswissenschaft in bundesweitem Vergleich gewährleistet, heißt es in dem Beschluß.

    Für die Personalstruktur bedeutet das, daß die früher 53 Professuren beider Fachbereiche auf 30 reduziert werden, indem freiwerdende Stellen entweder eingespart oder zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit in Stellen für Wissenschaftliche Mitarbeiter umgewandelt werden. Statt wie bisher ca. 770 sollen in Zukunft 720 Studienanfänger pro Jahr aufgenommen werden. Die ersten Studierenden des neuen Fachbereiches werden sich zum Sommersemester 1998 immatrikulieren können.

    Die Institutsstruktur sieht unter Zusammenfassung der Institute des bisherigen Fachbereiches I und der Arbeitsbereiche des bisherigen Fachbereiches II künftig drei große Institute mit stärkerem Lehrbezug für die drei Rechtsgebiete Zivilrecht, Öffentliches Recht und Strafrecht und eine Zahl von mehr forschungsbezogenen kleineren Instituten und Forschungsstellen vor.

    Der neue Lehrplan übernimmt bewährte Elemente der bisher unterschiedlichen Studienkonzepte beider Fachbereiche und berücksichtigt auch von den Studierenden vorgeschlagene Reformansätze.

    2. EREIGNISSE UND STRUKTURELLE ÄNDERUNGEN VON BESONDERER BEDEUTUNG

    2.1 Wiederwahl des Präsidenten

    Auf Empfehlung des Wahlausschusses beschlossen der Akademische Senat und das Konzil im Dezember 1996 den Beschluß, vier Bewerber um das Amt des Präsidenten/der Präsidentin der Universität Hamburg zu einer Vorstellung und Befragung einzuladen. Der Vizepräsident übermittelte den Bewerbern eine entsprechende Einladung mit Schreiben vom 13. Dezember und bat bis zum 2. Januar 1997 um ein Papier mit Vorstellungen zur Wahrnehmung des Amtes eines Universitätspräsidenten. Einer der Eingeladenen zog mit Schreiben vom 29. Dezember 1996 seine Bewerbung zurück.

    In der gemeinsamen Sitzung des Akademischen Senats und des Konzils wurden am 15. Januar 1997 die folgenden Bewerber angehört und befragt:

    Dr. Wolfgang Heinicke (Bad Honnef), Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Hein Kötz (Hamburg), Präsident Dr. Dr. h. c. Jürgen Lüthje (Hamburg).

    In der Sitzung des Konzils am 5. Februar 1997 erhielt Dr. Dr. h. c. Jürgen Lüthje im ersten Wahlgang 33 Stimmen und wurde damit für eine weitere sechsjährige Amtszeit als Präsident der Universität Hamburg wiedergewählt. Auf Prof. Dr. Dr. h. c. Hein Kötz entfielen 15 Stimmen; 13 Konzilsmitglieder enthielten sich der Stimme.

    2.2 Koalitionsvereinbarung zwischen SPD und Bündnis 90/DIE GRÜNEN (GAL)

    Die Bürgerschaftswahl im September 1997 führte zu einer neuen Koalition zwischen SPD und Bündnis 90/DIE GRÜNEN (GAL). Die Koalitionsvereinbarung mißt dem Politikbereich "Wissenschaft und Forschung" einen hohen Stellenwert zu. Aus Sicht der Universität sind die nachfolgenden Aussagen von besonderer Bedeutung:

    Im Nachtrag zum Haushaltsplan 1998 hat der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg erste Schritte zur Umsetzung dieser Programmpunkte eingeleitet.

    2.3 Stiftung und erstmalige Verleihung der Bruno-Snell-Plakette

    Im Sommersemester 1996 erinnerte die Universität Hamburg im Rahmen eines hochrangig besetzten Vortragszyklus an Prof. Dr. Bruno Snell, der als Wissenschaftler und langjähriges Mitglied des Lehrkörpers, als Dekan der Philosophischen Fakultät und als zweimaliger Rektor erheblich zum Ansehen der Universität Hamburg beitrug.

    Im gleichen Semester übertrug Frau Emma Vogler der Universität Hamburg die Prägerechte für eine "Bruno Snell-Plakette", die 1947 von der Hamburger Bildhauerin Anne-Marie Vogler (1892-1983) gefertigt worden war. Damit entstand der Gedanke, eine "Bruno Snell-Plakette" als besondere Auszeichnung der Universität Hamburg an herausragende Persönlichkeiten zu vergeben und auf diese Weise an das beispielhafte Wirken Snells zu erinnern.

    Im Auftrag des Präsidenten erarbeitete eine Arbeitsgruppe unter Vorsitz des Vizepräsidenten den Entwurf einer "Richtlinie für die Vergabe der Bruno Snell-Plakette für beispielhaftes Wirken in Wissenschaft und Gesellschaft", der der Akademische Senat in seiner Sitzung am 12. Juni 1997 zustimmte. In der Vergaberichtlinie heißt es: "Die Bruno Snell-Plakette wird vergeben an herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich in ihrem Denken und Handeln haben leiten lassen von den folgenden Grundüberzeugungen und Handlungsmaximen:

    und die sich außerhalb der Wissenschaft durch beispielhaftes Engagement besondere Anerkennung und Verdienste erworben haben."

    Der Akademische Senat folgte auch der Einschätzung der Arbeitsgruppe, daß eine Vergabe der Bruno Snell-Plakette nur sinnvoll sei, wenn sie als hochrangige Auszeichnung angesehen und der Goldenen Medaille und der Gründungsmedaille gleichgesetzt würde. Durch seltene Vergaben in herausgehobener Form sei diese Bedeutung zu dokumentieren.

    Auf Vorschlag des Instituts für Griechische und Lateinische Philologie beschloß der Akademische Senat am 3. Juli einstimmig, die Bruno Snell-Plakette erstmalig an den Snell-Schüler Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Walter Jens zu vergeben. Zur Begründung wurde ausführlich auf das umfangreiche, fachübergreifende wissenschaftliche und publizistische Werk verwiesen, außerdem auf das couragierte politische Engagement und das vielfältige Wirken in zahlreichen Ämtern.

    Am 12. Dezember 1997 wurde Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Walter Jens im Rahmen eines Festaktes im Kaisersaal des Rathauses mit der Bruno Snell-Plakette ausgezeichnet. In den "Hamburger Universitätsreden" werden die Grußworte der Wissenschaftssenatorin und des Universitätspräsidenten, die Laudatio von Prof. Dr. Joachim Dingel sowie die Dankesrede von Prof. Dr. Jens veröffentlicht werden.

    2.4 Gedenkveranstaltung für Siegfried Landshut

    Nachdem die Universität in den vergangenen zwei Jahren in Vortragsreihen des Philosophen Ernst Cassirer sowie des klassischen Philologen Bruno Snell, zwei ehemaligen Kollegen Landshuts, gedacht hatte, wurde die Erinnerung an bedeutende Gelehrte der Universität wie auch die kritische Aufarbeitung der eigenen Geschichte mit einer Veranstaltungsreihe zum 100. Geburtstag von Siegfried Landshut (1897 - 1968) fortgesetzt.

    Mit einem Symposium am 12. und 13. November im Warburg-Haus würdigte die Universität den ersten Hamburger Lehrstuhlinhaber für die "Wissenschaft von der Politik". Landshut ist in der Nachkriegszeit in Hamburg der erste - und überhaupt in der Bundesrepublik einer der ersten - Inhaber einer Professur für Politische Wissenschaft. Er hat entscheidend zur Etablierung des Faches beigetragen. Ziel des Symposiums war nicht nur die Behandlung der rein fachlichen Aspekte, sondern auch die Erinnerung an die Vertreibung und Diskriminierung an der Universität unter der Herrschaft des Nationalsozialismus.

    In einer dreiteiligen Vortragsreihe mit den Referenten Klaus von Dohnanyi, Shmuel Eisenstadt und Iring Fetscher wurde die Erinnerung an Siegfried Landshut fortgesetzt.

    Landshut ist als einer der "Gründerväter" der Politischen Wissenschaft, als Herausgeber der Frühschriften von Karl Marx und einer der herausragenden Marx-Forscher sowie als Wegbereiter der Tocqueville-Rezeption bisher nicht genügend beachtet worden. Mit seinen eigenständigen fundamental kritischen Arbeiten und kompromißlosen Deutungen der Zeit ist er immer gegen den Strom geschwommen. Landshut tat dies auf einem Lebensweg, dessen Lebens- und Überlebensstationen unter Katastrophenzeichen gestanden haben. Dazu gehören zwei gescheiterte Habilitationsversuche an der Universität Hamburg 1928 und 1933. Dem Assistenten an der Universität wurde als Jude gekündigt. Landshut ging nach Ägypten, später Palästina, wieder Ägypten und Grossbritannien ins Exil. Seine Rückkehr an die Hamburger Universität im Jahre 1951 gestaltete sich noch mühselig. Er lehrte in Hamburg bis zu seiner Emeritierung 1965 und in beschränktem Umfang noch darüber hinaus bis zu seinem Tod am 8.12.1968.

    Eine vierbändige Gesamtausgabe des Werkes von Siegfried Landshut ist in Vorbereitung.

    2.5 75 Jahre Universitäts-Gesellschaft Hamburg

    Am 7. November 1997 feierte die 1922 von Hamburger Kaufleuten gegründete Universitäts-Gesellschaft Hamburg, die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Universität, mit einem Festakt im Großen Festsaal des Rathauses ihr 75jähriges Bestehen. Im Mittelpunkt der Jubiläumsfeier stand ein Vortrag des Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Prof. Dr. Wolfgang Frühwald, der vor rund 700 Zuhörern über "Die Zukunft von Bildung und Forschung in Europa" sprach. Jürgen Schrader, Vorsitzender des Vorstandes der Gesellschaft, kündigte an, daß man künftig verstärkt im Kreise der vielen Absolventen der Universität um neue Mitglieder werben wolle. Der Präsident der Universität nutzte die Gelegenheit seiner Ansprache zu einem Aufruf, der Universität noch mehr als bisher private finanzielle Unterstützung zukommen lassen. Er begrüßte ausdrücklich die durch Satzungsergänzung bekundete Absicht der Gesellschaft, sich noch intensiver als früher der Einwerbung von Spenden und der finanziellen Förderung von Forschung und Lehre zu widmen. Die bisher mehr ideelle Förderungstätigkeit der Universitäts-Gesellschaft, verwirklicht in einem regen Veranstaltungsprogramm, das immer wieder Hochschulangehörige und Hamburger Öffentlichkeit in fruchtbaren Kontakt bringt, werde durch diese erweiterte Aufgabenstellung vorteilhaft ergänzt.

    2.6 Gründung des "Runden Tisches Energie" und Konzept zur Energieoptimierung

    Im Dezember 1996 gründeten Mitarbeiter der Universität einen "Runden Tisch Energie". Dieser Unterausschuß des Arbeitskreises "Agenda 21 der Universität Hamburg" soll sich speziell mit den Fragen des rationellen Umgangs mit Energie und Wasser befassen. Ziel soll ein verbessertes Nutzverhalten und damit verbunden eine andere Unternehmenskultur im Umgang mit Energie und Wasser sein.
    Sehr schnell wurde erkannt, daß ohne die Einbeziehung möglichst vieler Mitglieder der Universität wirksame Erfolge nicht zu erreichen sein werden. Um diese Mitarbeit zu erreichen, soll ein Anreizsystem geschaffen werden, wie es in ähnlicher Form schon im Schulbereich eingeführt worden war und bundesweit unter dem Namen "fifty-fifty" bekannt geworden ist. Durch die finanzielle Unterstützung des Projektes Universitätsentwicklung konnte ein Moderator beauftragt werden. Dieser Moderator, das Institut für Organisationskommunikation, betreut den "Energietisch" seit November 1997 und konnte bereits Mitarbeiter für mehrere Energieteams in den Fachbereichen gewinnen.
    Rückendeckung für den Energietisch und die Energieteams gibt die vom Präsidenten erlassene Richtlinie, welche vorerst für die Fachbereiche Physik, Chemie, Biologie, Informatik und das Regionale Rechenzentrum gelten soll, wonach die Nutzer an den eingesparten Energiekosten zu 50 % beteiligt werden. Somit können diese Fachbereiche und Einrichtungen davon ausgehen, daß es zukünftig nicht nur zu umweltschonenden Energieeinsparungen kom men wird, sondern als Anreiz auch Forschung und Lehre zugute kommende "Gewinne" zu erwarten sind.

    2.7 Tätigkeit und Bericht der "Arbeitsgruppe Humanbiologie"

    Anläßlich der von der studentischen "AG gegen Rassenkunde" angestoßenen öffentlichen Diskussion über das Institut für Humanbiologie setzte der Akademische Senat am 23. Januar 1997 eine Arbeitsgruppe ein und bat sie, den Fachbereich Biologie bei der Vorbereitung einer öffentlichen Veranstaltung aus Anlaß der Kritik an der Arbeit des Instituts für Humanbiologie zu beraten. Die Arbeitsgruppe konstituierte sich am 17. Februar unter Vorsitz des Präsidenten und führte bis September insgesamt sechs Sitzungen durch.

    Die Mitglieder der Arbeitsgruppe verständigten sich mehrheitlich darauf, nicht als Untersuchungsausschuß mit dem Auftrag und der Möglichkeit einer umfassenden Sachaufklärung tätig zu werden. Der Schwerpunkt des Auftrags wurde in der Beratung des Fachbereichs Biologie bei der Gestaltung der öffentlichen Diskussion über die Humanbiologie gesehen. Zugleich hielten die Mitglieder der Arbeitsgruppe eine Klärung der öffentlichen Kritik in einem gewissen Umfang für unverzichtbar. Deshalb sah die Arbeitsgruppe ihre Aufgabe auch darin, den gegensätzlichen Positionen erstmals ein Forum sachlicher Auseinandersetzung zu geben, um anschließend die vorgetragenen Argumente einschätzen und hinsichtlich möglicher Konsequenzen bewerten zu können.

    In den Gesprächen nahmen die folgenden Themenfelder einen breiten Raum ein:

    In der Sitzung am 11. September 1997 verabschiedete die Arbeitsgruppe einstimmig eine Reihe von Feststellungen und Empfehlungen. Auf der Grundlage des in großem Umfang vorgelegten Materials und der Stellungnahmen der Betroffenen hielt die Arbeitsgruppe die Vorwürfe des Rassismus, des Antisemitismus und des Biologismus gegenüber den am Institut für Humanbiologie tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für nicht begründet.

    Die Arbeitsgruppe wies darauf hin, daß in der modernen Humanbiologie der Begriff "Rasse" umstritten sei. Dieser Meinungsstreit müsse in wissenschaftlicher Freiheit ausgetragen werden. Bei der Anwendung des Rassebegriffs auf menschliche Populationen sei allerdings dessen historische Belastungen zu berücksichtigen und besondere Aufmerksamkeit darauf zu verwenden, rassistisch wertenden Argumentationen keinen Vorschub zu leisten. Die Arbeitsgruppe verhehlte nicht, "daß in einzelnen Fällen der Eindruck entstehen konnte, es sei nicht immer mit der nötigen Sorgfalt vorgegangen worden." Als nicht problemlos wertete die Arbeitsgruppe außerdem die Verwendung alten Bildmaterials zur "Typologie menschlicher Rassen" und empfahl, "bei der Verwendung biologischer Begriffe und älteren Bildmaterials deren historische Belastungen sowie ihre Bedeutungszusammenhänge aus der Sicht anderer wissenschaftlicher Disziplinen stärker zu berücksichtigen". Die Arbeitsgruppe des Akademischen Senats wies außerdem auf die Notwendigkeit hin, die Geschichte des Faches Humanbiologie verstärkt aufzuarbeiten.

    Darüber hinaus schlug die Arbeitsgruppe die Einrichtung eines Ethik-Rates vor, der sich bei gegebenen Anlässen mit Fragen der Wissenschaftsethik befassen soll oder angerufen werden kann. Der Ethik-Rat soll im Auftrag des Akademischen Senats oder des Präsidenten tätig werden. Ihm soll aber auch die Möglichkeit eingeräumt werden, eigenständig Fragen oder Probleme aufzugreifen.

    Nach längerer Diskussion nahm der Akademische Senat den Bericht und die Empfehlungen der Arbeitsgruppe am 30. Oktober zustimmend zur Kenntnis und sprach sich zugleich für die Errichtung eines Ethik-Rates aus. Am 20. November wählte er die folgenden Personen zu Mitgliedern des Ethik-Rates:

    Prof. Dr. Jörn Dierken, Prof. Dr. Karl-Werner Hansmann, Dr. Stephan Albrecht, Hartmut Delmas, Olaf Walter, Sönke Klages, Holger Weidner.

    2.8 Errichtung neuer Institute

    Nachdem im Fachbereich Rechtswissenschaft II seit längerer Zeit ein interdisziplinärer Forschungsschwerpunkt Law and Economics bzw. Recht und Ökonomie gebildet worden war und eine enge Kooperation zwischen beiden rechtswissenschaftlichen Fachbereichen der Universität bestand, ist nunmehr seit Anfang des Jahres unter Beteiligung der Gemeinsamen Kommission für die Zusammenlegung der beiden rechtswissenschaftlichen Fachbereiche ein Institut für Recht und Ökonomik errichtet worden. Das Institut wird als dauernde Einrichtung der Forschung und Lehre im Bereich der Ökonomischen Analyse des Rechts, der Institutionenökonomie und weiterer Gebiete der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Rechts- und Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Zivilrecht tätig. Zu den Aufgaben der wissenschaftlichen Einrichtung gehört auch die Durchführung des ERASMUS Programms für Recht und Ökonomie.

    Mitte des Jahres wurde im Fachbereich Sprachwissenschaften das Institut für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser errichtet. Es ist aus dem Zentrum für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation Gehörloser im Germanischen Seminar hervorgegangen. Nachdem ein Modellversuch in allen Schwerpunkten erfolgreich durchgeführt und abgeschlossen worden ist, sollen nunmehr mit der Errichtung des Instituts folgende Aufgaben weitergeführt werden:

    2.9 Stiftungsprofessur "Nachhaltige Umweltentwicklung

    In Kooperation mit der "Michael Otto-Stiftung für Umweltschutz" hat die Universität die Konzeption für eine Stiftungsprofessur mit der Bezeichnung "Nachhaltige Umweltentwicklung" im Berichtsjahr bis zur Ausschreibungsreife entwickeln können. Die Vorüberlegungen zu dieser Stiftungsprofessur reichen in das Jahr 1995 zurück, als auf Anregung der Hamburger Meeres- und Klimaforschung Fragen der Integration umweltrelevanter Forschung in einer Gesprächsrunde mit Vertretern aus den Fachbereichen Rechtswissenschaft II, Wirtschaftswissenschaften, Medizin, Erziehungswissenschaft und Biologie sowie des Zentrums für Meeres- und Klimaforschung und des Max-Planck-Instituts für Meteorologie erörtert wurden. Die Überlegungen wurden zusätzlich durch die Bereitschaft der Michael Otto-Stiftung für Umweltschutz angeregt, die Berücksichtigung und Vermittlung politischer, rechtlicher, ökonomischer, ethischer und kultureller Aspekte bei der Erforschung und Behandlung von Umweltfragen durch befristete Finanzierung einer Professur zu fördern. Bei den Beteiligten bildete sich die Überzeugung, daß eine solche Stiftungsprofessur einen nachhaltig wirksamen Impuls für die interdisziplinäre Forschung geben würde und durch eine nachfolgende Finanzierung aus dem Haushalt der Universität die Langfristigkeit des Forschungsschwerpunktes gesichert werden sollte. Auf den förmlichen Antrag der Universität vom 28.10.1996 hat die Michael Otto-Stiftung ihre Bereitschaft erklärt, für die Dauer von fünf Jahren, beginnend in 1998, 249 TDM p. a. für die Errichtung der geplanten Stiftungsprofessur zur Verfügung zu stellen. Diese Finanzmittel dienen im einzelnen der Finanzierung einer Stiftungsprofessur der Besoldungsgruppe C4, der Geschäftsführung (2/3-Doktorandenstelle nach Verg.Gr. IIa BAT) und einer fremdsprachlichen Angestellten (0,5-Stelle nach Verg.Gr. VIb BAT). Die Stiftung hat zur Bedingung ihrer Förderung gemacht, daß die Universität zur dauerhaften Abstützung der universitären Forschung durch die Stiftungsprofessur nach Ablauf des Förderungszeitraumes von fünf Jahren in die weitere Finanzierung der Professur und ihrer Ausstattung eintritt. Diese Bedingung ist wegen der Langfristigkeit des Forschungsschwerpunktes sachlich begründet. Der Akademische Senat hat auf seiner Sitzung im November 1997 für die Unterstützung der vorgestellten Konzeption der Stiftungsprofessur beschlossen. Wegen der gewünschten fächerübergreifenden Orientierung wird er einen Berufungsausschuß, dem auch ein Vertreter der Stiftung angehören wird, mit entsprechend breiter fachlicher Beteiligung einsetzen. Über die endgültige Zuordnung der Professur soll erst später einvernehmlich mit dem Stelleninhaber/der Stelleninhaberin entschieden werden.

    2.10 Satzung über die Anzahl der zu wählenden Vizepräsidentinnen und Vizepräsidenten

    Das Konzil hatte dem Akademischen Senat empfohlen, von der Experimentierklausel des HmbHG Gebrauch zu machen und zwei Vizepräsidentinnen und/oder Vizepräsidenten unterschiedlicher Statusgruppen zu wählen. Entsprechend hat der Akademische Senat im Juli 1997 beschlossen, daß zwei Vizepräsidentinnen oder Vizepräsidenten gewählt werden, von denen eine oder einer der Gruppe der ProfessorInnen angehören muß. Die andere Vizepräsidentin oder der andere Vizepräsident soll einer anderen Statusgruppe angehören. In dem nach § 128 HmbHG erforderlichen Genehmigungsverfahren hat die Behörde für Wissenschaft und Forschung um die Klärung folgender Probleme gebeten:

    Der Akademische Senat wird sich mit der Angelegenheit erneut befassen und einen modifizierten Satzungsentwurf beraten.

    2.11 14. und 15. Änderungsgesetz zum HmbHG

    Im Sommer 1997 ist das Gesetzgebungsverfahren zur Novellierung des HmbHG, über das im Jahresbericht 1996 ausführlich berichtet worden ist, abgeschlossen worden. Zu den wesentlichen Gesetzesänderungen gehören die Ausweitung staatlicher Befugnisse im Ausschreibungs- und Berufungsverfahren, die Exmatrikulation bei Nichtteilnahme an der Studienberatung nach Überschreiten der Regelstudienzeit, die Stärkung der Stellung der Fachbereichssprecher, die nunmehr die Bezeichnung Dekane führen und grundsätzlich für vier Jahre gewählt werden sollen, sowie die Einführung des Wirtschaftsplans und die Einfügung einer Experimentierklausel.

    2.12 Rechnungshofprüfung Institut für Angewandte Botanik

    Der Rechnungshof hat sich mit den vom Institut wahrgenommenen Auftragsangelegenheiten auseinandergesetzt, d. h. mit Tätigkeiten, die nicht zu den Kernaufgaben der Universität gehören. In seinem insgesamt abgewogenen Bericht zur Prüfung vom 10.12.1996 fordert er, daß sich die Universität auf ihre eigentlichen Aufgaben beschränkt und alle Aufgabenfelder ohne Bezug zu Lehre und Forschung aufgibt, auslagert bzw. durch die jeweilige beauftragende Behörde getragen werden.

    Er nahm damit wieder ein Thema auf, mit dem sich die Universität bereits im Jahre 1992 auseinandergesetzt hatte. Ging es 1992 bei den aufgabenkritischen Untersuchungen der Universität um die Frage, welche Auftragsangelegenheiten zwar ausgelagert, aber grundsätzlich weiterhin im Rahmen der staatlichen Verwaltung wahrgenommen werden und welche in der Universität verbleiben, stehen jetzt gesamthamburgische Kostenreduzierungen im Vordergrund.

    Ein weiteres wichtiges Anliegen des Rechnungshofes ist die Bereinigung des Universitätshaushaltes von Kosten, die nicht durch entsprechende Einnahmen/Gebühren gedeckt werden; hier sollen Defizite künftig durch Modifizierung der Gebührenordnungen aufgefangen bzw. durch die jeweilige beauftragende Behörde getragen werden.

    Das Institut für Angewandte Botanik hat den Rechnungshofbericht zusammen mit den Empfehlungen der Externen Beratungskommission zur Struktur- und Entwicklungsplanung der Universität Hamburg beraten, die dem Fachbereich Biologie eine konsequente Umorganisation empfohlen und die Zusammenführung des Instituts für Angewandte Botanik mit dem Institut für Allgemeine Botanik und Botanischer Garten unterstützt hat.

    Das Institut für Angewandte Botanik hat beschlossen, zukünftig auf Routineuntersuchungen zu verzichten, die verbleibenden Tätigkeitsfelder neu zu gewichten und die Zahl seiner Abteilungen zu reduzieren. Das Institut hat sich für einen Verbleib des Pflanzenschutzamtes bei einer neuen Abteilung Phytomedizin unter enger Anbindung der Amtlichen Pflanzenbeschau ausgesprochen und einer Zusammenlegung beider botanischen Institute zugestimmt. Der Rechnungshof hält eine Verlagerung eines verkleinerten Instituts für Angewandte Botanik nach Klein-Flottbek für "eine realistische Variante".

    Bei der Frage, ob die Amtliche Pflanzenbeschau ihre Tätigkeit weiterhin im Verband der Universität ausübt und dabei enger als in der Vergangenheit an das Pflanzenschutzamt (oder seine Nachfolgeabteilung) angebunden wird, sind neben der künftigen Organisation der mit dem Pflanzenschutz in Hamburg befaßten Stellen und den gesamtwirtschaftlichen Aspekten dieses Dienstes für Hamburg der für die Universität besonders wichtige wechselseitige fachliche Austausch zwischen Praxis und Grundlagenforschung von vorrangigem Interesse für die weiteren Überlegungen.

    Mit der Neustrukturierung des Instituts für Angewandte Botanik ist zwangsläufig ein Personalabbau verbunden, der jedoch nur mittelfristig zu realisieren sein wird.

    Für den Ausbildungsgang für Landwirtschaftlich-Technische Assistenten wurde eine neue Lösung gefunden. Das Institut für Angewandte Botanik wird hier mit dem Institut für Zierpflanzenzüchtung in Ahrensburg in der Weise kooperieren, daß der theoretische Block in Ahrensburg stattfindet.

    3. LEHRE, STUDIUM, WEITERBILDUNG

    3.1 Verleihung des Fischer-Appelt-Preises

    Der Fischer-Appelt-Preis für hervorragende Leistungen in der akademischen Lehre wurde 1997 zum sechsten Mal verliehen. Die Auszeichnung ging an Frau Dr. Ingrid Wetzel, wissenschaftliche Assistentin am Fachbereich Informatik, Arbeitsbereich Softwaretechnik.

    Aus einer größeren Anzahl von Vorschlägen wurde Frau Dr. Wetzel hauptsächlich in Würdigung der von ihr mit Mitarbeiterinnen des Arbeitsbereiches durchgeführten Lehrveranstaltung "Softwaretechnik-Projekt" ausgewählt. Hierbei handelte es sich um ein zweisemestriges Projektseminar für Studierende des Hauptstudiums, dessen konkreter Gegenstand der Stationsarbeitsplatz im Krankenhaus war. Zum Seminar gehörte es, daß die Studierenden - überwiegend in koordinierten, aber selbständig arbeitenden Kleingruppen - selbst die Bedarfe im Krankenhaus ermittelten und sodann, in mehrfacher Rückkoppelung mit den betroffenen Stellen, die jeweils geeignete Softwareunterstützung entwickelten. Dabei wurden bereits am Markt befindliche Angebote den Studierenden mittels Messe-Exkursionen bekanntgemacht und von ihnen in die weitere Arbeit einbezogen. Ein wichtiges Projektergebnis war die Erstellung forschungsrelevanter Prototypen für den Gruppenarbeitsplatz Station. Das Preiskomitee gelangte zur der Überzeugung, daß die vorgestellte, von einer größeren Anzahl Studierender besuchte Lehrveranstaltung von Frau Dr. Wetzel zu denjenigen gehört, die im Sinne der Ausschreibungskriterien "über einen längeren Zeitraum die selbständige und gemeinschaftliche Beteiligung der Studierenden an Forschungsvorhaben verwirklichen".

    3.2 Abschlüsse nach kürzerer Studienzeit

    Im Berichtsjahr 1997 ist die bundesweite Diskussion um die Einführung gestufter Studienabschlüsse an der Universität Hamburg sowohl auf Fachbereichsebene als auch in zentralen Veranstaltungen, wie z. B. dem dies academicus am 18. Juni 1997, vertieft geführt worden. Es besteht eine weitgehende Übereinstimmung, daß die Einführung eines früheren Abschlusses nach einem ca. sechssemestrigen Studium insbesondere im Hinblick auf die Bedürfnisse derjenigen Studierenden, die die Universität derzeit nach einem Teilstudium ohne Hochschulgrad verlassen, und im Hinblick auf eine bessere Kompatibilität mit dem anglo-amerikanischen Bildungssystem eine sinnvolle Reformmaßnahme sein kann.
    Vor diesem Hintergrund hat der Fachbereich Informatik 1997 eine Regelung über die Verleihung des akademischen Grades "Baccalaurea Scientiae" bzw. "Baccalaureus Scientiae" in seine Prüfungsordnung aufgenommen. Mit diesem akademischen Grad wird auf Antrag der Erwerb einer wissenschaftlichen Grundqualifikation im Fachbereich Informatik bescheinigt. Die Verleihung des Baccalaureats setzt eine bestandene Diplom-Vorprüfung, zwei bestandene Fachprüfungen in Kerngebieten eigener Wahl sowie eine erfolgreich durchgeführte Studienarbeit voraus.
    Auch der Fachbereich Sprachwissenschaften wird zukünftig, vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung, auf Antrag den akademischen Grad einer "Baccalaurea Artium" bzw. eines "Baccalaureus Artium" als möglichen aber nicht obligatorischen Abschluß im Rahmen des Magisterstudiums anbieten. Das Baccalaureatsstudium umfaßt hier die gesamte erste Phase des Magisterstudiums in allen Studienfächern und einen Leistungsnachweis aus dem Hauptstudium des Haupt- bzw. ersten Hauptfaches. Die Baccalaureatsprüfung umfaßt eine Klausur und eine mündliche Prüfung im Haupt- bzw. ersten Hauptfach.
    An weiteren Fachbereichen, wie z. B. Evangelische Theologie, Wirtschaftswissenschaften und Mathematik sind vergleichbare Änderungen der Prüfungsordnungen bereits so weit fortgeschritten, daß auch hier in Kürze entsprechende Abschlußmöglichkeiten angeboten werden können.

    3.3 Situation der ausländischen Studierenden

    Vor dem Hintergrund der in Fachgremien aber auch in der Öffentlichkeit geführten Diskussion um den Wissenschaftsstandort Deutschland und um die sinkende Attraktivität deutscher Hochschulen läßt sich feststellen, daß zumindest im Hinblick auf das Verhalten ausländischer Studienbewerber dieser Trend die Universität Hamburg noch nicht ergriffen hat.

    Nach wie vor gibt es für alle hier angebotenen Studiengänge z. T. sogar noch deutlich mehr qualifizierte Bewerbungen als im Rahmen der für ausländische Studienbewerber vorgesehenen Quote zugelassen werden können. Als Begründung für die Bewerbung um einen Studienplatz an der Universität Hamburg werden immer wieder die Attraktivität des Standortes Hamburg als Hafen- und Weltstadt und der hohe Leistungsstand von Forschung und Lehre angegeben.

    Es haben sich allerdings einige interessante Umschichtungen in der Bewerberstruktur nach Herkunftsländern bzw. -regionen ergeben. So hat sich das kontinuierliche Anwachsen von Bewerbungen im Bereich der Geistes-, Sprach , Sozial- und Wirtschaftswissenschaften aus den Ländern des ehemaligen Ostblock und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion fortgesetzt, wobei es sich in der Regel um höhere Semester handelt.

    Andererseits ist ein deutlicher Rückgang von Studienbewerbungen aus dem Iran, die in den zurückliegenden Jahren insbesondere die auf das Medizinstudium und verwandte Fächer vorbereitenden Kurse im Studienkolleg für ausländische Studierende fast dominierten, zu verzeichnen. Gegenwärtig zeichnet sich das Gesamtspektrum der Studierenden im Studienkolleg, nach Herkunftsländern geordnet, durch eine große Ausgewogenheit aus, wobei unter den Teilnehmern aus Marokko und aus Mittel-Osteuropa eine zunehmende Tendenz zu beobachten ist.

    Bei den Bewerbungen aus den Staaten Afrikas südlich der Sahara, deren Vorbildungsnachweise zu einem direkten Hochschulzugang berechtigen, liegen die Bewerbungen aus Kamerun unangefochten an der Spitze; ihre Studienplatzbewerbungen sind zahlenmäßig größer als die aller anderen afrikanischen Staaten zusammengenommen.

    In der Gruppe der Studienbewerbungen aus Asien liegt die VR China bei den Bewerbungen nach wie vor an der Spitze, gefolgt von Südkorea, wobei allerdings die Bewerbungen aus der VR China nicht mehr so rasch anwachsen wie zuvor. Die Zahl der Bewerbungen aus Indonesien, die in den 70er Jahren lange Zeit die stärkste Gruppe unter allen ausländischen Studienbewerbern und auch der immatrikulierten Studierenden bildeten, sind - wie überall in Deutschland - weit zurückgefallen, ohne daß es dafür überzeugende Erklärungen gibt.

    Zum zweiten Male konnte der Präsident im Rahmen der Begrüßung der Erstsemester im Auditorium maximum den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) für hervorragende Leistungen ausländischer Studierender verleihen. Die diesjährige mit 2000 Mark dotierte und vom DAAD finanzierte Auszeichnung ging an die 24jährige bulgarische Studentin der Betriebswirtschaftslehre Gergana Stoianova.

    3.4 Verlagerung des Lehrerprüfungsamtes

    Erhebliche Unruhe unter Lehrenden und Studierenden löste die Entscheidung der Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung aus, das Lehrerprüfungsamt in die Gesamtschule Mümmelmannsberg zu verlegen. Nachdem diese Entscheidung nicht mehr zu revidieren war, zielten die Bemühungen der Universitätsleitung darauf, den erheblichen zeitlichen Aufwand für lange Anfahrtszeiten für besonders belastete Prüferinnen und Prüfer durch Verlagerung von Prüfungen in Räume der Universität zu mildern.

    Mit diesem Ziel führte der Vizepräsident zahlreiche Gespräche mit Vertretern der Schulbehörde, des Lehrerprüfungsamtes und der Behörde für Wissenschaft und Forschung. Zum Sommersemester 1997 wurde die folgende Regelung vereinbart: "Die Ersten Lehramtsprüfungen werden grundsätzlich im Lehrerprüfungsamt durchgeführt. Um die Zahl der Prüfungstage zu reduzieren, werden Prüfungstermine - wie bisher auch - in Blöcken zusammengefaßt. Prüfer, die an mehr als drei Tagen pro Semester einen Prüfblock haben, können entscheiden, ob sie die Prüfungen im Lehrerprüfungsamt oder in den Diensträumen der Universität wahrnehmen, ggf. auch in den Räumen der Behörde für Schule, Jugend und Berufsbildung in der Hamburger Straße. Zeitlich anderweitig besonders belasteten Prüfern wird dies im Einzelfall gleichfalls anheimgestellt."

    Für die letztgenannte Gruppe wurde ein umfangreicher Katalog von Funktionen erarbeitet, deren Wahrnehmung zur Durchführung von Prüfungen in der Universität berechtigt (z. B.: Dekane, Geschäftsführende Direktoren größerer wissenschaftlicher Einrichtungen, Vorsitzende von Prüfungsausschüssen usw.).

    Nach den Prüfungen des Sommersemesters protestierte eine Reihe von Prüferinnen und Prüfer insbesondere aus dem Fachbereich Sprachwissenschaften gegen die weitere Durchführung der Prüfungen in der Gesamtschule Mümmelmannsberg. Nach mehreren Gesprächen bat der Präsident mit Schreiben vom 03.09.1997 den Dekan des Fachbereichs Sprachwissenschaften, dafür Sorge zu tragen, daß die Mitglieder des Fachbereichs Sprachwissenschaften ihre Prüfungsverpflichtungen erfüllen und erforderlichenfalls den Mitgliedern des Fachbereichs entsprechende Weisungen zu erteilen.

    Für den Prüfungsdurchgang des Wintersemesters 1997/98 wurden dem Leh-rerprüfungsamt Räume im Gebäude Allende-Platz 1 zur Verfügung gestellt. Ca. 220 Prüfungen (20 % aller mündlichen Lehramtsprüfungen) fanden in diesem Semester in Räumen der Universität statt. Für das Sommersemester 1998 ist eine Ausweitung auf 350 Prüfungen vorgesehen. Zu diesem Zweck werden Räume im Gebäude Sedanstraße 19 bereitgestellt.

    3.5 Tätigkeitsschwerpunkte des Zentrums für Studienberatung und Psychologische Beratung

    Trotz sinkender Studierendenzahlen an der Universität Hamburg werden die Angebote des ZSPB unvermindert stark in Anspruch genommen. 1997 wandten sich mehr als 32.000 Menschen mit ihren Anliegen an die zentrale Beratungseinrichtung der Universität Hamburg. Darüber hinaus wurde allein im zweiten Halbjahr in rund 14.500 Fällen auf die neu eingerichteten 50 Informationsseiten des ZSPB im Internet zugegriffen.

    Die letztjährige Feststellung behält Gültigkeit, nach der sich der langfristig prognostizierte Zuwachs an Studieninteressierten um 30 % bis 2010 bereits jetzt in der Nachfrage nach Beratung abzuzeichnen beginnt. Dabei bleibt für das ZSPB zu bedenken, daß sich geplante Sparraten in den Fachbereichen, Umstrukturierungen und eine generelle Verringerung der Zahl der Studienplätze nicht als entsprechende Abnahme des Arbeitsaufkommens des ZSPB im Bereich allgemeiner Studienberatung niederschlagen. Verschärfte Zulassungsbedingungen und Probleme bezüglich der Studien- und Berufsperspektive erzeugen eher zusätzlichen Beratungsbedarf.

    Die Entwicklung, daß sich wandelnde gesellschaftliche Wirklichkeiten zu einer Veränderung der Lebenslagen für Studieninteressierte und Studierende führen (u. a. Verringerung von Studienplätzen, eingeschränkte Aussichten für den Wunschstudiengang, Zwang zum zielgerichteten und zügigen Studium, Ausweitung notwendiger Erwerbstätigkeit neben dem Studium, schlechte Berufsperspektiven), bewirkt nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ eine Veränderung der Beratungsnachfrage. Dabei wären bisherige Tätigkeitsfelder zunehmend zu wesentlichen Angebotsschwerpunkten auszuweiten. Dies gilt insbesondere für die Übergangsphasen "Schule-Hochschule" sowie "Hochschule-Beruf".
    Im Bewußtsein, daß diese Angebotsschwerpunkte nur in Zusammenarbeit mit anderen Kooperationspartnern zu gestalten sind, beteiligt sich das ZSPB koordinierend für Hamburg gemeinsam mit Schulen und Berufsberatung an der Entwicklung von Konzepten zur Weiterentwicklung entsprechender Beratungsangebote. Es wird jedoch von allen Beteiligten darauf hingewiesen, daß eine substantielle Ausweitung des Angebotes den Grenzsetzungen vorhandener personeller und sachlicher Ressourcen unterliegt.
    Trotz sinkender Studierendenzahlen bleibt die Nachfrage nach den psychologisch-psychotherapeutischen Angeboten des ZSPB auf außergewöhnlich hohem Stand. Offensichtlich wird den Mitarbeitern/innen sowie den vielfältigen psychologischen Angeboten, die seit mehr als 20 Jahren auf der Grundlage ständiger Evaluation weiterentwickelt werden, großes Vertrauen entgegengebracht. Ein zentrales Problem stellt jedoch die begrenzte Kapazität dar, die Überweisungen unumgänglich machen. Da die Möglichkeit für psychologische Psychotherapeuten, im Kostenerstattungsverfahren mit den Krankenkassen abzurechnen, im Rahmen des aktuellen Gesetzgebungsverfahrens zum Psychotherapeutengesetz weiter eingeschränkt wurde, gestaltet sich die Suche nach freien Therapieplätzen innerhalb des bisherigen Netzwerkes für Überweisungen zu ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten/innen weiterhin als außerordentlich schwierig.

    A) Allgemeine Studienberatung

    Die Auslastung der in ihrem Umfang unverändert gebliebenen täglichen Beratungsangebote in der offenen Sprechstunde bzw. am Telefon ist weiterhin hoch. Dies gilt auch für den Umfang schriftlicher Anfragen, obwohl durch die Verfügbarkeit des Zugriffs auf die ZSPB-Materialien im INTERNET ein zusätzliches Entlastungsangebot besteht. 1997 erhöhte sich die Auflagenhöhe der den Ratsuchenden innerhalb eines Jahres zur Verfügung gestellten nachgedruckten Informationsmaterialien (Prüfungsordnungen, Studienpläne, Merkblätter) erneut und zwar auf einen Gesamtseitenumfang von ca. 876.000 Seiten.

    offene
    Sprechstunde
    telefonische
    Beratung
    Beantwortung
    schriftlicher
    Anfragen
    Beratung in
    Kleingruppen
    Mittelwert
    1992-1996
    8.053 10.322 12.232 1.140
    1997 7.604 10.072 11.779 1.235
    1997 zu MW
    1992-1996
    -5,5% -2,4% -3,7% +8,3%
    1997 zu 1996 -4,6% -1,0% -0,1% +2,3%

    Während der Bewerbungszeiten und aus Anlaß der "Tage der offenen Tür" wurden wie gewohnt "Zentrale Informationsveranstaltungen" angeboten. An insgesamt zwei Veranstaltungen zu Fragen der Bewerbung für Studiengänge der ZVS und der Universität Hamburg nahmen ca. 350 Studieninteressierte teil.

    Für 327 Personen ergab sich die Notwendigkeit zu einer weitergehenden differenzierten Einzelberatung. Das Angebot einer "Abendsprechstunde für Berufstätige" am wöchentlichen Dienstleistungsabend wurde von 241 Ratsuchenden in Anspruch genommen.

    Das ZSPB leistete seinen regelmäßigen Beitrag zu Konzeption und Organisation der zu Beginn jeden Semesters stattfindenden Semesteröffnungsveranstaltungen.

    Im Rahmen der Präsenz der Universität Hamburg im INTERNET wurde das Informationsangebot und die Erreichbarkeit des ZSPB weiter ausgebaut. Alle Merkblätter des ZSPB sind bereits jetzt in der jeweils aktuellen Version abrufbar. Allein im zweiten Halbjahr 1997 wurden die rund 50 Internet-Seiten des ZSPB mehr als 14.500 mal aufgerufen. In zunehmendem Maße werden schriftliche Informationen und Beratung per e-mail angefordert. Das Projekt "elektronischer Studienführer für deutsche Hochschulen", realisiert durch eine Kooperation zwischen den Studienberatungsstellen der Hochschulen, nimmt weiter Gestalt an. Ratsuchenden soll der Zugriff zu einer umfassenden, anwenderfreundlichen und aktuellen Informationsdatenbank ermöglicht werden, die zudem einen Zugang zu den Beratungsdiensten der verschiedenen Hochschulen erlaubt. Ein besonderer personeller und zeitlicher Aufwand bezüglich der Entwicklung und Pflege eines solchen Serviceangebotes muß vorgehalten werden. Die Koordination für das Bundesland Hamburg wird durch einen Mitarbeiter des ZSPB wahrgenommen.

    B) Psychologische Beratung und Psychotherapie

    Seit vier Jahren ist für die Inanspruchnahme dieses Angebotes, welches sich an die Studierenden der Hamburger Hochschulen (außer Fachhochschule) richtet, ein stetiger Anstieg zu beobachten. Veränderungen studentischer Lebenslagen (Notwendigkeit zunehmender Erwerbstätigkeit neben dem Studium), organisatorische Vorgaben in bezug auf die Studiendauer (Fristsetzungen in Prüfungsordnungen) sowie eine sich verschlechternde Berufsperspektive nach dem Studienabschluß aktualisieren offensichtlich zunehmend persönliche Konflikte.

    Neuanmeldungen Kl. in Beratung/
    Psychotherapie
    Mittelwert 1992-1996 360 479
    391 520
    1997 zu MW
    1992-1996
    +8,6% +8,6%
    1997 zu 1996 -2,0 +1,4%

    Mehr als zwei Drittel der abgeschlossenen Maßnahmen sind als psychologische Beratungen mit bis zu sechs Gesprächsterminen zu verstehen. Nach diesen Gesprächen konnte entweder ein für die Ratsuchenden befriedigender Abschluß gefunden bzw. eine Überweisung zu themenzentrierten Gruppen (s. C), zu einzel- sowie gruppenpsychotherapeutischen Angeboten des ZSPB vorgenommen werden. Die zunehmende Einführung von Zeitbegrenzungen in Studiengängen führt dazu, daß regelmäßig in Zusammenarbeit mit Prüfungsämtern und Prüfungsausschüssen gutachterliche Stellungnahmen abgegeben werden.

    Der psychologische Notdienst des ZSPB, innerhalb dessen tagsüber ein/e Mitarbeiter/in für Ratsuchende in einer akuten Krisensituation zur Verfügung steht, wurde in gleichbleibend hohem Ausmaß von 55 Personen in Anspruch genommen.

    C. Themenzentrierte Seminar- und Workshopangebote

    Sowohl die semesterweise wiederkehrenden, als auch neu eingeführte themenzentrierte Gruppenangebote werden immer stärker nachgefragt. Die Veranstaltungen finden als Kompaktseminare während einer Woche oder an Wochenenden statt oder sind zeitlich verteilt über eine begrenzte Zahl von Wochen.

    184 Studierende aus allen Fachbereichen nahmen an 18 Gruppenangeboten teil. Dabei überstieg die Nachfrage wiederum bei weitem die Zahl der verfügbaren Plätze, die überwiegend innerhalb sehr kurzer Frist ausgebucht waren. Wie in den Vorjahren sind rund die Hälfte der Teilnehmenden ältere Studierende (älter als 28 Jahre) und Studierende im höheren Fachsemester (9. Fachsem. und mehr). Mehr als zwei Drittel der Teilnehmenden sind Studentinnen. Im Berichtszeitraum entfiel auf Studierende der Fachbereiche Philosophie/Sozialwissenschaften, Erziehungs- sowie Sprachwissenschaften ein Anteil von mehr als 50 %.

    D. Weitere Tätigkeitsbereiche und aktuelle Entwicklungen

    - Hochschulzugang für Berufstätige gem. § 31a HmbHG

    Die Beratungssituation für diesen Personenkreis stellt sich unverändert dar. 481 Personen wandten sich im Rahmen ihres Wunsches, ein Studium ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung beginnen zu wollen, an das ZSPB. Offensichtlich besteht weiterhin ein deutliches, wenn auch - bezogen auf die Zahl der Anfrage - abnehmendes Interesse an dieser Form eines Hochschulzugangs. Die Zahl der Interessierten, die das ZSPB um Information und Beratung gebeten haben, übersteigt jedoch die Zahl derer, die sich 1997 tatsächlich beworben haben, um ca. das Fünffache.

    3.6 Kontaktstudium "Personalmanagement und betriebliche Bildungsarbeit"

    "Personalmanagement und betriebliche Bildungsarbeit" (PMB) heißt das Kontaktstudium, das am 1. Oktober 1996 begonnen hat. Die fachliche Leitung hat Herr Prof. Dr. Peter Faulstich, Institut für Sozialpädagogik, Erwachsenenbildung und Freizeitpädagogik.

    Es besteht weitgehend Konsens über die steigende Bedeutung des Personals für den Unternehmenserfolg, auch wenn Stellenwert und Reichweite dieses Prozesses unterschiedlich eingeschätzt werden. Traditionelle Konzepte, die bei Investitionsentscheidungen von einem Vorrang der Technik ausgingen und die Personalentwicklung dem unterordneten, werden zunehmend problematisch. Entdeckt wurde das Personal als strategischer Faktor für die Reorganisation inner- und überbetrieblicher Prozeßzusammenhänge. Eine "personalorientierte" Strategie setzt Dezentralisierung der Unternehmensentscheidungen und Initiative der Beschäftigten voraus. Daraus resultiert, daß qualifikatorische Potentiale der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Unternehmen gezielt aufgebaut, entwickelt und erhalten werden müssen.

    Für die in den Unternehmen mit Personalmanagement- und Bildungsaufgaben befaßten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter selbst besteht angesichts der Entwicklungsdynamik dieses Funktionsfeldes ein permanenter Weiterbildungs-bedarf. Dieser wird teilweise gedeckt durch vorhandene Weiterbildungsinstitutionen. Es besteht aber eine Lücke zwischen wissenschaftlicher Theoriebildung und betrieblichem Praxisfeld. Ein Kontaktstudium im Bereich "Personalmanagement und betriebliche Bildungsarbeit" hat eine fruchtbare Diskussion anzuregen, welche beiden Seiten dient.

    Das Kontaktstudium verbindet wissenschaftliche Theorieansätze und Forschungsresultate mit betrieblicher Personalentwicklung und Bildungspraxis. Dies richtet sich auf die Aufarbeitung, Erweiterung und Vertiefung der in den Unternehmen erworbenen Erfahrungen und angewendeten Kenntnissen und Fähigkeiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse unterschiedlicher Fachgebiete.

    Die Ziele des Kontaktstudiums sind

  • Aneignung wissenschaftlicher Theorie und Methoden,

  • Erfahrungsaustausch aufgrund der Diskussion verschiedener betrieblicher Konzepte und Modelle,

  • die wissenschaftliche Reflexion routinierten beruflichen Handelns.

    Das Kontaktstudium PMB geht aus von einer Sichtweise, welche Personalaspekte und Qualifikationsprobleme in den Unternehmen auf einen umfassenden Begriff von Bildung bezieht.

    Das Kontaktstudium PMB ist ein Angebot der berufsbegleitenden wissenschaftlichen Weiterbildung und wendet sich an Beschäftigte mit planenden, organisierenden, unterrichtenden oder beratenden Aufgaben in der Personalentwicklung und in der Bildungsorganisation und knüpft an deren Berufserfahrung an. Teilnehmen können auch MitarbeiterInnen im Personalwesen, InhaberInnen von Klein- und Mittelbetrieben und Beschäftigte bei Weiterbildungsträgern.

    Das Kontaktstudium PMB findet berufsbegleitend statt. Die Veranstaltungen werden an Wochenenden durchgeführt. Es umfaßt 16 Bausteine mit einem Umfang von je ungefähr 20 Zeitstunden. Das Kontaktstudium dauert drei Semester mit insgesamt ca. 300 Zeitstunden. Pro Semester werden 5 bis 6 Bausteine angeboten. Das Kontaktstudium schließt mit einem Zertifikat ab.

    3.7 Sokrates-Projekt PRELUDE

    PRELUDE ist ein Akronym für Preparation for Learning by Undergraduates in Distance Education. In der Sache ging es um ein von der EU-Kommission im Rahmen des Sokrates-Programms finanziertes Projekt zum Einsatz von Studienmaterialien der britischen Open University (OU) an Hochschulen des europäischen Festlandes. Das Vorhaben wurde vom Regional Centre der Open University in Newcastle koordiniert. Neben der Arbeitsstelle für wissenschaftliche Weiterbildung der Universität Hamburg waren das EuroStudyCentre Wien, die Universität Bologna, das EuroStudyCentre Brig (Schweiz) sowie die Olivetti-Gruppe beteiligt.

    Die 1. Phase des Projektes begann im Februar 1996 und endete im November desselben Jahres. Sie bestand in einer Machbarkeitsstudie. Es ging darum, zu untersuchen, inwieweit und unter welchen Bedingungen Studienmaterialien der britischen Fernuniversität im ausbildenden Studium von Präsenzuniversitäten eingesetzt werden können. Die 2. Phase schloß sich unmittelbar an und endete am 30. September 1997. Sie diente der Durchführung von Pilotprojekten auf der Basis der Ergebnisse der Machbarkeitsstudie. Besonderes Augenmerk lag einerseits auf dem Einsatz apersonaler Medien in der Lehre, andererseits in der Nutzung fremdsprachlicher Studientexte.

    In Hamburg wurde der Schwerpunkt der Untersuchung in Phase 1 darauf gelegt, mit Hochschullehrerinnen und Hochschullehrern verschiedener Fachbereiche zu erörtern, inwieweit

    Zusammenfassend läßt sich sagen, daß sehr vielen Professorinnen und Professoren die OU mit ihren exzellenten Studienmaterialien bekannt war. Trotz einiger Barrieren sah man keine gravierenden Hindernisse beim Einsatz englischsprachiger Texte, zumindest auf der Ebene von Textverständnis. Der Einsatz neuer Medien (Computerkonferenzen, E-mail, Videokonferenzen) zur Studienbetreuung (student support) wurde von allen Seiten als erstrebenswert angesehen, allerdings gab es bei den Befragten kaum Erfahrungen damit. Videokonferenzen würden mit Blick auf die Diskussion zwischen Studierenden verschiedener Länder mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund als große Bereicherung empfunden.

    Trotz der relativ kurzen Vorbereitungszeit zeigten vier Hamburger Professoren großes Interesse, an einem Pilotlauf in der 2. Phase des Projektes teilzunehmen. Leider kam die Finanzierungszusage für Phase 2 aus Brüssel erst Mitte Dezember 1996, zu einem Zeitpunkt also, zu dem die Planungen für das Sommersemester weitgehend abgeschlossen waren. So konnte an der Universität Hamburg am Ende lediglich ein Pilotlauf, und zwar am ZFI unter Leitung von Kathryn Baker zum Kurs "U210 English Language; Present, Past and Future" durchgeführt werden. Die Veranstaltung begann mit 23 Studierenden, am Ende des Semesters waren noch 21 Studierende dabei.

    Ein zweiter Pilotlauf fand an der Fachhochschule Magdeburg statt.

    Beide Pilotläufe haben gezeigt, daß der Einsatz von Studienmaterialien große Chancen beinhaltet. Er verändert die Rolle der Lehrenden, indem er es ihnen ermöglicht, sich bei den begleitenden Präsenzveranstaltungen auf bestimmte Schwerpunkte zu konzentrieren. In den Pilotläufen erwies sich allerdings auch, daß der Aufwand für Vorbereitung und Durchführung von Begleitveranstaltungen gegenüber den herkömmlichen Vorlesungen nicht wesentlich geringer ist.

    Wichtig ist auch, daß das Sprachniveau der Teilnehmenden im Verhältnis zum sprachlichen Schwierigkeitsgrad der Materialien vorab geklärt werden muß.

    Im Wintersemester 1997/98 wurden sowohl in Hamburg als auch in Magdeburg die Veranstaltungen wiederholt bzw. fortgesetzt. Die ausführlichen Projektberichte können bei der Arbeitsstelle für wissenschaftliche Weiterbildung abgefordert werden.

    3.8 Einführung eines Studienganges Wirtschaftsinformatik

    Im Hinblick auf die wachsende Nachfrage aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung nach Absolventinnen und Absolventen mit einem Abschluß, der sie für die Konzeption, Entwicklung, Einführung, Wartung und Nutzung von rechnergestützten Anwendungs- und Kommunikationssystemen in Wirtschaft und öffentlicher Verwaltung beruflich qualifiziert, haben die Fachbereiche Wirtschaftswissenschaften und Informatik ein gemeinsames Konzept zur Einführung eines Studienganges "Wirtschaftsinformatik" erarbeitet. Ziel ist es, eine innovative Wirtschaftsinformatik mit einem erkennbaren Hamburger Profil anzubieten, die sich an der Praxis und den dort anzutreffenden Akteuren orientiert und zugleich auf einer wissenschaftlich gesicherten Plattform stabiles methodisches Wissen vermittelt.

    Die Befassung der akademische Gremien mit der Prüfungs- und Studienordnung für den Studiengang Wirtschaftsinformatik und die Einleitung des behördlichen Genehmigungsverfahrens ist für das SS 1998 vorgesehen, sodaß mit einer Einführung des Studienganges zum WS 1998 gerechnet werden kann.

    3.9 Einführung eines Nebenfachstudienganges Osteuropastudien

    Angesichts der immer bedeutender werdenden Beziehungen zu Osteuropa wird mit dem zum Wintersemester 1997/1998 neu eingeführten Nebenfachstudiengang Osteuropastudien der Erwerb und die Erweiterung von Qualifikationen auf dem Gebiet der Osteuropakunde angeboten. Träger des Studienganges sind zum einen die Universität Hamburg mit ihren Fachbereichen Rechtswissenschaft, Philosophie und Sozialwissenschaften, Sprachwissenschaften, Geschichtswissenschaft und Geowissenschaften, zum anderen die Universität der Bundeswehr Hamburg mit ihren Fachbereichen Wirtschafts- und Organisationswissenschaften und Pädagogik. Weiter beteiligen sich das HWWA-Institut für Wirtschaftsforschung Hamburg und das Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg an dem Studiengang. Das Studienangebot reicht von der Vermittlung historischen Grundwissens über die Beschäftigung mit Fragen der Transformation der Rechtssysteme, der Veränderung der politischen Landschaft, wirtschaftsgeographischer und ökonomischer Probleme und der Einbindung osteuropäischer Staaten in politische, wirtschaftliche und militärische Organisationen bis hin zu zahlreichen kulturwissenschaftlichen und Sprachlehrveranstaltungen. Das Fach kann als Nebenfach in Magisterstudiengängen sowie als Wahl- oder Nebenfach in Diplomstudiengängen studiert werden.

    3.10 Ergänzungsstudiengang Wirtschaftsrecht

    1997 hat die Universität unter Mitwirkung der Handelskammer Hamburg und der Hanseatischen Rechtsanwaltskammer erstmalig ein Ergänzungsstudium "Wirtschaftsrecht" angeboten. Er ist auf eine Dauer von 16 Wochen mit einem Kursprogramm von 18 Semesterwochenstunden angelegt und bietet eine neue Form der praxisbezogenen wirtschaftsrechtlichen Ausbildung von Juristen. Das Ergänzungsstudium beinhaltet eine Ausbildung im nationalen und internationalen Wirtschaftsrecht. Das europäische Wirtschaftsrecht wird entsprechend den sich in den Wirtschaftspraxis ergebenden Anforderungen als integraler Bestandteil jeder Lehrveranstaltung mitvermittelt. Das Lehrangebot zielt auf eine wirtschaftsrechtliche Ausbildung, die juristische Sachverhalte in ihrer Vernetzung mit wirtschaftlichen, rechtlichen und Personalfragen darstellt und ihre Behandlung als komplexes Entscheidungsproblem vermittelt. Neben der Ergänzung und Vertiefung der traditionell auf justizförmige Entscheidungen zugeschnittenen Juristenausbildung werden die Fähigkeit zur Rechtsgestaltung, die Technik und Taktik von Vertragsverhandlungen und das außergerichtliche Konfliktmanagement sowohl aus der Unternehmens- als auch der Anwaltsperspektive geschult.
    Das Studium strebt eine enge Verbindung von Theorie und Praxis an, die vor allem durch eine entsprechende Auswahl der Dozenten gewährleistet wird. Neben den Hochschullehrern der Universität werden überwiegend erfahrene Berufspraktiker aus der Anwaltschaft sowie aus Unternehmen und Verbänden als Dozenten eingesetzt. Sonderveranstaltungen zu wirtschaftsrechtlichen Kernfragen mit darin ausgewiesenen Spezialisten aus dem In- und Ausland sollen das Ausbildungsangebot erweitern. In Blockseminaren und Intensivveranstaltungen werden die Lehrinhalte zusätzlich vertieft.

    Die Behörde für Wissenschaft und Forschung hat den Studiengang zunächst für zwei Durchgänge genehmigt. Über den Fortgang soll dann auf der Grundlage eines Evaluationsberichts entschieden werden.

    3.11 Evaluation von Studium und Lehre in Chemie und Geschichte

    Im Wintersemester 1996/97 besuchten externe Gutachterkommissionen die Studienfächer Chemie und Geschichte je eineinhalb Tage. Als Vorinformation für den Besuch hatten ihnen die Fächer ihre Selbstbeschreibungen, die aus der Selbstevaluation im Sommersemester 1996 entstanden waren, zur Verfügung gestellt. Die Gutachtenden führten Gespräche mit Lehrenden, Studierenden sowie Verwaltungspersonal. Ihre Eindrücke faßten sie in einem Gutachtenentwurf zusammen, den sie mit den Evaluierten auf einer auswertenden Konferenz im Februar bzw. Juni 1997 diskutierten. Beide Fächer haben beschlossen, die in der Evaluation erarbeiteten Materialien, Selbstbeschreibungen und Gutachten auf Anfrage zu veröffentlichen.

    3.11.1 Geschichte

    Das Historische Seminar hatte bereits im Winter 1995 eine Kommission für die umfassende Evaluation des eigenen Faches eingerichtet, in der eine Überprüfung der Ziele und der Praxis in Lehre und Forschung geplant wurde. Im Verbund Norddeutscher Universitäten wurde dann zunächst die Evaluation der Lehre und des Studiums begonnen. Die Fragen der Forschung flossen nur insoweit mit ein, wie sich die Forschung der Lehrenden in der Lehre niederschlägt. Für diese Evaluation wurde eine umfassende Befragung der Studierenden in den Seminaren durchgeführt.

    Im Sommersemester (31.05./01.06.1997) führte das Historische Seminar eine interne Tagung durch, auf der es sich mit den Folgen der Evaluation beschäftigte. Die Ergebnisse der Tagung wurden dem Präsidenten in einem Gespräch übermittelt. Lehrende und Studierende, die auf der Tagung waren, empfahlen dem Historischen Seminar:

    Das Historische Seminar bzw. der Fachbereichsrat Geschichte hat bis zum Ende des Berichtszeitraumes noch keinen Beschluß über die umzusetzenden Maßnahmen aus der Evaluation gefaßt.

    3.11.2 Chemie

    Die auswertende Konferenz fand erst im Juni 1997 statt, der Fachbereichsrat hat das vorläufige Gutachten noch im Sommersemester diskutiert und darum gebeten, einen Vorschlag für die Neugestaltung des Chemiestudiums für Hamburg vorzubereiten. Der Fachbereich sowie die Gutachtenden waren sich einig, daß die bereits im Fachbereich beschlossene Bündelung der verschiedenen Forschungsaktivitäten in die drei Schwerpunkte Life Sciences und Analytik weiter vorangetrieben werden sollte, so daß sich die Schwerpunkte auch im Studium widerspiegeln.

    Darüber hinaus muß der Fachbereich entscheiden, wie er sich zu den neueren Entwicklungen in der Ausbildung von Chemikern und Chemikerinnen verhalten will. Im sogenannten Würzburger Modell wird gefordert, zukünftig drei Abschlußprofile anzubieten:

    Im Fachbereich Chemie ist die Diskussion um die neuen Studienabschlüssen verbunden mit der Frage nach einer Einführung des Bachelor-Grades und der Spezialisierung der Studierenden im Hauptstudium in die obengenannten gebündelten Schwerpunkte. Darüber hinaus möchte der Fachbereich in dieser Diskussion folgende Punkte berücksichtigt wissen: eine erweiterte Koordination mit dem Studiengang Biochemie/Molekularbiologie, die Einführung von Credit-Points im Sinne von ECTS, die Einhaltung der Studienzeiten und die Durchlässigkeit der neuen Studienangebote untereinander. Ziel ist, daß Studierende bei Umentscheidung ihres Studienzieles keine Wartezeiten in Kauf nehmen müssen bzw. nach einem Studienabschluß problemlos in einem anderen Studiengang das Studium wieder aufnehmen können.

    Die Beschlußfassung im Fachbereichsrat Chemie war im Berichtszeitraum noch nicht abgeschlossen.

    4. FORSCHUNG, WISSENSTRANSFER UND FÖRDERUNG DES WISSENSCHAFTLICHEN NACHWUCHS

    4.1 Einrichtung/Begutachtung neuer Sonderforschungsbereiche

    Im Berichtsjahr hat die Universität eine beachtliche Erfolgsbilanz bei der Einrichtung neuer Sonderforschungsbereiche aufzuweisen:

    Der Sonderforschungsbereich 470 - Glycostrukturen in Biosystemen - Darstellung und Wirkung - hat am 01.01.1997 seine Arbeit aufgenommen. An ihm sind Chemiker, Physiker, Biochemiker, Biologen und Mediziner der Universität Hamburg einschießlich des Universitäts-Krankenhauses Eppendorf, der Medizinischen Universität Lübeck sowie des Forschungszentrums Borstel und des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BN) als Institute der Blauen Liste beteiligt. Ziel des SFB ist es, Kohlenhydrat-bedingte biologische Phänomone auf molekularer Ebene zu verstehen. Für die Forschungsarbeiten hat die DFG im Rahmen der Ergänzungsausstattung Personal-, Investitions- und Sachmittel in Höhe von 2.7 Mio DM zur Verfügung gestellt.

    Am 10. Juni 1997 hat der Bewilligungsausschuß der DFG beschlossen, drei weitere Sonderforschungsbereiche der Universität einzurichten und ab 01.07.1997 zu fördern. Es sind dies:

    Sonderforschungsbereich 444 - Grundlagen neuraler Kommunikation und Signalverarbeitung -, an dem neben dem Zentrum für Molekulare Neurobiologie (ZMNH) verschiedene Institute und Kliniken des Fachbereichs Medizin und die Max-Planck-Arbeitsgruppen für strukturelle Molekularbiologie beteiligt sind. Mit diesem Forschungsschwerpunkt soll ein grundlegender Beitrag zur Aufklärung und zum Verständnis molekularer Mechanismen der Signalverarbeitung und -übertragung im zellulären Bereich, speziell in Nervenzellen geleistet werden. Der SFB umfaßt 15 Teilprojekte und hat von der DFG für das zweite Halbjahr 1997 Ergänzungsmittel in Höhe von 717 TDM erhalten.

    Sonderforschungsbereich 508 - Quantenmaterialien - laterale und hybride Strukturen -, der vom Fachbereich Physik unter Beteiligung der Physikalischen Chemie des Fachbereichs Chemie und des Hamburger Synchrotronstrahlungslabors (HASYLAB) getragen wird. Ziel des SFB ist die Herstellung, Charakterisierung und Untersuchung von "Quantenmaterialien". Dabei handelt es sich um Systeme, in denen die physikalischen Eigenschaften gezielt über Quanteneffekte eingestellt werden können. Der SFB umfaßt 12 Teilprojekte und hat von der DFG für das zweite Halbjahr 1997 Fördermittel in Höhe von 750 TDM erhalten.

    Sonderforschungsbereich 545 - Molekulare Mechanismen genetisch bedingter Erkrankungen -, an dem sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Institute und Kliniken des UKE und des ZMNH sowie von zwei Hamburger Instituten der Blauen Liste, dem Heinrich-Pette-Institut für Experimentelle Virologie und Immunologie (HPI) und dem BNI beteiligen. Der SFB befaßt sich mit der Erforschung grundlegender molekularer Mechanismen bei der Entstehung und im Verlauf von Erkrankungen, die auf genetischer Veranlagung beruhen. Er beschränkt sich dabei auf die genetische Regulation von biologischen Transportvorgängen und ihre krankheitsbedingten Störungen. Der SFB umfaßt 14 Teilprojekte und wurde im zweiten Halbjahr 1997 mit einer Zuwendung der DFG in Höhe von 964 TDM gefördert.

    Am 25./26. November 1997 hat der Bewilligungsausschuß des DFG einen weiteren Sonderforschungsbereich der Universität zur Förderung ab 01.01.1998 bewilligt, den

    Sonderforschungsbereich 512 - Tiefdruckgebiete und Klimasysteme des Nordatlantiks -, der überwiegend von Wissenschaftlern des Meteorologischen Instituts und des Instituts für Meereskunde der Universität getragen wird und an dem das Max-Planck-Institut für Meteorologie, das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und das GKSS Forschungszentrum Geesthacht beteiligt sind. Der SFB möchte einen Beitrag leisten zum besseren Verständnis des Klimageschehens mit dem Ziel, Grundlagen fü eine verläßliche mittel- bis langfristige Vorhersage von Klimatentwicklung und -änderungen zu liefern. Er wird sich auf die Untersuchung von Austauschprozessen in Atmospähre-Ozean-Wechselwirkung im Nordatlantischen Ozean zwischen Arktis und Nordwesteuropäischem Schelfmeer konzentrieren. Der SFB umfaßt 11 Teilprojekte. Für das Förderjahr 1998 hat die DFG im Rahmen der Ergänzungsausstattung Finanzmittel Höhe von 1.77 Mio DM bewilligt.

    Neben diesen Erfolgen im Bereich der naturwissenschaftlichen Disziplinen hat es im Jahr 1997 auch SFB-Initiativen aus dem geistes-, kultur- und gesellschaftswissenschaftlichen Fächerspektrum gegeben.

    Der SFB 1647 - Umbrüche in afrikanischen Gesellschaften und ihre Bewältigung - ist im Dezember 1997 begutachtet worden. Der Antrag wird gegenwärtig überarbeitet.

    Der SFB 1719 - Mehrsprachigkeit - ist in Vorbereitung.

    4.2 Einrichtung neuer DFG-Forschungsgruppen

    Auch bei der Einrichtung neuer DFG-Forschergruppen war das Jahr 1997 für die Universität und insbesondere für den Fachbereich Medizin durch eine erfolgreiche Entwicklung gekennzeichnet.

    Ab 31. Januar 1997 hat der Hauptausschuß der DFG der Einrichtung einer Forschergruppe "Molekulare Pathomechanismen der Alzheimer-Demenz" zugestimmt. Die DFG wird für diesen unter der Leitung von PD Dr. Roger Nitsch/ZMNH stehenden Forschungsschwerpunkt in den nächsten drei Jahren Fördermittel von insgesamt rund 3.7 Mio DM zur Verfügung stellen. Die Sachbeihilfe umfaßt u.a. Mittel für die Beschäftigung von acht wissenschaftlichen Mitarbeitern und Doktoranden sowie für drei sonstige Mitarbeiter. Die aus 6 Teilprojekten bestehende Forschergruppe wird von Molekularbiologen, Neurobiologen, Biochemikern, Zellbiologen, Humangenetikern und Klinikern des ZMNH, der Psychiatrischen Klinik, der Medizinischen Klinik und des Instituts für Humangenetik sowie der Max-Planck-Arbeitsgruppen für strukturelle Molekularbiologie getragen. Mit den beteiligten Arbeitsgruppen ist es erstmals möglich, alle derzeit bekannten, mit der Alzheimer-Demenz assoziierten Gene und deren Produkte grundlagenwissenschaftlich und klinisch in einem eng vernetzten Schwerpunkt zu bearbeiten. Die Alzheimerforschergruppe hat sich zum Ziel gesetzt, molekulare Grundlagen der Alzheimer-Demenz aufzuklären, die als Basis zur Entwicklung neuer therapeutischer Strategien dienen könnte, um zur Entwicklung neuer diagnostischer Marker beizutragen.

    Am 24. Juni 1997 hat der Hauptausschuß der DFG die Einrichtung einer weiteren Forschergruppe beschlossen. Sie trägt das Thema "Intrazellulärer RNA-Transport" und steht unter der Leitung von Prof. Dr. Dietmar Richter, Institut für Zellbiochemie und klinische Neurobiologie des UKE. Die DFG hat für die Durchführung der Forschungsarbeiten in den nächsten zwei Jahren Fördermittel in Höhe von rund 1.4 Mio DM bewilligt, u.a. fü die Beschäftigung von 6 wissenschaftlichen Mitarbeitern und Doktoranden und einem sonstigen Mitarbeiter. An der aus 5 Teilprojekten bestehenden Forschergruppe sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Zellbiochemie und klinische Neurobiologie, des ZMNH und des Heinrich-Pette-Instituts beteiligt. Die Forschungsgruppe befaßt sich mit der Frage, wie der intrazelläre RNA-Transport vom Ort der Synthese zum Ort der Funktion reguliert ist und welche RNA-Elemente und RNA-bindenden Proteine daran beteiligt sind. Die untersuchten Transportvorgänge spielen eine entscheidende Rolle bei wichtigen Infektionskrankheiten wie HIV und Hepatitits, deren Erreger derartige Regulationsprinzipien zur Steuerung ihres Vermehrungszyklus nutzen.

    4.3 Tage der Forschung

    Auch 1997 beteiligte sich die Universität Hamburg an den von der Hochschulrektorenkonferenz angeregten "Tagen der Forschung", die dazu dienen sollen, der interessierten Öffentlichkeit Forschungsprogramme und -ergebnisse näherzubringen und zugleich auf aktuelle Probleme der Forschung aufmerksam zu machen.

    Unter dem Motto "Die Stadt, der Wald und die Fremde - Kultur lehren, mit Kultur sich bilden" präsentierte sich der Fachbereich Kulturgeschichte und Kulturkunde mit einem umfangreichen Programm vom 24. bis 28. November. Das Programm richtete sich damit zugleich an die Schülerinnen und Schüler der Hamburger Gymnasien und Gesamtschulen, die am 24. und 25.11. im Rahmen der "Universitätstage" eingeladen waren, sich über das Studienangebot an der Universität Hamburg zu informieren.

    An beiden Tagen fanden zahlreiche öffentliche Lehrveranstaltungen statt. Im Hauptgebäude informierte eine Posterausstellung über die Vielfalt der Forschungsthemen des Fachbereichs Kulturgeschichte und Kulturkunde. Außerdem berichteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Rahmen von Vortragsveranstaltungen über aktuelle Vorhaben. Im Warburg-Haus fanden Führungen und eine öffentliche Lehrveranstaltung des Graduiertenkollegs "Politische Ikonographie" statt. Außerdem wurden eine Reihe kulturwissenschaftlicher Stadtrundgänge angeboten, die - wie auch die meisten anderen Veranstaltungen - auf reges Interesse bei den Besuchern und auch in den Medien stießen.

    4.4 Wissens- und Technologietransfer

    4.4.1 Dienstleistungskatalog

    Als erste Hochschule in Deutschland hat die Universität Hamburg einen Dienstleistungskatalog herausgebracht. Die von der AWiTT und der Pressestelle gemeinsam erstellte Publikation präsentiert die Universität als vielseitiges und kompetentes Dienstleistungszentrum in Hamburg. Rund 1.000 Serviceangebote aus einem in Norddeutschland einmaligen Fächerspektrum belegen dies eindrucksvoll. Wissenschaftliches know-how wird auf breiter Ebene und in vielfältiger Ausprägung für einen potentiellen Nutzerkreis bereitgehalten. Das Angebot reicht von der Information und Beratung bei speziellen Fragestellungen, über die Erstellung fachlicher Gutachten und Analysen und die Nutzung von Apparaten und Spezialbibliotheken bis hin zur Vereinbarung spezieller Forschungs- und Entwicklungsaufträge.
    Der Dienstleistungskatalog ist in erster Linie ein Instrument zur Förderung des Wissens- und Technologietransfers. Er wendet sich vornehmlich an Unternehmen im Hamburger Raum, aber auch an Verbände, Behörden und weitere Einrichtungen, an die Medien mit ihrem großen Bedarf an wissenschaftlich fundierter Expertise wie auch an Personengruppen oder Einzelpersonen, die Wissen aus der Universität abfragen wollen oder bei der Bewältigung eines Problems Beratung oder Unterstützung suchen.

    Die große Nachfrage und die positive öffentliche Reaktion zeigen, daß die Positionierung der Universität als Dienstleister für die Stadt ein Erfolg ist.

    4.4.2 FIT-Konzept

    Zur Verbesserung des Wissens- und Innovationstransfers in außeruniversitäre Bereiche ist es dem Vizepräsidenten gelungen, 1,875 Mio. DM aus dem Hochschulsonderprogramm III einzuwerben. Im Rahmen des "FIT-Projekts" (Forschungsgestützter Informations- und Technologietransfers durch Flexible Innovationsteams) erhält die Universität Hamburg damit eine einmalige Chance zur Stärkung ihrer Kontakte zur Wirtschaft und zu anderen gesellschaftlichen Bereichen.

    Geplant ist, ab dem 01.01.1998 in ausgewählten Fachbereichen Transfer-Koordinatorinnen und -Koordinatoren mit der Aufgabe zu betrauen, fächerspezifisch das Transferangebot und die Transfernachfrage zu erheben und gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern konkrete Projekte auf den Weg zu bringen. Als Pilotfachbereiche wurden die Fachbereiche Chemie und Orientalistik ausgewählt. Zur Unterstützung fächerübergreifender Aufgaben steht eine weitere Person bereit. Außerdem wird die Forschungsdatenbank UNIFORDAT, ein besonders wichtiges Instrument des Innovationstransfers, nutzerorientiert multimedial erweitert.

    4.5 EU-Forschungsförderung

    Im Jahr 1997 wurden an der Universität Hamburg insgesamt 54 Forschungsprojekte durchgeführt, deren Finanzierung überwiegend durch die Europäische Union erfolgte. Das Gesamtvolumen der finanziellen Zuwendung der EU für die Projekte belief sich auf 9.529.131 ECU (Anteil der Universität Hamburg), wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß die meisten Projekte eine mehrjährige Laufzeit haben und daher nicht die gesamte Summe im Berichtszeitraum zugewiesen wurde.

    Wie bereits in der Vergangenheit lag der Schwerpunkt in den Bereichen Meereswissenschaften (MAST-Programm, 14 Projekte, Gesamtvolumen ca. 3,4 Mio ECU), Agrar-, Fischerei- und Umweltwissenschaften (Programm FAIR und ENVIRONMENT, zusammen 16 Projekte, Gesamtvolumen ca. 2,7 Mio. ECU) sowie im Bereich der Ausbildung und Mobilität von Wissenschaftlern (HCM/TMR-Programm, 8 Projekte, Gesamtvolumen ca. 0,9 Mio.ECU).

    Bei den 54 Forschungsprojekten handelt es sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, um europäische Verbundvorhaben, die jeweils von einer der beteiligten Einrichtungen koordiniert werden. 9 der 54 Projekte wurden von der Universität Hamburg koordiniert, während britische Einrichtungen in 14, französische in 8, Einrichtungen aus Benelux in 10, andere deutsche in 5 und skandinavische Einrichtungen in ebenfalls 5 Projekten die Aufgabe der Koordinierung übernahmen.

    4.6 Graduiertenkollegs

    Im Jahre 1997 stieg die Zahl der an der Universität Hamburg bestehenden Graduiertenkollegs auf neun an. Im Bereich der Graduiertenkollegs gehört die Universität Hamburg damit zu den erfolgreichsten deutschen Universitäten. Die folgende Übersicht ist nach Fachbereichen geordnet, die Förderzeiträume sind angegeben:

    1. Neurale Signaltransduktion und deren pathologische Störungen Dekanin: Prof. Dr. Chica Schaller, FB 04 01.01.1996 - 31.12.1998 (Verlängerung für 2. Förderperiode wird beantragt)

    2. Molekulare Endokrinologie - Molekularer Stoffwechsel
      Dekan: Prof. Dr. Hans-Joachim Seitz, FB 04
      01.03.1997 - 29.02.2000 (1. Förderperiode)

    3. Ästhetische Bildung
      Dekan: Prof. Dr. Gunter Otto, FB 06
      01.01.1997 - 30.06.2000 (letzte Förderperiode, Auslauffinanzierung)

    4. Griechische und Byzantinische Textüberlieferung
      Dekan: Prof. Dr. Dieter Harlfinger, FB 08
      01.01.1997 - 31.12.1999 (letzte Förderperiode)

    5. Politische Ikonographie
      Dekan: Prof. Dr. Wolfgang Kemp, FB 09
      01.10.1996 - 30.09.1999 (letzte Förderperiode)

    6. Physik nanostrukturierter Festkörper
      Dekan: Prof. Dr. Heinrich Heyszenau, FB 12
      01.02.1996 - 31.01.1999 (Verlängerung für 2. Förderperiode wird beantragt)

    7. Theoretische Elementarteilchenphysik
      Dekan: Prof. Dr. Klaus Fredenhagen, FB 12
      01.10.1996 - 30.09.1999 (letzte Förderperiode)

    8. Integrationsforschung
      Dekan: Prof. Dr. Peter Behrens, FB 17
      01.10.1996 - 30.09.1999 (letzte Förderperiode)

    9. Kognitionswissenschaft
      Dekan: Prof. Dr. Christopher Habel, FB 18
      01.10.1996 - 30.09.1999 (letzte Förderperiode)

    Zum 01.10.1997 wurden von der Universität Hamburg bei der DFG sechs Neuanträge auf Einrichtung und Förderung von Graduiertenkollegs eingereicht, über die im April 1998 entschieden werden soll.

    Insgesamt wurden 1997 im Rahmen von Graduiertenkollegs 112 Doktoranden und 13 Postdoktoranden gefördert. Zur Finanzierung hat die DFG der Universität rund 2,3 Mio. DM zugewendet, als Landesanteil hat die Freie und Hansestadt Hamburg weitere ca. 1,3 Mio. DM zur Verfügung gestellt.

    4.7 Doktorandenförderung

    Nach dem Hamburgischen Gesetz zur Föderung des wissenschaftlichen und künstlerischen Nachwuchses (HmbNFG) werden seit 1985 Stipendien an besonders qualifizierte Doktorandinnen und Doktoranden vergeben. Das Stipendium beträgt monatlich 1.200 DM, die Familienzulage 300 DM. Die Förderung soll spätestens ein Jahr nach Abschluß des Hochschulstudiums beginnen. Die Dauer der Förderung beträgt beim Grundstipendium bis zu zwei Jahren, beim Abschlußstipendium bis zu einem Jahr.

    Für das Jahr 1997 wurden insgesamt 191 Förderanträge eingereicht, 131 Anträge auf ein Grundstipendium, 30 Anträge auf ein Abschlußstipendium und 30 Anträge auf eine Verlängerung des Grundstipendiums um ein zweites Jahr. Bewilligt wurden 73 Stipendien, und zwar 35 Grundstipendien, neun Abschlußstipendien und 29 Verlängerungsanträge.
    39 geförderte Dissertationen wurden abgeschlossen, davon erhielten zwei das Prädikat "ausgezeichnet", 30 "sehr gut", sechs "gut" und eine "genügend". Das Durchschnittsalter betrug bei Abschluß 30,9 Jahre.

    Darüber hinaus wurden das Aby-Warburg-Stipendium in London mit monatlich 1.700 DM um ein Jahr verlängert und ein Stipendium am Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München mit monatlich 1.500 DM gewährt.

    Die Publikation von neun Doktorarbeiten wurde durch Druckkostenzuschüsse aus Hamburger Landesmitteln gefördert. Für eine als "sehr gut" bewertete Dissertation kann ein nicht rückzahlbarer Druckkostenzuschuß in Höhe von bis zu 2.000 DM, in Ausnahmefällen bis zu 3.000 DM gewährt werden. Antragsteller/-innen müssen jedoch einen Eigenanteil von mindestens 1.500 DM übernehmen. Das jährliche Netto-Einkommen darf einen Betrag von 15.000 DM bei Ledigen oder 24.000 DM bei Verheirateten nicht übersteigt.

    4.8 Postdoktorandenförderung

    Im Rahmen des Postdoktorandenprogramms der DFG werden promovierte junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gefördert, die sich durch die Qualität ihrer Promotion als besonders befähigt ausgewiesen haben. Die Förderung soll ihnen ermöglichen, in der Regel unmittelbar nach der Promotion bis zu zwei Jahren ein Forschungsprojekt zu bearbeiten und sich dadurch für eine künftige Tätigkeit auch außerhalb der Hochschule weiterzuqualifizieren. Das Stipendium beträgt monatlich mindestens 2.490 DM. Habilitandinnen und Habilitanden werden in diesem Programm nicht gefördert. Seit 1996 werden Bewerbungen nicht mehr über die Universität, sondern direkt bei der DFG eingereicht. Geförderte Projekte sind den Jahresberichten der DFG zu entnehmen.

    5. INTERNATIONALE HOCHSCHULBEZIEHUNGEN

    5.1 Mobilitätsprogramme der EU

    Das ERASMUS-Programm der EU wurde im Studienjahr 1997/98 erstmals im Rahmen des SOKRATES-Bildungsprogramms organisiert. Vor allem veränderte administrative Strukturen kennzeichnen die Integration des ERASMUS-Programms in das SOKRATES-Programm.

    Von der Universität Hamburg wurden rund 500 "outgoing students" und 500 "incoming students" in ihren Hochschulantrag aufgenommen. Die Studierenden können mit finanzieller und organisatorischer Unterstützung durch ERASMUS für einen Zeitraum von 3 bis 12 Monaten an einer europäischen Partnerhochschule studieren.

    Hinzu kommt ein erheblicher Zuwachs im Bereich der Dozentenmobilität. 68 Wissenschaftler bekundeten ihre Absicht, 1997 eine Kurzzeit-Dozentur an einer europäischen Hochschule anzunehmen. Im Bereich der Lehrplanentwicklung beteiligt sich die Universität ebenfalls an zwei umfangreichen Programmen, zudem ist sie Partnerin in mehreren Intensivprogrammen.

    Fast alle Fachbereiche beteiligten sich 1997 am ERASMUS-Programm. Die bereits bestehenden Kooperationen wurden im Rahmen von SOKRATES/ERASMUS nicht nur fortgeführt, sondern häufig auch erheblich ausgebaut. 1997 konnten zudem eine Reihe neuer Kooperationen vertraglich vereinbart werden. Die Universität Hamburg hat im Rahmen des ERASMUS/ SOKRATES-Programms an Attraktivität weiterhin zugenommen.

    5.2 Reise des Präsidenten in die USA

    Vom 3. bis 18. Oktober 1997 besuchte der Präsident Universitäten und Hochschulorganisationen in den USA. Wichtigste Themen waren: Akkreditierung von Universitäten und Studiengängen, Evaluation, Internationale Anerkennung deutscher Studienabschlüsse, International Center for Advanced Studies, Partnerschaften der Universität Hamburg.

    Die Gesprächspartner gehörten den folgenden Institutionen in folgenden Städten an:

    Bezogen auf die Themen Akkreditierung, Evaluation von Studiengängen bzw. Universitäten und Internationale Anerkennung wurde mit den Hochschulorganisationen eine Verabredung getroffen, den Kontakt aufrechtzuerhalten und mit der Hochschulrektorenkonferenz eine Zusammenarbeit zu initiieren, in der ein Erfahrungsaustausch über die Qualitätskriterien bei der Zulassung neuer Universitäten bzw. Studiengänge stattfinden kann.

    Die Idee, in Hamburg ein Zentrum für fortgeschrittene ausländische Studierende zu schaffen, in dem besondere Betreuung, Wohnen und Sprachkurse angeboten und die Studierenden an Hauptstudien oder Graduiertenstudiengängen in der Universität Hamburg teilnehmen, wurde von allen Gesprächsteilnehmerinnen und -teilnehmern begrüßt. Sie stellten übereinstimmend fest:

    Bezogen auf die Partnerschaften der Universität Hamburg mit Colleges und Universities ergab sich ein durchaus ambivalentes Bild. Indiana, Purdue und Ohio-States haben im Laufe der letzten Monate/Jahre die Partnerschaft mit der Universität Hamburg gekündigt und sind statt dessen als Konsortium nach Berlin und Freiburg gegangen. Ihre Beweggründe werden sowohl in der finanziellen Situation der amerikanischen Universitäten gesehen, als auch in mangelnder Gastfreundlichkeit und Hilfsbereitschaft in Hamburg vermutet. Die aktive Partnerschaft mit dem Smith College führt zu beeindruckenden Erfahrungen für Studierende und Lehrende aus beiden an der Partnerschaft beteiligten Universitäten, aber auch hier wurden eine Reihe von Verbesserungsmöglichkeiten auf deutscher Seite eingefordert. In der Northwestern University in Chicago sollte die Bereitschaft zu Kooperation mit der Universität Hamburg ausgelotet werden. Die Gesprächsteilnehmerinnen und -teilnehmer zeigten sich sehr offen und interessiert - vor allem an einem Austausch von Lehrkörpermitgliedern und Postgraduierten, weniger an einem Austauschprogramm für Studierende. Mit den hiesigen Fachbereichen Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaften und Rechtswissenschaft wurden die entsprechenden Gespräche aufgenommen.

    5.3 Wissenschaftsbeziehungen zu Universitäten in Südafrika

    Die noch jungen Universitätspartnerschaften der Universität Hamburg mit den südafrikanischen Universitäten in Stellenbosch und Kapstadt haben in der kur-zen Zeit des Bestehens wichtige Impulse für Forschungsvorhaben Hamburger Wissenschaftler gegeben. Dies trifft besonders zu für die Vorbereitung eines fächerübergreifenden Sonderforschungsbereiches mit dem Titel "Umbrüche in afrikanischen Gesellschaften und ihre Bewältigung". Einen der regionalen Schwerpunkte bildet dabei das südliche Afrika.

    Nach einem Forschungsaufenthalt von Prof. Weiße im September 1996, der durch Mittel der Universitätspartnerschaft gefördert worden war und für die Entwicklung der Forschungsprojekte einen wichtigen Platz einnahm, waren im Juni/Juli 1997 vier Gastwissenschaftler aus Südafrika an der Universität Hamburg und gaben wichtige Hinweise für den Sonderforschungsbereich. Im Rahmen der offiziellen Universitätspartnerschaften hielten sich Prof. Dr. Johann Kinghorn von der Universität Stellenbosch und Dr. Abdulkarder Tayob von der Universität Kapstadt im Juni/Juli in Hamburg auf.

    Neben der Zusammenarbeit in den Geisteswissenschaften ist die Kooperation mit der Universität Stellenbosch durch eine intensive Kooperation in der Rechtswissenschaft geprägt. Hamburger Juristen haben Vorlesungen über deutsches Recht in Stellenbosch gehalten; eine Gruppe Hamburger Studenten hat sich im Rahmen einer Exkursion nach Stellenbosch mit Fragen des Seerechts beschäftigt.

    Auf Einladung des DAAD hielt sich eine Gruppe südafrikanischer Rektoren Ende Sept./Anfang Oktober 1997 zu einem Informationsbesuch in Deutschland auf. Der Rektor der Universität Stellenbosch, Prof. van Wyk besuchte im Anschluß daran die Universität Hamburg. Ziel der Gespräche, die Prof. van Wyk in Hamburg führte, war das Bestreben, auch andere Disziplinen stärker in den Austausch einzubeziehen.

    5.4 Zusammenarbeit mit syrischen Universitäten

    Ende März 1997 reiste der Universitätspräsident im Rahmen einer größeren Delegation nach Syrien, um den in den Vorjahren vorbereiteten Rahmenvertrag mit der Universität Damaskus zu unterzeichnen und Kooperationsmöglichkeiten auch mit den Universitäten Aleppo und Lattakia zu erkunden. Zur Delegation gehörten unter anderem der Dekan des Fachbereiches Medizin und mehrere Professoren dieses Fachbereiches sowie der Vizepräsident der Technischen Universität Hamburg-Harburg; gleichzeitig und teilweise gemeinsam mit der Delegation reiste ein norddeutsches medizinisches Team zu dem Zweck nach Syrien, in verschiedenen syrischen Krankenhäusern Operationen vorzunehmen und schwierige Krankenhausfälle zu behandeln; damit wurden auch die Universitätsbesuche auf medizinischem Gebiet bereichert.

    In Damaskus wurde am 03.04.1997 der Rahmenvertrag über wissenschaftliche und akademische Zusammenarbeit mit der dortigen Universität sowie ein Erstes Arbeitsprogramm für zwei Jahre unterzeichnet. Das Arbeitsprogramm regelt die Austauschverfahren und benennt die Fachgebiete sowie die verantwortlichen Wissenschaftler für die erste Phase der Zusammenarbeit; die Liste der Fachgebiete umfaßt Medizin/Pathologie, Rechtsmedizin, Zahnmedizin, Islamwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Chemie und Pharmazie.

    Die anschließend besuchte Universität Aleppo ist seit vielen Jahren durch ein DAAD-Lektorat für deutsch und durch vom DAAD vermittelte Austauschvorhaben mehr als andere syrische Hochschulen mit der Bundesrepublik Deutschland verbunden. In den Gesprächen mit der Hamburger Delegation wurden Kooperationsvorstellungen unter anderem für Arabistik, Nahost-Geschichte, Stadtforschung, Geschichte der Naturwissenschaften, Chemie, Botanik und Ingenieurwissenschaft entwickelt. Der Besuch an der erst seit 1972 bestehenden, noch im Aufbau befindlichen Universität Lattakia ergab Interesse an einer Zusammenarbeit vornehmlich in medizinischen Fächern, in Allgemeiner Literaturwissenschaft und in der Meeresforschung zutage. Eine Klärung der beiderseitigen Kooperationsinteressen und -möglichkeiten wurde vereinbart.

    5.5 Besuch des Vizepräsidenten an der Karls-Universität Prag

    Vom 3. bis 5. Dezember 1997 besuchte der Vizepräsident der Universität Hamburg, Prof. Dr. Dr. h. c. Hartmann, aus Anlaß der Unterzeichnung des Arbeitsabkommens für die Jahre 1998 - 2000 die Karls-Universität Prag.
    Während eines von den Gastgebern vorzüglich vorbereiteten Besuchsprogramms konnte sich der Vizepräsident von dem Interesse der Prager Wissenschaftler an der Kooperation mit Hamburg überzeugen. Zugleich wurden vor dem Hintergrund des 650jährigen Jubiläums der Karls-Universität im Jahr 1998 ein deutlich erweitertes Austauschprogramm besprochen. Professor Hartmann initiierte vor allem einen verstärkten Studentenaustausch und lud als Novum 8 Jurastudenten zu einem einwöchigen Vorlesungsbesuch nach Hamburg ein.

    Vorrangig ist die gemeinsame Abstimmung zwischen den Hochschulen, die Weiterentwicklung von Beratungsangeboten sowie die Zusammenarbeit mit Einrichtungen außerhalb der Hochschule.

    An allen besuchten syrischen Hochschuleinrichtungen war ein erheblicher Nachholbedarf in der Ausstattung mit wissenschaftlichen Geräten und Arbeitsmaterial erkennbar, worauf bei der Zusammenarbeit Rücksicht zu nehmen sein wird. Die Universität Hamburg wurde vor allem um Kooperation bei der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses und beim Ausbau neuer Disziplinen gebeten. Gleichzeitig wurde die Attraktivität Syriens als Forschungsfeld und Kooperationspartner für die Gebiete Islamwissenschaft, Arabistik, Geschichtswissenschaft und Archäologie gewürdigt und in die Kooperationsplanungen einbezogen. In der Beziehung zwischen Hamburg und Damaskus kann für die Fächer Islamwissenschaft, Rechtsmedizin und Zahnmedizin aufgrund von durchgeführten Einzelvorhaben schon jetzt eine wirksame, vor allem der Förderung von Studierenden und Nachwuchswissenschaftlern gewidmete Zusammenarbeit festgestellt werden. Auch auf neuen Fachgebieten erscheinen die Voraussetzungen für gute wissenschaftliche Kontakte günstig, da viele syrische Hochschullehrer in Deutschland studiert haben.

    6. ENTWICKLUNGEN IM BAU- UND INVESTITIONSBEREICH

    6.1 Erhebung des Reinvestitionsbedarfes

    Nicht zuletzt aufgrund entsprechender Empfehlungen der Externen Beratungskommission (vgl. 1.1) hat eine interbehördliche Arbeitsgruppe (Behörde für Wissenschaft und Forschung, Senatskanzlei, Finanzbehörde, Universität) den Investitionsbedarf hinsichtlich

  • Instandhaltung und Sanierung der Gebäude und
  • Erhalt und Erneuerung der Geräteausstattung

    erhoben.

    Sie kommt zu dem Ergebnis, daß die derzeit vorhandenen Mittel für Bauunterhaltung, Grundinstandsetzung und Sanierung der Gebäude der Universität in Höhe von rd. 16,7 Mio. DM (1997) nicht ausreichen, um die Funktionstüchtigkeit der Hochschule langfristig zu erhalten. Die nach verschiedenen Methoden ermittelten realen Bedarfe liegen zwischen 22,5 und 40,0 Mio. DM.

    Für den Gerätebereich (über 250 TDM) führt die Untersuchung zu dem Ergebnis, daß je nach Erneuerungsrhythmus ein Bedarf zwischen 3,7 Mio. DM (15 Jahre) bis 7,0 Mio. DM (8 Jahre) jährlich besteht. Der Ansatz von 3,0 Mio. DM (1996) für Großgeräte ist selbst bei einer Nutzungsdauer von 15 Jahren nicht auskömmlich.

    Es wird angestrebt, die ermittelten Bedarfe zur Grundlage der Ansätze in der mittelfristigen Finanzplanung zu machen.

    6.2 Investitionsmaßnahmen zur Energieeinsparung

    Die Möglichkeit von Investitionen zur Energieeinsparung war den Hamburger Dienststellen in Zusammenarbeit mit der Umweltbehörde schon recht lange gegeben. Aber erst die verbesserten Verwaltungsabläufe innerhalb der Hamburger Behörde schafften den eigentlichen Durchbruch für größere Investitionen. Im nachfolgenden werden die Finanzierungsmöglichkeiten für diese Investitionen beschrieben. Die Umweltbehörde ermöglicht zwei Wege:

    1. Aufnahme eines Kredites bei den Versorgungsunternehmen (z. Z. HEW, HWW).

    2. Inanspruchnahme von Mitteln aus einem Haushaltstitel der Umweltbehörde für Energieeinsparung.

    Für alle geplanten Vorhaben zur Energieeinsparung ist eine detaillierte Wirtschaftlichkeitsberechnung erforderlich, die von dem zuständigen Fachamt für Energie und Immissionsschutz der Umweltbehörde akzeptiert werden muß.

    Um die Genehmigung für die Aufnahme eines Kredites zu erhalten, müssen die Kosten der eingesparten Energie höher als der Kapitaldienst sein.

    Finanziert durch einen HEW-Kredit wurden mit dem Programm des Leuchtentausches "2 : 1 fürs Klima" in 29 Gebäuden für

    4.227.464,00 DM

    die Beleuchtungsanlagen erneuert.

    Die Wirtschaftlichkeitsberechnung ergab eine jährliche Einsparung an Leistung von 951,6 Kilowatt sowie Arbeit von 2.262.595 Kilowattstunden im Wert von 668.602,20 DM.

    Weiterhin wurden aus dem HEW-Kredit stromsparende Maßnahmen an

  • Lüftungsanlagen
  • Kühlräumen
  • Heizungspumpen
  • Kälteanlagen

    in sechs Gebäuden mit einem Volumen von

    2.713.353,86 DM

    finanziert.

    Diese Vorhaben sollen zu Einsparungen an Leistung von 570 kW und an Arbeit von 2.779.302 kWh jährlich führen.

    Weitere Investitionen wurden aus dem bereits genannten Rückstellungstitel in Höhe von 6.793.425,20 DM getätigt oder bewilligt.

    Hieraus werden die verschiedensten Energie- und Ressourcenspar-Maßnahmen wie

  • wasserlose Urinale
  • Rückkühlanlagen für wissenschaftliche Geräte zur Trinkwassereinsparung
  • Heizkesselerneuerung,
  • Verbesserungen an raumlufttechnischen Anlagen
  • Regenwassernutzungsanlage für das Versuchsfeld Wulfsdorf
  • Beleuchtungsanlagen

    finanziert.

    All die genannten Maßnahmen führten nicht nur zu erheblichen Energie- und Betriebskostenersparnissen, sondern führten zudem noch zu einer Erneuerung einer großen Anzahl sanierungsbedürftiger haustechnischer Anlagen.

    6.3 Entwicklung der Großgerätebeschaffung

    Im Jahr 1997 haben für die Beschaffung von wissenschaftlichen Großgeräten (über 250.000,00 DM) im Einzelfall rund 3,0 Mio. DM für alle Fachbereiche der Universität (ohne Medizin) zur Verfügung gestanden.

    Alle Anträge der Universität wurden von DFG und Wissenschaftsrat positiv beurteilt. Der zur Verfügung stehende Betrag teilte sich 1997 wie folgt auf:

    FB 07 Video-Schnittstelle DM 256.000,00
    FB 12 Ergänzungsbeschaffung DM   32.000,00
    FB 13 Elektronenmikroskop DM 992.000,00
    FB 14 Elektronenmikroskop
    Gaschromatograph
    Laser-Mikroskop
    DM 254.000,00
    DM 288.000,00
    DM 400.000,00
    FB 15 Massenspektrometer
    CTD-Schleppkette
    DM 483.000,00
    DM 346.000,00

    6.4 Planungen zur Erweiterung des Rechtshauses und zur Errichtung eines Verwaltungsgebäudes

    Die vorbereitenden Planungen für die Erweiterung des Rechtshauses an der Rothenbaumchaussee konnten bisher mit Unterstützung der Behörde für Wissenschaft und Forschung erfolgreich fortgeführt werden. Diese Erweiterung um ca. 5.000 qm HNF hat zum Ziel, den künftig vereinigten Fachbereich Rechtswissenschaft in einem Gebäudekomplex unterzubringen und gleichzeitig alle Seminarbibliotheken in einer zentralen Fachbereichsbibliothek zusammenzuführen. Damit kann einerseits die Vereinigung der bisher getrennten Fachbereiche unterstützt werden, andererseits soll die neue Bibliotheksorganisation eine bessere und effektivere Nutzung der Bibliotheken durch Studierende und Wissenschaftler bewirken. Für die gesamte Universität wird - in Verbindung mit dem neuen Verwaltungsgebäude - auch eine wirtschaftlichere Grundstücks- und Gebäudenutzung erwartet. Die Vorschläge der Universität haben bisher die notwendige politische Unterstützung gefunden. Der Senat hat der Planung und Ausschreibung des Erweiterungsbaus am 23. Juli 1997 zugestimmt, - ebenso wie der Planung eines Verwaltungsgebäudes. Diese Planung ist in der Koalitionsvereinbarung nach der Neuwahl im Herbst bestätigt worden. Die Universität erwartet, daß die z. Z. unter Federführung der Behörde für Wissenschaft und Forschung laufenden Planungen der staatlichen Behörden termingerecht abgeschlossen werden, damit noch im Jahre 1998 die Ausschreibung für Investoren stattfinden kann. Gegenwärtig wird unter Beteiligung der Universität ein Funktionsprogramm erstellt, das in die Ausschreibungsunterlagen aufgenommen wird. Vom Ergebnis dieser Ausschreibung, die architektonische und finanzielle Lösungen anbieten soll, sowie vom prospektiven Erfolg der durch Neubau ermöglichten Verwertung bisher universitär genutzter Grundstücke wird es abhängen, ob die geplanten Baumaßnahmen tatsächlich im nächsten Jahr beginnen kann.

    Wie im HIS-Nutzungskonzept für die Geisteswissenschaften vorgesehen, soll die Effektivität der Universitätsverwaltung durch die Zusammenfassung der heutigen acht Standorte in einem Verwaltungsneubau gesteigert werden.

    Da zusätzliche staatliche Mittel für diesen Neubau nicht zu erwarten sind, soll er durch Verkauf von Grundstücken und Aufgabe von Mietobjekten finanziert werden, die bisher von der Universität genutzt werden. Mögliche Standorte sind Flächen hinter dem Auditorium Maximum und auf der Freifläche vor dem Studentenhaus (Dreiecksfläche mit Pergolen und Stele).

    Die Universitätsverwaltung hat ein Raumprogramm erarbeitet, das mit rd. 4.300 qm Hauptnutzfläche abschließt. Dieses Programm ermöglicht den Umzug aller Referate der Verwaltung (mit Ausnahme des Technischen Betriebs) einschließlich Verlagerung des Senatssitzungssaals in den Neubau.

    Bei Verwirklichung dieses Projektes eröffnet sich für die Universität die Chance, ein wissenschaftliches Zentrum in dem Hauptgebäude und den beiden anschließenden Flügelbauten zu schaffen.

    6.5 Weitere Belegung Stellingen

    Das Gebäude E wurde im Laufe des Jahres 1997 weiter hergerichtet. Dadurch wurde es möglich, das von der Universität erarbeitete Belegungskonzept zu realisieren. Nachdem 1996 schon die Biokybernetik und die Arbeitsstelle für wissenschaftliche Weiterbildung in neue Räume in Stellingen umgezogen waren, folgte im Herbst 1997 das IZHD.

    6.6 Verkauf der Grundstücke Grindelhof 38/40

    Die Grundstücke Grindelhof 38 und 40 wurden auf Betreiben der Behörde für Wissenschaft und Forschung im Herbst 1997 durch das Liegenschaftsamt des Bezirkes Eimsbüttel an Private verkauft, um die zeitlich gestreckten Stellenstreichungen zwischenzufinanzieren (vgl. 1.4).

    Das in beiden Villen untergebrachte Institut für Internationales Steuer- und Finanzwesen erhielt die durch Umzug des IZHD nach Stellingen im Verfügungsgebäude Sedanstraße freigewordenen Räume nach entsprechender Renovierung und Installation einer Bibliothek.

    Der Umzug wurde bis Ende Dezember 1997 abgeschlossen.

    6.7 Wegenetz für Behinderte auf dem Campus

    Ziel der Erstellung eines behindertengerechten Wegenetzes auf dem Campus ist es, Sehbehinderten, Blinden und Rollstuhlfahrern eine bessere Orientierung auf dem Campus zu ermöglichen bzw. die Fahrt über den Campus zu den Veranstaltungsorten erschütterungsfrei zu gestalten.

    Das Projekt wurde ist in enger Kooperation mit der Behindertenbeauftragten des AS, Frau Prof. Rath, und dem Sozialreferat des AStA geplant. Die Planung und die Ausführung des Projekts ist über das Bezirksamt Eimsbüttel, Gartenbauabteilung, an eine für derartige Aufgabenstellungen ausgewiesene Architektin vergeben worden.

    6.8 Sanierung der Fassade des Rechtshauses

    Im Berichtsjahr wurde eine umfangreiche Sanierung der Fassade des Rechtshauses begonnen. Ihr Umfang beinhaltet die Betonsanierung, das Austauschen der abgängigen Fenster und eine Fassadensanierung, die den heutigen Wärmeschutzbestimmungen entspricht. Der Fassadensanierung folgt eine Renovierung der betroffenen Innenräume.

    Die Kostenschätzung für die Fassadensanierung schloß mit 6,3 Millionen DM ab. Die Baumaßnahme wurde aus Gründen des Mittelabflusses und des Bauablaufes in vier Bauabschnitte geteilt. Der 1. und 2. Bauabschnitt sind abgeschlossen.

    Für die Fassade zur Rothenbaumchaussee wird zunächst nur die Betonsanierung durchgeführt, da hier die Neubauplanung des Bücherturms anschließt.

    6.9 HIS-Gutachten zum Raumbedarf der Naturwissenschaften

    Nachdem im Januar 1996 ein von der HIS GmbH erarbeitetes Gutachten über Flächenbestand und -entwicklung der Geisteswissenschaften vorgelegt worden war, beauftragte die Behörde für Wissenschaft und Forschung die HIS GmbH mit der Erarbeitung einer Untersuchung für den Bereich der Naturwissenschaften. In dieser Flächenuntersuchung soll die mittelfristige Entwicklung der naturwissenschaftlichen Fachbereiche bis zum Jahr 2005 behandelt werden.

    Ziel der Untersuchung ist, für die naturwissenschaftlich genutzten Gebäude der Universität Vorschläge zur baulichen Entwicklung zu unterbreiten, die unter Berücksichtigung wirtschaftliche Gebäudenutzung und unter Einbeziehung der Möglichkeiten zur Belegungsverdichtung eine Neuordnung der Raumnutzung für diesen Teil der Universität beinhalten.

    Ausgangspunkte sind einerseits die aufgrund der Einsparauflagen des Hamburger Senats reduzierten Stellenpläne sowie reduzierte Studienplatzzahlen als wesentliche Einflußgrößen auf den Flächenbedarf. Weitere Grundlage ist die Standortentscheidung für das Zentrum für Marine und Atmosphärische Wissenschaften (ZMAW), die eine Neuordnung der Raumnutzung im Umfeld des Geomatikum (Bundesstraße) erfordert.

    Nach Aktualisierung der Bestandsdaten im Frühjahr 1997 durch die Bauverwaltung folgten intensive Gespräche von HIS-Mitarbeitern mit den betroffenen wissenschaftlichen Einrichtungen und die Diskussion von Eingabedaten mit der Hochschulbehörde. Zum Ende des Berichtsjahres konnte die Arbeit an dem Gutachten abgeschlossen werden.

    7. FINANZ-, ORGANISATIONS- UND IUK-ANGELEGENHEITEN

    7.1 Einsparverpflichtung im Sachmittelbereich

    Die Entwicklung des Sachmittelaufwandes der letzten Jahre macht deutlich, daß die Ansätze von 1995 bis einschl. 1998 normalen um 3,22 % zurückgegangen sind:

    Ansatz 1995 Ansatz 1996 Ansatz 1997 Ansatz 1998
    DM 104.995.500 DM 103.773.000 DM 102.849.000 DM 101.614.000

    7.2 Ergebnis der Bewirtschaftung des Wirtschaftsplanes 1997

    Trotz der Einsparverpflichtungen und nicht zu vermeidender Mehrausgaben beim Personalaufwand ist absehbar, daß auch 1997 ein ausgeglichener Jahresabschluß erreicht wird. Insgesamt (einschl. Investitionen) sind die Ausgaben gegenüber 1996 um rd. 1,75 % zurückgegangen.

    7.3 Drittmittelentwicklung (einschl. Technologietransfer)

    In 1997 sind Drittmittel in Höhe von rd. 87 Mio DM ausgegeben worden. Das bedeutet gegenüber 1996 eine Steigerung von rd. 13 Mio.

    Von den Ausgaben entfielen auf:

    Bundesmittel einschl. FS METEOR
    DFG und sonstige Dritte
    Mittel für SFB
    EU - Mittel
    Mittel der FHH
    Mittel aus Technologietransfer
    50,2 Mio DM
    21,9 Mio DM
      3,3 Mio DM
      7,5 Mio DM
      2,0 Mio DM
      1,9 Mio DM

    7.4 Umsetzung des Hochschulsonderprogramms III.

    Für das Hochschulsonderprogramm III standen in 1997 Mittel in Höhe von
    10.497.536 DM
    zur Verfügung, von denen folgende Programmteile finanziert wurden:
    Tutorien      150.000 DM
    Verbesserung der Qualität der Lehre      312.500 DM
    Multimedia      375.000 DM
    Innovationstransfer      293.853 DM
    übrige Programmteile   9.366.183 DM
    Für die Frauenförderung, die gesondert finanziert wird, wurden zugewiesen.      486.600 DM
    insgesamt 10.984.136 DM

    7.5 Weitere Dezentralisierung

    Seit dem 01.01.1998 sind alle Fachbereiche mit einem eigenständig bewirtschafteten Personalmittel-Budget ausgestattet. Zentral, d. h. durch die Präsidialverwaltung, werden weiterhin die Personalmittel des Instituts für Ausländisches und Internationales Finanz- und Steuerwesen, des IZHD, aller im Kapitel 3468 zusammengefaßten Senatsunmittelbaren Einrichtungen und der Präsidialverwaltung selbst verwaltet.
    Damit ist der 1995 festgelegte Stufenplan für die Dezentralisierung der Personalmittelbewirtschaftung abgeschlossen.
    Im Rahmen eines noch zu beschreibenden "Personal-Controlling" wird als Daueraufgabe in der Präsidialverwaltung die Betreuung der Fachbereiche, die Überprüfung des Verteilungsmodus, das "Steuern" des Gesamtbudgets und die (Weiter-)Entwicklung des Berichtswesens verbleiben.

    7.6 Untersuchung der Fachbereichsverwaltungen

    Eine Mitte 1996 begonnene Untersuchung in allen Fachbereichs- und (großen) Institutsverwaltungen ist im Berichtsjahr abgeschlossen worden. Dadurch sollten die Veränderungen in den Verwaltungen, die sich durch die Mittelverwaltung (MBV) und die Globalisierung der Personalmittel ergeben haben, erfaßt werden, um so eine den Aufgaben angemessene Ausstattung der Fachbereichsverwaltungen zu erreichen.

    Letztendlich sind alle Aufgaben der Verwaltungen betrachtet und erhoben worden. Im Ergebnis wurden in mehr als der Hälfte der Verwaltungen Mehrbedarfe festgestellt, deren Realisierung weitgehend abgeschlossen ist.
    Soweit Minderbedarfe festgestellt wurden, können die Stellen mittelfristig eingespart werden. Mit dem jetzt für alle Verwaltungen vorliegenden Erhebungsbogen wird es möglich sein, auf Veränderungen der Aufgaben und deren quantitative Auswirkungen schnell zu reagieren.

    7.7 Entwicklung des Hochleistungsrechnernetzes

    Da der Vertrag mit der damaligen Deutschen Bundespost über das Hamburger Hochleistungsrechnernetz (HHR) zum Ende des Berichtszeitraumes auslaufen würde und andererseits die Bandbreiten für die Zugänge zum Wissenschaftsnetz (WiN)/Internet aufgrund der ständig steigenden Nachfrage zu erhöhen waren, wurde die erste Hälfte des Jahres 1997 von Bemühungen geprägt, eine kostengünstigere Lösung auf diesem zusammenhängenden Problemfeld zu finden. Der Zusammenhang war gegeben, weil das HHR 1995/96 die Voraussetzung für einen Gemeinschaftsanschluß mit einer Gesamtkapazität von 34 Mb/s zum Breitband-WiN (B-WiN) bildetete, den sich die über das HHR verbundenen Einrichtungen Universität Hamburg, Technische Universität Hamburg-Harburg, Universität der Bundeswehr Hamburg, Deutsches Klimarechenzentrum und GKSS (in Geesthacht) teilen konnten; DESY - ebenfalls HHR-Mitglied - war aufgrund höherer Anforderungen den Weg eines eigenen B-WiN-Anschlusses gegangen.

    Nach zügiger Abstimmung unter den HHR-Partnern wurde eine Lösung gewählt, die durch ein günstiges Angebot des DFN-Vereins ermöglicht wurde: Die HHR-Partner - einschließlich DESY - teilen sich ein Gemeinschaftsan-schlußpaket (GAP) über insgesamt 155 Mb/s. Die entsprechenden Verträge der Partner mit dem DFN-Verein umfassen die jeweilige Zuleitung zum B-WiN-Aufpunkt - der DFN-Verein bedient sich hier eines entsprechenden Vertrages mit der Deutschen Telekom -, so daß neben dem B-WiN-Anschluß auch eine sehr leistungsfähige Verbindung der hamburgischen Wissenschafts-Einrichtungen untereinander gegeben ist. Gleichzeitig stellt diese Lösung, die im Dezember 1997 in Betrieb genommen werden konnte, den Übergang zur ATM-Technik dar.

    Bemerkenswert an dieser Lösung ist im übrigen ihr unbürokratisches Zustandekommen; die vereinbarte Verteilung der finanziellen Last wird von allen beteiligten Einrichtungen als fair empfunden, stellt sie doch für alle Partner den gegenwärtig kostengünstigsten Zugang zur Kommunikations-Hochtechnologie im MAN- und WAN-Bereich dar.

    Die Universität Hamburg erhält eine WiN-Anschluß-Teilkapazität in Höhe von 30 Mb/s, wofür Jahreskosten in Höhe von etwa DM 600.000,00 entstehen, mit denen allerdings auch der Zugang zum hamburgischen Hochleistungsrechnernetzt abgegolten ist. Der Betrag wird durch die Beteiligung etwa 30 kleinerer wissenschaftlicher Einrichtungen, die unter dem Dach des universitären Vertrages mit dem DFN-Verein mitversorgt werden, um etwa DM 100.000,00 gemindert.

    Gegen Mitte des Berichtszeitraumes ergab sich zusätzlich der glückliche Umstand, daß HBFG-Mittel in Höhe von DM 750.000,00 verfügbar wurden, mit denen es gelang, das universitäre Backbone auf ATM-Technik umzustellen.

    7.8 Automation von Verwaltungsaufgaben

    Im Verwaltungsnetz der Universität, das in das Netz der FHH integriert ist, aber bislang keine Übergänge in das WiN/Internet aufweist, wurden im Berichtszeitraum nur kleinere Erweiterungen für einzelne Arbeitsplätze und im Serverbereich für Testzwecke vorgenommen.

    Das Hauptgewicht der Innovationsbemühungen wurde im Berichtszeitraum auf eine Pilotstudie gelegt, die bereits 1996 begonnen worden war. Beteiligt sind: das Rechenzentrum, der Fachbereich Informatik, die Präsidialverwaltung, das Landesamt für Informationstechnik (LIT) und das Amt für IuK und zentrale Dienste der Finanzbehörde. Im Rahmen dieser Kooperation soll nachgewiesen werden, daß Verwaltungsanwendungen der Universität mittels kryptografischer Methoden sicher über das vorhandene offene Netz geführt werden können und abgesicherte Kommunikationswege für die universitären Verwaltungsstellen in offene Netze eröffnet werden können. Die im Rahmen dieser Studie ausgearbeiteten technischen Lösungen konnten aufgrund vieler sich im Verlauf der Kooperation ergebender organisatorischer und technischer Schwierigkeiten erst Ende November/Anfang Dezember in Betrieb gehen. Demgemäß konnte die Pilotstudie im Berichtszeitraum nicht zu einer abschließenden Analyse und Bewertung kommen.

    Als dieser zeitliche Ablauf abzusehen war, andererseits Zweifel an einem grundsätzlichen Erfolg der Pilotstudie nicht entstanden waren, sah sich die Präsidialverwaltung dazu veranlaßt, gemeinsam mit dem Rechenzentrum im Rahmen des Möglichen eine Übergangslösung zu schaffen, bei der an ausgewählten Plätzen der Verwaltung, die bislang noch keinen Zugang zum offenen Netz haben, zusätzliche Endgeräte an das wissenschaftliche Netz angeschlossen wurden. Die dabei notwendige Doppelausstattung hinsichtlich der Verkabelung und der Endgeräte kann bei künftiger Öffnung des Verwaltungsnetzes wieder aufgelöst werden. Die Verzögerung beim Abschluß der Pilotstudie ließ es am Ende des Berichtszeitraumes nicht mehr zu, die weitere IuK-Ausstattung der universitären Verwaltungsstellen, die nur im Rahmen eines HBFG-Verfahrens (unter Beteiligung des Bundes) möglich ist, weiter hinauszuschieben, weil die Delegation von Aufgaben auf die Fachbereichsverwaltungen nicht unterbrochen werden kann, hierzu aber eine ausreichende IuK-Ausstattung insbesondere für die Unterstützung der Auftragsangelegenheiten unerläßlich ist.

    Somit wurde ein Konfigurationsmodell für ein virtuelles Verwaltungsnetz der Universität festgelegt, in das hinreichend viel Flexibilität eingebaut ist, um die noch nicht feststehenden Ergebnisse des Projektes ProUni künftig berücksichtigen zu können und bei Gewährleistung von Datenschutz und Verfahrenssicherheit die sichere Mitnutzung des wissenschaftlichen Netzes bzw. sichere Übergänge in dieses offene Netz zu ermöglichen. Dieses Modell ist Grundlage eines am Ende des Berichtszeitraumes erarbeiteten HBFG-Antrages.

    Erwähnenswert sind des weiteren folgende Entwicklungen:

    7.9 Stand der Bibliotheksautomation

    Im Rahmen der Bibliotheksautomatisierung konnten - neben der weiteren Ausrüstung der Bibliotheken mit modernen Personalcomputern zur Katalogisierung und Recherche - insbesondere folgende Neuerungen eingeführt werden:

    Für Benutzer und Mitarbeiter der Bibliotheken sind nunmehr in allen ausgestatteten Einrichtungen nicht nur alle internet-basierten Ressourcen zugänglich, sondern auch spezifische digitale Angebote der Universität und der Staats- und Universitätsbibliothek. So stehen u. a. seit Mitte des Berichtsjahres über 250 wissenschaftliche Zeitschriften internationaler Verlage im Volltext und zahlreiche zusätzliche CD-ROM-Quellen zur Verfügung, die - auch über die Nutzung in den Bibliotheken hinaus - im gesamten Rechnernetz der Universität zugänglich sind.

    Der virtuelle Katalog von Universität, Staats- und Universitätsbibliothek und Hochschule für Wirtschaft und Politik, der "Campus-Katalog", wurde zudem für den Zugang über das World Wide Web (WWW) konzipiert und freigegeben, so daß diese Daten nunmehr relativ komfortabel (weltweit) zugänglich sind. Ferner wird in diesem zentralen Katalog der Universität nun auch der Ausleih-Status der jeweils recherchierten Medien angezeigt. Eine Suche in fachbereichsbezogenen Teilbeständen ist möglich. Über das WWW stehen - ebenfalls im Berichtsjahr für diesen Zugang eingerichtet - u. a. auch ein Regionalkatalog wissenschaftlicher Bibliotheken des Raumes Hamburg und der Gesamtkatalog des Gemeinsamen Bibliotheksverbundes von sieben Bundesländern (GBV) zur Verfügung.

    Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt lag in der Einführung eines automatisierten Ausleihverfahrens für ausleihende Bibliotheken und - damit verbunden - eines neuen Ausweises, der die bisherigen "Seminarkarten" ablösen wird. Diese neue Praxis wurde u. a. in der Zentralbibliothek Wirtschaftswissenschaften/HWP und in der Bibliothek des Fachbereiches Informatik eingeführt, in denen allein schon über 300.000 Ausleihen jährlich durchgeführt werden, so daß dort ab sofort nicht nur das Ausfüllen von Ausleihscheinen entfällt, sondern auch eine spürbare Entlastung an den Ausleihtresen generell zu verzeichnen ist.

    8. PERSONALENTWICKLUNG

    8.1 Frauenförderung

    Die jüngsten Berichte zur Frauenförderung, die Präsident und Frauenbeauftragte der Universität Hamburg dem Akademischen Senat im Dezember 1997 vorgelegt haben, machen besonders deutlich, daß die bisher praktizierte Gleichstellungspolitik an der Universität Hamburg erfolgreich ist. Neben einer erfreulichen Erhöhung des Anteils von Frauen am wissenschaftlichen Personal, auch im Bereich der Professoren, hat die Universität Hamburg mit der erstmaligen Verleihung ihres Frauenförderpreises in 1997 unterschiedliche Aktivitäten zur Gleichstellung von Frauen und Männern an der Universität und würdigen können. Die durch das Hochschulsonderprogramm III grundsätzlich ermöglichte strukturelle Verbesserung für den weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchs wurde in Hamburg nur bedingt genutzt; statt Stellen wurden und werden nur Habilitations- und Wiedereinstiegsstipendien vergeben.

    8.1.1 Erhöhung des Anteils von Frauen an Professuren

    Erfolge gibt es insbesondere im Bereich der Professuren: bis zum Januar 1997 war der Anteil der Frauen an den Professuren auf 9,7 % (das sind 60 von 620 besetzten Professuren) angestiegen; zwei Jahre zuvor waren es mit 7,5 % nur 50 Professorinnen. Im Jahr 1997 haben zudem noch mindestens acht weitere Frauen einen Ruf angenommen, so daß inzwischen sicherlich die 10 %-"Hürde" überschritten ist. Damit kann die Universität Hamburg auch bei den Professuren erfreuliche Erfolge, wie es sie für die Qualifikationsstellen (Promotions- und Habilitationsstellen) schon seit Jahren gibt, vorweisen.

    8.1.2 Verleihung des Frauenförderpreises

    Der Akademische Senat hat beschlossen, die erstmalige Vergabe des Frauenförderpreises der Universität Hamburg zu dreiteilen. Für das sehr unterschiedliche, aber in allen Fällen erfolgreiche Engagement zur Beseitigung von strukturellen Benachteiligungen von Frauen an der Universität Hamburg wurden geehrt:

    Der Akademische Senat würdigte mit gleich drei Preisvergaben die vielfältigen Möglichkeiten für frauenfördernde Maßnahmen. Die Universität Hamburg hat mit dieser Vergabe des Frauenförderpreises auch nach außen sichtbar machen können, daß das Profil der Universität Hamburg durch die vielfältige und engagierte Form der frauenfördernden Maßnahmen mitbestimmt wird.

    8.1.3 Hochschulsonderprogramm III/Frauenförderung

    Neben den seit Beginn des HSP II bestehenden "Wiedereinstiegsstipendien für Frauen", ist es mit den im HSP III festgelegten Maßnahmen zur Frauenförderung möglich, weitere Mittel zur expliziten Qualifizierung von Frauen für Professuren einzusetzen. Leider wurden die sowohl von den Frauenbeauftragten der Hamburger Hochschulen, als auch vom Akademischen Senat der Universität gemachten Vorschläge hierzu - Einrichtungen von Stellen, die der Habilitation von Frauen dienen sollen - von der Behörde für Wissenschaft und Forschung nicht aufgegegriffen. Stattdessen wurden 1997 erstmals Habilitationsstipendien für Frauen vergeben.
    Die hochschulübergreifende Vergabekommission HSP III hat 1997 bereits elf Frauen an der Universität Hamburg ein Habilitationsstipendium gewährt. Da das HSP III in allen Bundesländern ein spezielles Nachwuchsprogramm für Frauen fordert, wird sich die Zahl von Frauen für die Bewerbung auf Professuren in den nächsten Jahren auch an der Universität Hamburg erheblich erhöhen können und die oben skizzierte erfolgreiche Frauenförderung auf Professuren fortgesetzt werden können.

    8.2 Beurlaubungs- und Teilzeitmöglichkeiten

    Durch die Einführung des Sabbatjahres sind die Beurlaubungs- und Teilzeitbeschäftigungsmöglichkeiten für die Beschäftigten der Universität um eine Variante erweitert geworden.

    Das Sabbatjahr ist ein Arbeitszeitmodell für Beamtinnen und Beamte im Rahmen bestehender Teilzeitbeschäftigungsmöglichkeiten, in dem ein längerer Zeitraum der Beschäftigung mit reduzierten Bezügen durch Ansparen der Reduzierungsbeträge mit einer kürzeren Zeit der Beurlaubung unter Weiterzahlung der reduzierten Bezüge kombiniert werden kann. Das wissenschaftliche Personal hat darüber hinaus auch die Möglichkeit, statt eines Sabbatjahres ein Sabbatsemester zu wählen.

    Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt von dieser Möglichkeit der Wahlarbeitszeit noch ausgeschlossen, da hierfür erhebliche Änderungen im Sozialversicherungsrecht erforderlich wären.

    Darüber hinaus bestehen nach wie vor die Möglichkeiten einer Beurlaubung oder Teilzeitbeschäftigung aus familiären oder arbeitsmarktpolitischen Gründen nach den §§ 76a und 89 Hamburgisches Beamtengesetz (HmbBG) sowie den entsprechenden tariflichen Regelungen für die Beschäftigten im Arbeitnehmerbereich.

    Freistellungen aus familiären Gründen sind möglich, wenn ein Kind unter 18 Jahren oder pflegebedürftige sonstige Angehörige zu betreuen sind.

    Außerdem gibt es auch weiterhin die Möglichkeit einer Beurlaubung nach den Richtlinien über die Bewilligung von Sonderurlaub für Beamte und Richter (HmbSUrlR) sowie den entsprechenden Tarifverträgen, sofern dienstliche Belange dem Urlaubsbegehren nicht entgegenstehen.

    Zum gegenwärtigen Zeitpunkt haben Beschäftigte der Universität in folgendem Umfang eine der vielfältigen Beurlaubungs- und Teilzeitmöglichkeiten gewählt:

    Für eine reduzierte Arbeitszeit nach den beamten- bzw. tarifrechtlichen Bestimmungen haben sich 21 Beschäftigte entschieden, und zwar 14 Beamtinnen und Beamte in den Besoldungsgruppen A11 bis C4 und 7 Angestellte in den Vergütungsgruppen Vb bis 1b BAT. Insgesamt wurde die Arbeitszeit damit um 280 ½ Stunden reduziert.

    Eine Beurlaubung aus arbeitsmarktpolitischen, familiären oder einem sonstigen wichtigen Grund wird z. Z. von 37 Beamtinnen und Beamten, 6 Arbeiterinnen und Arbeitern sowie 72 Angestellten in Anspruch genommen. Das Sabbatjahr haben drei Beamte gewählt.

    8.3 Dienstvereinbarung über Einrichtungen und Verfahren zur Hilfe bei Mißbrauch und Abhängigkeit von Alkohol, Medikamenten und anderen Drogen

    Die Dienstvereinbarung wurde am 15. Mai 1997 von der Präsidialverwaltung (LV), dem Personalrat des Technischen und Verwaltungspersonals (TVPR), dem Personalrat des Wissenschaftlichen Personals (WIPR) und der Krisen- und Suchtberatungsstelle (SB) unterzeichnet und zum 1. Juni 1997 in Kraft gesetzt. Eine entsprechende Bekanntmachung erfolgte in den vom Präsidenten herausgegebenen Mitteilungen der Verwaltung unter der Kennziffer III S 4.2 (Juni 1997).

    Folgende Punkte sind in der Dienstvereinbarung geregelt:

    1. Einleitung
    2. Definition von Mißbrauch und Sucht
    3. Ziele
    4. Aufgaben der Dienststelle
    5. Prävention
    6. Die Krisen- und Suchtberatungsstelle
    7. Die betriebsärztliche Betreuung durch den Arbeitsmedizinischen Dienst (AMD)
    8. Arbeitskreis
    9. Nebenamtliche Suchtkrankenhilfe
    10. INTERVENTIONSKETTE am Beispiel des Alkoholmißbrauchs
    11. Schlußbestimmungen

    Die INTERVENTIONSKETTE (10.) ist der wesentliche Schwerpunkt. Ihr sind alle anderen Abschnitte mehr oder weniger beigeordnet. Besonders detailliert aufgefächert beschreibt und regelt sie in 6 Schritten (10.1 - 10.6) das innerbetriebliche und dienstrechtliche Vorgehen bei Auffälligkeiten der Bediensteten, die auf Drogenmißbrauch oder Drogenabhängigkeit hinweisen. Die Interventionskette beinhaltet allerdings nicht nur diese Sanktionen, sondern stellt zu jedem notwendigen Vorgehensschritt gleichermaßen Hilfsangebote bereit. Diese Hilfsangebote werden durch die Krisen- und Suchtberatungsstelle (6.) angeboten und gewährleistet. Die weisungsfreie und unabhängige Beratungstätigkeit gilt sowohl der Beschäftigungsstelle/Dienststelle wie - mit besonderer Hinwendung - den betroffenen Personen.
    Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle, daß die Vorbereitung der Dienstvereinbarung durch eine vorläufige Interventionskette seit Februar 1994 bereits Orientierungsmaßstäbe gesetzt hatte (vgl. Jahresbericht des Präsidenten 1995). In der Vereinbarung vom 1. Juni 1997 wurden diese praktischen Erfahrungen aufgenommen, das Interventionsverfahren in sich stimmig geregelt und durch den nun verbindlichen Charakter eine grundlegende Haltung für alle Beteiligten festgelegt.

    Die in der Interventionskette vorgeschriebenen Hilfsangebote stehen vor jeder betrieblichen Konsequenz und können nur durch persönliche Verweigerung der Betroffenen zu einer dienstrechtlichen Maßnahme führen. Es ist diese Verweigerung, die die Interventionskette überhaupt in Gang setzt. Damit gerät die betroffene Person unausweichlich in die Spirale des sogenannten "konstruktiven Drucks", der wiederum für sich eine Hilfsmöglichkeit darstellt: Bei jedem Schritt ein Innehalten, gewissermaßen eine Standortbestimmung - und das Sichtbarmachen des roten Leitfadens, der in den drogenungefährdeten Alltag zurückführen kann und soll.
    Selbstverständlich kann die gefährdete Person jederzeit diese Handlungskette unterbrechen, wenn es ihr gelingt, aus eigener Kraft wieder den Arbeitsalltag und den Lebensalltag in die angemessenen Bahnen zu bringen. Erfahrungsgemäß ist dies jedoch nur ein Wunschtraum und entspricht nicht der realen Lebenssituation. Vielmehr birgt dieser überhöhte Anspruch dem Suchtcharakter entsprechende, typische Gefahren. Er begünstigt den Weg in die Abhängigkeit und Sucht.

    Die Anwendung der Interventionskette geschieht zu dem Zeitpunkt, da eine Person bereits mehrfache Auffälligkeiten zeigt. Das bedeutet meist, daß das Problem "Droge" schon viel tiefergreifend in das Leben eingewirkt hat als bisher zu erkennen war - oder das Umfeld erkennen wollte. Diesen "Schwachpunkt" greift die Interventionskette auf. Sie ist Anstoß, Instrument, verbindliche Handlungsanleitung für alle Betroffenen. Sie stellt die äußeren Rahmenbedingungen bereit - aber auch "nur" diese. Die einzelnen Schritte ermöglichen, insbesondere im Frühstadium der Auffälligkeit ein individuell ausgerichtetes, koordiniertes Vorgehen zwischen Hilfsangebot und Sanktionen, ohne daß es zu dienstrechtlichen Maßnahmen führen muß. Gerade hier bieten sich durch die Einbeziehung der Krisen- und Suchtberatungsstelle für alle Beteiligten noch reale Chancen einer gemeinsamen Beratung und Absprache für das weitere Vorgehen. Gerade zu diesem frühen Zeitpunkt gilt es, die noch vorhandenen individuellen und arbeitsgemäßen Möglichkeiten auszuschöpfen. Entgegen der Erwartung von Skeptikern können diese Angebote gerade nicht als Verzögerungstaktik, Alibifunktion oder Freibrief mißbraucht werden wenn die ersten beiden Interventionsschritte entsprechend der Dienstver-einbarung eingehalten werden. In diesem engen Bezugssystem werden solche Absichten aufgrund der Eigendynamik der Krankheit sich innerhalb eines gewissen Zeitraums offenbaren, ohne fachgerechtes Eingreifen schreitet die eigene Zerstörung unweigerlich voran.
    Will man den so bedrohten Menschen eine wirkliche Chance zur Wiedergesundung geben, muß auch ein einschneidender Schwachpunkt der Interventionskette aufmerksamer berücksichtigt werden. Die Dienstvereinbarung fordert: "- in der Suchthilfe die Gleichbehandlung aller Betroffenen sicherzustellen ...". Diese Gleichbehandlung kann jedoch leider nur im Rahmen des internen Vorgehens, der internen Sanktionen angestrebt werden. Für den formalen Vorgang, der externe Dienststellen mit einbeziehen muß, ist eine unterschiedliche Behandlung nicht zu vermeiden. Das ergibt sich zwangsläufig aus der Art der Beschäftigungsverhältnisse, z. B. Arbeitsverträge für Arbeiter und Angestellte, Dientsverträge für Beamte. Von der Abmahnung bis zur Kündigung werden andere, wesentlich kürzere und weniger aufwendige Vorgänge in Gang gesetzt, als die entsprechenden Maßnahmen des Beamtenrechts es erfordern. Auch kann nicht übersehen werden, daß die hierarchische Einbindung der suchtkranken Person auf das Verfahren einwirkt, einschließlich der damit verbundenen Arbeitsbedingungen. Im Sinne der Hilfe für einen kranken Menschen dürfen diese unterschiedlichen Realitäten jedoch gerade nicht aus dem Blickfeld geraten, sondern müssen entsprechende Beachtung finden. Denn was sich zunächst scheinbar als Vorteil im Sinne einer Verfahrensverzögerung oder Unantastbarkeit der Person zeigt, bedeutet vor dem Hintergrund der Suchterkrankung, eine lebensgefährliche Situation heraufzubeschwören.

    Die Interventionskette erwähnt für die formale Vorgehensweise nur den Personenkreis, der in einem bestimmten Rahmen Verantwortung übernehmen und deutlich machen muß. Immer sind jedoch in irgendeiner Weise auch die Personen im näheren und weiteren Arbeitsumfeld mitbetroffen. Immer müssen auch sie in der Begegnung mit der suchtgefährdeten Person zumindest ihre eigenen menschlichen und moralischen Wertevorstellungen zum Ausdruck bringen, meist auch sich arbeitsmäßig damit arrangieren. Gegebenenfalls werden sie sogar mit einer eigenen Gefährdung konfrontiert. Diese potentielle Mitbetroffenheit greift die Dienstvereinbarung auf. Gemäß der Fürsorgepflicht der Dienststelle möchte sie alle Bediensteten erreichen, ansprechen und befähigen, dem Suchtproblem zu begegnen. Mit der Beschreibung der "Ziele" (3.), der "Aufgaben der Dienststelle (4.), der "Prävention" (5.) und der "Krisen- und Suchtberatungsstelle" (6.) ist auch hier der Rahmen gesteckt. Weitere Informations- und Fortbildungsveranstaltungen sind in Planung, eine kommentierte Ausgabe der Interventionskette steht ab Februar 1998 allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Verfügung.

    9. ARBEITSSICHERHEIT, UMWELTSCHUTZ, BETRIEBSÄRZTLICHE BETREUUNG

    9.1 Berichtswesen

    SI hat 1997 erstmalig einen Jahresbericht 1996 zu den Themen Arbeitssicherheit und Umweltschutz und einen Jahresabfallbericht 1996 vorgelegt. Hilfreich waren dabei die seit 1995 eingeführten Controlling-Maßnahmen. Schwieriger gestaltete sich die Erfassung der erforderlichen Daten aus den weiteren Bereichen der Universität.
    Dies bestätigte die Notwendigkeit der Einführung eines einheitlichen Berichtswesens an der Universität, ein Projekt, das im Rahmen von PRO-UNI bearbeitet wird.

    9.2 Gefährdungsermittlung und -beurteilung

    Die schon seit langem bestehende Verpflichtung des Arbeitgebers, die Arbeitsbedingungen unter denen seine Beschäftigten tätig sind, auf Gefährdungen zu überprüfen und dementsprechend Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten durchzuführen, wurde durch das Arbeitsschutzgesetz vom 27.09.1996 formalisiert.

    Jetzt muß der Arbeitgeber die Gefährdungsbeurteilung und die Ermittlung der erforderlichen Schutzmaßnahmen dokumentieren. SI hat zusammen mit der Abteilung Sicherheitswesen der Universität Bonn für die Vorgesetzten und die Geschäftsführenden Direktorinnen und Direktoren Arbeitshilfen erstellt, um eine möglichst zeitsparende und dadurch akzeptable Abwicklung dieser Bestandsaufnahme zu ermöglichen. Unter Beteiligung der Beschäftigten wird so ein "Arbeitssicherheitskataster" für die gesamte Universität erstellt, das es auch neu in Ämter gewählten Entscheidungsträgern der akademischen Selbstverwaltung ermöglicht, sich schnell diesen Aspekt ihrer neuen Verantwortung hineinzufinden.

    9.3 Abfallmanagement

    Die nach den Vorkommnissen von 1990 eingeleitete Reorganisation der Sonderabfallentsorgung konnte abgeschlossen und konsolidiert werden.
    In jedem naturwissenschaftlichen Fachbereich sowie in den Botanischen Instituten sind hauptamtliche Kräfte mit der Entsorgung von besonders überwachungsbedürftigen Abfällen beschäftigt. Sie arbeiten eng mit dem Personal und dem Leiter des zentralen Entsorgungszwischenlagers am Fachbereich Chemie zusammen. Die Betriebsbeauftragte für Abfall begleitet das gesamte Entsorgungsverfahren und nimmt deshalb auch an den regelmäßigen Dienstbesprechungen der mit Entsorgungsaufgaben Beschäftigten teil. SI als zuständige Stelle für Abfallplanung und -organisation legt für 1997 erstmals, aufbauend auf dem schon eingeführten Abfalljahresbericht, eine (Gesamt)abfallbilanz vor. In ihr müssen Art, Menge und Verbleib der verwerteten und der entsorgten überwachungsbedürftigen und besonders überwachungsbedürftigen Abfälle aufgeführt sein. Die Kosten der Entsorgung von besonders überwachungsbedürftigen Abfällen konnten durch ein Ausschreibungsverfahren der Finanzbehörde, an dem SI beteiligt war, erheblich gesenkt werden.

    9.4 Sanierungs- und Verbesserungsmaßnahmen

    1997 wurde die letzte Phase der Sicherheitssanierung der Institute für Organische und Anorganische und Angewandte Chemie zügig in Angriff genommen. Leider verzögerte sich die Sanierung des Gebäudes der Physikalischen Chemie, da diese Maßnahme, die auch eine großflächige Asbestsanierung beinhaltet, im Zusammenhang mit der Einrichtung des ZMAW am Standort Geomatikum geplant wird. Durch regelmäßige Asbestmessungen in der Atemluft, die von einem unabhängigen Asbestsachverständigen durchgeführt werden, wird jedoch sichergestellt, daß die im Gebäude Beschäftigten keiner größeren Gefahr ausgesetzt sind, als sie allgemein vorhanden ist. Durch eine Reihe größerer und kleinerer Maßnahmen wurden technische und baubedingte Sicherheitsmängel beseitigt. Dazu zählen die Fertigstellung des Gefahrstofflagers des Instituts für Angewandte Botanik, die Fassadensanierung des Rechtshauses (siehe 6.7), die Beschaffung von Sicherheitslagerschränken für brennbare Flüssigkeiten, der Einbau von rauchmeldergesteuerten Labortüren im Institut für Allgemeine Botanik, die Sanierung der Fahrstühle im Geomatikum und der Austausch von veralteten Brandschutzklappen, der in der Regel auch mit Asbestsanierungsmaßnahmen verbunden war. Aber auch kleinere Anschaffungen wie Staubabsaugungen für Holzbearbeitungsmaschinen oder der Bau einer Verladerampe am Institut für Meereskunde haben zur Verbesserung der Arbeitssicherheit beigetragen, genauso wie die Anschaffung von Raumluftbefeuchtern für Räume, in denen die Beschäftigten während der Heizperiode besonders unter trockener Luft zu leiden hatten.

    1997 fand zum ersten Mal ein Managementseminar für Führungskräfte aus der Akademischen Selbstverwaltung statt. Mit Geschäftsführenden Direktorinnen und Direktoren sowie Dekaninnen und Dekanen wurde auf Einladung der Landesunfallkasse sowie der Universitätsleitung über Verantwortungs- und Managementprobleme im Bereich des Arbeits- und Umweltschutzes sowie der Mittelverwaltung und -beschaffung im Rahmen der Globalisierung diskutiert.
    Dieses Seminar, das dem angesprochenen Personenkreis bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben unterstützen soll, wird auch in den folgenden Jahren angeboten werden.

    9.5 Betriebsärztliche Betreuung

    Die betriebsärztliche Betreuung der Beschäftigten der Universität Hamburg wird durch zwei Betriebsärzte des Arbeitsmedizinischen Dienstes der Freien und Hansestadt Hamburg sichergestellt. Sie bilden - mit den Fachkräften für Arbeitssicherheit des Referates SI - das zweite Standbein des Arbeits- und Gesundheitsschutzes an der Universität Hamburg.
    Ihre gesetzliche Aufgabe nach dem ASiG umfaßt u. a. die Besichtigung von Arbeitsplätzen, die Beurteilung von Gefährdungen, die Auswahl von Körperschutzmitteln und die Schulung und Beratung der Beschäftigten.

    Im konkreten Fall erstellen sie Empfehlungen zur Verbesserung von Arbeitsplätzen und zur Beschaffung von Hilfsmitteln. Gerade für die älteren oder chronisch kranken Beschäftigten der Universität Hamburg ist diese individuelle Betreuung sehr wichtig und zeitintensiv. Bei unklaren Beschwerden - z. B. im Zusammenhang mit Innenraumluft-Problemen oder Allergien - sind häufig ausführliche Beratungen einzelner Beschäftigter vonnöten. Die Ursachenerforschung kann im Einzelfall sehr schwierig sein. In Zusammenarbeit mit dem Referat SI wurden auch 1997 wieder spezielle Erste-Hilfe-Kurse für Beschäftigte in Laborbereichen durchgeführt. Die Erstversorgung bei Unfällen z. B. mit Säuren, Reizgasen oder Flußsäure wurde besprochen.

    In Zusammenarbeit mit der Krisen- und Suchtberatungsstelle der Universität wurden in mehreren Fachbereichen Schulungen von Vorgesetzten und Beschäftigten zum Thema "Abhängigkeit, Suchtmittelmißbrauch und Hilfsangebote" durchgeführt. Diese Gespräche haben sich als sehr hilfreich erwiesen, um die Fähigkeit von Kolleginnen und Kollegen sowie Vorgesetzten zum Umgang mit Problemsituationen und auffälligen Mitarbeitern zu erweitern.

    In Erfüllung der gesetzlichen Auflagen werden vom Arbeitsmedizinischen Dienst Vorsorgeuntersuchungen für die Beschäftigten der Universität (einschließlich der Studenten mit entsprechenden Tätigkeiten) durchgeführt. Pro Jahr werden rd. 200 medizinische Untersuchungen und rd. 230 Untersuchungen des Sehvermögens bei Arbeiten am Bildschirm durchgeführt. Zu diesen Untersuchungen gehört auch die entsprechende Beratung zur Arbeitsplatzergonomie, persönlicher Schutzausrüstung und zu gesundheitlichen Problemen sowie das Angebot entsprechender Impfungen. Bei Forschungsreisen in tropische Länder oder wie 1997 in die Überschwemmungsgebiete der Oder wird eine reisemedizinische Beratung durchgeführt.

    In Zukunft ist geplant, die Verzahnung mit dem Referat SI und die Zusammenarbeit mit der Krisen- und Suchtberatungsstelle weiter zu entwickeln. Hierzu gehört auch die Planung, den betriebsärztlichen Dienst auf dem Campusgelände anzusiedeln.

    10. BERICHT DES UNIVERSITÄTSKRANKENHAUSES

    10.1 Weiterentwicklung der Organisations- und Führungsstruktur

    In den Jahresberichten 1994 - 1996 wurde über den Stand der Diskussion zur Organisations- und Führungsstruktur im Universitäts-Krankenhaus Eppendorf berichtet. Ende 1996 hat der Präses der Behörde für Wissenschaft und Forschung auf der Grundlage seiner Thesen zur Neuregelung der Rechts- und Leitungsstrukturen des UKE den Referenten-Entwurf eines Gesetzes zur Umwandlung des UKE in eine rechtsfähige Körperschaft der Universität Hamburg vorgelegt und die Diskussion darüber eröffnet. Wesentliche Neuerungen enthält der Referenten-Entwurf gegenüber dem Thesenpapier von Ende 1995 nicht. Positiv zu beurteilen ist die fortbestehende Eingliederung des Fachbereichs Medizin in die Universität sowie die Einräumung einer weitgehenden betrieblichen Autonomie auch im Bereich Forschung und Lehre. Die Universität und der Fachbereich Medizin kritisieren aber weiterhin die Zusammensetzung des Aufsichtsorgans (Kuratorium), das ein deutliches Übergewicht staatlicher Vertreter enthält; gefordert wird eine deutlich stärkere Präsenz der akademischen Selbstverwaltung im Aufsichtsorgan. Auch die Trennung der Leitungsstruktur für die Krankenversorgung einerseits sowie Forschung und Lehre andererseits wird im Hinblick auf die funktionale Zusammengehörigkeit von Krankenversorgung, Forschung und Lehre weiterhin kritisch beurteilt. Die Auflösung der Personalunion von Ärztlichem Direktor und Dekan wird nicht mehr grundsätzlich abgelehnt; gefordert wird aber ein Vorschlagsrecht des Fachbereichs Medizin bei der Wahl des Ärztlichen Direktors für die Krankenversorgung.

    Ende 1996 hat der Wissenschaftsrat zur geplanten Neuordnung der Hochschulmedizin in Hamburg Stellung genommen. Er spricht sich für die Trennung der Ämter des Ärztlichen Direktors und des Fachbereichssprechers aus, weil die Leitung eines klinischen Großbetriebes ein hauptamtliches, auf Kontinuität hin angelegtes Management erfordert, während für die akademischen Aufgaben eines Dekans ein gewisser Wechsel im Amt, der der Pluralität einer Fakultät entspricht und Wissenschaftler aus den verschiedenen theoretischen und klinischen Disziplinen zum Zuge kommen läßt, eher förderlich sei. Der Wissenschaftsrat rät auch zu einer deutlichen Zurücknahme des Einflusses der staatlichen Einrichtungen auf klinikumsinterne Detailentscheidungen. Die rechtliche Verselbständigung des UKE wird vom Wissenschaftsrat dagegen zurückhaltend beurteilt. Aus seiner Sicht haben die klare Abgrenzung der Trägerverantwortung von der Betriebsverantwortung, die eindeutige Zuordnung der Kompetenzen der Leitungsorgane des Klinikums und des Fachbereichs und die Ordnung ihrer Zusammenarbeit, die Präzisierung der Leitungsstruktur der Kliniken und Institute sowie die Transparenz der Finanzierungsmodalitäten Vorrang vor rechtlichen Konstruktionsprinzipien.

    Nach dem Regierungswechsel im Herbst 1997 ist noch nicht deutlich geworden, wann die parlamentarischen Beratungen über einen Gesetzentwurf beginnen können.

    10.2 Strukturentwicklungsplanung

    Der Wissenschaftsrat hat in seiner erwähnten Stellungnahme umfangreiche Empfehlungen und Vorschläge für die Strukturentwicklungsplanung unterbreitet. Kernpunkt ist die geforderte Beschränkung der Krankenversorgung auf den für Forschung und Lehre erforderlichen Umfang; vor diesem Hintergrund empfiehlt der Wissenschaftsrat als Zielgröße eine Bettenzahl von 1.350 Betten einschließlich tagesklinischer Einrichtungen. Im Laufe des Jahres 1998 soll die Strukturentwicklungsplanung unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Wissenschaftsrats fortgeschrieben werden.

    Mit Wirkung zum 1. Januar 1997 wurde die Bettenzahl um 260 Betten auf 1557 Betten reduziert.

    10.3 Wirtschaftsplan

    10.3.1 Entwicklung des Landeszuschusses für Forschung und Lehre

    Der Landeszuschuß für Forschung und Lehre wurde auf 193,2 Mio. DM reduziert. Somit mußten erneut in diesem Bereich 6,2 Mio. DM durch Bewirtschaftungsmaßnahmen eingespart werden. Für die letzten 3 Jahre beläuft sich die Bewirtschaftung auf 17,9 Mio. DM (9,3%). Bei weiteren Kürzungen werden Einsparungen durch Bewirtschaftung nicht mehr möglich sein. Dann sind Eingriffe in die Struktur unvermeidbar.

    10.3.2 Budgetentwicklung

    Nach dem Scheitern der Pflegesatzverhandlungen 1996 und dem Antrag an die Schiedsstelle für die Festsetzung der Krankenhauspflegesätze nach dem Krankenhausfinanzierungsgesetz kam es nach einer Empfehlung der Schiedsstelle zu einer Grundsatzvereinbarung über ein 3 Jahresbudget für 1996 bis 1998 in Höhe von 1,425 Mrd. DM. In diesem Rahmen, der nach einer Verhandlungsdauer von insgesamt 1 1/2 Jahren erreicht wurde, konnte das Budget 1997 erstmals nach der neuen Bundespflegesatzverordnung 1995 (BPflV ´95) vereinbart werden und die neuen Abteilungspflegesätze und der Basispflegesatz traten zum 1.06.97 in Kraft.

    Danach konnte das UKE nach fast 17 Monaten ohne Budget wieder planen. Neben den kurzfristig eingeleiteten konkreten Sparmaßnahmen verblieb in diesem Bereich ein durch Bewirtschaftung einzusparender Betrag von 21,3 Mio. DM.

    Auch der medizinische Bedarf wurde deshalb erheblich reduziert und die Entwicklung stellt sich wie folgt dar:

    Medizinischer Bedarf 1994 1995 1996 1997
    in Mio. DM 157,0 147,1 151,0 140,0

    10.4 Stellenausstattung

    10.4.1 Budgetfinanzierter Bereich

    Aufgrund der Deckelung der Ausgaben der Krankenhäuser durch das Gesetz zur Stabilisierung der Krankenhausausgaben war auch in 1997 eine Personalstellenzuwachs über das Budget ausgeschlossen. Die Schaffung neuer Stellen war nur dort möglich, wo entsprechende Mehreinnahmen zur Verfügung standen bzw. durch Umschichtung im Bestand. Das UKE hat aufgrund der durchgeführten Bettenreduzierungen bisher 98 Stellen im Pflegebereich gestrichen.

    10.4.2 Haushaltsfinanzierter Bereich

    Neue Stellen für den Bereich Forschung und Lehre konnten aufgrund der Kürzung des Landeszuschusses in 1997 nicht eingeworben werden. Im Rahmen der Lehrreduzierung wurden bisher 5 Stellen abgebaut.

    10.5 Drittmittel

    Die Drittmitteleinnahmen von zusammen 33.919 TDM teilen sich wie folgt auf:

    Geldgeber Einnahme (in TDM)
    Bund 5.221 TDM
    DFG-Sachbeihilfen 7.919 TDM
    DFG-Sonderforschungsbereiche 1.921 TDM
    Europäische Union 358 TDM
    Spenden, Zuwendungen von Personen und
    Institutionen, Entgelte für Forschungsaufträge
    17.406 TDM
    zusammen 33.919 TDM

    Für die Zukunft ist vorgesehen, die Entgelte für Forschungsaufträge und die für die Förderung einzelner Projekte von Unternehmen, Stiftungen, Vereinen und ähnlichen Organisationen gewährten Zuwendungen gesondert zu erfassen und darzustellen. Dies ist ebenso für die nicht projektgebundenen Spenden der gewerblichen Wirtschaft und anderer Förderer (Einzelpersonen wie auch Institutionen) beabsichtigt. Eine solche Aufgliederung verdeutlicht die Bedeutung dieser Fördermittel für die Hochschulforschung.

    Die Entwicklung im Jahre 1997 ist dadurch gekennzeichnet, daß die Förderung bedeutender Vorhaben auslief (wie Sonderforschungsbereich 232 "Funktion und Defekte von Rezeptorsystemen" und "Hamburger Bauarbeiter-Studie"). Zugleich wurden 1997 namhafte Fördermittel für neue Vorhaben bewilligt, die unter 4.1, 4.2 und 4.6 dargestellt sind.

    10.6 Investitionen/Bauten

    10.6.1 Vorhandene Mittel

    Die Mittel des Finanzplanes 1997 für Investitionen sind von 91,7 Mio DM auf 84,9 Mio DM im Vergleich zum Jahr 1996 verringert worden. Diese Reduzierung ist überwiegend auf den Abschluß der aus den Rücklagen finanzierten Vorhaben zurückzuführen.
    Die Planansätze des Jahres 1997 verteilen sich vorwiegend auf folgende in der Ausführung befindliche Großvorhaben:

    Jahresrate in TDM
    Umbau und Erweiterung der Neurochirurgischen Klinik 17.500
    Neubau eines Forschungszentrums für Molekulare Neurobiologie 16.000
    Umbau und Erweiterung des OP-Bereichs der Hautklinik   5.200
    Umbau und Erweiterung des OP-Bereichs der ZMK-Klinik   6.000
    Aufbau eines Klinikinformationssystems, Erweiterung der 1. Stufe   4.600
    Beschaffung von ärztlichen und wissenschaftlichen Groß- geräten   5.500
    54.800
    Die übrigen Finanzplanmittel in Höhe von 30.100
    wurden in Globaltiteln eingesetzt für:

    10.6.2 Vorhandene Mittel

    Der Ausschuß Medizin des Wissenschaftsrats hat - u. a. mittels einer Vor-Ort-Begutachtung des UKE im Oktober 1995 - die strukturellen Grundlinien der Sanierungs- und Ausbauplanung sowie die einzelnen Vorhaben, die vom Land zur Aufnahme in den Rahmenplan angemeldet wurden, eingehend diskutiert. Im Ergebnis seiner Stellungnahme vom 24.1.1997 begrüßt er die strukturierten und mit Prioritäten versehenen Ausbauvorstellungen des Senats sowie das damit verbundene Finanzierungskonzept ausdrücklich. Aus Sicht des Wissenschaftsrats sollten im Zuge des weiteren Ausbaus des UKE unter investiven Aspekten insbesondere die folgenden Ziele erreicht werden:

    10.6.3 Bauprojekte

    Mietgebäude Kollaustraße 67-69

    Die Mietflächen (rd. 2.800 qm Nutzfläche) für die Berufsfachschule für Physiotherapie, für die Innerbetriebliche Fort- und Weiterbildung für Pflegepersonal (IBF) und Forschungsprojekte der Abteilung für Medizinische Psychologie wurden Mitte 1996 bezogen. Eine offizielle Einweihung der Räume fand im Dezember 1997 in Verbindung mit der Feier des 50-jährigen Bestehens der Berufsfachschule für Physiotherapie statt, die rd. 60 Prozent des Hauses nutzt.

    Neubau des OP-Bereichs der Hauklinik

    Der Neubau, der den OP-Bereich der Hauklinik aufnimmt und Räume für die aufgrund einer Kooperationsvereinbarung mit der Firma Beiersdorff vorgesehenen Labor- und Büroräume für eine Stiftungsprofessur (Abteilung für Experimentelle Dermatologie/Allergologie) sowie im angeschlossenen Umbaubereich Spezialbehandlungsräume enthält, wurde 1997 planmäßig fortgeführt. Der rd. 670 qm Nutzfläche umfassende Neubau und die anschließend umzubauenden Räume (rd. 250 qm) werden im Laufe des Jahres 1998 fertiggestellt. Insgesamt werden für das Vorhaben rd. 23,2 Mio DM bereitgestellt.

    Zentrum für Biomechanik UKE - Lottestraße 59

    Dieses angemietete ehemalige Lager- und Fabrikationsgebäude aus den 50er Jahren wurde zu einem hochtechnisierten, vollwertigen Laborgebäude umgestaltet, das den heutigen Anforderungen moderner experimenteller Forschung entspricht. Es wird durch den interdisziplinären Forschungsschwerpunkt Biomechanik UKE (Medizinischer Anteil), der mit einem komplementären Schwerpunkt der TUHH kooperiert, genutzt. Auf einer Nutzfläche von rd. 710 qm stehen 17 experimentelle Raumeinheiten (Labore, Werkstätten u. dergl.) zur Verfügung. Die von Bund und Land gemeinsam finanzierten Investitionskosten für Umbau, Einrichtung und wissenschaftliche Geräte betragen rd. 5,2 Mio DM. Das Gebäude wurde am 14.03.1997 übergeben; die Einweihung fand im Rahmen einer gemeinsamen Feier mit den Kooperationspartnern aus Hamburger Krankenhäusern und der TUHH sowie dem Präses der BWF am 2. Oktober 1997 statt.

    Neubau eines Elternhauses für die Patienten des UKE und ihre Angehörigen

    Die Ronald-McDonald Kinderhilfe hat an der Robert-Koch-Straße, also in unmittelbarer Nähe des UKE ein "Zuhause auf Zeit" für schwer chronisch erkrankte Kinder, die im UKE behandelt werden bzw. für Ihre Angehörigen eingerichtet, das am 16.09.1997 durch den Ersten Bürgermeister eröffnet wurde. In diesem Begegnungszentrum stehen zwölf Appartements und diverse Gemeinschaftsräume zur Verfügung. Die Ronald-McDonald Kinderhilfe hat das Projekt ausschließlich aus Spendenmitteln erstellt und betreibt es auf eigene Kosten. Das UKE wird dadurch nicht belastet; vielmehr trägt das Haus dazu bei, daß das UKE mehr Angehörigen die Möglichkeit bieten kann, sich bei den kleinen Patienten aufzuhalten und sie während des Krankenhausaufenthaltes zu betreuen. Die Übernachtungskosten von 20 DM tragen in der Regel die Krankenkassen.

    Umbau und Erweiterung des OP-Bereiches der Abteilung für Zahn-, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie

    Für dieses Vorhaben konnte am 17.03.1997 das Richtfest gefeiert werden. Die Maßnahme besteht aus einem Erweiterungsbau mit rd. 600 qm Nutzfläche und rd. 1.150 qm umzubauender Nutzfläche. Im Vorwege wurde Anfang 1996 die OP-Abteilung vom 2. in das 1. Obergeschoß (Ausweich-OP für die Bauzeit) verlagert. Zusammen mit der Sanierung der OP-Abteilung (4 OP-Räume) werden auch eine Erweiterung der Röntgenabteilung vorgenommen und zusätzliche Infrastruktureinrichtungen sowie ein Seminarraum/Hörsaal für Patientendemonstration (Vermeidung von Außentransporten operierter Patienten) geschaffen. Die Fertigstellung des mit rd. 20,7 Mio DM veranschlagten und bei laufendem Klinikbetrieb durchzuführenden Vorhabens wird inzwischen - die Durchführung hat sich als schwieriger als angenommen herausgestellt - für das späte Frühjahr 1998 erwartet.

    Frauenklinik

    In der Frauenklinik wurden die Bereiche Poliklinik, Abteilung für Experimentelle Gynäkologie und der Bereich der Ärztlichen Leitung einschließlich des Konferenzraumes grundsaniert. Es handelt sich dabei um eine mehr als 30 Jahre alte Gebäudestruktur, die sowohl von der technischen Ausstattung als auch vom Raumzuschnitt her umgestaltet werden mußte. Aufgabe war es, die Arbeitsabläufe durch Umbau zu optimieren und neue Technologie einzubringen. Die Maßnahme wurde mit Kosten von rund 2,5 Mio DM im Dezember 1997 abgeschlossen.

    Neurochirurgie

    Für eine der größten zur Zeit im UKE durchgeführten Baumaßnahmen, den Neubau der Neurochirurgischen Klinik, wurde am 13. Januar 1997 der Grundstein gelegt. Am 28.08.1997 konnte das Richtfest begangen werden. Bei weiterem zügigem Bauverlauf wird der Gebäudekomplex mit einem Operationsbereich, einer Intensivstation, 2 Normalpflegestationen und Funktionsflächen Ende 1998 fertiggestellt sein. Erstmals wird die gesamte Neurochirurgische Klinik in einem Gebäude zusammengefaßt und kann Anfang 1999 die Arbeit in einem speziell auf die Bedürfnisse der Klinik abgestimmten Neubau aufnehmen.

    Dienstleistungszentrum

    Im Frühjahr 1997 konnte das von der Sprinkenhof AG am Haupteingang zum UKE errichtete Dienstleistungszentrum in Betrieb genommen werden. Für die Patienten und ihre Besucher, die Bediensteten des UKE und die Studenten bieten in einer überdachten Ladenstraße eine Fachbuchhandlung, ein Blumenladen, eine Versicherung, ein Dental-Shop, ein Copy-Shop und Geschenkeladen, ein Friseursalon, eine Automatenstelle der Sparkasse, ein Lebensmittel-Shop mit Backstube und Stehcafé sowie ein Restaurant-Bistro-Café ihre Dienste an. Gleichzeitig mit diesem Neubau wurde durch das UKE die Hauptzufahrt neu gestaltet mit einem neuen Empfangsgebäude und einer Einfahrtsüberdachung.

    Ärztliche und Wissenschaftliche Großgeräte

    Die veranschlagten Mittel sind überwiegend für den Ersatz einer veralteten MRT-Anlage (Magnet-Resonanz-Tomographie) und für die Ersatzbeschaffung eines Therapiesimulators in der Strahlentherapie verwendet worden.

    Zur Erhöhung der Sicherheit im UKE wurden folgende Maßnahmen realisiert:

    Erneuerung der Brandmeldeanlage

    Die auf dem neuesten Stand der Technik basierende neue Anlage kann eine unbegrenzte Menge an Brandmeldern steuern (alte Anlage max. 500). Ca. 1100 Brandmelder sind zur Früherkennung einer Brandgefahr zum Schutz/ Sicherheit von Patienten, Bediensteten und Sachvermögen bereits installiert, weitere werden folgen. Z. B. wurde in der Apotheke die Anzahl der Brandmelder von 10 auf 172 erhöht, mit dem Ziel der Sicherung der Patientenversorgung sowie der Verbesserung des vorbeugenden Schutzes vor den besonderen Belastungen aus den dort lagernden Chemikalien, die im Brandfall eine erhöhte Gefahr bedeuten.

    Verbesserung der Stromversorgungs-Sicherheit

    Die Stromversorgung der Kliniken konnte durch Änderung des Versorgungssystems, durch Umrüstung jeder einzelnen Klinik und Anschluß einer mobilen Notstromversorgung sowie durch Anschaffung und Einsatztest einer mobilen Notstromversorgungsanlage stabilisiert werden.

    Erneuerung der Überwachungsanlagen

    Mit der neuen Überwachungszentrale im Empfangsgebäude (Haupteingang) besteht ein verbesserter Schutz von Personen und Gebäuden, der Polizeinotruf ist schneller und sicherer, die Überwachungsbereiche in der Apotheke und der Zahlstelle sind besser abgesichert.

    Verbesserung der Personenrufsysteme

    Für die schnelle Erreichbarkeit der Funktionsträger in den Kliniken und die Bereitschaftsdienste ist die veraltete Personenruf-Funkanlage erneuert worden. Im Rahmen des Sanierungsprogramms von Krankenstationen werden die repa-raturanfälligen Lichtrufanlagen (ca. 300 Lichtrufanlagen werden im UKE betrieben) ausgetauscht.

    Reorganisation der Zentralen Dienste

    Aufbau und Inbetriebnahme der zentralen Zytostatikazubereitung in der Krankenhausapotheke

    In der Krankenhausapotheke wurde ein Sterillabor mit drei Werkbänken für die zentrale Zubereitung von Zytostatika für die Therapie tumorkranker Patienten installiert und in Betrieb genommen. Die Arbeitsplätze wurden nach den neuesten Vorgaben der Arbeitssicherheit ausgestaltet. Sie gewährleisten einerseits einen optimalen Schutz der Mitarbeiter vor den mutagenen und karzinogenen Wirkstoffen und andererseits die Möglichkeit zur aseptischen Herstellung der Produkte. Damit wurde ein wesentlicher Beitrag zur Qualitätssicherung und Arbeitssicherheit im Umgang mit Zytostatika im UKE geleistet.

    Abschluß der Reorganisation der Materialwirtschaft im UKE

    Der Einkauf und die Logistik von Wirtschaftsgütern, technischen Artikeln und Medizinprodukten wurde vollständig reorganisiert. Um die Beschaffung effizient und fachlich kompetent zu gestalten, wurden die Aufgaben der Beschaffungsabteilung, die in diesem Zuge aufgelöst wurde, an drei Kompetenzzentren (Wirtschaftsabteilung, Technische Abteilung und Krankenhausapotheke) übertragen. Die Logistik von Medizinprodukten wurden durch eine zentrale Warenannahme und ein automatisches Kommissionsiersystem den heutigen Anfor-derungen angepaßt.

    Weiterentwicklung der Organisations- und Führungsstruktur in der Technischen Abteilung

    1997 wurde ein neuer Abschnitt "Medizintechnik" (V44) in der Technischen Abteilung (V4) gebildet. Damit werden die Aktivitäten aus unterschiedlichen Abteilungen, Abschnitten und Sachgebieten des UKE in einem Kompetenzzentrum zusammengefaßt. Die gebildeten Sachgebiete "Planung und Beschaffung" sowie "Instandhaltung" orientieren sich an den zu bearbeitenden Haupt-geschäftsprozessen. Die Besetzung der offenen Stellen ist eingeleitet. Für den Geschäftsprozeß "Abwicklung von Instandhaltungsaufträgen" wurde in der Technischen Abteilung ein Auftragsverwaltungs-, Informations und Steuerungssystem in Betrieb genommen, um einheitliche, sichere und transparente Abwicklungen zu unterstützen. Das Verfahren zum Abschluß einer Dienstvereinbarung ist eingeleitet.

    Verbesserung der Speisenversorgung im UKE

    Zur Verbesserung der Speisenversorgung wurde im März 1997 ein Speisentablettsystem UKE-weit eingeführt. Im Rahmen dieses Projektes entstand durch Reorganisation des Lagerwesens und der daraus resultierenden freien Flächen im Gebäude der Wirtschaftsabteilung ein zentrales neues Mitarbeiterrestaurant, das alle dezentralen und teilweise provisorisch eingerichtete Speiseräume/Casinos ablöste.


    Universität Hamburg, 5. November 1998. Impressum.

    Universität - Präsidialverwaltung
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