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Universität - Präsidialverwaltung

Jahresbericht des Präsidenten 1996

Dem Universitätskonzil erstattet am 02. Juli 1997

von

Jürgen Lüthje

Universität Hamburg

1997


MITTEILUNGEN DER UNIVERSITÄT HAMBURG NR. 43

Unfangreiche statistische Anhänge zu diesem Jahresbericht bilden die
gesonderten Publikationen "Statistischer Bericht 1995" (erschienen Oktober 1997)
und "Statistischer Bericht 1996/97" (erscheint Ende 1998)

(c) 1997 Selbstverlag der Universität Hamburg
Edmund-Siemers-Allee 1, 20146 Hamburg
Tel.: 040/4123-3256 Telex: 214732 unihh
Telefax: 040-4123-2449

ISSN 0438-4717
ISSN 0172-6366


INHALTSVERZEICHNIS

  • 0.EINLEITUNG

    1. HANDLUNGSSCHWERPUNKTE VON BESONDEREM GEWICHT

    2. EREIGNISSE UND STRUKTURELLE ÄNDERUNGEN VON BESONDERER BEDEUTUNG

    3. LEHRE, STUDIUM, WEITERBILDUNG

    4. FORSCHUNG UND FÖRDERUNG DES WISSENSCHAFTLICHEN NACHWUCHSES

    5. INTERNATIONALE HOCHSCHULBEZIEHUNGEN

    6. ENTWICKLUNGEN IM BAUBEREICH

    7. HAUSHALTS-, ORGANISATIONS- UND IUK-ANGELEGENHEITEN SOWIE DIE ARBEIT DER INNENREVISION

    8. PERSONALENTWICKLUNG

    9. BERICHT DES UNIVERSITÄTS-KRANKENHAUSES


    EINLEITUNG

    Universitätsentwicklung in eigener Initiative und korperativer Verantwortung

    Das Berichtsjahr 1996 war das letzte Jahr meiner ersten Amtszeit als Präsident der Universität. Ich freue mich, daß ich durch die Wiederwahl zum Präsidenten die Möglichkeit erhalten habe, das, was in diesen sechs Jahren eingeleitet werden konnte, in einer weiteren Amtszeit von sechs Jahren fortzuführen und hoffentlich möglichst weitgehend zum Abschluß zu bringen.

    Externe Beratung als selbstgestellte Herausforderung

    Das prägende Merkmal des Berichtsjahres war die externe Beratung zur Struktur- und Entwicklungsplanung der Universität. Sie forderte die Fachbereiche und Einrichtungen der Universität heraus, sich mit Fragen und Einschätzung von außen auseinanderzusetzen, um über dieses Verfahren eigene Einschätzungen und Konzepte künftiger Entwicklungen zu erarbeiten und dafür auch Impulse von außen zu erhalten. Daß die Kommission das Verfahren so gestaltet hat, daß in zwei Anhörungen zunächst einmal die eigenen Vorstellungen jedes Fachbereichs und jeder Senatunmittelbaren Einrichtung erhoben und dann die Feststellungen und Vorschläge der externen Beratungsgruppe zur Diskussion gestellt wurden, bevor die Beratungsgruppe ihre Analysen und Empfehlungen formulierte, hat sich als eine sehr geeignete Verfahrensweise erwiesen. Alle Fachbereiche und Einrichtungen haben sich intensiv auf die Fragen der Kommission vorbereitet und bereits dabei ungeklärte Fragen und Probleme diskutiert und häufig Probleme schon geklärt, bevor der Beratungsprozeß abgeschlossen war. Die Fachbereiche und Einrichtungen haben sich auf die Frage eingelassen, welches ihre Visionen und Vorstellungen zur künftigen Entwicklung sind, selbst unter Rahmenbedingungen, die in der Universität nicht nur als ungünstig, sondern als politisch falsch entschieden angesehen werden.
    Die Bereitschaft, sich auf eine solche Herausforderung einzulassen, ist ein wesentlicher Grund dafür, daß sich in der Universität bis heute keine Resignation ausgebreitet hat, sondern im Gegenteil an vielen Stellen über neue Möglichkeiten und Wege nachgedacht wird. Insofern hat die Universität mit ihrer Entscheidung, als erste Universität in Deutschland sich in ihrer Gesamtheit einer externen Beratung und Überprüfung zu stellen, nicht nur Selbstbewußtsein und Risikobereitschaft bewiesen, sondern einen Weg gesucht und gefunden, im Gespräch mit im Hochschulsystem erfahrenen Experten Lösungen zu finden, die auch unter schwierigen Bedingungen zu Verbesserungen in der Universität führen können.

    Durch dieses Verfahren hat die Universität in Hamburg zugleich politisch an Boden gewonnen. In der Auseinandersetzung um die überzogenenen Sparauflagen des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg, der sich erst unter dem Druck massiven Protestes und beharrlicher Kritik zu einer annähernd realistischen und überhaupt gestaltbaren zeitlichen Streckung der geforderten Einsparungen verstanden hat, drohte das öffentliche Ansehen der Univeristät ohne eigenes Verschulden Schaden zu nehmen. Aus dieser Situation mußte sie durch eigene Initiative wieder herauszukommen versuchen. Die Fähigkeit, mit breiter und überzeugender Mehrheit eine externe Beratung zu beschließen und dann auch konstruktiv und engagiert durchzuführen, hat der Universität politischen Respekt verschafft. Diesen Schritt hat die Universität in Autonomie getan, nicht als aufgezwungenen, sondern weil sie selbst ihn so wollte. Und in gleicher Autonomie wird sie über die Konsequenzen dieses Verfahrens entscheiden. Sie wird jede Empehlung der externen Beratungsgruppe daraufhin prüfen, ob sie überzeugend ist und ob sie zu Verbesserungen in der Universität führt. Kann diese Frage positiv beantwortet werden, sind in gleicher Konsequenz die notwendigen Entscheidungen zu treffen. Wenn die Universität in diesem Sinne bereit ist, ihre eigene Entwicklung zu gestalten, dann hat sie auch das Recht, von allen staatlichen Behörden, vom Senat und von der Bürgerschaft zu erwarten, daß die Empfehlungen der Kommission, soweit sie sich an staatliche Stellen richten, mit gleicher Ernsthaftigkeit geprüft und daraus Entscheidungen abgeleitet werden.

    Längerfristig verläßliche Rahmenbedingungen durch Struktur- und Reformpakt

    Auf der Grundlage einer konstruktiven Auswertung der Empfehlungen der externen Beratungskommission sollte zwischen der Stadt Hamburg und der Universität Hamburg eine auf etwa zehn Jahre angelegte Vereinbarung abgeschlossen werden, die der Universität für diesen Zeitraum verläßliche Rahmenbedingungen gewährleistet. Innerhalb eines solchen Rahmens muß die Universität dann ihren Beitrag zur Strukturreform, zur Stärkung der Forschung und zur Entwicklung der Qualität in Studium und Lehre leisten. Nicht im Interesse der Universität, sondern für die jungen Menschen muß die Universität, soweit es mit den Streichungsgeboten und unseren Qualitätsanforderungen vereinbar ist, ihre Lehrkapazität zu erhalten versuchen. Das wird möglicherweise nicht in vollem Umfang gelingen. Aber der bequeme Ausweg aus dem Zielkonflikt zwischen Streichungsauflagen einerseits und Qualitätsanforderungen an Studium, Lehre und Forschung andererseits über eine möglichst große Reduzierung der Lehrkapazität ist nicht zu verantworten. Das ist die Universität den jungen Menschen dieser Stadt schuldig.
    Gleichzeitig aber muß die Universität an der Forderung festhalten, daß Wissenschaft und Bildung in unserer Gesellschaft Zukunftsaufgaben sind und Priorität erhalten müssen. In diesem Sinne bleibt die Aufgabe, durch offensives Handeln und eigene Initiative ein Umdenken in der Gesellschaft einzuleiten und zu fördern, das der Tatsache Rechnung trägt, daß in den nächsten zehn Jahren die Studiennachfrage wieder um ein Viertel ansteigen wird und gegenwärtig keine alternativen Ausbildungsangebote für die junge Generation absehbar sind. In diesem Sinne enthält der Vorschlag eines Struktur- und Reformpaktes über einen längeren Zeitraum hinweg eine Leistungsverpflichtung der Universität und ein Angebot an die Freie und Hansestadt Hamburg - dies aber nicht zum Nulltarif, sondern gegen die Erwartung einer längerfristig verläßlichen Entwicklungsperspektive der Universität. Dieser Pakt ist als untere Grenze ihres Entwicklungsrahmens zu verstehen, nicht als Deckel, der das Umdenken in Richtung einer angemessenen Priorisierung von Wissenschaft und Bildung in Zukunft verhindern soll.

    Verständigung auf gemeinsame Ziele

    Als Grundlage dieser Arbeit an einer Strukturreform und einer inhaltlichen Verständigung brauchen wir eine Stärkung der Universität nach innen. In unserem Zielkatalog wird dies als Vernetzung innerhalb der Universität bezeichnet. Die Arbeit in der Universität geschieht vielfach noch zu sehr in Isolierung einzelner Personen oder einzelner Einrichtungen. Wir müssen eine Schwäche vieler Universitäten in Deutschland abbauen, nämlich einen Mangel an Kooperationsfähigkeit und Kooperationswillen.

    Mit dem "Projekt Universitätsentwicklung" haben wir ein einzigartiges Instrument und fünf Jahre lang eine unwiederbringliche Chance, durch gemeinsame Anstrengungen die Vernetzung und Kooperation innerhalb der Universität verbessern zu können. In der Anfangsphase dieses Projektes hat sich eine erfreuliche Bereitschaft entwickelt, sich zu beteiligen und Vorstellungen in die Projektgestaltung einzubringen. Wenn es gelingt, diese Haltung weiter zu verstärken, die Initiativen zu vernetzen und daraus Entscheidungen und Veränderungen zu entwickeln, dann hat die Universität eine gute Chance, trotz erheblich verschlechterter Rahmenbedingungen besser zu werden und den Anforderungen gerecht zu werden, die an sie gestellt werden.

    Zu diesem Prozeß gehört gerade auch der eingeleitete Versuch einer Zielfindung und Profilbildung für die Universität. Der im Sommersemester diesem Thema gewidmete Dies Academicus hat eine erfreuliche Beteiligung an der Diskussion über die künftige Entwicklung der Universität gezeigt. Aus dieser Diskussion sind wichtige Impulse für die künftige Arbeit der Universität hervorgegangen. Diesen Prozeß müssen wir nun weiterführen. Im Wintersemester soll auf dieser Grundlage ein Leitbild für die Universität formuliert werden.

    Aufgaben- und leistungsorientierte Strukturreform

    Zur Stärkung ihrer inneren Struktur hat die Universität die Globalisierung der Haushaltsbewirtschaftung weiterentwickelt. Wir haben begonnen, die Mittelaufgaben- und zielorientiert zu verteilen. Das ist keine platte Ökonomisierung der wissenschaftlichen Arbeit in der Universität. Unsere Aufgabe ist es, Auftrag, Ziele und Leistungen so zu definieren, daß sie qualitativ verstanden werden, nämlich im Sinne einer wissenschaftlichen Institution, die sich gesellschaftlicher Verantwortung verpflichtet sieht. Auch im Sinne gesellschaftlicher Verantwortung und wissenschaftlicher Arbeit gibt es Aufgaben, Ziele und Leistungen. Wenn wir nicht selbst in der Lage sind, Kriterien zu erarbeiten, die diesen wissenschaftsspezifischen Dimensionen gerecht werden und durch angemessene Kennzahlen quantifizieren, wer soll dann solche Kriterien hervorbringen können? Dieser Aufgabe muß sich die Universität stellen, wenn sie ihre Autonomie ernst nimmt. Mit der Globalisierung des Haushalts ist eine Dezentralisierung von Aufgaben in der Universität verbunden, die als notwendige Ergänzung den Aufbau eines neuen Steuerungssystems erfordert. Anstelle von Hierarchie, Weisung und Aufsicht müssen Vereinbarungen, Koordination und Kooperation treten. Dadurch wird die Struktur der Universität wissenschaftsgerechter und zugleich demokratischer.

    Verbesserung investiver Arbeitsgrundlagen

    Trotz der schwierigen finanzpolitischen Rahmenbedingungen ist es gelungen, in der baulichen Entwicklung der Universität weiterzukommen. In unmittelbarer Nachbarschaft des Vorlesungsgebäudes entsteht aufgrund einer privaten Stiftung der Eheleute Dr. Helmut und Hannelore Greve der erste der Flügelbauten. Mit der Stadtentwicklungsbehörde, der Wissenschaftsbehörde und dem Bezirksamt Eimsbüttel konnte ein städtebauliches Entwicklungskonzept für die Universität entwickelt werden, das die Grundlagen der Universitätsentwicklung langfristig sichert. Über den Anbau einer Fachbereichsbibliothek am Rechtshaus und über ein Verwaltungsgebäude zur Zusammenführung der Verwaltung hat der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg im Zusammenhang mit dem Haushalt für 1998 beraten und dabei entschieden, daß eine Ausschreibung im nächsten Jahr stattfinden wird. Auf der Grundlage des in Arbeit befindlichen HIS-Gutachtens zur Nutzung der naturwissenschaftlichen Raumbestände wird es zu einer optimierenden Umgruppierung im naturwissenschaftlichen Bereich kommen, die manchen Schwachpunkten der Arbeitsbedingungen in den Naturwissenschaften, aber auch manchen Effizienzmangel abhelfen wird. Es verbleiben als ungelöste Aufgaben vor allem die Errichtung einer Mensa an der Bundesstraße sowie einer Mensa und eines Hörsaals auf dem Informatik-Gelände Stellingen. Diese Aufgaben stellen sich für die nächsten Jahre.

    Wichtigstes Gebot im Bereich der Ressourcenentwicklung ist die Sanierung solcher Bereiche, die in den zurückliegenden Jahren strukturell verfallen sind, sowie eine Stärkung der Investionen vor allem im Gerätebereich, der seit vielen Jahren unterhalb der notwendigen Reinvestitionsraten bleibt. Dieses Ziel ist auch von der externen Beratungsgruppe in aller Deutlichkeit angesprochen und inzwischen von der Behörde für Wissenschaft und Forschung aufgenommen worden.

    Chancenverbessernde Personalentwicklung

    Zur Stärkung der Universität nach innen gehört die schrittweise Erarbeitung eines Konzeptes der Personalentwicklung. Vorrangig geht es dabei um die Nachwuchsförderung, die durch Stellenstreichungen in ihren Wirkungsmöglichkeiten besonders stark beeinträchtigt wird. Auch die immer härter greifende Unterveranschlagung der Personalausgaben wirkt sich verschärfend aus. An dieser Stelle kann die Universität nicht nachlassen, politisch eine Korrektur der bisherigen Entscheidung einzufordern. Dabei ist die Universität auf die Unterstützung der Behörde für Wissenschaft und Forschung angewiesen.

    Ein weiteres wichtiges Element der Personalentwicklung bleibt die Frauenförderung. Sie ist engagiert weiterzubetreiben, und zwar für Frauen in allen Tätigkeitsbereichen - nicht nur im wissenschaftlichen, sondern auch im nichtwissenschaftlichen Bereich. Im Berichtsjahr wurden die Richtlinien zur Frauenförderung erheblich verbessert. Daß dies im breiten Konsens gelungen ist, verdient besondere Beachtung. Dabei wurde ein Weg gefunden, Frauen nicht nur durch Verfahrensvorschriften und rechtliche Regelungen, sondern auch durch Anreize zu fördern. Zu diesen Ansätzen gehört der Frauenförderpreis, aber auch die Diskussion darüber, ob nicht in das Kennzahlensystem Kriterien der Frauenförderung einbezogen werden können.

    Wichtig für die Erarbeitung eines Personalentwicklungskonzepts ist der Aufbau von Mitarbeiterzirkeln im Projekt Universitätsentwicklung. Das technische und Verwaltungspersonal entwickelte aus eigener Initiative den Vorschlag, an der Umgestaltung der Universität durch Mitarbeiterzirkel mitzuwirken. Dieser Ansatz wurde durch das Projekt Universitätsentwicklung aufgegriffen und wird auch in den nächsten Jahren Förderung erfahren.

    Qualitätsentwicklung in Studium, Lehre und Forschung

    Ein zentrales Ziel der Universität ist die Entwicklung der Qualität von Forschung, Lehre und Studium. Qualitätsentwicklung durch neu zu erarbeitende Verfahren gehört in Zukunft zu den wichtigsten Aufgaben der Universität. Zusammen mit anderen norddeutschen Universitäten wurde inzwischen ein funktionierendes Evaluationssystem für Lehre und Studium aufgebaut. Künftig geht es darum, ohne ein Übermaß an Aufwand auch die Forschung in die Evaluation einzubeziehen.

    Zur Qualitätsentwicklung gehört aber auch ein Umdenken in der Universität. Alle Universitätsmitglieder müssen wieder stärker bereit sein, höchste und klar definierte Anforderungen zu stellen. Wir brauchen wieder mehr Mut zur qualitativen Bewertung, mehr Mut klar zu sagen, was wir für gut halten und was für schlecht. Das ist eine Universität den jungen Menschen schuldig, die ihre wissenschaftliche und berufliche Qualifikation im Studium entwickeln wollen. Wie aber soll sich Qualitätsbewußtsein entwickeln, wenn die Anforderung von Qualität nicht erlebt wird, weil es bequemer ist, dem eigenen Urteil auszuweichen? Dies ist in den zurückliegenden Jahren ein Schwachpunkt der universitären Arbeit geworden.

    Die Aufgabe der Universität ist künftig wieder stärker zu verstehen als Förderung durch Forderung, Bewertung und Anerkennung von Leistungen. Das hat nichts mit einer Leistungsneurose zu tun, sondern mit berechtigten Ansprüchen derjenigen, die an der Universität studieren und arbeiten. Wenn sie gute Leistungen erbracht haben, wollen sie das auch in angemessener Weise durch Anerkennung erleben. Dafür sind die geeigneten Formen zu finden, im übrigen auch das richtige Maß. Denn eine übertriebene Anerkennung nicht besonders überzeugender Leistungen hat keine stimulierende Wirkung, sondern führt eher zur Mißachtung. In dieser Hinsicht adäquate Formen und das richtige Maß zu finden, ist eine entscheidende Aufgabe der Qualitätsentwicklung in der Universität.

    Stärkung korporativen Gemeinsinns

    Zur Stärkung der Universität nach innen ist schließlich eine mentale Neuorientierung erforderlich. Die Gremien und Mitglieder der Universität dürfen sich nicht nur auf streitige Fragen konzentrieren. Es ist zwar richtig, daß Kritik eine notwendie Aufgabe und Tugend der Wissenschaft ist. Wenn Kritik erfolgreich war und eine herrschende Übereinstimmung aufgelöst hat, dann stellt sich aber gerade der Wissenschaft die Aufgabe der Reintegration zugunsten einer neuen Synthese. Trotzdem hat sowohl die Wissenschaftstheorie als auch die Praxis der Universitäten in den zurückliegenden 30 Jahren diese Selbstverständlichkeit teilweise in Vergessenheit geraten lassen. Wir müssen die Notwendigkeit der Konsensbildung wieder stärker beachten. Dadurch kann sich auch mehr körperschaftlicher Gemeinsinn entwickeln, die Fähigkeit im Interesse der Institution und ihrer Aufgaben gemeinsam zu handeln. Wir müssen neue Kommunikationsformen finden, mehr Kooperation verwirklichen und eine politische Gesprächskultur entwickeln, die das Ziel der Kommunikation nicht nur im streitigen Diskurs, sondern zumindest gleichrangig in der Verständigung auf gemeinsame Ziele sieht.

    Die Universität darf indes nicht nur an ihrer Entwicklung nach innen arbeiten, sondern sie muß ihr Verhältnis zu ihrer gesellschaftlichen Umgebung weiterentwickeln und verbessern. Über diesen Weg kann die Universität öffentliches Ansehen zurückgewinnen, das nicht nur die Universität Hamburg, sondern die Universitäten insgesamt in den zurückliegenden 30 Jahren verloren haben. Es ist zwar widersprüchlich, wenn die gleichen Politiker, die von den Universitäten die Öffnung für geburtenstarke Jahrgänge verlangt haben, heute voller Geringschätzung von der Massenuniversität sprechen. Wir dürfen aber auch nicht übersehen, daß in der Öffnung der Universitäten für einen großen Teil der jungen Generation eine für uns schmerzhafte Paradoxie liegt. Ein Teil der Gesellschaft hat dies unberechtigterweise als Abwertung der Universität und der Wissenschaft wahrgenommen. Ob wir es wollen oder nicht, wir müssen durch Entwicklung eines neuen körperschaftlichen Selbstbewußtseins und durch Ausstrahlung dieses Bewußtseins öffentliches Ansehen zurückgewinnen. Das kann nur gelingen, wenn wir selber von unserer Leistungsfähigkeit und unserem Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung überzeugt sind.

    Stärkung der Internationalität

    Wissenschaft ist international, und sie lebt in ihrer Entwicklung vom internationalen Austausch. Im Interesse der Qualität der wissenschaftlichen Arbeit und des Beitrages der Wissenschaft zur Entwicklung der Menschheit müssen wir uns international öffnen und alle Barrieren abbauen, die einem freien internationalen Austausch in Studium, Lehre und Forschung entgegenstehen. Das deutsche Universitätssystem wurde durch Entscheidungen der staatlichen Kultusverwaltungen, teilweise aber auch durch eigene Verabsolutierung des deutschen Studiensystems international abgeschottet.

    Ebenso richtig ist aber, daß die entscheidenden Hindernisse für ausländische Studierende nicht in den Universitäten und in der Struktur der Studiengänge liegen, sondern in einer engherzigen ausländerrechtlichen Verwaltungspraxis. Insofern ist entscheidend, daß der Staat die Barrieren abbaut, die heute junge Menschen aus anderen Ländern hindern, an deutschen Hochschulen zu studieren. Zugleich muß die Bundesrepublik Deutschland für die Aufnahme dieser Menschen und für die Arbeit mit Ihnen offener werden.

    Verantwortlichkeit der Universität und ihrer Mitglieder

    Eine entscheidende Dimension der Zieldiskussion ist die Verantwortlichkeit der Universität und ihrer Mitglieder. Diese Verantwortlichkeit hat viele Facetten. Sie ist zunächst und vorrangig die Verantwortlichkeit jedes einzelnen Universitätsmitgliedes für die bestmögliche Wahrnehmung seiner konkreten Aufgaben. Darüber hinaus beinhaltet sie die Verantwortung der Mitglieder der Universität und der Universität als ganzes für die Folgen ihrer Arbeit, und zwar einerseits im Sinne positiver Entfaltung der Möglichkeiten von Wissenschaft in der Gesellschaft, aber auch des Bedenkens negativer Folgen für die Gesellschaft. Schließlich beinhaltet die Verantwortlichkeit der Universität ihre Verantwortung gegenüber ihrer eigenen Geschichte und ihre Verantwortung für die Zukunft unserer Gesellschaft.

    In diesem Sinne rufe ich zu einem gemeinsamen Versuch aller Gremien, Einrichtungen und Organe der Universität auf, körperschaftlichen Gemeinsinn, Selbstbewußtsein und Ausstrahlungskraft in die Gesellschaft zu entwickeln. Durch solche Verantwortlichkeit kann es gelingen, den Stellenwert der Universität in dieser Gesellschaft weiterzuentwickeln und zu stärken.

    1. HANDLUNGSSCHWERPUNKTE VON BESONDEREM GEWICHT

    1.1 Projekt "Systemische Organisationsentwicklung zur Stärkung der Eigenverantwortung durch Dezentralisierung und Optimierung der Aufgabenwahrnehmung"

    1.1.1 Bewilligung des Projektes durch die Volkswagen-Stiftung.

    Aufgrund einer vom Präsidenten der Universität Hamburg 1995 eingereichten Ideenskizze zu dem von der Volkswagen-Stiftung ausgeschriebenen Programm zur Förderung der Universitäten unter dem Titel "Leistungsfähigkeit durch Eigenverantwortung" wurde die Universität Hamburg aufgefordert, einen Projektantrag einzureichen. Die Ideenskizze hatte die Entwicklung eines aufgaben-, ziel- und leistungsorientierten Steuerungssystems zum Ziel, das nach dem Prinzip subsidiärer Zuständigkeit Kompetenzen vorrangig der aufgabenerfüllenden Organisationsebene zuordnet und die übergeordnete Systemsteuerung vor allem durch Zielvereinbarung, globale Budgetierung, Information und Ergebniskontrolle sicherstellt.

    Mit Schreiben vom 15.11.1995 teilte die Volkswagen-Stiftung der Universität mit, daß dieser Projektvorschlag in die engere Wahl der letzten zehn Universitäten gezogen wurde. Die Universität wurde eingeladen, bis zum 31.03.1996 einen förmlichen Antrag auf Projektförderung vorzulegen.

    In intensiven Beratungen mit ausgewählten Fachwissenschaftlerinnen und Fachwissenschaftlern erarbeitete das Präsidium einen vom Akademischen Senat der Universität verabschiedeten Projektantrag mit dem Titel "Systemische Organisationsentwicklung zur Stärkung der Eigenverantwortung durch Dezentralisierung und Optimierung der Aufgabenwahrnehmung", der bei der Volkswagen-Stiftung eingereicht wurde. Ziel des Antrages ist eine Optimierung der institutionellen Binnenstruktur der Universität bei gleichzeitiger Förderung der Qualitätsentwicklung in Forschung und Lehre.

    Mit Schreiben vom 09.07.1996 teilte die Volkswagen-Stiftung die Bewilligung des Antrages der Universität mit geringen Modifikationen und einer Projektförderung in Höhe von 5,0 Mio. DM über fünf Jahre mit. Diese in harter Konkurrenz erarbeitete Bewilligung eines von sechs bundesweit durch die Stiftung geförderten Anträgen stellt eine hoch einzuschätzende Anerkennung und Unterstützung des Engagements der Universität Hamburg zur Stärkung ihrer Leistungsfähigkeit durch Dezentralisierung und Verstärkung der Eigenverantwortung dar.

    Das als "Projekt Universitätsentwicklung (Pro Uni)" bezeichnete Vorhaben wird ab Ende 1996 in den folgenden vier Teilprojekten mit je unterschiedlicher Dauer durchgeführt werden:

    Teilprojekt 1 "Strategische Orientierung und Steuerung durch Zielvereinbarungen":

    Im Zentrum dieses Teilprojektes wird die Erarbeitung, Diskussion und Vereinbarung von Zielen zur strategischen Orientierung und Steuerung der Universität sowie die Entwicklung von Qualitätsstandards für die Aufgabenwahrnehmung stehen. Auch die Umsetzung der Ergebnisse von Evaluationsverfahren im Verbund Norddeutscher Universitäten mit Hilfe von Zielvereinbarungen wird einbezogen werden.

    Teilprojekt 2 "Stärkung der Fachbereiche":

    In diesem Teilprojekt sollen bisher zentral wahrgenommene Aufgaben auf die Fachbereiche übertragen sowie die Leitung und Verwaltung der Fachbereiche gestärkt werden. Zu diesem Zweck wird auch die EDV-Unterstützung verbessert!

    Teilprojekt 3 "Reorganisation und Entwicklung eines neuen Aufgabenverständnisses auf der Zentralebene der Universität Hamburg":

    Dieses Teilprojekt soll die Konsequenzen der Dezentralisierung für die Aufbau- und Ablauforganisation sowie das Aufgaben- und Rollenverständnis der zentralen Ebene der Universität erarbeiten und umsetzen.

    Teilprojekt 4 "Entwicklung eines universitären Berichts- und Controlling-Sy-stems":

    Das aufzubauende System für ein universitäres Controlling mit den Bausteinen universitäres Berichtssystem, kennzahlengesteuerte Mittelverteilung und Kosten- und Leistungsrechnung soll effiziente Aufgabenwahrnehmung sichern. Im Rahmen der angestrebten Reform des Leitungs-, Entscheidungs- und Steuerungssystems soll es die notwendigen Führungs- und Steuerungsinformationen bereitstellen sowie die Ergebnissicherung und -kontrolle gewährleisten.

    Die Projekte werden auf Initiative des Personalrates für das Technische und Verwaltungspersonal durch sog. Mitarbeiter- bzw. Qualitätszirkel begleitet, um zum einen die Kenntnisse und Fähigkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universität bei der Entwicklung neuer Verfahren und Organisationskonzepte nutzbar zu machen, zum anderen diese durch aktive Beteiligung zu motivieren.

    1.1.2 Beginn der Projektarbeiten insbesondere Bildung des Ausschusses zur Zielfindung und Profilbildung.

    Als Auftakt des "Projektes Universitätsentwicklung" fand am 03.09.1996 eine eintägige Klausursitzung der zentralen akademischen Gremien gemeinsam mit den Fachbereichssprecherinnen und -sprechern und unter Beteiligung der Frauenbeauftragten, der Personalräte und des Allgemeinen Studentenausschusses (AStA) statt, auf welcher Leitlinien des Akademischen Senats zur Projektdurchführung verabschiedet wurden.

    Es war die Aufgabe der Projektleitung und der Geschäftsführung von "Pro Uni", gemeinsam mit den für die Teilprojekte Verantwortlichen detaillierte Arbeits- und Ablaufpläne zu entwickeln, um sicherzustellen, daß spätestens zum Jahresbeginn 1997 mit der eigentlichen Projektarbeit in den Teilprojekten 1, 2 und 4 begonnen werden kann. Teilprojekt 3 wird die Arbeit zu einem späteren Zeitpunkt aufnehmen, um die Rückwirkungen der Dezentralisierung auf die Zentralebene der Universität erfassen zu können.

    Erste Arbeitsschritte hierzu sind bereits eingeleitet worden:

    1.2 Sparmaßnahmen für das Wirtschaftsplanjahr 1997

    Die auf der Basis der Ist-Personalausgaben des Jahres 1994 veranschlagten Personalmittel im Wirtschaftsplan 1997, abzüglich der Mittel für die Stellenstreichungen zum 01.01.1995 und 1996 sowie der prognostizierten Stellenstreichungen zum 01.01.1997 beinhalten eine durch Stellenbewirtschaftung sicherzustellende Vakanz von 15,6 Mio. DM.

    Da sich das Personalmittel-Volumen durch die Stellenstreichungen jährlich verringert, die Vakanz aber auf den Betrag des Jahres 1994 festgeschrieben wurde, erhöht sich der prozentuale Anteil der Vakanz am Gesamt-Personalmittel-Volumen stetig, mit der Folge, daß Stellen insbesondere des wissen-schaftlichen Nachwuchses immer länger vakant gehalten werden müssen.

    Die Universität hat in der Vergangenheit die beteiligten Behörden und die politisch Verantwortlichen immer wieder mit dem Problem der "statischen Vakanz und der Überbelastung der Universität im Vergleich mit anderen Behörden und Einrichtungen der Freien und Hansestadt Hamburg konfrontiert. Sie wird die Unterveranschlagung im Personalmittelbereich und die Konsequenzen für Lehre und Forschung weiterhin mit Nachdruck vortragen und versuchen, eine Änderung herbeizuführen.

    Zusätzlich zur "Vakanzenrate" wurde der Ansatz der Personalmittel um 1 Mio. DM zur Finanzierung des Hamburger Anteils für das Hochschulsonderprogramm III reduziert; auch diese Maßnahme führt zu weiteren Verschärfungen bei der Besetzung der Stellen.

    1.3 Entwicklung des globalisierten Wirtschaftsplanes

    1.3.1 "Verfahrensempfehlung des Präsidenten zum Umgang mit dem Globalhaushalt"

    Mit dem Datum vom 07.11.1996 hat der Präsident der Universität die "Verfahrensempfehlungen zum Umgang mit dem Globalhaushalt" in der vom Akademischen Senat beschlossenen Fassung in Kraft gesetzt. Diesem Beschluß des Akademischen Senates war ein über ein Jahr dauernder intensiver Diskussionsprozeß vorangegangen, an dem sich alle Gruppen im Grundfragenausschuß des Konzils, im Konzil, im Haushaltsplan- und Planungsausschuß des Akademischen Senates beteiligt hatten. Für das aufsteigende und absteigende Haushaltsverfahren sowie die laufende Haushaltskontrolle sind die folgenden grundsätzlichen Regelungen getroffen worden:

    Im aufsteigenden Haushaltsverfahren beschließen die Fachbereiche nach den vom Akademischen Senat zuvor beschlossenen Kriterien über die Anmeldungen. Hierüber und über den Vorschlag des Präsidenten beraten der Akademische Senat und sein Haushaltsausschuß gefs. in zwei Lesungen, ehe der Akademische Senat den Wirtschaftsplan-Entwurf der Universität beschließt. Im absteigenden Haushaltsverfahren legt der Präsident aufgrund des Beschlusses des Senates der FHH über den Haushaltsplan-Entwurf einen Vorschlag über die Verteilung des Zuschusses nach Maßgabe der vom Akademischen Senat beschlossenen Verteilungsgrundsätze - und Indikatoren vor. Der Vorschlag wird dem Haushaltsausschuß vorgelegt. Parallel wird der Vorschlag den Sprecherinnen und Sprechern zugeleitet. Diese und die von den für die Haushaltsberatungen zuständigen Selbstverwaltungsgremien Beauftragten erhalten auf Antrag Gelegenheit, ihre Bedarfe gegenüber dem zentralen Haushaltsausschuß darzulegen. Auf Antrag der Sprecherinnen und Sprecher der Fachbereiche und der von den für die Haushaltsberatungen zuständigen Selbstverwaltungsgremien Beauftragten kann der Haushaltsausschuß eine hochschulöffentliche Anhörung zum vorgelegten Verteilungsvorschlag beschließen. Wenn der Präsident und der Haushaltsausschuß sich auf einen gemeinsamen Verteilungsvorschlag einigen, wird dieser im Akademischen Senat beraten und beschlossen. Kommt keine Einigung zustande, begründet der Präsident seine abweichende Entscheidung.

    Im übrigen wird ein den Wirtschaftsplanvollzug begleitendes Controlling angestrebt, das auf die Wirtschaftsplansteuerung nach festgelegten Zielen und Kriterien ausgerichtet ist.

    1.3.2 Erfahrungen mit der Dezentralisierung der Personalmittelbewirtschaftung

    Am 01.01.1996 wurden drei (Pilot-)Fachbereiche (Philosophie und Sozialwissenschaften, Chemie und Informatik) im Rahmen des Wirtschaftsplanes 1996 mit eigenen Personalmittel-Budgets ausgestattet. Nach anfänglichen, mehr "technischen" Problemen (z. B. Unklarheiten über die exakte Mittelzuweisung, fehlenden Unterlagen zum Mittelabfluß) sind die Vorteile der Dezentralisierung der Personalmittelbewirtschaftung deutlich geworden. Entscheidungen über die Besetzung oder Nicht-Besetzung von Stellen konnten in besserer Kenntnis der Bedürfnisse vor Ort getroffen werden, die (Besetzungs-)Verfahren wurden beschleunigt, es konnten Personalmittel flexibler eingesetzt und bei dringenden Bedarfen in Sachmittel umgewandelt werden.

    Die Schwierigkeiten, ein geeignetes Verteilungsverfahren für die Personalmittel innerhalb der Universität zu entwickeln, der Umgang mit den sogenannten "Überbrückungsfällen", die Ausstattung der Fachbereichsverwaltungen, die fehlende EDV-technische Unterstützung der Personalmittelbewirtschaftung und die in ihren Auswirkungen immer deutlicher werdende "Unterfinanzierung" sind für die Pilotfachbereiche wie die Gesamtuniversität Schattenseiten der Dezentralisierung.

    Dennoch hat die Dezentralisierung insgesamt zu mehr Transparenz der Personalmittelzuweisung und -verwendung geführt, die Probleme (Unterfinanzierung) erkennbarer gemacht und (für die Pilotfachbereiche) die Verantwortung für den Personalmitteleinsatz auf die Ebene verlagert, die über den Einsatz der Ressourcen besser entscheiden kann als die Zentralebene.

    1.3.3 Weitere Dezentralisierung

    Die Universität verfolgt die Absicht, bis 1998 alle Fachbereiche mit eigenen Personalmittel-Budgets auszustatten. Zum 01.01.1997 wurde die Dezentralisierung auf sieben weitere Fachbereiche und das Institut für Schiffbau ausgedehnt. Inwieweit die "kleineren" Fachbereiche in der Lage sein werden, mit ihren Budgets auszukommen, wird in diesem Jahr einer kritischen Betrachtung unterzogen werden. Möglicherweise ist die Fluktuation in diesen Bereichen so gering, daß eine Dezentralisierung der Personalmittel, zumindest unter den jetzigen strukturellen und finanziellen Gegebenheiten, nur unter anderen, noch nicht näher definierten Modalitäten durchführbar ist.

    1.3.4 Kennzahlenorientierte Mittelverteilung

    Der Akademische Senat mit seinen zuständigen Ausschüssen beschloß im Jahre 1996 die Einführung eines kennzahlenorientierten Mittelverteilungsverfahrens für die Kontengruppen 43 "Beschäftigungsentgelte" und 60 "Sachaufwand für Lehre und Forschung". Der Anteil bezog sich auf 10 % der für die Fachbereiche und senatsunmittelbaren Einrichtungen vorgesehenen Budgets. Von diesen 10 % bezogen sich 6,66 % nach der Kennzahl "VSÄ" (Vollzeit-Studenten-Äquivalenten) und 3,33 % nach der Kennzahl "Be.Prf." (bestandene Prüfungen).

    1.3.5 Leistungsbeschreibungen

    Leistungsbeschreibungen - auch Produktinformationen genannt - unterstützen im Rahmen des neuen Steuerungsmodells Senat und Bürgerschaft bei der politischen Steuerung und Kontrolle. Sie sind Bestandteil der Erläuterungen zum Haushaltsplan der Freien und Hansestadt Hamburg. Im Februar 1996 hat die Universität auf Anforderung der Behörde für Wissenschaft und Forschung detaillierte Leistungsbeschreibungen für die Fachbereiche (mit Ausnahme des Fachbereiches Medizin/Universitätskrankenhaus Eppendorf) sowie eine Kurzversion für die Universität Hamburg insgesamt der Behörde übergeben, die dem Senat der Freien und Hansestadt Hamburg vorgelegt worden sind. Zum Haushaltsplanentwurf 1997 wurde der Bürgerschaft ausschließlich die Kurzfassung für die Universität insgesamt vorgelegt und veröffentlicht. Die Bürgerschaft hat den Senat der Freien und Hansestadt Hamburg im Dezember 1996 ersucht, für den Haushaltsplan 1998 die Fachbereiche der Universität Hamburg in einer Kurzversion miteinzubringen. Eine derartige Leistungsbeschreibung wird z. Z. erarbeitet.

    1.4 Hochschulsonderprogramm III

    Mit Datum vom 30.07.1996 erschien eine Pressemitteilung der Behörde für Wissenschaft und Forschung mit der Überschrift "Hochschulsonderpro-gramm III: Ein warmer Mairegen für Hamburgs Hochschulen". Anfang August erhielten die Hochschulen mündlich eine entsprechende Information durch die Behörde für Wissenschaft und Forschung. Danach sollte das HSP III für alle Hamburger Hochschulen knapp DM 79 Mio. umfassen und bis 31.12.2000 befristet sein. Als Fortsetzung des HSP II umfaßt danach das HSP III die laufenden Maßnahmen des HSP II und setzt darüber hinaus die in der Bund-Länder-Vereinbarung vom Juli 1996 festgelegten neuen Schwerpunkte für

    Die Universität konnte zum damaligen Zeitpunkt davon ausgehen, daß ein Betrag von ca. DM 20 Mio. für neue Maßnahmen zur Verfügung stehen würde.

    Auf der Grundlage der vom Hochschulamt gegebenen mündlichen Informationen wurden die Fachbereiche und sonstigen Einrichtungen der Universität gebeten, innerhalb kurzer Frist Projektvorschläge einzureichen. Von der Behörde für Wissenschaft und Forschung war als Schlußtermin für die Antragstellung durch die Hochschulen der 30.09.1996 festgesetzt worden. Um eine angemessene Beratung in den akademischen Gremien zu ermöglichen, mußte daher innerhalb der Universität die Antragsfrist bis zum 06.09.1996 begrenzt werden. In dem zur Verfügung stehenden Zeitraum von weniger als drei Wochen gingen Anträge der Fachbereiche, der senatsunmittelbaren Einrichtungen, der zentralen Stabsstellen sowie der Präsidialverwaltung in einem Umfang von ca. DM 68 Mio. ein. Der Planungs- und der Haushaltsausschuß des Akademischen Senates befaßten sich auf der Grundlage einer Beschlußempfehlung des Präsidenten auf ihren Septembersitzungen mit diesem Antragspaket. Der Akademische Senat bestätigte die dort gefaßten Beschlüsse auf seiner Sitzung im Oktober 1996.

    Mit Datum vom 27.09.1996 konnte der Behörde für Wissenschaft und Forschung ein komprimiertes Antragspaket der Universität übermittelt werden, das ein Volumen von ca. DM 24,5 Mio. umfaßte (ausschließlich neue Maßnahmen ohne Berücksichtigung der Fortführung des HSP II). Der Schwerpunkt dieses Paketes lag im Bereich Multimedia, weiterhin in Anträgen zur Verbesserung der Qualität der Lehre (Tutorien und Maßnahmen der Evaluation), in Programmen zur Förderung des Wissenschaftlichen Nachwuchses und zur Förderung der Frauen in der Wissenschaft sowie im Technologietransfer zwischen Hochschule und Wirtschaft.

    In den darauf folgenden Wochen wurde zunächst innerhalb der Universität deutlich, daß die Fortführung der bisherigen HSP II-Maßnahmen mehr Mittel beanspruchen würden, als zunächst von der Universitätsverwaltung vermutet wurde. Der Betrag erhöhte sich von ursprünglich geschätzten DM 30 Mio. auf ca. DM 36 Mio.. Von seiten der Behörde für Wissenschaft und Forschung wurde zur gleichen Zeit durch mündliche Zwischeninformationen deutlich gemacht, daß dem Antragspaket der Universität weder in seinem Umfang noch in seiner inneren Struktur gefolgt werden würde. Der Universitätspräsident richtete daher mit Datum vom 27.11.1996 ein Schreiben an den Präses der Behörde für Wissenschaft und Forschung mit der Bitte um ein Gespräch zur Durchführung des HSP III an der Universität Hamburg, das dann am 20.12.1996 stattfand. Aus der Sicht der Universität wurden dabei vor allem zwei Ziele verfolgt:

    Gegenüber diesen beiden zentralen Forderungen trat der Wunsch der Universität nach absoluter Erhöhung ihres Anteils am HSP III zurück. Das Gespräch endete erfolglos. Der Präses der Behörde für Wissenschaft und Forschung lehnte die Vorschläge der Universität ab. Mit Datum vom 23.12.1996 wurde die Universität durch ein Schreiben des Hochschulamtes über die endgültige Aufteilung der Programmmittel unterrichtet. Danach werden der Universität zusätzliche Mittel in Höhe von DM 750.000,00 für Tutorien und DM 1,25 Mio. für die Lehrevaluation zur Verfügung stehen. Im weiteren werden Anträge der Universität in kleinerem Umfang für die Bereiche Multimedia (im Rechenzentrum), für den Innovationstransfer an die Wirtschaft (computergestütztes Ökomanagement) sowie in größerem Umfang (ca. DM 2,1 Mio.) zur elektronischen Vernetzung der Biblitoheken berücksichtigt. Noch nicht entschieden wurde über weitere Maßnahmen aus dem Bereich Innovationstransfer sowie über den Einsatz von Multimedia in der Lehre, wobei die Behörde für Wissenschaft und Forschung zu diesem zuletzt genannten Punkt Anträge der Hochschulen zum Aufbau eines Projektes "Teleteaching in der Hamburger Region" erwartet. Ein entsprechender Antrag der Universität wurde Anfang 1997 dem Hochschulamt übermittelt. Hinsichtlich des Programmpunktes "Förderung von Frauen in der Wissenschaft" wird die bereits im Rahmen des HSP II eingesetzte, hochschulübergreifende Kommission zur Vergabe der Mittel ihre Arbeit fortsetzen, wobei im Rahmen des HSP III speziell Habilitationsstipendien zu vergeben sind. Die Universität kann davon ausgehen, daß sie im Rahmen dieses Programmbausteines angemessen beteiligt wird. Die für die Förderung des Wissenschaftlichen Nachwuchses vorgesehenen Mittel können, von wenigen Ausnahmen abgesehen (Stellen für Sonderforschungsbereiche sowie zur Ausstattung der Cassirer-Professur im Philosophischen Seminar), nicht für neue Maßnahmen bereitgestellt werden, sondern werden in vollem Umfang zur partiellen Fortführung entsprechender Maßnahmen aus dem HSP II benötigt.

    Die akademischen Gremien wurden über den Inhalt des Schreibens der Behörde für Wissenschaft und Forschung sowie über die für die Universität daraus zu ziehenden Konsequenzen auf ihrer Januarsitzung unterrichtet. Danach wird die Universität insbesondere den Pool zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses (17 Stellen BAT IIa, 8 Stellen C1) mit Beendigung der jeweiligen Arbeitsverträge auslaufen lassen müssen. Die Behörde für Wissenschaft und Forschung sieht für diesen Programmbaustein lediglich ca. DM 24,2 Mio. vor. Benötigt werden jedoch nach gegenwärtigem Kenntnisstand (Ende 1996) bis zu ca. DM 36 Mio.. Der vorgegebene Betrag reicht für die Fortführung des Programmes bis zum Ablauf des Jahres 2000 selbst dann nicht aus, wenn die zusätzlich im Rahmen des HSP III hierfür bereitgestellten Mittel (in Höhe von ca. DM 6,3 Mio.) hinzugezählt werden. Zwangsläufige Folge ist die Beendigung dieses Programmbausteines. Hinsichtlich der weiteren im HSP II finanzierten Maßnahmen, wie dem Ausbau der Erziehungswissenschaft, der personellen Ausstattung der Mikrostrukturforschung im Fachbereich Physik, den beiden Europa-Studiengängen, den Lehrkräften für besondere Aufgaben für moderne Fremdsprachen im Zentralen Fremdspracheninstitut sowie der Ablösung von Sparverpflichtungen im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, ist davon auszugehen, daß mit der Auslösung (soweit diese Programmbausteine fortgeführt werden sollen) bzw. dem Auslaufen (soweit eine Fortführung nicht vorgesehen ist) zum Ende des Jahres 1997 stufenweise begonnen werden muß.

    1.5

    Arbeit der Externen Beratungskommission zur Struktur- und Entwicklungsplanung der Universität Hamburg

    Nachdem der Struktur- und Entwicklungsplanung der Universität durch einschneidende Sparbeschlüsse der Freien und Hansestadt Hamburg die Grundlage entzogen worden war, hat die Universität als autonomen Schritt zur aktiven Gestaltung ihrer künftigen Entwicklung die Einsetzung einer unabhängigen externen Beratungskommission beschlossen. Ihr gehörten zwölf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit herausragender fachlicher Reputation und hochschulpolitischer Erfahrung an. Auftrag der Kommission war gemäß Beschluß des Akademischen Senats vom 24.08.1995 die Erarbeitung von Einschätzungen und Empfehlungen zur Entwicklung und Struktur der Universität in Forschung, Lehre, Studium und Weiterbildung unter Berücksichtigung der staatlichen Sparauflagen. Sonstige Aufgaben der Universität sowie ihre Bedeutung für die Stadt und die Region sollten berücksichtigt werden. Hierzu sollten insbesondere die Auswirkungen der staatlichen Einsparauflagen auf die Struktur und Entwicklung der Universität, das anzustrebende Angebots- und Gesamtprofil der Universität in Forschung, Lehre und Studium sowie die Voraussetzungen bundesweiter und internationaler Wettbewerbsfähigkeit geklärt werden.

    Unter Vorsitz des langjährigen Rektors der Universität Bielefeld, Prof. Dr. Grotemeyer, nahm die Kommission im Dezember 1995 ihre Arbeit auf. Sie verstand sich vor allem als sachkundiger Gesprächspartner, Anreger und Katalysator für die notwendigen Überlegungen und Anstrengungen der Universität und ihrer Einrichtungen zu einer von innen getragenen Zukunftsentwicklung. Um diesem Selbstverständnis Rechnung zu tragen, entschied sich die Kommission für zweimalige Anhörungen aller Fachbereiche und senatsunmittelbaren Einrichtungen: Eine erste Anhörungsrunde fand im Frühjahr 1996, eine zweite Anhörungsrunde auf Grundlage erster Einschätzungen der Kommission im Herbst 1996 statt. Im Zentrum der jeweils mehrstündigen Anhörungen mit den Fachbereichen und senatsunmittelbaren Einrichtungen standen deren Stärken und Schwächen, Leitbilder und "Visionen", die zukünftige Struktur unter Berücksichtigung der Sparauflagen sowie die Entwicklungsmöglichkeiten aus Sicht der wissenschaftlichen Einrichtungen der Universität. Daneben wurden fächer- und fachbereichsübergreifende Aspekte erörtert. Über diese Anhörungen hinaus hat die Kommission im Laufe ihres Beratungsverfahrens ihre Einschätzungen und vorläufigen Empfehlungen mehrfach mit den zentralen akademischen Selbstverwaltungsgremien der Universität erörtert.

    Die im Februar 1997 vorgelegten Empfehlungen der externen Beratungskommission bieten der Universität eine Grundlage für die Erarbeitung eigener Profil- und Entwicklungsvorstellungen.

    2.

    EREIGNISSE UND STRUKTURELLE ÄNDERUNGEN VON BESONDERER BEDEUTUNG

    2.1 Beginn der Errichtung der Flügelbauten

    Nach Abschluß der Planungen für den 1. Flügelbau westlich des Hauptgebäudes wurde am 30. Oktober 1996 in Anwesenheit der Eheleute Dr. Helmut und Hannelore Greve, des Ersten Bürgermeisters und des Präses der BWF sowie vieler Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft der Grundstein gelegt.
    Der anschließende Baubeginn erforderte als erstes wegen des schlecht tragenden Untergrunds ("Moorweide") das Einbringen von Fundamentpfählen.
    Für die Nutzer des vor Baubeginn abzubrechenden Pavillons wurden neue Ar-beitsflächen im Hauptgebäude und im Gebäude Von-Melle-Park 5 zur Verfügung gestellt.

    2.2 Wechsel im Amt des Vizepräsidenten

    In seiner Sitzung am 17.April wählte das Universitätskonzil Herrn Professor Dr. Dr. h. c. Wilfried Hartmann zum Vizepräsidenten der Universität Hamburg. Herr Prof. Hartmann trat sein Amt am 1. Mai an. Gemäß der Absprache mit dem Präsidenten vom 14. Juni betreut er die folgenden Aufgabenfelder federführend:

    1. Internationale Angelegenheiten
    2. Forschungsangelegenheiten (mit Ausnahme längerfristiger oder fachbereichsübergreifender Schwerpunkte sowie Angelegenheiten der Sonderforschungsbereiche)
    3. Weiterbildungsangelegenheiten
    4. Angelegenheiten des Wissens- und Technologietransfers
    5. Bibliotheksangelegenheiten
    6. Angelegenheiten, die die Beziehungen zur Technischen Universität Hamburg-Harburg betreffen.

    2.3 Vorbereitung der Wahl einer Präsidentin/eines Präsidenten im Jahr 1997

    Das förmliche Verfahren zur Wahl einer Präsidentin/eines Präsidenten der Universität Hamburg leitete das Konzil in seiner Sitzung am 1. Juni mit dem Beschluß zur öffentlichen Ausschreibung der Stelle ein. Eine entsprechende Ausschreibung erschien am 30. August in "DIE ZEIT" und am 6. September in der "Deutschen Universitäts-Zeitung" (DUZ). Als Ende der Bewerbungsfrist wurde der 8. November 1996 festgelegt.

    Eine "Verfahrensordnung für die Wahl eines Präsidenten/einer Präsidentin der Universität Hamburg" beschlossen das Konzil am 30. Oktober und der Akademische Senat am 7. November. Der Akademische Senat setzte zugleich einen Wahlausschuß zur Prüfung der Bewerbungen ein.

    Auf die Ausschreibung gingen zwölf Bewerbungen ein, die vom Wahlausschuß in zwei Sitzungen geprüft wurden. Der Ausschuß empfahl, vier Bewerber zur Vorstellung und Befragung einzuladen. Der Akademische Senat faßte nach Übernahme der Empfehlung durch das Konzil einen entsprechenden Beschluß am 12. Dezember. Der Vizepräsident lud die Bewerber mit Schreiben vom 13. Dezember zur Vorstellung und Befragung am 15. Januar 1997 ein und bat bis zum 2. Januar 1997 um ein höchstens sechsseitiges Papier mit Vorstellungen zur Wahrnehmung des Amtes eines Universitätspräsidenten. Einer der Eingeladenen zog mit Schreiben vom 29. Dezember 1996 seine Bewerbung zurück.

    2.4

    Weiterer Ausbau des wissenschaftlichen Netzes
    - Übergang zu einem Breitbandanschluß zum WIN/INTERNET

    Nach entsprechenden Empfehlungen in den zuständigen Selbstverwaltungsgremien wurde mit Wirkung vom 25.04.1996 der bestehende X.25-Anschluß an das Wissenschaftsnetz (einschließlich Internet) mit einer Kapazität von 1,92 Mbit/s durch einen sogenannten Breitbandanschluß ersetzt. Grundlage bildet ein Vertrag mit dem Verein Deutsches Forschungsnetz über einen sogenannten Gemeinschaftsanschluß; die Partner der Universität Hamburg im Rahmen des Gemeinschaftsanschlusses sind die Technische Universität Hamburg-Harburg, die Universität der Bundeswehr Hamburg, das Deutsche Klimarechenzentrum und die GKSS (in Geesthacht). Der Gemeinschaftsanschluß wurde ermöglicht durch das diese Einrichtungen verbindende Hamburgische Hochleistungsrechnernetz (HHR). Die anteilige Kapazität der Universität von 8 Mbit/s an diesem Gemeinschaftsanschluß führte sofort zu erkennbaren Verbesserungen bei allen Weitverkehrsfunktionen. Der Anschluß der Universität wird auch eng mit der Universität kooperierenden Einrichtungen (Staats- und Universitätsbibliothek, HWWA-Institut für Wirtschaftsforschung, Hochschule für Wirtschaft und Politik und einigen anderen kleineren Institutionen) zur Verfügung gestellt, die an den Kosten in angemessener Höhe beteiligt werden.

    Der Ausbau des universitären Datennetzes wurde durch Erweiterungen im Bereich der zentralen Server und der aktiven Netzkomponenten sowie durch Weiterführung von Inhouse-Verkabelungen in einigen Gebäuden vorangetrieben, ist aber noch längst nicht abgeschlossen.

    2.5 Darstellung der Universität im Internet

    Unter Federführung des Planungsstabes hat eine Arbeitsgruppe der Kommission für Medien und Kommunikation im Auftrag des Präsidenten Empfehlungen an die Präsidialverwaltung, die Fachbereiche und die Senatsunmittelbaren Einrichtungen für die Darstellung der Universität im World Wide Web erarbeitet, die vom Akademischen Senat am 11. April 1996 verabschiedet wurden. Die Ergebnisse sind in Inhaltliche Empfehlungen, Design-Empfehlungen sowie Verantwortlichkeiten zusammengefaßt. Parallel hierzu wurde begonnen, die Struktur der Verwaltung (Adressen etc.) sowie dort vorliegende Informationen (Forschungsbericht, Frauenförderrichtlinien, Hinweise für Studierende, Pressemitteilungen, Prüfungsordnungen, Technologieangebote etc.) für das WWW und im Hinblick auf den Betrieb eines universitären Informationssystems (Intranets) aufzubereiten.

    2.6 Zusammenführung der juristischen Fachbereiche

    Im Jahr 1996 hat die Gemeinsame Kommission zur Zusammenführung der beiden juristischen Fachbereiche unter Leitung des Universitätspräsidenten die drei Hauptaufgaben (Erarbeitung einer Zielstruktur für die Personalausstattung, neue Organisationsstruktur/Institutsstruktur für den einheitlichen juristischen Fachbereich, neues Studienkonzept für die Juristenausbildung) in zehn Sitzungen intensiv bearbeitet. Dabei konnten die beiden wichtigsten Fragen der neuen Zielstruktur für die Personalausstattung und der neuen Organisationsstruktur einvernehmlich gelöst werden, so daß nach Befassung der Fachbereichsräte der beiden noch bestehenden juristischen Fachbereiche ein einstimmiger Beschluß des Akademischen Senats im Herbst 1996 gefaßt werden konnte, der der Behörde für Wissenschaft und Forschung übermittelt wurde. Für die daraus resultierende Entwicklung eines neuen Studienkonzeptes, das differenziert nach den drei großen Rechtsgebieten (Bürgerliches Recht, Öffentliches Recht, Strafrecht) und nach den Studienabschnitten (Grundstudium, Hauptstudium, Wahlschwerpunkte, Examensweise) entwickelt werden muß, ist unter paritätischer Leitung von zwei Professoren beider Fachbereiche eine Unterkommission für Studium und Lehre gebildet worden, die in einer Vielzahl von Sitzungen grundsätzliches Einvernehmen erzielt hat, jedoch für die abschließende Erarbeitung noch einen längeren Zeitraum benötigt. Am 02.12.1996 wurden die Arbeitsergebnisse in einem Gespräch beim Präses der Behörde für Wissenschaft und Forschung, Herrn Prof. Dr. Hajen, unter Beteiligung der beiden Fachbereichssprecher und des Universitätspräsidenten vorgestellt. Der Präses äußerte die Bitte, möglichst zum Wintersemester 1997/98 mit dem einheitlichen Studienkonzept zu beginnen. Auf jeden Fall wird zu diesem Wintersemester ein einheitliches Zulassungsverfahren durchgeführt werden mit dem Recht der Studierenden, an allen Lehrveranstaltungen beider noch getrennt existierender Fachbereiche teilzunehmen. Für die Zukunft wird von Bedeutung bleiben, ob es gelingt, durch den Bau eines Bücherturms am Rechtshaus (Schlüterstr. 33) die Bereitschaft beider Fachbereiche zur Errichtung einer juristischen Zentralbibliothek anstelle der derzeit bestehenden vielen Einzelbibliotheken zu fördern. Von dem Gelingen dieses Projektes wird es auch abhängen, ob die Vertreter des bisherigen Fachbereichs Rechtswissenschaft II, die während der Bauphase der sogenannten Flügelbauten neben dem Universitätshauptgebäude teilweise in entferntere Gebäude ausgelagert werden müssen, zunächst in einen der neuen Flügelbauten einziehen müssen, um in einer zweiten Phase (nach Errichtung des Bücherturms) auch räumlich mit dem bisherigen Fachbereich Rechtswissenschaft vereinigt zu werden.

    2.7 Reduktion der Ausbildungskapazität in der Lehreinheit Vorklinische Medizin

    Der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg hat im Juni 1993 beschlossen, daß die Hamburger Kapazität in der Medizinerausbildung in einem Zeitraum von zehn bis fünfzehn Jahren um ein Drittel reduziert werden soll. Diese Beschlußlage wurde in Verhandlungen zwischen der Universität und der Behörde für Wissenschaft und Forschung (BWF) dahingehend konkretisiert, daß die angestrebte Reduktion der Gesamtausbildungskapazität von 450 auf 300 Studienanfängerplätze innerhalb von fünfzehn Jahren, beginnend im Wintersemester 1994/95, verwirklicht und der hierfür notwendige Abbau der Studienanfängerplätze innerhalb eines Zeitraumes von neun Jahren, aufgeteilt in drei Schritte von vier, drei und zwei Jahren, erfolgt sein soll. Mit diesem Verfahren wird dem Fachbereich Medizin die Möglichkeit einer strukturell sinnvollen und verträglichen Reduktionsplanung eingeräumt. Neben den drei medizinischen Lehreinheiten - Vorklinische Medizin, Klinisch-Praktische Medizin und Klinisch-Theoretische Medizin - soll auch die Kapazität der Lehreinheit Zahnmedizin um ein Drittel abgesenkt werden.
    Mit der Umsetzung dieses Beschlusses hat die Universität, auf Grundlage des in die Kapazitätsverordnung neu eingefügten Paragraphen 21, wie vorgesehen zum Wintersemester 1994/95 mit der Ausbringung von kw-Vermerken ("künftig wegfallend") an drei Stellen der Vorklinischen Instituten begonnen. Zum Wintersemester 1995/96 sind weitere zwei Stellen zur Einsparung aufgegeben worden. Dieser Deputatsverlust von insgesamt 36 Semesterwochenstunden hat zu einer Reduktion der Studienanfängerkapazität in Höhe von 24 Studienanfängerplätzen geführt. Allerdings hat dieses Verfahren in Zulassungsprozessen bei den Verwaltungsgerichten bislang keine Anerkennung gefunden. Es besteht jedoch grundsätzlich Einvernehmen zwischen Universität und BWF, daß eine Anerkennung des gewählten Verfahrens zur Erbringung der auferlegten Sparmaßnahmen durch die Verwaltungsgerichte erreicht werden muß.
    Nach intensiver Beratung hat der Fachbereich Medizin dem Akademischen Senat im Herbst 1996 ein "Konzept zur mittelfristigen Neuordnung der Struktur der Vorklinischen Institute" zur Umsetzung des Beschlusses des Hamburger Senats vorgelegt. Darin wird für die Struktur von drei der vier Vorklinischen Institute (Anatomie, Physiologie un Physiologische Chemie) eine Organisationsform zugrunde gelegt, die ein Drei-Abteilungs-Modell mit jeweils vergleichbarer Personalstruktur vorsieht. Eine Ausnahme stellt hier lediglich das kleinere Institut für Medizinsoziologie dar. Zur mittelfristigen Umsetzung dieses Konzeptes, das vom Akademischen Senat am 07.11.1996 verabschiedet wurde, hat der Fachbereich unter Berücksichtigung der zu erbringenden Stelleneinsparungen sowohl die künftig zu streichenden Stellen als auch nachfolgend ggf. notwendig werdende Stellenumwandlungen, -hebungen und -verlagerungen in "Stufenplänen" pro Vorklinischem Institut festgeschrieben. Anhand dieser "Stufenpläne" wird die weitergehende Reduktion der Studienanfängerkapazität in den Zulassungsberechnungen vorgenommen werden. Ein Einstieg in eine Reduktion der Ausbildungskapazität in der Lehreinheit Klinisch-Praktische Medizin ist derzeit in Vorbereitung. Wann mit der Umsetzung für die Lehreinheit Zahnmedizin begonnen wird, ist derzeit noch offen.

    2.8 Stellungnahme der Universität zum Entwurf eines 15. Gesetzes zur Änderung des HmbHG

    Nachdem bereits im Jahresbericht für 1995 über die Stellungnahme der Universität zum Diskussionsentwurf für die Novellierung des HmbHG berichtet worden ist, hat die Universität im August 1996 nunmehr zu dem ihr übersandten Referentenentwurf eines 15. Gesetzes zur Änderung des HmbHG Stellung genommen. Obwohl in den Referentenentwurf zahlreiche Vorschläge der Universität aufgenommen worden sind, die sich aus der bisherigen Gesetzesanwendung als zweckmäßig ergeben haben, verbleibt die Kritik an der erkennbaren Tendenz des Gesetzentwurfs zur Erweiterung staatlicher Befugnisse insbesondere im Ausschreibungs- und Berufungsverfahren. Außerdem ist die von der Universität vorgeschlagene wirksamere Beteiligung der Kollegialorgane in Haushaltsangelegenheiten nicht aufgenommen worden. Der Gesetzentwurf wurde um Regelungen ergänzt, die eine obligatorische Studienberatung begründen. Ferner wurde auf Vorschlag der Universität klargestellt, daß sämtliche Einnahmen aus Drittmitteln einschließlich Gemeinkosten und Entgelten für die Inanspruchnahme von Personal, Sachmitteln und Einrichtungen den Hochschulen für die Erfüllung ihrer Aufgaben zusätzlich zur Verfügung stehen. Der Fachbereichssprecher und dessen Vertreter sollen künftig die Bezeichnung Dekan bzw. Prodekan führen. Auf Vorschlag der Universität ist in den Gesetzentwurf eine Experimentierklausel für Abweichungen von gesetzlichen Bestimmungen aufgenommen worden, soweit sie sich im Rahmen der Regelungen des Hochschulrahmengesetzes halten.

    2.9 Neuorganisation der Forschungsstelle für die Geschichte des Nationalsozialismus

    Die Forschungsstelle - bislang eine unselbständige Einheit innerhalb der Behörde für Wissenschaft und Forschung - wurde durch Beschluß von Senat und Bürgerschaft in die Stiftung "Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg" umgewandelt und damit rechtlich verselbständigt. Einvernehmlich mit der Universität wurden Forschungsstelle und Universität in der Weise miteinander verknüpft, daß zukünftig die Leitung der Forschungsstelle mit einer C4-Professur des Fachbereichs Geschichtswissenschaft verbunden wird. Aufgrund seiner wissenschaftlichen Qualifikation und seiner Erfahrung im Wissenschaftsmanagement wurde die neue Aufgabe Herrn Professor Dr. Arnold Sywottek übertragen.

    2.10 Kooperationsvertrag zwischen der Universität und dem Hamburger Sportbund

    Nach dem Leitsatz "Kooperation statt Konkurrenz" haben die Universität Hamburg/Fachbereich Sportwissenschaft und der Hamburger Sportbund beschlossen, neue Wege zu gehen und fortan enger zusammenzuarbeiten, um einzelne Arbeitsbereiche effektiver zu gestalten. Gegenstand und Ziele der Zusammenarbeit wurden in einer Kooperationsvereinbarung festgehalten, die von beiden Partnern im Februar 1996 unterzeichnet wurde.

    Mit der Kooperation sollen mehrere Ziele erreicht werden. So sollen Arbeitsschwerpunkte koordiniert und verzahnt werden, um möglichst effektive Ergebnisse zu erzielen und deren Umsetzung in die Praxis zu fördern; bei der Aus- und Fortbildung bzw. Weiterbildung von Sportfachkräften kooperiert und deren gegenseitiger Austausch gefördert werden; wissenschaftliche Arbeiten zu Themenstellungen des organisierten Sports gefördert werden; Sportstudierende in die Praxisfelder des organisierten Sports hingeführt sowie ein Übergang zu lebenslangem Sporttreiben der Teilnehmer des Breitensports Hamburger Hochschulen in den Hamburger Sportvereinen geschaffen werden. In der Vereinbarung werden als besondere Arbeitsvorhaben, u. a. der Austausch von Fachkräften, der Erwerb von Verbandslizenzen für Sportstudierende, eine Übungsleiterbörse sowie die Vergabe wissenschaftlicher Hausarbeiten genannt.

    Bereits kurz nach Unterzeichnung der Vereinbarung wurde die Kooperationsvereinbarung mit Leben ausgefüllt. So werden in einem gemeinsamen Projekt die gesundheitlichen Auswirkungen des Vereins- und Schulsports untersucht und die am Fachbereich Sportwissenschaft veranstalteten Schulsporttage von dem Hamburger Sportbund unterstützt.

    2.11 Rahmenvertrag mit der Hamburger Volkshochschule

    Nachdem aufgrund der einschneidenden Sparvorgaben im Personalhaushalt auch bei den Sprachkursen für Studierende aller Fachbereiche Lehrauftragsmittel eingespart werden mußten, hat der Fachbereich Sprachwissenschaften seit Mitte 1995 Gespräche mit verschiedenen Institutionen über die Weiterführung dieses Lehrveranstaltungsangebots auf anderer Basis geführt. Auf der Grundlage dieser Vorklärung und weiterer Gespräche des Präsidenten hat der Akademische Senat im Juni 1996 dem Abschluß eines Rahmenvertrages mit der Volkshochschule Hamburg zugestimmt. Der Vertrag sieht vor, daß die Volkshochschule als eigene Veranstaltungen für Studierende aller Fachbereiche jeweils nach Bedarf entgeltliche Fremdsprachenkurse in der Universität anbietet und Leistungsbescheinigungen aufgrund entsprechender Leistungsnachweise erteilt. Art, Anzahl und Gegenstand der Sprachkurse werden zwischen der Volkshochschule und dem Fachbereich Sprachwissenschaften für ein Semester im voraus vereinbart. Die Kurse werden als studienbegleitende Kurse angeboten. Sie finden entweder wöchentlich parallel zu den Vorlesungszeiten oder in der vorlesungsfreien Zeit des jeweils an der Universität laufenden Semesters im Umfang von in der Regel einer Unterrichtsdoppelstunde pro Woche statt. Die Sprachkurse können auch in kompakter Form bzw. mit kompakten Einschüben in den vorlesungsfreien Zeiten angeboten werden. Die Volkshochschule gewährleistet eine teilnehmerorientierte Unterrichtsgestaltung auf der Grundlage der speziellen Sprachbedarfe des jeweiligen Kurses und der Ausbildungsziele der Universität. Die Kurse werdenvon Fremdsprachendozenten mit "near-native" oder "native"-Kompetenz geleitet.

    2.12 Beendigung des Wohnheimprogramms in den Hamburger Studentenwohnheimen

    Auf den Antrag der Universität zur Genehmigung der überarbeiteten "Richtlinien für Protektoren, Prokuratoren und Tutoren in Studentenwohnheimen sowie für den Senatsbeauftragten und den Referenten für Wohnheimangelegenheiten der Universität Hamburg" vom 29.01.1974, dem ein Konzept für eine enge Zusammenarbeit der Hamburger Hochschulen in Wohnheimfragen beigefügt war, hat die Behörde für Wissenschaft und Forschung mit der Vorlage einer Neukonzeption des Wohnheimprogramms geantwortet, die u. a. vorsah, die bisher bei der Behörde liegende Richtlinienkompetenz auf den von den beteiligten Hochschulen vorgesehenen Gemeinsamen Ausschuß zu übertragen. Der Akademische Senat hat der Neukonzeption einstimmig zugestimmt. Von einigen Hochschulpräsidenten und aus dem Studentenwerk wurden ablehnende Stellungnahmen abgegeben. Im Dezember hat die Behörde für Wissenschaft und Forschung mitgeteilt, daß das Wohnheimprogramm nach den o. a. Richtlinien als staatlich geregeltes und finanziertes Programm aufgegeben werde. Wesentlichster Grund für diese Entscheidung sei die Neuordnung im Hochschulbereich nach dem Neuen Steuerungsmodell. Die Behörde stellt den Wohnheimträgern anheim, ein eigenes Wohnheimprogramm zu entwickeln, für das diese die finanziellen Lasten allerdings selbst tragen müßten. Entsprechend wurden von der Behörde mit Wirkung vom 01.01.1997 große Teile der Richtlinien ersatzlos aufgehoben, u. a. die Abschnitte über den Senatsbeauftragten und den Referenten für Wohnheimangelegenheiten. Die auf der Basis der Richtlinien mit Protektoren und Prokuratoren bereits abgeschlossenenen Verträge behalten für die jeweilige Laufzeit Gültigkeit, sind jedoch spätestens am 31.05.2001 beendet. Das Studentenwerk hat vor dem Hintergrund dieser Entwicklung die Wohnheimvereinbarung mit den Hochschulen gekündigt.

    2.13 Vortragsreihe zum Gedenken an Bruno Snell

    Mit einem Vortragszyklus und einem wissenschaftlichen Symposion hat im Sommersemester 1996 die Universität ihres ehemaligen Rektors, Bruno Snell (1896 - 1986), gedacht. Snells freiheitlicher Republikanismus verkörpert in der Universitätsgeschichte eine gute Tradition aus der Weimarer Republik über den Nationalsozialismus hinweg bis in den Neubeginn der Bundesrepublik hinein. Snell, klassischer Philologe und weltzugewandter Gelehrter, der gegenüber der Öffentlichkeit die Bildung neuer akademischer Institutionen vertrat, wirkte als Vermittler zwischen Universität und hanseatischer Bürgerschaft.

    Der Präsident eröffnete im Mai die Vortragsreihe, in der Hans Mayer und Peter Wapnewski sprachen. Walter Jens, ein Schüler Bruno Snells, hielt den Festvortrag am 18. Juni, dem 100. Geburtstag von Bruno Snell.

    In einer Veranstaltung des Instituts für Griechische und Lateinische Philologie wurde Snells Hilfe bei der wissenschaftlichen Erschließung der Bestände der Staats- und Universitätsbibliothek von Dieter Harlfinger, dem jetzigen Inhaber der Snell-Professur, gewürdigt.

    Der zweite Teil des Symposions fand im Warburg-Haus statt. Sowohl mit der Wahl des Veranstaltungsortes wie auch der Einladung der Gäste, unter ihnen die Witwe Edgar Winds, des Schülers von Cassirer, Margaret Wind, dokumentierte die Universität ihre Verbundenheit mit den von den Nationalsozialisten Vertriebenen. Snells hochschulpolitisches Wirken war das Thema des Vortrags von Peter Fischer-Appelt. Dorothea Frede referierte im Zusammenhang mit der Gründung der Joachim Jungius Gesellschaft über die Vermittlung Snells im Streit um die Funktion der Gesellschaft im öffentlichen und akademischen Leben.

    Mit der optischen Anknüpfung der zur Vortragsreihe verwendeten Plakate und Broschüren an die Cassirer-Feierlichkeiten im Sommersemester 1995 hat die Universität bewußt einen Bogen zu Cassirer geschlagen und auf diese Weise die Selbstdarstellung einer "Universität in der Stadt" weitergeführt.

    Möglich wurden die Veranstaltungen in so breitem Umfange durch grundlegende Arbeiten von Wilt-Aden Schröder und Gerhard Lohse am Institut für Griechische und Lateinische Philologie, die Snells Nachlaß auswerten und die Publikation von Briefen und Erinnerungen planen.

    2.14 Einrichtung einer Ernst Cassirer-Professur

    Aufgrund einer Anregung des Bürgerschaftsabgeordneten Wilfried Maier, den Philosophen und ehemaligen Rektor der Universität Hamburg in besonderer Weise zu ehren, beschloß der Akademische Senat im März 1996, eine "Ernst Cassirer-Professur" einzurichten. Der 1945 siebzigjährig in New York gestorbene Philosoph hatte von 1919 bis 1933 einen Lehrstuhl an der Universität inne und war in den Jahren 1929/1930 ihr Rektor gewesen. Der Akademische Senat hat die Professur nicht nur dem Andenken Ernst Cassirers gewidmet, sondern mit ihrer Einrichtung auch das Ziel verbunden, Bezüge zum Denken Cassirers und zu den von ihm erörterten Problemhorizonten herzustellen. Um die Besetzung der Cassirer-Professur können sich alle Fachbereiche bewerben. Die Professur soll für ein oder mehrere Semester während der vollen Vorlesungszeit durch eine Persönlichkeit wahrgenommen werden, die das Wirken und Werk Cassirers fortführt, gegebenenfalls auch für kürzere Seminare oder Vortragsreihen mit mehreren Referenten. Über die Besetzung entscheidet der Präsident auf Vorschlag eines "Beirates der Ernst Cassirer-Professur" und nach Beratung im Akademischen Senat. Im Beirat sind die Fachbereiche Philosophie und Sozialwissenschaften, Geschichtswissenschaft, Kulturgeschichte und Kulturkunde sowie Psychologie mit je einem Mitglied vertreten. Der Beirat hat unter dem Vorsitz von Frau Prof. Frede eine mittelfristige Planung erarbeitet.

    2.15 Gutachten "Hochschulbildung als Wissnschafts-und Standortfaktor"

    Im Auftrag des Präsidenten wurde unter Leitung von Prof. Dr. Wilhelm Pfähler das Gutachten "Hochschulbildung und Wissenschaft als Wirtschafts- und Standortfaktor" erstellt und Mitte des Jahres 1996 vorgelegt. Das Gutachten untersucht den ökonomischen Wert der Hamburger Hochschulen, analysiert Einkommens-, Umsatz-, Beschäftigungs-, Arbeitsmarkt- und Standorteffekte sowie die Wirkungen auf das Produktions- bzw. Wachstumspotential der regionalen Wirtschaft. Mit einer Multiplikatoranalyse werden die kurzfristigen regionalen Einkommens- und Beschäftitungseffekte der Hamburger Hochschulen und der außeruniversitären Forschungseinrichtungen für das Jahr 1993 abgeschätzt.
    Das Ergebnis ist ein regionaler Einkommenseffekt von DM 2.425 Mio. und ein regionaler Beschäftigungseffekt von 32.290 Arbeitsplätzen. Die Hamburger Hochschulen sind daran gemäß der folgenden Tabelle beteiligt:

    alle Hochschulen
    Einkommens-
    effekte
    Mio. DM
    Beschäftigungs-
    effekte
    Arbeitsplätze
    Uni Hamburg
    Einkommens-
    effekte
    Mio. DM
    Beschäftigungs-
    effekte
    Arbeitsplätze
    direkte Effekte 1.061,2 17.569 756,1 13.279
    indirekte Effekte 738,5 7.092 506,8 4.867
    induzierte Effekte 108,4 1.041 76,1 730
    insgesamt 1.908,1 25.702 1.339,0 18.876

    Die Universität sichert durch ihren langfristigen Produktivitätsbeitrag weit mehr Arbeitsplätze und Einkommen als durch ihren laufenden Betrieb bei ihr selbst bestehen.
    Von diesen Einkommens- und Beschäftigungseffekten profitieren alle Sektoren der Hamburger Wirtschaft, am stärksten jedoch der Dienstleistungssektor, der Handel, die Energie- und Wasserwirtschaft sowie die Nahrungsmittelindustrie. Die Studierenden sind nicht nur durch die Ausgaben für die Einkommens- und Beschäftigungseffekte von Bedeutung, sondern auch als Teilzeitkräfte für den Hamburger Arbeitsmarkt. Für die Unternehmen verbinden sich mit der Anstellung studentischer Teilzeitkräfte ein relativ hohes Bildungsniveau, niedrige Arbeitskosten, eine hohe Kontinuität der Verfügbarkeit und geringer sozialer und arbeitsrechtlicher Schutz.
    Die Hochschulbildungs- und Forschungsausgaben bedeuten Investitionen in das "Wissenskapital (Human- und Forschungskapital)". Dies ist ganz analog zu den Investitionsausgaben für Ausrüstungen und Gebäude zu sehen, die Investitionen in das Realkapital darstellen. Die Analyse zeigt, daß die Investitionen in "Wissenskapital" die Bruttowertschöpfung der Hamburger Wirtschaft nicht nur statistisch hochsignifikant steigern, also einen positiven Produktivitätsbeitrag liefern, sondern in ihrer Wachstumswirkung sogar noch stärker sind als Investitionen in das Realkapital. Eine Reduktion der Hochschulbildungs- und Forschungsausgaben würde mithin die Bruttowertschöpfung der Hamburger Wirtschaft - und damit auch die öffentlichen Einnahmen - mittel- bis langfristig verringern.

    2.16 Kooperation Universität/Kammerspiele: Theaterfestival "Die Wüste lebt"

    Nachdem die Universität mit den Hamburger Kammerspielen im Jahr 1995 einen Kooperationsvertrag geschlossen hatte, wurde vom 4. bis 14. Juli mit dem Theaterfestival junger Regisseure und Schauspieler in den Kammerspielen diese Zusammenarbeit konkret sichtbar und erfolgreich erprobt. Mitwirkende waren Studierende des Studiengangs Schauspieltheater-Regie am Institut für Theater, Musiktheater und Film, Absolventen des Studiengangs, eine Absolventin der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Regiestudenten der Hochschule für Schauspielkunst, "Ernst Busch" in Berlin sowie eine Reihe von Schauspielern und Schauspielschülern. Überwiegend handelte es sich um "freie" Projekte außerhalb der Ausbildung mit großem Freiraum für eigene Visionen. Zu sehen waren sieben sehr unterschiedliche Inszenierungen nach klassischen, zeitgenössischen und eigenen Vorlagen.
    Möglich wurde das Theaterfestival durch finanzielle, moralische und praktische Unterstützung des außerordentlichen Engagements der jungen Künstler von verschiedenen Institutionen, insbesondere der K. H. Ditze-Stiftung und des Studentenwerks. Es besteht die Hoffnung, daß das Festival "Die Wüste lebt" von 1996 Auftakt eines zukünftig im Jahresrhythmus stattfindenden Theaterfestivals für junge Regisseure und Schauspielstudenten geworden ist.

    3. LEHRE, STUDIUM, WEITERBILDUNG

    3.1 Evaluation von Lehre und Studium

    Im Berichtsjahr wurde die Evaluation der Studienfächer Informatik und Wirtschaftswissenschaften abgeschlossen, die Evaluationen in Chemie und Geschichte begannen im Sommersemester 1996.

    Der Bericht zu den Evaluationen in den Fächern Informatik und Wirtschaftswissenschaften kann über die Geschäftsstelle des Verbundes Norddeutscher Universitäten bezogen werden.

    3.1.1 Evaluation der Fächer Informatik und Wirtschaftswissenschaften

    Im Wintersemester 1995/96 besuchten externe Gutachterkommissionen die Studienfächer Informatik und Wirtschaftswissenchaften je eineinhalb Tage. Als Vorinformation für den Besuch hatten ihnen die Fächer ihre Selbstbeschreibungen, die aus der Selbstevaluation im Sommersemester 1995 entstanden waren, zur Verfügung gestellt. Die Gutachtenden führten Gespräche mit Lehrenden, Studierenden sowie Verwaltungspersonal. Ihre Eindrücke faßten sie in einem Gutachtenentwurf zusammen, den sie mit den Evaluierten auf einer auswertenden Konferenz im Februar 1996 in Rissen diskutierten. Im Sommersemester 1996 faßten die Fachbereiche ihre Entschlüsse, welche Konsequenzen sie aus der Evaluation der Studienfächer ziehen wollen. Die Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen wurden mit dem Präsidenten abgesprochen (sog. Zielvereinbarung). In regelmäßigen Abständen werden sie auf ihre Realisierung hin überprüft.

      3.1.1.1 Informatik

    Der Fachbereich Informatik nutzte die Diskussion mit den Gutachtenden und das Gutachten um eine Reihe bereits vorher diskutierter Maßnahmen zu verwirklichen: Die Maßnahmen lassen sich sechs Zielen zuordnen, die der Fachbereich zukünftig verfolgen will:

      3.1.1.2 Wirtschaftswissenschaften

    Der Fachbereich Wirtschaftswissenschaften beschloß,

    Die Gutachtenden hatten darüber hinaus moniert, daß der Fachbereich keine gemeinsame Identität nach außen und innen ausstrahlt und daß die Organisation bzw. der Informationsfluß innerhalb des Fachbereichs nicht den fachüblichen professionellen Standards entsprechen. Der Fachbereich hat sich entschlossen, die Erarbeitung einer Corporate Identity zunächst auf Ebene der Institute zu beginnen und später auf Fachbereichsebene zusammenzuführen. Der Informationsfluß innerhalb des Fachbereiches soll nach dem Prinzip des Informationen-Holens organisiert werden. Die Abrufbarkeit von Informationen wurde über die Nutzung neuer Medien verbessert (u. a. Internet).

    Darüber hinaus betreibt der Fachbereich gemeinsam mit dem Fachbereich Informatik die Einrichtung eines Studienganges Wirtschaftsinformatik.

    3.1.2 Weiterführung der Evaluation im Verbund norddeutscher Universitäten.

    Die Qualitätsentwicklung in Studium und Lehre in Eigenverantwortung der Hochschulen ist der Universität ein besonderes Anliegen. Zu diesem Zwecke wurde mit den Universitäten Bremen, Hamburg, Kiel, Oldenburg und Rostock 1994 vereinbart, gemeinsam die Evaluation von Studienfächern zu erproben. Die Universität Groningen erklärte sich bereit, ihre Erfahrungen in Evaluationen in den Verbund einzubringen (vgl. Jahresbericht 1994/95).

    Nach den ersten vier Verfahren, an denen sich 18 Fachbereiche beteiligten, war deutlich, daß mit der Evaluation von Studienfächern das angestrebte Ziel, die Stärken und Schwächen in einem Studienfach zu reflektieren, zu diskutieren und Verbesserungen herbeizuführen, erreicht wird. Aus jeder Evaluation sind konkrete Maßnahmen erwachsen, die die Qualität von Lehre und Studium sichern und verbessern helfen. Bewährt hat sich darüber hinaus das entwickelte Verfahren in Eigenverantwortung der Hochschulen, die Regionalität und Größe des Verbundes mit der Offenheit gegenüber anderen Universitäten für die Zusammenarbeit in einzelnen Projekten und die Zusammenarbeit über die Grenzen von Bundesländern hinweg. Anders als im niederländischen (und auch anderen) Evaluationsverfahren ist es im Verbund gelungen, die Eigenverantwortlichkeit der Fachbereiche für Studium und Lehre in den Mittelpunkt des Verfahrens zu rücken, einen Erfahrungsaustausch unter den Evaluierten herbeizuführen, die Studierenden miteinzubeziehen und die Konsequenzen, die ein evaluierter Fachbereich aus der Evaluation zieht, als Bestandteil der Evaluation zu integrieren.

    Der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft hat die Evaluationen im Verbund Norddeutscher Universitäten als vorbildliche Initiative im Rahmen seines Programmes zur Studienreform ausgezeichnet. Der Wissenschaftsrat empfiehlt in seinen Empfehlungen zur Stärkung der Lehre durch Evaluation, Drucksache 2365 vom Januar 1996, allen Hochschulen in der Bundesrepublik eine Evaluation von Studienfächern nach den Grundsätzen, wie sie im Nordverbund angewandt und der Wissenschaftsrat sie selbst in einer Pilotstudie erprobt hat.

    Der Akademische Senat hat auf diesem Hintergrund am 07.11.1996 den Präsidenten gebeten, die Erprobungsphase zu beenden und die Evaluation von Studium und Lehre mit den anderen am Verbund beteiligten Universitäten für zunächst weitere vier Jahre (d. h. bis zum Jahre 2001) zu vereinbaren.

    Am 09.12.1996 kamen die Präsidenten und Rektoren der Universitäten Bremen, Groningen, Hamburg, Kiel, Oldenburg und Rostock zu einem Workshop unter Moderation von Prof. Dr. Müller-Böling (CHE) zusammen, um die Erfahrungen mit den bisherigen Evaluationen auszuwerten, insbesondere die Erfahrungen über den bisherigen Umgang mit den Konsequenzen der Evaluationen auszutauschen und Pläne für die zukünftigen Evaluationen (u. a. die Reihenfolge der Fächer) zu diskutieren. Im Rahmen dieses Workshops unterzeichneten sie auch die Vereinbarung zur Evaluation von Studium und Lehre für die nächsten vier Jahre.
    Sprecher des Verbundes ist weiterhin der Präsident der Universität Hamburg, die Geschäftsstelle, die von den beteiligten Universitäten gemeinsam getragen wird, befindet sich ebenfalls in Hamburg und wird von Dr. Karin Fischer-Bluhm betreut.

    Zukünftig sollen drei bis vier Studienfächer im Jahr evaluiert werden. Der Verbund ist weiterhin offen für die Zusammenarbeit mit anderen Universitäten in einzelnen Evaluationsverfahren. Für Fächer, die nicht an allen Universitäten im Verbund vertreten sind, wird eine Zusammenarbeit mit weiteren niedersächsischen Hochschulen angestrebt.

    3.2 Das Sokrates-Programm

    SOKRATES ist das neue gemeinschaftliche Aktionsprogramm der Europäischen Union für die Zusammenarbeit im Bereich des Bildungswesens. Angenommen am 14. März 1995, erstreckt es sich über den Zeitraum bis zum Ende des Jahres 1999. Das SOKRATES-Programm versteht sich als Reaktion auf den sich fortlaufend weiterentwickelnden Bedarf an Bildungsmaßnahmen, der sich aus dem rasanten technologischen Wandel und der substantiellen Bedeutung der Bildung für die Entfaltung des Individuums ergibt. So soll insbesondere die Mobilität von Studierenden und Lehrkräften gefördert werden, um die Entwicklung einer europäischen Dimension im Bildungswesen voranzutreiben. Hierzu zählen auch die Förderung der akademischen Anerkennung von Studienabschlüssen und Studienzeiten sowie die gemeinsame Entwicklung von Lehrplänen. Das bisherige ERASMUS-Programm, das mit großem Erfolg in der Universität Hamburg durchgeführt wurde, ist nunmehr Bestandteil des SOKRATES-Programms.

    3.2.1 Der Hochschulantrag

    Die Einführung des SOKRATES-Hochschulantrages beinhaltet in erster Linie eine grundlegende Veränderung in der administrativen Abwicklung des Programms. Die in dem Hochschulantrag darzustellende Entwicklung einer "europäischen Strategie" in den Hochschulen stellt sich für die Universität Hamburg eher als eine Fortsetzung denn eine grundsätzliche Neuorientierung ihrer bisherigen Politik im Bereich der internationalen Hochschulbeziehungen dar. Mit Hilfe des SOKRATES-Programms bemüht sich die Universität Hamburg, ihre europäische Strategie in verstärktem Maße fortzuentwickeln und ihr europäisches Profil deutlicher herauszubilden. Der bisherige große Erfolg des ERASMUS-Programms sowie die erweiterten Möglichkeiten des SOKRATES-Programms haben eine große Anzahl von Hochschullehrern und -lehrerinnen der Universität Hamburg veranlaßt, sich nicht nur - wie bisher am ERASMUS-Programm - auch am SOKRATES-Programm zu beteiligen, sondern ihre Aktivitäten erheblich auszuweiten. Daher hat die Universität Hamburg mit 164 Partneruniversitäten bilaterale agreements abgeschlossen und für rund 1.000 Studierende ca. 7.000 Personenmonate Mobilität beantragt. In den Projektbereich der Dozentenmobilität sind mehr als 130 Lehrende eingebunden. Ferner wurden in den Hochschulantrag Projekte aufgenommen, die die Entwicklung von Lehrplänen sowie Intensivprogramme zum Inhalt haben.

    3.2.2 ECTS

    Wie bisher im ERASMUS-Programm, so ist auch im SOKRATES-Programm die Gewährleistung der gegenseitigen akademischen Anerkennung von an anderen Hochschulen erbrachten Studienleistungen die unabdingbare Voraussetzung zur Teilnahme an dem Programm. Das ECTS-System, bei dem es sich um ein quantitatives Verfahren zur Berechung von credit points über erbrachte Studienleistungen handelt, ermöglicht einen mühelosen Transfer zur Anerkennung dieser Leistungen. Bisher wird das ECTS-Verfahren noch in keinem Studiengang der Universität Hamburg praktiziert. Der Akademische Senat hat jedoch festgestellt, daß mittelfristig die Teilnahme der Universität Hamburg am SOKRATES-Programm nun gesichert werden kann, wenn dem ECTS-Verfahren in größeren Bereichen Rechnung getragen wird. Er schlägt daher den Fachbereichen und senatsunmittelbaren Einrichtungen eine Einführung des ECTS-Verfahrens in den Studiengängen vor, in denen Studentenmobilitätsmaßnahmen durchgeführt werden.

    3.3 Aufbaustudium Film

    Das Aufbaustudium Film mit seinen beiden Studienrichtungen Drehbuch und Filmregie (Inszenierungsregie) konnte fachlich um zwei neue Studienrichtungen erweitert werden: Bildregie (Kamera) und Filmproduktion (Produktion und Management). Damit ist ein umfassender Rahmen geschaffen, der angehenden Drehbuchautoren/Regisseuren/Produzenten in der Ausbildung die Arbeit ihrer Kollegen im selben Projekt transparenter macht und näherbringt. In den Studienrichtungen Drehbuch/Regie ist das bisher in hervorragender Weise gelungen. Für den Bereich Bildregie hat der Vorsitzende der Senatskommission für den Aufbaustudiengang Film Drittmittel einwerben können: Die Firma Sony hat zugesichert, für den Zeitraum 1996 - 1998 jährlich 250 TDM zu spenden. Daraus sollen eine Stiftungs-Professur, eine BAT IIa Stelle sowie Sachmittel finanziert werden.

    3.4 Situation der ausländischen Studierenden

    Nach wie vor läßt sich ein Ansteigen der Bewerberzahlen an der Universität Hamburg von ausländischen Studienbewerbern registrieren. Dabei ist festzustellen, daß die Anzahl der Studienbewerbungen aus den mittel- und osteuropäischen Ländern weiter steigt und daß Studienbewerbungen aus überseeischen Staaten leicht rückläufig sind.

    Es waren im Sommersemester 1996 ca. 3.400 und im Wintersemester 1996/97 rund 3.660 ausländische Studierende an der Universität Hamburg eingeschrieben. Die Zahlen befinden sich auf einem hohen Niveau und steigen weiter an. Es mögen verschiedene Gründe dafür eine Rolle spielen. Wichtig erscheint aber hervorzuheben, daß

    1. die Anzahl von sog. Bildungsinländern (ausländische Abiturienten mit in Deutschland erworbenem Sekundarschulabschluß) weiter ansteigt,

    2. die Anzahl der Programmstudierenden aus Austausch- und Mobilitätsprojekten tendenziell weiter steigt,

    3. viele ausländische Studierende eine längere Studienverweildauer anstreben oder realisieren müssen, weil die Studien- und Aufenthaltsbedingungen keinen raschen Studienabschluß ermöglichen.
    Das Jahr 1996 stand auch im Zeichen verschiedener Programme zur Steigerung der Attraktivität deutscher Hochschulen für ausländische Studierende. Vor dem Hintergrund zunehmender Verschlechterungen der Studienbedingungen in Deutschland im internationalen Vergleich wurden sowohl vom DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) als auch vom DSW (Deutsches Studentenwerk) Aktionsprogramme veröffentlicht und in die hochschulpolitische Diskussion eingebracht. Gemeinsames Ziel war jeweils, die Attraktivität für einen Studienaufenthalt für ausländische Studierende außerhalb eines offiziellen Kooperations- oder Austauschprogramms zu erhöhen. Neben den allenthalben bekannten Schwierigkeiten, wie der relativ langen Studienzeit an deutschen Hochschulen und den Problemen mit der Anerkennung deutscher Diplome, standen die häufig auch im europäischen Ausland schon existierenden "Paketlösungen" für Studierende im Vordergrund (Studienplatz, Wohnheimplatz, studentische Betreuung).

    3.5 Tätigkeitsschwerpunkte des Zentrums für Studienberatung und Psychologische Beratung

    Die Angebote des ZSPB wurden im Jahre 1996 von mehr als 33.000 Personen in Anspruch genommen. Diese Nachfrage führte zu einer sehr hohen Auslastung. Diese wird in den nächsten ca. 15 Jahren entsprechend der Prognosen bezüglich des Anstiegs der Zahl der Studienberechtigten um etwa 30 % weiter stark zunehmen.
    Dabei ist zu bedenken, daß sich geplante Sparraten in den Fachbereichen, Umstrukturierungen und eine generelle Verringerung der Zahl der Studienplätze nicht als entsprechende Verringerung des Arbeitsaufkommens des ZSPB im Bereich allgemeiner Studienberatung niederschlagen. Im Gegenteil wächst bei steigenden Schulabgängerzahlen und gleichbleibendem Interesse an Hamburg als Studienort das Bedürfnis nach Information und Beratung, um doch noch einen Studienplatz an der Universität zu erhalten.
    Zu erheblicher Besorgnis hinsichtlich der psychologisch-psychotherapeutischen Versorgung von Studierenden geben aktuelle gesundheitspolitische Entwicklungen Anlaß. Da Kapazitätsgründe einer psychologisch-psychotherapeutischen Versorgung aller Ratsuchenden im ZSPB entgegenstehen, hat sich in langen Jahren der Zusammenarbeit ein funktionierendes Netzwerk für Überweisungen zu ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten/innen entwickelt. Die eingeführte Abschaffung der Möglichkeit von psychologischen Psychotherapeuten, im Kostenerstattungsverfahren mit den Krankenkassen abzurechnen, erschwert die Suche nach freien Therapieplätzen entsprechend einer differenzierten Indikation ungemein, zumal Studierende nicht in der Lage sind, als Alternative zu einer Kassenfinanzierung entsprechende Kosten aus eigenen Mitteln aufzubringen. Angesichts dieser Notlage werden sich Studierende in Zukunft eher noch häufiger um einen Platz innerhalb des psychologisch-psychotherapeutischen Angebots des ZSPB bemühen.

    3.5.1 Allgemeine Studienberatung

    Die letztjährige Beobachtung hat sich bestätigt, nach der sich der beginnende Zuwachs an Studieninteressierten bereits in der Nachfrage nach Beratung abzuzeichnen beginnt. Dabei ist die Auslastung der in ihrem Umfang unverändert gebliebenen täglichen Beratungsangebote in der offenen Sprechstunde bzw. am Telefon bereits jetzt weiterhin hoch. Zur Orientierung: 1996 umfaßte die Auflagenhöhe der den Ratsuchenden innerhalb eines Jahres zur Verfügung gestellten nachgedruckten Informationsmaterialien (Prüfungsordnungen, Studienpläne, Merkblätter) 618 Einheiten mit einem Gesamtseitenumfang von ca. 820.000 Seiten.

    Offene
    Sprechstunde
    telefonische
    Beratung
    Beantwortung
    schriftlicher

    Anfragen
    Beratung in
    Kleingruppen
    Mittelwert
    1991 - 1995
    8400 10.670 12.827 1.226
    1996 7.976 10.180 11.790 1.180
    1996 zu MW
    1991 - 1995
    -5,0% -4,6% -8,1% -3,7%
    1996 zu 1995 +8,3% +1,8% -3,8% +9,5%

    Während der Bewerbungszeiten und aus Anlaß der "Tage der offenen Tür" wurden, wie gewohnt, "Zentrale Informationsveranstaltungen" angeboten. An insgesamt zwei Veranstaltungen zu Fragen der Bewerbung für Studiengänge der ZVS und der Universität Hamburg nahmen 250 Studieninteressierte teil.
    Für 320 Personen erwies sich die Notwendigkeit zu einer weitergehenden, diferenzierten Einzelberatung. Das Angebot einer "Abendsprechstunde für Berufstätige" an unserem wöchentlichen Dienstleistungsabend wurde von 232 Ratsuchenden in Anspruch genommen.

    In Zusammenarbeit mit Prüfungsämtern und Prüfungsausschüssen wurden im Rahmen allgemeiner Studienberatung und psychologischer Beratung/Psychotherapie 31 gutachterliche Stellungnahmen abgegeben. Die auch in diesem Jahr zu verzeichnende stetige Zunahme dieser Maßnahmen liegt darin begründet, daß zunehmend in Studiengängen Zeitbegrenzungen eingeführt werden, innerhalb derer Prüfungen abgelegt werden müssen.

    Das ZSPB leistete ferner seinen regelmäßigen Beitrag zu Konzeption und Organisation der zu Beginn jeden Semesters stattfindenden Semestereröffnungsveranstaltungen.

    Im Rahmen der Präsenz der Universität Hamburg im INTERNET wurde das Informationsangebot und die Erreichbarkeit des ZSPB weiter ausgebaut. Alle Merkblätter des ZSPB sind bereits jetzt in der jeweils aktuellen Version abrufbar. In zunehmendem Maße werden schriftliche Information und Beratung per e-mail angefordert.
    Das Vorhaben, Ratsuchenden den Zugang zu einer umfassenden und anwenderfreundlichen Informationsdatenbank des ZSPB zu ermöglichen, muß jedoch langfristig angelegt werden und erfordert besonderen personellen und zeitlichen Aufwand bezüglich der Entwicklung und Pflege eines solchen Serviceangebots.

    3.5.2 Psychologische Beratung und Psychotherapie

    Noch nie wurde dieses Angebot, welches sich an die Studierenden der Hamburger Hochschulen (außer Fachhochschule) richtet, so stark in Anspruch genommen wie im Jahr 1996. Da die Angebotskapazität der Mitarbeiter/innen des ZSPB begrenzt ist, ergibt sich immer häufiger die Notwendigkeit einer Überweisung, sofern eine weitergehende Psychotherapie indiziert ist. Angesichts des andauernden Konflikts um die Regelungen eines Psychotherapeutengesetzes und der sich daraus ergebenden Engpässe in der psychotherapeutischen Versorgung durch die Abschaffung des Kostenerstattungsverfahrens, gestaltet sich die Suche nach geeigneten Psychotherapieplätzen für Studierende zunehmend schwierig und zeitaufwendig.

    Neuanmeldungen Kl. in Beratung/
    Psychotherapie
    Mittelwert 1991 - 1995 358 478
    1996 399 513
    1996 zu MW
    1991 - 1995
    + 11,5% + 7,3%
    1996 zu 1995 + 3,4% - 1,0%

    Ca. drei Viertel der abgeschlossenen psychologischen/psychotherapeutischen Maßnahmen umfaßten bis zu sechs Gespräche, nach denen entweder ein für die Ratsuchenden befriedigender Abschluß gefunden worden war oder eine individuell geeignete Hilfe außerhalb des ZSPB vermittelt werden konnte.
    Die psychologische/psychotherapeutisch tätigen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind mit Angebot und Weiterentwicklung hochschulspezifischer Beratungs- und Psychotherapieformen sowohl im Einzel- als auch im Gruppenrahmen befaßt.

    Auch der psychologische Notdienst des ZSPB, innerhalb dessen tagsüber ein/e Mitarbeiter/in für Ratsuchende in einer akuten Krisensituation zur Verfügung steht, wurde häufiger als je zuvor - und zwar von 60 Personen - in Anspruch genommen.

    3.5.3 Themenzentrierte Seminar- und Workshopangebote

    Sowohl die semesterweise wiederkehrenden, als auch neu eingeführte Themenzentrierte Gruppenangebote werden immer stärker nachgefragt. Die Veranstaltungen finden als Kompaktseminare während einer Woche oder an den Wochenenden statt, oder sind zeitlich verteilt über eine begrenzte Zahl von Wochen.

    213 Studierende aus allen Fachbereichen nahmen an 18 Gruppenangeboten teil. Dabei überstieg die Nachfrage wiederum bei weitem die Zahl der verfügbaren Plätze.

    Wie in den Vorjahren sind mehr als die Hälfte der Teilnehmenden ältere Studierende (älter als 28 Jahre) und Studierende im höheren Fachsemester (9. Fachsem. und mehr). Weibliche Studierende sind deutlich überrepräsentiert. Entsprechend den Folgerungen aus einer früheren Studie über die unterschiedliche Ansprechbarkeit von Studierenden verschiedener Fachbereiche erreichen diese Gruppenangebote auch jene Ratsuchenden (z. B. Studierende der Rechtswissenschaft), die bisher an ZSPB unterrepräsentiert waren.
    Der wesentliche Zugang zu den themenzentrierten Gruppen erfolgte durch Selbstzuweisung, unabhängig von anderen Kontakten zum ZSPB. Ca. zwei Drittel der Teilnehmenden wurden über Plakate und Handzettel erreicht.

    3.5.4 Weitere Tätigkeitsbereiche und aktuelle Entwicklungen

    - Hochschulzugang für Berufstätige gem. § 31 a HmbHG

    574 Personen wandten sich im Rahmen ihres Wunsches, ein Studium ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung beginnen zu wollen, an das ZSPB. Offensichtlich besteht weiterhin ein deutliches, wenn auch - bezogen auf die Zahl der Anfragen - abnehmendes Interesse an dieser Form eines Hochschulzugangs. Die Zahl der Interessierten, die sich an das ZSPB zur Information und Beratung gewendet haben, übersteigt jedoch die Zahl derer, die sich 1996 tatsächlich beworben haben, um ca. das Zehnfache. Über den bestehenden Beratungsrahmen hinaus war es notwendig, für ca. zwei Drittel dieser Studieninteressierten ein gesondertes Beratungsangebot an Einzelberatung in unterschiedlicher Form vorzuhalten. Im Zusammenhang mit der Vorbereitung von Interessenten auf die Prüfung nach § 31a fanden Gespräche auch mit der Handwerkskammer Hamburg statt.

    - Frauen an der Universität

    Die Kooperation mit der Arbeitsstelle Frauenförderung sowie mit der Koordinationsstelle Frauenforschung/Frauenstudien wurde fortgesetzt. Mit Hilfe von Lehrauftragsmitteln war es auch 1996 möglich, externe Expertinnen für zusätzliche themenkonzentrierte Gruppenangebote zu gewinnen, die der spezifischen Situation von Studentinnen Rechnung trugen: "Screibstöhrungen (Schreibseminar für Frauen); "Let's talk about jobs (Lebens- u. Berufsplanung für Studentinnen u. Absolventinnen"). Im Rahmen der Förderung von Studentinnen wurde die Zusammenarbeit mit entsprechenden Organisationen und Einrichtungen außerhalb der Universität (Expertinnen-beratungsnetz, "Frau und Arbeit", Akademikerinnenbund, Arbeitsgemeinschaft für Studienberatung in Deutschland) weiterentwickelt.
    Auf studentische Anfrage steht eine Mitarbeiterin des ZSPB der neugegründeten Frauenberatungsstelle des AStA zu Supervisionszwecken zur Verfügung.

    - Behinderte Studieninteressierte und Studierende

    Es besteht eine zuverlässige Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen mit der Beratung von behinderten Studieninteressierten und Studierenden befaßten Einrichtungen (mit der Behindertenbeauftragten des Akademischen Senats, der Sozialberatung des Studentenwerks, der Interessengemeinschaft behinderter und nichtbehinderter Studierender und dem ZSPB). Ein Vertreter des ZSPB ist Mitglied der Kommission zur Integration behinderter Studierender an der Universität Hamburg.
    In den Sprechstunden für Behinderte des ZSPB wurden 48 Personen beraten. Diese Beratung umfaßt neben der schriftlichen, telefonischen und psychologischen Beratung auch notwendige gutachterliche Stellungnahmen.
    Nach studentischer Anfrage steht ein Mitarbeiter des ZSPB der Interessengemeinschaft behinderter und nichtbehinderter Studierender zu Supervisionszwecken zur Verfügung.

    - Zusammenarbeit mit den Fachbereichen

    Es besteht eine unterschiedlich enge Zusammenarbeit zwischen dem ZSPB und der Studienfachberatung. Die Mitarbeiter/innen des ZSPB sind bemüht, diese Zusammenarbeit durch Kontakte, Gespräche und Kooperation auf unterschiedlichster Ebene weiter zu verbessern. (s. a. 4.5).
    Angesichts der aktuellen Präsenz des ZSPB im Internet wurde auf eine Neuauflage der Materialien zur Studienberatung (Beratungsordner) verzichtet. Bereits jetzt ist es den Fachberatern/innen möglich, an ihrem Arbeitsplatz aktuelle Informationen zur Studienberatung aus der Informationsdatenbank des ZSPB abzurufen.

    Zur Verbesserung der Zusammenarbeit und der gegenseitigen Information ist seitens des ZSPB der Wunsch an die Fachbereichsplaner gerichtet worden, als Gast zu deren regelmäßigen Konferenzen eingeladen zu werden.
    Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ZSPB wurden auch 1996 von Lehrenden der Hochschulen in Fragen psychologischer Hilfe und Supervision von Lehrtätigkeit konsultiert. Auch studentische Initiativen und Arbeitsgruppen richteten Einladungen und Bitten um Unterstützung an das ZSPB.
    Eine enge fachliche Zusammenarbeit besteht mit dem Fachbereich 16 (Psychologie). Am ZSPB leisten regelmäßig Studierende der Psychologie ihr Berufspraktikum ab. Bei der Durchführung gemeinsamer Lehraufträge wird die Arbeitsstelle für Frauenförderung und das ZSPB durch den FB 16 organisatorisch unterstützt.

    - Zusammenarbeit mit den regionalen Arbeitsämtern

    Zur Koordination der Beratung zum Studienausgang besteht eine ständige Arbeitsgruppe in Zusammenarbeit mit dem IZHD und dem Hochschulkoordinator des Arbeitsamtes.
    Auf der Grundlage der Rahmenvereinbarung zwischen der Hochschulrektorenkonferenz und der Bundesanstalt für Arbeit findet ein regelmäßiger Austausch von Informationsmaterialien statt.
    Das gemeinsam mit der Berufsberatung des Arbeitsamtes modellhaft entworfene Konzept eines orientierenden Seminars für das Hauptstudium, welches erstmalig im Sommersemester 1996 im Fachbereich 05 (Philosophie und Sozialwissenschaften) erprobt werden sollte, stieß auf Realisierungsschwierigkeiten. Die Initiative wird zukünftig für die FB 7 - 10 angeboten und in die Veranstaltungsreihe "Studium und Beruf für Geisteswissenschaftler/innen" integriert. Die regelmäßige Veranstaltungsreihe "Studiengänge im Vergleich" für Studieninteressierte wird gemeinsam vom Landesarbeitsamt Hamburg und den Studienberatungseinrichtungen der Hamburger Hochschulen durchgeführt.

    - Zusammenarbeit mit Schulen

    Das ZSPB verfolgt weiter die Konzeption, die Studieninteressierten über die Lehrenden an Schulen frühzeitig mit den Beratungsangeboten des ZSPB vertraut zu machen und ihnen eine Nutzung im Rahmen der Universität anzubieten (Multiplikatorenprojekt).
    Die bewährte Zusammenarbeit zwischen den Schulkreisen Stormarn, Herzogtum Lauenburg und dem zuständigen Arbeitsamt Bad Oldesloe wurde mit einer Veranstaltung zum Thema "Studierfähigkeit" fortgesetzt.
    Zur Auswertung der bisherigen Zusammenarbeit zwischen Bundesanstalt für Arbeit, HRK und KMK auf der Grundlage der gemeinsamen Empfehlung von 1992 wurde eine regionale Arbeitsgruppe gebildet. An dieser nahmen Vertreter des Landesarbeitsamtes, der Beratungseinrichtungen Hamburger Hochschulen und der Schulbehörde teil. Der von dieser Arbeitsgruppe vorgelegte Bericht hebt die positive Entwicklung der Zusammenarbeit in den letzten Jahren hervor und verweist auf Möglichkeiten der Entwicklung gemeinsamer Angebote zur Information und Beratung in den Statuspassagen "Schule - Hochschule" und "Hochschule - Beruf".
    Zur Initiierung eines entsprechenden Modellprojekts hat das ZSPB einen Antrag auf Förderung für zwei Jahre im Rahmen des Hochschulsonderprogramms III gestellt.

    - Überregionale und internationale Kooperationen

    In Erfüllung seiner Aufgaben ist das ZSPB als Einrichtung bzw. durch einzelne Mitglieder in verschiedenen überregionalen und internationalen Organisationen vertreten. Es bestehen vielfältige, nationale und internationale Kontakte zu Beratungseinrichtungen anderer Hochschulen. Kooperation in Form eines Austausches von Beratungsveranstaltungen, bzw. und Mitarbeiterfortbildungen mit der GHS Kassel und der Universität Bielefeld haben stattgefunden.

    Ein Vertreter des ZSPB ist Mitglied der ständigen Arbeitsgruppe "Beratung und Gesundheit" des Deutschen Studentenwerks.

    Die Landesarbeitsgemeinschaft für Studienberatung hat ihre Arbeit fortgesetzt. An ihr nehmen neben dem ZSPB regelmäßig die Beratungseinrichtungen der Technischen Universität, der Fachhochschule und des Fernstudienzentrums der FU Hagen teil. Die Abstimmung zwischen den beteiligten Hochschulen, die gemeinsame Planung und Durchführung von Projekten, die Zusammenarbeit mit Einrichtungen außerhalb der Hochschulen sowie Aufgaben als regionale Vertretung der Bundesarbeitsgemeinschaft für Studienberatung bilden die Schwerpunkte dieses Zusammenschlusses.

    Es bestehen ständige Kontakte zu den kirchlichen Hochschulgemeinden.

    Im Rahmen der FEDORA (Forum Européen de l'Orientation Académique), einer europäischen Organisation für Beratung an Hochschulen, ist das ZSPB durch den Leiter in der ständigen Arbeitsgruppe "Psychologische Beratung/Psychotherapie" vertreten.
    Eine Vertreterin des ZSPB nahm an der HRK/FEDORA Tagung "Hochschulabsolventen für den Europäischen Markt" in Rostock teil. Im Zusammenhang mit der Entwicklung der psychologischen Studienberatung an Hochschulen der EU wurde der Leiter des ZSPB zu Tagungen an den Universitäten Sussex (GB) und Coimbra (P) eingeladen.

    3.6. Vergabe des Fischer-Appelt-Preises

    Der Fischer-Appelt-Preis des Jahres 1996 wurde an zwei Lehrende des Fachbereichs Medizin verliehen. Ausgezeichnet wurden Professor Dr. rer. nat. Hans-Peter Beck-Bornholdt vom Institut für Biophysik und Strahlenbiologie und Dr. rer. nat. Hans-Hermann Dubben von der Radiologischen Klinik für ihre gemeinsame, seit mehreren Semestern im Universitätskrankenhaus Eppendorf abgehaltene fakultative Lehrveranstaltung "Vom Irrtum zum Lehrsatz: Lesen und Bewerten wissenschaftlicher Arbeiten in der Medizin".

    Das Preiskomitee hatte dem Präsidenten diese Lehrveranstaltung zur Auszeichnung empfohlen, weil hier in beispielhafter Weise das in der Vergaberichtlinie als Kriterium benannte entdeckende Lernen auf der Ebene der Studierenden gestaltet wird. Wenngleich ein ausgearbeitetes Scriptum vorliegt, werden die Studierenden im Verlauf der Veranstaltung immer aufs neue veranlaßt, sich durch aktive Mitarbeit an der Untersuchung vieler Beispiele einen kritischen, selbständigen Umgang mit Statistiken und mit allen auf Zahlen gestützten Argumentationen anzueignen. Dabei sorgt die Vielseitigkeit und Anschaulichkeit des Lehrstoffs, in dem ebenso politisch aktuelle wie auch amüsante Beispiele verarbeitet werden, für zusätzliche Motivation.

    3.7. Weiterbildendes Studium "Buddhismus in Geschichte und Gegenwart".

    Im Wintersemester 1996/97 begann der erste Teil des zweisemestrigen weiterbildenden Studiums "Buddhismus in Geschichte und Gegenwart". Dieses Kontaktstudium wird vom Fachbereich Orientalistik verantwortet und in Zusammenarbeit mit dem Tibetischen Zentrum e. V. sowie der Buddhistischen Gesellschaft Hamburg e. V. von der Arbeitsstelle für Wissenschaftliche Weiterbildung der Universität Hamburg veranstaltet. Verantwortliche Hochschullehrer sind Prof. Schmithausen vom Institut für Kultur und Geschichte Indiens und Tibets (für den Inhalt) und Prof. Glashoff von Unitrain e. V., dem Verein für wissenschaftliche Weiterbildung (für die Organisation).

    Im weiterbildenen Studium "Buddhismus" wird eine Einführung in die vielfältigen Aspekte des Buddhismus aus geschichtlicher, philosophischer und praktischer Sicht gegeben. Dabei liegen die Schwerpunkte zum einen im Verständnis der Lehre und zum anderen auf den unterschiedlichen Ausprägungen einer 2500 Jahre alten Religion bzw. Philosophie in ganz verschiedenartigen Kulturkreisen. Die Abfolge der Studieneinheiten ergibt eine lebendige Mischung aus praxisbezogenen und aktuellen Themen auf dem Hintergrund der Entwicklungsgeschichte der buddhistischen Lehre.

    Als Referenten konnten viele Hochschullehrer des Fachbereichs Orientalistik sowie eine Anzahl renommierter auswärtiger Wissenschaftler gewonnen werden. Dies war auch deshalb möglich, weil das weiterbildende Studium kostenpflichtig ist und der Verein für wissenschaftliche Weiterbildung e. V. (Unitrain) eine Deckungszusage für die entstehenden Reisekosten gegeben hat.

    Das Weiterbildende Studium ist auf großes Interesse gestoßen. Es haben sich ca. 50 Teilnehmer für das erste Semester angemeldet. Dabei handelt es sich z. B. um Lehrer, Theologen, Sozialwissenschaftler, die - nach abgeschlossenem Erststudium und/oder Berufstätigkeit - das Thema "Buddhismus" ergänzend studieren.

    Das Grundkonzept, nämlich die enge Kooperation zwischen Wissenschaftlern der Universität und "Praktikern" der buddhistischen Lehre wird von allen Beteiligten als ein fruchtbarer Weg angesehen, ein Verständnis für die fundamentalen Aspekte des Buddhismus zu wecken.

    3.8. Kooperation mit der Open University Großbritannien

    Die zentrale Einrichtung der Universität für die Weiterbildung und das Fernstudium, die Arbeitsstelle für wissenschaftliche Weiterbildung, ist gegenwärtig im Verbund mit den Fernstudieneinrichtungen der Universitäten in Bremen, Hildesheim, Lüneburg und Oldenburg dabei, sich auch als Europäisches Fernstudienzentrum zu etablieren. Ziel der Bemühungen ist es, u. a. die Studienangebote von Fern- und Offenen Universitäten anderer europäischer Länder für Interessenten aus Norddeutschland verfügbar zu machen. Die britisiche Open University (OU) bietet seit 1992 ihr Studium auch Personen an, die keine britische Staatsangehörigkeit besitzen und in Deutschland leben. Um die Qualität des Studiums zu sichern, ist die OU dabei für die Beratung und Betreuung der Studierenden auf eigenes Personal oder auf Kooperationspartner vor Ort angewiesen.

    Die OU wurde im Jahre 1969 in Großbritannien gegründet und ist heute mit ca. 200.000 Studierenden die größte Fernuniversität Europas. Das Fächerspektrum umfaßt Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften, Naturwissenschaften, Mathematik, Informatik, Technologie sowie Umweltwissenschaften. Neben den Bachelor - Abschlüssen gibt es auch eine Reihe von Master-Studiengängen, insbesondere seien hier der MBA oder MA in Mathematik oder Geisteswisseschaften genannt. Alle Kurse sind in englischer Sprache verfaßt und setzen eine hohe Sprachkompetenz voraus. Zu vielen Kursen gehören einwöchige Präsenzphasen, die in der Regel in England durchgeführt werden. Fachliche Unterstützung erhalten die Studierenden durch einen persönlichen Tutor, der auch die schriftlichen Hausarbeiten korrigiert und bewertet. Für ein abschlußorientiertes Studium an der OU ist keine Hochschulzugangsberechtigung erforderlich.

    1993 fand in Cambridge ein erstes Treffen zwischen Vertretern deutscher Fernstudienzentren und Mitarbeitern der Open University statt. Im März 1996 wurde die seitdem erfolgte Zusammenarbeit duch einen Kooperationsvertrag zwischen der Universität Hamburg und der Open University auch formal bestätigt. In diesem Vertrag kommen die beiden Universitäten überein, bei der Betreuung und Beratung von Interessenten und Studierenden der Open University, die im norddeutschen Raum leben, zusammenzuarbeiten.

    Das Fernstudienzentrum hält neben den aktuellen Informationsbroschüren eine Reihe von Kursmaterialien, Videos und Audiokassetten sowie für sämtliche Kurse der OU ausführliche Kursbeschreibungen vor. Alle Materialien stehen Interessenten und Studierenden zur Einsicht zur Verfügung. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die vom Fernstudienzentrum betreuten Studierenden. Etwa 20 % der Studierenden sind Deutsche bzw. Nichtmuttersprachler.

    1995 1996 1997 *
    Hamburg und Umgebung 20 35 43
    Berlin 9 29 30
    sonstige 16 26 36
    Summe 45 90 109

    * Stand 10.01.1997. Nachmeldungen erfolgen noch bis Mitte März 97

    Das Einzugsgebiet reicht von Flensburg bis etwa Kassel. Südlich hiervon werden Interessenten und Studierende von Koordinatoren der OU betreut.

    1996 wurden insgesamt drei Informationsveranstaltungen (Open Days) im Fernstudienzentrum durchgeführt. Etwa 100 Interessenten haben diese Veranstaltungen besucht. Darüber hinaus ist das Fernstudienangebot anläßlich des British Day in Hamburg besonders präsentiert worden.

    Anfang 1996 fand zum ersten Mal ein Studienvorbereitungswochenende für neueingeschriebene Studierende aus Deutschland in der europäischen Akademie Bad Bevensen statt. Die Konzeption ist in Zusammenarbeit mit dem Fernstudienzentrum Lüneburg und der Open University entwickelt worden. Seit Ende 1996 steht auch eine Internetversion dieses Vorbereitungsprogramms zur Verfügung (http://ntriu-nt.open.ac.uk/PrepDay5).

    Etwa 40 Studierende nutzten im Juni das "Course choice meeting" im Fernstudienzentrum, um sich über die 1997 angebotenen Kurse zu informieren bzw. eventuell Absprachen mit KommilitonInnen über die Belegung gleicher Kurse zu treffen. Zu diesem Treffen war hauptamtliches Personal der OU präsent.

    Im Oktober 1996 wurden zu 241 Kursen die Jahresabschlußklausuren über einen Zeitraum von 14 Tagen in den Räumen des Fernstudienzentrums geschrieben. Insgesamt nahmen 42 Studierende an den jeweils dreistündigen Klausuren teil, die weltweit zur gleichen Zeit angeboten werden. In den drei zurückliegenden Jahren nahm ein wesentlich kleinerer Prozentsatz der Studierenden an den Klausuren teil, d. h. der Anteil derjenigen, die abschlußorientiert studieren, nimmt zu.

    4. FORSCHUNG UND FÖRDERUNG DES WISSENSCHAFTLICHEN NACHWUCHSES

    4.1 Begutachtung/Bewilligung neuer Sonderforschungsbereiche

    Am 31.12.1996 sind die bisher an der Universität Hamburg angesiedelten Sonderforschungsbereiche, der SFB 232 - Funktion und Defekte von Rezeptorsystemen - und der SFB 318 - Klimarelevante Prozesse im System Ozean-Atmosphäre-Kryosphäre -) nach mehr als 10jähriger Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft ausgelaufen. Gleichzeitig hat es im Berichtszeitraum erfolgreiche Initiativen zur Einrichtung neuer Sonderforschungsbereiche gegeben, so daß gute Aussicht besteht, erstmals wieder an die beträchtliche Anzahl DFG-geförderter Sonderforschungsbereiche um die Mitte der siebziger Jahre anzuknüpfen.

    Im August ist der SFB 470 - Glycostrukturen in Biosystemen-Darstellung und Wirkung - begutachtet und zur Förderung ab 01.01.1997 empfohlen worden. Die DFG hat Anfang Dezember eine entsprechende Bewilligungsentscheidung getroffen und beschlossen, für den SFB in der ersten Förderperiode eine Ergänzungsausstattung in Höhe von 2,7 Mio. DM (1997), 2,2 Mio. DM (1998) und 2,2 Mio. DM (1999) zur Verfügung zu stellen. An dem SFB sind die Fachbereiche Chemie, Medizin und Biologie der Universität Hamburg, das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, das Forschungszentrum Borstel und die Medizinische Universität Lübeck beteiligt.

    Im Oktober und Dezember hat die DFG zwei weitere Anträge auf Einrichtung neuer Sonderforschungsbereiche an der Universität Hamburg begutachtet und eine Förderempfehlung ausgesprochen. Es handelt sich um den

      - SFB 1615 - Molekulare Mechanismen genetisch bedingter Erkrankungen -, der vom Fachbereich Medizin in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Molekulare Neurobiologie, dem Heinrich-Pette-Institut für Experimentelle Virologie und Immunologie und dem Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin getragen wird, und den

      - SFB 1630 - Grundlagen neuraler Kommunikation und Signalverarbei-tung -, an dem neben dem Zentrum für Molekulare Neurobiologie verschiedene Institute und Kliniken des Fachbereichs Medizin und die Max-Planck-Arbeitsgruppen für strukturelle Molekularbiologie beteiligt sind.

    Ein weiterer Sonderforschungsbereich befindet sich im Antragsstadium. Es handelt sich um den

      - SFB 1641 - Quantenmaterialien-laterale und hybride Strukturen -, der vom Fachbereich Physik unter Beteiligung des Fachbereichs Chemie und des Hamburger Synchrotronstrahlungs Labors getragen wird.

    In der Phase der Vorbegutachtung bzw. der Ausarbeitung eines Antrages befinden sich schließlich zwei weitere Sonderforschungsbereichsinitiativen darunter nach mehr als 20 Jahren erstmals wieder ein SFB mit geisteswissenschaftlicher Thematik. Es sind dies der

    4.2 Schwerpunkte Drittmittelforschung

    Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Fachbereiche Physik, Chemie, Biologie und Geowissenschaften konnten auch im Jahre 1996 erhebliche Erfolge bei der Einwerbung von Drittmitteln insbesondere des Bundesministeriums für Forschung, Bildung, Wissenschaft und Technologie sowie der Deutschen Bundesstiftung Umwelt verzeichnen. Auf den Gebieten der Nanostrukturforschung, der Hochenergiephysik, der Glycopeptidforschung, der Biotechnologie, der Erforschung mikrobieller Aktivitäten in Bergbaualtlasten, der Ökosystemforschung im limnischen Bereich, der biogeochemischen Untersuchung von Partikelflüssen und der Troposphärenforschung sind neun Drittmittelprojekte mit einem Gesamtvolumen von rund 14.6 Mio. DM und einer Laufzeit von jeweils drei Jahren eingeworben worden. Alle Projekte lassen sich entsprechenden Schwerpunktaktivitäten in den Fachbereichen zuordnen. Alle Projekte lassen sich entsprechenen Schwerpunktaktivitäten in den Fachbereichen zuordnen; sie sind ein klarer Beleg für die dort vorhandene wissenschaftliche Kompetenz. Die Ergänzungsausstattung der einzelnen Vorhaben liegt zwischen 1,0 und 2,0 Mio. DM. Die Mittel dienen vorwiegend der Beschäftigung von wissenschaftlichem Personal, daneben auch der Finanzierung von sächlichen und investiven Maßnahmen.

    4.2.1 EU-Forschungsförderung

    Im Jahr 1996 wurden an der Universität Hamburg insgesamt 72 Forschungsprojekte durchgeführt, die überwiegend durch die Europäische Union finanziert wurden. Das Gesamtvolumen der finanziellen Zuwendung der EU für diese Projekte belief sich auf 11.175.353 ECU (= ca. 20 Mio. DM), wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß die meisten Projekte eine mehrjährige Laufzeit haben und daher nicht die gesamte Summe im Berichtszeitraum zugewiesen wurde.

    Wie bereits in der Vergangenheit, lag der Schwerpunkt in den Bereichen Meereswissenschaften (MAST-Programm, 18 Projekte, Gesamtvolumen ca. 3,5 Mio. ECU), Agrar-, Fischerei- und Umweltwissenschaften (Programme AIR und ENVIRONMENT; zusammen 19 Projekte, Gesamtvolumen ca. 3,6 Mio. ECU) sowie im Bereich der Ausbildung und Mobilität von Wissenschaftlern (Programmen HCM und TMR, 18 Projekte, Gesamtvolumen ca. 1,5 Mio. ECU).

    Bei den 72 Forschungsprojekten handelt es sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, jeweils um internationale (d. h. europäische) Verbundvorhaben, die jeweils von einer der beteiligten Einrichtungen koordiniert, d h. verantwortlich geleitet werden. 13 der 72 Projekte wurden von der Universität Hamburg koordiniert, während britische Einrichtungen in 22, französische in 11, niederländische in 7, andere deutsche in 4 sowie belgische, italienische und dänische Einrichtungen in jeweils drei Fällen die Aufgaben der Koordinierung übernahmen.

    4.3 Graduiertenkollegs

    Zu Beginn des Jahres 1996 haben folgende Graduiertenkollegs ihre Arbeit aufgenommen:

      Neurale Signaltransduktion und deren pathologische Störungen
      Sprecherin: Prof. Dr. Chica Schaller, FB 04
      01.01.1996 - 31.12.1998

      Physik nanostrukturierter Festkörper
      Sprecher: Prof. Dr. Heinrich Heyszenau, FB 12
      01.02.1996 - 31.01.1999

    Ein neues Graduiertenkolleg wurde von der DFG bewilligt, das zum 01.03.1997 eingerichtet wird:

      Molekulare Endokrinologie - Molekularer Stoffwechsel
      Sprecher: Prof. Dr. Hans-Joachim Seitz, FB 04
      01.03.1997 - 29.02.2000

    Von den seit 1990 an der Universität Hamburg bestehenden, nunmehr neun Graduiertenkollegs wurden die fünf Fortsetzungsanträge von 1995 zur Weiterförderung für drei Jahre bewilligt, und zwar nach Fachbereichen geordnet:

      Griechische und Byzantinische Textüberlieferung
      Sprecher: Prof. Dr. Dieter Harlfinger, FB 08
      01.01.1997 - 31.12.1999

      Politische Ikonographie
      Sprecher: Prof. Dr. Wolfgang Kemp, FB 09
      01.10.1996 - 30.09.1999

      Theoretische Elementarteilchenphysik
      Sprecher: Prof. Dr. Klaus Fredenhagen, FB 12
      01.10.1996 - 30.09.1999

      Integrationsforschung
      Sprecher: Prof. Dr. Peter Behrens, FB 17
      01.10.1996 - 30.09.1999

      Kognitionswissenschaft
      Sprecher: Prof. Dr. Christopher Habel, FB 18
      01.10.1996 - 30.09.1999

    Einen Fortsetzungsantrag gestellt hat das Graduiertenkolleg

      Ästhetische Bildung
      Sprecher: Prof. Dr. Gunter Otto, FB 06
      (Förderung bis 30.06.1997)

    Hierüber sowie über zwei weitere Neuanträge auf Einrichtung von Graduiertenkollegs mit den Themen

      Recht und Ökonomik - Neue Formen privatwirtschaftlicher Kooperation und zivilrechtlicher Haftung,
      FB 17

      Knochensubstanz und Strukturverlust - Integration von Klinik, Biomechanik, Zellfunktion und Therapie,
      FB 04

    wird voraussichtlich am 15.04.1997 auf der 14. Sitzung des Bewilligungsausschusses der DFG entschieden werden.

    Insgesamt wurden 1996 im Rahmen von Graduiertenkollegs 102 Doktoranden und 11 Postdoktoranden gefördert. Zur Finanzierung der Graduiertenkollegs hat die DFG der Universität im Jahr 1996 rund 3 Mio. DM zugewendet, als Landesanteil hat die Freie und Hansestadt Hamburg weitere ca. 1 Mio. DM aus dem Haushalt zur Verfügung gestellt.

    4.4 Doktorandenförderung

    Nach dem Hamburgischen Gesetz zur Förderung des wissenschaftlichen und künstlerischen Nachwuchses (HmbNFG) werden seit 1985 Stipendien an besonders qualifizierte Doktorandinnen und Doktoranden vergeben. Das Stipendium beträgt monatlich DM 1.200,00, die Familienzulage DM 300,00. Die Förderung soll spätestens ein Jahr nach Abschluß des Hochschulstudiums beginnen. Die Dauer der Förderung beträgt beim Grundstipendium bis zu zwei Jahren, beim Abschlußstipendium bis zu einem Jahr.

    Für das Jahr 1996 wurden insgesamt 183 Förderanträge eingereicht, 129 Anträge auf ein Grundstipendium, 18 Anträge auf ein Abschlußstipendium und 36 Anträge auf eine Verlängerung des Grundstipendiums um ein zweites Jahr. Bewilligt wurden 84 Stipendien, und zwar 41 Grundstipendien, 9 Abschlußstipen und 34 Verlängerungsanträge. 36 geförderte Dissertationen wurden abgeschlossen. Davon erhielten drei Doktorarbeiten das Prädikat "ausgezeichnet", 31 "sehr gut" und zwei "gut". Das Durchschnittsalter betrug bei Abschluß 32 Jahre.

    Darüber hinaus wurden ein Aby-Warburg-Stipendium in London gewährt mit monatlich DM 1.700,00 und ein Stipendium am Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München mit monatlich DM 1.500,00.

    Der Druck von 26 Dissertationen wurde durch einen Druckkostenzuschuß gefördert. Kraft der neuen Richtlinie für die Zahlung von Druckkostenzuschüssen vom 01.02.1996 ist der Druckkostenzuschuß in Höhe von bis zu DM 2.000,00, in Ausnahmen bis zu DM 3.000,00, nicht mehr zurückzuzahlen. Es muß jedoch ein Eigenanteil von mindestens DM 1.500,00 übernommen werden. Der Druckkostenzuschuß wird nur gewährt, wenn Netto-Einkommen und Vermögen des Antragstellers einen jährlichen Betrag von DM 15.000,00 bei Ledigen oder DM 24.000,00 bei Verheirateten nicht übersteigen.

    4.5 Postdoktorandenförderung

    Im Rahmen des Postdoktorandenprogramms der DFG werden promovierte junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gefördert, die sich durch die Qualität ihrer Promotion als besonders befähigt ausgewiesen haben. Die Förderung soll ihnen ermöglichen, in der Regel unmittelbar nach der Promotion bis zu zwei Jahren ein Forschungsprojekt zu bearbeiten und sich dadurch für eine künftige Tätigkeit auch außerhalb der Hochschulen weiterzuqualifizieren. Das Stipendium beträgt monatlich DM 2.440,00. Habilitandinnen und Habilitanden werden in diesem Programm nicht gefördert.

    Aufgrund des Anfang 1996 von der DFG geänderten Antragsverfahrens für Postdoktorandenförderung werden Bewerbungen nicht mehr über die Universität, sondern direkt bei der DFG eingereicht. Drei von den 12 im Jahr 1995 gestellten Anträge wurden von der DFG bewilligt. Die Stipendien wurden für Forschungsaufenthalte in den USA, auf den Philippinen und in England vergeben. Die Titel dieser Projekte werden im Jahresbericht der DFG veröffentlicht.

    4.6 Nutzung des Internet für den Forschungsbericht 1994 - 1996

    Zur Steigerung der Effizienz (Vermeidung von Doppelarbeit, Beschleunigung des Verfahrens, Werbung für das Internet als Intranet zur Optimierung von Verwaltungsaufgaben) hat die Arbeitsstelle für Wissens- und Technologietransfer (AWiTT) ein Verfahren entwickelt, das es Wissenschaftlern erstmals erlaubt, die Daten zu ihren Forschungsprojekten via elektronischem Formular über das Internet an die AWiTT zu schicken. Über eine neue Schnittstelle können die Daten anschließend direkt in das universitäre Forschungsinformationssystem (UNIFORDAT) überführt werden. Analog wurden Formulare für den Institutsforschungsbericht sowie für Dissertationsvorhaben bereitgestellt. Aus Gründen des Datenschutzes wurde in diesem ersten Schritt auf die Möglichkeit verzichtet, bereits vorhandene Daten aktualisieren zu können. Diese Entwicklung hin zu einem interaktiven Forschungsinformationssystem ist jedoch mittelfristig geplant. Derzeit wird an einer Retrievaloberfläche für das WWW gearbeitet, die die Daten des universitären Forschungsinformationssystems der Öffentlichkeit in übersichtlicher Form bereitstellen soll.

    4.7 Wissens- und Technologietransfer

    Der Akademische Senat hat auf seiner 510. Sitzung am 11.01.1996 die Einführung einer Technologietransferpauschale zur Finanzierung von zentralen Aufgaben des Wissens- und Technologietransfers an der Universität Hamburg beschlossen. Sie beträgt 5 % der Projektsumme und betrifft alle Projekte des Wissens- und Technologietransfers mit einem Projektvolumen von DM 1.000,-- und mehr. Diese Maßnahme tritt am 01.07.1996 in Kraft.

    Die über die Technologietransferpauschale eingenommenen Mittel werden einem zentralen Titel der Universität zur Erledigung von zentralen Aufgaben des Technologietransfers zugeführt und nach Absprache mit dem Technologietransferbeauftragten des Akademischen Senats und der Universitätsleitung eingesetzt. Aus diesen Mitteln sollen Messebeteiligungen, Publikationsvorhaben der Universität, der Fachbereiche und der wissenschaftlichen Einrichtungen, Informations- und Seminarveranstaltungen sowie die Anschubfinanzierung von Techologietransferprojekten finanziert werden. Darüber hinaus sollen erfolgversprechende Initiativen des Wissens- und Technologietransfers von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität unterstützt werden, die im üblichen Rahmen vielfach nicht finanzierbar sind.

    Grundlage für den Senatsbeschluß war ein Konzept, mit dessen Hilfe versucht wird, die zum Teil kostenintensiven Aufgaben im Bereich des Marketings von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen zu finanzieren. Durch die Sparpolitik der Freien und Hansestadt Hamburg sind eine Reihe von Maßnahmen des Technologietransfers an der Universität nicht mehr möglich; weitere stark gefährdet. Auf der anderen Seite wird von Politik und Wirtschaft eine Öffnung der Universität gegenüber den Erfordernissen der Praxis gefordert und eine Verstärkung und Ausweitung ihrer Transferaktivitäten erwartet.

    Die Technologietransferpauschale ist als allgemeiner Overhead für Dienstleistungen der Verwaltung im Zusammenhang mit der Abwicklung von Technologietransferprojekten zu sehen ("administrativer Overhead"). Die Arbeitsstelle für Wissens- und Technologietransfer, aber auch das Haushalts- und das Personalreferat erbringen in diesem Bereich erhebliche Leistungen.

    4.8 Tag der Forschung

    Auch 1996 beteiligte sich die Universität Hamburg an dem von der Hochschulrektorenkonferenz angeregten "Tag der Forschung", der dazu dienen soll, der interessierten Öffentlichkeit Forschungsprogramme und -ergebnisse näherzubringen und zugleich auf aktuelle Probleme in der Forschung aufmerksam zu machen.

    Mit einem Tag der Offenen Tür präsentierte sich der Fachbereich Chemie zu zwei Gelegenheiten der außeruniversitären Öffentlichkeit. Am 21. September wurde im Rahmen der bundesweiten Aktion "Chemie im Dialog", veranstaltet vom Verband der Chemischen Industrie, eingeladen, und am 25. November richtete sich die Einladung im Rahmen der Universitätstage vorwiegend an die Schülerinnen und Schüler der Hamburger Gymnasien und Gesamtschulen, die, wie in jedem Jahr, eingeladen waren, sich über das Studienangebot der Universität zu informieren.

    An beiden Tagen bestand die Möglichkeit, folgende Forschungsprojekte und Großgeräte kennenzulernen:

      "Die Kernresonanzspektroskopie als Werkzeug der Chemiker zur Aufklärung von Molekülstrukturen",
      "Mit dem Elektronenmikroskop in die Mikro- und Nanowelt",
      "Die Herstellung hochreiner Kristalline",
      "Isolierung und Strukturaufklärung von Duftstoffen aus Pflanzen mit chromotographischen und massenspektroskopischen Methoden",
      "Molekülgraphik und Bestimmung der Gestalt von großen Molekülen mit Hilfe von Computern",
      "Eine Wirbelschichtanlage zur Herstellung von Medikamenten",
      "Moderne Prozeßsteuerung in einem Universitätstechnikum",
      "Sichere Chemikalienlagerung und -entsorgung im Fachbereich Chemie".

    Eine Ausstellung mit ca. 50 Postern bot die Möglichkeit, mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern über ihre Arbeitsgebiete zu sprechen.

    Zu beiden Gelegenheiten fanden die "Tage der Forschung" bei außeruniversitären Gästen, den Schülerinnen und Schülern und ihren Lehrkräften lebhaftes Interesse. Die gastgebenden Chemikerinnen und Chemiker äußerten übereinstimmend Zufriedenheit mit dem Verlauf der Veranstaltungen. Auch im nächsten Jahr wird ein Fachbereich gebeten werden, sich am "Tag der Forschung" der Öffentlichkeit vorzustellen.

    4.9 Agenda 21 und Universität

    Im Jahr 1992 haben 170 Staaten auf der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung (UNCED) in Rio de Janeiro das Abschlußdokument "Agenda 21" unterzeichnet und sich verpflichtet, in ihren Ländern eine "nachhaltige Entwicklung" einzuleiten. Als Umsetzung auf kommunaler Ebene wurde am 27. Mai 1995 die "Lokale Agenda 21" für europäische Städte ("Aalborg Charta") verabschiedet. Auch Hamburg hat sich verpflichtet, bis zum Ende des Jahres 1996 ein Hamburger Agenda 21-Konzept vorzulegen.
    In der Universität hat sich auf Initiative des Präsidenten ein Arbeitskreis Agenda 21 organisiert, der sich die inhaltliche und organisatorische Ausgestaltung des universitären Agenda 21-Prozesses zur Aufgabe macht. Innerhalb dieses Prozesses bietet sich für die Universität die Chance, der Öffentlichkeit ihre Kompetenzen zu Fragen der künftigen gesellschaftlichen Entwicklung zu vermitteln. Schon haben einzelne Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ihrer jeweiligen fachlichen Ausrichtung zu Themen der nachhaltigen Entwicklung gearbeitet. Über die interne wissenschaftliche Aufgabe hinaus wird die Frage der nachhaltigen Entwicklung zunehmend auch in der Ausbildung der Studierenden Bedeutung gewinnen. Neue Berufsbilder, neue Produkte und veränderte Herausforderungen entstehen. Künftige Absolventinnen und Absolventen müssen dafür sensibilisiert und qualifiziert werden.
    Aus dem Arbeitskreis sind vier neue Arbeitsgruppen hervorgegangen, die zu folgenden Themenstellungen arbeiten:

      - Information und Koordination des Agenda 21-Prozesses
      - Stoffstrom-Messungen in der Universität mit dem Ziel eines Umweltmanagements
      - Konzept der "Nachhaltigen Metropolregion Hamburg 2010"
      - Konzeption, Operationalisierung und Umsetzung des Nachhaltigkeitsparadigmas.

    Für das Wintersemester 1996/97 wurde im Rahmen des "Allgemeinen Vorlesungswesens" eine Ringvorlesung mit dem Titel "Von Rio nach Hamburg - Agenda für ein zukunftsfähiges Hamburg" konzipiert und durchgeführt. Es ist beabsichtigt, wesentlich mehr Universitätsangehörige als bisher über den Agenda 21-Prozeß zu informieren und Teilnahmemöglichkeiten aufzuzeigen, wobei ein besonderes Interesse der Integration von Studierenden in diesem Prozeß gilt.

    5. INTERNATIONALE HOCHSCHULBEZIEHUNGEN

    5.1 Zusammenarbeit mit südafrikanischen Universitäten

    Die seit längerem bestehenden wissenschaftlichen Kontakte zwischen einzelnen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen der Universität Hamburg der Universitäten von Cape Town und Stellenbosch sind im Jahre 1996 erstmals auf eine förmliche vertragliche Grundlage gestellt worden. Anläßlich seines Besuches in Südafrika vom 29.02. - 02.03.1996 haben der Universitätspräsident und seine südafrikanischen Amtskollegen entsprechende Kooperationsverträge unterzeichnet. Dabei ist ein fachlich nicht festgelegter Austausch von Wissenschaftlern einschließlich Doktoranden und von Studierenden vereinbart worden. Durch eine größere Spende eines Hamburger Bürgers konnte auch eine finanzielle Mindestausstattung geschaffen werden, die der Universität eine längerfristige Zusammenarbeit erlaubt. Nach dem Bericht des Präsidenten erhoffen sich die Partneruniversitäten von den Kooperationsabkommen auch positive Impulse für das gedeihliche Zusammenleben der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und für die Entwicklung der südafrikanischen Region.

    5.2 Zusammenarbeit mit den Universitäten St. Petersburg und Prag

    Anläßlich der Besuche des Vizepräsidenten in Prag (30.09. - 02.10.1996) und in St. Petersburg (16. - 18.12.1996) ist die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit mit beiden Universitäten bekräftigt worden. In der Kooperation mit der Karls Universität Prag hat sich auf dem Gebiet der Chemie, insbesondere der Kohlehydratchemie ein für beide Partner attraktiver Schwerpunkt entwickelt, an dem auf tschechischer Seite auch die Akademie der Wissenschaften beteiligt ist und für den die Universität Hamburg mit dem neu gegründeten Sonderforschungsbereich 470 - Glycostrukturen - ein beachtliches wissenschaftliches Potential vorhält. Beide Seiten waren sich darüber einig, in verstärktem Maße Studierende und jüngere Nachwuchswissenschaftler in den Austausch einzubeziehen.

    Der Besuch an der Universität St. Petersburg diente vor allem der Verlängerung des Arbeitsabkommens zwischen beiden Institutionen sowie der Erörterung der für die Zusammenarbeit besonders interessanten Fachgebiete und Austauschmaßnahmen und der Bildung von Schwerpunktaktivitäten.

    5.3 Entwicklung der Zusammenarbeit mit Hochschulen in Entwicklungsländern

    Die Zusammenarbeit im Rahmen bestehender Verträge verlief im Jahr 1996 sehr unterschiedlich. Sie belebte sich vor allem mit einigen lateinamerikanischen Universitäten. Bei der im Jahre 1992 nach längerem Ruhen formal bestätigten Partnerschaft mit der Universität Concepción in Chile wurden im Rahmen gegenseitiger Wissenschaftlerbesuche konkrete Planungen für gemeinsame Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Geologie aufgenommen, während auf dem Gebiet der Holzchemie ein von der Europäischen Union gefördertes Projekt zur Einführung des Promotionsstudiums in Concepción begonnen und in der hispanistischen Literaturwissenschaft die wechselseitige Unterstützung bei wissenschaftlichen Publikationen, auch durch entsprechende Arbeitsbesuche chilenischer Gäste in Hamburg, fortgesetzt wurde. Mit der UANL in Monterrey/Mexiko wurde ein neues Protokoll für die Weiterführung der Zusammenarbeit in den Jahren 1996 bis 1999 unterschriftsreif vorbereitet, für die Geowissenschaften wurde auf Fachbereichsebene eine Intensivierung der projektbezogenen Kooperation vereinbart. Mit der Universität Guadalajara/Mexiko wurde die Zusammenarbeit in Forst- und Holzwirtschaft - unter starker Beteiligung der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft - fortgesetzt; der Schwerpunkt des Wissenschaftleraustauschs in beiden Richtungen betraf das gemeinsame Projekt "Depotdüngemittel aus Ligninen", wobei die in letzter Zeit sehr verbesserte Ausstattung des Partnerinstituts in Guadalajara mit Geräten dem Vorhaben zugute kam. An der UNAN León in Nicaragua wurde der Deutsch-Unterricht durch zwei DAAD-Praktikanten aus Hamburg weitergeführt. Das medizinische Aufbaustudien-Programm für zehn Dozenten dieser Universität konnte seine Lehrveranstaltungen abschließen, um sich nun den Magister-Abschlußarbeiten zu widmen, die allerdings angesichts der allgemeinen materiellen Probleme in Nicaragua nur langsam vorankamen. Die erziehungswissenschaftliche Kooperation mit León mit dem neuen Hamburger Projektkoordinator sowie durch eine Ausstattungshilfe der Universität Hamburg für den didaktischen Garten der Leoner Fakultär gefestigt werden.

    An der UNSRAT in Manado/Indonesien fand erstmals eine zwischen beiden Universitäten vereinbarte "Sommerschule Indonesisch" statt. Das sechswöchige Programm, das Sprachkurse und landeskundliche Veranstaltungen umfaßte, wurde von acht Studierenden der Universität Hamburg besucht. Nach Auswertung durch die fachlichen Einrichtungen beider Seiten wurde es als sehr erfolgreich beurteilt und zur Wiederholung empfohlen.

    Über die neuen Verträge der Universität Hamburg mit zwei südafrikanischen Universitäten ist an anderer Stelle (oben unter 5.1) berichtet worden. Auch mit zwei Universitäten des arabischen Raums wurden 1996 auf der Ebene der Präsidenten Gespräche mit dem Ziel vertraglicher Verbindungen geführt.

    Eine Delegation der Tanta-Universität aus Tanta in Ägypten besuchte die Universität Hamburg unter der Leitung ihres Präsidenten, Prof. Dr. Shawki El Said Khater, um im Anschluß an bereits in den vergangenen Jahren gemeinsam durchgeführte Promotionsförderungsvorhaben die Möglichkeiten für die Vereinbarung weitergehender Zusammenarbeit in Forschung und Nachwuchsförderung zu beraten. Aufgrund bestehender Verbindungen erschienen die Chancen hierfür auf den Gebieten Mathematik und Chemie am stärksten. Eine Absichtserklärung zur Ermittlung von Vorhaben von gemeinsamem Interesse zwecks entsprechender vertraglicher Vereinbarung wurde von den Präsidenten beider Universitäten unterzeichnet.

    Die Universität Damaskus in Syrien war bereits im Herbst 1995 Ziel einer Reise des damaligen Vizepräsidenten der Universität Hamburg, Prof. Dr. Arnold Sywottek, gewesen, der eingeladen war, in Anknüpfung an bestehende Verbindungen in medizinischen und islamwissenschaftlichen Fächern eine Verstärkung der Zusammenarbeit zu eruieren. Nach weiteren beiderseitigen Vorarbeiten führte ein Besuch von Präsident Prof. Dr. Abdul Ghani Maa Bared an der Universität Hamburg im August 1996 zur Festlegung einer Reihe medizinischer, naturwissenschaftlicher sowie geisteswissenschaftlicher Fächer für eine erste Phase vertraglicher Zusammenarbeit. Ein Rahmenvertrag und ein zweijähriges Arbeitsprogramm wurden abschließend verhandelt. Die Beratung der akademischen Gremien über diese Texte führte an der Universität Hamburg im Dezember zur Zustimmung des Akademischen Senats.

    5.4 Zusammenarbeit mit der Bar-Ilan-Universität

    Die Zusammenarbeit zwischen der Bar-Ilan Universität im Ramat-Gan/Israel und der Universität Hamburg ist im Jahre 1996 fortgesetzt und gefestigt worden. Vom 25.03. - 28.03.1996 fand an der Partneruniversität die dritte Carlebach-Konferenz statt. Sie war dem Thema "Toleranz im Verhältnis zwischen Religion und Gesellschaft" gewidmet und führte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Theologie der Politologie, der Pädagogik und der Geschichtswissenschaft zusammen. An der Zusammenarbeit waren erstmals auch Studierende aus verschiedenen Fächern beider Universitäten zum Thema "Geschichtsbewußtsein und Identität, Israelitisch-deutsche Beziehungen in der 3. Generation" beteiligt.
    Anläßlich der gegenseitigen Besuche des Rektors der Bar-Ilan Universität und des Präsidenten der Universität Hamburg im Frühjahr bzw. Sommer 1996 ist verabredet worden, die wissenschaftliche Kooperation auch auf andere Disziplinen auszudehnen. Dabei standen verschiedene naturwissenschaftliche Fachgebiete im Vordergrund des Interesses.
    Mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde an den Präsidenten der Universität Hamburg im Juni 1996 ist auch dem langjährigen fruchtbaren und vertrauensvollen Dialog zwischen den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern beider Einrichtungen eine besondere Anerkennung zuteil geworden.

    5.5 Preis für hervorragende Leistungen in der internationalen Zusammenarbeit

    Herrn Prof. Dr. Hans-Joachim Seitz aus dem UKE wurde der vom Bundesminister für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie gestiftete Preis für "Herausragende Leistungen in der internationalen Hochschulzusammenarbeit" verliehen. Diese Auszeichnung ist eine besondere Anerkennung für das Engagement sowie die Energie und Ausdauer, mit der Prof. Seitz sich den Herausforderungen bei der Ausgestaltung der Zusammenarbeit zwischen der Hamburger und der Zagreber Medizin gestellt hat. Das Augenmerk richtete sich dabei nicht nur auf die Kooperation mit den Fachkollegen, sondern bezog auch den wissenschaftlichen Nachwuchs und das Pflegepersonal ein.
    Auch in den Zeiten der kriegerischen Auseinandersetzungen im ehemaligen Jugoslawien wurde diese Arbeit im Geist der gemeinsamen europäischen Wissenschaftstradition und der Humanität fortgesetzt. Es sei hierbei betont, daß zu keinem Zeitpunkt die Zusammenarbeit sich für eine simple Parteinahme etwa "pro Kroatien" oder "gegen Serbien" vereinnahmen ließ, sondern in Zusammenarbeit mit dem IUC Dubrovnik allen Medizinern des ehemaligen Jugoslawien offensteht.

    5.6 DAAD-Preis

    Anläßlich der Semestereröffnung und Begrüßung der Erstsemester an der Universität Hamburg am 22. Oktober 1996 überreichte der Präsident der Universität, Dr. Jürgen Lüthje, der ukrainischen Phonetik- und Slavistikstudentin Elena Stadnik den erstmals vergebenen DAAD-Preis für hervorragende Leistungen ausländischer Studierender.

    Der vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gestiftete und mit DM 2000 dotierte Preis ist für ausländische Studierende bestimmt, die wegen ihrer überdurchschnittlichen fachlichen Leistungen aufgefallen sind und sich für die interkulturelle Verständigung verdient gemacht sowie im sozialen und hochschulpolitischen Bereich engagiert haben.

    5.7 Griechische Kulturtage

    Als willkommene Gelegenheit, gesellschaftliche Entwicklungen aufzunehmen und einen wissenschaftlich-kulturellen Beitrag zur Verständigung der Völker im zusammenwachsenden Europa zu leisten, nahm die Universität Hamburg gern die Initiative der Griechischen Botschaft und des Griechischen Generalkonsulats auf, 1996 gemeinsam "Tage Griechischer Kultur in Hamburg" zu veranstalten. Damit wurde eine Veranstaltungsform fortgesetzt, die die Griechische Botschaft und die Universität Bonn im Vorjahr mit Erfolg in der Bundeshauptstadt begonnen hatten.

    Auf breite Resonanz stieß auch das Hamburger Programm, das unter der Schirmherrschaft des Ersten Bürgermeisters in intensiver Zusammenarbeit mit dem Griechischen Generalkonsulat entstand. Am 22. April wurden die "Tage Griechischer Kultur in Hamburg" im Festsaal des Rathauses feierlich eröffnet. Nach Begrüßungsansprachen durch Kultursenatorin Weis, den griechischen Botschafter Dr. Ioannis Bourloyannis-Tsangaridis sowie den Präsidenten der Universität Hamburg sprach Prof. Dr. Konstantinos Despotopoulos über "Platon und die deutsche Philosophie".

    Das Programm umfaßte über 60 Veranstaltungen, die zwischen April und Dezember stattfanden: Vorträge, Lesungen, Konzerte, Ausstellungen, Theater-, Tanz- und Filmveranstaltungen. Als Hauptbeitrag der Universität bereitete das Institut für Griechische und Lateinische Philologie eine interdisziplinäre Ringvorlesung unter dem Titel "Griechenland im Dialog" vor, an der Lehrende aus verschiedenen Fachbereichen beteiligt waren. Die Ringvorlesung umfaßte siebzehn Vortragsabende mit jeweils zwei Referentinnen und Referenten und ging auf das klassische wie auf das moderne Griechenland aus verschiedensten Blickwinkeln ein; die Vortragsthemen reichten von der Universalität der griechischen Sprache bis zu seerechtlichen Fragen der Ägäis. Dazu referierten 17 Professoren griechischer Universitäten. Eine besondere Veranstaltung war Prof. Dr. Bruno Snell gewidmet, dem berühmten Hamburger Graecisten und Rektor unserer Universität, der 1996 100 Jahre alt geworden wäre.

    Über die Ringvorlesung hinaus war der Von-Melle-Park mehrfach Veranstaltungsort der griechischen Kulturtage: die Staats- und Universitätsbibliothek präsentierte eine große Buchausstellung moderner griechischer Literatur in deutscher Übersetzung, eine Fotoausstellung und eine Ausstellung griechischer Drucke, ferner Literaturlesungen in deutscher Übersetzung; im Auditorium gab es griechisches Theater und ein Festival des Volkstanzes; die Mensa bot im Frühjahr und im Herbst jeweils eine Woche griechische Spezialitäten und war Ort eines studentischen Festes, der "Griechischen Nacht".

    6. ENTWICKLUNGEN IM BAUBEREICH

    6.1 Neues Konzept für das ZMAW

    Auf den im letzten Jahresbericht geschilderten Vier-Stufen-Plan für den Neubau des ZMAW in Bahrenfeld mußte aus Kostengründen (vorgesehene Kosten rund DM 200 Mio.) verzichtet werden.
    Um das aus Gründen der Forschungs- und Klimaschutzpolitik bedeutsame Projekt angesichts von Engpässen der Hochschulbaufinanzierung dennoch in absehbarer Frist realisieren zu können, hat die Universität eine kostengünstigere Alternative entwickelt und vorgeschlagen. Eine Übereinkunft zwischen BWF und Universität Hamburg sieht nunmehr vor, das Zentrum nunmehr im Bereich Geomatikum/ Bundesstraße unter Einbeziehung des bisher von der Physikalischen Chemie genutzten Gebäudes zu realisieren. Die Maßnahme ist derzeit mit DM 64,5 Mio. Gesamtkosten ausgewiesen; eine auf den neuen Standard bezogene Haushaltsunterlage Bau soll bis August 1997 vorliegen, um das Vorhaben in den Rahmenplanverhandlungen des nächsten Jahres mit dem Bund nach dem Hochschulbauförderungsgesetz bereits für die Kategorie I anmelden zu können.

    In die Finanzierung des ZMAW fließt neben der vorstehend genannten Summe von DM 64,5 Mio. der ebenfalls im Finanzplan 1995 - 2000 ausgewiesene Betrag für die Instandsetzung der Physikalischen Chemie in Höhe von DM 43,3 Mio. ein.

    Die Aktualisierung des damaligen Raumprogramms für Bahrenfeld im Herbst 1996 ergab, daß es im wesentlichen auch für den veränderten Standort gelten kann; der Flächenanteil für Arbeitsplätze für Drittmittler mußte sogar erhöht werden. So kann die wesentlich kostengünstigere Alternative ohne funktionale und qualitative Einschränkungen verwirklicht werden.

    6.2 HIS-Nutzungskonzept für die Geisteswissenschaften

    Das im Januar 1996 vorgelegte Gutachten hat auf der Grundlage einer Bestandsaufnahme, von strukturellen Rahmensetzungen und Flächenbedarfsermittlungen Vorschläge zur Neuordnung der geisteswissenschaftlichen Gebäudenutzungen entwickelt.

    Mehrere "Szenarien" fassen die aus den Vorschlägen entstehenden Maßnahmen wie Umnutzung, Abgabe, Abmietung, Verkauf und/oder Abriß von Gebäuden zusammen.

    Verfolgt wird z. Z. das Szenario C, dessen wichtigste Komponenten die privat gestifteten Flügelbauten, die Konzentration der rechtswissenschaftlichen Fachbereiche in einem zu erweiternden Rechtshaus Schlüterstraße, die Lozierung des ZMAW im und am Geomatikum sowie ein Neubau zur Konzentration der Universitätsverwaltung sind.

    6.3 Weitere Planungen

    Auf der Grundlage des HIS-Gutachtens und unter Berücksichtigung der angespannten Finanzlage der FHH und des Bundes versucht die Universität, eine für den Staat kostenneutrale Finanzierung einer Erweiterung des Rechtshauses durch Schaffung einer juristischen Zentralbibliothek und durch Konzentration der jetzt an diversen Stellen untergebrachten Universitätsverwaltung in einem Neubau im Campus-Bereich zu erreichen.

    In Zusammenarbeit mit der BWF, der Finanzbehörde und dem Planungsstab des Senats wird ein Finanzierungsmodell mit Grundstücksverkäufen, Aufgabe von Mietobjekten und eventuell privaten Bauträgern entwickelt.

    Die Planungen zur Verlagerung des Instituts für Angewandte Botanik nach Klein-Flottbek mit dem Ziel der Errichtung eines BIO-ZENTRUMS zusammen mit dem Institut für Allgemeine Botanik und dem Botanischen Garten sind im Berichtsjahr weiter konkretisiert worden. In Arbeitsgesprächen unter Beteiligung der BWF wurde mit dem Institut für Angewandte Botanik vereinbart, daß eine Verlagerung nach Klein-Flottbek, die von allen Beteiligten gewünscht wird, nur mit Hilfe eines erheblich reduzierten Raumprogramms und einem entsprechend verringerten Neubauvolumen Aussicht auf Realisierung haben kann. Die Zusammenführung der Botanischen Institute in Klein-Flottbek ist schon wegen der zu erwartenden Synergieeffekte und in Anbetracht der hohen Sanierungskosten am Gebäude Marseiller Straße 7 die weitaus wirtschaftlichere Alternative. Die Bemühungen der Universität um die Verlagerung des Instituts werden noch verstärkt und unterstützt durch die Anfang 1992 vorgelegten Empfehlungen der "Externen Beratungskommission zur Struktur und Entwicklungsplanung der Universität Hamburg" und durch den Ergebnisbericht des Landesrechnungshofes zur Prüfung des Instituts für Angewandte Botanik.

    6.4 Eröffnung des Zentrums für Mikrostrukturforschung

    Das im Gebäudebestand des Instituts für Angewandte Physik ausgebaute Zentrum für Mikrostrukturforschung hat Anfang 1996 seinen Betrieb aufgenommen.

    Den dafür berufenen Wissenschaftlern steht damit ein modernes Forschungszentrum für zukunftsweisende Forschungen zur Verfügung. Die Baukosten für das Zentrum betrugen DM 11,9 Mio., für die Ersteinrichtung - insbesondere mit wissenschaftlichen Geräte - wurden DM 9,3 Mio. zur Verfügung gestellt.
    Die inzwischen bewilligte Einrichtung eines Sonderforschungsbereiches belegt die Leistungsfähigkeit dieses neu etablierten wissenschaftlichen Schwerpunktes.

    6.5 Weitere Belegung des Campus Stellingen

    Im Berichtsjahr konnten Teile des von der Universität konzipierten, vom Wissenschaftrat akzeptierten Belegungsprogramms realisiert werden.

    Als erstes zog der Arbeitsbereich Biokybernetik des Ordinariats für Weltforstwirtschaft nach Stellingen; es folgte die bis dahin im Hauptgebäude untergebrachte Arbeitsstelle für wissenschaftliche Weiterbildung.

    Auf Antrag des ebenfalls für Stellingen vorgesehenen IZHD ist im Bauausschuß des Akademischen Senats geprüft worden, ob anstelle des IZHD eine andere wissenschaftliche Einrichtung nach Stellingen umziehen kann; diese Prüfung verlief negativ. Die endgültige Belegung des Hauses E in Stellingen mit IZHD, einer Restfläche für die Informatik und eventuell mit Arbeitsbereichen/Drittmittelprojekten der Sozialwissenschaften ist nach Herrichtung des Hauses mit Bauunterhaltungsmitteln zum Sommer 1997 zu erwarten.

    6.7 Arbeitssicherheit und Umweltschutz

    Abfallentsorgung

    Die Entsorgung von besonders überwachungsbedürftigen Abfällen an der Universität hat sich durch den Betrieb des Zwischenlagers am Fachbereich Chemie, den Wegfall der kw-Vermerke für die Stellen der Entsorgerinnen und Entsorger sowie durch die getroffenen organisatorischen Regelungen routinemäßig eingespielt. Auf der Grundlage des vom Sicherheitsreferat aufgestellten Abfallwirtschaftskonzeptes für besonders überwachungsbedürftige Abfälle konnten durch eine neue Ausschreibung der Finanzbehörde finanzielle Einsparungen, deren Höhe sich nach 1997 genau beziffern lassen wird, durchgesetzt werden.

    Im Bereich der hausmüllähnlichen Gewerbeabfälle wurde die Getrennsammlung, insbesondere von Papier- und Verpackungsabfällen, konsequent weitergetrieben, was ebenfalls zu finanziellen Einsparungen führen wird und dem Nachhaltigkeitsprinzip dient.

    Augenduschen

    Die Installation von Augenduschen in den Laboratorien der Universität ist planungsmäßig vorbereitet und finanziell abgesichert, so daß die Maßnahme noch 1997 begonnen wird und im Frühjahr 1998 erledigt sein wird.

    Begehungen

    Begehungen durch die Aufsichtsbehörden und die Landesunfallkasse führten auch 1996 zu Beanstandungen, die jedoch in den überwiegenden Fällen auf organisatorische Mängel zurückzuführen waren. Bis zum Jahresende waren rund 70 % aller Mängel beseitigt, wobei berücksichtigt werden muß, daß bei einigen Mängelberichten die Terminsetzung über die Jahresfrist hinaus ging. Im Sicherheitsreferat wurde ein Controlling-Programm eingerichtet, das jederzeit einen Überblick über den Stand der Mängelbeseitigung ermöglicht und verhindert, daß Mängel "in Vergessenheit" geraten.

    Bildschirmarbeitsplätze

    Die Überprüfung der Bildschirmarbeitsplätze gemäß der Bildschirmarbeitsverordnung wird zügig abgewickelt. Spätestens bis zum Jahr 2000 müssen alle Bildschirmarbeitsplätze, an denen Beschäftigte im Sinne des Arbeitsschutzgesetzes tätig sind, den Bestimmungen der Verordnung entsprechen.

    Gefahrstoffe

    Die Pflicht zur Führung von Gefahrstoffverzeichnissen wurde in den naturwissenschaftlichen Fachbereichen weitgehend erfüllt. Noch nicht befriedigend ist die nur punktuelle Durchführung und Dokumentation von Ersatzstoffprüfungen insbesondere beim Umgang mit krebserzeugenden Gefahrstoffen. Hier wird es einer besonderen Anstrengung der Veranwortlichen bedürfen, dieser Pflicht nachzukommen.

    Personal

    Die Ausstattung der naturwissenschaftlichen Fachbereiche mit hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für Entsorgungs- und Arbeitssicherheitsfragen wurde durch die Einstellung des Technikers für Arbeitssicherheit und Umweltschutz im Fachbereich Geowissenschaften und der Mitarbeiterin für Entsorgung und Arbeitssicherheit im Institut für Angewandte Botanik komplettiert.

    Schulung

    Die Schulung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den Instituten zur Prüfung der ortsveränderlichen elektrischen Betriebsmittel wird zügig vorgenommen. Insgesamt wurden 59 Beschäftigte geschult. Sie werden in ihrer Prüfarbeit von der Elektrofachkraft des Sicherheitsreferates betreut. Dadurch ist in 41 Instituten und Einrichtungen die Voraussetzung für die eigenständige regelmäßige Prüfung der Geräte gegeben.

    7. HAUSHALTS-, ORGANISATIONS- UND IUK-ANGELEGENHEITEN
        SOWIE DIE ARBEIT DER INNENREVISION

    7.1. Ergebnisse der Bewirtschaftung des Wirtschaftsplanes 1996

    Der Haushalt der Universität wurde im Jahre 1996 auf einen globalisierten Wirtschaftsplan umgestellt. Parallel zu dieser Umstellung, die sich von der bisherigen Haushaltssystematik löst, wurde in der gesamten hamburgischen Verwaltung das Buchungsverfahren MBV eingeführt, das nach wie vor die Buchung nach Haushaltstiteln vorsieht, also insoweit noch der alten Haushaltssystematik folgt. Diese Diskrepanz zwischen Wirtschaftsplan und Buchungsverfahren, die in den nächsten Jahren beseitigt werden muß, erschwert die Erstellung eines Jahresabschlusses erheblich. Es ist aber absehbar, daß die Universität zu einem ausgeglichenen Abschluß kommen wird.

    7.2 Investitionsentwicklung

    Der Wirtschaftsplan 1996 sah im Finanzplan für Investitionen eine Gesamtsumme von DM 15,1 Mio. vor.

    Hauptausgabebereiche sind:

    Baukosten Mikrostrukturforschung DM 4,9 Mio.
    Einrichtung Mikrostrukturforschung DM 2,0 Mio.
    neue Fahrstühle im Geomatikum DM 1,0 Mio.
    Grundinstandsetzung Chemie DM 1,2 Mio.
    wiss. Geräte über 10.000 DM DM 2,0 Mio.
    wiss. Geräte über 150.000 DM DM 3,0 Mio.

    Dazu kommen die Titel für kleine Neu-, Um- und Erweiterungsbauten und für Bauunterhaltung mit insgesamt rund DM 11 Mio.; dieser Betrag teilte sich 1996 auf rd. 100 verschiedene Maßnahmen auf.

    Der Senat der FHH hat im Juni 1996 folgende Vorhaben in den Finanzplan 1996 bis 2000 aufgenommen (noch nicht begonnene Vorhaben):

    TDM
    Errichtung eines Zentrums für Marine und
    Atmosphärische Wissenschaften
    64.500 ab 1998
    Umbau und Herrichtung des Gebäudes
    Marseiller Straße
    11.800 1999
    Grundinstandsetzung Institut für Pharmazie 16.000 1999
    Grundinstandsetzung Physikalische Chemie 43.300 1998
    Erwerb des Grundstücks Vogt-Kölln-Straße 30
    (Philips) für die Universität Hamburg
    5.500
    Verlagerung der Informatik nach Stellingen,
    4.BA (Haus E/Pavillons)
    4.600
    Verlagerung der Informatik nach Stellingen,
    3.BA (Neubau Mensa/Hörsaal)
    16.100 2001

    Insbesondere die zeitliche Verschiebung der Mensa und des Hörsaals für den Teilstandort Stellingen in Abweichung von der Priorisierung durch die Universität führt zu erheblichen Problemen und stellt wesentliche Grundlagen der Verlagerung der Informatik in Frage.

    7.3 Drittmittelentwicklung (einschl. Technologietransfer)

    In 1996 sind Drittmittel in Höhe von DM 74 Mio. ausgegeben worden (ohne Medizin).

    Davon

    Bundesmittel DM 40,7 Mio.
    DFG (einschl. SFB)-Mittel DM 23,0 Mio.
    EU-Mittel DM 6,2 Mio.
    Mittel der FHH DM 1,9 Mio.
    Mittel aus Technologietransfer DM 2,3 Mio.

    7.4 Umsetzung des Hochschulsonderprogramms III

    Das Hochschulsonderprogramm II (HSP II) wurde im Jahre 1996 durch das Hochschulsonderprogramm III (HSP III) abgelöst (vgl. 1.4).

    Der Universität wurden in 1996 für die Finanzierung des HSP II/III ein Betrag von DM 7,7 Mio. zugewiesen, dem eine Ausgabenleistung von DM 7,74 Mio. gegenüberstand.

    7.5 Entwicklung in den hochschulübergreifenden Globaltiteln für IuK

    Für wissenschaftliche IuK-Vorhaben (zusätzliche und Ersatzmaßnahmen) stellte die Behörde insgesamt DM 3,44 Mio. zur Verfügung, wovon nur DM 0,44 Mio. für HBFG-fähige Maßnahmen eingesetzt werden konnten, obwohl HBFG-Anträge der Universität im Umfang von etwa DM 1,5 Mio. für die Aufnahme in den Rahmenplan empfohlen waren. Der Grund dieser Diskrepanz liegt in Verfahrensänderungen des Bundes, die sich als Einschränkungen auswirken. Als mitfinanzierte Maßnahmen wurden zwei leistungsfähige Workstations im Fachbereich Chemie und eine größere CIP- Maßnahme realisiert, die der studentischen Ausbildung in mehreren Fachbereichen dient.

    Das für Maßnahmen unter DM 0,15 Mio. im Einzelfall verfügbare Volumen (DM 3 Mio.) wurde nach entsprechenden Empfehlungen in den zuständigen Selbstverwaltungsgremien für rund 60 Einzelmaßnahmen eingesetzt; diese zunächst nicht erwartete hohe Zahl wurde durch die Beschaffungsbegutachtung in jedem Einzelfall und durch die zentrale Bewirtschaftung erreicht. Das Gesamtvolumen verteilte sich wie folgt auf:

    Netzmaßnahmen (einschl. Server) rund DM 810.000
    Maßnahmen für stud. Ausbildung rund DM 495.000
    Wiss. Arbeitsplätze (einschl. Sekretariate) rund DM 1.535.000
    Spezielle IuK-Geräte rund DM 100.000
    Software rund DM 150.000
    Kleinere Ersatz-/Ergänzungsmaßnahmen rund DM 350.000

    Für die Automation in den Bibliotheken und in der Verwaltung stellte die Behörde jeweils DM 150.000 zur Verfügung.

    Auf Drängen insbesondere der Universität wurde eine hochschulübergreifende IuK-Planungsgruppe ins Leben gerufen, die für eine abgestimmte IuK-Planung und IuK-Ausstattung der hamburgischen Hochschulen sorgen soll und mit der die Behörde künftig die jährliche Mittelaufteilung in den IuK-Globaltiteln abstimmt.

    7.6 Automation von Verwaltungsaufgaben

    Der Verwaltungsbereich war im Berichtszeitraum im wesentlichen von Konsolidierungsmaßnahmen bestimmt, nachdem Ende 1995 in einem Zeitraum von nur drei Monaten ein die überwiegende Zahl der universitären Verwaltungsstellen umfassendes - vom Wissenschaftsnetz getrenntes - Verwaltungsnetz aufgebaut und zwei Server eingerichtet sowie etwa 150 Arbeitsplätze in diesem Netz mit Endgeräten ausgestattet werden mußten.

    Insgesamt betrachtet kann die zeitlich parallel mit der Einführung des Wirtschaftsplans vollzogene flächendeckende Umstellung der Mittelbewirtschaftung als gelungen betrachtet werden, wenn auch die städtische Software MBV noch manche Wünsche offen läßt (vgl. 7.1). Die anfänglich zeitweise auftretenden Netzinstabilitäten konnten weitgehend abgestellt werden. Sorgen muß bereiten, daß aus finanziellen Gründen keine Backup-Möglichkeit für die Server vorgesehen werden konnte; dies muß in der Ausbauphase berücksichtigt werden.

    Die Umstellung in der Personalverwaltung wurde im Berichtszeitraum durch die Datennacherfassung bestimmt.

    Im Bereich der Stellenverwaltung war bislang lediglich IuK-Unterstützung mittels Standard-Bürokommunikations-Software möglich, weil die Auswahl geeigneter Software, die sowohl mit dem zentralen städtischen Stellenplan kommunizieren als auch die Dezentralisierungsbestrebungen der Universität wirksam unterstützen kann, im Berichtszeitraum noch nicht abgeschlossen werden konnte.

    Das der Universität im Berichtszeitraum von der Behörde zur Verfügung gestellt Volumen in Höhe von DM 150.000 mußte für die dringend erforderliche Erneuerung des lokalen Netzes und der Endgeräte in der zentralen Studentenverwaltung eingesetzt werden, weil die aus dem Jahre 1988 stammende Ausstattung auszufallen begonnen hatte.

    Zusammen mit dem Rechenzentrum und dem Fachbereich Informatik wurde die Arbeit an einer Pilotstudie begonnen, in der in Kooperation mit dem Landesamt für Informationstechnik (LIT) nachgewiesen werden soll, daß Verwaltungsanwendungen der Universität mittels kryptografischer Methoden sicher über das vorhandene offene Netz geführt werden können und abgesicherte Kommunikationswege für die universitären Verwaltungsstellen in offene Netze eröffnet werden können.

    7.7 Stand der Bibliotheksautomation

    Zwei Ereignisse waren im Berichtsjahr von besonderer Bedeutung: Zum einen hat zum 01.01.1996 der "Gemeinsame Bibliotheksverbund" (GBV) von sieben Bundesländern seine Arbeit aufgenommen. Neben wissenschaftlichen Bibliotheken in Hamburg gehören hierzu Einrichtungen der Bundesländer Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. Den Angehörigen der Universität steht damit einer der umfangreichsten elektronischen Bibliothekskataloge in Europa online - auch via Modem oder ISDN vom heimischen PC aus - zur Verfügung; zum Ende des Berichtsjahres waren darin über 13 Mill. Titelnachweise enthalten.

    Zum anderen wurde Mitte des Jahres ein neues "Lokales Bibliothekssystem" (LBS) in Betrieb genommen, das die Universität gemeinsam mit der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg - Carl von Ossietzky - ("Stabi") und der Hochschule für Wirtschaft und Politik betreibt. Dieses LBS ist unmittelbar an den zentralen Verbundrechner in Göttingen angeschlossen und stellt die Verbindung zu allen Endgeräten im Netz der Universität für Katalogisierung und Recherche her. Auch die (für 1997 geplante) automatisierte Ausleihe wird mit Hilfe dieses Systems durchgeführt werden; die Vorarbeiten für diesen Bereich wurden abgeschlossen. Mittlerweile sind 28 Instituts- und Fachbereichsbibliotheken der Universität in das neue EDV-System eingebunden. Die im Berichtszeitraum von der Behörde zur Verfügung gestellten Mittel in Höhe von DM 150.000 aus dem IuK-Globaltitel wurden auf diesem Gebiet investiert.

    Außerdem wurde ein gemeinsames CD-ROM-System von Stabi und Universität zur Literaturrecherche installiert. Da CD-ROM-Angebote im Netz besonders kostenträchtig sind, wurde in Zusammenarbeit mit den anderen Hamburger Hochschulen ein Konzept zu einem abgestimmten Beschaffungsverfahren in diesem Bereich erarbeitet. Auf dieser Basis wurden zum Ende des Berichtsjahres die ersten Netzlizenzen von der Universität beschafft.

    7.8 IuK-Schulungsprobleme

    Bereits vor Einführung des Wirtschaftsplans war festgestellt worden, daß der Titel für Schulungs- und Fortbildungsmaßnahmen des TVP einen zu geringen Ansatz hatte - trotz der eigentlich weitverbreiteten Erkenntnis, daß auch im öffentlichen Bereich Einschränkungen in der Stellenausstattung und das sich immer schneller wandelnde Berufsumfeld nur durch gutausgebildetes Personal bewältigt werden können. Da das Tempo der Veränderungen auf dem IuK-Sektor besonders hoch ist, besteht sowohl für das Personal, das IuK-Technik zur Unterstützung seiner fachlichen Aufgaben einsetzt, als auch für das Personal, das diese Technik betreut, ein erhöhter Schulungsbedarf, der seinen Preis hat.

    Die im Berichtszeitraum genutzten Möglichkeiten der Eigenhilfe sind für bestimmte Bedarfe, beispielsweise bei der Schulung für den Einsatz von Standard-Software, gut einsetzbar und können möglicherweise noch verstärkt werden. Sie haben aber ihre Grenzen auf den Gebieten, wo es zu externer Schulung keine Alternativen gibt.

    7.9 Die Arbeit der Innenrevision

    Neben Routinearbeiten, wie z. B. die Prüfung von Verwendungsnachweisen oder die Mitarbeit bei der Umsetzung von Empfehlungen aus früheren Prüfverfahren, nahmen auch 1996 die sich aus einer aktuellen Situation kurzfristig ergebenden Sonderprüfungen breiten Raum in der Arbeit der Innenrevision ein. In 1996 kamen folgende Prüfverfahren zum Abschluß:

    Das umfassend angelegte Prüfverfahren "Geräteverwaltung - Inventarisierung und Inventur" bestätigte die bereits früher festgestellten grundsätzlichen, durch die VV-Geräte vorgegebenen Verfahrensmängel. Die gewonnenen Erkenntnisse haben ihren Niederschlag im Entwurf einer universitätsspezifischen Geräteordnung gefunden, der auf den umfassenden Einsatz der EDV ausgerichtet ist.

    Die Untersuchungen zu "Art und Umfang des Leistungsaustausches zwischen der Hochschule für Wirtschaft und Politik und der Universität" veranlaßten die Universität, mit der HWP Gespräche darüber aufzunehmen, wie der Universitätshaushalt von Kosten in Höhe von rund DM 900.000,00 bereinigt werden kann, die der HWP zuzurechnen sind, aber z. Z. über den Universitätshaushalt abgewickelt werden.

    Das Verwaltungsverfahren für "Sondergenehmigungen bei außeruniversitären Veranstaltungen in den Räumen der Universität" zeigt nach dem Ergebnis der Prüfung in bestimmten Abschnitten Kontrolldefizite, die jedoch aus wirtschaftlicher Sicht tragbar erscheinen.

    Das Prüfverfahren "Vergabe von Kfz-Stellplätzen" offenbarte grundsätzliche Verfahrensmängel, die nicht zuletzt auf die für Fehlinterpretationen offenen Formulierungen der Stellplatzrichtlinien zurückzuführen sind. Z. Z. finden Überlegungen für ein neues, auf die Bedürfnisse der Universität ausgerichtetes Verfahren statt.

    Gegenstand eines auf Wunsch der "Hansischen Universitäts-Stiftung" durchgeführten Prüfverfahrens waren Beanstandungen der Prüfungsabteilung für das Kassen- und Rechnungswesens der Finanzbehörde; im Ergebnis konnten die vorgebrachten Einwände weitgehend entkräftet werden. Es ergaben sich aber grundsätzliche Fragen zum derzeitigen Verhältnis Prüfungsabteilung/Rechnungshof - Universität - Stiftung und zum künftigen Verfahren bei der Verwaltung von Einzelspenden.

    Die weite Auslegung des Begriffs der Fachaufsicht durch die BWF führte zu einer zeitraubenden, teilweise kontrovers geführten Diskussion zwischen den Hochschulen mit eigenen Innenrevisionen und der BWF, an der auch die Justizbehörde beteiligt war. In der dann vom Präses der BWF erlassenen Verwaltungsanordnung "Richtlinie für die Innenrevision im Geschäftsbereich der BWF" vom 06.09.1996 wurde anerkannt, daß die Innenrevision als Teil der Einheitsverwaltung von den Präsidenten der Hochschulen in eigener Zuständigkeit geleitet werden und nur in bezug auf staatlichen Auftragsangelegenheiten der Rechts- und Fachaufsicht der BWF unterliegen.

    8. PERSONALENTWICKLUNG

    8.1 Frauenförderung

    An der Universität Hamburg wird seit 12 Jahren Frauenförderung, insbesondere für das Wissenschaftliche Personal, betrieben. Daß dies zu einer signifikanten Erhöhung des Frauenanteils sowohl auf der Stufe des wissenschaftlichen Nachwuchses als inzwischen auch zu einer Erhöhung des Frauenanteils an den Professuren geführt hat, ist in den letzten Jahresberichten des Präsidenten deutlich geworden.
    Erfreulich ist, daß der Novellierungsentwurf zum HmbHG weitergehende Rechte für die Frauenbeauftragten festschreibt und sich in weiteren Konkretisierungen an der durch die Universität Hamburg praktizierten Frauenförderung orientiert.
    Mit der Einführung eines Globalhaushalts und der Diskussion über Kennzahlen und Leistungsvereinbarungen ergeben sich auch für die Frauenförderung an der Universität Hamburg neue Bedingungen und Notwendigkeiten.
    Hierzu wurden 1996 zwei erste wesentliche Weichen gestellt: die Verabschiedung einer neuen Frauenförderrichtlinie und die Einrichtung eines Frauenförderpreises der Universität Hamburg. Auch im Bereich der Förderung von Frauen aus dem Technischen und Verwal-tungspersonal konnten 1996 weitere entscheidende Schritte getan werden. Da der Anteil von Frauen im Bereich des Technischen und Verwaltungspersonals insgesamt höher liegt als der der Männer, gilt es hier insbesondere, die deutliche Unterrepräsentanz von Frauen in höheren Vergütungs- und Besoldungsgruppen abzubauen. Grundlage hierfür ist der Frauenförderplan für die Dienststelle.

    8.1.1 Umsetzung des Frauenförderplans für die Dienststelle

    Die vom Präsidenten eingesetzte Arbeitsgruppe "Frauenförderplan für die Dienststelle" arbeitet weiterhin an den gesetzten Schwerpunkten Fortbildung, Teilzeit, Auswahlverfahren und Beurlaubtenbetreuung. Um eine basisorientierte Arbeit zu leisten und um der Größe und Vielfältigkeit der Universität gerecht werden zu können, wird bei der Umsetzung des Frauenförderplans besonderer Wert auf die Einbeziehung von Frauen aus den verschiedenen Berufsgruppen und Beschäftigungsbereichen gelegt. Aus entsprechenden Treffen von interessierten Frauen hat sich das Frauen-Netzwerk entwickelt. Ihm gehören heute fast vierzig Frauen an. Die Netzwerkerinnen sind ein wichtiges Bindeglied der Frauenbeauftragten der Dienststelle zu den Mitarbeiterinnen in den Fachbereichen und Senatsunmittelbaren Einrichtungen der Universität. Ziel ist es, u. a. die Frauenförderung in allen zentralen und dezentralen Bereichen der Universität durch die Netzwerk-Frauen breit zu verankern. Mittelfristig soll es in allen Fachbereichen und Senatsunmittelbaren Einrichtungen mindestens eine Netzwerk-Frau geben, die als Expertin für Fragen der Frauenförderung Ansprechpartnerinnen "vor Ort" ist.
    Da die Frauenbeauftragte der Dienststelle und ihre Stellvertreterin insbesondere bei der Teilnahme an Ausschreibungs- und Stellenbesetzungsverfahren Unterstützung brauchen, wurde angestrebt, eine Entlastung durch entsprechend geschulte Netzwerk-Frauen zu schaffen. Neben der Frauenbeauftragten und ihrer Stellvertreterin haben im Frühjahr 1996 einige Netzwerkerinnen an einer Schulung teilgenommen. Seminarziel war, die Teilnehmerinnen als Mitglieder in Personalauswahlkommissionen zu qualifizieren und gleichzeitig Möglichkeiten und Methoden zu vermitteln, um die Seminarinhalte als Multiplikatorinnen weitergeben zu können. Die universitätsinterne Fortbildungsveranstaltung wurde im Spätsommer 1996 durchgeführt, so daß sich mit insgesamt 12 geschulten Frauen das Netzwerk verfestigt hat. Somit wurde nicht nur eine Entlastung der Frauenbeauftragten geschaffen, sondern auch aufgrund der unterschiedlichen Berufsausbildungen und Tätigkeiten der Frauen eine breitgefächerte Kompetenz aktiviert.
    Die Beteiligung der Netzwerk-Frauen wurde im Juli 1996 in einer Verfügung des Universitätspräsidenten "Verwaltungsverfahren bei Einstellungen und Umsetzungen im Bereich des Technischen und Verwaltungspersonals ab Verg.Gr. Vc/Bes.Gr. A8 für die Dauer ab einem Jahr" geregelt.

    8.1.2 Frauenförderpreis

    Im Mai 1996 hat der Akademische Senat ein neues Anreizsystem zur Förderung von Frauen an der Universität Hamburg beschlossen. Institute oder Fachbereiche, Gruppen oder auch einzelne Personen der Universität sollen künftig für besondere Leistungen in der Frauenförderung öffentlich ausgezeichnet werden und hierfür zusätzliche Mittel erhalten. Ab 1997 werden für diesen Zweck jährlich 20.000 DM aus dem Etat der Universität zur Verfügung gestellt.
    Das Anreizsystem zielt auf eine stärkere konzeptionelle Gestaltung und Umsetzung der Frauenförderung. Der Akademische Senat schloß sich der Auffassung des Ausschusses für Frauenförderung an, daß ein materielles Anreizsystem die Maßnahmen zur Frauenförderung verstärken wird.
    Honoriert werden sollen Initiativen und Aktivitäten, die zur Erhöhung des Frauenanteils beitragen oder Strukturen beseitigen helfen, die Frauen an der Universität Hamburg bisher benachteiligen. Beispiele für solche Maßnahmen können neben einer nennenswerten Erhöhung des Frauenanteils am Personal auch die Gewinnung von Studentinnen in Fächern mit niedrigem Studentinnenanteil sein oder Initiativen, die zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und beruflicher Arbeit an der Universität Hamburg führen.
    Eine erste Ausschreibung des Frauenförderpreises der Universität Hamburg hat im Herbst 1996 stattgefunden. Im Juni 1997 soll der Frauenförderpreis zum ersten Mal vergeben werden. Die mit dem Frauenförderpreis ausgezeichneten Mitglieder, Gruppen oder Organisationseinheiten erhalten den Geldbetrag, um damit weitere Maßnahmen zur Frauenförderung an der Universität Hamburg finanzieren zu können.

    8.1.3 Neue Frauenförderrichtlinien der Universität

    In der Juli-Sitzung des Akademischen Senats wurde in zweiter Lesung die neue Frauenförderrichtlinie der Universität Hamburg verabschiedet.
    Neu an der Frauenförderrichtlinie ist die Erweiterung der Richtlinie auf alle Statusgruppen der Universität; nicht mehr nur Wissenschaftlerinnen, sondern ebenso das Technische und Verwaltungspersonal und die Studentinnen sollen gleichberechtigt in die frauenfördernden Maßnahmen einbezogen werden.
    Sehr umstritten waren im Akademischen Senat zunächst die vorgesehenen Sank-tionsmöglichkeiten in der Frauenförderrichtlinie. Mit konkreten Ziel- und Zeit-vorgaben sollen die Fachbereiche verpflichtet werden, ihre Stellen möglichst in dem gleichen Anteil wie auf der vorherigen Qualifikationsstufe zu besetzen.
    Die Festschreibung von Ziel- und Zeitvorgaben ist eine sinnvolle und zeitgemäße Fortführung der Frauenfördermaßnahmen der Universität. Eine breit diskutierte Personal- und Strukturplanung am Fachbereich verbessert die Transparenz der Stellensituation am Fachbereich und unterstützt zugleich den eingeleiteten universitären Gesamtprozeß der Dezentralisierung und stärkeren Selbstverantwortung der Fachbereiche.

    8.2 Öffentlichkeitsarbeit der Krisen- und Suchtberatungsstelle

    Die erste Veranstaltung im Sinne einer Öffentlichkeitsarbeit der Krisen- und Suchtberatungsstelle fand am 29. November 1995 statt. Sie stand mit dem Thema "Suchtprävention" unter dem Motto "Wissen schafft Verantwortung" und war ein Angebot der Universitätsleitung an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dieser betriebsinterne Aspekt wurde durch die Teilnahme "hauseigener" Wissenschaftler unterstützt, konnte jedoch durch auswärtige Referenten zu einem ersten problemorientierten, gesellschaftlichen Dialog erweitert werden. Für die "Dienststelle Universität" wurden dabei folgende Aufgabenschwerpunkte deutlich:

    Die Notwendigkeit dieser Aufgabenschwerpunkte wurde durch die Diskrepanz zwischen akuter Problematik und geringer Teilnehmerzahl bestätigt. - Eine schriftliche Zusammenfassung der Referate konnte im Sommer 1996 als Broschüre an die universitären Arbeitsbereiche weitergereicht werden - mit erfreulicher Resonanz.

    Ein weiteres Öffentlichkeitsprogramm wurde vorbereitet und konnte im Laufe des Jahres 1996 wie folgt angeboten werden:

    I.) Informationstreffen mit Institutsangehörigen/Arbeitsgruppen der Fachbereiche

    Aufgrund der Erfahrung einer bisher geringen Teilnehmerzahl erschien es angebracht, in "aufsuchender" Weise den Kontakt mit den Arbeitsbereichen herzustellen. Dabei soll zum einen die praktische Funktion der Krisen- und Suchtberatungsstelle, die "anonyme" Beratung und die Beratung und Begleitung im Sinne einer Interventionskette vorgestellt werden, zum anderen jedoch auch sachkundige Aufklärungsarbeit geleistet werden. Dieses Konzept konnte in Zusammenarbeit mit dem Arbeitsmedizinischen Dienst durch medizinisches Fachwissen unterstützt und erweitert werden. Das konkrete Angebot der Universitätsleitung, eine ca. einstündige Informations- und Diskussionsveranstaltung, wurde bisher wie folgt wahrgenommen:

    SS 1996; Fachbereich Physik
    6 Arbeitsgruppen-Informationstreffen (Müller-Ambrosi)
    WS 1996/97; Fachbereich Biologie
    6 Arbeitsgruppen-Informationstreffen (Müller-Wagner)

    Die Teilnahme an diesen Informationstreffen war eher mäßig und wurde zunächst wohl vielfach als eine "freiwillige Pflicht" aufgefaßt. An den anschließenden Diskussionen beteiligten sich jedoch Vorgesetzte und Mitarbeiter mit derart interessierten Fragen, auch persönlichen Beiträgen, daß eine gemeinsame Interessenebene entstehen konnte. Zweifellos ist diese bemerkenswerte Diskussionsfreudigkeit ein Signal des Informationsbedarfs. Der häufiger geäußerte Wunsch nach Wiederholung bzw. Vertiefung derartiger Zusammenkünfte bestätigt diese Erkenntnis. Der eigentliche Gewinn dieser Begegnungsform liegt wohl in der Gegebenheit der "Klein"-Gruppe, des persönlichen Kennenlernens und in der Möglichkeit, individuelle Fragen, Unsicherheiten, eigene Erfahrungen und spezifische Themen (z. B. Vorgesetztenverhalten), Kollegialität, persönliches Verhalten) gleich und direkt ansprechen zu können.
    Das Angebot wird fortgesetzt.

    II.) Ringvorlesung im Allgemeinen Vorlesungswesen, WS 1996/97

    Mit Unterstützung der Arbeitsstelle für wissenschaftliche Weiterbildung (AWW) konnte im WS 1996/97 unter dem Motto: "WissenSchafft Verantwortung" Der Sucht begegnen" eine Ringvorlesung mit 14 Vortragsabenden angeboten werden. Die Referenten, aus praxisbezogenen Berufen sowie aus wissenschaftlichen Einrichtungen der Universität, stellten gemäß der Themenabfolge ihre praktischen Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse vor. Die Hörerschaft, Universitätsmitglieder, Fachpersonen und allgemeines Publikum, konnte in den abschließenden Diskussionen ihre Fragen und Beiträge einbringen.
    Gemäß dem Motto der Veranstaltungsreihe wurden die Themen nach Inhalten geordnet und in drei Blöcke gegliedert. Diese Gliederung entsprach zum einen dem "äußeren" gesellschaftlichen Prozeß der Suchtphänomene:

      1. Ursache, Aktion und Reaktion - soziale Beziehungen,

      2. Spezifische Suchtphänomene,

      3. Lebensalltag und "Problemfeld" Arbeitsplatz, Unterstützung/Hilfsangebote und Prävention,

    zum anderen dem "inneren" individuellen Prozeß wie:

      1. Kontakt mit dem psychischen und sozialen Erleben,

      2. Erkennen und Akzeptieren des Suchtgefängnisses,

      3. Verantwortung für das eigene Leben wagen, Hilfsangebote erkennen und begreifen.

    Die Hörerzahl war in den ersten neun Veranstaltungen - bis zur Weihnachts-pause - erfreulich hoch (insg. ca. 925 Personen), reduzierte sich jedoch in den letzten fünf Veranstaltungen merklich (insg. ca. 183 Personen). Eine engagierte Diskussionsbeteiligung konnte durchgehend wahrgenommen werden. Vielfach wurde der Wunsch nach Veröffentlichung der Vorträge und einer weiteren suchtspezifischen Vorlesungsreihe geäußert. Erstere ist in Vorbereitung.

    Aus dem Dargestellten ist erkennbar, daß die bisherige Öffentlichkeitsarbeit der Krisen- und Suchtberatungsstelle sich "auf natürlichem Wege" entwickelte. Es wurden keine Konzepte konstruiert und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern übergestülpt. Vielmehr wurden richtungsweisende Anstöße gegeben, aufgrund deren die Bediensteten ihre Bereitschaft ausdrücken konnten, das Phänomen "Sucht" innerhalb der Dienststelle Universität anzunehmen und die Problematik zu akzeptieren und nötige Präventionsarbeit mitzutragen. Das Bemühen der Krisen- und Suchtberatungsstelle wird sein, diesen gemeinsamen Prozeß in gebotener Weise herauszufordern und zu unterstützen.

    8.3 Neuordnung der Personalverwaltung (PROPERS)

    Die Neuordnung der Personalverwaltung ist darauf angelegt, Personalarbeit inhaltlich weiter zu entwickeln, organisatorisch zu verbessern und in ihrer Effizienz zu steigern. Konkreter Handlungsbedarf ergibt sich insbesondere aus der geplanten Dezentralisierung der Lohnbuchhaltung, der geplanten Zentralisierung der Kindergeldbearbeitung, der Koordination von Personalverwaltung, Personalplanung und -entwicklung, den knapper werdenden Personalmitteln sowie neuen Möglichkeiten der Personalbetreuung mit Hilfe der IuK-Unterstützung. Die Reorganisation von Personalarbeit im Sinne einer Ziel- und Ergebnisklärung in klaren Verantwortlichkeiten wird zunehmend durch die Rechnung in einem Wirtschaftsplan, die Budgetierung von Mitteln und die Dezentralisierung von Verantwortung auf die Fachbereichsebene - im Sinne des Neuen Steuerungsmodells - beeinflußt.

    Im Jahr 1996 wurden im Personalreferat der Universität Hamburg, nach Realisierung der baulichen und technischen Voraussetzungen, Systeme zur IuK-Unterstützung der Personalarbeit und Mittelbewirtschaftung in Betrieb genommen. Nach automatischer Erfassung von Stammdaten hat die manuelle Nacherfassung von Daten für die Personalverwaltung begonnen, welche im Jahr 1997 beendet sein wird. Auf dieser technischen Grundlage wird durch laufende Qualifizierungsmaßnahmen, Nutzungserweiterungen und Anpassung an universitäre Besonderheiten und Zielsetzungen die organisatorische Neuordnung der Personalverwaltung schrittweise realisiert.

    8.4 Rentenversicherungspflicht für Studierende

    Durch das Wachstums- und Beschäftigungsförderungsgesetz - WFG ist mit Wirkung vom 01.10.1996 die bisherige Rentenversicherungsfreiheit für diejenigen Personen entfallen, die während der Dauer eines Studiums als ordentliche Studierende einer Fachschule oder Hochschule gegen Arbeitsentgelt (bisherige 20-Std.-Regelung) beschäftigt sind.

    Unter diese Neuregelung der Rentenversicherungspflicht fallen an der Universität alle studentischen Hilfskräfte und Tutoren, soweit diese nicht unter die Geringfügigkeitsgrenze fallen.

    Ausgenommen von der Rentenversicherungspflicht sind hierbei nur diejenigen Personen, die bereits am 01.10.1996 als Angehörige der vorgenannten Personalkategorien beschäftigt waren. Diese sind auch bei einer zukünftigen Weiterbeschäftigung versicherungsfrei, es sei denn, es wird eine Rentenversicherungspflicht beantragt.

    Beschäftigte, die nicht unter die Geringfügigkeitsgrenze fallen, haben zur Rentenversicherung einen Beitrag in Höhe von gegenwärtig 10,15 % zu zahlen, der gleiche Anteil ist von der Arbeitgeberin Freie und Hansestadt Hamburg zu zahlen.

    Abgesehen von der geringeren Nettoauszahlung an die Studierenden und den erhöhten Kosten für die Universität, ist durch diese gesetzliche Regelung ein erheblicher Verwaltungsmehraufwand entstanden. Vor jeder Einstellung ist z. B. auch zu prüfen, ob evtl. eine Mehrfachbeschäftigung vorliegt, die zur Überschreitung der Geringfügigkeitsgrenze führen kann. Die Beschäftigten müssen hierüber schriftlich Auskunft geben, weil anderenfalls bei unrichtigen Angaben der Arbeitgeber nachträglich auch die Arbeitnehmeranteile zu zahlen hat.

    9. BERICHT DES UNIVERSITÄTS-KRANKENHAUSES

    9.1 Weiterentwicklung der Organisations- und Führungsstruktur

    In den Jahresberichten 1994/1995 wurde über den Stand der Diskussion zur Organisations- und Führungsstruktur im Universitäts-Krankenhaus Eppendorf berichtet. Ende 1996 hat der Präses der Behörde für Wissenschaft und Forschung auf der Grundlage seiner Thesen zur Neuregelung der Rechts- und Leitungsstrukturen des Universitäts-Krankenhauses Eppendorf den Referenten-Entwurf eines Gesetzes zur Umwandlung des UKE in eine rechtsfähige Körperschaft der Universität Hamburg vorgelegt und die Diskussion darüber eröffnet. Wesentliche Neuerungen enthält der Referenten-Entwurf gegenüber dem Thesenpapier von Ende 1995 nicht. Positiv zu beurteilen ist die fortbestehende Eingliederung des Fachbereiches Medizin in die Universität sowie die Einräumung einer weitgehenden betrieblichen Autonomie auch im Bereich Forschung und Lehre. Die Universität und der Fachbereich Medizin kritisieren aber weiterhin die Zusammensetzung des Aufsichtsorgans (Kuratorium), das ein Übergewicht staatlicher Vertreter enthält; gefordert wird eine deutlich stärkere Präsenz der akademischen Selbstverwaltung im Aufsichtsorgan. Auch die Trennung der Leitungsstruktur für die Krankenversorgung einerseits sowie für Forschung und Lehre andererseits wird im Hinblick auf die funktionale Zusammengehörigkeit von Krankenversorgung, Forschung und Lehre weiterhin kritisch beurteilt. Die Auflösung der Personalunion von Ärztlichem Direktor und Dekan wird nicht mehr grundsätzlich abgelehnt; gefordert wird aber ein Vorschlagsrecht des Fachbereiches Medizin bei der Wahl des Ärztlichen Direktors für die Krankenversorgung.

    Ende 1996 hat der Wissenschaftsrat zur geplanten Neuordnung der Hochschulmedizin in Hamburg Stellung genommen. Er spricht sich für die Trennung der Ämter des Ärztlichen Direktors und des Fachbereichssprechers aus, weil die Leitung eines klinischen Großbetriebes ein hauptamtliches, auf Kontinuität hin angelegtes Management erfordert, während für die akademischen Aufgaben eines Dekans ein gewisser Wechsel im Amt, der der Pluralität einer Fakultät entspricht und Wissenschaftler aus den verschiedenen theoretischen und klinischen Disziplinen zum Zuge kommen läßt, eher förderlich sei. Der Wissenschaftsrat rät auch zu einer deutlichen Zurücknahme des Einflusses der staatlichen Behörden auf klinikumsinterne Detailentscheidungen. Die rechtliche Verselbständigung des UKE wird vom Wissenschaftsrat dagegen zurückhaltend beurteilt. Aus seiner Sicht haben die klare Abgrenzung der Trägerverantwortung von der Betriebsverantwortung, die eindeutige Zuordnung der Kompetenzen der Leitungsorgane des Klinikums und des Fachbereiches und die Ordnung ihrer Zusammenarbeit, die Präzisierung der Leitungsstruktur der Kliniken und Institute sowie die Transparenz der Finanzierungsmodalitäten Vorrang vor rechtlichen Konstruktionsprinzipien.

    Der Senat der Freien und Hansestadt Hamburg hat der Bürgerschaft den Gesetzentwurf zur parlamentarischen Beratung zugeleitet.

    9.2 Strukturentwicklungsplanung

    Der Wissenschaftsrat hat in seiner erwähnten Stellungnahme umfangreiche Empfehlungen und Vorschläge für die Strukturentwicklungsplanung unterbreitet. Kernpunkt ist die geforderte Beschränkung der Krankenversorung auf den für Forschung und Lehre erforderlichen Umfang; vor diesem Hintergrund empfiehlt der Wissenschaftsrat als Zielgröße eine Bettenzahl von 1.350 Betten einschließlich tagesklinischer Einrichtungen. Im Laufe des Jahres 1997 soll die Strukturentwicklungsplanung unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Wissenschaftsrates fortgeschrieben werden.

    9.3 Wirtschaftsplan

    9.2.1 Entwicklung des Landeszuschusses für Forschung und Lehre

    Der Landeszuschuß für Forschung und Lehre betrug DM 198,6 Mio.. Durch Bewirtschaftungsmaßnahmen mußten DM 5,7 Mio. eingespart werden. Nach der mittelfristigen Aufgabenplanung und im Rahmen der weiteren Konsolidierung des Hamburger Landeshaushaltes ist in den kommenden Jahren mit einer weiteren Reduzierung des Zuschusses zu rechnen.

    9.3.2 Budget-Entwicklung

    Erstmalig galt für die Pflegesatzverhandlung die Bundespflegesatzverordnung 1995 (BPflV '95), aufgrund derer nach einem vorgegebenen Fachabteilungskatalog für jede Abteilung ein Pflegesatz sowie ein Basispflegesatz zu vereinbaren ist. Darüber hinaus gelten die in den Anlagen zur BPflV vorgegebenen Fallpauschalen und Sonderentgelte.

    Die Verhandlungen über das zu vereinbarende Krankenversorgungsbudget gestalteten sich außerordentlich schwierig. Sie waren geprägt von der Forderung der Krankenkassen, das zuletzt vereinbarte Budget um rund DM 60 Mio. abzusenken, um den Intentionen des Gesundheitsstrukturgesetzes (Abbau von Fehlbelegungen, Verkürzungen der Verweildauer, Ausweitung des ambulanten Operierens etc.) genüge zu tun. Da hierüber keine Verständigung möglich war, wurde die Schiedsstelle angerufen. Diese sprach im Oktober 1996 eine Empfehlung an die Parteien aus, ein Budget für drei Jahre über insgesamt DM 1,425 Mrd. abzuschließen. Diese Empfehlung haben die Vertragsparteien angenommen. Sie bedeutet eine Absenkung des zuletzt vereinbarten Budgets um DM 17 Mio. und eine dreijährige Festschreibung auf der abgesenkten Basis. Das macht es notwendig, das Kostenniveau in der stationären Krankenversorgung um DM 52 Mio. oder 11 % des Ausgangsniveaus zu senken. In einem ersten Schritt wurden 280 vollstationär genutzte Betten abgebaut. Der weitere Bettenabbau zur Erreichung der notwendigen Kostenanpassungen wird unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Wissenschaftsrates geplant.

    Die Entwicklung des medizinischen Bedarf stellt sich wie folgt dar:

    Medizinischer Bedarf 1993 1994 1995 1996
    in Mio. DM 158,4 157,0 147,1 151,0

    9.4 Stellenausstattung

    Aufgrund der geschilderten Situation im Budgetbereich wird ein Stellenabbau von rund 500 Stellen notwendig. Im Bereich Forschung und Lehre können neue Stellen nur für das Zentrum für Molekulare Neurobiologie in Hamburg eingerichtet werden, um den Aufbau dieses Zentrums abzuschließen. Im übrigen sind alle Stellen im Bereich Forschung und Lehre für eine Wiederbesetzung gesperrt, wenn und soweit die Nichtwiederbesetzung keine Beeinträchtigung des Lehrbetriebes nach sich zieht.

    9.5 Drittmittel

    Einnahmen:
    Bund 6.200 TDM
    DFG 6.775 TDM
    SFB 232 2.128 TDM
    EU 107 TDM
    Spenden, Stiftungszuwendungen
    Entgelte für Forschungsbeauftragte
    12.235 TDM
    27.445 TDM

    Diese Einnahmen bezogen sich auf rund 520 Projekte, in denen rund 350 aus Drittmitteln finanzierte Mitarbeiter beschäftigt waren.

    9.6 Investitionen/Bauten

    9.6.1 Mittellage

    Im Finanzplan des Wirtschaftsplanes UKE standen im Jahre 1996 bei den Kontengruppen folgende Investitionsmittel bereit:

    01. Investitionen mit Bundesbeteiligung (HBFG) DM 51.406.000,00
    02. Von Hamburg finanzierte Investitionen DM 25.000.000,00
    03. Grunderwerbsmaßnahmen DM      684.000,00
    04. Spendenfinanzierte Investitionen DM   1.390.000,00
    05. Aus Rücklagen finanzierte Investitionen DM      700.000,00
    DM 85.480.000,00

    9.6.2 Bundesbeteiligung

    Der Planungsausschuß für den Hochschulbau hat in seiner Sitzung am 14. September 1995 den 25. Rahmenplan für den Hochschulbau nach dem Hochschulbauförderungsgesetz beschlossen.

    Nach der Besichtigung des UKE durch den Ausschuß Medizin des Wissenschaftsrates am 24. Oktober 1995 wurden der Umbau und die Erweiterung der Neurochirurgischen Klinik noch in die Kategorie I aufgenommen und damit der Baubeginn im Jahr 1996 ermöglicht.

    9.6.3 Bauprojekte

    Forschungspavillon

    Mit einem zweigeschossigen Gebäude als Anbau an den Altbau Chirurgie wurden 1996 dringend benötigte Forschungsflächen für den Schwerpunkt Lebertransplantation geschaffen. Gleichzeitig wurde mit dieser Baumaßnahme eine deutlich bessere Unterbringung des Bereiches Leberambulanz mit ausreichenden Raumbereichen erreicht.

    Neurochirurgie

    Die Sanierungs- und Neubaumaßnahme der Neurochirurgischen Klinik verbessert die Raumnot der Klinik, optimiert die Arbeitsbereiche OP, Intensivpflege und Normalpflege und faßt die zur Zeit dezentrale Unterbringung an einem Standort zusammen. Insgesamt wird die Klinik nach Fertigstellung der Maßnahme über ca. 9.000 qm Bruttogeschoßfläche verfügen. Die Baukosten belaufen sich auf DM 62 Mio.. Die Bauzeit wird 2 1/2 Jahre betragen.

    Erweiterung der Kinderklinik/Onkologie

    Die Fördergemeinschaft Kinder-Krebs-Zentrum Hamburg e. V. konnte das Vorhaben 1996 fertigstellen und hat es mit der feierlichen Einweihung am 5. September 1996 dem UKE zur Nutzung übergeben.

    Auf der Fläche des abgebrochenen und im Zuge des Vorhabens in erweiterter Form an anderer Stelle neu errichteten Gebäudes für die Krankengymnastik entstand ein viergeschossiger Neubau mit rund 680 qm Nutzfläche; außerdem wurde das bereits bestehende Ambulanzgebäude mit einem zusätzlichen Staffelgeschoß (rd. 160 qm NF) versehen. Sämtliche Funktionsbereiche der Abteilung für pädiatrische Hämatologie und Onkologie sind damit baulich miteinander verbunden.

    Über das ursprüngliche Bauprogramm hinaus hat die Fördergemeinschaft zusätzlich rund 110 qm Nutzfläche geschaffen und ausschließlich aus Eigenmitteln finanziert, um die Einrichtung einer Stiftungsprofessur zu ermöglichen.

    Insgesamt wurden für das Bauvorhaben rund DM 8,3 Mio. aufgewendet, davon wurden rund DM 6,8 Mio. je zur Hälfte aus Spendenmitteln der Fördergemeinschaft und Zuschüssen des Bundes nach dem HBFG finanziert; weitere rund DM 1,5 Mio. hat die Fördergemeinschaft allein getragen.

    Mietgebäude Kollaustraße 67 - 69

    Die Mietflächen (rund 2.600 qm Nutzfläche) für die Berufsfachschule für Physiotherapie, für die Innerbetriebliche Fort- und Weiterbildung für Pflegepersonal (IBF) und Forschungsprojekte der Abteilung für Medizinische Psychologie wurden vom Vermieter am 20. Mai 1996 übergeben. Nach Möblierung der Räume und Umzug konnten die Einrichtungen zwischem dem 10. und 27. Juni ihren Betrieb in den neuen Räumen aufnehmen. Die übergangsweise von der IBF genutzten Räume am Schulterblatt wurden der Behörde für Wissenschaft und Forschung zurückgegeben.

    Herrichtung Haus G, Stellingen, für den Lehrstuhl für Hygiene

    Die im Sommer 1995 begonnene Herrichtung des Hauses G, auf dem Informatik-Campus in Stellingen wurde am 10. September 1996 mit der offiziellen Übergabe an das UKE und den Lehrstuhl für Hygiene endgültig abgeschlossen. Dem Lehrstuhl, der aus dem Universitätsgebäude Jungiusstraße 6 und dem von der Umweltbehörde aufgegebenen Mietgebäude Gazellenkamp 38 verlagert werden mußte, stehen nunmehr rund 970 qm Nutzfläche zur Verfügung. Die Herrichtungskosten waren mit 4.970 TDM veranschlagt.

    Erweiterung Kindertagesstätte

    Das Richtfest für das die Tagesstätte erweiternde neue Gebäude konnte am 27. August 1996 begangen werden. Anfang 1997 wird der rund DM 1,4 Mio. teure Neubau in Betrieb genommen werden können.

    Neubau des OP-Bereiches der Hautklinik

    Der Neubau, der den OP-Bereich der Hautklinik aufnimmt, der Räume für die aufgrund einer Kooperationsvereinbarung mit der Firma Beiersdorff vorgesehenen Labor und Büroräume für die Stiftungsprofessur (Abteilung für Experimentelle Dermatologie/Allergologie) und im angeschlossenen Umbaubereich Sepzialbehandlungsräume erhält, konnte planmäßig fortgeführt werden. Am 14. November 1996 fand das Richtfest für den rund 670 qm Nutzfläche umfassenden Neubau und die anschließend umzubauenden Räume (rund 250 qm) statt. Insgesamt werden für das Vorhaben rund DM 23,2 Mio. bereitgestellt.

    Zentrum für Biomechanik UKE - Lottestraße 59

    Für die nutzungsspezifische Herrichtung der Mietfläche zu einem Labor- und Dienstgebäude für den interdisziplinären Forschungsschwerpunkt Biomechanik UKE (Medizinischer Anteil), der mit einem komplementären Schwerpunkt der TUHH kooperiert, sind insgesamt rund DM 4,7 Mio. veranschlagt. Der Umbau des ehemaligen Fabrikations- und Lagergebäudes wird Anfang 1997 abgeschlossen sein.

    Neubau Dienstleistungszentrum

    Der Neubau des Dienstleistungszentrums konnte weitgehend planmäßig fortgeführt werden. Der von der Sprinkenhof AG als Investor, Bauträger und künftiger Betreiber errichtete Gebäudekomplex, der auch eine Umgestaltung des UKE-Haupteinganges umfaßt, enthält eine Ladenzeile, Restaurant und Café sowie eine Buchhandlung; außerdem in zwei Geschossen einen Bürobereich, der für das UKE angemietet wurde. Im Frühjahr 1997 werden die neuen Räume betriebsbereit sein.

    Neubau eines Elternhauses für die Patienten des UKE und ihre Angehörigen

    Die Ronald-McDonald Kinderhilfe errichtet an der Robert-Koch-Straße, also in unmittelbarer Nähe des UKE ein "Zuhause auf Zeit" für schwer chronisch erkrankte Kinder, die im UKE behandelt werden bzw. für ihre Angehörigen. In diesem Begegnungszentrum werden 12 Appartements und diverse Gemeinschaftsräume zur Verfügung stehen. Der Grundstein wurde am 4. September 1996 gelegt. Das Richtfest fand am 19. Dezember 1996 statt. Die Ferstigstellung wird für Frühsommer 1997 erwartet. Die Ronald-McDonald Kinderhilfe erstellt und betreibt das Projekt ausschließlich aus Spendenmitteln. Die Übernachtungskosten von DM 20,00 tragen in der Regel die Krankenkassen.

    Umbau und Erweiterung des OP-Bereiches der Abteilung für Zahn-, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie

    Diese Maßnahme, die aus einem Erweiterungsbau mit rund 600 qm Nutzfläche und rund 1.150 qm umzubauender Nutzfläche entsteht, wurde Anfang 1996 mit der Verlagerung der OP-Abteilung vom 2. in das 1. Oberschoß (Ausweich-OP für die Bauzeit) und der Errichtung des Neubaues bzw. des Umbaues im 2. OG ab Mai 1996 begonnen. Zusammen mit der Sanierung der OP-Abteilung (vier OP-Räume) werden auch eine Erweiterung der Röntgenabteilung vorgenommen und zusätzliche Infrastruktureinrichtungen sowie ein Seminarraum/Hörsaal für Patientendemonstration (Vermeidung von Außentransporten operierter Patienten) geschaffen. Die Bauzeit des mit rund DM 20,7 Mio. veranschlagten und bei laufendem Klinikbetrieb durchzuführenden Vorhabens ist mit rund zwei Jahren geplant. Es wird angestrebt, die neuen OP-Räume noch im Herbst 1997 in Betrieb zu nehmen.

    Forschungszentrum für Molekulare Neurobiologie

    Der rund 6.300 qm Hauptnutzfläche umfassende Neubau an der Martinistraße/Falkenried wurde dem Zentrum am 5. Juni 1996 übergeben. Am 29. und 30. August 1996 wurden die neuen Räume der Öffentlichkeit im Rahmen einer Einweihungsfeier vorgestellt. Die Gesamtkosten des Vorhabens sind mit rund DM 71,8 Mio. veranschlagt.


    Der Planungsstab der Universität Hamburg, 21. Oktober 1998. Impressum.

    Universität - Präsidialverwaltung
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