JSO-Komplex-Heilweise

Die JSO-Komplex-Heilweise ist eine naturheilkundliche Heilweise, bei der Kombinationen aus verschiedenen spagirisch aufbereiteten Pflanzen verwendet werden. Nach dem Arzneimittelgesetz sind die verwendeten Arzneimittel der Homöopathie zuzuordnen. Ihr charakteristisches Herstellungsverfahren ist dementsprechend im Homöopathischen Arzneibuch (HAB) festgelegt.

Die JSO-Komplex-Heilweise bietet ein Therapiesystem, bei dem das Krankheitsgeschehen als komplexes Zusammenspiel mehrerer Organsysteme aufgefasst und nach ganzheitsmedizinischen Gesichtspunkten beeinflusst wird. Basierend auf über 100-jähriger therapeutischer Erfahrung hat sich die JSO-Komplex-Heilweise als schonende und erfolgreiche Therapieform bewährt.

 

 Grundzüge

Die JSO-Komplex-Heilweise ist ein in sich geschlossenes, ganzheitsmedizinisches Heilsystem. Das Therapiekonzept beruht dabei zunächst auf der Erkenntnis, dass der Gesundheitszustand von einem geordneten Miteinander aller Stoffwechselvorgänge abhängt.

Es unterstützt Stoffwechsel- und Ausscheidungsorgane wie Magen, Darm, Leber, Niere, Lunge und Haut in regulativer Weise. Insbesondere die Förderung der Ausscheidungsfunktion dieser Organe spielt bei der Therapie eine wichtige Rolle.

Um den vielschichtigen Verflechtungen einer Erkrankung gerecht zu werden, benutzt die JSO-Komplex-Heilweise komplexe, aus spagirischen Einzelmitteln zusammengesetzte Arzneimittel. Diese sind so zusammengefügt, dass sie Einfluss auf eine Gruppe von Organen nehmen, die gewissermaßen physiologisch oder anatomisch-histologisch eng miteinander verbunden sind. In einem Arzneimittel sind daher Einzelmittel mit ähnlichen oder synergistischen Wirkungen enthalten.

Die beiden zentralen Säulen der JSO-Komplex-Heilweise sind zum einen die Pflanzenheilkunde und zum anderen die Homöopathie. Die Pflanzenheilkunde ist in diesem Zusammenhang zu verstehen als überlieferte Volksheilkunde, als älteste vom Menschen angewandte medikamentöse Therapie mit einer jahrhundertelangen Erfahrung. Die JSO-Komplex-Heilweise kann ebenso wie die Homöopathie als Reiz- und Regulationstherapie eingeordnet werden. Die beiden Verfahren haben vor allem das Potenzierungsverfahren und die Arzneimittelform (Globuli) gemeinsam. Die Arzneimittel der JSO-Komplex-Heilweise werden nach einem eigenen Verfahren hergestellt:
dem Spagirischen Herstellungsverfahren nach Krauß.

Als biologische Therapie zielt die JSO-Komplex-Heilweise darauf ab, die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren und zu unterstützen. Eine Heilung findet unter Mitwirkung der körpereigenen Regulationsmechanismen statt. Daher ist es notwendig, dass der Organismus fähig ist, auf die feinstofflichen Reize des Arzneimittels zu reagieren. Wo vitale Mechanismen zerstört sind, wo ein Reiz keine Beantwortung mehr findet, haben vorwiegend andere Behandlungsmethoden ihren Platz.

 

 Historische Grundlagen

Die JSO-Komplex-Heilweise basiert auf der Elektro-Homöopathie, die Ende der 1850er Jahre vom italienischen Gelehrten Graf Cesare Mattei aus Bologna (Italien) entwickelt wurde.

Er nahm sowohl Anregungen aus der spagyrischen Richtung von Paracelsus wie die Besonderheiten bei der Zubereitung der Arzneimittel auf, als auch einige Grundprinzipien der Homöopathie. In erster Linie stützte er sich bei der Entwicklung der Elektro-Homöopathie jedoch auf eigene Erfahrungen.

Mattei war beeindruckt von der sehr schnellen Wirkung seiner Mittel, die aus seiner Sicht in einigen Fällen der Wirkung elektrischen Stroms glich. Da sein Heilsystem andererseits Gemeinsamkeiten mit der Homöopathie aufwies, wählte er den Namen "Elektro-Homöopathie" für das von ihm aufgebaute System.

Bei Matteis Arzneimitteln handelte es sich um zusammengesetzte Arzneimittel, also um Kombinationen verschiedener Pflanzen in spagirisch aufbereiteter Form, die er bei bestimmten Indikationen einsetzte. Er ging davon aus, dass es, abgesehen von äußeren Verletzungen, nur zwei Ursachen von Krankheiten gibt, nämlich Störungen des Blutes und der Lymphe. Darauf gründete er die Einteilung der Arzneimittel in solche, welche die Blutzirkulation und die Blutzusammensetzung korrigieren und solche, welche bei Krankheit der Lymphe angewendet werden. Diesen Universalmitteln stellte Mattei spezifische Organmittel zur Seite, mit denen gezielt einzelne Organe wie Lunge oder Darm beeinflusst wurden.

Anfang der 1880er Jahre wurde in Regensburg ein "Consortiums für Elektro-Homöopathie" zum Vertrieb der Arzneimittel von Mattei gegründet. 1883 übernahm die Apotheke zum Goldenen Engel in Regensburg den Vertrieb, das Consortium blieb zuständig für die Herausgabe von Literatur und die Betreuung Hilfesuchender. Im Juli 1883 zählte es 7000 Mitglieder.

1881 kam Theodor Krauß in ersten Kontakt zur Elektro-Homöopathie. Er stand von 1885 bis 1896 in direktem Kontakt zu Mattei. 1890 übernahm Krauß die Leitung des Consortiums.
Im Jahr 1891 kaufte der Apotheker Johannes Sonntag die Apotheke zum Goldenen Engel und das Recht zum Vertrieb der "Elektrohomöopathischen Mittel" von Mattei, die er nach einem Vertrag von 1897 allein vertreiben konnte.

Im 1. Weltkrieg bleiben zwischen 1914 und 1918 die Lieferungen aus Italien aus. Zunächst wurden Originalrezepturen in Lizenz nachproduziert. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Krauß und Dr. med. Johannes Dingfelder wurde auf der Mattei'schen Basis aufgebaut und das System weiterentwickelt bis zur heutigen JSO-Komplex-Heilweise (JKH).
1920 veröffentlichte Krauß die erste Auflage der "Grundgesetze der Elektro-Homöopathie". Heute liegt die 14. Auflage vor.

 

 Graf Cesare Mattei

11.1.1809 geboren in Bologna
1850er Jahre Anfänge der Elektro-Homöopathie im Hause seiner Eltern
1860er Jahre zunehmendes Interesse an seiner Arbeit; auch kostenlose Behandlung Mittelloser
1867 Bericht über 156 Heilungen von für unheilbar gehaltenen Patienten;
erste Broschüre über das neue Heilverfahren: "Brevi notizie sull Pmiopatia etc."
1869 Behandlungen mit Elektro-Homöopathie im Krankenhaus St. Theresa in Rom;
Besuch von Dr. Carl-Friedrich Zimpel und Dr. Arthur Lutze bei Mattei
seit 1870 Rückzug auf die Rocchetta, wo er weiter Patienten behandelte (angeblich auch Herzog Ludwig von Bayern und Zar Alexander II.)
1885-1896 Kontakt zu Theodor Krauß
3.4.1896 Tod

 

 Elektro-Homöopathie

Die Elektro-Homöopathie wurde Mitte des 19. Jahrhunderts von dem Grafen Cesare Mattei in Italien entwickelt. In den folgenden Jahren wurde sie weltweit bekannt.

Für die Herstellung seiner Arzneimittel verwendete Mattei nur Pflanzen, die er auf eine bestimmte, weitgehend unbekannte Art aufbereitete und zu Komplexen zusammenfügte. Mattei verstand sein System als besondere Form der Homöopathie.

Die rasche Wirkung der Arzneimittel, die er teilweise mit der eines elektrischen Schlages verglich, sowie der polare Charakter einiger Flüssigkeiten (den sogenannten "Electricitäten") veranlassten Mattei dazu, sein Heilsystem als Elektro-Homöopathie zu bezeichnen.

Das System wurde später von Theodor Krauß zur Elektro-Komplex-Homöopathie, der heutigen JSO-Komplex-Heilweise, weiterentwickelt.

 

 Theodor Krauß

3.11.1864 geboren in Beraun (Böhmen)
bis 1870 Jugendjahre bei seinem Großvater (Homöopath und Schüler Hahnemanns)
1881 erster Kontakt mit der Elektro-Homöopathie
1883 Tod des Großvaters und Eintritt in das Consortium für Elektro-Homöopathie, Regensburg
seit 1883 weiteres Erlernen der Elektro-Homöopathie beim homöopathischen Arzt Dr. Pesendorfer, der später das Rezept für die Pesendorfer-Salbe® entwickelte;
Praxis in Prag
1885-1896 Kontakt zu Graf Cesare Mattei, dem Begründer der Elektro-Homöopathie
ab 1885 Gründung eines Komitees zur Verbreitung der Elektro-Homöopathie, ständiger wissenschaftlicher Mitarbeiter des Regensburger Consortiums, literarische Tätigkeit (u. a. "Blätter für Elektro-Homöopathie", "Das elektro-homöopathische ABC")
Seine Werke erschienen schließlich in sechs verschiedenen Sprachen
1.10.1890 Wissenschaftlicher Leiter des Consortiums, Umzug nach Regensburg
seit ca. 1890 Mitarbeiter des französischen homöopathischen Arztes und Physiologen Dr. Encausse; Übersetzung von Dr. Encausse's "Synthetische Physiologie"
seit 1896 Förderung der Elektro-Homöopathie in Deutschland, mit Vortragsreisen, Gründung von Vereinen, Ausbildung von elektrohomöopathischen Ärzten und Praktikern (darunter Hochschulkurse in Berlin)
1900 Promotion
1909 Erhalt des Titels "Professor für den Lehrstuhl der okkulten und hermetischen Medizin" von der "Ecole supérieure libre" "ad honores" für eine Preisarbeit.
seit ca. 1917 Entwicklung der JSO-Komplex-Heilweise in Zusammenarbeit mit dem Apotheker Johannes Sonntag und dem homöopathischen Arzt Dr. med. Johannes Dingfelder
31.3.1918 Übernahme der Schriftleitung der "Monatszeitschrift für zusammengesetzte Homöopathie"
1.10.1924 Tod

 

 Johannes Sonntag

3.2.1863 geboren in Rochlitz
ab 1880 dreijährige Praktikantenzeit in der Löwenapotheke in Pirna
1883 Gehilfenexamen in Dresden;
"Wanderzeit" als Gehilfe mit Tätigkeit in Schleswig, Thun, Bern, Genf, Nyon, Metz und Wehlen (Sächsische Schweiz)
1884-1886 Studium der Pharmazie in Leipzig
1886 einjährige freiwillige Tätigkeit als Militärapotheker in Dresden
1887 Vertretungszeiten als Apotheker in Zerbst, Chemnitz und Zittau
1.11.1891 Erwerb der Engel-Apotheke in Regensburg, die er bis zu seinem Tod leitete
ab 1918 Entwicklung der JKH sowie weiterer homöopathischer Arzneimittel in Zusammenarbeit mit Theodor Krauß und Dr. med. Johannes Dingfelder
4.10.1921 Gründung der Verlagsbuchhandlung Johannes Sonntag
1923 Gründung des JSO-Werkes
17.8.1945 Tod in Regensburg
Sonstiges langjähriges Mitglied der Botanischen Gesellschaft in Regensburg,
viele Jahre erster Vorsitzender der Sektion Regensburg des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins

 

 Das spagirische Herstellungsverfahren nach Krauß

Das Wort leitet sich aus dem griechischen "spao" = trennen und "ageirein" = vereinigen ab. Auf die Arzneimittelherstellung bezogen, bedeutet dies die Trennung des Wertvollen vom "Unreinen".

Diese Trennung erfolgt in der JSO-Komplex-Heilweise besonders schonend in zwei Schritten:
Nach zwei getrennten Potenzierungsschritten werden die beiden Extrakte in der dritten Potenz vereinigt (ageirein).

Die Besonderheiten der spagirischen Aufbereitung nach Krauß sind: