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Vergessene Katastrophen: 15. Oktober., 22.05 Uhr
Tod im Schacht - Zwickau 1960
Sendung vom 15. Oktober 2002
Die MDR-Dokumentationsreihe "Vergessene Katastrophen" rollt große Unglücksfälle der Vergangenheit dokumentarisch als spannendes Stück Zeitgeschichte auf. Mit der Rekonstruktion des jeweiligen Falles sollen schlaglichtartig immer auch die sozialen Hintergründe und Rahmenbedingungen der Gesellschaft erhellt werden, genauer gesagt, der DDR-Gesellschaft.

123 Bergleute fanden beim Grubenunglück 1960 den Tod; Quelle: MDR
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123 Bergleute fanden beim Grubenunglück 1960 den Tod
Ein Film von Kerstin Mauersberger und Jürgen Ast

Im Februar 1960 kam es zu dem folgenschwersten Grubenunglück in der Geschichte der DDR. Am 22.02.1960, einem Montagmorgen um 08.20 Uhr, verschüttete eine Explosion im Zwickauer Steinkohlebergwerk "Karl Marx" 174 Bergmänner in 1100 Meter Tiefe. Die sofort alarmierten Rettungsleute kämpften sich hinunter in die Schächte, in denen es kaum noch Sauerstoff gab - nur noch Qualm, Feuer, Hitze und die vage Hoffnung, die eingeschlossenen Kumpel lebend bergen zu können. Erst elf Stunden nach Ausbruch des Brandes gaben die Nachrichtenagenturen der DDR das Unglück bekannt - als offensichtlich war, dass es weder verschwiegen noch bagatellisiert werden konnte. Bis dahin hatten die Rettungsmannschaften 40 Bergleute lebend hoch geholt und 13 Männer tot geborgen.


 
Ein Retter sinnt nach; Quelle: dpa
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Ein Retter sinnt nach
Der Ministerpräsident der DDR, Otto Grotewohl, trifft am Unglücksort ein. Er versichert den Angehörigen der noch eingeschlossenen Bergleute, dass alles Menschenmögliche zu ihrer Rettung getan wird. Das Hilfsangebot der erfahrenen und mit moderneren Geräten ausgerüsteten Grubenwehren aus dem Ruhrgebiet wird jedoch mit den Worten abgelehnt: "Eine solche scheinheilige Hilfe benötigen wir nicht." Einen weiteren Tag später, 70 Stunden nach der Explosion, versichert Otto Grotewohl noch einmal, dass die Rettungsarbeiten weiter gehen, solange noch ein Funken Hoffnung besteht.

 
Die Rettungsmannschaft im Schacht; Quelle: MDR
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Die Rettungsmannschaft im Schacht
Über 500 Rettungsmänner kämpfen weiterhin gegen das Feuer und um das Leben der noch vermissten 74 Kumpel. Sechs Tage nach dem Ausbruch des Feuers müssen sie aber aufgeben, nachdem sie einen weiteren großen Brandherd in dem verzweigten Schachtsystem entdeckt haben. Die Regierungskommission beschließt, den Schachtabschnitt zuzumauern, um eine weitere Ausbreitung des Brandes zu verhindern. Die eingeschlossenen Bergleute können nach menschlichem Ermessen nicht mehr am Leben sein. Auch eine Bergung der Toten ist zu diesem Zeitpunkt unmöglich. Die schreckliche Bilanz: 123 Tote.

 
Trauernde; Quelle: dpa
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Trauernde
Die Trauer um die Toten des Unglücks vereinte Deutschland noch einmal mitten im Kalten Krieg. Der Bundestag und das Zentralkomitee, die Bergbaureviere im Ruhrgebiet und im Erzgebirge hatten zur Staatstrauer die Fahnen auf Halbmast gesetzt. Alle Maschinen und Autos standen in Ost- und Westdeutschland zu einer Gedenkminute still, alle Menschen verharrten. Danach ging man wieder zur politischen Tagesordnung über. Eine Regierungskommission wird eingesetzt. Sie soll die Ursachen der Katastrophe bis ins Letzte aufklären.

 
Bei der Rekonstruktion der Ereignisse können sich die MDR-Autoren auf zahlreiche Akten und Dokumente stützen, die erst jetzt, viele Jahre nach dem Unglück, zugänglich geworden sind, vor allem aber - wie schon bei den bisherigen Folgen der Dokumentationsreihe "Vergessene Katastrophen" - auf die Erinnerungen und Erlebnisberichte unmittelbar Beteiligter: Bergleute, Retter, Angehörige, Ärzte, Ermittler.

 
Buchtipps:
 
"Bergbau im Erzgebirge. Technische Denkmale und Geschichte"
Otfried Wagenbreth,
Spektrum akademischer Verlag, Heidelberg 1990,
ISBN 3827412145
(nur noch antiquarisch erhältlich)

 
"Aus alter Arbeitszeit im Erzgebirge"
Annette Bauer, J. Nikolaus,
B. Schreiter: Wartberg-Verlag,
Gudensberg 1996,
ISBN: 3861343 41X
Preis: EUR 17,80

 
"Grubenunglücke im deutschsprachigen Raum. Katalog der Bergwerke, Opfer, Ursachen und Quellen"
Kroker, Evelyn; Farrenkopf, Michael,
Bochum 1999,
ISBN 3921533686
Preis: EUR 36,00


 
"Nach der Katastrophe. Das Grubenunglück von Borken. Ein Erfahrungsbericht über drei Jahre psychosoziale Hilfe"
Verlag Vandenhoek und Ruprecht, Göttingen 1998,
ISBN: 3525457510
(nur noch antiquarisch erhältlich)

 
"Der Arbeitsplatz des Bergmanns in historischen Bildern und Dokumenten"
Gabriele Unverferth, Evelyn Kroker,
Bochum 1994,
ISBN 392153321X
Preis: EUR 13,00

 
zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2002 | 12:36
 
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