Hier nun ein Rückblick auf die Zeit bei Organisation von Alfred Mönicks, geboren am 01.10.1950 in Aachen.

"Ich stieß so 1966-67 zu Ralf Hütter und Florian Schneider-Esleben, die mit Bassist Butch Hauf, Congaspieler/Percussionist Basil Hammoudi und Tenorsaxophonist Peter Martini sowie dem heute sehr berühmten Free Jazz Schlagzeuger Paul Lorens eine mehr Afro-Latin Musik machten. Paul Lorenz, ein sehr guter Freund und Mitschüler, wollte zur Manfred Schoof Band überwechseln und stellte mich den beiden als Schlagzeuger vor. Ich stieg mal bei einem Konzert hier in Aachen ein und wurde somit der neue Drummer der Gruppe.

Ich weiß nicht mehr, wie diese Gruppe sich damals nannte. Ich glaube aber, dass sie noch nicht Kraftwerk hieß. Die Idee hatte ich später während einer Fahrt mit Ralf über die Autobahn. Er fragte mich, wie wir die Gruppe nennen könnten. Wir nannten uns dann später Kraftwerk. Das war aber erst so gegen 1968/69 herum. Der Saxophonist Peter Martini war hier in Aachen Student und einige Jahre älter als ich. Ralf Hütter schmiss ihn aus der Band raus. Ralf Hütter war ja praktisch der Bandleader, der auch alle Konzerte organisierte und die Verträge klarmachte. Peter Martini spielte danach bei Brummkreisel und Schacht 5 (oder 4?). Der Ralf hat ihm öfters die Meinung über seine Spielweise gesagt. Zu der Zeit spielten wir z.B. Gigs im Jazzkeller Krefeld, Malteser Keller Aachen für 150 - 200 DM pro Person und Auftritt. Wir spielten dann also ohne P. Martini weiter. Florian spielte elektrisch-verstärkte Flöte und elektrische Violine, beides mit vielen Effektgeräten und auch schon mal Percussion. Ralf spielte eine Hammond-Orgel mit zwei Lesley-Cabinet-Boxen. Butch Hauf, Student aus Düsseldorf spielte E-Bass. Basil Hammoudi, ein Marokkaner und ebenfalls Student in Wuppertal, spielte Conga und Percussion. Er war jedoch nie der Sänger in der Band, wie fälschlicherweise auf dem Cover aufgedruckt. Ich selber heiße Alfred Mönicks mit ö und nicht Fred Monicks. Ich spielte ein Gretsch-Schlagzeug, damals für mich das Beste auf dem Markt, Tamburine und marokkanische Bongos mit Naturfellen, wie auch auf der "Organisation" Platte zu hören ist. Bei einem Konzert im Krefelder Jazzkeller 1968 oder 1969 stieg Jaki Liebezeit, der Schlagzeuger von Can als Schlagzeuger für einen Abend ein. Beim Künstlerfest im alten Bahnhof im Aachener Rolandseck so 1968/69 haben wir mit Bands wie Klaus Doldinger, Slide Hanyston Quintett und dem Hair Musical Ensemble gespielt. 1969 oder 1970 haben wir in der Essener Grugahalle im Rockpalast gespielt. Da traten wir sogar Live im WDR 3 auf und das zwei Gruppen vor Frank Zappa and the Mothers of Invention.

Einen besonderen Gig hatten wir 1968/69 bei einem Solinger Messerfabrikanten. Wir spielten vor seiner Villa am Pool. Dafür habe ich die höchste Gage erhalten, die ich jemals von Kraftwerk erhalten habe. Der Ralf hat jedem 600 DM ausgezahlt.

Bei unseren Konzerten spielten wir alle Stücke aus dem Stehgreif. Wir haben immer alles frei improvisiert. Dabei kam dann unsere 1968 im Rhemus Studio in Godorf von Conny Plank aufgenommene Platte Tone Float heraus. Der Conny Plank hat uns im Düsseldorfer Downtown gehört. Er bestellte uns dann ins Studio. An dem Tag war auch ein englischer oder amerikanischer Plattenproduzent anwesend. Der Produzent ließ schon im Studio durchblicken, dass er die Musik auf Vinyl pressen lassen würde. Er war vom RCA Lable (Radio Corporation of Amerika, Brodway No.1, NYC). Es wurde damals - 1970 - auf 1000 Stück limitiert. Jeder, der an der Produktion beteiligt war, bekam 200 DM von Ralf auf die Hand. Schon vor den Aufnahmen hatten wir den Namen Kraftwerk. Nur die Schallplatte trägt den Bandnamen Organisation. Das war besser für den englisch/amerikanischen Markt. Im Studio einigten wir uns mit dem Produzenten der RCA auf den Namen. Der Name klang englisch. Nachdem die Platte erschienen war, fragte uns der Ralf und der Florian, ob wir Lust hätten, eine England- und Amerika-Tour zu machen. Butch, Basil und ich wir stiegen daraufhin aus der Gruppe aus. Wir drei wollten unser Studium beenden. Ich selbst studierte an der Fachschule für Gestaltung und der Werkkunstschule Aachen Grafikdesign. Ralf und Florian machten ihre Tour dann alleine. Ich spielte später bei der Aachener Rockgruppe The Batmen und in einer Free Jazz Band."

GK: Haben sie eigentlich noch Kontakt zu Musikern von damals?
AM: Ich habe leider keinen Kontakt mehr zu Leuten aus dieser Zeit. Man trennte sich ja um 1970 nach dem Konzert in der Grugahalle. Ralf und Florian tourten dann durch England, soweit ich mich an ein Gespräch danach mit Ralf noch erinnern kann, nur mit ein paar Rhytmusmaschinen.

GK: Hat die England Tour damals tatsächlich stadtgefunden?
AM: Die Tour, von der ich geschrieben habe, hat tatsächlich 1970/71 stattgefunden. Ralf und Florian machten sie soweit ich weiss alleine. Ralf sagte mir später mal, eine Frau mit "großen Brüsten" habe, glaube in London oder anderswo in England, nach einem Konzert nach mir gefragt.

GK: Wurden in der Zeit bei Organisation eigentlich noch andere Stücke aufgenommen oder gespielt?
AM: Wir haben alle Titel ab einer bestimmten Zeit an improvisiert. Von Organisation gibt es keine weiteren Bänder oder Titel. Wir spielten auch im Studio nur die fünf Stücke von der LP. Die reichten ja auch für die Platte.

GK: Wie war damals die Arbeitsverteilung und wie war eigentlich das damalige Arbeitsverhältnis zu Conny Plank?
AM: Conny Plank kannte ich gar nicht. Ralf kannte ihn wohl näher. Für mich war der Ralf immer der Band Chef. Er machte alle Auftritte klar, die Gagen, er managte bis 1971 einfach alles.
Alfred Mönicks Interviews vom Juni 2002 - Januar 2003

Das Interview kann mit Genehmigung von mir genutzt werden. Kontakt germankraft@mdis.de

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