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Stand vom 26.02.2003
Alle Beiträge zum Thema

Der kleinste Karnevalszug der Welt

Ein Westfale mit Bollerwagen

Von Anneke Wardenbach

Unna hat den kleinsten Karnevalszug der Welt. Ein Mann, ein Bollerwagen und eine große Portion Unerschüttlichkeit garantieren der westfälischen Kleinstadt ihren Karneval – seit 46 Jahren.

Helmut Scherer und sein Karnevalswagen; Rechte: WDR
Ein Mann - ein Zug

"Moment, ich verschwinde eben!", grinst der grauhaarige Helmut Scherer. Minuten später taucht er als blondes Schulmädchen verkleidet wieder auf. Der 68-jährige rückt seine dicke Brille und das schicke Kleid zurecht. Dann rangiert er einen bunten Bollerwagen aus der Werkstatt. Zusammen mit seinem Gefährt bildet Scherer Unnas einzigen "Zug".

Auf dem kleinen Wagen sitzt ein Affe vor einem Monitor. "Computer-Englisch Umgangssprache – wo bleibt die Pflege der deutschen Sprache?!" lautet das aktuelle Motto. "Viele Fremdwörter sind einfach affig", findet der pensionierte Krankenpfleger.

Probefahrt über den Bürgersteig

Helmut Scherer mit zwei Fans; Rechte: WDR
Fan-Club: "Klar kennen wir ihn!"

Eine Probefahrt über den Bürgersteig steht an. "Neulich hatte ich einen Achsenbruch, weil die Musikanlage zu schwer war", berichtet der westfälische Karnevalist. Dabei hat er reichlich Erfahrung mit Bollerwagen: 1957 nahm er mit seinem ersten Handwagen am Rosenmontagszug in Bergkamen teil und stapfte 20 Kilometer zu Fuß nach Unna zurück. Damals nahm nur die Polizei von ihm Notiz, die ihn fürsorglich heim eskortierte.

Unterstützung vom eigenen Fanclub

Heute ist er bekannt wie ein bunter Hund - vielleicht etwas belächelt, aber doch geschätzt. Schon bei der Probefahrt grüßt ihn der 22-jährige Benjamin Zimmer fröhlich. "Wir sind rund 50 Leute im Helmut-Scherer-Fanklub", erklärt der Student.

In dieser Session bekommt Scherer zum ersten Mal Verstärkung vom Gesangsverein Sangeslust. "Ich traf ihn in der Fußgängerzone, als er einen Kinderwagen schob," erzählt ein Chormitglied. "Das ist ja wohl der falsche Wagen," frotzelte der Sänger und kam mit dem stadtbekannten Karnevalsunikat ins Gespräch. Fastnacht werden sie nun seinen Ein-Mann-Zug im gehörigen Abstand mit dem "Unnaer Lied" begleiten.

"Missionar der Fröhlichkeit"

Hermut Scherer als Helmut Schön 1974 in Düsseldorf, als Prinz in seiner Heimatstadt Unna; Rechte: WDR/Wardenbach
Scherer als Helmut Schön und als Unnaer Prinz

Der westfälische Karnevalsprinz lief schon auf vielen Rosenmontagszügen mit, zum Beispiel in Hagen, Dortmund, Menden, Arnsberg und Münster. 1974 kam der große Erfolg in Düsseldorf: Verkleidet als Fußball-Idol Helmut Schön gewann er den dritten Preis bei den Fußgruppen. "Das Trikot hatte mir Berti Vogts besorgt", erzählt der Rentner, "und als ich mich umzog, wurde es mir geklaut!"

Scherer, der in einem Paderborner Klosterinternat aufwuchs, "importierte" den Karneval ins protestantisch geprägte Unna, wo er Arbeit fand. "Seitdem bin ich hier Missionar der Fröhlichkeit und Narretei", schmunzelt er.

Um 10:61 Uhr stürmt er das Rathaus

Auch die Stadt Unna hat ihr Unikat mittlerweile erkannt: Der Bürgermeister übergibt dem Narren an Weiberfastnacht den symbolischen goldenen Schlüssel der Stadt. Für 111 Minuten ist Helmut Scherer Herr im Hause, verkündet das Motto und ernennt feierlich neue Ordensritter, die sich durch "Menschennähe, gutes Zuhören, Humor und Geduld" würdig erweisen. "Wenn er es nicht mehr machen würde, fehlte uns was!", lacht der erklärte Nicht-Karnevalist und Pressesprecher der Stadtverwaltung Uwe Hasche.

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