12.12.2004
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Internet in der dritten Welt  
Chichewa online - Internet im afrikanischen Busch
Ein Beitrag von Dirk Asendorpf
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Nachrichten aus dem Internet. Das Neueste aus aller Welt gelangt hier in Chichewa zu den Hörern am Computer. Chichewa ist die Muttersprache von gut sechs Millionen Menschen im Herzen Afrikas. Heute wird es nicht nur in Malawi, Mosambik, Sambia und Zimbabwe gesprochen. Arbeitsmigration und Flüchtlingsbewegungen haben Chichewa auch in viele andere Länder Afrikas, nach Europa und Nordamerika gebracht. Doch mit Chichewa war dort bisher kaum etwas anzufangen. Erst mit dem Internet haben die Emigranten jetzt wieder eine Möglichkeit, in den vertrauten Klang ihrer Sprache einzutauchen und Nachrichten aus der malawischen Hauptstadt Lilongwe zu hören.
Heimat aus dem Radio
Ouasua Dun Ouasula studiert Informatik an der Universität Bremen. Er stammt aus Uganda und klickt sich bei der Arbeit gerne zu Radio Simba durch, den Sender aus seiner Heimatstadt Kampala.

Ouasula:
"Radio Simba in Uganda comes via the Internet, so I can listen to it sometimes when I am here at the computer. They mix English and my mother language and also some other languages which are spoken by other people in Uganda. So they mix different languages. But as I come from Uganda I can understand and enjoy everything. It feels so good, it sounds good. Also to listen to some songs which are sung by some of the musicians in Uganda who sing them in my mother language is really great. You feel like you're home - unfortunately then you are not home."

Radio Simba in Uganda kommt durchs Internet, ich kann es also hier am Computer hören. Sie mischen Englisch mit meiner Muttersprache und auch noch einigen anderen ugandischen Sprachen. Sie mixen verschiedene Sprachen. Aber ich komme ja aus Uganda und kann alles verstehen und genießen. Das ist so schön, das klingt gut. Wenn ich dann die ugandischen Musiker in meiner Muttersprache singen höre, ist das großartig. Man fühlt sich, als wär' man zu Hause - leider ist man es nicht wirklich.
Kontakt zur Verwandschaft in der ganzen Welt
Information, Unterhaltung und das wunderbare Gefühl eines Stückchen Heimat fern der Heimat - als globales Medium schafft das Internet für Angehörige kleiner Kulturen eine neue Möglichkeit, die eigene Identität zu erhalten. Die Ethnologin Joana Breidenbach hat das in dem mittelamerikanischen Kleinstaat Belize erlebt.

Joana Breidenbach:
Der Busch benutzt die modernste Technologie. Das war total spannend zu sehen, wie selbstverständlich die Leute damit umgingen. Auch selbst alte Leute haben das benutzt, weil sie eben damit was anfangen konnten. Weil fast jeder Bürger in Belize - oder fast jede Familie - ist transnational, die haben Verwandte in allen möglichen Ländern dieser Welt und es war einfach ein Grundbedürfnis, mit diesen Verwandten enge Kontakte zu pflegen. Und E-Mail zum Beispiel und Chats werden benutzt von diesen Leuten, die alle keinen Computer in ihrem Wohnzimmer stehen haben, sondern die in Internet-Cafés gehen und in Community-Centres. Und das war total spannend zu sehen und unheimlich authentisch, wie nämlich eine moderne Technologie benutzt wurde für Belange, die sehr dicht an den Menschen dran waren.
Sprachenvielfalt im Cyberspace
Rund 7.000 verschiedene Sprachen werden auf der Erde gesprochen, für über 2000 gibt es auch eine Schrift. Fast alle finden sich in irgendeiner Form auch im Internet. Während das Netz vor fünf Jahren noch zu 80 Prozent englischsprachig war, ist der englische Anteil inzwischen auf etwas über 50 Prozent gesunken. Zwar beherrschen zehn Sprachen noch immer über 90 Prozent der Web-Inhalte, doch der Anteil kleiner und kleinster Sprachen steigt beständig, zum Beispiel Setswana aus dem südlichen Afrika. Der Journalist Thapelo Ndlovu schreibt in dieser Sprache.

Ndlovu:
"The world is moving indigenous. So we thought why should we remain behind. Setswana is a language spoken by 90 percent of the people in this country, so we thought it is better to greet the people. There is a service provider called Dumela.com. Dumela means hello. It is common and popular among the Batswana. They do chat in Setswana and so on. With this Government Program of sending students outside - it sends students in large numbers. So we do have an audience outside."

In der Welt wird das Einheimische immer wichtiger. Also sollten wir nicht zurückbleiben. Setswana ist eine Sprache, die von 90 Prozent aller Menschen in unserem Land gesprochen wird. Also dachten wir, es ist besser, die Leute damit anzusprechen. Es gibt einen Dienst, der heißt Dumela.com. Dumela bedeutet "Hallo". Der Dienst ist sehr beliebt bei den Batswana. Sie chatten dort in Setswana usw. Weil die Regierung eine große Zahl von Studenten ins Ausland schickt, wird er auch dort genutzt.

Manch kleine Sprache gewinnt durch ihre Präsenz im Internet weltweit an Wert, im Ursprungsland gilt das jedoch nicht unbedingt. So fehlt der Bevölkerung in der Provinz des extrem dünn besiedelten Wüstenstaates Botswana bisher jede Möglichkeit technischer Kommunikation. Modise Maphanyane leitet eine Organisation, die sich für die Entwicklung und die Freiheit der Medien in diesem Land engagiert.

Maphanyane:
"The individual localities in this country have their issues that are pertinent to them. They don't even need to tell the world what those issues are. They want to talk to themselves. But they have no means to talk to themselves. There are no local newspapers that can survive there, there is just not enough impetus to start a newspaper in that area in that language. You need advertising, you need sustainability, you need to pay your staff. They are not there. So Botswana has no broadcasting facilities for communities. We don't hear them, and the answer is, it is not because they are not screaming or they are not saying anything, it is that they have no forum that we can hear them."

In jedem einzelnen Ort unseres Landes gibt es Dinge, die den Leuten sehr wichtig sind. Sie müssen sie noch nicht einmal der Welt mitteilen. Sie wollen einfach nur untereinander darüber sprechen. Aber sie haben keine Mittel dafür. Keine Lokalzeitung kann dort überleben, es lohnt sich einfach nicht in dieser Gegend mit jener Sprache. Man bräuchte Anzeigen, Einnahmen, man muss ja die Mitarbeiter bezahlen. Aber das geht nicht. In Botswana gibt es keinerlei Medien in den Gemeinden. Und so hören wir die Leute nicht. Nicht, dass sie nicht schreien oder etwas sagen würden - sie haben einfach keine Foren, über die wir sie hören würden.
Rettung für bedrohte Kleinstsprachen
Jenseits der wenigen Städte Botswanas wird in den Klicklaut-Sprachen der Kalahari-Wüste kommuniziert. Oft werden sie von so wenigen Menschen gesprochen, dass das Überleben der Sprachen gefährdet sind. Unter dem Namen "Rosetta" bemüht sich ein Projekt an der amerikanischen Stanford University um die Rettung solcher bedrohten Kleinstsprachen. Schon können aus der Rosetta-Datenbank über 1.200 Wörterbücher abgerufen werden. Außerdem archiviert die Website Tondokumente, auf denen seltene Sprachen zu hören sind - und sogar manche, die es außerhalb des Cyberspace gar nicht mehr gibt. Zum Beispiel diese 1938 aufgezeichnete Rede eines Mannes aus Botswana in der inzwischen ausgestorbenen !ora-Sprache.
Internet in der dritten Welt
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Sendung am: 14.04.2003, 08.30 Uhr
Letzte Änderung am: 29.04.2003
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Thema der nächsten "Welt am Draht"-Sendung am 13. Dezember 2004: "Netzpoetron - Vom digitalen Dichten im Web".

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