heimat

01 curd duca :: dorf :: 01:05
02 clemens haipl :: in die berg :: 02:01
03 ultrascope :: wenn alles fließt :: 02:40
04 wolfgang capellari :: ö 2000 :: 02:07
05 a parrot singing :: der almfrieden :: 03:10
06 der schwimmer :: gstanzl aus dem feistritztal :: 03:09
07 lassos mariachis feat. thomas pfeffer :: in die berg :: 01:59
08 marke tender :: selbermögen :: 02:53
09 binder&krieglstein :: vollbegnadet :: 04:05
10 peter n. gruber :: edel!edel! edelweiß!! :: 02:13
11 tiger s. :: andachtsjodler :: 05:50
12 scheffenbichler :: wolflberger :: 3:40
13 ozone :: st.wolfgangi :: 02:27
14 p.b. & the mc t. :: dil dil duda :: 04:04
15 roedelius :: so sind wir :: 08:30
16 binder&krieglstein :: erdlochrauchen im kaiserwald :: 03:28
17 weixelbaum :: noiselooptrap :: 04:06
18 scheffenbichler :: postkarte aus loipersdorf :: 00:56
19 die sonntagskinder :: da summa is außi :: 02:57
20 ultrascope :: heute bin ich rot :: 02:52
21 e.a.r. :: domovina :: 03:19


© 2001 
pumpkin records
pump 05-2001

vertrieb :: hoanzl :: vertrieb@hoanzl.at

konzept :: wolfgang pollanz
artwork :: wolfgang temmel
mastering :: TMD (Ilja Rogoff Prod.)

 

Pressemeldungen


Salzburger Nachrichten, 27.10.2001

Unheimliche Patrioten

Boden ohne Blut. Tradition in neuem Gewand. Steife Erhaltung gegen unterhaltsame Erneuerung. Heimat-Gedanken zum 26. Oktober.

BERNHARD FLIEHER

". . . hab ja im Herzerl den Almfrieden drin . . ." Da wird - noch dazu unter dem CD-Titel "Heimat" - das Klischee bestens bedient. Doch nicht in kitschiger Almrausch-Romantik und so verstaubter wie verklärender Dirndlkleid-Postkartenansicht lullt das Lied ein. Aufgebaut auf Drum-Loop und Akkordeon und angereichert mit Elektronik-Sprengsel erinnert "Der Almfrieden" in der Version von A Parrot Singing an Wirtshausgeschunkel ebenso wie an das Rauschen des Undergrounds.

Der Beitrag findet sich auf einer kürzlich erschienenen Compilation von pumpkin records. Wolfgang Pollanz, Kultur- und Programmmacher der im südsteirischen Wies beheimateten Kulturinitiative Kürbis, sammelte unter dem Titel "Heimat" 21 außergewöhnliche Beiträge. Jenseits jeder Mainstream-Verdächtigkeit versucht sich der Sampler auf meist elektronischen Wegen an einer "Rückeroberung of the Heimat".

Entgegen klassischer, scheinbar in alle Ewigkeit festgefahrener Spiel- und Hörgewohnheiten definieren Musiker wie Curd Duca, Clemens Haipl, Ultrascope, Der Schwimmer oder Lassos Mariachis volksliedhafte Weisen. Bisweilen durchdringt Ironie das Geschehen. Einige Male entsteht der Eindruck einer böswilligen Zerstörung des bearbeiteten Materials. Auch der absoluten Neuschaffung, in der nur noch bruchstückhaft traditionelle Anleihen eingebaut werden, widmen sich einige Künstler. Erfrischend und hörenswert sind alle Beiträge - egal welche Art des Zuganges gewählt wurde.

Als "adäquate Antwort auf Heimattümelei und blauschwarze Brauchtumspflege" versteht Pollanz die Veröffentlichung dieser "aktuellen Versionen" von Volks- und Heimatliedern. Weil die Beschäftigung mit traditionellem Kulturgut hier zu Lande immer recht schnell in ein (un)rechtes politisches Eck gerückt wird, scheint eine wie hier von Pollanz erfolgte Abgrenzung dringend notwendig. Unlocker, weil historisch vorbelastet, erfolgt im deutschsprachigen Raum der Umgang mit bodenständigem Kulturgut. Problematischer als der Umgang in der Vergangenheit ist, dass dieser Umgang mit gewachsener Kultur straflos auch in der Gegenwart angewendet wird.

Diese Hypothek scheint bei allen unter Kürbis laufenden Projekten Hintergrund zu sein, ja geradezu Ansporn, dagegen anzutreten. Heimat wird hier in vielen Varianten als Zufluchtsstätte in ein Thema definiert oder als Raum für die Ansiedelung von Geschichten oder der Raum, in dem die Schöpfer dieser Geschichten leben.

Und weil Heimat unter solchen Voraussetzungen alles und überall sein kann, erschien im Oktober eine Science-Fiction-Anthologie ("2001"/Edition Kürbis 21). Ähnlich vielseitig wie das Thema Sci-Fi wurden auch "Sex" (1998) oder "Lauter Lärm" (1994) aufgearbeitet. Ebenso veröffentlicht wurden literarische Werke von den steirischen Urgewalten Wolfgang Bauer oder Reinhard P. Gruber.

Einer fortwährenden ideologischen Vereinnahmung des Begriffes "Heimat" werden hier verschiedenste Projekte als klar artikulierte Alternative entgegengehalten. "Volksmusik revisited - Ein Sampler ohne Blut und Boden" - das Motto für die "Heimat"-CD darf so auch für den grundsätzlichen Umgang mit traditionellen Gut verstanden werden.

Der Standard, 23.08.2001

Aktuelle Silberlinge
Abteilung heimische Neuerscheinungen

HEIMAT Various Artists (Hoanzl)
Mit dieser Kompilation liegt ein Projekt aus der Steiermark vor, das sich der Heimholung der Begriffe "Heimat" und "Volkslied" verschreibt und sich damit gewissermaßen als Gegenstück zur Lodenseligkeit gewisser musizierender Regierungsmitglieder platziert, die diese Begriffe ja auch gerne strapazieren und neben Karl Moik als die Hauptverursacher anzuführen sind, wenn einen bei Erwähnung dieser Wörter eine gewisse Übelkeit befällt: "I speib mi au!" Mit steirischer Zunge gesprochen. Angegangen wird diese Rückführung mit zeitgenössischen Mitteln: Der Elektronic-Tüftler Curd Duca (Bruck an der Mur/Miami) loopt den Begriff "Dorf", Ultrascope versucht es mit 80er-Jahre-Pop, und Klaus Tschabitzer (Judenburg/Wien) unterstreicht mit verschiedensten Band-Projekten wie A Parrot Singing, Der Schwimmer oder den Hans Albers-Romantikern Scheffenbichler, dass er vor Ideen offenbar übergeht. Ein schönes Album: narrisch, witzig und definitiv "ka Schas", wie man sagt, daheim, im Steirischen.

 

Korso, 09/2001

Wohlbehalten aus dem Urlaub zurückgekehrt? Mit einem nagelneuen (und kaum mehr eiternden) Intimpiercing aus Notting Hill vielleicht? Einer höllisch juckenden Salzwasser-Allergie aus Jesolo? Oder hat sogar jemand noch eines dieser schon in den 80ern abgeschmackten Hard-Rock-Cafe-T-Shirts ergattert? Egal. Denn wirklich schön ist es sowieso nur daheim! Und damit sich auch halbwegs intelligente Menschen mit der Begrifflichkeit „Heimat“ so einigermaßen wohlfühlen können, haben die Leute von pumpkin records den Versuch gestartet, den lodenbewehrten Heimat-Fanatikern ihr Definitionsmonopol zu entreißen. Herausgekommen ist ein wunderbarer Tonträger. Heimat (pumpkin records) heißt das gute Stück, ist genau dafür auch schon heftig kritisiert worden und versammelt 21 höchst unterschiedliche Herangehensweisen an das traditionelle österreichische Liedgut. Curd Duca deutet den sozialen Raum „Dorf“ als animierte Monotonie, Clemens Haipl und die Lassos Mariachis versuchen sich an einer Neu-Interpretation des Alpenvereinwandertagklassikers „In die Berg“ und Ultrascope intonieren ein wenig resigniert aber dafür umso grandioser „Heute bin ich rot“. Sentimentale Höhepunkte der CD sind aber die quasi posthume „Postkarte aus Loipersdorf“ der verblichenen Scheffenbichler und Roedelius’ lapidare Feststellung „So sind wir“. 

Wiener Zeitung, 14.9.2001

Diverse: Heimat
Von Rene Freund

Das Wort "Heimat" gilt zur Zeit nicht unbedingt als cool. Umso mutiger, dass ein CD-Sampler mit Beiträgen von durchaus bemerkenswerten (und coolen) Musikern diesen Titel erhielt. Pumpkin Records, ein Projekt der Kulturinitiative Kürbis in Wies, hat unter der Patronanz von EXTRA-Autor Wolfgang Pollanz und unter dem Titel "the rückeroberung of the heimat/Volksmusik revisited - Ein Sampler ohne Blut und Boden" österreichische Bands und Musiker eingeladen, sich mit dem Thema Volksmusik auseinander zu setzen. Die Ergebnisse sind so unterschiedlich wie die eingeladenen Musiker, etwa Curd Duca, Roedelius, Peter N. Gruber, ultrascope, die Lassos Mariachis oder Binder & Krieglstein. Mal hört man also ein eher wenig verfremdetes "Meine Freind san die Kiah", mal einen meditativen Rap, mal etwas Romantisches, meist etwas Elektronisches und oft etwas Lustiges.