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Guntersdorf


Innenhof

Guntersdorf war seinerzeit ein Lehen des Stiftes Melk. 1108 wird es erstmals unter dem Namen Gundhartisdorf erwähnt. Als erste Besitzer der Herrschaft sind die Ruckendorfer bekannt. 1295 verpfändete Ulrich von Ruckendorf sein Drittel an der damaligen Burg dem Eberhard von Wallsee. Diesem gelang es nach und nach auch den Rest zu erwerben, so dass er 1314 mit der gesamten Herrschaft belehnt wurde. 1336 drang der böhmische König Johann auf österreichisches Gebiet vor. Nach einer harten Belagerung eroberte er auch Guntersdorf und nahm den Burgherren Eberhard den Jüngeren gefangen. Die Haft dürfte aber nur kurz gewesen sein, denn wenige Monate später war Eberhard einer der Bürgen, die Herzog Albrecht II dem böhmischen König für die Bezahlung einer Entschädigungssumme gestellt hatte. Die Wallseer blieben bis 1476 im Besitz von Guntersdorf. Sie wohnten aber nicht hier und setzten meist Burggrafen als Verwalter ein. 1415 hatte Herzog Albrecht V die Herrschaft mit der Blutgerichtsbarkeit ausgestattet. Der Flurname „Galgenberg“ weist noch heute darauf hin. Reinprecht V von Wallsee verkaufte Guntersdorf an Ulrich Rechlinger, der aber bald verstarb. 1498 belehnte der Abt von Melk Kaspar von Roggendorf mit der Burg. Als Erbauer des heutigen Schlosses ist Georg von Roggendorf anzusehen, der 1536 die mittelalterliche Burg in ein wohnliches Renaissanceschloss verwandeln ließ. Ab 1538 war es freies Eigen, da das Stift auf die Lehenshoheit verzichtet hatte. 1546 wurde über sämtliche Güter Christophs von Roggendorf die Krida verhängt, da dieser hochverschuldet, sehr viel Geld veruntreut hatte und nach Konstantinopel geflüchtet war. Guntersdorf wurde an den Freiherrn Johann von Weisspriach verkauft. Durch Heirat seiner Tochter gelangte es an Christoph von Teufel. Seine Familie wurde 1566 mit dem Prädikat „zu Guntersdorf“ in den Freiherrenstand erhoben. Die Freiherren von Teufel waren aktive Protestanten. Unter ihnen spielte das Schloss in der Reformationszeit als religiöses Zentrum eine Rolle. Seit 1703 ist es im Besitz der Freiherren von Ludwigstorff. Die Verwüstungen der Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg konnten erst nach Jahrzehnten behoben werden. Das Schloss dient als Wohnung und Verwaltungszentrum des angeschlossenen Gutsbetriebes.

Torhalle

Vor der Eingangsfront des Schlosses steht das sog. Zigeunerkreuz von 1504, ein Tabernakelpfeiler mit Heiligenfiguren am Fuß. Zwei große steinerne Löwen flankieren die Steinbrücke über den ehemaligen Wassergraben. Sie ersetzt die alte Zugbrücke. Ursprünglich besaß das Schloss einen massiven Wehrturm an der Eingangsseite. Seine Höhe wurde aber später bis zur Dachlinie gekippt. Wann dies erfolgte, verschweigen die Urkunden. Dieser gedrungene Wehrturmsockel ist der Schlossfassade vorgestellt. Er dient nach wie vor als Torturm. Unter seinem niedrigen Pyramidendach besitzt er drei rundbogige Fenster. Neben der rundbogigen Einfahrt liegt eine schmale Fußgängerpforte. Wer sie durchschreitet, gelangt zuerst in die gewölbte Einfahrt und dann in eine vierjochige weite Halle, die von tiefem spätgotischem Rippenwerk allererster Qualität überspannt wird. Die elegant geschnittenen Rippen weisen einen Birnenquerschnitt auf. Sie enden in vier harmonischen Sternen mit tellergroßen wappengeschmückten Schlusssteinen. Diese spätgotische Halle muss auch zur Zeit Georgs von Roggendorf etwas Besonderes gewesen sein, da sie der einzige Bauteil des Schlosses ist, der beim Renaissanceumbau verschont wurde. An der rechten Seite liegt eine verstäbte Pforte, links eine Tür mit spätgotischen Eisenbeschlägen. Die vier zweigeschossigen Gebäudeflügel begrenzen einen geräumigen, fast quadratischen Arkadenhof. Im Erdgeschoß spannen sich die weiten Bögen zwischen wuchtigen toskanischen Säulen, während die gleich breiten, aber wesentlich niedrigeren Arkaden des ersten Stocks auf eher zierlichen Säulen ruhen. Die Gänge dieses Geschosses werden von schönen Steinbalustraden begrenzt. Sie weisen ein zartes Rippengewölbe auf. Aus der Zeit der Spätgotik stammen noch einige gekehlte Türstöcke. Dem Schloss gegenüber, nur durch die Bundesstraße getrennt, liegt ein weiträumiger Wirtschaftshof mit malerischen Portalgruppen (1674) und einem stattlichen Hauptgebäude.

Lage: Niederösterreich/Weinviertel – ca. 9 km nördlich von Hollabrunn, am Rande des gleichnamigen Marktes

Besichtigung: Nur von außen möglich

Weitere Literatur:
  • Das Weinviertel und das Marchfeld - Thomas Hofmann - 2000
  • Die niederösterreichischen Burgen und Schlösser Bd.2 - 1925
  • Knaurs Kulturführer Österreich - 1977
  • Kunst im Lande rings um Wien - Franz Eppel - 1977
  • Österreichisches Burgenlexikon - Georg Clam Martinic - 1992
  • Schlösser in Österreich I - Laurin Luchner - 1978
  • Schlösser und Burgen im Weinviertel - M.Jasser/P.Kenyeres - 1979
  • Von Schloß zu Schloß in Österreich - Gerhard Stenzel - 1976
Georg Matthäus Vischer, vor 1672

27.01.2003


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