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Frankfurter Allgemeine Zeitung, Feuilleton, 22.01.2004, S. 35


Wunder, Kinder, Schinder

Eine Bonner Ausstellung warnt vor allzu früher Ausbildung


Eigentlich hätte dies eine beschauliche, biedermeierliche Ausstellung bleiben können, doch als dann die deutsche Sozialdemokratie damit drohte, sich der Bildungspolitik, genauer: den Eliten, zuzuwenden, wurde aus der Schau "Beethoven und andere Wunderkinder" im Bonner Ernst-Moritz-Arndt-Haus eine Veranstaltung von tagespolitischer Brisanz. Wie umgehen mit den Früh- und Hochbegabten dieses Landes? Das ist die Frage, die hier, angesichts der Zeugnisse so vieler kläglich eingegangener Genies, drängend gestellt wird.

Der opulent ausgestattete Katalog verrät, dass im Jahre 2001 ein Gutachten zum Thema "Hochbegabung im Spiegel der Printmedien seit 1950" erschienen ist, welches vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in Auftrag gegeben worden war. Der Untertitel des Dokuments lautet: "Vom Werdegang eines Bewußtseinswandels ". Der Boden für die jetzt ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückte Elitenförderung war von Ministerin Edelgard Bulmahn offensichtlich lange vorher bereitet worden.

Die Ausstellung pflügt ihn weiter um. Das Genie vor Ort, Beethoven, kann zweifellos als Beweis für die ganz unsozialdemokratische These herangezogen werden, dass sich wahres Talent auch gegen Widerstände durchsetzt. Da der Vater ein lebensuntüchtiger Säufer war, war es mit der Chancengleichheit für den kleinen Ludwig nicht weit her. Doch rheinisches Temperament und ein gewisser Sinn für das Merkantile scheinen ihm, neben anderem, das Überlegen gesichert zu haben. Nach der Holland-Reise des Jahres 1783 ließ der Dreizehnjährige jedenfalls unsanft verlauten: "Die Holländer, das sind pfennigs Fückser, die lieben das Geld zu sehr, ich werde Hollant nimmer mehr besuchen."

Beethoven brachte es immerhin bis ins reife Mannesalter, was von Christian Heinrich Heineken nicht behauptet werden kann. Das Kind, 1721 in Lübeck geboren, bewandert in Geschichte, Geographie, Jurisprudenz und Astronomie, kundig des Deutschen, Lateinischen und Französischen, starb im Alter von vier Jahren und vier Monaten. Ist es das Schicksal der wundersam Begabten vor der Zeit zum Tode bestimmt zu sein? Jedenfalls ist Genie der Gesundheit nicht immer zuträglich. Moritz Frankl, geboren 1873, wurde im zarten Kindesalter als lebende Rechenmaschine herumgereicht. Seine aussergewöhnlichen Fertigkeiten auf diesem Gebiet machten ihn zur Attraktion in Wiener Botschaften, Clubs und Theatern. Bald aber zeigte sich, dass er unfähig war, auf geordnete Weise elementares Wissen zu erwerben. Später wurde er bei Diebstählen erwischt und landete in der Budapester Irrenanstalt. Mit vierundzwanzig Jahren wurde er entlassen, ging nach Amerika und kam dort auf den Hund.

Vielleicht ist die Musik noch der gesündeste Zeitvertreib, dem man als Wunderkind nachgehen kann. Menuhin jedenfalls wurde alt, und auch Anton Rubinstein hielt sich leidlich. Bei seinem Auftritt in Frankfurt 1841 wurde der Zwölfjährige zwei Jahre jünger gemacht und entlockte dem Rezensenten der "Allgemeinen musikalischen Zeitung" einige treffsichere Bemerkungen: "Wir sind Gott sei Dank aus der Zeit der Wunderkinderei; denn die Zeit hat gelehrt, dass die meisten dieser blassen Geschöpfe zurückfielen wie Treibhausblumen, sobald sie in die frische Luft kamen. Des kleinen Rubinsteins Spiel aber scheint doch mehr die Wirkung des Talents zu sein, da er die ganze Unbefangenheit und der Frohsinn eines gesunden Knaben beibehalten und noch gar nichts von einem Professor an sich hat."

Und die Moral? Während Pisa-geschädigte Bildungspolitiker Sprachunterricht im Vorschulalter, Ganztagsschule, kürzere Schul- und Studienzeiten bei gleichzeitiger verstärkter Elitenbildung fordern, hält ihnen das Stadtmuseum Bonn mit dieser kleinen Schau den Spiegel vor. 1786 schrieb J. G. Campe "über die große Schädlichkeit einer allzufrühen Ausbildung der Kinder". Seine Einsichten waren aus der Anschauung gewonnen: "Sehet um Euch - all diese kleinen Gelehrten - was werden sie? Schaale, seichte Köpfe."

Michael Gassmann

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