12.10.2006
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Das Gedächtnis des Internet  
Das ganze Leben auf einer Festplatte -
Die Vision vom papierlosen Leben wird Realität
Ein Beitrag von Dirk Asendorpf
Das ganze Leben digitalisieren, alle Bilder, Briefe und Texte, so dass andere Leute dann darauf zugreifen können. Diese Vision eines papierlosen Lebens wollen manche Menschen jetzt Realität werden lassen. Projekte dieser Art gibt es weltweit eine ganze Menge.
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"My-Life-Bits" - Ein digitalisiertes archiviertes Leben
Dirk Asendorpf:

Ein junger Mann steht am Overhead-Projektor und beginnt seinen Vortrag über die Zukunft des Computers. Er trägt einen karierten Schlips und auf der Nase eine dicke Hornbrille. Am Hinterkopf fallen die dunklen Haare zu einem Nackenspoiler ab. Wer diesen Link auf der Homepage des Computerveteranen Gordon Bell anklickt, wird an den Anfang der 70er Jahre zurückversetzt. Computer waren noch kleiderschrankgroße Geräte, Microsoft war noch nicht gegründet und die Folien für den Overhead-Projektor wurden mit der Hand gemalt.

Der 1972 aufgezeichnete Vortrag ist nur ein winziger Teil des Projekts „My-Life-Bits". Sein gesamtes Leben will Gordon Bell digitalisieren und archivieren. „Das einzige Papier, das ich noch behalten will, sind Geldscheine, Schecks und Aktien", sagt er. Alles andere, seine Forschungsergebnisse, Fachaufsätze, Vorträge und Bücher, die berufliche und private Korrespondenz, die Urlaubsfotos seiner Familie, alle Filme, die er je gesehen hat und die Lieblingsmusik, die er hört - all das soll elektronisch gespeichert werden. Etwa 30 Gigabyte hat er schon zusammengetragen - 50.000 Emails, 100.000 Textseiten, 4.000 Fotos, 150 Musik-CDs und einige Videoaufzeichnungen. Bell hat auch schon ausgerechnet, wie viel Speicherplatz sein gesamtes digitalisiertes Leben benötigt. 100 Terrabyte, also 100.000 Gigabyte würde reichen. Wahrscheinlich werden Festplatten in dieser Größenordnung schon im nächsten Jahrzehnt zur Grundausstattung eines PCs gehören.
Alles auf der Festplatte
Nina Corda:

Ich wüsste nicht, was ich rausschmeißen sollte. Das liegt ja nicht bei mir zu Hause rum. Das ist ja alles beim Provider auf vielen Festplatten hoffentlich verteilt und ganz sicher. Manchmal, wenn ich mit einem FTP-Programm auf irgendwelche Server gucke, dann denke ich schon, oh mein Gott, was ist das alles für ein Scheiß hier, ich weiß gar nicht mehr, was das ist. Aber ich muss es nicht wegschmeißen - warum? Wahrscheinlich hätte ich bestimmte Sachen sonst auch gar nicht mehr.

Dirk Asendorpf:

Auch Nina Corda hat schon allerhand auf der Festplatte. Sie ist aktive Rugby-Spielerin und kümmert sich um die Website ihres Vereins. Aber auch private Texte und Fotos hebt sie elektronisch auf.


Nina Corda:

Da dann Abzüge davon zu machen und mir zu Hause hinzuhängen, das ist eigentlich eher nicht so. Das kann man mal machen, wenn man ein ganz tolles Foto hat, und dann hängt man sich das an die Wand. Aber wenn man 150 Bilder macht - also das würdest Du mit einer normalen Kamera ja auch nicht machen, weil das kostet ja viel zu viel Geld. Digital ist billig.
Elektronisches Sammeln und Wiederfinden
Dirk Asendorpf:

Elektronisches Sammeln ist einfach. Aber wie ist es mit dem Wiederfinden? Für Geschriebenes gibt es die Volltextsuche, Gesprochenes kann automatisch erkannt und in Text umgesetzt werden. Noch funktioniert das nur mit klarer Aussprache, doch in einigen Jahren wird es brauchbare Programme für Nuschler und Dialekte geben. Auch für Musik gibt es erste Datenbanken, die einen Titel anhand eines Taktes oder sogar durch Vorsummen eindeutig identifizieren.

Aber was ist mit den Bildern - den Fotos und den bewegten? Noch ist keine Technik in Sicht, die Personen und Gegenstände automatisch erkennt und benennt. Eine genaue Information über Ort und Zeit und ein, zwei Stichworte zu jeder Aufnahme würden helfen. Doch schon zu analogen Zeiten landeten die meisten Fotos unbeschriftet im Schuhkarton.
Deshalb will Gordon Bell bei seinem Selbstversuch herausfinden, wie sich möglichst genaue Informationen automatisch erzeugen lassen. Das Geld dafür stellt Microsoft zur Verfügung. Auch das Pentagon hat unter dem Namen „LifeLog" ein ähnliches Forschungsprogramm begonnen. Wer den Standard definiert, in dem digitale Daten auch in 500 Jahren noch gelesen werden können, erringt Macht und Geld. Gordon Bell spricht gerne vom „goldenen Format". Was der inzwischen grauhaarige 67jährige nicht beantwortet, ist die Frage, ob das komplette elektronische Archiv eines Lebens überhaupt jemanden interessiert. Nina Corda hat darüber nachgedacht.

Nina Corda:

Was Leute finden, ist ja nicht, was sie finden sollen. Sondern sie finden halt Dinge, die irgendwie rumliegen. Und ich denke, das ist eigentlich auch o.k. Weil wir haben ja auch nicht alle Schriften und sonst was von vor Tausenden von Jahren oder so, die gibt es ja auch nicht mehr. Manchmal findet man Fragmente, und Fragmente sind ja eigentlich auch viel interessanter. Wenn man Forscher ist und sich mit Keilschrifttafeln beschäftigt oder so, dann muss man ja erst mal rausfinden: Was hab ich da überhaupt. Was liegt da überhaupt vor, was für eine Sprache ist das, was könnte das bedeuten?

Ich finde Fragmente zu hinterlassen interessanter, als alles zu archivieren. Und ich hoffe, dass Leute so was auch von mir dann irgendwann finden. Irgendwas, was nicht mit Absicht hinterlassen wurde.
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Sendung am: 07.07.2003, 08.30 Uhr
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In der nächsten Welt am Draht Sendung am 20. November 2006 geht es um das Einkaufen im Internet.

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