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Hameln in der NS-Zeit

Das Bückebergfest und die Stadt Hameln

Die Vorbereitungen auf das Fest in Hameln
Hitlers Fahrten durch Hameln anlässlich der Bückebergfeste
Die Planungen der Stadt in Zusammenhang mit dem Bückebergfest

 

Die Vorbereitungen auf das Fest in Hameln

Wer in Hameln am Bahnhof ankam, den empfing auf dem Vorplatz eine riesige Erntekrone mit der Losung:

"Der deutsche Bauer - Deutschlands Stärke - Dem Volke Brot - Dem Führer Treue."

In den Straßen der Stadt waren weitere Losungen zu lesen:

"Das Bauerntum ist der Lebensquell des deutschen Volkes!"
"Ein starkes Bauerngeschlecht - durch das neue Erbhofrecht!"
"Die schwielige Bauernhand - schafft Brot für jeden Stand!"
"Spendet für das Winterhilfswerk des deutschen Volkes!"
"Stadt und Land - Hand in Hand!"

Die Stadt mit damals 28000 Einwohnern musste sich auf einen ungeheuren Menschenzustrom einstellen. Oberbürgermeister Schmidt und Kreisleiter Dr. Ahlswede hatten sich 1934 kurz vor dem Fest an die Bürger der Stadt mit den Worten gewandt:

"Zum Empfang muss ein nie da gewesener Schmuck die Häuser der Straßen der Stadt zieren. Es steht nunmehr bestimmt fest, daß der Führer auf seiner Fahrt zum Bückeberge folgende Straßen der Stadt berühren wird: Rohrsen, Morgensternstraße, Deisterstraße, Osterstraße, Bäckerstraße, Mühlenstraße, Hafenstraße, Ohsener Straße usw. Hamelenser, seid euch dieser Ehre bewusst. Es ist eine Selbstverständlichkeit, daß nunmehr sofort jedes Haus mit Girlanden und Kränzen, mit Hakenkreuzfahnen und Hoheitsabzeichen geschmückt wird. Bringe jeder seine Verehrung zum Führer dadurch zum Ausdruck, daß er mit dazu beiträgt, seinem Haus einen unübertrefflichen Schmuck zu geben. Wir erwarten, daß sich niemand ausschließt. Hameln muss am Sonntag einen Festschmuck aufweisen, der bislang in keiner Stadt erreicht worden ist. Wir Niedersachsen wissen, was wir unserem Führer schuldig sind."

Für die Ausschmückung der Häuser stellt die Stadt 1000 Fuder Grün kostenlos zur Verfügung. Alle Hauptstraßen der Stadt, auch viele Nebenstraßen, waren geschmückt. Am Münsterkirchhof hatte man eine Windmühle in natürlicher Größe errichtet; auf der Hindenburgkampfbahn waren Vergnügungszelte errichtet worden; auf der Adolf-Hitler-Allee stand eine sogenannte Ehrenpforte mit einer Schnittergruppe und am Rathaus ein großer Erntekranz. Damals wurden Hamelner Mitglieder der Zeugen Jehovas bei der Gestapo als Regimegegner denunziert, weil sie ihre Häuser nicht geschmückt hatten.

Massenquartiere gab es in allen Schulen der Stadt, aber auch z.B. im Schlachthof, in Fabriken, Tischlereien usw. 1933 stellt die Stadt 33000 Massen- und Privatquartiere bereit (die damals kaum genutzt werden), 1937 sind es 60000. Ein Strohsacklager in einem Massenquartier kostete 50 Pfennige. In der Nähe der Massenquartiere hatte man große Sammelplätze mit Lautsprechern eingerichtet. Nach genauem Zeitplan brachen die von einem Lotsen geführten Gruppen von den Sammelplätzen aus zum Festplatz auf.

Im Interesse ihrer Gastronomie lag der Stadt sehr an einem längeren Aufenthalt der Gäste. Sie setzte sich deswegen für eine frühere Ankunft und eine spätere Abfahrt der Züge ein, um möglichst viele Übernachtungsgäste an die Stadt binden.
 

Hitlers Fahrten durch Hameln anlässlich der Bückebergfeste

Hitler flog am Morgen des Festes von Berlin nach Hannover, und es folgte die triumphale Fahrt im offenen Auto über Hameln zum Bückeberg. Die Fahrt Hitlers im Autokonvoi wurde nach Presseberichten auf der gesamten Strecke von jubelnden Menschen begleitet. Seit 1936 benutzte Hitler zur Enttäuschung vieler Menschen den Sonderzug vom Bahnhof Tündern aus.

1933 war Hitler mit seiner Autokolonne über Rohrsen nach Hameln hineingefahren. Am östlichen Stadteingang in der Nähe des Galgenberges wird er von der Leiterin der Rattenfängerspielgruppe, Frau Magda Fischer, und ihrer Kinderschar begrüßt. Magda Fischer darf mit "ihm" sprechen. "Ratten" werden Hitler in die ausgestreckten Arme gereicht. Zur "Begrüßung des Volkskanzlers Adolf Hitler am 1. Erntedanktag in Hameln" verfasst der Hamelner Fotograf Paul Baer ein Gedicht:

Am Erntedanktag zogen wir aus,
den geliebten Führer zu sehen.
Alt-Hameln im Festschmuck, Haus an Haus,
die Hakenkreuzbanner wehen.

Ich selbst als Rattenfänger voran,
umjubelt von Kindern und Ratten.
Man sah's unseren frohen Augen an,
daß wir heut unsern Glückstag hatten.

Weit draußen vor'm Stadttor ist's gescheh'n,
um das eine Welt mich beneidet;
da hab ich dem Führer in's Aug' geseh'n,
als fahrender Spielmann gekleidet.

Sein Händedruck so warm und wahr,
sein Blick so treu und fest.
Heil Hitler jubelt die Kinderschar
im lieben Rattennest.

Wie sehr wir ihn lieben, er hat's gefühlt,
seht selbst, wie sein Auge erglänzte,
als man ihm die Ratte entgegenhielt;
die graue, schön lang geschwänzte.

Ja, meine Kindlein jauchzten vor Glück
und ihr Rattenfänger nicht minder.
Mög' immer so leuchten des Führers Blick,
denkt er an die Hamelner Kinder.

Dies Bildchen soll in die weite Welt,
mög' vielen Freude bringen.
Um Deutschland ist es gar gut bestellt,
Heil Hitler! Soll dankbar erklingen.

1933 fuhr Hitler auf der Route Deisterstraße, Lohstraße, Wittekindstraße nur durch die Außenbezirke der Stadt. Als Hitler m Jahre 1934 die Stadt unter Glockengeläut passierte, benutzte er sowohl bei der Hinfahrt wie bei der Rückfahrt die Bäckerstraße und die Osterstraße. Wer einen der begehrten Fensterplätze ergattert hatte, konnte den "Führer" also gleich zweimal sehen.

In einem Brief an Goebbels bedankt sich der Oberbürgermeister für die Organisation des Festes.

"Die größte Freude, die die Bewohner der Stadt ... bewegt hat, brachte die zweimalige Durchfahrt des Führers und Reichskanzlers durch die Innenstadt. Vielen alten und schwachen deutschen Menschen, die körperlich nicht in der Lage sind, an der Kundgebung am Bückeberg selbst teilzunehmen, ist Gelegenheit geboten worden, den aufs höchste verehrten Führer zu sehen. Alte Ehepaare sind sich vor Freude darüber, daß sie nun endlich den geliebten Volkskanzler gesehen haben, mit Tränen in den Augen um den Hals gefallen."

Zuletzt fuhr Hitler im Jahre 1935 auf dem Weg nach Goslar durch die Hamelner Innenstadt. In den späteren Jahren benutzte er zum großen Bedauern der Stadt den Sonderzug. 
 

Die Planungen der Stadt in Zusammenhang mit dem Bückebergfest

Am 13. April 1933 hatte wie viele andere Städte des Reiches die Stadt Hameln das Ehrenbürgerrecht für Hitler und Hindenburg beschlossen. Anlässlich des zweiten Bückebergtages, am 30. September 1934, gelang es dem Oberbürgermeister Schmidt endlich, Hitler auf der Ehrentribüne am Bückeberg die kunstvoll gestaltete Urkunde zu überreichen.

"Mein Führer! Sie haben der Stadt Hameln die Ehre erwiesen, das Ehrenbürgerrecht der Stadt Hameln anzunehmen. Im Namen der Stadtverwaltung überreiche ich Ihnen den Ehrenbürgerbrief und bringe im Namen der gesamten Bevölkerung tiefste Dankbarkeit zum Ausdruck und das Gelöbnis unwandelbarer Treue."

Stadtrat Busching hält in einem Vermerk fest: "Der Führer betrachtete den Ehrenbürgerbrief mit wohlwollendem Interesse und dankte dem Herrn Oberbürgermeister durch Handschlag."

Die Stadt war auf Tourismus angewiesen und wollte von dem Großereignis Bückeberg profitieren. Hameln wurde zum "Nürnberg an der Weser", zum "Nürnberg des Nordens". Das war ernst gemeint und wurde laut gesagt! Die Stadt war nun Zentrum des "Bückebergkreises".

Die Planungen der Stadt Hameln reichten weit. Sie richtet ein ständiges Dezernat zur dauernden Bearbeitung aller Fragen ein, die mit dem Bückeberg zusammenhängen. Das Dezernat ist Stadtrat und Bürgermeister Busching unterstellt, der zu seiner Unterstützung zusätzlich ein Quartier-, Schmückungs- und Vergnügungsamt einrichtet.

Studiendirektor Spanuth hatte 1936 eine detaillierte Planung für ein umfangreiches Erntebrauchmuseum entwickelt, das im Stiftsherrenhaus eingerichtet werden sollte. Darin wollte Spanuth die Christianisierung germanischen Brauchtums rückgängig machen. Die Planung wurde mit Ministerialrat Gutterer in Berlin abgestimmt. Nur der Krieg verhinderte die Realisierung des Vorhabens.

1936 wird in Hameln die Kultur-Heimatgemeinschaft Bückeberg e.V. gegründet. Sie soll die Kulturaufgaben im "Bückebergkreis" bündeln. Im Haus Münsterkirchhof 13, dem ehemaligen Manufakturwarengeschäft des 1939 vertriebenen und 1942 ermordeten jüdischen Bürgers Karl Bernstein, eröffnet die Heimatgemeinschaft ein Haus der Heimatkunst als "ständige Leistungsschau aller schöpferischen Kräfte des niedersächsischen Kulturbodens". Im selben Jahre weiht sie am Fuße des Klüt eine Freilichtbühne ein. Sie bietet 1200 Personen Platz und wird u.a. zur Feier der Sonnenwende benutzt. 
 


 

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