Adela von Meißen                          Königin von Böhmen
-----------------------
um 1150 1.2.1211
                 Meißen
 

Tochter des Markgrafen Otto der Reiche von Meißen aus dem Hause der WETTINER und der Hedwig von Ballenstedt, Tochter von Markgraf Albrecht der Bär
 

Schwennicke Detlev: Tafel 152
*****************
"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

ADELA
-----------
    Meissen 1.II.1211

  oo 1187
       OTTOKAR PREMYSL, 1205 König von Böhhmen
              15.XII.1230

verstoßen 1198/99


Thiele Andreas: Tafel 183
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte"
Band I, Teilband 1 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser I

ADELHEID
----------------
* um 1150, 1211

  oo 1180-1198
       OTTOKAR I. König von Böhmen
             1230


Schwarz Hilmar: Seite 164
**************
"Die Wettiner des Mittelalters und ihre Bedeutung für Thüringen"

Generation G

(52) ADELA
-----------------
    1. Februar 1211
     Meißen

  oo zwischen 1179 und 1181, bverstoßen 1198
      OTTOKAR I. König von Böhmen
             15.12.1230


Posse, Otto: Tafel 4, Seite 49
**********
"DIE WETTINER. Genealogie des Gesamthauses Wettin."

5. ADELA
--------------
    Meissen 1. Februar 1211

Gemahl:
----------
Herzog Premysl Otakar I. von Böhmen
    15. Dezember 1230
als Gemahl von Constanze von Ungarn

vermählt frühestens 1179, spätestens 1181; verstossen wohl Ende 1198

5. ADELA.

Beilage I, 7. - Adela wurde von ihrem Gemahl verstossen, wohl Ende des Jahres 1198, da sie zuerst an den Bischof von Prag und dann an den Papst appellierte und letzterer 1199 (Cod. dipl. Sax. reg. I, 3, 40) Auftrag gab, die Sache zu untersuchen. In diesem Jahre vermählte sich bereits Otakar mit seiner zweiten Gemahlin. In der päpstlichen Bulle heißt es, dass Otakar seine Gattin nach achtzehnjähriger, in einer zweiten von 1206 April 26 (Böhmer-Ficker 5, 5962) nach zwanzigjähriger Ehe verstoßen habe. Die Vermählung hat danach frühestens 1179, spätestens 1181 stattgefunden. - Die Ehe blieb geschhieden. - Fabricius, Ann. urbis Misnae: 1211. Adela ad mortem usque exulavit. Cui frater marchio de eius sententia ex ipsius dote coenobium condidit in Vuasserburgio, quod post paucos annos ex urbe translatum ad ripam Albis est, in qua vitam trannsegit vidua, obiit Calend. Febr. Dagegen ist jedoch einzuwenden, dass das Kloster erst nach der Königin Ableben 1224 gestiftete ist. Für Altzelle, als Beisetzungsort, spricht, dass er damals an einem andern passenden Begräbnisplatze im Meissner Lande fehlte. Vgl. Beyer, Altzelle 136, Anm. 7. - Otakar als Gemahl von Constanze von Ungarn am 15. Dezember 1230. Vgl. Palacka, Geschichte Böhmens 2, 92.


GENEALOGIE DER WETTINER: Seite 236
*****************************
Markgraf Otto [Otho]<der Reiche> von Meißen nahm zur Frau Hedwig, eine Tochter des Markgrafen Albrecht [Albertus] <des Bären> von Sachsen; mit ihr zeugte er die Söhne Albrecht [Albertus] <den Stolzen> und Dietrich [Tidericus] <den Bedrängten> sowie die Töchter Adela und Sophia. Adela heiratet Otakar [Odacarus] <I. Premysl>, der später <1192-1193> Herzog <und 1198 König> von Böhmen wurde < 1230>; der zeugte mit ihr einen Sohn Vladislav [Vredislaus] <Mgf. von Mähren 1224-1226> sowie drei Töchter, deren eine <Margarete oder Dagmar> heiratete den König <Waldemar II.> von Dänemark, eine weitere den Grafen Heinrich <I.> von Ortenburg [Orthenberc] <in Bayern, Krs. Vilshofen>, eine dritte wurde Kanonisse in Gernrode [Gerinrode]. Später aber <1199> wurden Otakar und Adela wegen des Schandmals der Blutsverwandtschaft geschieden.

Chronik von St. Peter zu Erfurt
**************************

Die Jahre 1202 und 1203.

 
 1202. Cunrad, Bischof von Würzburg, wurde am 6. Dezember ermordet; ihm folgte Heinrich, Scholaster an der Hauptkirche mit dem Beinamen Käs.
 
 1203. Hermann, Landgraf von Thüringen, verwarf, weil sich einige Mißhelligkeiten ergeben, seinen König Philipp auf's Neue und verband sich König Otto durch Eid und Lehenspflicht. Darüber heftig erzürnt sammelte König Philipp das zahlreiche Heer seiner Fürsten, drang feindlich in Thüringen ein, wobei ihm Lupold von Mainz und die Erfurter Hülfe leisteten, und verheerte grausam Alles, was dem Landgrafen und den Seinen gehörte, mit Feuer und Schwert. Der Landgraf aber, nicht vertrauend auf den Beistand der Seinen, rief den König von Böhmen Othaccar, den Sohn seiner Vaters-Schwester, mit einer Menge Böhmen herbei und so verheerten diese, indem er mit vielen tausend Böhmen in Thüringen eindrang, grausam Alles, sowohl was des Landgrafen, als was des Reiches, der Mainzer und der Erfurter war, verschonten kein Kloster, keine Kirche, keinen Menschen, und dann kehrten sie endlich nach Niedermetzelung vieler Leute über das Gebiet des Markgrafen Diterich von Meißen [1 Diterich war mit Othaccar in Feindschaft gerathen, weil er sich seiner von Othaccar verstoßenen Schwester Adela angenommen.] zurück.

Pätzold Stefan: Seite 102
*************
"Die frühen Wettiner"

Größere Bedeutung erlangte die Eheschließung zwischen Otaker Premysl I. und Adela, einer Tochter Markgraf Ottos. Sie wurde jedoch - wie erwähnt - im Jahre 1198 vom PREMYSLIDEN verstoßen. Nachdem der Prager Bischof Daniel die Scheidung legitimiert hatte, legte Adela beim Papst Beschwerde ein. Da Innocenz III. Otaker aber als Verbündeten im deutschen Thronstreit brauchte, wurde das Verfahren immer wieder verschleppt und führte bis zum Tod der WETTINERIN im Jahre 1211 zu keinem Ergebnis. Deshalb trat Markgraf Dietrich in dieser Zeit immer vehementer für die Rechte seiner Schwester ein, so dass die Auseinandersetzung mit dem Böhmen zunehmend auch seine Haltung im Konflikt zwischen dem STAUFER und dem WELFEN beeinflußte. 1203 bemühte er sich - allerdings erfolglos - bei König PHILIPP um die Einsetzung Theobalds III. zum König von Böhmen. Wenig später unterlag Otaker vor Weißensee den Truppen PHILIPPS und Dietrichs, wo er anscheinend zu dem Versprechen genötigt wurde, Adela wieder bei sich aufzunehmen. Als er jedoch sein Wort nicht hielt und es bald darauf zu einer Annäherung zwischen PHILIPP und dem PREMYSLIDEN kam, plante Dietrich möglicherweise auch deshalb 1207 den Übertritt ins Lager des WELFEN.

Palacky Franz: Band I Seite 486/Band II Seite 60,61
************
"Geschichte von Böhmen"

1192
Da Premysl Otakar des Markgrafen Schwester Adele zur Gemahlin hatte: so läßt sich der Grund dieses grausamen Verfahrens erraten.
1198
Unter den Verhältnissen aber, welche auf seine Politik den größten Einfluß übten, stand sein eigenes Hauswesen obenan. Er hatte in zarter Jugend, ohne Vorwissen und Bestimmung der beiderseitigen Verwandten, so wie ohne Ehepakten, sich mit des Markgrafen Otto von Meißen Tochter Adele vermählt, und in beinahe zwanzigjähriger Ehe mit ihr mehrere Söhne und Töchter gezeugt [Die Kinder dieser Ehe sind uns weder der Zahl, noch dem Namen nach bekannt; der Sohn Wratislaw lebte, vom Vater verstoßen, bei seinen Oheimen im Markgrafentum Meißen, wo er in Urkunden zwischen 1207-1224 oft genannt wird. Eine Tochter Hedwig trat ins Frauenkloster bei St. Georg ein. Sächsische Quellen geben mehr, aber nicht genug verläßliche Nachrichten (bei Menken, II. 309).], obgleich nicht ohne Widerspruch von Seite Roms, da beide Ehegatten im vierten Grade der Verwandtschaft standen. Erst als Otakar seiner Gemahlin überdrüssig geworden, ließ er den Scheidungsprozeß gegen sie eröffnen, der nicht ohne Härte durchgeführt werden konnte. Nachdem einige Förmlichkeiten erfüllt, und sieben Barone das Vorhandensein des vierten Grades der Verwandtschaft zwischen Otakar und Adele mit ihrem Schwur bezeugt hatten, sprach Bischof Daniel im Stifte Strahow im Beisein mehrerer anderer Prälaten die Scheidung gerichtlich aus. Der gekränkten Frau wurde der Eintritt in den Gerichtssaal, wo sie ihre Sache selbst führen wollte, durch Bewaffnete zu wiederholtenmalen verwehrt. Daher appellierte sie, um nur die Ehre ihrer Kinder zu retten, an den Papst, während Otakar kurz darauf ungehindert zu neuer Ehe schritt mit Constanze, der Schwester der Könige von Ungarn, Emerich und Andreas II.

Winkelmann, Eduard: Band I Seite 186,188,285,330/Band II Seite 119,271
******************
"Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig"

1200
Die Reimchronik Seite 182 beschuldigt die Genannten (siehe oben Seite 142) "heimlicher Freundschaft" mit dem Pfalzgrafen. Ich halte das für wohl möglich, als Wirkung des böhmischen Ehehandels, da der Markgraf Dietrich von Meißen, der Bruder der verstoßenen Adela, der Markgraf Otto II. von Brandenburg aber durch seine Tante Hedwig, Adelas Mutter, ihr nächster Vetter war.
Für das Reich war ein zweites Zerwürfnis im Osten noch viel gefährlicher, dadurch hervorgerufen, daß König Otakar von Böhmen nach mehr als zwanzigjähriger kinderreicher Ehe seine Gemahlin Adela, die Schwester des Markgrafen Dietrich von Meißen, verstieß. Obwohl sie gegen die ganz ungesetzliche Scheidung, zu welcher sich der Bischof Daniel von Prag mißbrauchen ließ, an den Papst appellierte, führte Otakar noch im Jahre 1199 Konstanze von Ungarn, die Schwester des streitenden Brüderpaars, als Gattin heim. Es bestand also die Gefahr, daß auch Böhmen in den ungarischen Streit hineingezogen wurde; andererseits brachte jene Scheidung den PRZEMYSLIDEN in den feindlichen Gegensatz zu den WETTINERN, die wiederum mit den ANHALTINERN [richtiger: ASKANIER] in Brandenburg und Sachsen aufs Engste verschwägert waren. Dieser Gegensatz wurde sehr bald auch im deutschen Thronstreit fühlbar, in welchem alle Beteiligten bisher zusammen für König PHILIPP gewirkt hatten.
1203
Manches andere mag in dieser Entscheidung mitgewirkt haben, vor allem die Gunst, in der nun Markgraf Dietrich von Meißen und die WETTINER überhaupt bei PHILIPP standen, Otakars unversöhnliche Feinde, seitdem er sie durch die Verstoßung seiner ersten Gemahlin Adela [Daß Otakar, als er 1204 Versöhnung mit PHILIPP suchte, auch zugleich verpflichtet ward, Adela zurückzunehmen, also die WETTINER zu befriedigen.], Dietrichs Schwester, tödlich beleidigt hatte.
1204
Das waren unseres Erachtens die schwerwiegenden Gründe, aus welchen Otakars Rücktritt auf die staufische Seite hervorging. Er stellte Geiseln für seine Treue und zahlte 7.000 Pfund Silber. PHILIPP ließ dagegen den von den WETTINERN befürworteten Prätendenten Theobald fallen und begnügte sich damit, daß derselbe mit dem Titel eines Herzogs seine väterlichen Güter in Böhmen wieder erhielt. Aber dieses wichtige Zugeständnis mußte anscheinend von Otakar dadurch erkauft werden, daß er der verstoßenen Adela von Meißen ihre Rechte als Fürstin und Gattin einzuräumen versprach. Diese Genugtuung war er den schwer gekränkten WETTINERN schuldig.
1208
Otakar hatte ein Recht zur Besorgnis, daß der WELFE ihre Unterstützung mit Parteinahme für seine verstoßene Gattin Adela von Meißen belohnen und die Erbfolge seines Sohnes zweiter Ehe zu Gunsten der Kinder Adelas neuerdings in Frage stellen möchten.
1211
Die Wahrheit dürfte sein, daß Otakars Verhalten einfach durch die ängstliche Rücksicht auf die Kurie bedingt worden ist, welche in seinem unglücklichen Ehehandel mit der verstoßenen Adela von Meißen eine überaus wirksame Handhabe besaß, ihn ihrem Willen dienstbar zu machen. Oder war es ein Zufall, daß Innocenz gerade um die Zeit, als an den Absichten des Kaisers zu zweifeln nicht mehr möglich war, am 13. April 1210 jenen Prozeß wieder in Gang brachte? Der 11. November war damals zur Verhandlung bestimmt worden, wurde aber nicht eingehalten. Darüber ist dann die unglückliche Frau am 2. Februar 1211 gestorben, ohne daß ihr auf Erden Recht geworden wäre.
 
 
 
 

 1179-1198
  oo 1. Premysl Ottokar I. König von Böhmen
          1155 15.12.1230
 
 
 
 

Kinder:

  Margarete
         24.5.1212

 1205
  oo Waldemar II. König von Dänemark
       28.6.1170 28.3.1241

  Bogislawa
       

   oo Heinrich I. Graf von Ortenburg
              1241

  Hedwig Nonne
       

  Vratislav
        nach 1224
 
 
 
 

Literatur:
-----------
CHRONIK VOM PETERSBERG nebst der GENEALOGIE DER WETTINER, fliegenkopf verlag Halle 1996 Seite 236 - Chronik von St. Peter zu Erfurt ad a. 1202/1203 - Csendes Peter: Philipp von Schwaben. Ein Staufer im Kampf um die Macht. Primus Verlag 2003 Seite 110,137,148, 185 - Palacky Franz: Geschichte von Böhmen 1842 Band I Seite 486/Band II Seite 60,61,70 - Pätzold Stefan: Die frühen Wettiner. Adelsfamilie und Hausüberlieferung bis 1221, Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 1997, Seite 55,72,76,102,220,287,350 - Posse, Otto: DIE WETTINER. Genealogie des Gesamthauses Wettin. Zentralantiquariat Leipzig GmbH 1994 Tafel 4 Seite 49 - Schwarz Hilmar: Die Wettiner des Mittelalters und ihre Bedeutung für Thüringen, Kranichborn Verlag Leipzig 1994 Seite 164 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998  - Slavenchronik des Arnold von Lübeck Seite 223 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 183 - Weller Tobias: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert. Rheinisches Archiv. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2004 Seite 136,206,645, 668,670,678-681,683,685-686,696,728,816,820 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 1. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1873, Seite 186,188,285,310,330,443,444 - Winkelmann, Eduard: Jahrbücher der Deutschen Geschichte, Philipp von Schwaben und Otto IV. von Braunschweig 2. Buch Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1963, Seite 119,149,252,271,272,300,446 -